[0001] Die Erfindung betrifft eine Rollenwickeleinrichtung mit mindestens einem Wickelbett
zur Aufnahme mindestens einer Wickelrolle, das durch eine Stützwalze und eine Tragwalzenanordnung
gebildet ist.
[0002] Die Erfindung soll im folgenden im Zusammenhang mit dem Aufwickeln einer Papierbahn
zu einer Wickelrolle beschrieben werden, ohne jedoch auf diesen Anwendungsfall beschränkt
zu sein.
[0003] Papierbahnen werden in einem der letzten Herstellungsschritte auf eine für einen
Verwender, beispielsweise eine Druckerei, geeignete Breite geschnitten und dann zu
Wickelrollen aufgewickelt. Hierbei dient in der Regel eine Wickelhülse aus Pappe oder
einem anderen nur beschränkt stabilen Material als Rollenkern. Die Papierbahn wird
an dem Rollenkern befestigt. Durch ein Drehen des Rollenkerns beziehungsweise der
sich aufbauenden Wickelrolle wird die Papierbahn auf den Umfang gezogen und auf die
Wickelrolle aufgewickelt.
[0004] Speziell bei größeren Rollen muß man den Wickelverlauf möglichst genau steuern können.
Insbesondere möchte man den Verlauf der Wickelhärte möglichst gut beeinflussen. Die
Wickelhärte sollte zu Beginn des Wickelvorgangs, also in der Nähe des Rollenkernes,
möglichst groß sein und dann nach außen hin abnehmen.
[0005] Bei den Rollenwickeleinrichtungen unterscheidet man in der Regel sogenannte Tragwalzenwickler,
bei denen die Wickelrolle in einem Wickelbett angeordnet ist, das durch zwei Tragwalzen
gebildet ist. Mindestens eine der beiden Tragwalzen ist angetrieben. Eine Unterstützung
der Wickelrolle am Rollenkern erfolgt hierbei nicht.
[0006] Eine andere Ausgestaltung wird als sogenannter Stützwalzenroller bezeichnet. Hier
liegt die Wickelrolle an einer Stützwalze an. Seitlich wird die Wickelrolle gegebenenfalls
durch eine Tragwalze unterstützt. In der Regel werden hier mehrere Wickelrollen gleichzeitig
gewickelt, die abwechselnd auf beiden Seiten der zentralen Stützwalze angeordnet sind,
und zwar so, daß sie auf Lücke zueinander angeordnet sind. Dementsprechend steht an
den Stirnseiten der Rolle ein Raum zur Verfügung, in dem eine Rollenkernhalterung
angeordnet werden kann, so daß die Wickelrolle bei zunehmendem Rollendurchmesser und
einer damit verbundenen Gewichtszunahme auch noch am Rollenkern abgestützt werden
kann. Dies bewirkt eine Gewichtsentlastung in den Nips zwischen der Wickelrolle und
der Stützwalze bzw. der Tragwalze.
[0007] Um zu Beginn des Wickelvorganges eine möglichst große Härte zu erzielen, ist es hierbei
auch bekannt, eine Andruckwalze auf die Wickelrolle wirken zu lasen. Die Andruckkraft
der Andruckwalze wird im Verlauf des Wikkelns verringert und entfällt schließlich
ganz ab einem vorbestimmten Durchmesser.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine weitere Möglichkeit zur Wickelhärtebeeinflussung,
insbesondere beim Anwickeln, anzugeben.
[0009] Diese Aufgabe wird bei einer Rollenwickeleinrichtung der eingangs genannten Art dadurch
gelöst, daß die Tragwalzenanordnung für jede Wickelrolle einen Tragkörper aufweist,
dessen axiale Länge an die der Wickelrolle angepaßt ist und der an seinen axialen
Enden Stirnseiten mit einer vorbestimmten Erstreckung aufweist, die einen Arbeitsraum
frei lassen, in dem ein Rollenkernantrieb einfahrbar ist.
[0010] Aufgrund des Rollenkernantriebs kann man die Wickelrolle nicht nur über die angetriebene
Stützwalze bzw. eine möglicherweise angetriebene Tragwalze am Umfang antreiben, sondern
auch zentral am Rollenkern, d.h. der Wikkelhülse, und zwar auch und gerade zu Beginn
des Wikkelvorgangs. Damit läßt sich die Spannung der aufzuwikkelnden Materialbahn,
z.B. der Papierbahn, erhöhen, was gerade zu Beginn des Wickelvorganges wichtig ist,
um eine möglichst große Wickelhärte zu erzielen. Ein derartiger Rollenkernantrieb
konnte bislang nicht verwendet werden, weil für ihn kein Raum zur Verfügung stand.
Zu Beginn des Wickelvorgangs taucht die Wickelrolle aufgrund ihres geringen Durchmessers
nämlich relativ weit in das Wickelbett ein, so daß man an ihren Stirnseiten allenfalls
eine Halterung unterbringen konnte, nicht jedoch einen Antrieb. Aufgrund der Verwendung
von Tragkörpern, deren Breite ungefähr der axialen Erstrekkung der Wickelrolle entspricht,
kann man nun aber einerseits eine Abstützung der Wickelrolle über ihre gesamte Länge
erzielen, was insbesondere zu einem späteren Stadium des Wickelns wichtig ist, wenn
die Wickelrolle einen größeren Durchmesser und damit ein größeres Gewicht erreicht.
Zu Beginn des Wickelns steht aber an den Stirnseiten ausreichend Platz zur Verfügung,
um hier den Rollenkernantrieb unterzubringen. Wenn auf einer Seite der Stützwalze
mehrere Wickelrollen gewickelt werden, dann ist für jede Wickelrolle ein eigener Tragkörper
vorhanden. Die Tragkörper auf einer Seite sind mit einem Abstand zueinander angeordnet,
der ausreicht, um die Rollenkernantriebe unterzubringen. Auf der anderen Seite der
Stützwalze kann natürlich ebenfalls eine entsprechende Tragwalzenanordnung aus einem
oder mehreren Tragkörpern vorgesehen sein. Die einzige Begrenzung, die hier vorliegt,
ist, daß die Breite der Wikkelrolle, die die "Lücke" erzeugt, groß genug ist, um zwei
Rollenkernantriebe unterzubringen. Dies läßt sich aber in der Regel erreichen. Falls
schmalere Wickelrollen gefordert werden, kann man diese an den axialen Enden der Rollenwickeleinrichtung
positionieren.
[0011] Vorzugsweise ist der Tragkörper durch einen Stapel aus Scheiben gebildet, die lösbar
miteinander verbunden sind. Diese Ausgestaltung ist insbesondere dann vorteilhaft,
wenn die Schneidpläne wechseln, d.h. Wickelrollen mit wechselnden Breiten gewickelt
werden müssen. Man muß dann nicht für jede Rollenbreite einen eigenen Tragkörper vorrätig
halten und montieren, was die Investitions- und Arbeitskosten niedrig hält. Man kann
nunmehr die gewünschte Rollenbreite durch Zusammensetzen verschiedener Scheiben erzielen.
[0012] Hierbei ist besonders bevorzugt, daß alle Scheiben eines Stapels bis auf gegebenenfalls
eine Ausgleichsscheibe im wesentlichen die gleiche axiale Länge aufweisen. Man benötigt
in diesem Fall in der Regel nur eine Art von Scheiben, was die Vorratshaltung und
die Ersatzteilbeschaffung ganz wesentlich erleichtert. In einzelnen Fällen können
Ausgleichsscheiben notwendig werden, um die Differenz zwischen der axialen Länge des
Stapels und der Wickelrolle nicht zu groß werden zu lassen. Da man aber in der Regel
die Rollenbreiten nicht stufenlos ändern möchte, sondern vorbestimmte Abstufungen
verwendet, kommt man mit Scheiben einer Dicke aus. Ein weiterer Vorteil der Unterteilung
des Tragkörpers in Scheiben liegt darin, daß der Test von unterschiedlichen Walzenbelegen
an Einzelsegmenten einfacher und damit kostengünstiger als an breiten Tragwalzen ist.
Darüber hinaus lassen sich auf schmaleren Abschnitten aufwendigere Walzenbeschichtungen
leichter realisieren als an breiten Tragwalzen.
[0013] So ist in einer besonders bevorzugten Ausgestaltung vorgesehen, daß jede Scheibe
einen aufblasbaren Belag aufweist. Der Belag kann beispielsweise durch Gummi oder
einen anderen Elastomer gebildet werden und trägt damit zur Herabsetzung der Belastung
der Wickelrolle im Nip zwischen Wickelrolle und Tragwalze bei.
[0014] Vorzugsweise ist der Tragkörper auf einer über die axiale Länge der Stützwalze durchgehenden
Welle angeordnet. Damit sind gegenüber herkömmlichen Stützwalzenwicklern keine größeren
konstruktiven Änderungen notwendig. Der Tragkörper kann sich, abgesehen von den dünneren
Abschnitten der Welle, gleich verhalten wie eine herkömmliche Tragwalze auch.
[0015] Vorzugsweise ist der Tragkörper drehfest mit der Welle verbunden und die Welle ist
angetrieben. Damit läßt sich auf gleiche Weise wie bei bekannten Stützwalzenwicklern
auch ein Antrieb, gegebenenfalls ein zusätzlicher Antrieb, der Wickelrolle erzielen.
Allerdings kann der Tragkörperantrieb in diesem Fall axial relativ weit außen angeordnet
sein, also beispielsweise außerhalb der axialen Erstreckung der Stützwalze, so daß
er beim Wickeln nicht weiter stört.
[0016] Vorzugsweise ist der Tragkörper auf der Welle axial verschiebbar. Er läßt sich damit
an unterschiedliche Positionen der Wickelrolle anpassen, was beispielsweise bei Änderungen
im Schneidplan günstig ist.
[0017] Vorteilhafterweise ist der Tragkörper durch mindestens einen Ring gebildet, dessen
radiale Dicke mindestens so groß ist wie die Höhe eines den Rollenkernantrieb tragenden
Wickelkopfes. Dies ist eine relativ einfach zu realisierende Ausgestaltung. Die Welle
kann relativ dick bleiben. Der Arbeitsraum wird durch die radiale Dicke des Ringes
oder Ringe bestimmt. Auch der Ring kann axial in Scheiben unterteilt sein.
[0018] Vorzugsweise ist der Ring auf der Welle festklemmbar. Er kann dann in die gewünschte
Position verschoben werden und wird durch Festklemmen sowohl drehfest als auch in
Axialrichtung fest mit der Welle verbunden. Das Festklemmen erfordert keine komplizierteren
Verbindungstechniken, etwa einen Formschluß durch eine Nut-Feder-Verbindung oder durch
eine Vielkeilverbindung.
[0019] Mit Vorteil ist die Tragwalzenanordnung in Schwerkraftrichtung unten von einer Unterstützungseinrichtung
abgestützt. Aufgrund der wechselnden Durchmesser hat man über die axiale Erstreckung
der Tragwalzenanordnung, die der axialen Erstreckung der Stützwalze entspricht, nicht
überall die gleiche mechanische Stabilität. Insbesondere besteht die Gefahr, daß sich
"dünnere" Wellenabschnitte durchbiegen, wenn die benachbarten Tragkörper belastet
werden. Diesem Durchbiegen kann man durch eine Unterstützungseinrichtung entgegenwirken.
Die Unterstützungseinrichtung kann beispielsweise an einem Wellenabschnitt zwischen
zwei Tragkörpern angreifen. Sie kann aber auch unmittelbar auf einen Tragkörper wirken.
[0020] Hierbei ist bevorzugt, daß die Unterstützungseinrichtung in Axialrichtung verschiebbar
ist. Sie kann dann dort eingesetzt werden, wo sie notwendig ist und insbesondere einem
wechselnden Schneidplan folgen. Vorzugsweise wird sie in einer Lücke zwischen zwei
Tragkörpern angeordnet, wo auch der oder die Wickelköpfe angeordnet werden. In diesem
Fall kann man die Bauhöhe der Tragwalzenanordnung klein halten.
[0021] Mit Vorteil ist der Tragkörper auf einer verfahrbaren Schlittenanordnung angeordnet.
Damit erreicht man ein hohes Maß an Flexibilität. Mit Hilfe der Schlittenanordnung
kann der Tragkörper an gewünschte Positionen verfahren und dort fixiert werden.
[0022] Vorzugsweise weist die Schlittenanordnung einen Tragkörperantrieb auf. Dies ist eine
Alternative dazu, alle Tragkörper einer Seite durch eine gemeinsame Welle antreiben
zu lassen. Wenn ein eigener Tragkörperantrieb vorhanden ist, dann ist eine durchgehende
Welle nicht mehr notwendig und es steht ein größerer Arbeitsraum zur Verfügung.
[0023] Vorzugsweise weist die Schlittenanordnung für jede Scheibe einen eigenen Schlitten
auf. Die einzelnen Scheiben sind relativ leicht und lassen sich daher mit einem Schlitten
relativ gut handhaben. Zur Ausbildung eines Tragkörpers müssen dann nur mehrere Schlitten
nebeneinander positioniert und gegebenenfalls miteinander verbunden werden.
[0024] Vorteilhafterweise ist der Tragkörper über einen Rollenablaßtisch bewegbar. Man kann
ihn beispielsweise von der Stützwalze entfernen. Dies erleichtert das Auswerfen der
Wickelrolle, insbesondere dann, wenn es sich um relativ kleine Rollen handelt.
[0025] Mit Vorteil ist der Rollenkernantrieb höhenverstellbar. Der Mittelpunkt beziehungsweise
die Rotationsachse des Tragkörpers kann dann stationär bleiben. Mit zunehmendem Durchmesser
wandert der Rollenkernantrieb nach oben.
[0026] In einer alternativen Ausgestaltung kann vorgesehen sein, daß der Rollenkernantrieb
zumindest über einen Teil des Wickelvorgangs stationär ist und der Tragkörper eine
Anpreßeinrichtung aufweist. Bei dieser Ausgestaltung wird der Anpreßdruck zu Beginn
des Wickelvorgangs, der ein weiterer Einflußfaktor für die Erzeugung der Wickelhärte
ist, durch das Anpressen des Tragkörpers an die sich bildende Wickelrolle gebildet.
Eine Rollengewichtsentlastung erfolgt erst bei größerem Wikkelrollendurchmesser.
[0027] Vorzugsweise wirkt eine Andruckrollenanordnung auf die Wickelrolle, die eine Vielzahl
von in Axialrichtung hintereinander angeordneter Andruckrollen aufweist, die gegenüber
einem gemeinsamen Träger einzeln verstellbar sind. Mit dieser Ausgestaltung kann man
erreichen, daß auch die Andruckrollen nicht in den Arbeitsraum eindringen, diesen
also für den Rollenkernantrieb frei lassen. Lediglich diejenigen Andruckrollen, die
sich oberhalb einer zu wickelnden Wickelrolle befinden, werden angestellt, d.h. nach
unten ausgefahren. Die anderen, die sich axial außerhalb der Wickelrolle befinden,
verbleiben am Träger, so daß dort der Rollenkernantrieb untergebracht werden kann.
[0028] Die Erfindung wird im folgenden anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen in Verbindung
mit der Zeichnung näher beschrieben. Hierin zeigen:
- Fig. 1
- eine Vorderansicht einer ersten Ausgestaltung einer Rollenwickeleinrichtung,
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf die Rollenwickeleinrichtung nach Fig. 1,
- Fig. 3
- eine perspektivische Darstellung einer anderen Rollenwickeleinrichtung,
- Fig. 4
- eine schematische Draufsicht auf die Rollenwickeleinrichtung nach Fig. 3,
- Fig. 5
- einen Schlitten mit einer schematischen Darstellung einer Scheibe eines Tragkörpers
und
- Fig. 6
- einen Querschnitt durch einen Teil der Scheibe.
[0029] Eine Rollenwickeleinrichtung 1 nach Fig. 1 und 2 weist eine zentrisch angeordnete
Stützwalze 2 mit einem Antrieb 3 auf. Auf der linken Seite und auf der rechten Seite
ist jeweils eine Tragwalzenanordnung 4, 5 vorsehen, die mit der Stützwalze 3 zusammen
jeweils ein Wikkelbett 6, 7 bilden. In den Wickelbetten 6, 7 sind Wikkelrollen 8,
9 angeordnet. Diese sind in Fig. 1 gestrichelt mit einem Durchmesser dargestellt,
der annähernd ihrem Enddurchmesser entspricht.
[0030] Die Wickelrollen 8, 9 werden gebildet, indem eine in Fig. 1 und 2 nicht näher dargestellte,
aber aus Fig. 3 erkennbare Materialbahn 10, die in verschiedene Streifen I, II, III
geschnitten worden ist, auf Rollenkerne 11, 12 aufgewickelt wird. Hierzu wird in nicht
näher dargestellter, aber an sich bekannter Weise die Papierbahn 10 an den Rollenkernen
11, 12 befestigt und die Rollenkerne 11, 12 in Rotation versetzt.
[0031] Die einzelnen Wickelrollen 8, 9 sind zueinander auf Lücke angeordnet, d.h. die einzelnen
Streifen der Papierbahn 10 werden abwechselnd in das Wickelbett 6 und das Wickelbett
7 geleitet. Dementsprechend steht zwischen benachbarten Wickelrollen 8, 9 in einem
Wickelbett 6, 7 immer eine Lücke zur Verfügung, die der Breite der entsprechenden
Wickelrolle 9, 8 in dem anderen Wickelbett 7, 6 entspricht.
[0032] Die Rollenkerne 11, 12 werden von einem Rollenkernantrieb 13, 14 angetrieben. Wie
aus Fig. 2 ersichtlich ist, kann auch an jeder Stirnseite jeder Wickelrolle 8, 9 ein
entsprechender Rollenkernantrieb 13, 14 vorgesehen sein. Jeder Rollenkernantrieb 13,
14 weist einen Zapfen 15 auf, der in den Rollenkern 11, 12 einfahrbar und dort verspannbar
ist, und einen Motor 16, der den Zapfen antreibt. Ferner kann der Zapfen 15 einen
Teil des Gewichts der Wickelrolle 8, 9 aufnehmen, was insbesondere dann von Bedeutung
ist, wenn die Wickelrolle 8, 9 einen größeren Durchmesser und damit ein größeres Eigengewicht
erreicht hat. In diesem Fall wird die Auflagekraft auf der Stützwalze 3 etwas abgesenkt.
[0033] Eine weitere Maßnahme, um die Auflagekraft zu verringern, besteht darin, die Wickelrolle
8, 9 nicht nur an der Stützwalze 2 abzustützen, sondern auch an der entsprechenden
Tragwalzenanordnung 4, 5.
[0034] Diese Abstützung führte bislang dazu, daß kein Platz für die Rollenkernantriebe 13,
14 zur Verfügung stand. Dieses Problem wird nun bei der Ausgestaltung der Rollenwickeleinrichtung
1 nach Fig. 1 und 2 dadurch umgangen, daß die Tragwalzenanordnungen 4, 5 nicht mehr
mit einer über die gesamte axiale Länge der Rollenwikkeleinrichtung durchgehenden
Tragwalze ausgebildet sind. Jede Tragwalzenanordnung besteht vielmehr aus mindestens
einem Tragkörper 17, 18, dessen axiale Länge an die axiale Länge der zu wickelnden
Wickelrolle 8, 9 angepaßt ist. Um dies bewerkstelligen zu können, besteht jeder Tragkörper
17, 18 aus mehreren, in Form eines Stapels zusammengesetzten Scheiben 19, die lösbar
miteinander verbunden sind. Die Scheiben 19 sind hierbei auf einer Achse 20 in Axialrichtung,
d.h. parallel zur Rotationsachse der Stützwalze 2, verschiebbar. Sie sind durch eine
nicht näher dargestellte Klemmeinrichtung auf der Achse 20 festklemmbar. Durch Hinzufügen
oder Entfernen einer Scheibe 19 zu dem Tragkörper 17, 18 läßt sich die axiale Länge
des Tragkörpers 17, 18 verändern.
[0035] Der Durchmesser der Achse 20 ist zwar ebenfalls noch relativ groß. Er ist aber wesentlich
kleiner als der Durchmesser der Scheiben 19, die hier als Ringe ausgebildet sind.
Dementsprechend steht an den axial jeweils äußeren Enden der Tragkörper 17, 18 ein
Arbeitsraum 21 zur Verfügung, in dem die Rollenkernantriebe 13, 14 angeordnet sein
können. Die radiale Erstreckung der die Scheiben 19 bildenden Ringe, d.h. ihre radiale
Dicke, ist dabei so gewählt, daß sie mindestens genauso groß ist wie die Höhe der
Rollenkernantriebe 13, 14, d.h. die Rollenkernantriebe 13, 14 können so weit abgesenkt
werden, daß sie die Rollenkerne 11, 12 auch dann halten und vor allem antreiben können,
wenn diese in noch ungewickeltem Zustand in die tiefste Position in den Zwickel zwischen
der Stützwalze 2 und den Tragkörpern 17, 18 hineingerutscht ist.
[0036] Wie oben erwähnt, sind die Scheiben 19 auf der Achse 20 festgeklemmt. Wenn nun die
Achse 20 ebenfalls mit einem Antrieb 22 versehen ist, dann wirken auf die Wickelrolle
8, 9 bzw. den Rollenkern 12 insgesamt drei Antriebe, nämlich den Antrieb 3 der Stützwalze
2, der Rollenkernantrieb 13, 14 und der Antrieb 22 der Welle 20. Mit dieser Ausgestaltung
ist es möglich, gerade zu Beginn des Wickelvorgangs eine erhebliche Zugspannung auf
die Papierbahn auszuüben und damit den Beginn der Wickelrolle 8, 9 sehr hart zu wickeln.
In diesem Wickelabschnitt hat der Rollenkernantrieb 13, 14 einen größeren Einfluß
auf die Wickelhärte als die beiden anderen Antriebe.
[0037] Mit zunehmendem Durchmesser der Wickelrollen 8, 9 wandert der Rollenkernantrieb 13,
14 an einem nicht näher dargestellten Ständer nach oben. Die Aufgabe des Rollenkernantriebs
13, 14 verschiebt sich hierbei von einer Antriebsfunktion zu einer Haltefunktion,
um eine Gewichtsentlastung an der Auflage der Wickelrolle 8, 9 zu bewirken.
[0038] Zusätzlich kann zumindest in der Anfangsphase der Wikkelung eine Andruckrolle 23
von oben auf den Rollenkern 11, 12 wirken. Die Andruckrolle 23 ist an einem Träger
24 befestigt. Wie aus der Detailansicht "X" zu erkennen ist, sind eine Reihe von Andruckrollen
23 in Axialrichtung nebeneinander angeordnet und einzeln absenkbar. Eine Andruckrolle
23' ist in der nicht abgesenkten Position dargestellt. Diese befindet sich außerhalb
der axialen Erstreckung des Rollenkerns 12. Es ist daraus erkennbar, daß auch die
Andruckrollen 23, 23' den Arbeitsraum 21 für die Rollenkernantriebe 13, 14 nicht beeinträchtigen.
Hier steht nach wie vor genügend Platz zur Verfügung, um den Rollenkern 11, 12 festzuhalten
und anzutreiben.
[0039] Die Scheiben 19 können alle die gleiche axiale Erstrekkung aufweisen. Es kann auch
vorgesehen sein, daß am axialen Ende eines jeden Tragkörpers 17, 18 eine Ausgleichsscheibe
mit einer verminderten axialen Erstrekkung angeordnet ist.
[0040] Da die Achse 20 eine gegenüber einer üblichen Tragwalze verminderten Durchmesser
aufweist, besteht die Gefahr, daß sich die Achse 20 durchbiegt. Dieser Gefahr wird
durch eine Unterstützungseinrichtung 25 entgegengewirkt, die zwei Stützrollen 25 in
einem Träger 27 aufweist. Der Träger 27 und damit die Stützrollen 25 können in Axialrichtung
verschoben werden. Sie können damit bei einem wechselnden Schneidplan den Arbeitsräumen
21 folgen. Da sie unterhalb der Achse 20 angeordnet sind, stören sie die Rollenkernantriebe
13, 14 nicht. Der Träger 27 kann auch quer zu Achse 20 verschoben werden. Dies ist
empfehlenswert, um die Scheiben 19 auf der Achse 20 ohne Behinderung axial verschieben
zu können.
[0041] Bei der Ausgestaltung nach den Fig. 1 und 2 sind die Scheiben 19 einer Tragwalzenanordnung
4, 5 jeweils auf einer gemeinsamen Achse 20 oder Welle angeordnet. Die Ausführungsform
nach den Fig. 3 bis 5 verwendet ein anderen Prinzip. Gleiche Teile sind mit den gleichen
Bezugszeichen versehen, entsprechende Teile mit gestrichenen Bezugszeichen.
[0042] Zunächst ist erkennbar, daß man durch eine unterschiedlich große Anzahl von Scheiben
19' auch unterschiedlich große Tragkörper 17, 18 erstellen kann. In Fig. 3 und 4 sind
diese Tragkörper 17, 18 mit einem kleinen axialen Abstand zwischen den Scheiben 18'
dargestellt, der in der Praxis aber in der Regel entfällt.
[0043] Ferner ist aus Fig. 3 zu erkennen, daß von der Papierbahn 10 ein Streifen I in dem
rechten Wickelbett 7 gewickelt wird, ein Streifen II im linken Wickelbett 6 (Wickelrolle
8) und ein Streifen III wiederum in dem rechten Wickelbett 7. Dementsprechend steht
im rechten Wickelbett 7 ein Arbeitsraum zur Verfügung, dessen axiale Länge der axialen
Länge der Wickelrolle 8 entspricht.
[0044] Die Halterungen für die Rollenkernantriebe sind in Fig. 3 und 4 nicht noch einmal
dargestellt. Alle Antriebe sind lediglich durch einen Kreis mit zwei diametral gegenüberliegenden,
schwarzen Vierteln dargestellt.
[0045] Wie aus Fig. 5 zu erkennen ist, sind die einzelnen Scheiben 19' nunmehr auf Wagen
oder Schlitten 28 angeordnet, wo sie beispielsweise auf Stützrollen 29 gelagert sind,
von denen eine einen Antrieb 30 aufweisen kann. Der Schlitten 28 ist auf Rädern 31
gelagert, so daß er mit Hilfe eines Handgriffs 31 in die gewünschte Position gefahren
werden kann. Die einzelnen Scheiben 19' weisen aber nach wie vor eine zentrische Öffnung
33 auf, um sie koaxial miteinander verbinden zu können.
[0046] Aus Fig. 4 ist erkennbar, daß die Wickelrollen 8, 9 nicht genau die Breite des Stapels
der Scheiben 19' aufweisen müssen. Die Wickelrollen 8, 9 können vielmehr etwas größer
sein. Eine genaue Übereinstimmung, wie sie für die obere Wickelrolle 9 dargestellt
ist, wird sich nur in Ausnahmefällen ergeben (nur für diese Wickelrolle sind die Schlitten
28 der Scheiben 19' dargestellt).
[0047] Die Fixierung mehrerer Schlitten 28 in Axialrichtung hintereinander erfolgt über
die Öffnung 33 in den Scheiben 19'. Zusätzlich können nicht näher dargestellte, aber
an sich bekannte Maßnahmen vorgesehen sein, um die Schlitten 28 am Fußboden oder an
einer Maschinenbasis so auszurichten, daß die Rotationsachse 34 der Scheiben 19' parallel
zur Rotationsachse 35 der Stützwalze 2 verläuft.
[0048] Neben der Anpaßbarkeit der axialen Länge der einzelnen Tragkörper an die zu unterstützenden
Wickelrollen 8, 9 hat die Segmentierung der Tragkörper in einzelne Scheiben den Vorteil,
daß man unterschiedliche Walzenbeläge an den Scheiben oder Segmenten einfacher und
damit kostengünstiger testen kann als an breiten Tragwalzen. Darüber hinaus sind auch
aufwendigere Walzenbeschichtungen leichter zur realisieren als an breiten Tragwalzen.
So zeigt Fig. 6 beispielsweise eine Scheibe 19 mit einem Belag 36, der aus Gummi gebildet
ist, und einen Hohlraum 37 aufweist, der unter Druck gesetzt werden kann. Es handelt
sich damit um einen aufblasbaren Belag, mit dem die Nipbelastung weiter reduziert
werden kann.
[0049] Anstelle von Gummi kann natürlich auch ein anderer elastomerer Kunststoff verwendet
werden. Bei der Verwendung eines derartigen Belags 36 kann man auch die in Fig. 3
und 4 dargestellten axialen Lücken zwischen den einzelnen Scheiben belassen. Diese
werden ausgefüllt, wenn der Belag 36 zusammengedrückt wird.
1. Rollenwickeleinrichtung mit mindestens einem Wikkelbett zur Aufnahme mindestens einer
Wickelrolle, das durch eine Stützwalze und eine Tragwalzenanordnung gebildet ist,
dadurch gekennzeichnet, daß die Tragwalzenanordnung (4, 5) für jede Wickelrolle (8,
9) einen Tragkörper (17, 18) aufweist, dessen axiale Länge an die der Wickelrolle
(8, 9) angepaßt ist und der an seinen axialen Enden Stirnseiten mit einer vorbestimmten
Erstreckung aufweist, die einen Arbeitsraum (21) frei lassen, in dem ein Rollenkernantrieb
(13, 14) einfahrbar ist.
2. Einrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper (17, 18) durch
einen Stapel aus Scheiben (19, 19') gebildet ist, die lösbar miteinander verbunden
sind.
3. Einrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß alle Scheiben (19, 19') eines
Stapels bis auf gegebenenfalls eine Ausgleichsscheibe im wesentlichen die gleiche
axiale Länge aufweisen.
4. Einrichtung nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß jede Scheibe (19)
einen aufblasbaren Belag (36) aufweist.
5. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper
(17, 18) auf einer über die axiale Länge der Stützwalze (2) durchgehenden Welle (20)
angeordnet ist.
6. Einrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper (17, 18) drehfest
mit der Welle (20) verbunden und die Welle (20) angetrieben ist.
7. Einrichtung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper auf
der Welle (20) axial verschiebbar ist.
8. Einrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper
(18) durch mindestens einen Ring gebildet ist, dessen radiale Dicke mindestens so
groß ist wie die Höhe eines den Rollenkernantrieb (13, 14) tragenden Wickelkopfes.
9. Einrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Ring auf der Welle (20)
festklemmbar ist.
10. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Tragwalzenanordnung
(4, 5) in Schwerkraftrichtung unten von einer Unterstützungseinrichtung (25) abgestützt
ist.
11. Einrichtung nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Unterstützungseinrichtung
(25) in Axialrichtung verschiebbar ist.
12. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper
(17, 18) auf einer verfahrbaren Schlittenanordnung angeordnet ist.
13. Einrichtung nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Schlittenanordnung einen
Tragkörperantrieb (30) aufweist.
14. Einrichtung nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Schlittenanordnung
für jede Scheibe (19') einen eigenen Schlitten (28) aufweist.
15. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper
(17, 18) über einen Rollenablaßtisch bewegbar ist.
16. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß der Rollenkernantrieb
(13, 14) höhenverstellbar ist.
17. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß der Rollenkernantrieb
(13, 14) zumindest über einen Teil des Wickelvorgangs stationär ist und der Tragkörper
(17, 18) eine Anpreßeinrichtung aufweist.
18. Einrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß eine Andruckrollenanordnung
(23, 24) auf die Wickelrolle (8, 9) wirkt, die eine Vielzahl von in Axialrichtung
hintereinander angeordneter Andruckrollen (23, 23') aufweist, die gegenüber einem
gemeinsamen Träger einzeln verstellbar sind.