[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung eines schadstoffarmen
Mantelgeschosses nach dem Oberbegriff des Patentanspruchs sowie auf ein nach diesem
Verfahren hergestelltes Geschoss.
[0002] Seit Jahrhunderten wird kostengünstiges Blei aufgrund seiner hohen Dichte und Weiche
als Geschossmaterial oder zumindest als Kernmaterial für Geschosse verwendet. Der
langjährige Einsatz von bleihaltigen Geschossen in Übungs- und Jagdmunition hat zu
grossen toxischen Problemen geführt und insbesondere die Umgebung von Schiessanlagen
stark mit Schwermetall belastet. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis die Forderung
nach schadstoffarmen, insbesondere bleifreien Geschossen aufkam. So wurde beispielsweise
in manchen Ländern vom Gesetzgeber bereits ein Schrotverbot erlassen für die Jagd
über Wasser- und Sumpfgebieten.
[0003] Aus der EP -A- 0641836 ist es bekannt, zur Erzeugung von Massen hoher Dichte, Wolframpulver
in eine Kunststoffmatrix einzulagern, welche in Geschossen und als Angelgewichte Verwendung
finden. Dabei werden diese in einem aufwendigen Herstellungsverfahren bei Temperaturen
von über 185 °C vor allem zu schadstoffarmer Jagdmunition verarbeitet.
[0004] Dieses Verfahren weist den Nachteil einer kostenintensiven thermischen Prozessführung
auf und ist daher für eine Ordonnanzmunition zu teuer. Im weiteren lässt sich die
Dichte des Geschosses nur in engen Grenzen einstellen; zudem ist die Dimensionsstabilität
bei Temperaturschwankungen, aufgrund des hohen Kunststoffanteils im Kern, ungenügend.
[0005] Es ist daher Aufgabe der Erfindung ein Verfahren zu schaffen, welches die Nachteile
des Stands der Technik nicht aufweist, mit überall vorhandenen Betriebseinrichtungen
umsetzbar ist, insbesondere keine thermischen Prozesse mit entsprechenden Anlagen
erfordert und sich in der resultierenden Dichte auf einfache Weise einstellen lässt.
[0006] Das nach diesem Verfahren geschaffene Geschoss soll, verglichen mit einem existierenden
und bisher in grossen Serien hergestellten Geschoss (Ordonnanz-Munition 5.6 mm GP90)
ein gleiches Gewicht, eine gleiche Aussengeometrie, eine identische Innen- und Aussenballistik
und eine gleiche Durchschlagsleistung aufweisen. Im weiteren soll die Dimension des
Geschosses auch in einem weiten Temperaturbereich erhalten bleiben und - selbstverständlich
- müssen sämtliche Auflagen der Haager-Konvention durch das Substitutionsprodukt ebenfalls
erfüllt sein.
[0007] Zusätzlich soll das Geschoss flüssigkeitsdicht ausgestaltbar sein; Fabrikationstoleranzen
sollen durch die Konstruktion des Geschosses kompensierbar werden.
[0008] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 oder Anspruch 2 gelöst.
[0009] Das erfindungsgemässe Geschoss lässt sich durch eine an sich bekannte gravimetrische
Dosierung des Wolframpulvers und des Schmier- und Gleitmittels in seiner Masse genau
und reproduzierbar festlegen.
[0010] In abhängigen Ansprüchen sind vorteilhafte Weiterbildungen des Erfindungsgegenstandes
beschrieben.
[0011] Durch ein Wolframpulver mit der in Anspruch 3 angegebenen Körnung können Dichten
erreicht werden, welche einem Bleikern entsprechen.
[0012] Besonders bewährt hat sich Calziumstearat, innig vermischt mit Wolframpulver, wodurch
beim Verpressen bei Raumtemperatur ein einstückiger Körper entsteht, der zusammenhält;
die im Anspruch 4 alternativ aufgezählten Stoffe sind ebenfalls geeignet.
[0013] Der in Anspruch 5 angegebene Gewichtsanteil ist optimal, er verhindert ein Auseinanderbrechen
des Vor-Presslings bei der Entnahme aus der Pressform und beim Einsetzen in den Geschossmantel.
[0014] Um ein einwandfreies Manipulieren des Vor-Presslings zu ermöglichen sind Pressdrucke
von etwas über 300 MPa vorteilhaft, Anspruch 6.
[0015] Das Fertigpressen erfolgt gemäss Anspruch 7 mit höheren Drucken, vorzugsweise im
Bereich von 400 MPa.
[0016] Der Pressdruck beim Verpressen des Kernmaterials muss über 350 MPa liegen, vorzugsweise
bei 400 MPa, Anspruch 8.
[0017] Der Einbezug einer Ausgleichs- und Dichtmasse nach Anspruch 9 hat den Vorteil, dass
ein flüssigkeitsdichtes Heckteil entsteht, und dass auch kleine Fabrikationstoleranzen
damit ausgleichbar sind.
[0018] Bewährt hat sich Zinn, Anspruch 10, weil dieses unter Druck leicht fliesst und dadurch
einen vollkommen formschlüssigen Geschosskörper ergibt.
[0019] Alternativ werden Materialien nach Anspruch 11 verwendet, wenn ein absolut schwermetallfreies
Geschoss erforderlich ist.
[0020] Durch eine Bördelung nach Anspruch 12 wird das Fliessen des Materials optimal ausgenutzt,
in dem dort ein eventueller Materialüberschuss aus dem Inneren herausguellen kann.
[0021] Nachfolgend wird anhand einer Zeichnung der Erfindungsgegenstand näher erläutert.
Es zeigt die einzige
- Figur
- ein Kleinkaliber- Mantelgeschoss mit einem schadstoffarmen Kern.
[0022] In der Figur ist ein Geschoss mit 100 bezeichnet, welches einen Mantel 1 und eine
abgeplatteten Spitze 2 aufweist. Im Inneren, befindet sich ein Kern 8. Der Mantel
1 ist in seinem Mittelteil 3 zylindrisch und geht in seinem Heckteil 4 scharfkantig
in einen Kegelstumpf 5 über. Am oberen Ende des Mittelteils 3 befindet sich eine umlaufende
Würgerille 7, welche der Befestigung der üblichen Patronenhülse dient.
[0023] Anschliessend an den eigentlichen Kern 8 ist eine Ausgleichs- und Dichtmasse 9 mit
einer dem Materialausgleich dienenden konkaven Bombierung 6 vorgesehen.
[0024] Der Mantel 1 ist in bekannter Weise (nach EP -A- 0106411) aus plattiertem Stahl gefertigt.
Der Kern 8 besteht aus einer Mischung aus Wolframpulver und Calziumstearat; die Ausgleichs-
und Dichtmasse 9 aus weichem Zinn.
[0025] Die Herstellung des Geschosses 100 erfolgt in sehr einfacher und wirtschaftlicher
Weise:
[0026] Der Geschossmantel wird wie bei der bekannten Ordonnanzmunition üblich durch Tiefziehen
eines Napfes aus plattiertem Stahl erzeugt. Nach dessen Abquetschen auf die vorläufige
Länge wird der Kern 8 in Form eines Vor-Presslings eingesetzt und dieser mit 400 MPa
fertig gepresst. Danach wird die ebenfalls vorgeformte Ausgleichs- und Dichtmasse
eingelegt und das Heckteil 4 geformt und gebördelt. Schliesslich wird die Würgerille
7 geprägt und das Geschoss auf das Fertigmass kalibriert.
[0027] Während der letzten Fabrikationsstufen erfolgt ein automatischer Massenausgleich,
indem überschüssiges Material an der Bombierung 6 - um einige 1/100 mm - heraustreten
kann, ohne den Massenschwerpunkt und damit die Ballistik negativ zu beeinflussen.
[0028] Der Vor-Pressling wird durch inniges Mischen von 97 Gew.-% Wolframpulver und 3 Gew.-%
Calziumstearat und anschliessendes Formpressen bei einem Druck von 300 MPa erzeugt.
Beide Komponenten sind handelsüblich, wobei sich beim Wolframpulver ein solches mit
einer mittleren Körnung von 5 µm als sehr zweckmässig zur Einstellung einer dem Blei
entsprechenden Dichte erwiesen hat.
[0029] Durch den Einsatz notorisch bekannter Wiegeautomaten lässt sich die Masse des Kerns
auch in der Gross-Serienfertigung reproduzierbar auf eine Genauigkeit von plus/minus
4/100 g festlegen.
[0030] Alternativ kann die Mischung aus Wolframpulver und dem pulverförmigen Schmier- und
Gleitmittel auch in den Geschossmantel, genau dosiert eingefüllt und dort gepresst
werden, wobei zumindest in einer letzten Pressung Drucke von 400 MPa angewendet werden.
[0031] Der Erfindungsgegenstand hat genau die gleichen flugdynamischen Eigenschaften wie
die zu ersetzende bisherige, bleihaltigen Ordonnanzmunition und verursacht aber deren,
bei intensiven Schiessübungen resultierenden Umwelt- und Gesundheitsprobleme nicht.
[0032] Das beschriebene Herstellungsverfahren kann grundsätzlich mit den bisherigen Betriebsmitteln
und dem gleichen Personal erfolgen, wie die konventionelle Geschossherstellung.
1. Verfahren zur Herstellung eines Mantelgeschosses für eine Kleinkalibermunition mit
einem Kern aus einem wolframhaltigen Material und einem an diesem anliegenden Mantel
aus Stahl oder einer Kupferlegierung, dadurch gekennzeichnet, dass in einem ersten
Verfahrensschritt Wolframpulver mit einem pulverförmigen Schmier- und Gleitmittel
gemischt wird, dass diese Mischung in einem zweiten Schritt gepresst wird und der
resultierende Vor-Pressling in einem dritten Schritt in den Geschossmantel eingefügt
und dort auf die zu erzielende Dichte fertig gepresst wird.
2. Verfahren zur Herstellung eines Mantelgeschosses für eine Kleinkalibermunition mit
einem Kern aus einem wolframhaltigen Material und einem an diesem anliegenden Mantel
aus Stahl oder einer Kupferlegierung, dadurch gekennzeichnet, dass in einem ersten
Verfahrensschritt Wolframpulver mit einem pulverförmigen Schmier- und Gleitmittel
gemischt wird, dass diese Mischung in einem zweiten Schritt in den Geschossmantel
dosiert eingefüllt wird und dort in wenigstens einem weiteren Schritt auf die zu erzielende
Dichte fertig gepresst wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Wolframpulver eine
mittlere Körnung von weniger als 10 µm, vorzugsweise 5 µm aufweist.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Schmier- und Gleitmittel
Calziumstearat oder Magnesiumstearat oder Aluminiumstearat oder Natriumstearat oder
Paraffin ist.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Gewichtsanteil des Schmier-
und Gleitmittels 1 bis 10 Prozent, vorzugsweise 3 Prozent beträgt.
6. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Vor-Pressling mit einem
Druck von wenigstens 300 MPa vorgepresst wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Vor-Pressling im Geschossmantel
mit einem gegenüber der Vorpressung erhöhten Druck fertiggepresst wird.
8. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern mit einem Druck von
wenigstens 350 MPa fertig gepresst wird.
9. Nach dem Verfahren nach Anspruch 1 oder 2 hergestelltes Mantelgeschosses mit einem
Kern aus einem wolframhaltigen Material und einem an diesem anliegenden Mantel, dadurch
gekennzeichnet, dass der Kern (8) aus Wolfram und Schmier- und Gleitmittel kürzer
ist als der Geschossmantel (1) und dass das Heckteil (4) durch eine Ausgleichs- und
Dichtmasse (9) abgeschlossen ist.
10. Mantelgeschosses nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausgleichs- und
Dichtmasse (9) aus Zinn besteht.
11. Mantelgeschosses nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Ausgleichs- und
Dichtmasse (9) aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung besteht.
12. Mantelgeschosses nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das
Heckteil (4) einen Kegelstumpf (5) aufweist und dass durch eine Bördelung die Ausgleichs-
und Dichtmasse (9) kraftschlüssig gehalten ist.