[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Vergrößerungen
und/oder Verkleinerungen von räumlichen Strukturen, insbesondere mit einem Oberflächenrelief
versehenen Metallteilen, wie Knöpfen oder Zierelementen gemäß dem Oberbegriff des
Anspruchs 1 sowie nach diesem Verfahren hergestellte naturgetreu vergrößerte und/oder
verkleinerte Körper.
[0002] In der Trachtenmode ist es sehr beliebt, wenn die entsprechenden Kleidungsstücke
mit Knöpfen versehen sind, welche auf ihrer Außenseite das Relief einer alten Münze
aufweisen. Derartige Zierknöpfe können dabei aus Messing- oder Silberblechen unter
Einsatz von Stahlstempeln gepreßt oder sehr viel preiswerter mit Hilfe eines Druckgusses
aus einer Zinklegierung gegossen werden.
[0003] Bei derartigen Dekorationsknöpfen der Trachtenmode besteht zwangsläufig ein Bedarf
an Knöpfen unterschiedlicher Größe, so daß von einem Originalteil entsprechende Vergrößerungen
und/oder Verkleinerungen hergestellt werden müssen. Diese Notwendigkeit ergibt sich
vor allem dann, wenn die als Vorbild verwendeten Originalmünzen im Vergleich zu normalen
Knöpfen zu groß oder zu klein sind.
[0004] Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen von mit einem Oberflächenrelief versehenen
Metallteilen können beispielsweise mit Hilfe photographischer Ätzverfahren hergestellt
werden. Derartige Verfahren haben jedoch den Nachteil, daß dabei eine genaue Erfassung
der Reliefkonturen, insbesondere im Hinblick auf ihre Tiefe nicht möglich ist.
[0005] Es sind fernerhin Vergrößerungs- und/oder Verkleinerungsverfahren bekannt, bei welchen
eine Spanabhebung von einem vorgesehenen Metallrohling erfolgt. Diese Spanabhebung
unter Einsatz eines Fräskopfes kann dabei entweder auf analoger Basis mit Hilfe eines
die Oberfläche des Originalteils abtastenden Abtaststiftes oder auf digitaler Basis
unter Einsatz eines über die Oberfläche des Originalteils entlanggeführten Laserstrahls
erfolgen. Derartige Verfahren haben jedoch den Nachteil, daß der zur Erzielung von
Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen erforderliche apparative Aufwand sehr hoch
ist, daß für die Steuerung derartiger Kopiermaschinen zusätzlich noch ein erheblicher
Arbeit- und Zeitaufwand erforderlich ist, und daß schließlich aufgrund der vorgesehenen
Spanabhebung feine Fräsriefen und andere Abtastmerkmale entstehen, welche das Gesamtbild
der vorgenommenen Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen verschlechtern.
[0006] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren zur Herstellung von
Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen von räumlichen Strukturen zu schaffen, welches
bei einem minimalen apparativen Aufwand und einem sehr geringen Arbeitseinsatz äußerst
naturgetreue Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen von räumlichen Strukturen zuläßt.
[0007] Erfindungsgemäß wird dies durch die im kennzeichnenden Teil des Anspruchs 1 aufgeführten
Verfahrensschritte erreicht.
[0008] Vorteilhafte Verfahrensschritte zur Herstellung von Verkleinerungen und Vergrößerungen
sind dabei in den Unteransprüchen 2 und 3 festgelegt.
[0009] Anspruch 4 beschreibt ein Verfahren, mit welchem beliebige Verkleinerungen und/oder
Vergrößerungen eines Originalteiles vorgegebener Größe herstellbar sind.
[0010] Mit Hilfe der im Anspruch 5 aufgezeigten Verfahrensschritte lassen sich zusätzlich
beliebige Wölbungen erzielen, falls derartige Wölbungen gewünscht sein sollten.
[0011] Im Rahmen des Anspruches 6 werden mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellte
vergrößerte und/oder verkleinerte Körper festgelegt.
[0012] Die vorliegende Erfindung soll in dem Folgenden näher erläutert und beschrieben werden,
wobei auf die beigefügte Zeichnung Bezug genommen wird. Es zeigen:
- - Fig. 1
- eine mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgenommene einstufige Verkleinerung
einer älteren Münze, und
- - Fig. 2
- eine mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens vorgenommene zweistufige Vergrößerung
derselben älteren Münze.
[0013] In dem Folgenden soll zuerst der Fall beschrieben werden, bei welchem eine Originalmünze
relativ großen Durchmessers zur Verfügung steht, von welcher aus Verkleinerungen gemacht
werden sollen, um sie der Größe von herzustellenden Trachtenknöpfen anzupassen. In
diesem Fall wird von der Originalmünze unter Einsatz eines Zwischenabgusses, welcher
beispielsweise mit Hilfe eines schnell abbindenden Kunstharzes hergestellt wird, ein
Siliconabguß gemacht. Dem verwendeten Silicon wurde dabei zuvor ein Verflüchtigungsmittel,
beispielsweise in Form von Alkohol zugemischt. Die auf diese Weise hergestellte Kopie
der Originalmünze aus Silicon mit dem zugesetzten Verflüchtigungsmittel wird in der
Folge während mehrerer Stunden in einen Trocknungsofen eingesetzt, welcher auf einer
Temperatur von etwa 60 bis 70°C gehalten ist. Dadurch ergibt sich eine Verdampfung
des in dem Silicon befindlichen Verflüchtigungsmittels, was einen Schrumpfungsvorgang
von etwa 20 % zur Folge hat. Nach Entfernung dieses Siliconabgusses aus dem Trocknungsofen
wird von dem auf diese Weise geschrumpften Siliconabguß ein Abguß mit Hilfe eines
schnell abbindenden Kunstharzes vorgenommen, was eine zeitliche Fixierung des geschrumpften
Originalteils ergibt. Durch mehrmalige Wiederholungen des beschriebenen Vorgangs lassen
sich auf diese Weise beliebige Verkleinerungen des ursprünglich großen Originalteils
erstellen. Figur 1 zeigt dabei eine einstufige Verkleinerung einer älteren Münze.
[0014] In dem Folgenden sei nunmehr der Fall beschrieben, bei welchem von einer Originalmünze
Vergrößerungen hergestellt werden sollen, um derartige Vergrößerungen beispielsweise
als Knöpfe oder Dekorationselemente für Trachtenmoden verwenden zu können. Auch in
diesem Fall wird unter Einsatz eines Zwischenabgusses beispielsweise aus Kunstharz
eine Kopie des ursprünglichen Originals aus Silicon hergestellt. Diese Siliconkopie
wird nunmehr jedoch mehrere Stunden, beispielsweise über einen ganzen Tag hinweg,
in ein Bad mit einem Verflüchtigungsmittel eingetaucht, worauf sich ein Aufblähvorgang
des ursprünglichen Siliconabgusses ergibt. Je nach der Art des verwendeten Verflüchtigungsmittels
und der Dauer des Eintauchvorgangs kann dabei ein Aufblähvorgang von bis zu 40 % erreicht
werden. In dem Folgenden wird dann von der aufgeblähten bzw. aufgequollenen Siliconvorlage
sehr rasch ein Gipsabdruck mit einem rasch abbindenden Gips erstellt, was eine zeitliche
Fixierung der durch das Verflüchtigungsmittel aufgeblähten Siliconvorlage ergibt.
Durch mehrmalige Vornahme des beschriebenen Ablaufs lassen sich auf diese Weise beliebige
Vergrößerungen selbst sehr kleiner Originalteile erreichen. Figur 2 zeigt dabei Vergrößerungen
einer älteren Münze, welche auf diese Weise hergestellt wurden.
[0015] Falls unter Einsatz von flachen Originalmünzen gewölbte Knöpfe hergestellt werden
sollen, besteht im Rahmen der Erfindung zusätzlich noch die Möglichkeit, daß von der
hergestellten Verkleinerungen bzw. Vergrößerungen Kunstharzabgüsse hergestellt werden,
welche im Rahmen eines Erwärmungsvorgangs elastisch verformbar gemacht werden. In
der Folge kann dieser elastisch verformbare Kunstharzabguß unter Einsatz eines Stempels
in einem Kugelanker eingedrückt werden, wodurch sich die gewünschte Wölbung für die
spätere Fertigung von gewölbten Trachtenknöpfen ergibt.
[0016] Im Gegensatz zweidimensional wirkenden photographischen Verfahren und auf der Basis
einer Pukt-zu-Punkt-Abtastung wirkenden mechanischen oder elektronischen Verfahren
arbeitet das erfindungsgemäße Verfahren auf einem physio-chemischen Prinzip, bei welchem
gewünschte Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen einer räumlichen Struktur mit Hilfe
eines Verdunstungsmittels erreicht werden. Da mit einem Schritt nur Vergrößerungen
und Verkleinerungen um die 30 % zu erzielen sind, lassen sich beliebige Vergrößerungen
und Verkleinerungen durch entsprechende Wiederholungen erreichen, wobei in etwa 7
bis 10 Schritte erforderlich erscheinen, um eine naturgetreue Vergrößerung oder Verkleinerung
um einen Faktor 10 zu gewährleisten.
[0017] Während die vorliegende Erfindung in Verbindung mit einer Vergrößerung und Verkleinerung
von antiken Münzen beschrieben worden ist, so lassen sich auf diese Weise beliebige
Vergrößerungen und Verkleinerungen von räumlichen Strukturen erreichen. Die Grenzen
von möglichen Anwendungen sind dabei heute noch nicht so recht absehbar, weil räumliche
Strukturen mit einem Wunsch für Vergrößerungen und Verkleinerungen nicht nur in der
Kunst und im Gewerbe, sondern auch in der Technik überall auftreten. So kann beispielsweise
an die Herstellung von verkleinerten Formen für Skulpturen im Museumsbereich oder
im Modellbau gedacht werden. Möglichkeiten ergeben sich ferner in der Medizin, indem
zu Lehrzwecken sehr leicht vergrößerte und verkleinerte Knochenstrukturen von Lebewesen
zu erstellen sind. Eventuelle Anwendungen liegen auch im Mikromaschinenbau, um beispielsweise
komplizierte Maschinenteile, wie Zahnräder, Turbinenräder und dgl. mit Kleinstabmessungen
sehr paßgenau, d.h. mit geringen Toleranzen auf einfache Weise fertigen zu können.
[0018] Abgesehen von einer sehr starken Arbeitsvereinfachung zeichnet sich das erfindungsgemäße
Verfahren vor allem dadurch aus, daß sich bei der gewünschten Vergrößerung oder Verkleinerung
von Gegenständen ungewöhnlich hohe Maßgenauigkeiten erzielen lassen. In diesem Zusammenhang
sei auf den Umstand hingewiesen, daß der im Rahmen Erfindung eingesetzte Wirkmechanismus
einer Befeuchtung oder Austrocknung einer Siliconmischung auf molekularer Ebene ansetzt,
wobei die räumlichen Abmessungen derartiger Moleküle bei etwa 100 Å, d.h. bei etwa
10
-8 m liegen. Bei der Abtastung eines Originalteiles unter Einsatzes eines Abtaststiftes
oder Laserstrahles werden jedoch nur Abtastgenauigkeiten von etwa 1 µ...(Maßangabe),
d.h. von etwa 10
-6 m erreicht, was letztlich bedeutet, daß im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens
eine Erhöhung der Abtastgenauigkeit um 1 bis 2 Zehnerpotenzen zu realisieren ist.
Aus diesem Grunde lassen sich mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Gegenstände
bei Betrachtung unter einem Mikroskop sehr gut als derart hergestellte Gegenstände
erkennen, weil hier unter Vermeidung von normalerweise sich ergebenden Frässpuren
selbst kleinste Konturungenauigkeiten des Originals, wie Luftbläschen und dgl. vollkommen
naturgetreu bei der Vergrößerung oder Verkleinerung zur Wiedergabe gelangen.
1. Verfahren zur Herstellung von Vergrößerungen und/oder Verkleinerungen von räumlichen
Strukturen, beispielsweise mit einem Oberflächenrelief versehenen Metallteilen, wie
Knöpfen oder Zierelementen,
dadurch gekennzeichnet,
- daß von dem zu vergrößernden oder verkleinernden Originalteil ein positiver oder
negativer Siliconabguß hergestellt wird,
- daß unter Einsatz eines Verflüchtigungsmittels ein Schrumpf- oder Quellvorgang des
Siliconabgusses vorgenommen wird, und
- daß von dem geschrumpften oder aufgequollenen Siliconabguß ein erneuter Abguß erstellt
wird.
2. Verfahren zur Herstellung einer Verkleinerung einer räumlichen Struktur nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
- daß dem zur Herstellung des Siliconabgusses verwendeten Silicon vor dem Formungsvorgang
eine gewünschte Menge eines Verflüchtigungsmittels zugemischt wird,
- daß in der Folge der Siliconabguß des Originalteils hergestellt wird,
- daß daraufhin innerhalb eines Trocknungsofens bei Temperaturen im Bereich zwischen
60 und 70° C ein Trocknungsvorgang vorgenommen wird, bei welchem das Verflüchtigungsmittel
zum Verdampfen gebracht wird, und
- daß mit Hilfe des getrockneten und dabei geschrumpften Siliconabgusses unter Einsatz
eines schnell abbindenden Kunstharzes eine zeitlich fixierte Verkleinerung des Originalteils
hergestellt wird. (Fig. 1)
3. Verfahren zur Herstellung von Vergrößerungen einer räumlichen Struktur nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
- daß ein Siliconabguß des Originalteils erstellt wird,
- daß der Siliconabguß in der Folge während mehrerer Stunden in ein Bad mit einem
Verflüchtigungsmittel eingetaucht wird, bei welchem es zu einem Quellvorgang des Siliconabgusses
kommt, und
- daß unter Einsatz des auf diese Weise aufgequollenen Siliconabgusses mit Hilfe eines
schnell abbindenden Gipses eine zeitlich fixierte Vergörßerung des Originalteils hergestellt
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die beschriebenen Verkleinerungs- oder Vergrößerungsschritte mehrmals hintereinander
durchgeführt werden, bis von einem Originalteil vorgegebener Größe eine oberflächengetreue
Verkleinerung oder Vergrößerung in dem gewünschten Maßstab erzielt ist.
5. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
- daß von der Verkleinerung oder Vergrößerung eines möglicherweise flachen Originalteils
ein Kunstharzabguß hergestellt wird,
- daß dieser Kunstharzabguß in der Folge einer Wärmebehandlung ausgesetzt wird, und
- daß unter Einsatz eines entsprechend geformten Kugelankers und eines Stempels dem
plastisch verformbaren Kunstharzabguß eine beliebige zusätzliche Wölbung gegeben wird.
6. Naturvergrößerter und/oder verkleinerter Körper, welcher Einsatz des Verfahrens nach
einem der Ansprüche 1 bis 5 von einem mit einer Oberflächenstrukturierung versehenen
Original hergestellt ist, wobei das texturierter Original wahlweise ein Zierknopf,
eine Zierleiste, eine Miniaturskulptur, ein antikes Rollsiegel, ein miniaturisiertes
Maschinen- oder Elektronikteil und/oder ein organisches Lebewesen bzw. Teile desselben
sein kann.