| (19) |
 |
|
(11) |
EP 0 994 323 A2 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG |
| (43) |
Veröffentlichungstag: |
|
19.04.2000 Patentblatt 2000/16 |
| (22) |
Anmeldetag: 02.10.1999 |
|
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE |
|
Benannte Erstreckungsstaaten: |
|
AL LT LV MK RO SI |
| (30) |
Priorität: |
13.10.1998 DE 19847091
|
| (71) |
Anmelder: Diehl Stiftung & Co. |
|
90478 Nürnberg (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Die Erfinder haben auf ihre Nennung verzichtet.
|
|
| |
|
| (54) |
Verfahren zum Schützen eines Objektes gegen die Einwirkung eines schnellen Projektiles |
(57) Zur Abwehr eines angreifenden heckflügel-stabilisierten Projektiles wie insbesondere
eines KE-Penetrators wird diesem vom zu schützenden Objekt her eine Blastgranate entgegengeschossen,
deren Gasschwaden- und Reaktionsdruck-Blastwelle des gezündeten Blastgefechtskopfes
vorwiegend auf den Heckbereich des angreifenden Projektiles einwirkt und dieses dadurch
aus der Angriffsrichtung heraus verschwenkt, damit das angegriffene Objekt verfehlt
oder wenigstens nicht in Längsrichtung getroffen wird. Weil wegen der hohen Passagegeschwindigkeit
nur ein sehr kleines wirksames Einwirkungs-Zeitfenster besteht, wird für optimale
Blastwirkung aus der sensorisch erfaßten Annäherungskinematik der Rendezvouszeitpunkt
der dichtesten Annäherung der Blastgranate an das Heck des abzuwehrenden Projektiles
extrapoliert aber der Blastgefechtskopf um systembedingte Verzugszeiten gegenüber
jenem Rendezvouszeitpunkt vorverlegt zur Zündung angesteuert. Bei den für die zeitliche
Vorverlegung zu berücksichtigenden systembedingten Verzugszeiten handelt es insbesondere
um die Signalübertragungs- und Verarbeitungszeiten zwischen Sensoren und Steuerrechner
sowie Steuerrechner und Zündeinrichtung, um die Zündverzugszeit zwischen Ankunft des
Zündkommandos und Zünden des Blastgefechtskopfes sowie um die Laufzeit der Blastwelle
über die dann gegebene Distanz von der Blastgranate zum Heckbereich des abzuwehrenden
Projektiles.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Schützen eines Objektes gegen die Einwirkung
eines schnellen Projektiles, insbesondere eines gepanzerten Fahrzeuges gegen die Bedrohung
durch KE-Pfeilgeschosse.
[0002] Als Schutzmaßnahme gegen derartige auch sogen. KE-Penetratoren ist es etwa aus der
DE 41 22 622 A1 bekannt, die Hauptpanzerung des zu schützenden Objektes zusätzlich
mit einer Reaktivpanzerung aus mit Sprengstoff hinterfütterten Platten zu belegen.
Sensorisch wird ermittelt, welcher Bereich des zu schützenden Objektes vom anfliegenden
Projektil bedroht wird, um aus diesem Bereich dem Projektil eine Platte entgegenzuschleudern
und dadurch wenigstens die Kinematik, im allgemeinen aber auch die Kinetik des Angreifers
so zu stören, daß er selbst im Falle eines Treffers nur noch unschädliche Restwirkung
ausübt, weil z. B. das Pfeilgeschoß nicht mehr in Längsrichtung sondern dagegen angestellt
und deshalb ohne große Durchschlagskraft seitlich auf das zu schützende Objekt trifft.
[0003] Bei der aus der DT 977 984 bekannten Reaktivpanzerung wird die sprengstoffbeschleunigte
Platte nicht dem anfliegenden Projektil entgegengeschleudert sondern bei dessen Aufschlag
quer zur Aufschlagrichtung verschoben, um die Einwirkungsrichitung auszulenken.
[0004] Nachteilig an der an sich funktionstüchtigen Reaktivpanzerung ist die große zusätzliche
Belastung des zu schützenden Objektes, nämlich stationär durch die Masse der Reaktionsplatten
und dynamisch durch die Reaktionswirkung beim sprengstoffbeschleunigten Bewegen einer
Platte. Darüber hinaus ist es bei Fahrzeugen als den zu schützenden Objekten nachteilig,
daß aus konstruktiven Gründen der Vortriebsbereich (Ketten oder Räder von vorne) weitgehend
ungeschützt bleibt. Das stellt eine besondere Gefährdung gerade in der Hauptbedrohungsrichtung
eines Kampffahrzeuges dar. Nachteilig ist ferner, daß eine einmal ausgelöste Reaktionsplatte
einen ungeschützten Bereich hinterläßt, weil eine solche Lücke erst im Etappenmagazin
nach Wiederherrichten der Plattenhalterungen durch Einbau einer neuen sprengstoffhinterfütterten
Reaktionsplatte wieder geschlossen werden kann.
[0005] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, einen Schutz gegen schnelle Projektile
wie insbesondere KE-Penetratoren zu schaffen, der das zu schützende Objekt weniger
beansprucht und nach seiner Auslösung leichter wieder reaktivierbar ist und der insbesondere
eine optimale Störwirkung auf das angreifende Geschoß ausübt.
[0006] Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß nach dem Patentanspruch 1 dadurch gelöst, daß das
schnell anfliegende Projektil, insbesondere ein mittels Heckflügeln stabilisierte
Pfeil-Wuchtgeschoß, infolge Querkrafteinwirkung hinter seinem Schwerpunkt aus der
Angriffsbahn abgelenkt oder wenigstens aus der Angriffsrichtung verschwenkt wird;
nämlich indem dem angreifenden Projektil aus einem problemlos nachladbaren Startrohr
an Bord des zu schützenden Objektes eine Blast-Granate entgegengeschickt wird, deren
ungerichtet wirkender und deshalb sehr preiswerter Gefechtskopf zum optimalen Annäherungszeitpunkt
an das angreifende Projektil gezündet wird, um eine Gasschwaden- und Reaktionsdruckwelle
gegen das abzuwehrende Projektil freizusetzen. Optimal ist dieser Einwirkungs-Zeitpunkt,
wenn die Blastwirkung sich nicht vornehmlich und insbesondere nicht zuerst auf den
Frontbereich, sondern auf den Heckbereich des angreifenden Geschosses mit seinem infolge
der Stabilisierungsflossen vergrößerten Heckquerschnitt auswirkt. Denn andernfalls
könnte eine im Frontbereich schon bewirkte Auslenkung durch daraufhin noch erfolgende
Querbeanspruchung des Heckbereiches wieder rückgängig gemacht werden.
[0007] Aufgrund der hohen Relativgeschwindigkeit zwischen dem schnellen angreifenden Projektil
und der ihm entgegengeschossenen Abwehr-Blastgranate ist der optimale Einwirkungs-Zeitpunkt
erfindungsgemäß relativ eng einzugrenzen, nämlich auf einen Zeitbereich in der Größenordnung
einer halben Millisekunde im Zuge des möglichst dichten Vorbeiflugs der Abwehrgranate
am angreifenden Projektil. Um diese kritische Wirkzeitspanne einzuhalten, wird aus
der Kinematik des angreifenden Projektils und aus der Kinematik der Abwehrgranate
unter Berücksichtigung von systembedingten Verzögerungszeiten der optimale Zündkommandozeitpunkt
für den Blast-Gefechtskopf bestimmt.
[0008] Die Annäherungskinematik des abzuwehrenden Projektils wird nach Richtung und Geschwindigkeit
mittels eines Sensors an Bord des zu schützenden Objektes ausgemessen, wie er etwa
in der DE 40 08 395 A1 zur Bestimmung einer zu aktivierenden Reaktionsplatte beschrieben
ist. Dieser Sensor kann auch die Bewegung der vom Objekt dem Projektil entgegengeschossenen
Blastgranate erfassen, um dann im Steuerrechner an Bord des zu schützenden Objektes
aus den beiden Geschwindigkeitsvektoren den vorausliegenden Rendezvouszeitpunkt zu
extrapolieren, also im Zuge des Vorbeiflugs den Zeitpunkt der dichtesten hinter dem
Mittenbereich des Projektils gelegenen Annäherung der Blastgranate an das angreifende
Projektil.
[0009] Für die Vorausbestimmung des Rendezvouszeitpunktes kann aber die Blastgranate auch
selbst mit einem (Annäherungs-) Sensor zum Messen der zeitlichen Änderung des Restabstandes
zum anfliegenden Projektil ausgestattet sein. Dieser mitfliegende Sensor ist dann
zweckmäßigerweise über eine Kommandoverbindung zur Blastgranate auf den Steuerrechner
an Bord des zu schützenden Objektes geschaltet. Bei solcher bidirektionalen Datenverbindung
kann es sich um eine Leitstrahlstrecke mit gesteuertem Reflektor an Bord der Blastgranate
handeln, bevorzugt aber um einen Steuerdraht oder dergleichen elektrischen Leiter
zur Zweirichtungs-Informationsübermittlung, über welchen ohnehin die Zündeinrichtung
der Blastgranate mit dem Steuerrechner an Bord des zu schützenden Objektes bis zum
Ausführen des Zündkommandos verbunden bleibt.
[0010] Mit dem Zünden des Blast-Gefechtskopfes wird aber nicht bis zum Rendezvouszeitpunkt
zugewartet. Vielmehr erfolgt, wenn aus den sensorisch ermittelten Bewegungsgleichungen
der Rendezvouszeitpunkt bestimmt ist, eine Vorverlegung des Zündkomandozeitpunktes
vor jenen extrapolierten Rendezvouszeitpunkt. Der Betrag dieser Vorverlegung bestimmt
sich aus verschiedenen Verzögerungsanteilen, die insbesondere die Laufzeit der Blastwelle
über den aktuell gegebenen Rendezvousabstand zum Heckbereich des abzuwehrenden Projektiles
zum Inhalt hat, zuzüglich der Zündverzugszeit (also der Reaktionszeit zwischen Ankunft
des Zündkommandos in der Granate und Detonation des Blastgefechtskopfes) und zuzüglich
der Übertragungs- und Verarbeitungszeiten für die Erfassung von Sensordaten, deren
Übermittlung an den Steuerrechner sowie deren Verarbeitung und Übermittlung als das
Zündkomando an die Blastgranate.
[0011] So wird also erfindungsgemäß aus den sensorisch erfaßten Bahn- bzw. Annäherungsdaten
der zu erwartende Rendezvouszeitpunkt extrapoliert, aber das Zündkomando für den Blastgefechtskopf
um die Summe systembedingter Verzugszeiten vor jenen Rendezvouszeitpunkt vorgezogen,
damit die Blastwirkung gerade innerhalb des aus der hohen Passagegeschwindigkeit resultierenden
nur sehr kurzen Wirkzeitfensters auf den Heckbereich des abzuwehrenden Projektiles
trifft und dieses trotz nur geringen Einsatzes an Sprengstoffmenge merklich aus seiner
momentanen Anflugrichtung auslenkt. Dadurch verfehlt das Projektil sein Ziel, jedenfalls
trifft es nicht in Längsrichtung sondern allenfalls in Querrichtung und somit ohne
große Durchschlagswirkung auf das gefährdete Objekt.
[0012] Zusammenfassend kann deshalb festgestellt werden, daß nach vorliegender Erfindung
zur Abwehr eines angreifenden heckflügel-stabilisierten Projektiles wie insbesondere
eines KE-Penetrators diesem vom zu schützenden Objekt her eine Blastgranate entgegengeschossen
wird, deren Gasschwaden- und Reaktionsdruck-Blastwelle des gezündeten Blastgefechtskopfes
vorwiegend auf den Heckbereich des angreifenden Projektiles einwirkt und dieses dadurch
aus der Angriffsrichtung heraus verschwenkt, damit das angegriffene Objekt verfehlt
oder wenigstens nicht in Längsrichtung getroffen wird. Weil wegen der hohen Passagegeschwindigkeit
nur ein sehr kleines nutzbares Einwirkungs-Zeitfenster besteht, wird für optimale
Blastwirkung aus der sensorisch erfaßten Annäherungskinematik der Rendezvouszeitpunkt
der dichtesten Annäherung der Blastgranate an das Heck des abzuwehrenden Projektiles
extrapoliert aber der Blastgefechtskopf um systembedingte Verzugszeiten gegenüber
jenem Rendezvouszeitpunkt vorverlegt zur Zündung angesteuert. Bei den für die zeitliche
Vorverlegung zu berücksichtigenden systembedingten Verzugszeiten handelt es insbesondere
um die Signalübertragungs- und Verarbeitungszeiten zwischen Sensoren und Steuerrechner
sowie Steuerrechner und Zündeinrichtung, um die Zündverzugszeit zwischen Ankunft des
Zündkommandos und Zünden des Blastgefechtskopfes sowie um die Laufzeit der Blastwelle
über die dann gegebene Distanz von der Blastgranate zum Heckbereich des abzuwehrenden
Projektiles.
1. Verfahren zum Schützen eines Objektes gegen die Einwirkung eines schnellen Projektiles
durch Einwirken einer Gasschwaden- und Reaktionsdruckwelle (Blastwelle) aus dem gezündeten
Blastgefechtskopf einer dem Projektil entgegengeschossenen Blastgranate, an deren
Blastgefechtskopf schon vor dem Rendezvouszeitpunkt vom zu schützenden Objekt aus
ein Zündkommando übermittelt wird, welcher Zeitpunkt an Bord des zu schützenden Objektes
sensorisch aus dem Zeitverhalten der gegenseitigen Annäherung von Projektil und Blastgranate
extrapoliert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Zündkommandozeitpunkt um systembedingte Verzugszeiten vor dem extrapolierten
Rendezvouszeitpunkt liegt, wobei die systembedingten Verzugszeiten insbesondere die
Laufzeit der Blastwelle über den Rendezvousabstand zum abzuwehrenden Projektil, die
Zündverzugszeit des Blastgefechtskopfes ab Ankunft des Zündkommandos sowie Sensor-,
Rechner- und Übertragungszeiten beinhalten.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der zeitlich vorausliegende Rendezvouszeitpunkt über einen Sensor an Bord des
zu schützenden Objektes aus den Bewegungen des angreifenden Projektiles und der ihm
entgegengeschossenen Blastgranate relativ zum zu schützenden Objekt extrapoliert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der zeitlich vorausliegende Rendezvouszeitpunkt über einen Sensor für die Annäherung
des angreifenden Projektiles an Bord des zu schützenden Objektes und mittels eines
Sensors für den Restabstand von der Blastgranate zum angreifenden Projektil an Bord
der Blastgranate extrapoliert wird.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß zwischen dein zu schützenden Objekt und der Blastgranate eine Zweirichtungs-Informationsübermittlung
stattfindet.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Blastgranate mittels eines elektrischen Leiters mit dem zu schützenden Objekt
bis zum Zünden des Blast-Gefechtskopfes verbunden bleibt.