[0001] Die Erfindung betrifft eine verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung, insbesondere
von Druckmaschinenkomponenten, wie z. B. Leit- und Zugwalzen, Trichterspitzen, Ableitzungen
etc.. Die Komponenten werden in Falzapparaten von Rollenmaschinen häufig durch Farbablage
in ihrer Funktion gestört.
[0002] In verschiedenen Bereichen einer Druckmaschine besteht somit ein Bedarf an Oberflächen,
die bei hoher Verschleißbeständigkeit gegen Gleitbewegungen des Papiers gleichzeitig
weder von weggeschlagener noch von frischer Offsetfarbe benetzt werden dürfen.
[0003] Erfahrungsgemäß hat Farbablage letztlich immer eine Dimensionsänderung der Komponenten
zur Folge, so daß neben Verschmiereffekten des bedruckten Papiers auch noch nachlassende
Präzision bis hin zum Funktionsversagen z. B. des Falzapparates auftreten. Durch zunehmende
Papiergeschwindigkeiten werden sowohl die Verschleißproblematik als auch das Problem
der Farbablage verschärft.
[0004] Gleiches kann auch für die Bogenwendung gesagt werden, da hier beidseitig bedruckte
Papierbögen mit nicht weggeschlagener Farbe bei zunehmenden Geschwindigkeiten paßgenau
transportiert werden müssen. Bezüglich dieser Problematik wurde bereits gemäß der
DE 29 14 255 A1 versucht, durch spezielle Zylinderbeschichtungen, bestehend aus verschleißfesten
Metallen oder Metalloxiden, sowie einen darin verankerten Siegelstoff dem Verschleiß
und der Farbablage entgegenzutreten.
[0005] In der DE 29 14 255 A1 werden als Siegelstoffe Teflon und Kopierlack benannt.
[0006] Beide Siegelstoffe sind jedoch dafür bekannt, daß sie in schnellen Rollenmaschinen
über eine völlig unzureichende Lebensdauer verfügen und im Falle des Teflons auch
noch verfahrensbedingt zu einer erheblichen Erwärmung des zu beschichtenden Bauteils
führen, so daß maßlicher Verzug auftreten kann. Die Sintertemperatur von Teflon liegt
im Bereich von 300° C und ist damit ausreichend hoch, um bei Präzisionswalzen, insbesondere
wenn es sich um Schweißkonstruktionen handelt, Maßverzug zu verursachen.
[0007] Farbabweisende Oberflächeneigenschaften werden nicht nur zum Transport des bedruckten
Papiers in der Druckmaschine benötigt, sondern im Fall des wasserlosen Offsets, auch
TORAY-Prozeß genannt, zur Substitution des Feuchtmittelfilms auf der Druckplatte in
Form eines Siliconfilms. Der Begriff Silicon kennzeichnet eine umfangreiche Gruppe
von synthetischen polymeren Verbindungen, in denen Siliciumatome über Sauerstoffatome
keifen- und/oder netzartig verknüpft sind und die restlichen Valenzen des Siliciums
durch Kohlenwasserstoffreste (meist Methylgruppen) abgesättigt sind. Eine andere Bezeichnung
für die Silicone ist Polyorganosiloxane.
[0008] Diese Siliconfilme auf den Wasserlos-Druckplatten zeigen neben ihren praktisch perfekten
farbabweisenden Eigenschaften zusätzlich noch eine überraschend hohe Abriebfestigkeit,
da in zahlreichen modernen Maschinen der sogenannte Deltaeffekt zur Beseitigung von
drucktechnischen Residuen, wie z. B. Papier- oder Staubkrümel, benutzt wird. Der Deltaeffekt
ist nichts anderes als ein geringer Schlupf im Prozentbereich zwischen der Feuchtauftragswalze
und dem Plattenzylinder und ist ausführlich in der US 4,724,764 beschrieben.
[0009] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, für verschleißarme Beschichtungen,
insbesondere von Druckmaschinenkomponenten eine Versiegelung zu finden, die eine dauerhafte
farbabweisende Oberflächeneigenschaft ergibt und die zusätzlich über eine hohe Resistenz
gegenüber üblichen drucktechnischen Reinigungsmitteln verfügt.
[0010] Die der Erfindung zugrundeliegende Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs
1 und durch die kennzeichnenden Verfahrensschritte des Anspruchs 6 gelöst, nämlich
dadurch, daß die zu schützende Druckmaschinenkomponente erstens aus einer verschleißhemmenden
Schicht, vorzugsweise aus Oxidkeramik wie z. B. Al
2O
3, Cr
2O
3, TiO
2, SiO
2 oder ZrO
2 bzw. Mischungen daraus, oder aus verschleißarmen Hartmetallen wie z. B. WC/Co, Cr
3C
2/NiCr, NiCrBSi, WC/Ni, Molybdän etc. besteht, vorzugsweise durch thermische Spritzverfahren
wie atmosphärisches Plasmaspritzen und Hochgeschwindigkeitsflammspritzen aufgetragen
wird und zweitens mit einer Versiegelung in Form eines Sieglers aus der Gruppe der
Polyorganosiloxane insbesondere Polyhydrogenmethylsiloxan behandelt ist, bzw. wird,
der bei 100° C bis 170° C aushärtet.
[0011] Je nach Druckmaschinenkomponente sind Oberflächengüten erforderlich, die einen Schleif-
und Poliervorgang nach dem Beschichten erforderlich machen. In diesen Fällen ist es
vorteilhaft, die Schleifbearbeitung unmittelbar nach dem Beschichten durchzuführen,
um erst danach die Versiegelung mit einem Polyhydrogenmethylsiloxan-Siegler vorzunehmen.
[0012] Aufgrund der moderaten Aushärtetemperaturen der Siegler vom Typ Polyorganosiloxane.
inbesondere Polyhydrogenmethylsiloxan ist auch eine Nachversiegelung, auch örtlich
begrenzt, in der Druckmaschine möglich, ohne die betreffende Komponente ausbauen zu
müssen.
[0013] In der bevorzugten Ausführungsform weist die vor Verschleiß schützende Beschichtung
eine Dicke von 0,03 bis 1,5 mm, vorzugsweise 0,1 mm auf.
[0014] Die Beschichtung, Versiegelung und Aushärtung kann auch auf einer Druckmaschinenkomponente
erfolgen, die nicht aus Stahl, sondern Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium, Magnesium,
Titan oder faserverstärktem Kunststoff besteht.
[0015] Die vor Verschleiß schützende Oxidkeramik oder Hartmetallschicht muß nicht durch
thermisches Spritzen aufgebracht sein, sondern kann auch durch Beschichtunysprozesse
wie PVD (Physical Vapour Deposition), CVD (Chemical Vapour Deposition), Sintern, Heißisostatpressen,
Galvanik, Sprengplattieren, Auftragschweißen, Auflöten, Klebetechniken oder Reaktivverfahren
aufgebracht werden.
[0016] Des weiteren kann bei der erfindungsgemäßen verschleißhemmenden, farbabweisenden
Beschichtung eine Oberflächenrauhigkeit der vor Verschleiß schützenden Schicht funktionsgerecht
eingestellt werden, die vorzugsweise zwischen 1,0 µm < R
z< 90 µm, insbesondere bei R
z = 15 bis 20 µm liegt.
1. Verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung, insbesondere von Druckmaschinenkomponenten,
die ein verschleißfestes Material in Form von Metalloxiden oder verschleißarmen Hartmetallen
beinhaltet und mit einem Siegelstoff behandelt ist, dadurch gekennzeichnet, daß der Siegelstoff ein Siegler aus der Gruppe der Polyorganosiloxane ist, der bei 100°
C bis 170° C aushärtet.
2. Verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Siegler Polyhydrogenmethylsiloxan verwendet ist.
3. Verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die vor Verschleiß schützende Oxidkeramikschicht aus den Stoffen AL2O3, TiO2, Cr2O3, ZrO2, SiO2, Y2O3, CeO, CaO und MgO oder aus Mischungen der Oxidkeramiken besteht.
4. Verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die vor Verschleiß schützende Hartmetallschicht aus WC/Co, WC/Ni, TiC/Ni, Cr3C2/Ni, NICrBSi oder Molybdän oder aus Mischungen dieser Hartmetalle besteht.
5. Verschleißhemmende, farbabweisende Beschichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die vor Verschleiß schützende Beschichtung eine Dicke von 0,03 bis 1,5 mm, vorzugsweise
0,1 mm aufweist.
6. Verfahren zur Beschichtung, insbesondere von Druckmaschinenkomponenten dadurch gekennzeichnet, daß in einem ersten Schritt eine vor Verschleiß schützende Schicht aus Oxidkeramik oder
Hartmetall aufgebracht wird und in einem zweiten Schrift eine Versiegelung samt thermischer
Aushärtung mit stark farbabweisenden Eigenschaften erfolgt unter Verwendung eines
Sieglers vom Typ Polyorganosiloxan, insbesondere Polyhydrogenmethylsiloxan.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Beschichten der Druckmaschinenkomponenten erst ein Schleif- und/oder Poliervorgang
der Schichtoberfläche erfolgt und erst anschließend die Versiegelung mit einem Siegler
vom Typ Polyorganosiloxan samt Aushärtung erfolgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 6 und 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Aushärtung der Versiegelung nur bei Temperaturen von 100°C bis 170° C erfolgt.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Versiegelung ohne Ausbau der Komponente in der Druckmaschine erfolgt.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Beschichtung, Versiegelung und Aushärtung auf einer Druckmaschinenkomponente
erfolgt, die nicht aus Stahl, sondern aus Leichtbauwerkstoffen wie Aluminium, Magnesium,
Titan oder faserverstärktem Kunststoff besteht.
11. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die vor Verschleiß schützende Oxidkeramik oder Hartmetallschicht durch thermisches
Spritzen wie atmosphärisches Plasmaspritzen oder Halogenflammspritzen aufgebracht
wird.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die vor Verschleiß schützende Oxidkeramik oder Hartmetallschicht durch Beschichtungsprozesse
wie PVD (Physical Vapour Deposition), CVD (Chemical Vapour Deposition), Sintern, Heißisostatpressen,
Galvanik, Sprengplattieren, Auftragsschweißen, Auflöten, Klebetechniken oder Reaktivverfahren
aufgebracht wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß eine Oberflächenrauhigkeit der vor Verschleiß schützenden Schicht funktionsgerecht
eingestellt wird, die zwischen 1,0 µm <Rz <90 µm, vorzugsweise bei Rz = 15 bis 20 µm liegt.