[0001] Die Erfindung betrifft eine Bohrspitze für ein Bohrrohr zur Durchführung von Spülbohrungen
in Lockergestein mit wenigstens einem stirnseitig an der Bohrspitze angeordneten Schneidprofil
und wenigstens einem Spülmittelauslaß.
[0002] Man unterscheidet im wesentlichen drei Arten von Lockergestein:
bindige oder kohäsive Lockergesteine kleben wegen ihrer spezifischen Feinkornanteile
durch Wasserbindung mehr oder weniger stark zusammen. Dementsprechend lassen sich
bindige Bodenarten mehr oder weniger schlecht auflösen und in einer Bohrung fördern.
[0003] Nicht bindige oder rollige Lockergesteinsarten, insbesondere Sand, sind beim Spülbohrverfahren
meistens unproblematisch. Abhängig von der Lagerungsdichte des Bodens läßt sich das
Bodenmaterial zum Teil in die Bohrlochwandung verdrängen. Abhängig von der Wahl des
Spülmittels ist der Boden bei Korngrößen kleiner als ein bis zwei Millimeter gut transportfähig.
[0004] Steinige oder grob kiesige Lockergesteinsarten können Spülbohrungen erschweren oder
gar verhindern. Steine oder Grobkies sind beim Spülbohrverfahren nicht förderbar.
Mit den bekannten Bohrspitzen ist es beim Spülbohrverfahren in solchen Lockergesteinen
nicht möglich bzw. nicht wirtschaftlich, Steine in förderfähige Stücke zu zerkleinern.
Entweder werden Steine mit Gewalt in die Bohrlochwandung gedrängt, oder das Bohrloch
muß aufgegeben werden.
[0005] Beim Spülbohrverfahren wird das Lockergestein im Bereich der Bohrspitze mechanisch
und durch die Spülung gelöst. Die mechanische Bohrwirkung erfolgt bisher überwiegend
entweder durch Fräsen oder Verdrängen mit der Bohrspitze. Dabei ist die Bohrwirkung
u.a. abhängig von der Ausbildung der Bohrspitze und dem Andruck der Bohrspitze gegen
die Bohrlochsohle. Die Spülwirkung ist u.a. abhängig von der Menge des Spülmittels
sowie von der Energie und Form des Spülstrahls. Der gelöste Boden soll in Mischung
mit dem Spülmittel aus dem Bohrloch gefördert werden. Die Förderwirkung des Spülmitteis
ist u.a. abhängig von Wichte und Viskosität des Spülmittels.
[0006] Beim direkten Spülbohren wird das Spülmittel im Bohrerinneren zur Bohrspitze transportiert.
Ein Überschnitt der Bohrspitze über den Außendurchmesser des Bohrgestänges schafft
einen Ringraum, der als Förderleitung des Bohrgutes dient. Beim indirekten Spülbohren
wird das Spülmittel in einer eigenen Zuleitung zur Bohrspitze geleitet. Das Bohrgut
wird durch das Bohrgestängeinnere zutage gefördert.
[0007] Die Bohrspitze, die die Bohrwirkung im Baugrund erzeugt, kann ausschließlich aus
der Kopfausbildung des Bohrrohres, aus einem auf das Bohrgestänge aufgesetzten Konstruktionsteil,
oder aus einer Kombination aus Kopfausbildung des Bohrrohres und einem aufgesetzten
Konstruktionsteil bestehen.
[0008] Bohrspitzen für Spülbohrverfahren in Lockergestein sind in verschiedenen Ausführungsvarianten
bekannt (z.B. DE-Gbm 87 16 923). Sie bestehen immer aus einer mehr oder weniger mechanisch
wirkenden Konstruktion und einem oder mehreren Auslässen (Düsen) für das Spülmittel.
[0009] Fast allen bekannten Bohrspitzenausführungen ist gemeinsam, daß die Spülmittelauslässe
in der Kontaktzone, z.B. einem Schneidprofil am freien Ende der Bohrspitze und der
Bohrlochsohle angeordnet sind. Dadurch setzen sich diese Bohrspitzen bei ihrem abwärts
gerichteten Vorschub häufig mit bindigem Bodenmaterial zu und werden funktionsuntüchtig.
Eine weitere Schwäche der bekannten Bohrspitzenkonstruktionen besteht darin, daß die
Bohrspitzen an zuviel gelöstem und zuwenig entferntem Bohrgut ersticken.
[0010] Im Norddeutschen Raum sind Schichtungen und Mischungen der drei Lockergesteinsarten
sehr häufig. Z.B. trifft man häufig bindige Böden (z. B. Klei) über nicht bindigen
(Z.B. Sand) an, oder man findet eine ausgeprägte Mischung aus allen drei Lockergesteinsarten
vor, nämlich Geschiebemergel, zum Teil überlagert von Steinen oder Geröll.
[0011] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Bohrspitze der eingangs genannten
Art zu schaffen, mit der Spülbohrungen in allen Lockergesteinsarten wirksamer und
zuverlässiger als bisher ohne die Gefahr einer Verstopfung der Spülmittelauslässe
durchgeführt werden können.
[0012] Ausgehend von einer Bohrspitze der vorgenannten Art besteht die Erfindung darin,
daß das wenigstens eine Schneidprofil als Leitprofil derart ausgebildet ist, daß es
bei der Rotation um die Bohrachse einen gegen die Bohrlochwandung abgegrenzten Raum
zwischen dem Bereich des wenigstens einen Spülmittelauslasses und dem Bohrspitzenabschluß
aufspannt, und daß bei der Rotation das aus dem wenigstens einen Auslaß austretende
Spülmittel radial auf die Bohrlochwandung lenkbar ist und dadurch eine radial nach
außen gerichtete Bewegungskraft auf das im Bereich des abgegrenzten Raums befindliche
Material ausgeübt wird.
[0013] Die Erfindung weicht von allen bekannten Bohrspitzen insbesondere dadurch ab, daß
der gelöste Boden durch den bei Rotation aufgespannten Raum in förderbare und nicht
förderbare Bodenanteile separiert wird, wobei dieser Raum dafür sorgt, daß beide Anteile
für sich bohrleistungsoptimiert weiterbehandelt werden und ein Verstopfen der Spülmittelauslässe
durch gewaltsames Eindringen von Boden weitgehend verhindert wird.
[0014] In praktischer Ausgestaltung der Erfindung sind zwei flügelartige Leitprofile parallel
zueinander und symmetrisch zur Bohrachse an einem Träger für eine zentrale Spülmittelauslaßdüse
angebracht.
[0015] Dabei verlaufen in weiterer Ausgestaltung der Erfindung die flügelartigen Leitprofile
auf ihrer Außenseite konisch in Richtung auf die Rotationsachse zu und bilden mit
einem abgewinkelten Ende den durchlässigen Bohrspitzenabschluß.
[0016] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0017] In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1a
- eine erfindungsgemäß ausgebildete Bohrspitze in Seitenansicht;
- Fig. 1b
- die Bohrspitze von Fig. 1a in der Ansicht von unten und
- Fig. 1c
- eine Seitenansicht des Trägers für den Spülmittelauslaß und die Leitprofile der Bohrspitze.
[0018] An einem Träger 1, der in einem nur schematisch angedeuteten Bohrrohr 2 befestigt
ist, ist eine axial gerichtete Düse 3 als Auslaß für das Spülmittel angebracht, und
ferner sind an der Basisplatte des Trägers 1 zwei Leitprofile 4 und 5 angebracht.
Die Leitprofile 4 und 5 verlaufen symmetrisch zur Bohrachse 6 parallel und im Abstand
voneinander. Sie sind flügelartig ausgebildet und leicht einwärts zur Bohrachse 6
geneigt. Auf ihrer Außenseite verjüngen sich die Leitprofile 4 und 5 konisch, wobei
sie an ihrem unteren Ende nochmals leicht abgewinkelt sind und mit diesen abgewinkelten
Enden den Bohrspitzenabschluß 7 bilden, wobei sie einen Zwischenraum zwischen sich
bilden. Die Leitprofile ragen mit ihrem oberen Ende über das Bohrrohr 2 radial hinaus,
so daß zwischen der Bohrlochwandung 8 und dem Bohrrohr 2 ein Zwischenraum 9 gebildet
wird, durch den die Mischung aus Spülmittel und Baden nach oben gefördert wird.
[0019] Die Form der Leitprofile bewirkt, daß bei Rotation in der Bohrspitze ein Mischraum
10 aufgespannt wird. Durch die mechanische Bohrwirkung der Leitprofile 4, 5 wird der
Boden in der Bohrlochwandung 8, z.B. durch Erzeugen von Grundbrüchen, angelöst. Das
gleichzeitig durch die Leitprofile 4, 5 bei der Rotation auf die Bohrlochwandung umgelenkte
Spülmittel löst den Boden hydraulisch. Kleinere Bodenbestandteile werden aus der Bohrlochwandung
herausgerissen, größere werden durch das beständige überstreichen der Leitprofile
in der Bohrlochwandung gehalten. Auf diese Weise werden aus einer von der Wirkung
des ―Spülmittelstrahls abhängigen Bohrlochumgebung die kleineren Bodenbestandteile
ausgewaschen und in den Mischraum 10 der Bohrspitze gewirbelt. Der Mischraum 10 ermöglicht
eine gute Verwirbelung des eingespülten Bodens mit dem Spülmittel und gewährleistet
damit die für die Förderung erforderliche Auflösung auch stark bindiger Böden.
[0020] Durch das beständig zugeleitete Spülmittel entsteht tendentiell eine Strömung zur
Förderleitung des Bohrgestänges. Je nach Neigung der Bohrachse gegen die Vertikale
werden entsprechend kleine Bodenbestandteile mit dem Förderstrom zutage gefördert.
Die dafür zu großen Bodenteile reichem sich infolgedessen im Mischraum 10 an. Die
Leitprofile wirken durch die Drehbewegung der Bohrspitze wie eine Turbine mit einer
zur Bohrlochwandung gerichteten Bewegungskraft. Wenn Bodenteile, z.B. infolge Sättigungsdruck
im Mischraum in den Einflußbereich der Turbinenwirkung der Leitprofile geraten, werden
sie nach außen befördert und durch mechanisches Bestreichen durch die Leitprofile
wieder in die Bohrlochwandung eingebaut. Der dafür erforderliche Platz wird durch
das Ausspülen, Trennen und Fördern der kleineren Bodenteile zur Verfügung gestellt.
[0021] Durch Auslösen, Auswaschen, Separieren und Fördern von Bodenteilen transportfähiger
Größe wird in einer bestimmten Bohrlochumgebung so viel Platz geschaffen, daß nicht
transportfähige Bodenteile aus dem erzielten Bohrloch ohne Beanspruchung einer Zusammenpreßbarkeit
des Bodens in die Bohrlochwandung ausgelagert werden können.
[0022] In der Praxis läßt sich jeder Boden in gewissem Umfang zusammenpressen bzw. verdrängen.
Je fester und dichter aber der Boden und je größer der Bohrlochdurchmesser ist, desto
schwieriger und zeitaufwendiger wird eine Bohrung. Bohrspitzen gemäß dem Stand der
Technik geraten dann an ihre Eignungsgrenze. Hier ist die Erfindung durch ihre neuartige
Wirkungsweise den bekannten Bohrspitzen besonders überlegen. Für sehr festen Mischboden
kann es sich durchaus als hilfreich erweisen, daß bereits im Mischraum 10 befindliche
Bodenbestandteile, die durch die Wirkung der Leitprofile in die Bohrlochwandung wieder
eingestrichen werden, zusätzlich aufbrechend auf die Bohrlochwandung wirken.
[0023] Eine weitere wesentliche Funktion der Leitprofile zusammen mit der Spitzenabschluß-Konstruktion
7 ist die schon erwähnte Umlenkung und Ausformung des Spülmittels zum hydraulischen
Lösen des Bodens in der Bohrlochwandung 8. Als vorteilhaft erweist sich eine fächerförmige
Ausformung des Spülstrahls, mit dem eine möglichst große Fläche der Bohrlochwandung
beaufschlagt und ausgewaschen werden kann. Die Spitzenabschluß-Konstruktion 7 kann
aus einem oder mehreren Konstruktionsteilen bestehen oder aber auch wie bei dem vorliegenden
Ausführungsbeispiel einen Bestandteil der Leitprofile 4, 5 bilden. Außer der Umlenkung
des Spülmittelstrahls hat die Spitzenabschluß-Konstruktion die Aufgabe, bei axialer
Anpressung der Bohrspitze gegen die Bohrlochwandung den zentralen Zutritt von ungelöstem
Boden in den Mischraum 10 zu verhindern. Wenn ― wie im vorliegenden Fall ― die Spitzenabschluß-Konstruktion
7 durchlässig ausgebildet ist, besteht der Vorteil, daß eine Dosis des Spülmittels
zentral vor die Bohrspitze gelenkt werden kann.
[0024] Das aus dem Spülmittelauslaß 3 austretende Spülmittel wird infolge Umlenkung durch
die Leitprofile 4, 5 und die Spitzenabschluß-Konstruktion 7 auf den zu lösenden Boden
in der Bohrlochwandung 8 gerichtet und vermischt sich durch Turbulenz mit dem in den
Mischraum 10 gewirbelten gelösten Boden. Der förderfähige Anteil des Spülmittel-Bohrgut-Gemisches
wird durch kontinuierlichen Zufluß des Spülmittels aus dem Spülmittelauslaß 3 der
Förderleitung des Bohrgestänges zugeführt. Der nicht transportfähige Anteil des Gemisches
wird durch die Leitprofile 4, 5 letztendlich in die Bohrlochwandung 8 ausgelagert.
Der Mischraum 10 ist gleichzeitig Schutzraum für den Spülmittelauslaß 3, weil ein
unkontrollierter Kontakt zwischen ungelöstem Boden und dem Spülmittelauslaß vermieden
und somit ein Verstopfen des Spülmittelauslasses verhindert wird.
[0025] Gewaltsam durch eine durchlässige Spitzenabschluß-Konstruktion 7 in den Mischraum
10 eindringender Boden ist für den Funktionserhalt der Bohrspitze unkritisch, weil
der eindringende Boden bereits plastiziert ist und wegen der Spülmittelturbulenz im
Mischraum keine Verstopfung in dem zurückliegenden Spülmittelauslaß 3 verursachen
kann.
[0026] Bei dem dargestellten und beschriebenen Ausführungsbeispiel ist nur ein Spülmittelauslaß
3 vorgesehen, jedoch können auch zwei oder mehr Spülmittelauslässe vorhanden sein.
Ferner sind zwei Leitprofile 4 und 5 vorgesehen, die auch durch ein einziges oder
mehr als zwei Leitprofile ersetzt werden können, sofern sie die Funktion ausüben,
bei der Rotation des Bohrrohres einen Mischraum im erfindungsgemäßen Sinne aufzuspannen.
[0027] Durch die Umlenkung des Spülstrahls an den Leitprofilen 4, 5 und dem Bohrspitzenabschluß
7 werden zwei weitere Vorteile der erfindungsgemäßen Bohrspitze erzielt. Der eine
Vorteil liegt in der besser zu gewährleistenden Lagegenauigkeit des Bohrpfahls und
damit des Pfahlkopfes. Bei zentral direkt in die Bohrlochsohle gerichtetem Spülstrahl
wie beim Stand der Technik werden unkontrolliert tiefe Spüllöcher erzeugt, durch die
der eingestellte Stahlpfahl nicht ausreichend lagegesichert ist. Die erfindungsgemäße
Bohrspitze spült das Bohrloch vornehmlich radial aus und vermeidet dadurch unkontrolliert
tiefe Spüllöcher vor der Bohrspitze. Durch die bessere Lagegenauigkeit des Stahlpfahls
werden Mehrkosten durch eventuell erforderliche Sonderkonstruktionen für die Pfahlkopfanschlüsse
reduziert bzw. vermieden.
[0028] Der zweite Vorteil liegt in der Rückstoßkompensation der Axialkomponente des ausschießenden
Spülmittelstrahls. Durch den dadurch höheren Andruck des Bohrwerkzeugs gegen die Bohrlochsohle
wird die mechanische Bohrwirkung der Bohrspitze sowie die Wirkung einer eventuell
vorhandenen Vorschubeinrichtung am Bohrgerät verbessert und damit die Bohrleistung
erhöht.
1. Bohrspitze für ein Bohrrohr zur Durchführung von Spülbohrungen in Lockergestein mit
wenigstens einem stirnseitig an der Bohrspitze angeordneten Schneidprofil und wenigstens
einem Spülmittelauslaß, dadurch gekennzeichnet, daß das wenigstens eine Schneidprofil als Leitprofil (4, 5) derart ausgebildet ist,
daß es bei der Rotation um die Bohrachse (6) einen gegen die Bohrlochwandung (8) abgegrenzten
Raum (10) zwischen dem Bereich des wenigstens einen Spülmittelauslasses (3) und dem
Bohrspitzenabschluß (7) aufspannt, und daß bei der Rotation das aus dem wenigstens
einen Auslaß (3) austretende Spülmittel radial auf die Bohrlochwandung (8) lenkbar
ist und dadurch eine radial nach außen gerichtete Bewegungskraft auf das im Bereich
des abgegrenzten Raums (10) befindliche Material ausgeübt wird.
2. Bohrspitze nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwei flügelartige Leitprofile (4, 5) parallel zueinander und symmetrisch zur
Rotationsachse (6) an einem Träger (1) für eine zentrale Spülmittelauslaßdüse (3)
angebracht sind.
3. Bohrspitze nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die flügelartigen Leitprofile (4, 5) auf ihrer Außenseite konisch in Richtung
auf die Rotationsachse (6) zu verlaufen und mit einem abgewinkelten Ende den durchlässigen
Bohrspitzenabschluß (7) bilden.
4. Bohrspitze nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die flügelartigen Leitprofile (4, 5) auf die Rotationsachse (6) zu geneigt sind.