[0001] Die Erfindung betrifft eine Vertikalstranggiessanlage, insbesondere eine Vertikalstranggiessanlage
zum automatischen Stranggiessen von Aluminiumlegierungen, enthaltend wenigstens eine
Kokille mit auf einem absenkbaren Giesstisch angeordnetem Anfahrboden, ein Giessrinnensystem
zum Transport einer Metallschmelze von einem Ofen in die einzelnen Kokillen, für jede
Kokille eine Messvorrichtung zur Bestimmung des zeitabhängigen Metallschmelzenniveaus
N(t) und eine Durchflussregelungsvorrichtung zur Steuerung der Metallzufuhr in die
einzelnen Kokillen in Abhängigkeit der Differenz eines vorgegebenen Sollwertverlaufes
N
soll(t) und des gemessenen zeitabhängigen Metallschmelzenniveaus N(t).
[0002] Die Erfindung betrifft weiter ein Verfahren zum Vertikalstranggiessen von Metallen,
insbesondere von Aluminiumlegierungen, in einer wenigstens eine Kokille umfassenden
Giessanlage, bei welchem Verfahren das flüssige Metall von einem Ofen über ein Giessrinnensystem
an die einzelnen Kokillen herangeführt und über eine Durchflussregelungsvorrichtung
in die von auf einem absenkbaren Giesstisch angeordneten Anfahrböden während einer
Füllphase zunächst geschlossenen Kokillen geleitet wird, wobei ausgehend von einem
Anfangsniveau der Metallschmelze, bei der eine Metallschmelzen-Niveauregelung beginnt,
bis zu einem vorbestimmten Stantniveau, bei dem das Absenken des Giesstisches zur
Erzeugung der Metallstränge beginnt, und während der gesamten Absenkphase das zeitabhängige
Metallniveau N(t) in jeder Kokille mit einer Messvorrichtung gemessen und mit einer
zeitabhängigen Sollwertvorgabe N
soll(t) verglichen wird, und die Metallzufuhr in die einzelnen Kokillen mittels einer
Durchflussregelungsvorrichtung gemäss der zeitabhängigen Differenz zwischen Ist- und
Sollwert des Metallniveaus geregelt wird.
[0003] Ein solches Verfahren, sowie eine derartige, mehrere Kokillen enthaltende Vertikalstranggiessanlage
sind beispielsweise aus der DE-OS 32 05 480 A1 bekannt. Gemäss der in DE-OS 32 05
480 A1 beschriebenen Lehre geschieht die Erfassung des Metallpegels mittels einem
Schwimmer als Messaufnehmer, der auf der Oberfläche der Metallsäule aufliegt und aus
einem hitzebeständigen Material besteht, welches derart gewählt sein muss, dass eine
Absorption von geschmolzenem Metall oder von Verunreinigungen vermieden wird.
[0004] In der Patentschrift EP-B 0 517 629 werden ebenfalls eine eingangs beschriebene Vorrichtung
und ein entsprechendes Verfahren zum Vertikalstranggiessen von Metallen beschieben,
wobei zur Erfassung des zeitabhängigen Metallschmelzenniveaus in den einzelnen Kokillen
ein kapazitiver Sensor verwendet wird. Dabei erfolgt die kapazutive Niveaumessung
zwischen der Oberfläche der Metallschmelze und einer sich dazu in einem bestimmten
Abstand befindlichen Platte, welche in ihrem Abstand zur Metalloberfläche mittels
einem Servomotor jeweils derart nachgeführt wird, dass die Kapazität konstant und
gleich einer Referenzkapazität ist.
[0005] Bei einer mehrsträngigen Stranggiessanlage ist für deren störungsfreien Betrieb insbesondere
die Beherrschung des Anfahrvorganges, d.h. die optimale Steuerung der Metallzufuhr
zu den einzelnen Giesseinheiten bis zum eigentlichen Giessstart, der durch das Absenken
des Giesstisches eingeleitet wird, entscheidend. Um den Metallstand in den einzelnen
Kokillen während der Anfahrphase in möglichst kurzer Zeit auf ein für den Beginn des
Absenkens des Giesstisches vorbestimmtes Niveau zu regeln, ohne dass die Gefahr des
Einfrierens von Metall besteht, beschreibt die WO 98/32559 ein Verfahren, gemäss dem
das Metallniveau in allen Kokillen gleichzeitig nach einer für alle Kokillen identischen
Sollwertkurve geregelt wird, deren Steigung zu Beginn des Regelns im Vergleich zur
mittleren Steigung grösser ist und zum Ende der Anfahrphase hin kleiner ist als die
mittlere Steigung.
[0006] Typischerweise beträgt das Füllniveau der Kokillen für den Beginn des Absenkvorganges
zwischen 120 und 200 mm. Die präzise Steuerung des Metallniveaus ist insbesondere
in der Absenkphase von ausschlaggebender Bedeutung für einen störungsfreien Betrieb
einer Giessanlage. Die präzise Steuerung des Metallniveaus in den einzelen Kokillen
bedingt eine entsprechend genaue Messung der Füllhöhe. Demzufolge erfordert die präzise
MetallniveauSteuerung einer Giessanlage eine genaue und reproduzierbare Niveaumessung
über einen grossen Messbereich von typischerweise 200 mm. Die Bedeutung einer präzisen
Metallniveau-Bestimmung wird insbesondere bei den weiterentwickelten Steuerungen von
Mehrkokillen-Stranggiessanlagen, wie beispielsweise bei Steuerungen gemäss der WO
98/32559, bei der die Niveau-Regelung mit nicht-linearen Sollwertkurven geschieht,
stark erhöht.
[0007] Für die genaue Füllniveau-Bestimmung eignen sich induktive oder kapazitive Sensoren.
Die erforderliche Genauigkeit lässt sich mit induktiven Sensoren jedoch nur in einem
Messbereich von ca. 30-50 mm erreichen. Die aus dem Stand der Technik bekannten Vertikalstranggiessanlagen
verwenden deshalb meisten Einrichtungen, bei denen derartige Sensoren mittels einer
Präzisionsmechanik im Zusammenwirken mit einem Servo-oder Schrittmotor derart nachgeführt
werden, dass der für die geforderte Messgenauigkeit erlaubte Messbereich nicht überschritten
wird. Kapazitive Sensoren können für gosse Messbereiche von beispielsweise bis zu
300 mm eingesetzt werden; sie zeigen jedoch eine grosse Abhängigkeit von den äusseren
Messbedingungen, so dass eine häufige Nachkalibrierung erforderlich wird.
[0008] Für Füllstands- und Abstandsmessungen sind prinzipiell auch Laser-optische-, Ultraschall-
und Mikrowellen-Verfahren bekannt.
[0009] Laseroptische Verfahren können für die Füllstandmessung von hochreflektierenden Messgütern
nur beschränkt eingesetzt werden. Dabei eignen sich derartige Verfahren prinzipiell
zur Niveaumessung von Metalllegierungen, beispielsweise von Aluminiumlegierungen,
während der Füllphase der Kokille und zu Beginn der Absenkphase. Während der Absenkphase
bildet sich - zumindest bei Aluminiumlegierungen - nach einigen Minuten nach Beginn
der Absenkphase eine hochreflektierende Oxidschicht, welche den Einsatz Laseroptischer
Verfahren zur Niveaumessung stark beeinträchtigt oder gar verunmöglicht.
[0010] Ultraschall- und Mikrowellenverfahren nach dem Radar-Prinzip weisen zwar einen grossen
Messbereich auf und erlauben eine kontaktlose Niveaumessung, zeigen jedoch nicht die
geforderte Messgenauigkeit, zumindest nicht für die Absenkphase des Stranggiessprozesses.
Zudem sind die Ultraschall-Füllstandsmessverfahren stark temperaturabhängig, und die
Mikrowellen-Füllstandsmessverfahren werden empfindlich durch die Messumgebung beeinflusst.
[0011] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, eine Vertikalstranggiessanlage
der eingangs genannten Art mit einer präzisen, funktionssicheren und kostengünstigen
Füllstandsmessung zur Verfügung zu stellen und ein Verfahren der eingangs genannten
Art anzugeben, bei welchem die Metallniveau-Messung auf einfache Weise mit hoher Präzision
durchgeführt werden kann.
[0012] Erfindungsgemäss wird die der Vertikalstranggiessanlage zugrunde liegende Aufgabe
dadurch gelöst, dass die Messvorrichtung aus zwei physikalisch unterschiedlich arbeitenden
Messsystemen mit je einem Sensor besteht, die Sensoren jeder Messvorrichtung bezüglich
der Kokille in einem vorbestimmten und festbleibenden Abstand fixiert sind, und das
erste Messsystem in einem Messbereich von wenigstens 200 mm eine Messgenaugkeit von
mindestens ± 2 mm aufweist, und das zweite Messsystem in einem Messbereich von wenigstens
20 mm eine Messgenauigkeit von mindestens ± 0.1 mm aufweist.
[0013] Die Erfindung betrifft vorteilhaft Vertikalstranggiessanlagen mit mehreren Kokillen.
Die erfindungsgemässe Vorrichtung umfasst jedoch auch Vertikalstranggiessanlagen mit
nur einer einzigen Kokille.
[0014] Der erfindungsgemässen Lösung liegt die Idee zugrunde, dass zu Beginn des Stranggiessprozesses,
d.h. während der ersten Füllphase der durch den Anfahrboden zunächst geschlossenen
Kokille, und während der restlichen Füllphase, sowie während dem Absenkvorgang des
Giesstisches verschiedene Niveaumessvorrichtungen eingesetzt werden können, welche
den spezifischen Erfordernissen während den prinzipiell verschiedenen Phasen optimal
Rechnung tragen.
[0015] Die Erfindung beruht weiter auf der Erkenntnis, dass ein grosser Messbereich von
ca. 200 min nur während der ersten Füllphase der durch den Anfahrboden zunächst geschlossenen
Kokille benötigt wird, und in der daran anschliessenden Füll- und Absenkphase des
Giesstisches ein kleinerer Messbereich von beispielsweise 15-20 mm ausreicht. Zudem
ist während der Startphase eine weniger hohe Messgenauigkeit erforderlich als in der
nachfolgenden Füll- und Absenkphase, da sich das Füllniveau in der ersten Füllphase
sehr schnell verändert. Während der nachfolgenden Füll- und Absenkphase ist dagegen
eine sehr hohe Messgenauigkeit erforderlich.
[0016] Der Begriff Messbereich bedeuted einen Messwertbereich, bei dem die Werte im gesamten
Bereich zwischen einem maximalen und einem minimalen Messwert liegen können, wobei
die Differenz zwischen dem Maximal- und dem Minimalwert betragsmässig dem Messbereich
entspricht. Beipielsweise liegen die Messwerte bei einem Messbereich von 200 min in
einem Wertebereich zwischen 0 und 200 mm.
[0017] Bevorzugt wird eine Messvorrichtung, bei der das erste Messsystem auf einem optischen,
kapazitiven, Ultraschall- oder Mikrowellen-Verfahren, und das zweite Messsystem auf
einem induktiven, kapazitiven oder optischen Verfahren basiert.
[0018] Insbesondere bevorzugt wird eine Messvorrichtung, bei der das erste Messsystem auf
einem optischen oder einem Ultraschall- oder Mikrowellen-Verfahren, und das zweite
Messsystem auf einem induktiven oder kapazitiven Verfahren basiert.
[0019] Die erste Füllphase der mit dem Anfahrboden verschlossenen Kokille geschieht üblicherweise
mit einer möglichst hohen Geschwindigkeit, so dass das Metallniveau zu Beginn der
Kokillenfüllung sehr rasch ansteigt. Dadurch wird in der Kokille zu Beginn der Füllphase
eine turbulente Strömung ausgebildet, so dass zu Beginn des Füllvorganges keine ebene
Schmelzenoberfläche vorliegt, wodurch die Reflexionseigenschaften der Schmelzenoberfläche
gegenüber einer ebenen Oberfläche desselben Metalls wesentlich geringer ausfallen.
Aus diesem Grunde, sowie aufgrund der in dieser Verfahrensphase noch nicht gebildeten
Oxidhaut erlaubt die erste Füllphase eine Niveaumessung mittels Laser-optischer Verfahren.
Für das nachfolgende Giessverfahren, d.h. während der restlichen Füllphase und während
dem Absenkvorgang des Giesstisches, eignet sich die Anwendung eines Laser-optischen
Niveau-Messverfahrens aufgrund der hohen Reflexion der im wesentlichen ebenen Metallschmelzenoberfläche
nicht für alle Legierungen.
[0020] Erfindungsgemäss kann das erste Messsystem Messaufnehmer oder Sensoren betreffen,
welche auf einem der nachfolgend beschriebenen Füllstandsmess-Verfahren beruhen:
a) Ultraschall-Verfahren
b) Optische Verfahren
c) Mikrowellen-Verfahren nach dem Radar-Prinzip
d) Kapazitive Verfahren
[0021] Eine Füllstandmessung mit Ultraschall basiert entweder auf der Messung der Laufzeit
eines Schallimpulses oder auf der Messung der Schallabsorption. Bevorzugt wird die
Messung der Laufzeit eines Ultraschallimpulses, d.h. die Entfernung der Schmelzenoberfläche
wird aus der Laufzeit zwischen gesendetem und empfangenem Signal berechnet. Dabei
arbeitet das Laufzeitverfahren üblicherweise nach dem Prinzip des Echolots, d.h. ein
elektrischer Impuls wird beispielsweise durch einen am Anfahrboden oder an einem unteren
Bereich der Kokille angebrachten piezoelektrischen Schwinger in einen Ultraschallimpuls
umgewandelt, welcher in die Schmelze ausgesendet und von der Grenzschicht Schmelze-Luft
teilweise reflektiert wird, wobei der reflektierte Ultraschallimpuls (Echo) auf einen
gleichartigen piezoelektrischen Schwinger trifft, in dem das Echo in einen elektrischen
Impuls zurückverwandelt wird. Die Füllhöhe ergibt sich dabei aus der Laufzeit des
Schallimpulses und der Schallgeschwindigkeit. Der Füllstand lässt sich auch nach demselben
Echolot-Prinzip messen, wenn der Ultraschallsender und Empfänger im Luftraum über
der Schmelzenoberfläche angeordnet ist. Bei der Ultraschall-Füllstandsmessung muss
die Temperatur der Messmedien mitberücksichtigt werden, da die Schallgeschwindigkeit
temperaturabhängig ist.
[0022] Bei einer Füllstandsmessung mit Mikrowellen nach dem Radar-Prinzip werden Mikrowellensender
und -Empfänger sowie eine Antenne oberhalb der Kokille angebracht. Die Oberfläche
der Metallschmelze reflektiert teilweise die aus dem Mikrowellensender austretenden,
üblicherweise frequenzmodulierten, elektromagnetischen Wellen oder Impulse. Die Entfernung
zwischen Antenne und Schmelzenoberfläche wird dabei nach dem Radar-Prinzip gemessen.
In einer bevorzugten Ausführungsform dieses Verfahrens wird ein Mikrowellensignal
konstanter Amplitude abgestrahlt und nach der Reflexion wieder empfangen und mit einem
Teil des Sendesignals gemischt; die Frequenz des Mischer-Ausgangssignals ist proportional
zur Laufzeit und damit ein Mass für die Entfernung zwischen Sender und Schmelzenoberfläche.
[0023] Eine optische Füllstandsmessung kann eine interferometrische Abstandsmessung, ein
Laser-Laufzeitverfahren oder ein Triangulationsverfahren betreffen.
[0024] Bei der interferometrischen Abstandsmessung wird die Entfernung der reflektierenden
Schmelzenoberfläche von einem Sensor gemessen. Dabei wird als Messsignal entweder
die Phasenwinkeldifferenz zwischen reflektiertem und nichtreflektiertem, moduliertem
Laserstrahl ausgewertet, oder es erfolgt die Messung der Verschiebung der Reflektoroberfläche
(Schmelzenoberfläche) mit einem zählenden Laserinterferometer. Bei der interferometrischen
Abstandsmessung wird zweckmässigerweise ein monochromatischer Laserstrahl an einem
halbdurchlässigen Spiegel in einen Mess- und einen Referenzstrahl aufgespalten. Dabei
werden beide Strahlen von je einem Reflektor, einem feststehenden und einem beweglichen,
reflektiert. Die reflektierten Strahlen überlagern sich am halbdurchlässigen Spiegel,
wobei Interferenzstreifen entstehen, die quer zum Empfänger liegen und von diesem
analysiert werden. Eine Abstandsänderung der Schmelzenoberfläche von λ/4 (λ=Wellenlänge
des Laserstrahls) bewirkt eine maximale Änderung der Lichtintensität, so dass sich
die Änderung des Schmelzenniveaus aus der Anzahl der registrierten Maxima bzw. Minima
und der Wellenlänge ergibt.
[0025] Beim Laser-Laufzeitverfahren kann die Füllstandsmessung durch eine direkte Laufzeitmessung
eines Lichtimpulses oder durch eine Phasenmessung erfolgen. Bei der Phasenmessung
wird das Sendesignal zweckmässigerweise auf ein Trägersignal, beispielsweise im MHz-Bereich,
aufmoduliert, wobei die Messung der Phasenverschiebung nach der Demodulation im Empfänger
erfolgt. Die direkte Laufzeitmessung erfolgt nach dem Radar-Prinzip, wobei kleinste
Zeitdifferenzen im Nano- bis Picosekundenbereich gemessen werden.
[0026] Beim Triangulationsverfahren wird die Füllstandsmessung auf eine Winkelmessung zurückgeführt.
Dabei trifft ein stark gebündelter Lichtstrahl eines Lasers unter einem spitzen Winkel
auf die Schmelzenoberfläche und wird daran reflektiert. Abhängig vom Füllstand trifft
der reflektierte Lichtstrahl auf eine bestimmte Stelle des Empfängers, d.h. beispielsweise
eines Lagedetektors. Der Lagedetektor kann beispielsweise eine CCD-Zeile (Charge Coupled
Device) darstellen, welche aus einer hohen Anzahl in einer Zeile angeordneter, lichtempfindlicher
Bauelemente (Pixel) besteht. Mit einer CCD-Zeile kann diese Position erfasst und über
die Winkel- oder Wegdifferenz in den Füllstand umgerechnet werden. Der Abbildungsort
des reflektierten Laserstrahls auf dem Lagedetektor verschiebt sich in Abhängigkeit
vom Abstand der Schmelzenoberfläche vom Sensor.
[0027] Bei der kapazitiven Füllstandsmessung wird die Kapazität in Abhängigkeit von der
Schmelzenhöhe gemessen. Die Kapazität verändert sich beispielsweise durch den Grad
der Überdeckung oder den Abstand zweier gegebener Flächen. Die Kapazität verändert
sich jedoch auch durch eine Veränderung der Dielektrizitätskonstanten (z.B. der Luft)
durch Einbringung der Metallschmelze. Eine Veränderung der Kapazität wird beispielsweise
über die Veränderung des kapazitiven Widerstandes nachgewiesen.
[0028] Erfindungsgemäss kann das zweite Messsystem Messaufnehmer oder Sensoren betreffen,
welche auf einem der nachfolgend beschriebenen Füllstandsmess-Verfahren beruhen:
e) kapazitiv
f) induktiv
g) optisch
[0029] Die induktiven Sensoren beruhen bevorzugt auf der Messung der Veränderung des induktiven
Widerstandes X
L, mit:

wobei

und
- N =
- Windungszahl
- s =
- Weglänge der magnetischen Feldlinien
- A =
- die von den magnetischen Feldlinien durchsetzte Fläche,
- m =
- Permeabilität des Materials.
[0030] Erfindungsgemäss sind die Sensoren bezüglich der Kokille in einem vorbestimmten und
festbleibenden Abstand angeordnet, d.h. die beiden Messsysteme weisen keine Vorrichtung
zur Höhenverstellung der Sensoren auf.
[0031] Bevorzugt werden zudem Messsysteme, die keine mechanisch beweglichen Teile, und insbesondere
keine mechanischen Präzisionsteile, aufweisen. Weiter bevorzugt werden Messsysteme,
die in Bezug auf die Metallschmelze berührungslos arbeiten.
[0032] Besonders bevorzugt wird eine Messvorrichtung für jede Giesseinheit (Kokille), bei
der das erste Messsystem auf einem optischen Verfahren, insbesondere auf einem Triangulationsverfahren,
und das zweite Messsystem auf einem induktiven Verfahren basiert.
[0033] Ganz besonders bevorzugt wird ein erstes Messsystem mit einem Messbereich von bis
zu 200 mm, wobei im ganzen Messbereich eine Messgenauigkeit von ± 1 mm erreicht wird.
[0034] Die Messgenauigkeit des ersten Messsystems beträgt typischerweise zwischen ± 0.1
mm und ± 2 mm, bevorzugt zwischen ± 0.1 mm und ± 1 mm.
[0035] Der Messbereich des zweiten Messsystems beträgt typischerweise 20 bis 50 mm, wobei
die Messgenauigkeit typischerweise zwischen ± 0.01 mm und ± 0.1 mm, bevorzugt zwischen
± 0.01 mm und ± 0.08 mm beträgt.
[0036] Die Kombination eines optischen Sensors mit einem induktiven Sensor erlaubt die Bereitstellung
einer kompakten und leistungsfähigen Messvorrichtung, welche einerseits keine teuren,
empfindlichen und aufwendig gestalteten, mechanischen Sensor-Nachführ-Vorrichtungen
benötigt und andererseits aufgrund der bezüglich Messbereich und Messgenauigkeit für
die einzelnen Giessphasen angepassten Sensoreigenschaften eine effiziente Niveaumessung
der Metallschmelze mit ausreichend hoher Genauigkeit erlaubt. Die erfindungsgemässe
Stranggiessanlage eignet sich insbesondere auch für einen Regelungsalgorithmus zum
Einleiten von Metall in die einzelnen Kokillen, bei welchem nicht-lineare Sollwertkurven
für die Steuerung des Metallschmelzen-Niveaus verwendet werden.
[0037] Durch die Vermeidung mechanischer Nachführvorrichtungen der Sensoren wird zudem für
die Niveaumessung hinsichtlich der vertikalen Abmessungen wesentlich weniger Raum
benötigt, so dass die Giessanlage kompakter gebaut werden kann.
[0038] Zur erfindungsgemässen Lösung der das Verfahren betreffenden Aufgabe führt, dass
die Messung des zeitabhängigen Metallniveaus N(t) mit einer Messvorrichtung bestehend
aus zwei physikalisch unterschiedlich arbeitenden Messsystemen durchgeführt wird,
wobei ausgehend vom Anfangsniveau bis zur Erreichung eines vorbestimmten Schmelzenniveaus
durch ein erstes Messsystem mit einem ersten Sensor geschieht, und für die weitere
Messung des zeitabhängigen Metallniveau-Verlaufes N(t) während der daran anschliessenden
Füll- und Absenkphasen ein zweites Messsystem mit einem zweiten Sensor verwendet wird,
und die Sensoren der beiden Messsysteme bezüglich der Kokille eine feste und während
dem ganzen Stranggiessprozess konstante Position einnehmen.
[0039] Die Füllphase beginnt mit dem Einleiten von flüssigem Metall auf den Anfahrboden
und endet mit dem Beginn des Absenkens des Anfahrbodens, d.h. wenn das Startniveau
N
s zur Zeit t
s erreicht ist. Die Metallniveauregelung beginnt üblicherweise erst, wenn ein bestimmtes
Metallniveau N
a zur Zeit t
a in der zunächst durch den Anfahrboden geschlossenen Kokille erreicht ist. Die erste
Füllphase bezeichnet den Zeitraum von Beginn des Einleitens von flüssigem Metall in
die Kokille bis zur Zeit t
w, bei der vom ersten zum zweiten Messsystem für die Metallniveau-Bestimmung gewechselt
wird, wobei t
w die Zeit bezeichnet, zu der das Metallniveau in der zunächst durch den Anfahrboden
geschlossenen Kokille eine vorbestimmte Höhe N
w erreicht. Der Zeitraum zwischen t
w und t
s beschreibt die zweite oder die weitere Füllphase, bzw. die der ersten sich anschliessende
Füllphase. Die Absenkphase beginnt mit dem Erreichen des Startniveaus N
s zur Zeit t
s und dauert bis zum Ende oder zum Abbruch des Stranggiessprozesses.
[0040] Die Durchflussregelungsvorrichtung wird in Abhängigkeit von der Differenz des gemessenen
Metallniveau-Verlaufes N(t) von der Sollwertkurve N
soll(t) mittels einer Kontrolleinheit gesteuert, wobei die Durchflussregelungsvorrichtung
die in die Kokille fliessende Metallschmelzenmenge bestimmt. Die Kontrolleinheit bestimmt
beispielsweise den Anfangszeitpunkt t
a der Kokillenfüllung, den Zeitpunkt t
w für den Wechsel des Messystems, die Stanzeit t
s des Absenkvorganges, die Füllung der Kokille bzw. die Menge des pro Zeiteinheit in
die Kokille einzuleitenden Metalls während der Einfüllphase und während dem Absenkvorgang,
die Absenkgeschwindigkeit des Giesstisches und die Steuerung des für die Niveaumessung
N(t) zuständigen Messsystems. Die Kontrolleinheit dient gegebenenfalls jedoch auch
zur Überwachung und Steuerung weiterer Verfahrensparameter, wie beispielsweise Kühlwasserzuführung,
CO
2-Zufuhr, Zufuhr von Komfeinungsmittel, EMC-Stromzufuhr, und initiiert beispielsweise
automatisch den Absenkvorgang des Giesstisches.
[0041] In einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens wird die Metallzufuhr
in die einzelnen Kokillen nur bis zur Startzeit t
s direkt durch die zeitabhängige Differenz zwischen Ist- und Sollwert des Metallniveaus
geregelt. Im weiteren geschieht die direkte Regelung der Metallzufuhr nach dem Start
des Absenkvorganges in Abhängigkeit der Barrenlänge, d.h. in Funktion der vertikalen
Giesstisch-Position, sowie aufgrund der Differenz zwischen Ist- und Sollwert des Metallniveaus.
Demnach geschieht die Regelung der Metallzufuhr nach der Startzeit t
s durch die Barrenlängen-abhängige Differenz zwischen Ist- und Sollwert des Metallniveaus.
Da der Absenkvorgang üblicherweise mit konstanter Geschwindigkeit vor sich geht, nimmt
die Barrenlänge linear mit der Zeit zu, so dass die Regelung der Metallzufuhr auch
während dem Absenkvorgang gemäss der zeitabhängigen Differenz zwischen Ist- und Sollwert
des Metallniveaus geregelt wird.
[0042] Bevorzugt wird der Zeitpunkt t
a des Beginns der Niveauregelung durch Messung des Metallniveaus, insbesondere durch
eine Niveaumessung mittels einem Laser-optischen Verfahren, bestimmt. Die Auslösung
der Niveaumessung mittels dem zweiten Messsystem, d.h. der Zeitpunkt des Wechsels
der Messsysteme, kann entweder durch eine Kontrolleinheit aufgrund des gemessenen
Metallniveaus geschehen, oder er kann gemäss einer bevorzugten Ausführungsform, insbesondere
bei Verwendung eines zweiten Messsystems mit einem induktiven Messverfahren, direkt
durch den Schmelzenpegel ausgelöst werden, indem der Messsystem-Wechsel zu einem Zeitpunkt
stattfindet, bei dem die Schmelze beispielsweise in den von einer induktiv arbeitenden
Messspule gebildeten Hohlraum eintritt.
[0043] Das erfindungsgemässe Verfahren eignet sich für Giessanlagen mit nur einer Kokille;
insbesondere geignet ist es jedoch für Vertikalstranggiessanlagen mit mehreren Kokillen.
[0044] Erfindungsgemäss nehmen die Sensoren der beiden Messsysteme einer Giesseinheit bezüglich
der Kokille eine feste und während dem ganzen Stranggiessverfahren konstante Position
ein, d.h. die Messung erfolgt ohne jegliche mechanische Nachführvorrichtung in Form
beispielsweise einer Höheneinstellung der Sensoren. Bevorzugt erfolgt die Nivaumessung
während der ersten Füllphase bezüglich der Metallschmelze berührungslos.
[0045] Die Messsysteme umfassen kontinuierlich und diskontinuierlich arbeitende Niveauerfassungssysteme.
Demzufolge kann das erfindungsgemässe Verfahren durch eine kontinuierliche und/oder
diskontinuierliche Niveaumessung durchgeführt werden. Bei der Niveaumessung mit dem
zweiten Messsystem wird eine kontinuierliche Metall-Niveaumessung bevorzugt. Weiter
bevorzugt erfolgt die Messung mit dem ersten Messsystem zu diskreten Zeitpunkten,
insbesondere mit 3 bis 10 Messwerten, wobei die Niveaumessung mit dem zweiten Messsystem
kontinuierlich durchgeführt wird.
[0046] Bei Giessanlagen mit mehreren Kokillen beginnt das Absenken des Giesstisches mit
den Anfahrböden zweckmässigerweise sobald in einer Kokille das Startniveau erreicht
ist.
[0047] Bevorzugt wird auch der Metallstand in der Giessrinne vom Beginn der Füllphase der
Anfahrböden und der Kokillen an bis und mit der stationären Giessphase (Absenkphase)
auf einem konstanten Niveau gehalten.
[0048] Weitere vorteilhafte Weiterbildungen des erfindungsgemässen Verfahrens ergeben sich
aus den Unteransprüchen.
[0049] Die erfindungsgemässe Stranggiessanlage und das erfindungsgemäss Verfahren eignen
sich zum Giessen aller stranggussfähigen Metalle, bevorzugt jedoch zum Stranggiessen
von Aluminium-, Magnesium- und Kupferlegierungen. Besonders geeignet sind die erfindungsgemässe
Stranggiessanlage und das erfindungsgemässe Verfahren jedoch für das Stranggiessen
von Aluminiumlegierungen.
[0050] Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus den in
den Figuren 1 und 2 dargestellten Ausführungsbeispielen, sowie aus der Figurenbeschreibung.
- Figur 1
- zeigt schematisch einen vereinfachten Querschnitt durch einen Teil einer Kokille mit
eingefahrenem Anfahrboden.
- Figur 2
- zeigt schematisch eine Sollwertkurve des zeitlichen Verlaufs des Metallniveaus in
einer Kokille.
[0051] Die in Figur 1 dargestellte Vertikalstranggiessanlage enthält eine Kokille 10 mit
einem auf einem absenkbaren Giesstisch 16 angeordneten Anfahrboden 14, eine Hebe/Senk-Vorrichtung
11 für den Giesstisch, welche durch einen Motor 12 angetrieben wird, wobei der Motor
über eine Kontrolleinheit 34 gesteuert wird, eine Metallniveau-Messvorrichtung bestehend
aus zwei Messsystemen 22, 26, ein Giessrinnensystem 20 zum Transport einer Metallschmelze
18 von einem Ofen (nicht eingezeichnet) in die Kokille 10, wobei eine durch die Kontrolleinheit
34 gesteuerte Durchflussregelungsvorrichtung 30 die in die Kokille einzuleitende Metallschmelzenmenge
bestimmt. Die Kontrolleinheit 34 bestimmt u.a. den Anfangszeitpunkt t
a der Kokillenfüllung, die Startzeit t
s des Absenkvorganges, die Füllung der Kokille bzw. die Menge des pro Zeiteinheit in
die Kokille 10 einzuleitenden Metalls 18 während der Einfüllphase und während dem
Absenkvorgang und die Absenkgeschwindigkeit des Giesstisches 16, wobei die Kontrolleinheit
34 in Abhängigkeit der Metallniveaumessung N(t) und einer vorgegebenen Sollwertkurve
N
soll(t) arbeitet.
[0052] Die in Figur 1 beispielhaft gezeigte Durchflussregelungsvorrichtung 30 besteht im
wesentlichen aus einer in der Giessrinne 20 befindlichen Einleitöffnung 33, welche
von einem vertikal bewegbaren Stopfen 32 verschliessbar ist. Der Stopfen 32 lässt
sich einerseits durch Absenken in die Einleitöffnung 33 in Schliessstellung bringen,
bzw. durch Heben kann der Öffnungsquerschnitt und damit die Zufuhr von Metallschmelze
18 in die Kokille 10 entsprechend vergrössert werden. Der Stopfen 32 weist eine Stopfstange
auf, welche durch eine Haltevorrichtung geführt und von einem Motor 31 angetrieben
wird, wobei der Motor über die Kontrolleinheit 34 gesteuert wird.
[0053] Vor Beginn eines Abgusses werden während einer Prüfphase sämtliche Einstellungen
an der Giessanlage überprüft. Wenn sämtliche Startbedingungen erfüllt sind, wird durch
Kippen des das flüssige Metall enthaltenden Ofens die Giessrinne 20 bis auf ein vorgegebenes
Metallniveau gefüllt. Sobald ein Sensor - beispielsweise ein induktiver Messwertgeber
- eine vorgegebene Füllhöhe in der Giessrinne 20 anzeigt, wird die Einleitöffnung
33 der Giessrinne 20 durch Anheben des Stopfens 32 der Durchflussregelungsvorrichtung
30 freigegeben und das Füllen der Anfahrböden 14 und der Kokillen 10 mit dem flüssigen
Metall 18 beginnt. Der Metallstand N(t) im Anfahrboden 14 bzw. in der Kokille 10 erfolgt,
beispielsweise PID-geregelt, über eine Messvorrichtung enthaltend zwei Messsysteme
22, 26.
[0054] Die in Figur 1 dargestellte Kokille 10 ist im geschlossenen Zustand dargestellt,
d.h. der Anfahrboden liegt der Kokille 10 an, wobei der Absenkvorgang noch nicht begonnen
hat. Die Einfüllphase ist jedoch fast abgeschlossen, da die Kokille 10 bereits bis
nahe des zweiten Sensors 28 mit flüssigem Metall 18 aufgefüllt ist.
[0055] Der erste Sensor 24 weist einen grösseren Abstand zum Anfahrboden 14 auf als der
zweite Sensor 28. Damit wird sichergestellt, dass der auf einem Laser-optischen Verfahren
beruhende, erste Sensor 24 nicht mit der Schmelze 18 in Kontakt kommt. Der auf einem
induktiven Messverfahren beruhende, zweite Sensor 28 benötigt jedoch, zumindest teilweise,
den direkten Kontakt mit der Schmelze 18.
[0056] Die Sensoren 24 und 28 sind in festem Abstand mit dem jeweiligen übrigen Messsystem
22 bzw. 26 verbunden. Zudem sind die beiden Messsysteme 22 und 26 untereinander mechanisch
fest verbunden, d.h. üblicherweise bilden die beiden Messsysteme miteinander eine
mechanische Einheit.
[0057] Der Abstand der Sensoren 24, 28 von der Kokille ist während dem ganzen Stranggiessprozess
konstant, d.h. der Abstand der Sensoren 24, 28 von der Metalloberfläche ändert sich
insbesondere während der Einfüllphase der Kokille ständig. Demzufolge ist zu Beginn
der Einfüllphase der Abstand der Sensoren 24, 28 zur Metallschmelzenoberfläche resp.
zum Anfahrboden 14 am grössten, während sich dieser Abstand während der Einfüllphase
kontinuierlich oder diskontinuierlich verkleinert und nach Erreichen des Startniveaus
N
s, d.h. bei Beginn und während des Absenkvorganges im wesentlichen konstant bleibt.
[0058] Das in der Zeichnung wiedergegebene Ausführungsbeispiel bezieht sich auf das Strang-giessen
mit einer konventionellen Kokille. Die erfindungsgemässe Vertikalstranggiessanlage
umfasst jedoch auch andere Giessverfahren, wie beispielsweise das Giessen in einem
elektromagnetischen Wechselfeld (EMC), d.h. unter Verwendung einer elektromagnetischen
Kokille.
[0059] Figur 2 zeigt beispielhaft einen Sollwertverlauf N
soll(t) für das erfindungsgemässe Verfahren. Sobald das Metall in einer Kokille 10 ein
vorbestimmtes Anfangsniveau N
a bei der Anfangszeit t
a erreicht hat, beginnt die Metallniveauregelung aufgrund des Sollwertverlaufes N
soll(t) und des gemessenen Metallstandes N(t) bis das Metallniveau in der durch den Anfahrboden
14 geschlossenen Kokille 10 das Startniveau N
s bei der Startzeit t
s erreicht hat, wo das Absenken des Giesstisches 16 zur Erzeugung der Metallstränge
beginnt.
[0060] Die in Figur 2 gezeigte Sollwertkurve N
soll(t) ist polygonal und eignet sich beispielsweise für eine diskontinuierliche Regelung
des Metallstandes. In einem dem Anfangsniveau N
a naheliegenden Bereich weist die Sollwertkurve N
soll(t) eine gegenüber der mittleren Steigung

grossere Steigung auf. Hingegen weist die Sollwertkurve N
soll(t) in einem gegen das Startniveau N
s naheliegenden Bereich eine gegenüber der mittleren Steigung kleinere Steigung auf.
[0061] Zum Zeitpunkt t
w weist der Sollwert N
soll(t
w) die Höhe N
w auf Zum Zeitpunkt t
w findet die Umstellung vom ersten Messsytem 22 auf das zweite Messsystem 26 statt.
Bei dem in Figur 1 dargestellten, auf einem induktiven Messverfahren beruhenden, zweiten
Messsystem 26 wird der Zeitpunkt t
w durch den Eintritt der Schmelze in den von einer induktiv arbeitenden Messspule gebildeten
Hohlraum bestimmt. Demnach wird die Metallhöhe N(t) über dem Anfahrboden 14 während
der ersten Füllphase, d.h. bis die Füllhöhe den Wert N
w erreicht hat, mit dem ersten Messsystem 22 ermittelt, welches einen grossen Messbereich
aufweist. Nach dem Zeitpunkt t
w, wird die Metallhöhe mit dem zweiten Messsystem 26 ermittelt, dessen Messbereich
gegenüber dem ersten Messsystem 22 kleiner ist, jedoch eine hohe Messgenauigkeit aufweist.
Die hohe Messgenauigkeit ist insbesondere ab dem Zeitpunkt t
w wesentlich, da danach der Sollwertverlauf N
soll(t) gegenüber der mittleren Steigung bevorzugt flacher verläuft, und damit die Metallzufuhr
bei einer mehrere Kokillen 10 aufweisenden Stranggiessanlage zu den einzelnen Giesseinheiten
bis zum eigentlichen Giessstart t
s, der durch das Absenken des Giesstisches 16 eingeleitet wird, optimal gesteuert werden
kann.
[0062] Das Startniveau N
s, d.h. die Höhe der Oberfläche des flüssigen Metalles 18 über dem Anfahrboden 14 zur
Startzeit t
s, liegt typischerweise zwischen 100 und 200 mm und insbesondere zwischen 120 und 190
mm. Das Startniveau N
s wird - ausgehend vom Anfangszeitpunkt t
a - typischerweise in einer Zeit von 20 bis 90 s oder bevorzugt innerhalb von 25 bis
45 s erreicht.
1. Vertikalstrauggiessanlage, insbesondere Vertikalstranggiessanlage zum automatischen
Stranggiessen von Aluminiumlegierungen, enthaltend wenigstens eine Kokille (10) mit
auf einem absenkbaren Giesstisch (16) angeordnetem Anfahrboden (14), ein Giessrinnensystem
(20) zum Transport einer Metallschmelze von einem Ofen in die einzelnen Kokillen (10),
für jede Kokille (10) eine Messvorrichtung zur Bestimmung des zeitabhängigen Metallschmelzenniveaus
N(t) und eine Durchflussregelungsvorrichtung (30) zur Steuerung der Metallzufuhr in
die einzelnen Kokillen (10) in Abhängigkeit der Differenz eines vorgegebenen Sollwertverlaufes
N
soll(t) und des gemessenen zeitabhängigen Metallschmelzenniveaus N(t),
dadurch gekennzeichnet, dass
die Messvorrichtung aus zwei physikalisch unterschiedlich arbeitenden Messsystemen
(22, 26) mit je einem Sensor (24, 28) besteht, die Sensoren (24, 28) jeder Messvorrichtung
bezüglich der Kokille (10) in einem vorbestimmten und festbleibenden Abstand fixiert
sind, und das erste Messsystem (22) in einem Messbereich von wenigstens 200 mm eine
Messgenaugkeit von mindestens ± 2 mm aufweist, und das zweite Messsystem (26) in einem
Messbereich von wenigstens 20 mm eine Messgenauigkeit von mindestens ± 0.1 mm aufweist.
2. Vertikalstranggiessanlage nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste
Messsystem (22) auf einem optischen, kapazitiven, Ultraschall- oder Mikrowellen-Verfahren,
und das zweite Messsystem (26) auf einem induktiven, kapazitiven oder optischen Verfahren
basiert.
3. Vertikalstranggiessanlage nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das
erste Messsystem (22) auf einem optischen oder einem Ultraschall- oder Mikrowellen-Verfahren,
und das zweite Messsystem (26) auf einem induktiven oder kapazitiven Verfahren basiert.
4. Vertikalstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass das erste Messsystem (22) auf einem optischen Verfahren, insbesondere auf einem
Triangulationsverfahren, und das zweite Messsystem (26) auf einem induktiven Verfahren
basiert.
5. Vertikalstranggiessanlage nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet,
dass das erste Messsystem (22) jeder Messvorrichtung in Bezug auf die Metallschmelze
(18) berührungslos arbeitet.
6. Verfahren zum Vertikalstranggiessen von Metallen, insbesondere von Aluminiumlegierungen,
in einer wenigstens eine Kokille (10) umfassenden Giessanlage, bei welchem Verfahren
das flüssige Metall von einem Ofen über ein Giessrinnensystem (20) an die einzelnen
Kokillen (10) herangeführt und über eine Durchflussregelungsvorrichtung (30) in die
von auf einem absenkbaren Giesstisch (16) angeordneten Anfahrböden (14) während einer
Füllphase zunächst geschlossenen Kokillen (10) geleitet wird, wobei ausgehend von
einem Anfangsniveau (N
a) der Metallschmelze (18), bei der eine Metallschmelzen-Niveauregelung beginnt, bis
zu einem vorbestimmten Startniveau (N
s), bei dem das Absenken des Giesstisches (16) zur Erzeugung der Metallstränge beginnt,
und während der gesamten Absenkphase das zeitabhängige Metallniveau N(t) in jeder
Kokille (10) mit einer Messvorrichtung gemessen und mit einer zeitabhängigen Sollwertvorgabe
N
soll(t) verglichen wird, und die Metallzufuhr in die einzelnen Kokillen (10) mittels einer
Durchflussregelungsvorrichtung (30) gemäss der zeitabhängigen Differenz zwischen Ist-
und Sollwert des Metallniveaus geregelt wird,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Messung des zeitabhängigen Metallniveaus N(t) mit einer Messvorrichtung bestehend
aus zwei physikalisch unterschiedlich arbeitenden Messsystemen (22, 26) durchgeführt
wird, wobei ausgehend vom Anfangsniveau (Na) bis zur Erreichung eines vorbestimmten Schmelzenniveaus (Nw) durch ein erstes Messsystem (22) mit einem ersten Sensor (24) geschieht, und für
die weitere Messung des zeitabhängigen Metallniveau-Verlaufes N(t) während der daran
anschliessenden Füll-und Absenkphasen ein zweites Messsystem (26) mit einem zweiten
Sensor (28) verwendet wird, und die Sensoren (24, 28) der beiden Messsysteme (22,
26) bezüglich der Kokille (10) eine feste und während dem ganzen Stranggiessprozess
konstante Position einnehmen.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Messsystem (22)
auf einem optischen, kapazitiven, Ultraschall- oder Mikrowellen-Verfahren, und das
zweite Messsystem (26) auf einem induktiven, kapazitiven oder optischen Verfahren
basiert.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Messsystem
(22) auf einem optischen Verfahren, insbesondere auf einem Triangulationsverfahren,
und das zweite Messsystem (26) auf einem induktiven Verfahren basiert.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das vorbestimmte
Schmelzenniveau (Nw), bei dem der Messsystem-Wechsel stattfindet, durch die vertikale Position der unteren
Öffnung eines von einer induktiv arbeitenden Messspule gebildeten, zylinderförmigen
Hohlraumes bestimmt wird, wobei die Längsachse der Messspule im wesentlichen senkrecht
zur Oberfläche der Metallschmelze liegt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Messung
des Metallniveaus N(t) mit dem ersten Messsystem (22) zu diskreten Zeitpunkten erfolgt,
und die Metall-Niveaumessung N(t) mit dem zweiten Messsystem (26) kontinuierlich geschieht.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Metallzufuhr
in die Kokillen (10) aufgrund der entsprechenden Differenz zwischen Sollwertkurve
Nsoll(t) und Metallniveau-Messwert N(t) PID-geregelt erfolgt.