[0001] Die Erfindung betrifft eine Verankerungseinrichtung, insbesondere ein Ankerelement
für den Grundbau, Felsbau, Bergbau oder Massivbau, und einen seismischen Sensor, wie
z.B. ein Geophon oder ein Akzelerometer, sowie Verfahren zur räumlich hochauflösenden
Seismik und seismischen Tomographie in der Erdkruste oder in Bauwerken, insbesondere
zur untertägigen seismischen Gebirgserkundung (sogenannte "Tunnel Seismic Prediction"
oder TSP).
[0002] Beim Tunnelbau im Gebirge durch Vollausbruch mit Tunnelbohrmaschinen (TBM) erfolgt
eine seismische Vorauserkundung des Gebirges zur Untersuchung des Festgesteins in
Vortriebsrichtung. Die Vorauserkundung ist darauf gerichtet, bautechnisch relevante
Gebirgsänderungen im Vor- und Umfeld des Tunnelvortriebs vorherzusagen und felsmechanische
Parameter im Vortriebsbereich zu gewinnen. Ein bekanntes Vorauserkundungsverfahren,
das vom Unternehmen "Amberg Meßtechnik" (Schweiz) mit dem System "TSP 202" implementiert
wird, ist im folgenden unter Bezug auf Fig. 4 erläutert.
[0003] Fig. 4 zeigt in schematischer Seitenansicht den Vortrieb eines Tunnels 40 in einem
Gebirge 41 mit einer Tunnelbohrmaschine 42. Zur Vorauserkundung wird im Tunnel 40
hinter der Tunnelbohrmaschine 42 (oder auch beim Sprengvortrieb ohne Tunnelbohrmaschine)
mit Einzelsprengungen oder einer Sprengschnur 43 eine Serie von seismischen Sprengungen
ausgelöst, wodurch sich Schwingungssignale oder akustische Signale insbesondere in
Vortriebsrichtung ausbreiten. Diese Signale werden in Bereichen veränderter Gebirgsfestigkeit
(Störungen, Gesteinswechsel) aufgrund der sich ändernden seismischen Ausbreitungsgeschwindigkeit
in diesen Zonen teilweise reflektiert. Die reflektierten Signale werden von einem
seismischen Aufnehmer 44 erfaßt. Die Zonen 41a und 41b liefern verschiedene Laufzeiten
der reflektierten Signale ("Echolaufzeiten"), aus denen die Raumlage der Zonen, der
Schnittwinkel mit der Tunnelachse und der Abstand zur Tunnelbrust 45 berechnet werden.
Beim System TSP 202 besteht der Aufnehmer 44 aus einer kraftschlüssig im Gebirge eingebrachten
Verrohrung, die mehrere Gruppen hochsensitiver Akzelerometer enthält. Die Serie seismischer
Sprengungen wird durch die Einzelsprengungen oder die Sprengschnur 43 und eine zugehörige
Zündsteuerung realisiert.
[0004] Das herkömmliche Vorauserkundungsverfahren besitzt die folgenden Nachteile. Die Anbringung
des Aufnehmers 44 erfordert die Einbringung einer gesonderten Bohrung und Einzementierung
der Verrohrung. Außerdem müssen Schußbohrungen für die Einzelsprengungen bzw. die
Sprengschnur 43 eingebracht werden. Diese Maßnahmen sind arbeits- und zeitaufwendig.
Die eigentliche seismische Messung erfordert eine Unterbrechung des Vortriebs zur
Auslösung der Ladungen in den Schußbohrungen und für die seismische Aufzeichnung,
wodurch ein zusätzlicher Zeitaufwand entsteht, der den eigentlichen Tunnelbaubetrieb
stört. Ein weiteres Problem besteht in der Beschränkung des herkömmlichen Systems
auf wenige (z.B. vier) Meßkanäle, wodurch die Heterogenitäten im Gebirge nur ungenau
erfaßt werden können. Schließlich ist das herkömmliche System auf eine zweidimensionale
Erfassung der Heterogenitäten im Gebirge, nämlich in Bezug auf die Vortriebsrichtung
oder Tunnelachse und auf den radialen Abstand von dieser, beschränkt. Damit kann nur
ein unvollständiges Bild vom den Tunnel umgebenden Gebirge und damit nur eine unvollständige
Vorhersage und Dokumentation der tunnelbaurelevanten Parameter erreicht werden.
[0005] Es ist ferner allgemein bekannt, beim Tunnelbau im Gebirge anstelle eines massiven
Ausbaus einen Verankerungsausbau (Systemankerung) der Tunnelwände vorzunehmen. Es
ist bekannt, Felsanker beispielsweise aus glasfaserverstärktem Kunststoff (sogenannte
"GFK"-Anker) herzustellen. GFK-Anker werden beispielsweise vom Unternehmen "H. Weidmann
AG" (Schweiz) vertrieben. Ein GFK-Anker besteht aus einem Ankerstab, einer Ankerplatte
und einer Ankermutter, von denen zumindest der Ankerstab aus glasfaserverstärktem
Kunststoff besteht. GFK-Anker werden in entsprechende, vom Tunnel her in das Gebirge
eingebrachte Ankerbohrungen mit Kunstharzklebern eingebracht und -geklebt (Klebeanker).
Alternativ werden sogenannte Injektionsanker (aus GFK) verwendet; das sind Hohlrohre,
bei denen der Zweikomponenten-Kunstharzkleber durch das Rohr gepreßt wird, am unten
offenen Ende austritt und von dort zurück den Ringspalt zwischen Anker und Bohrlochwand
ausfüllt und verklebt. Die Anbringung erfolgt anwendungsabhängig kamm- oder igelartig
in der Tunnelwand quer zur Vortriebsrichtung oder als Vorausverankerung in Vortriebsrichtung.
GFK-Anker werden beispielsweise in der Publikation "Sicherungs- und Befestigungstechnik
im Untertagebau" in "Schweizer Baublatt" (Nr. 24, 1994) beschrieben.
[0006] Aus der WO 98/19044 ist eine Verankerungseinrichtung auf der Basis eines GFK-Ankers
bekannt, die zur Dehnungsmessung im Gebirge eingerichtet ist. In die Verankerungseinrichtung
ist mindestens ein Lichtleiter integriert, der mindestens ein Bragg'sches Gitter aufweist
und zur Dehnungs- oder Kraftmessung in Wandungen von Hohlräumen beispielsweise des
Gebirges oder in Bauwerken eingerichtet ist. Derartige GFK-Anker mit integrierten
Lichtleitern erlauben auch schnell veränderliche Dehnungsmessungen (einige kHz), der
apparative Aufwand für eine hochauflösende Messung der seismischen Schwingunsamplitude
mit dem faseroptischen System ist jedoch wesentlich höher als für die Geophon-Meßaufnehmer.
[0007] Aus der WO 96/01927 ist eine bewehrte Bodensäule bekannt, die aus verfestigtem Bodenmaterial
besteht, wobei das Bodenmaterial verfestigt wird, indem es mit stabilisierenden Materialien,
beispielsweise Zement, gemischt wird. Weiterhin umfassen die beschriebenen Säulen
einen gegenüber der Säule vorgespannten Stahlstab mit einer ankerähnlichen Struktur
am Ende des Stahlstabs. Zur Überprüfung der mechanischen Eigenschaften des Stahlstabs
ist ein Vibrationssensor vorgesehen.
[0008] Die oben am Beispiel der seismischen Vorauserkundung beim Tunnelbau erläuterten Probleme
treten auch allgemein bei seismischen Untersuchungen der Erdkruste oder in der Bautechnik
(z.B. Großbauten wie Kraftwerksmauern, Pfahlgründungen und dgl.) auf, wenn im untersuchten
Boden- oder Bauwerksbereich Heterogenitäten durch Schall- oder Schwingungsmessungen
erfaßt werden sollen.
[0009] Die Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine verbesserte Vorrichtung zur Schwingungsuntersuchung,
insbesondere in der Tunnelbautechnik, Seismik und Bautechnik, anzugeben, mit der die
jeweiligen Schwingungsuntersuchungen mit vermindertem Zeitaufwand und erhöhter Genauigkeit
durchgeführt werden können. Es soll insbesondere möglich sein, von den herkömmlichen
zweidimensionalen zu dreidimensionalen Untersuchungen überzugehen. Die Aufgabe der
Erfindung ist es auch, ein verbessertes Verfahren unter Einsatz einer derartigen Vorrichtung
anzugeben.
[0010] Die genannten Aufgaben werden mit einer Verankerungseinrichtung, einem Aufnehmerstab
einer Systemankerung und einem tomographischen Schwingungsmeßverfahren mit den Merkmalen
gemäß den Patentansprüchen 1, 7, 9 bzw. 11 gelöst. Vorteilhafte Ausführungsformen
und Anwendungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
[0011] Gemäß einem ersten wichtigen Gesichtspunkt der Erfindung wird eine Verankerungseinrichtung
(oder: Ankerelement), insbesondere mit einem Ankerstab und einem Ankerkopf, angegeben,
wobei am oder in der Verankerungseinrichtung mindestens ein Schwingungssensor angebracht
ist. Als Schwingungssensor sind beispielsweise Geophone und/oder Akzelerometer einsetzbar.
Es ist eine integrierte Anbringung an den ankerkopffernen Ende des Ankerstabes vorgesehen,
so daß der oder die Schwingungssensor(en) mit der Verankerungseinrichtung eine Einheit
bilden. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform wird ein GFK-Gebirgsanker mit mindestens
einem Geophon und/oder Akzelerometer ausgerüstet. Eine erfindungsgemäße Verankerungseinrichtung
kann jedoch allgemein auch auf der Basis anderer Arten von Felsankern gebildet sein.
Es kann auch vorgesehen sein, daß der mindestens eine Schwingungssensor durch mindestens
einen anderweitigen Sensor (z.B. Schallsensor, Sensor zur Erfassung weiterer geophysikalischer
Größen, wie z.B. Temperatur, Druck oder dgl.) ersetzt ist.
[0012] Gemäß einem zweiten wichtigen Gesichtspunkt der Erfindung wird ein Aufnehmerstab
angegeben, der als Träger für mindestens einen Schwingungssensor ausgelegt ist. Als
Schwingungssensor sind wiederum beispielsweise Geophone und/oder Akzelerometer einsetzbar.
Der Aufnehmerstab besteht aus Metall (z.B. Stahl) oder vorzugsweise aus glasfaserverstärktem
Kunststoff. Der Aufnehmerstab kann beispielsweise wie der Ankerstab der erfindungsgemäßen
Verankerungseinrichtung (ohne Ankerkopf) aufgebaut sein.
[0013] Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der Erfindung besteht darin, aus einer Vielzahl
der genannten Verankerungseinrichtungen oder Aufnehmerstäbe Schwingungs-Empfängeranordnungen
zur räumlich hochauflösenden Reflexions- und Refraktionsseismik oder seismischen Tomographie
anzugeben. Eine bevorzugte Anwendung ist die Gestaltung einer Systemankerung beim
Ausbau einer Tunnelwand unter mindestens teilweiser Verwendung der genannten Verankerungseinrichtungen,
so daß eine seismische Empfängeranordnung geschaffen wird. Bei Einsatz der Aufnehmerstäbe
kann ebenfalls eine Systemanordnung von diesen beispielsweise in einer Tunnelwand
oder einem Bauwerk vorgesehen sein.
[0014] Gemäß einem weiteren wichtigen Gesichtspunkt der Erfindung wird ein seismisches Vorauserkundungsverfahren
für den Tunnelbau im Festgestein eines Gebirges unter Verwendung der genannten Schwingungs-Empfängeranordnung
beschrieben.
[0015] Die Erfindung besitzt die folgenden Vorteile. Die Integration von Schwingungssensoren
in Verankerungseinrichtungen erlaubt die Anbringung der Schwingungssensoren an den
interessierenden Meßorten simultan zur ohnehin erforderlichen Anbringung der Verankerungseinrichtungen
z.B. beim Ausbau einer Tunnelwand oder bei Anwendungen in der Bautechnik. Die erfindungsgemäße
Verankerungseinrichtung besitzt somit eine Doppelfunktion. Einerseits ist sie Träger
der Schwingungssensoren und andererseits besitzt sie eine Sicherungswirkung für die
ausgebaute Wand. Durch diese Doppelfunktion unterscheidet sich die erfindungsgemäße
Verankerungseinrichtung von allen herkömmlichen Trägern von Schwingungssensoren. Dieser
Vorteil betrifft auch den Aufbau des erfindungsgmäßen Aufnehmerstabs, wenn dieser
eine Sicherungswirkung übernimmt. Dadurch wird der Zeitaufwand für die Durchführung
der Messungen erheblich reduziert. Ferner wird eine verhältnismäßig dichte Sensoranordnung
geschaffen, die eine dreidimensionale Meßauswertung mit erhöhter Genauigkeit erlaubt.
Insbesondere der Einsatz von Geophonen oder Akzelerometern ist dadurch vorteilhaft,
daß eine reproduzierbare Meßwertgewinnung unabhängig von etwaigen Störungen unter
Feldbedingungen realisiert werden kann. Es können gering ausgedehnte Heterogenitäten
und/oder Deformationen im Gestein oder in einem Bauwerk erfaßt und lokalisiert werden.
Die Meßwertgewinnung kann unmittelbar an der Verankerungseinrichtung erfolgen. Das
erfindungsgemäße Vorauserkundungsverfahren kann routinemäßig beim Tunnel-Baubetrieb
ohne gesonderte Umstände implementiert werden. Die erfindungsgemäße Verankerungseinrichtung
mit integriertem Sensor ist besonders gut zur Erfassung dynamischer Signale geeignet,
wie sie bei der Reflexionsseismik auftreten.
[0016] Weitere Vorteile ergeben sich daraus, daß das Meß- und Auswertesystem zur seismischen
Tomographie mobil ausgeführt sein kann. Das Meß- und Auswertesystem wird beispielsweise
im Tunnel oder im Bauwerk am interessierenden Ort an die jeweiligen Verankerungseinrichtungen
angeschlossen. Die Meßwerte der Schwingungssensoren werden erfaßt und ausgewertet.
Das Meßund Auswertesystem kann aber auch ortsfest im Tunnel und mit einer Vielzahl
oder allen Verankerungseinrichtungen verbunden und für eine parallele oder serielle
Abfrage eingerichtet sein, so daß sich nach geeigneter Schwingungserzeugung oder Anregung
laufend Bilder vom umgebenden Gebirge oder Bauwerk ermitteln lassen.
[0017] Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung werden aus den beigefügten Zeichnungen
ersichtlich. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematische Längs- und Querschnittsansichten eines Tunnels mit einer Anordnung von
Verankerungseinrichtungen oder Aufnehmerstäben gemäß der Erfindung;
- Fig. 2
- eine vergrößerte, schematische Schnittansicht des Endes eines Ankerstabes einer erfindungsgemäßen
Verankerungseinrichtung;
- Fig. 3
- eine schematische Perspektivansicht zur Illustration der erfindungsgemäßen Verfahrensweise;
und
- Fig. 4
- eine schematische Schnittansicht zur Illustration eines herkömmlichen Vorauserkundungsverfahrens
(Stand der Technik).
[0018] Die Erfindung wird im folgenden am Beispiel eines Ankers für den Gebirgs-Tunnelbau
erläutert, ist jedoch nicht auf diese Anwendung beschränkt, sondern auch bei anderen
seismischen Messungen in der Erdkruste oder in der Bautechnik anwendbar. Ferner kann
neben oder anstelle der im folgenden beschriebenen Integration von Schwingungssensoren
in einer Verankerungseinrichtung diese mit zusätzlichen Sensoren, z.B. einem Dehnungssensor
gemäß der obengenannten WO-Publikation oder der o.a. Sensoren für geophysikalische
Größen, versehen sein.
[0019] Fig. 1 zeigt einen Tunnel 10 in einem druckhaften Gebirgsbereich 11 mit einer Systemankerung
12 in Längs-(A)- und Quer-(B)-Schnittdarstellung (nach S. Flury et al. in "Tunnel",
1998, S. 26 ff.). Die Systemankerung 12 umfaßt seitliche Wandanker 121 und eine Vorausverankerung
122, die als Ortbrustsicherung dient. Es sind ferner die Ortbetonsohle 101, eine Spritzbetonbewährung
102, eine Ortbetonverkleidung 103 (Fig. 1(A)) und ein verformbarer Stahleinbau 104
(Fig. 1(B)) dargestellt. Der Tunneldurchmesser liegt beispielsweise im Bereich von
6 bis 12 m.
[0020] Die Anbringung der Wandanker 121, 122 der Systemankerung 12 oder von Aufnehmerstäbe
gemäß einer Systemanordnung entspricht dem an sich bekannten Tunnelausbau und den
zur Erzielung einer bestimmten Ausbaustabilität erforderlichen Anforderungen an die
Dichte und Ausrichtung der Wandanker in Bezug auf die Tunnelwand. Dementsprechend
sind die Wandanker 121 und die Vorausverankerung 122 igelartig, sich radial bzw. axial
in das Gebirgsgestein erstreckend angeordnet. Es werden ggf. jedoch noch weitere Schräg-Wandanker
123 eingesetzt, die abweichend von der radialen Anordnung der seitlichen Wandanker
121 mit der Tunnelachse 13 einen Winkel bilden, der kleiner als 90° ist. Die nur im
oberen Teil der Fig. 1(A) bzw. (B) gezeigten Schräg-Wandanker 123 können in allen
Tunnelbereichen angebracht sein und in Bezug auf den Anstellwinkel gegenüber der Tunnelachse
13 variieren. Die Schräg-Wandanker 123 besitzen zwar auch eine Ausbaufunktion, dienen
aber ferner insbesondere zur Verbesserung der Auflösung der seismischen Tomographie
des umgebenden Gebirges (s. unten).
[0021] Als Wandanker 121-123 sind alle Formen von Wandankern oder Ankerelementen geeignet,
die eine Integration von Sensoren erlauben. Es werden jedoch GFK-Anker bevorzugt.
Erfindungsgemäß ist vorgesehen, daß einige oder alle der Wandanker 121-123 erfindungsgemäße
Verankerungseinrichtungen sind oder an den entsprechenden Orten erfindungsgemäße Aufnehmerstäbe
vorgesehen sind, deren Einzelheiten weiter unten unter Bezug auf Fig. 2 erläutert
werden. Die Wandanker, die erfindungsgemäß mit mindestens einem Schwingungssensor
ausgestattet sind, bilden eine Empfangsantennenanordnung zur räumlich hochauflösenden
seismischen Tomographie des Gebirges.
[0022] Einzelheiten einer erfindungsgemäßen Verankerungseinrichtung, die als mindestens
einer der Wandanker in der igelartigen Systemankerung gemäß Fig. 1 vorgesehen sein
kann, sind in der schematischen Schnittansicht gemäß Fig. 2 dargestellt. Ein erfindungsgemäßer
Aufnehmerstab ist analog aufgebaut. Fig. 2(A) zeigt das vom Ankerkopf (nicht dargestellt)
bzw. im Verankerungszustand von der Tunnelachse abgewandte Ende eines Wandankers 20
mit dem Ankerstab 21, der eine Kabelführung 22 enthält, einem Ankerstabaufsatz 23,
der über einen Verbindungsbereich 24 mit dem Ankerstab 21 verbunden ist und drei Schwingungssensoren
25, 26, 27 enthält, und einer Stabspitze 28, die zum Durchstechen der Klebepatrone
beim Einkleben des Wandankers 20 im Gebirgsgestein eingerichtet ist. Die Dimensionen
des Wandankers 20 sind an die üblichen Dimensionen eines GFK-Ankers angepaßt. Demnach
kann der Durchmesser des Ankerstabs 21 z.B. rd. 2 bis 3 cm betragen. Die Kabelführung
22 zur Durchführung der elektrischen Signalleitungen (nicht dargestellt) für die Schwingungssensoren
25, 26, 27 besitzt einen Durchmesser von rd. 5 mm (bei Injektionsankern rd. 10 mm).
Der Durchmesser des Stabaufsatzes 23 ist an den des Ankerstabs 21 angepaßt. Die axiale
Länge des Stabaufsatzes 23 ist in Abhängigkeit von der Zahl und Größe der Schwingungssensoren
gewählt und beträgt beispielsweise rd. 6 cm. Der Verbindungsbereich 24 zwischen dem
Stabaufsatz 23 und dem Ankerstab 21 wird beispielsweise durch eine Klebe-, Steck-
oder Schraubverbindung gebildet.
[0023] Der Stabaufsatz 23 enthält mehrere Schwingungssensoren, die beispielsweise Geophone
und/oder Akzelerometer umfassen. Die Schwingungssensoren sollten vorzugsweise einen
meßbaren Frequenzbereich besitzen, der bis zu 2,5 kHz bis 3 kHz reicht, um bei Ausbreitungsgeschwindigkeiten
seismischer Wellen von rd. 5000 m/s im Festgestein eine Auflösung von rd. 1 bis 2
m zu erzielen. Außerdem sollte die Schwingungssensoren genügend klein dimensioniert
sein, um im Ankerstabaufsatz angebracht werden zu können. Es handelt sich vorzugsweise
um an sich kommerziell verfügbare, miniaturisierte Schwingungssensoren, die hier nur
schematisch quadratisch bzw. kreisförmig dargestellt sind. Ein Geophon, z.B. vom Typ
GS-14-LD, GS-14-L3 oder GS-14-L9, kann gemäß Fig. 2(B) typische Dimensionen a · b
von rd. 16 · 18 mm
2 besitzen. Die erfindungsgemäß eingesetzten drei Geophone arbeiten vorzugsweise in
allen Richtungslagen, d.h. sie können in allen Raumrichtungen angebracht werden.
[0024] Die Schwingungssensoren 25, 26, 27 sind so im Stabaufsatz 23 angeordnet, daß die
Auswertung der Echolaufzeiten oder des Zeitmusters empfangener seismischer Schwingungen,
die durch eine gemeinsame Schwingungsanregung und Reflexion an Gebirgsheterogenitäten
verursacht worden sind, in Bezug auf die räumliche Ausbreitungsrichtung der jeweiligen
Schwingung meßbar sind. Hierzu ist ein erster Schwingungssensor 27 axial auf der Längsachse
des Wandankers 20 angeordnet. Die übrigen Schwingungssensoren 25, 26 sind in Bezug
auf die Längsachse des Wandankers 20 in verschiedene Richtungen außermittig versetzt,
jeweils an die Außenwand des Stabaufsatzes 23 angrenzend angeordnet. Die Geometrie
dieser in Bezug auf die Längsachse versetzten Anordnung ist in Fig. 2(C) in schematischer
Querschnittsansicht illustriert. Zur Orientierung der Sensoranordnung im Bohrloch
enthält der GFK-Anker am Ankerkopf eine Markierung.
[0025] Die als Schwingungssensoren eingesetzten Geophone werden anwendungsabhängig gewählt.
Mit einer Eigenfrequenz von rd. 20 Hz dienen die auf elektrodynamischen Meßprinzipien
basierenden Geophone vorzugsweise zur Geschwindigkeitsmessung, wohingegen Akzelerometer
z.B. auf piezoelektrischer Basis mit Eigenfrequenzen im kHz-Bereich als Beschleunigungsaufnehmer
dienen.
[0026] Der Aufbau des Stabaufsatzes 23 gemäß Fig. 2(A) kann anwendungsabhängig modifiziert
werden. Dies betrifft sowohl die Anordnung als auch die Zahl der einzelnen Empfänger,
die größer oder kleiner als 3 sein kann. Die Anordnung kann die Form eines in Bezug
auf die Längsachse des Ankerstabs schräg gestellten Dreibeines gewählt sein.
[0027] Die Anbringung der Schwingungssensoren im Stabaufsatz 23 am Ende des Wandankers 20
stellt einen besonderen Vorteil der Erfindung dar. Die Geophone sind kraftschlüssig
am Anker befestigt und über den Stabkörper 21 bzw. den Stabaufsatz 23 und die Zweikomponentenverklebung
unmittelbar in mechanischem Kontakt mit dem umgebenden Gebirgsgestein. Der Wandanker
20 wird durch den Stabaufsatz 23 in seiner Stabilität und Funktion nicht geschwächt.
Bei einer alternativen Gestaltung kann jedoch vorgesehen sein, daß die Schwingungssensoren
nicht in einem Stabaufsatz, sondern unmittelbar im Körper des Ankerstabs 21 integriert
sind, falls dieser einen genügend großen Durchmesser besitzt bzw. die Schwingungssensoren
genügend klein (z.B. als Mikrosysteme ausgeführt) sind.
[0028] Zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Verankerungsvorrichtung wird im wesentlichen
wie bei der Herstellung herkömmlicher GFK-Anker vorgegangen, wobei jedoch bei der
Herstellung des glasfaserverstärkten Kunststoffs von vornherein die Einbringung der
Kabelführung 22 und die Gestaltung des Verbindungsbereiches 24 vorgesehen sind. Der
Stabaufsatz 23 mit der Stabspitze 28 kann dann als unabhängig herstellbare Kappe nach
Einziehen der Signalleitungen (nicht dargestellt) auf dem Verbindungsbereich 24 aufgesetzt
werden.
[0029] Eine Ausführungsform der erfindungsgemäßen Verfahrensweise wird im folgenden unter
Bezug auf Fig. 3 erläutert. Fig. 3 zeigt in schematischer Perspektivdarstellung einen
Tunnel 30 im Gebirge 31 mit einer Tunnelbohrmaschine 32 und einer Systemankerung 33,
die entsprechend der Darstellung von Fig. 1 ausgebildet ist. Die Tunnelbohrmaschine
32 ist mit einer seismischen Anregungseinrichtung 34 (Frequenz rd. 2-6 kHz) ausgerüstet.
Die Anregungseinrichtung 34 ist beispielsweise zur mechanischen, elektrodynamischen
oder piezoelektrischen Erzeugung seismischer Schwingungen vorgesehen und im Vortriebskopf
der Tunnelbohrmaschine 32 oder in einem vorauseilenden Bohrloch angebracht. Falls
in der Praxis keine Tunnelbohrmaschine, sondern ein normaler Sprengvortrieb verwendet
wird, kann die Erfindung analog implementiert werden.
[0030] Erfindungsgemäß werden während der Auffahrung des Tunnels die hochauflösenden Reflexions-
oder Refraktionsseismik oder seismische Tomographie durchgeführt, indem ausgehend
von der Anregungseinrichtung 34 seismische Wellen in das Gebirgsgestein 31 abgestrahlt
und mit Wandankern der Systemankerung 33 seismische Wellen empfangen werden, die an
Heterogenitäten 31a, 31b im Gebirgsgestein 31 reflektiert worden sind. An den mit
Schwingungssensoren ausgerüsteten, erfindungsgemäßen Wandankern der Systemankerung
33 werden die reflektierten Signale zeit-, richtungs- und/oder amplitudenselektiv
erfaßt und einer Auswertungseinrichtung (nicht dargestellt) zugeführt. In der Auswertungseinrichtung
erfolgt die Signalauswertung und Erzeugung einer Abbildung des interessierenden Gebirgsbereiches
mit den darin befindlichen Heterogenitäten oder reflektierenden Zonen.
[0031] Abweichend von der Positionierung der Anregungseinrichtung im Vortriebsbereich kann
alternativ auch vorgesehen sein, daß die seismische Anregung im bereits fertiggestellten
Tunnel, d.h. hinter der Tunnelbohrmaschine 32, erfolgt, wie es beispielsweise vom
herkömmlichen System TSP 202 her bekannt ist.
1. Verankerungseinrichtung, die zum Wandausbau in der Bautechnik und im Bergbau ausgebildet
ist, mit einem Ankerstab (21), einem Ankerkopf und mindestens einem am Ankerstab (21)
angebrachten Schwingungssensor (25-27),
dadurch gekennzeichnet, dass
der Schwingungssensor (25-27) am vom Ankerkopf abgewandten Ende des Ankerstabs (21)
angeordnet ist und der Ankerstab (21) eine Kabelführung (22) von dem Schwingungssensor
(25-27) hin zum Ankerkopf aufweist.
2. Verankerungseinrichtung gemäß Anspruch 1, bei welcher der Schwingungssensor (25-27)
in einem Stabaufsatz (23) angeordnet ist.
3. Verankerungseinrichtung gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der mehrere
Schwingungssensoren (25-27) vorgesehen sind, die jeweils verschiedene Relativpositionen
in Bezug auf die Längsachse des Ankerstabs (21) besitzen.
4. Verankerungseinrichtung gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der drei Schwingungssensoren
(25-27) vorgesehen sind, die entsprechend einem orthogonalen Dreibein angeordnet sind.
5. Verankerungseinrichtung gemäß Anspruch 4, bei der die Schwingungssensoren (25-27)
Geophone und/oder Akzelerometer umfassen.
6. Verankerungseinrichtung gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der der Ankerstab
(21) aus glasfaserverstärktem Kunststoff besteht.
7. Systemankerung für den Tunnelbau oder für die Hochbautechnik bestehend aus einer Vielzahl
von Wandankern, von denen mindestens ein Wandanker durch eine Verankerungseinrichtung
mit den Merkmalen gemäß einem der Ansprüche 1-6 gebildet wird.
8. Verfahren zur hochauflösenden Seismik oder Tomographie von Gebirgszonen oder Bauwerken
mit den folgenden Schritten:
- Anregung von Schallwellen im Gebirgsgestein bzw. im Bauwerk,
- Reflektion der Schallwellen an Heterogenitäten,
gekennzeichnet durch
den Schritt:
- Erfassen der reflektierten Echo-Wellen mit mindestens einer Verankerungseinrichtung
gemäß einem der Ansprüche 1-6.
9. Verfahren gemäß Anspruch 8,
gekennzeichnet durch
den Schritt:
- Verwenden einer Systemankerung (12, 33) zur hochauflösenden Seismik oder Tomographie
des Gebirges.
10. Verfahren gemäß Anspruch 9,
gekennzeichnet durch
den Schritt:
- Anregung der seismischen Wellen im Gebirge mit einer Anregungseinrichtung (34) am
Vortriebskopf einer Tunnelbohrmaschine (32) oder in einem vorauseilenden Bohrloch.
1. Anchoring device, which is designed for wall support in structural engineering and
in mining, with an anchor rod (21), an anchor head and at least one vibration sensor
(25-27) attached to the anchor rod (21), characterised in that the vibration sensor (25-27) is disposed on the end of the anchor rod (21) remote
from the anchor head, and the anchor rod (21) has a cable carrier (22) from the vibration
sensor (25-27) to the anchor head.
2. Anchoring device according to Claim 1, wherein the vibration sensor (25-27) is disposed
in a rod attachment (23).
3. Anchoring device according to one of the preceding claims, wherein several vibration
sensors (25-27) are provided, each having different relative positions with respect
to the anchor rod (21).
4. Anchoring device according to one of the preceding claims, wherein three vibration
sensors (25-27) are provided, which are arranged in keeping with an orthogonal tripod.
5. Anchoring device according to Claim 4, wherein the vibrations sensors (25-27) comprise
geophones and/or accelerometers.
6. Anchoring device according to one of the preceding claims, wherein the anchoring rod
(21) is made of fibreglass-reinforced plastic.
7. System anchorage for tunnel construction or for superstructure construction comprising
a plurality of wall anchors, of which at least one wall anchor is formed by an anchoring
device with the features according to one of Claims 1-6.
8. Method of high-resolution seismic surveying or tomography of rock zones or constructions
with the following steps:
• excitation of sound waves in the rock formation or construction,
• reflection of the sound waves at heterogeneous areas,
characterised by the step:
- detection of the reflected echo waves with at least one anchoring device according
to one of Claims 1-6.
9. Method according to Claim 8,
characterised by the step:
- use of a system anchorage (12, 33) for high-resolution seismic surveying or tomography
of the rock.
10. Method according to Claim 9,
characterised by the step:
- excitation of the seismic waves in the rock with an excitation unit (34) in the
advancing head of a tunnel rock drill (32) or in a forward drill hole.
1. Dispositif d'ancrage qui est réalisé pour le soutènement de parois dans la technique
de la construction et dans l'industrie extractive, comprenant une barre d'ancrage
(21), une tête de boulon d'ancrage et au moins un capteur de vibrations (25-27) aménagé
sur la barre d'ancrage (21),
caractérisé en ce que
le capteur de vibrations (25-27) est disposé sur l'extrémité de la barre d'ancrage
(21) opposée à la tête de boulon d'ancrage et la barre d'ancrage (21) comprend un
câblage (22) à partir du capteur de vibrations (25-27) jusqu'à la tête de boulon d'ancrage.
2. Dispositif d'ancrage selon la revendication 1, dans lequel le capteur de vibrations
(25-27) est disposé dans un chapeau de barre (23).
3. Dispositif d'ancrage selon l'une des revendications précédentes, dans lequel sont
prévus plusieurs capteurs de vibration (25-27) qui présentent respectivement différentes
positions relatives par rapport à l'axe longitudinal de la barre d'ancrage (21).
4. Dispositif d'ancrage selon l'une des revendications précédentes, dans lequel sont
prévus trois capteurs de vibration (25-27) qui sont disposés en fonction d'un tripode
orthogonal.
5. Dispositif d'ancrage selon la revendication 4, dans lequel les capteurs de vibration
(25-27) comprennent des géophones et/ou des accéléromètres.
6. Dispositif d'ancrage selon l'une des revendications précédentes, dans lequel la barre
d'ancrage (21) est constituée par une matière plastique renforcée de fibres de verre.
7. Ancrage de système pour la construction de tunnels ou pour la technique de construction
immobilière constitué par une pluralité de barres d'ancrage de paroi, parmi lesquelles
au moins une barre d'ancrage de paroi est formée par un dispositif d'ancrage comprenant
les caractéristiques selon l'une des revendications 1 à 6.
8. Procédé de séismologie ou tomographie à haute résolution de zones montagneuses ou
de constructions comprenant les étapes suivantes :
- excitation d'ondes sonores dans la roche montagneuse ou dans la construction,
- réflexion des ondes sonores sur les hétérogénéités,
caractérisé par l'étape de :
- détection des ondes d'écho réfléchies avec au moins un dispositif d'ancrage selon
l'une des revendications 1 à 6.
9. Procédé selon la revendication 8,
caractérisé par
l'étape :
- d'utilisation d'un ancrage de système (12, 33) en vue de la séismologie ou la tomographie
à haute résolution de la montagne.
10. Procédé selon la revendication 9,
caractérisé par
l'étape :
- d'excitation des ondes sismiques dans la montagne avec un dispositif d'excitation
(34) sur la tête de creusement d'une machine de percement de galeries (32) ou dans
un trou de situé à l'avant.