[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abdichten eines mit einem Deckel verschlossenen
Fülloches an einem Koksofen, wobei der Ringspalt zwischen dem Deckel und einem Füllochrahmen
mit einer Abdichtmasse vergossen wird, die nach dem Fließvorgang aushärtet.
[0002] In einem modernen Koksofenbetrieb werden die Spalträume an den nach der Kohlefüllung
mit Deckeln verschlossenen Füllöchern mit einer Abdichtmasse vergossen, um Emissionen
während des Verkokungsprozesses zu verhindern. Als Abdichtmasse werden wässrige Suspensionen
verwendet, die nach dem Aushärten eine feste Abdichtung zwischen dem Deckel und dem
Füllochrahmen bilden. Für das Ausbringen der Abdichtmasse werden Gießvorrichtungen
eingesetzt, die auf dem Kohlefüllwagen installiert sind und von Hand oder automatisch
betätigt werden können. Die Gießvorrichtungen weisen mit Absperrarmaturen versehene
Zulaufleitungen zu den Übergabebereichen oberhalb der abzudichtenden Füllochdeckel
auf.
[0003] In der Praxis kommt es immer wieder zu Betriebsstörungen durch Ablagerungen der Abdichtmasse
an den Innenflächen des Leitungssystems sowie der Armaturen. Die bekannten Gießvorrichtungen
bedürfen einer intensiven Wartung, um eine ordnungsgemäße Zuführung des Abdichtmaterials
zu den zu verschließenden Ringspalten zu gewährleisten. Ablagerungen im Leitungssystem
wirken sich auch auf den Durchsatz des Abdichtmaterials aus mit der Folge, daß eine
betriebssichere und genaue Dosierung nicht möglich ist. Unterdosierungen und Überdosierungen
kommen vor. Während im Fall einer Unterdosierung eine ausreichende Abdichtung nicht
immer gewährleistet ist, ergibt sich bei einer Überdosierung das Problem, daß die
Ringspalte zwischen Deckel und Füllochrahmen beim Gießvorgang überlaufen und das Abdichtmaterial
auf die Füllochrahmen sowie die Ofendecke fließt und Verschmutzungen verursacht, die
manuell entfernt werden müssen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das eingangs beschriebene Verfahren so
weiter auszubilden, daß Reinigungs- und Wartungsarbeiten weitgehend entfallen.
[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe lehrt die Erfindung, daß aus einem auf einem Kohlefüllwagen
mitgeführten Vorratsbehälter eine für den abzudichtenden Ringspalt vorher festgelegte
Menge an Abdichtmasse entnommen und unter Druck einem ringförmigen Verteiler zugeführt
wird, der oberhalb des Ringspaltes positioniert worden ist, und daß nach Maßgabe der
vorgegebenen Abdichtmassenmenge das an den Vorratsbehälter austrittsseitig anschließende
Leitungssystem bis zum Verteiler mit Wasser gespült wird. Vorzugsweise wird die Abdichtmasse
tangential dem Verteiler zugeführt und tritt aus einem ringförmigen Spalt oder aus
einer Mehrzahl von Bohrungen an der Unterseite des Verteilers mit einer gleichmäßigen
Masseverteilung in Umfangsrichtung aus.
[0006] Erfindungsgemäß wird nach jedem Gießvorgang eine Wasserspülung vorgenommen, um Ablagerungen
zu verhindern. Ferner ist wesentlich, daß eine auf den Ringspalt abgestimmte und vorher
festgelegte Menge dem Vorratsbehälter entnommen und unter Druck dem Verteiler zugeführt
wird. Im Rahmen der Erfindung liegt es, für die Förderung Verdrängerpumpen einzusetzen,
deren Förderstrom von der Förderhöhe weitgehend unabhängig ist. Die Dosiermenge ist
über die Betriebszeit der Verdrängerpumpe steuerbar. Zur Förderung einer pastösen
Abdichtmasse eignen sich beispielsweise Membran- und Faltenbalgpumpen sowie Schlauchdosierpumpen.
Gemäß einer bevorzugten Ausführung der Erfindung, bei der eine Pumpe nicht erforderlich
ist, wird ein als Druckbehälter ausgebildeter Dosierbehälter verwendet. Die Abdichtmasse
fließt aus dem Vorratsbehälter in den Dosierbehälter ab. Nach Aufnahme der für die
Abdichtung des Ringspaltes vorgegebenen Menge, die entweder durch die Größe des Dosierbehälters
bestimmt ist oder durch eine Füllstandsmeßeinrichtung ermittelt wird, wird der Dosierbehälter
oberseitig mit Druckluft beaufschlagt und die Abdichtmasse unter Ausbildung eines
Druckluftpolsters dem Verteiler zugeführt. Nach Entleerung des Dosierbehälters wird
dieser sowie die auslasseitig zum Verteiler führende Leitung mit Wasser gespült.
[0007] Gemäß einer bevorzugten Ausführung der Erfindung wird mit einem Spülwasserkreislauf
gearbeitet. Das zu Spülzwecken eingesetzte Wasser wird aus einem Spülwassertank entnommen,
vor dem Verteiler aus dem Leitungssystem abgezogen und in den Spülwassertank zurückgeführt.
Zumindest von Fall zu Fall sollte auch eine Spülung des ringförmigen Verteilers erfolgen.
Die Wasserspülung des ringförmigen Verteilers wird zweckmäßig dann vorgenommen, wenn
der Kohlefüllwagen in einem Kohlenturm mit Kohle befüllt wird. Das aus dem Verteiler
austretende Spülwasser kann einer stationären Ablaufrinne im Kohlenturm zugeführt
werden.
[0008] Gegenstand der Erfindung ist auch eine Gießvorrichtung entsprechend den Ansprüchen
6 bis 8 zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0009] Das erfindungsgemäße Verfahren sowie die erfindungsgemäße Gießvorrichtung zeichnen
sich durch folgende Vorteile aus. Das Verfahren sowie die Vorrichtung ermöglichen
eine genaue Dosierung der Menge des Abdichtmaterials, die individuell für jeden Füllochdeckel
festlegbar ist. Der Gießvorgang ist durch die Druckbeaufschlagung betriebssicher und
schnell mit gleichmäßiger Verteilung am Ringspalt ausführbar. Durch die sich an einen
Gießvorgang anschließende Wasserspülung, die im Rahmen einer Ablaufsteuerung automatisch
ausführbar ist, entfallen weitgehend manuelle Reinigungs- und Wartungsarbeiten.
[0010] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Gießvorrichtung zum Abdichten eines mit einem Deckel verschlossenen Fülloches
an einem Koksofen, und
- Fig. 2
- eine Draufsicht auf einen ringförmigen Verteiler der in Fig. 1 dargestellten Gießvorrichtung.
[0011] Die in der Fig. 1 dargestellte Gießvorrichtung ist auf einem Kohlefüllwagen, der
auf der Oberseite einer Koksofenbatterie verfahrbar ist, installiert. Sie wird eingesetzt,
um den Ringspalt zwischen einem Deckel 1, der nach Beendigung des Kohleeinfüllvorganges
in das Fülloch der Kokskammer eingesetzt worden ist, und dem Füllochrahmen 2 mit einer
Abdichtmasse zu vergießen. Als Abdichtmasse werden wässrige Suspensionen mit pastöser
Konsistenz eingesetzt, die nach dem Gießvorgang unter der Wirkung der am Füllochrahmen
herrschenden Temperaturen von zumeist ca. 200 bis 300°C durch einen Trocknungsvorgang
an der Luft innerhalb weniger Minuten aushärten.
[0012] Zum grundsätzlichen Aufbau der Gießvorrichtung gehören ein auf dem Kohlefüllwagen
installierter Vorratsbehälter 3 für Abdichtmasse, ein ringförmiger Verteiler 4, der
oberhalb des zu vergießenden Ringspaltes positionierbar ist, sowie ein Leitungssystem
5 zwischen dem Vorratsbehälter 3 und dem Verteiler 4. Das Leitungssystem 5 weist einen
Dosierbehälter 6 zur Aufnahme einer für den abzudichtenden Ringspalt vorher festgelegten
Menge an Abdichtmasse auf. Er ist als Druckbehälter ausgebildet. Am Kopf des Dosierbehälters
6 oder im Dosierbehälterzulauf sind eine Druckluftleitung 7 sowie eine Spülwasserleitung
8 angeschlossen. Der Dosierbehälterzulauf 9, der Dosierbehälterablauf 10, die Druckluftleitung
7 und die Spülwasserleitung 8 sind mit fernbetätigbaren Absperrarmaturen 11a bis 11d
ausgerüstet, die nach einem im folgenden beschriebenen Ablaufprogramm steuerbar sind.
[0013] Aus dem mit einem Rührwerk ausgerüsteten Vorratsbehälter 3 wird eine für den abzudichtenden
Ringspalt vorher festgelegte Menge in den Dosierbehälter 6 abgelassen. Nach der Befüllung
des Dosierbehälters 6 wird die im Dosierbehälterzulauf 9 angeordnete Absperrarmatur
11a geschlossen und wird zeitverzögert die unterhalb des Dosierbehälters 6 im Dosierbehälterablauf
10 angeordnete Absperrarmatur 11b geöffnet. Zugleich wird die in der Druckluftleitung
7 angeordnete Armatur 11c betätigt und wird der Dosierbehälter oberseitig mit Druckluft
beaufschlagt. Unter Ausbildung eines Druckluftpolsters wird der Dosierbehälter 6 entleert
und die Abdichtmasse durch die sich anschließende Leitung dem ringförmigen Verteiler
4 zugeführt.
[0014] Der ringförmige Verteiler 4 weist gemäß Fig. 2 einen tangentialen Einlauf 12 auf
und ist an der Unterseite mit einem ringförmigen Spalt oder einer Mehrzahl von Auslaßbohrungen
versehen. Die unter Druck zugeführte Abdichtmasse tritt an der Unterseite des Verteilers
4 mit einer gleichmäßigen Masseverteilung in Umfangsrichtung aus.
[0015] Nach Beendigung des Gießvorganges wird das Leitungssystem 5 einschließlich des Dosierbehälters
6 bis zum Verteiler 4 mit Wasser gespült. Das Wasser wird einem Spülwassertank 13
entnommen und mittels einer Spülpumpe 14 bei geöffneter Absperrarmatur 11d in den
Dosierbehälter 6 eingelassen. In der Zuleitung zum Verteiler 4 ist eine Dreiwegearmatur
15 angeordnet. Das Spülwasser wird hier aus dem Leitungssystem 5 abgezogen und durch
eine Rückführleitung 16 in den Spülwassertank 13 zurückgeführt. Der Spülwassertank
13 weist eine Trennwand 17 auf, welche den Tank in einen Zulaufbereich 18 und einen
Ablaufbereich 19 unterteilt. Der Zulaufbereich 18 ist als Sedimentationsbecken zur
Abscheidung von Feststoffen ausgelegt. Gereinigtes Spülwasser fließt als Überlauf
in den Ablaufbereich 19. Der Spülwassertank 13 wird turnusmäßig aufgefüllt und gereinigt.
[0016] Zumindest von Zeit zu Zeit erfolgt auch eine Wasserspülung des ringförmigen Verteilers
4. Zweckmäßig wird die Spülung des ringförmigen Verteilers 4 dann vorgenommen, wenn
der Kohlefüllwagen im Kohlenturm mit Kohle befüllt wird. Das aus dem Verteiler 4 austretende
Spülwasser kann einer stationären Ablaufrinne im Kohlenturm zugeführt werden.
1. Verfahren zum Abdichten eines mit einem Deckel verschlossenen Fülloches an einem Koksofen,
wobei der Ringspalt zwischen dem Deckel und einem Füllochrahmen mit einer Abdichtmasse
vergossen wird, die nach dem Gießvorgang aushärtet, dadurch gekennzeichnet, daß aus einem auf einem Kohlefüllwagen mitgeführten Vorratsbehälter eine für den
abzudichtenden Ringspalt vorher festgelegte Menge an Abdichtmasse entnommen und unter
Druck einem ringförmigen Verteiler zugeführt wird, der oberhalb des Ringspaltes positioniert
worden ist, und daß nach Abgabe der vorgegebenen Abdichtmassenmenge das an den Vorratsbehälter
austrittsseitig anschließende Leitungssystem bis zum Verteiler mit Wasser gespült
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdichtmasse tangential
dem Verteiler zugeführt wird und aus einem ringförmigen Spalt oder einer Mehrzahl
von Bohrungen an der Unterseite des Verteilers mit einer gleichmäßigen Masseverteilung
in Umfangsrichtung austritt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Abdichtmasse aus
dem Vorratsbehälter in einen als Druckbehälter ausgebildeten Dosierbehälter abfließt,
daß der Dosierbehälter nach Aufnahme der für die Abdichtung des Ringspaltes vorgegebenen
Menge an Abdichtmasse oberseitig mit Druckluft beaufschlagt und die Abdichtmasse unter
Ausbildung eines Druckluftpolsters dem Verteiler zugeführt wird und daß der Dosierbehälter
sowie die auslasseitig zum Verteiler führende Leitung anschließend mit Wasser gespült
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das aus einem
Spülwassertank entnommene Wasser vor dem Verteiler aus dem Leitungssystem abgezogen
und in den Spülwassertank zurückgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der ringförmige
Verteiler mit Wasser gespült wird, während der Kohlefüllwagen in einem Kohlenturm
mit Kohle befüllt wird, und daß das aus dem Verteiler austretende Spülwasser einer
stationären Ablaufrinne im Kohlenturm zugeführt wird.
6. Gießvorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
mit einem Vorratsbehälter (3) für Abdichtmasse, einem ringförmigen Verteiler (4) und
einem Leitungssystem (5) zwischen dem Vorratsbehälter (3) und dem Verteiler (4),
dadurch gekennzeichnet,
daß das Leitungssystem (5) einen Dosierbehälter (6) zur Aufnahme einer für einen abzudichtenden
Ringspalt vorher festgelegte Menge an Abdichtmasse aufweist, wobei der Dosierbehälter
(6) als Druckbehälter ausgebildet ist,
daß am Kopf des Dosierbehälters (6) oder im Dosierbehälterzulauf (7) eine Druckluftleitung
(7) sowie eine Spülwasserleitung (8) angeschlossen sind und
daß der Dosierbehälterzulauf (9), der Dosierbehälterablauf (10), die Druckluftleitung
(7) und die Spülwasserleitung (8) mit fernbetätigbaren Absperrarmaturen (11a bis 11d)
ausgerüstet sind, die nach einem Ablaufprogramm steuerbar sind.
7. Gießvorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der ringförmige Verteiler
(4) einen tangentialen Einlauf (12) für Abdichtmasse und an der Unterseite einen ringförmigen
Spalt oder eine Mehrzahl von Bohrungen aufweist.
8. Gießvorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem Leitungssystem
(5) ein Spülwasserkreislauf mit einem Spülwassertank (13), einer Spülpumpe (14) sowie
einer Spülwasserrückführleitung (16) zugeordnet ist, daß der Spülwassertank (13) eine
Trennwand (17) aufweist, welche den Tank in einen Zulaufbereich (18) und einen Ablaufbereich
(19) unterteilt, wobei der Zulaufbereich (18) als Sedimentationsbecken zur Abscheidung
von Feststoffen ausgelegt ist und gereinigtes Wasser als Überlauf in den Ablaufbereich
(19) abfließt.