[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Entschwefeln einer Roheisenschmelze, entsprechend
dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Roheisen-Entschwefelungsverfahren sind in verschiedenen Ausführungsarten aus der
Praxis und der Fachliteratur (z.B. "Stahl und Eisen", Nr. 9/1997, S.53 - 58) bekannt.
Bei diesem Entschwefeln ist das Roheisen-Schmelzebad in einem entsprechenden Gefäß
vorhanden, das im allgemeinen durch eine Torpedopfanne oder eine Rohrpfanne gebildet
wird, die jeweils beim Hochofenabstich gefüllt wird.
[0003] Aus der DE 35 44 563 A ist ein zur Entschwefelung von geschmolzenem Eisen bestimmtes,
feinkörniges Mittel bekannt, das in fluidisierter Form mittels eines Gases in eine
Eisenschmelze eingeblasen wird und im wesentlichen aus technischem Calciumcarbid und
einer getrockneten Kohle besteht, die mindestens 15 Gew.-% flüchtige Bestandteile
enthält und bei der Temperatur der Eisenschmelze ein Gasvolumen von mindestens 80
N1 Gas/kg Kohle entwickelt. Der Anteil an technischem Calciumcarbid soll 50 bis 98
Gew.-%, besonders bevorzugt 80 bis 96 Gew.-%, und der Anteil an Kohle 50 bis 2 Gew.-%,
besonders bevorzugt 20 bis 4 Gew.-%. betragen. Diese Kohle kann aus einer Gruppe ausgewählt
werden, die aus Flammkohle, Gasflammkohle und Gaskohle besteht. Getrocknete Kohle
und vorgebrochenes Calciumcarbid können als Gemisch in einer Mühle auf einen gewünschten
Feinheitsgrad (korngröße < 200
µm, vorzugsweise < 100
µm) zerkleinert werden. Das Einblasen Dieses Entschwefelungsmittels geschieht mit einer
Fördergasmenge von 3 bis 30 Nl/kg Entschwefelungsmittel in die Eisenschmelze, und
zwar mit einer Förderrate von 10 bis 100 kg/min, wozu wenigstens ein nichtoxidierendes
Gas als Fördergas verwendet wird.
[0004] Weiterhin sind aus der US 52 84 504 A ein pulverförmiges Entschwefelungsmittel für
geschmolzenes Eisen sowie ein Verfahren für seine Anwendung bekannt. In einer offensichtlich
bevorzugten Ausführungsform enthält dieses Entschwefelungsmittel Calciumcarbid (0,0
bis 99,9 %) oder Kalk (0 bis 90 %) sowie - als gaserzeugende Komponente - Asphaltit
(0,1 bis 40 %) und ggf. andere Zusätze wie Magnesium (0 bis 40 %). Nach dem dortigen
Beispiel 5 kann für das Entschwefelungsmittel aber auch eine Zusammensetzung aus 68
% technischem Calciumcarbid, 22 % Kalk, 5 % Gilsonit (als Asphaltit) und 5 % Magnesium
verwendet werden. Die Komponenten dieses Entschwefelungsmittels können als ganzes
Gemisch oder jeweils gesondert in das Schmelzebad eingeblasen werden. Dieses Einblasen
kann mit einer Feststoff-Fließrate von 10 bis 150 kg/min, vorzugsweise mit 30 bis
80 kg/min mit einer Gasmenge von 3 bis 30 N1 Gas/kg Entschwefelungsmittel erfolgen,
wobei als Fördergas Argon, Stickstoff, Luft, Kohlendioxid oder dergleichen verwendet
werden können.
[0005] Aus der US 39 55 966 A ist es ferner bekannt, zum Entschwefeln von geschmolzenem
Roheisen ein festes Entschwefelungsmittel, das ein fein verteiltes Calciumcarbid enthält,
aus einem Druckbehälter in fluidisiertem Förderstrom mit Hilfe eines Fördergases über
eine Eintauchlanze in das Roheisen-Schmelzebad bei einem vorbestimmten konstanten
Gas/Feststoff-Verhältnis in das Roheisen-Schmelzebad einzublasen. Dieses Einblasen
des Entschwefelungsmittels soll mit einer Rate zwischen 70 und 250 kg/min bei einem
Gas/Feststoff-Verhältnis von 2 bis 12 Nl/kg erfolgen. Dem Calciumcarbid ist ein Feststoffmaterial
zugemischt, das bei der Temperatur des geschmolzenen Roheisens ein Gas entwickelt
und bei dem es sich um mit Kohlenstoff vermischtes Calciumcarbonat, Calcium-Magnesiumcarbonat,
Rohdolomit oder Magnesiumcarbonat und Rohmagnesit handeln kann. Nach dem dortigen
Beispiel 1 (Sp.6, 1.Abs.) kann das Entschwefelungsmittel 70 Gew.-% Calciumcarbid sowie
27 Gew.-% Kalkstein und 3 % kohlenstoffhaltiges Material enthalten. Diese zusammengemischten
Komponenten werden bei bestimmten Drücken und mit bestimmten Förderraten aus dem Druckbehälter
herausgefördert und in das Schmelzebad eingeblasen.
[0006] Ferner ist es zur Entschwefelung von Roheisen generell bekannt, calciumhaltige Entschwefelungsmittel,
nämlich Calciumcarbid (CaC
2) und/oder Kalk (CaO) zu verwenden und diese auf dem Wege einer sogenannten Monoinjektion
in das Roheisen-Schmelzebad einzubringen, wobei das Entschwefelungsmittel aus einem
Fördergefäß ausgetragen und mit einem Transportgas über eine feuerfeste Einblaslanze
in die Roheisenschmelze bzw. in das Roheisen-Schmelzebad eingeblasen wird. Dieses
Einblasen geschieht während der gesamten Behandlungszeit mit einer konstanten Einblasrate
für Entschwefelungsmittel und Transportgas. Da sowohl Calciumcarbid als auch Kalk
bei Roheisentemperaturen von etwa 1.250 bis 1.550°C im festen Aggregatzustand vorliegen,
handelt es sich bei dieser Entschwefelung von flüssigem Roheisen um eine Fest-Flüssig-Reaktion.
[0007] Diese metallurgische Verfahrenstechnik der Roheisenentschwefelung mit calciumcarbid-
und kalkhaltigen Entschwefelungsmitteln basiert auf einem theoretischen Reaktormodell,
wonach die Entschwefelungsmittel ausschließlich während des Aufstiegs von der Lanzenausströmöffnung
bis zur Badoberfläche mit dem im Roheisen gelösten Schwefel reagieren können. Ausgehend
von dieser verfahrenstechnischen Modellvorstellung werden im allgemeinen zwei Verfahrensvarianten
praktiziert, nämlich ein zeitoptimiertes Dichtstromverfahren und ein kostenoptimiertes
Verfahren.
[0008] Ein wesentliches Merkmal des zeitoptimierten Dichtstromverfahrens ist die Einstellung
eines hohen Entschwefelungsmittel-Einblasrate-Transportgasrate-Verhältnisses, d.h.
das Entschwefelungsmittel wird mit einer relativ hohen Beladungsdichte in das Roheisen-Schmelzebad
eingeblasen. Entsprechend den theoretischen Grundlagen des transitorischen Reaktormodells
entsteht bei dieser hohen Beladungsdichte ein pseudohomogenes Gemisch, durch das im
Bereich der Lanzenspitze nach Abbau der kinetischen Energie eine große Anzahl kleiner
entschwefelungsmittelhaltiger Blasen gebildet wird. Durch diese Vielzahl kleiner Blasen
wird der schwefelhaltigen Roheisenschmelze eine relativ große Reaktionsfläche angeboten.
Diese relativ große spezifische Blasenoberfläche begünstigt daher den Kontakt des
Entschwefelungsmittels mti dem schwefelhaltigen Roheisen, wodurch ein relativ guter
Ausnutzungsgrad der Entschwefelungsmittel erreicht wird.
[0009] Bei diesem Dichtstromverfahren wird etwa mit folgenden Merkmalen gearbeitet: 60 bis
90 % technischer CaC
2-Anteil und 10 bis 40 % Diamidkalk als Entschwefelungsmittel; 80 bis 150 kg/min Entschwefelungsmittel-Einblasrate;
22 bis 54 mol/min Transportgasrate; Ein-Loch-Einblaslanze, mit einer Position dieser
Einblaslanze etwa senkrecht oder unter einem Winkel von 10 bis 30 % gegenüber der
Vertikalen der Torpedopfanne geneigt.
[0010] Das sogenannte kostenoptimierte Verfahren geht aus von einer Einbringungsvorrichtung
für pulverförmige Entschwefelungsreagenzien, etwa entsprechend der EP-B-0 274 557,
wodurch eine Optimierung der Roheisenentschwefelung in bezug auf das zuvorbeschriebene
Dichtstromverfahren erzielt werden konnte. Diese Optimierung basiert auf einer erweiterten
Modellvorstellung der oben erwähnten transitorischen Reaktortheorie, wonach der Wirkungsgrad
der Entschwefelungsmittel hauptsächlich von den Strömungsverhältnissen in der Roheisenschmelze
bzw. im Roheisenschmelzebad, der Geschwindigkeit des Konzentrationsausgleichs in der
Roheisenschmelze und der pro Zeiteinheit in die Roheisenschmelze eingebrachten Entschwefelungsmittelmenge
beeinflußt wird. Bei diesem Verfahren wurde mit möglichst niedrigen Entschwefelungsmittel-Einblasraten,
hohen Transportgasraten und dem Einsatz von Zwei-Loch-Einblaslanzen mit einer solchen
Lanzenposition gearbeitet, daß die Austrittsdüsen um einen feststehenden Winkel gegenüber
der Längsachse der Schmelzepfanne gedreht sind. Hierbei kann eine weitere Optimierung
dadurch erreicht werden, daß ein eutektisches Calciumcarbidgemisch mit einem technischen
CaC
2-Anteil von etwa 67 %, einem CaO-Anteil von etwa 28 % und Flammkohle mit etwa 5 %
zum Einsatz kommt. Die Entschwefelungsmittel-Einblasrate beträgt in diesem Falle etwa
20 bis 50 kg/min, bei einer Transportgasrate von etwa 98 bis 280 mol/min.
[0011] Im Vergleich zu dem oben beschriebenen Dichtstromverfahren konnten die Entschwefelungsmittelkosten
bei dem zuletzt erwähnten Verfahren um bis zu DM 1,50 pro Tonne Roheisen gesenkt werden,
weshalb derzeit im wesentlichen alle Torpedo- und Rohrpfannen-Entschwefelungen nach
dem zuletzt erwähnten, kostenoptimierten Verfahren betrieben werden. Als Hauptnachteil
dieses zuletzt erwähnten Verfahrens wird jedoch die im Vergleich zum Dichtstromverfahren
zum Teil wesentlich längere Entschwefelungmittel-Einblaszeit bzw. Behandlungszeit
angesehen.
[0012] Aufgrund des in den letzten Jahren stetig gestiegenen Bedarfs an tiefentschwefeltem
Roheisen (mit Endschwefelgehalten von ≤ 0,005 %) und der daraus resultierenden zusätzlichen
Verlängerung der Behandlungszeit reichen die Kapazitäten der vorhandenen Entschwefelungsanlagen
vielfach nicht mehr aus, und die Roheisenentschwefelung wird zum Engpaß innerhalb
einer Raffinationskette der Rohstahlproduktion.
[0013] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Entschwefelungsverfahren dahin
weiterzuentwickeln, daß im Vergleich zu dem zuletzt beschriebenen bekannten (kostenoptimierten)
Verfahren eine Verkürzung der Einblaszeiten bei relativ günstigen Investitionskosten
und bei einer Verringerung der Entschwefelungsmittelkosten erreicht wird.
[0014] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die im Anspruche 1 angegebenen Merkmale
erreicht, wobei vorteilhafte Ausgestaltungen dieser Erfindung in den Unteransprüchen
angegeben sind.
[0015] Die Erfindung macht sich dabei die thermodynamischen und reaktionskinetischen Einflußfaktoren
auf die Roheisenschmelze zunutze. Es seien daher zunächst die wichtigsten Einflußfaktoren
auf die Effektivität der Roheisenentschwefelung mit Calciumcarbid und Kalk aufgezeigt:
- Hohes Verhältnis von Entschwefelungsmittel-Einblasrate zu Transportgasrate, um über
die Bildung einer großen Anzahl kleiner Blasen/Bläschen den Wirkungsgrad der Entschwefelung
zu verbessern;
- hohe Gasmengen für einen beschleunigten Konzentrationsausgleich in der Roheisenschmelze
(Roheisen-Schmelzebad);
- niedrige Entschwefelungsmittel-Einblasraten, um den Wirkungsgrad der Entschwefelung
über eine Verringerung der im Roheisen pro Zeiteinheit angebotenen Entschwefelungsmittelmenge
zu erhöhen;
- reduzierende Bedingungen (d.h. Verringerung oder Beseitigung von Sauerstoff), da Calciumcarbid
und Calciumsulfid eine höhere Affinität zu Sauerstoff haben als zu Schwefel;
- Entschwefelungsmittel mit geringen Entmischungstendenzen für die Sicherstellung der
Reproduzierbarkeit der Entschwefelung;
- Lanzenausführung und Position der Einblaslanze in dem die Roheisenschmelze aufnehmenden
Gefäß (Torpedopfanne oder dergl.), bei Optimierung der Strömungsverhältnisse in dem
Gefäß.
[0016] Wesentliche Merkmale der Erfindung werden daher darin gesehen, daß das Schmelzebehandlungsmittel
mit einem relativ hohen Anteil an reduzierend wirkendem Zusatzstoff verwendet und
das Einblasen dieses Schmelzebehandlungsmittels bei Kombination von mehreren, thermodynamische
und reaktionskinetische Erfodernisse berücksichtigenden Verfahrensparametern durchgeführt
wird. Gegenüber dem oben beschriebenen Stand der Technik kann das erfindungsgemäße
Verfahren bei relativ niedrigen Transportgasraten mit einem entsprechenden Anteil
an Entschwefelungsmittel und einem relativ hohen Anteil an reduzierend wirkendem,
gasabspaltendem Zusatzstoff betrieben werden. Besonders durch den relativ hohen Anteil
an reduzierend wirkendem Zusatzstoff wird eine Vergrößerung der reaktiven Oberfläche
des Entschwefelungsmittels bei gleichzeitiger intensiver Durchmischung der Roheisenschmelze
ermöglicht. Durch die gleichzeitige Berücksichtigung thermodynamischer und rektionskinetischer
Einflußfaktoren bzw. Verfahrensparameter wird sowohl eine zeitoptimierte als auch
eine kostenoptimierte Betriebsweise erreicht, d.h. eine Verkürzung der Einblaszeiten
bei gleichzeitiger Verringerung der Entschwefelungsmittelkosten.
[0017] Bei diesem erfindungsgemäßen Verfahren werden in die Kombination der Verfahrensparameter
wenigstens folgende Parameter - mit den sich daraus ergebenden Wirkungen - einbezogen:
- Ein relativ hohes Verhältnis von Schmelzebehandlungsmittel-Einblasrate zu Transportgasrate.
Hierdurch ergibt sich eine relativ hohe Beladungsdichte, die im Roheisen-Schmelzebad
eine Vielzahl kleiner Gasblasen bzw. Gasbläschen bewirkt, in denen sich die Entschwefelungsmittelpartikel
befinden. Da kleinere Gasblasen eine relativ große spezifische Oberfläche (Blasenoberfläche)
besitzen, wird mit einer hohen Beladungsdichte eine Verringerung der Entschwefelungsmittel-Verbräuche
erreicht.
- Eine relativ hohe spezifische Gesamtgasmenge. Durch hohe spezifische Gesamtgasmengen
wird infolge einer besonders intensiven Durchmischung des Roheisens (Rühreffekt) eine
verbesserte Verteilung des Entschwefelungsmittels im Roheisen und ein beschleunigter
Konzentrationsausgleich erreicht, was wiederum insgesamt zu einem besonders hohen
Wirkungsgrad bei der Entschwefelung des Roheisens führt.
- Ein relativ hohes Verhältnis von durch den Zusatzstoff abgespaltener Gasmenge zu Transprotgasmenge.
Dies ergibt sich dadurch, daß die durch den Zusatzstoff freigesetzten bzw. abgespaltenen
Gase Entschwefelungsmittelpartikel aus bestehenden Gasblasen herauslösen und in direktem
Kontakt mit der schwefelhaltigen Roheisenschmelze bringen, wodurch ebenfalls der Wirkungsgrad
der Entschwefelung verbesert bzw. erhöht wird.
[0018] Zusätzlich zu diesen Verfahrensparametern sei noch der relativ hohe Anteil bzw. die
relativ große Menge an reduzierend wirkenden und durch den Zusatzstoff abgespaltenen
Gase genannt, wodurch eine Desoxidation des Roheisens beschleunigt und eine Rückschwefelung
des Reaktionsproduktes Calciumsulfid auf ein Minimum herabgesetzt wird.
[0019] Bei diesem erfindungsgemäßen Entschwefelungsverfahren wird ein Gemisch aus calciumhaltigen
Entschwefelungsmitteln, enthaltend Calciumcarbid (CaC
2) und/ Kalk (CaO), und als gasabspaltender Zusatzstoff ein reduzierend wirkender Gasabspalter
verwendet wobei dieses Schmelzebehandlungsmittel aus folgende Anteile - in Gew.-%
- besteht:
30 bis 72 %, vorzugsweise 40 bis 65 %, CaC2
15 bis 62 %, vorzugsweise 20 bis 50 %, CaO
8 bis 20 %, vorzugsweise 10 bis 15 %, Gasabspalter
[0020] Als Gasabspalter können hierbei verschiedene Mittel eingesetzt werden, und zwar Gaskohle,
Flammkohle, Kunststoffe oder andere Kohlenwasserstoffe, die jeweils bei Roheisentemperaturen
von etwa 1.150 bis 1.500 °C reduzierende Gase abspalten (freisetzen).
[0021] Das Schmelzebehandlungsmittel wird mit einer Rate von etwa 0,67 bis 3,36 g pro mol
Transportgas, vorzugsweise etwa 1,34 bis 2,24 kg pro mol Transportgas, in das Roheisen-Schmelzebad
eingeblasen. Die spezifische Schmelzebehandlungsmittel-Einblasrate ist hierbei zweckmäßig
im Bereich von etwa 0,13 bis 0,40 kg/(min t Roheisen), vorzugsweise etwa 0,15 bis
0,25 kg/(min t Roheisen), gewählt werden, während die aus der spezifischen Transportgasmenge
und der spezifischen abgespaltenen Gasmenge gebildete spezifische Gesamtgasmenge im
Bereich von etwa 0,36 bis 0,89 mol/(min * t Roheisen), vorzugsweise etwa 0,44 bis
0,67 mol/(min * t Roheisen), gewählt wird.
[0022] Bei dieser erfindungsgemäßen Verfahrensweise wird ferner ein Gasmengen-Verhältnis
zwischen abgespaltenem Gas und Transportgas bei etwa 2 bis 8, vorzugsweise bei etwa
3 bis 5, gewählt werden.
[0023] Als Transportgas wird bevorzugt Stickstoff verwendet, obwohl auch andere geeignete
Transportgasarten im Bedarfsfalle verwendet werden können, insbesondere getrocknete
Druckluft, Erdgas und/oder Argon.
[0024] Bei diesem erfindungsgemäßen Verfahren wird generell so vorgegangen, daß das Schmelzebehandlungsmittel
in fertig gemischtem Zustand aus Entschwefelungsmittel und Zusatzstoff (Gasabspalter)
pneumatisch in das Roheisen-Schmelzebad eingeblasen wird.
[0025] Nachfolgend sei ein Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens im Vergleich
zu dem weiter obenen beschriebenen bekannten "kostenoptimierten Verfahren" beschrieben.
Bei diesen Verfahren wurden Roheisenschmelzen in einer Torpedopfanne mit Schmelzebehandlungsmitteln
bzw. -gemischen entschwefelt, die einen Anteil an technischem Calciumcarbid (effektivste
Entschwefelungskomponente) von 67 % enthielten.
[0026] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wurde der Anteil an Gasabspalter (Flammkohle)
im Schmelzebehandlungsmittelgemisch auf 13 % begrenzt, um eine Beeinträchtigung der
Treffsicherheit infolge möglicher Entmischungstendenzen zu minimieren. Um die Roheisenentschwefelung
dennoch mit einer optimalen spezifischen Gesamtgasmenge von mindestens 0,5 mol pro
Tonne Roheisen durchführen zu können, wurde die Schmelzebehandlungsmittel-Einblasrate
- im Vergleich zu dem bekannten Verfahren - von 30 kg/min auf 40 kg/min erhöht.
[0027] Ein Vergleich der Verfahrensdaten zwischen dem erfindungsgemäßen Verfahren und dem
bekannten "kostenoptimierten Verfahren" ist in der untenstehenden Tabelle 1 angeführt.
Tabelle 1
| Verfahrensdaten |
Erfindungsgemäßes Verfahren |
Kostenoptimiertes Verfahren |
| Schmelzebehandlungsmittel- |
67 % techn. Calciumcarbid |
67 % techn. Calciumcarbid |
| 20% Kalk |
28% Kalk |
| 13 % Flammkohle |
5 % Flammkohle |
| Schmelebehandlungsmittel-Einblasrate |
40 kg/min |
30 kg/min |
| Spezifische Schmelzbehandlungsmittel-Einblasrate |
0,16 kg/(min t Roheisen) |
0,12 kg/(min t Roheisen) |
| Transportgas |
Stickstoff |
Stickstoff |
| Transportgasmenge |
22,3 mol/min |
142,8 mol/min |
| Gasabspaltermenge |
104,5 mol/min |
30,1 mol/min |
| Gesamtgasmenge |
126,8 mol/min |
172,9 mol/min |
| Spezifische Gesamtgasmenge |
0,52 mol/(min * t Roheisen) |
0.71 mol/(min * t Roheisen) |
[0028] In einer zweiten Tabelle sind die erfaßten Betriebsdaten einerseits für das erfindungsgemäße
Verfahren und andererseits für das bekannte kostenoptimierte Verfahren angegeben.
Tabelle 2
| Betriebsdaten |
Erfindungsgemäßes Verfahren |
Kostenoptimiertes Verfahren |
| Anzahl Chargen |
45 |
242 |
| ø Roheisengewicht |
241,8 t |
242,1 t |
| ø Roheisentemperatur |
1405 °C |
1408 °C |
| ø Anfangsschwefelgehalt |
0,057 % |
0,058 % |
| ø Endschwefelgehalt |
0,005 % |
0,005 % |
| ø Entschwefelungsmittelverbrauch |
5,75 kg/t Roheisen |
7,33 g/t Roheisen |
| ø Einblaszeit |
34,8 min |
59,1 min |
| ø Lanzenstandzeit |
750 min |
750 min |
| ø Roheisenverluste |
3808 kg |
4195 kg |
| ø Spezifische Roheisenverluste |
15,7 kg/t Roheisen |
17,3 kg/t Roheisen |
| ø Transportgasverbrauch |
776 mol/charge |
8,442 mol/charge |
| ø spezifischer Transportgasverbrauch |
3,21 mol/(min * t Roheisen) |
34.9 mol/(min * t Roheisen) |
[0029] Der obige Vergleich zeigt, daß durch das erfindungsgemäße Verfahren gegenüber dem
bekannten Verfahren noch weitere sich kostensparend und zeitsparend auswirkende Verringerungen
erzielen lassen, und zwar insbesondere
- beim Verbrauch des Entschwefelungs- bzw. Schmelzebehandlungsmittels mit - 21,3 %,
- bei den Einblaszeiten mit - 41,1 %,
- bei der Anzahl der Einblaslanzen* mit -41,1 % und
- bei den Roheisenverlusten mit -9,2 %.
* infolge der verringerten Einblaszeit.
[0030] Zu den zuvor angegebenen Vorteilen durch die verschiedenen Verringerungen kommt noch
hinzu, daß die Aufwendungen für den Transport und die Aufbereitung der Entschwefelungsschlacke
verringert werden können.
1. Verfahren zum Entschwefeln einer Roheisenschmelze, wobei ein Schmelzebehandlungsmittel,
das ein Gemisch aus wenigstens einem feinkörnigen, calciumhaltigen Entschwefelungsmittel
und einem reduzierend wirkenden, gasabspaltenden Zusatzstoff enhält, mit Hilfe eines
Transportgases in ein Roheisen-Schmelzebad eingeblasen wird, wobei das Schmelzebehandlungsmittel
aus folgende Anteile - in Gew.-% - besteht :
- 30 bis 72 % CaC2
- 15 bis 62 % CaO
- 8 bis 20 % gasabspaltender Zusatzstoff.
und wobei dass das Einblasen dieses Schmelzebehandlungsmittels bei Kombination von
wenigstens folgenden, thermodynamische und reaktionskinetische Erfordernisse berücksichtigenden
Verfahrensparametern durchgeführt wird:
- das Schrmelzebehandlungsmittel wird mit einer Rate von 0,67 bis 3,36 kg pro mol
Transportgas in das Roheisen-Schmelzebad eingeblasen;
- die spezifische Schmelzebehandlungsmittel-Einblasrate wird im Bereich von 0,13 bis
0,40 kg/(min t Roheisen) und die aus der spez. Transportgasmenge und der spez. abgespaltenen
Gasmenge gebildete spez. Gesamtgasmenge im Bereich von 0,36 bis 0,89 mol/(min * t
Roheisen) gewählt;
- das Gasmengen-Verhältnis zwischen abgespaltenem Gas und Transportgas wird bei 2
bis 8 gewählt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass als gasabspaltender Zusatzstoff Gaskohle, Flammkohle, Kunststoffe oder andere Kohlenwasserstoffe,
die bei Roheisentemperaturen von etwa 1.150 bis 1.500 °C reduzierende Gase abspalten,
eingesetzt werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Schmelzebehandlungsmittel mit einer Rate von 1,34 bis 2,29 kg pro mol Transportgas,
in das Roheisen-Schmelzebad eingeblasen wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die spezifische Schmelzebehandlungsmittel-Einblasrate im Bereich von 0,15 bis 0,25
kg/(min t Roheisen), und die aus der spez. Transportgasmenge und der spez. abgespaltenen
Gasmenge gebildete spez. Gesamtgasmenge im Bereich von 0,44 bis 0,67 mol/(min * t
Roheisen), gewählt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein Gasmengen-Verhältnis zwischen abgespaltenem Gas und Transportgas bei 3 bis 5,
gewählt wird.
6. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass als Transportgas Stickstoff, getrocknete Druckluft, Erdgas und/oder Argon, bevorzugt
jedoch Stickstoff verwendet wird.
7. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Schmelzebad-Behandlungsmittel in fertig gemischtem Zustand aus Entschwefelungsmittel
und Zusatzstoff pneumatisch in das Roheisen-Schmelzebad eingeblasen wird.
1. Method for desulphurising molten pig iron, wherein a smelt treatment agent that contains
a mix of at least one fine-grained, calcic desulphurising agent and a reductive gas-separating
additive is blasted into a pig iron smelt with the help of a transfer gas, the smelt
treatment agent consisting of the following components in % by wt.:
- 30 to 72 % CaC2
- 15 to 62 % CaCO
- 8 to 20 % gas-separating additive,
and wherein the blasting-in of said smelt treatment agent is carried out while combining
at least the following process parameters which take into account thermodynamic reaction-kinetic
requirements:
- the smelt treatment agent is blasted into the pig iron smelt at a rate of 0.67 to
3.36 kg per mole of transfer gas;
- the specific smelt treatment agent blasting-in rate is chosen within the range from
0.13 to 0.40 kg/g (min t pig iron) and the specific total gas quantity constitued
from the specific transfer gas quantity and the specific separated gas quantity is
chosen within the range from 0.36 to 0.89 mole/(min * t pig iron);
- the gas quantity ratio of separated gas to transfer gas is chosen to be 2 to 8.
2. Method according to claim 1, characterised in that gas coal, bright-burning coal, plastics or other hydrocarbons that separate reductive
gases at pig iron temperatures of around 1150 to 1500 °C are employed as the gas-separating
additive.
3. Method according to claim 1, characterised in that the smelt treatment agent is blasted into the pig iron smelt at a rate of 1.34 to
2.29 kg per mole of transfer gas.
4. Method according to claim 1, characterised in that the specific smelt treatment agent blasting-in rate is chosen within the range from
0.15 to 0.25 kg/(min t pig iron), and the specific total gas quantity constituted
from the specific transfer gas quantity and the specific separated gas quantity is
chosen within the range from 0.44 to 0.67 mole/(min * t pig iron).
5. Method according to claim 1, characterised in that a gas quantity ratio of separated gas relative to transfer gas of 3 to 5 is chosen.
6. Method according to at least one of claims 1 to 5, characterised in that nitrogen, dried compressed air, natural gas and/or argon, though preferably nitrogen,
is used as the transfer gas.
7. Method according to claim 1, characterised in that the smelt treatment agent in the form of a ready mix of desulphurising agent and
additive is blasted pneumatically into the pig iron smelt.
1. Procédé pour la désulfuration d'une fonte liquide, dans le cadre duquel un agent de
traitement de la fonte, comprenant un mélange composé au moins d'un agent de désulfuration
à grain fin, contenant du calcium, et d'un additif de dégagement d'un gaz, à action
réductrice, est injecté, à l'aide d'un gaz de transport, dans un bain de fusion de
fonte, ledit agent de traitement de la fonte comprenant les composants suivants, en
% de poids :
30 à 72 % CaC2
15 à 62 % CaO
8 à 20 % d'additif dégageant un gaz
et dans lequel l'injection de cet agent de traitement de la fonte est effectuée en
combinant au moins les paramètres de procédé suivants, prenant en considération les
exigences thermodynamiques et de cinétique des réactions :
l'agent de traitement est injecté, avec un débit de 0,67 à 3,36 kg par mole de gaz
de transport, dans le bain de fusion de fonte;
le taux d'injection spécifique de l'agent de traitement de la fonte est sélectionné
dans une gamme de 0,13 à 0,40 kg/(min*t fonte), et la quantité de gaz totale, spécifique,
formée par la quantité spécifique de gaz de transport et la quantité spécifique de
gaz dégagé, est sélectionnée dans une gamme de 0,36 à 0,89 mol/min* t de fonte) ;
le rapport des quantités de gaz, entre le gaz dégagé et le gaz de transport, est sélectionné
dans un intervalle de 2 à 8.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'on emploie comme additif de dégagement de gaz du charbon à gaz, du charbon flamant,
des matières plastiques ou d'autres hydrocarbures qui dégagent des gaz réducteurs
à des températures de la fonte d'environ 1150 à 1500 °C.
3. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'agent de traitement de la fonte est injecté dans le bain de fusion de fonte à raison
de 1,34 à 2,29 kg par mole de gaz de transport.
4. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le taux d'injection spécifique d'agent de traitement de la fonte est sélectionné
dans une gamme de 0,15 à 0,25 kg/(min*t fonte) et la quantité de gaz totale, spécifique,
formée par la quantité spécifique de gaz de transport et la quantité spécifique de
gaz dégagé, est sélectionnée dans une gamme de 0,44 à 0,67 mol/(min*t fonte).
5. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le rapport des quantités de gaz, entre le gaz dégagé et le gaz de transport est choisi
de 3 à 5.
6. Procédé selon au moins l'une des revendications 1 à 5, caractérisé en ce que l'on utilise comme gaz de transport de l'azote, de l'air comprimé, séché, du gaz
naturel et / ou de l'argon, la préférence allant cependant à l'azote.
7. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que l'agent de traitement de la fonte, à l'état de mélange prêt à l'usage, à base d'agent
de désulfuration et d'additif, est injecté dans le bain de fusion de fonte, de manière
pneumatique.