[0001] Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von als Formkörper (insbesondere
Tablette) formulierten fotografischen Prozeßchemikalien sowie nach diesen Verfahren
erhältliche entsprechende Formkörper.
[0002] Belichtete Silberhalogenidfilme werden in kommerziellen Labors vollautomatisch entwickelt
und verarbeitet. Farbnegativfilme beispielsweise durchlaufen dabei ein Entwicklerbad,
ein Bleichbad, ein Fixierbad und in der Regel ein Stabilisierbad bzw. mehrere Waschschritte.
Die Schritte des Bleichens und Fixierens können ggf. mittels eines Bleichfixierbades
in einem einzigen Verarbeitungsschritt kombiniert werden. Die fertig entwickelten
Negative werden auf Colorpapier belichtet, das belichtete Colorpapier durchläuft anschließend
ebenfalls ein Entwicklungsbad, in der Regel ein kombiniertes Bleichfixierbad und abschließende
Waschschritte. Die Waschschritte können ggf. durch ein Stabilisierbad ersetzt werden.
[0003] Die verschiedenen Verarbeitungsbäder erschöpfen sich im Laufe der Verwendung. Während
ein Fotoamateur erschöpfte Bäder in der Regel auswechselt, erfolgt bei kommerziellen
Fotolabors eine Auffrischung verbrauchter Lösungen. Im Handel sind zu diesem Zweck
die entsprechenden Prozeßchemikalien als Flüssigkonzentrate oder Pulver erhältlich.
[0004] Flüssigkonzentrate benötigen aufgrund ihres Wasseranteils bei Transport und Lagerung
verhältnismäßig viel Platz. Die leeren Konzentratbehälter stellen ein erhebliches
Abfallvolumen dar.
[0005] Chemikalien in Pulverform sind schwierig zu handhaben. Da die Pulver bei der Handhabung
stauben können, müssen Vorkehrungen zur Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen
der Anwender getroffen werden.
[0006] Es ist daher bereits vorgeschlagen worden (EP-A 0 678 782), fotografische Prozeßchemikalien
als Granulat zu formulieren. Es werden verschiedene Varianten der Feuchtgranulierung
(beispielsweise Wirbelschichtgranulierung) eingesetzt.
[0007] Bekannt ist es ebenfalls, aus einem Granulat und ggf. weiteren pulverförmigen Bestandteilen
Tabletten zu pressen (EP-A 0 678 782). Die fotografischen Verarbeitungsmaschinen weisen
Vorratsmagazine für solche Tabletten auf und dosieren diese nach Bedarf automatisch
in die jeweiligen Bäder ein. Gebräuchlich ist die Bereitstellung der fotografischen
Prozeßchemikalien in Form von Tabletten insbesondere bei kleineren automatischen Entwicklungsmaschinen,
die in sog. Minilabs verwendet werden. Die Tabletten müssen eine ausreichende Härte
und Abriebfestigkeit aufweisen, damit die automatische Handhabung in den Magazinen
nicht zu Tablettenbruch führt und der Betrieb nicht durch Tablettenabrieb beeinträchtigt
wird. Diese Eigenschaften der Tablette müssen auch nach längerer Lagerung gewährleistet
sein.
[0008] EP-A 0 611 986 offenbart feste fotografische Prozesschemikalien. Die Chemikalien
werden zunächst granuliert und dann zu Tabletten verpreßt.
[0009] Das Granulieren der Prozeßchemikalien vor dem Verpressen zu einer Tablette ist aufwendig.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein einfaches, kostengünstiges Verfahren
zur Herstellung solcher Formkörper zu schaffen.
[0010] Die Erfindung löst diese Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung von als Formkörper
formulierten fotografischen Prozeßchemikalien mit den folgenden Schritten:
a)zerkleinern von wenigstens 50 Gew.-% des anorganischen Anteils der Einsatzmaterialien
auf eine mittlere Korngröße von 125µm oder weniger,
b)Direktverpressen der Einsatzmaterialien zu einem Formkörper mit einer Härte von
wenigstens 400 N.
[0011] Zunächst seien einige im Rahmen der Erfindung verwendete Begriffe erläutert.
[0012] Ein Formkörper ist jeglicher Körper mit einer durch Formung gezielt hergestellten
Gestalt. Vorzugsweise handelt es sich um eine Tablette.
[0013] Fotografische Prozeßchemikalien sind jegliche Chemikalien, die im Rahmen eines oder
mehrerer fotografischer Prozesse (bspw. Entwickeln, Fixieren, Bleichfixieren oder
dergleichen) Anwendung finden können.
[0014] Bei den Einsatzmaterialien handelt sich um alle diejenigen Stoffe, die Bestandteil
des Formkörpers sind. Es handelt sich dabei zum einen um den oder die in dem jeweiligen
fotografischen Verarbeitungsprozeß aktiven Stoffe (bspw. Fixierund/oder Bleichfixiermittel,
Entwickler) sowie um Hilfsstoffe, die fotografisch inert oder fotografisch förderlich
sind. Dies bedeutet, daß der fotografische Verarbeitungsprozeß, in dem der Formkörper
eingesetzt werden soll, entweder durch die Anwesenheit des Hilfsstoffes nicht oder
allenfalls in unwesentlicher Weise nachteilig beeinflußt wird oder aber der Hilfsstoff
selbst eine fotochemisch aktive, nützliche Komponente der Rezeptur darstellt.
[0015] Sämtliche Einsatzmaterialien des Formkörpers sind vorzugsweise wasserlöslich. Eine
erfindungsgemäß hergestellte Tablette löst sich bei Einstellung üblicher Konzentrationen
der Prozeßchemikalien in wäßriger Lösung bei den üblichen Badtemperaturen vollständig
auf, wobei der Lösungsvorgang langsam ablaufen kann, wenn eine solche Tablette bspw.
zum Regenerieren eines Prozeßbades dient. Etwaige Hilfsstoffe müssen in einem solchen
Umfang wasserlöslich sein, daß das Auflösen zur Einstellung der gewünschten Konzentration
nicht behindert wird.
[0016] Fotografisch förderliche Hilfsstoffe können bspw. Puffersubstanzen zur Einstellung
eines gewünschten pH-Werts, Wasserenthärtungsmittel (insbesondere Komplexbildner),
ggf. optische Aufheller, Konservierungsmittel, Antioxidantien, Antischleiermittel,
Lösevermittler, Emulgatoren sowie Zusatzstoffe zur Erhöhung der Beständigkeit gegenüber
Feuchtigkeit sein. Eine beispielhafte Offenbarung geeigneter Hilfsstoffe findet sich
in der DE-A-197 46 879. Verwiesen wird ferner auf die Offenbarung in Ullmanns Encyclopedia
Chemicals Industrial Chemistry, 5. Auflage, Bd. A20, Kapitel "Photography".
[0017] Als fotografische inerte Hilfsstoffe kommen bspw. Hilfsstoffe zur Tablettierung in
Frage. Es kann sich hier um Füllmittel, Bindemittel, Gleitmittel, Fließregulierungsmittel,
Schmiermittel, Formentrennmittel und dergleichen handeln. Zur Definition der Begriffe
und bezüglich einer beispielhaften Aufzählung geeigneter Hilfsstoffe wird verwiesen
auf Rudolf Voigt, Lehrbuch der pharmazeutischen Technologie, 5. Aufl., Verlag Chemie,
Weinheim 1984, Seite 178 ff.
[0018] Wenigstens 50 % des anorganischen Anteils der Einsatzmaterialien wird auf eine mittlere
Korngröße von 125 µm oder weniger zerkleinert. Das Zerkleinern kann durch sämtliche
geeigneten Verfahren geschehen, vorzugsweise wird der entsprechende Anteil der Einsatzmaterialien
vermahlen. Die mittlere Korngröße χ
m ist nach DIN 66141 (Seite 18) definiert durch:

Q3
i stellt die Massenverteilung, den Mengenanteil einer Kornklasse zur zugehörigen Kornklasse
dar.
[0019] Bevorzugt ist es erfindungsgemäß, wenn der entsprechende Anteil der Einsatzmaterialien
insgesamt auf eine Korngröße von 125 µm oder weniger zerkleinert wird, so daß kein
technisch nennenswerter Teil dieses zerkleinerten Anteils mit einer Korngröße oberhalb
von 125 µm verbleibt.
[0020] Erfindungsgemäß werden die Einsatzmaterialien durch Direktverpressen (Direkttablettieren)
zu einem Formkörper mit einer Härte von wenigstens 400 N geformt. Der Begriff Direktverpressen
oder Direkttablettieren bezeichnet das Verpressen von pulverförmigen Einsatzmaterialien
ohne eine über die erfindungsgemäße Zerkleinerung hinausgehende Vorbehandlung zu einem
Formkörper. Im Rahmen der Erfindung bedeutet "Direktverpressen", daß jedenfalls derjenige
Anteil der Einsatzmaterialien, der in Schritt a) auf die angegebene Korngröße zerkleinert
wird, keiner weiteren Vorbehandlung, insbesondere keiner Granulierung (bspw. Wirbelschichtgranulierung)
unterzogen wird. Erfindungsgemäß soll nicht ausgeschlossen sein, daß ein verbleibender
Anteil der Einsatzmateralien (bspw. mögliche organische Anteile) einer Vorbehandlung
wie Granulation unterzogen wird. Bevorzugt ist es erfindungsgemäß jedoch, wenn sämtliche
Einsatzmaterialien keiner Vorbehandlung unterzogen werden, sondern unmittelbar als
Pulver der Direkttablettierung unterzogen werden.
[0021] Der erfindungsgemäß hergestellte Formkörper weist eine Härte von wenigstens 400 N
auf.
[0022] Die Härte wird gemessen mit einem Bruchfestigkeitstester TBH30 der Fa. ERWEKA. Die
zu prüfende Tablette wird zwischen zwei ausfahrbare Backen eingespannt und mit einer
ansteigenden Kraft beaufschlagt. Die zum Zerbrechen der Tablette erforderliche Kraft
wird registriert (in N) und als Maß für die Tablettenhärte angegeben.
[0023] Die erfindungsgemäß hergestellten Formkörper weisen bevorzugt einen Abrieb von weniger
als 2 %, weiter bevorzugt von weniger als 1 % auf. Dieser Abrieb bzw. die Abriebfestigkeit
wird gemessen nach dem in Beispiel 3 der vorliegenden Anmeldung angegebenen Verfahren.
[0024] Die Erfindung hat erkannt, daß sich überraschenderweise harte und ausreichende abriebfeste
Tabletten, die sich zur Verwendung in automatischen Zufuhrmagazinen kommerzieller
Entwicklungsmaschinen eignen, durch die Direktverpressung unter Verzicht auf eine
aufwendige Vorbehandlung zumindest eines wesentlichen Anteils der Inhaltsstoffe der
Tablette herstellen lassen. Dies ist überraschend, da der Stand der Technik (Rudolf
Voigt, Lehrbuch der pharmazeutischen Technologie, Seite 154 ff.) lehrt, daß sich beim
Direktverpressen feiner Pulver Tabletten ausreichender Festigkeit nicht herstellen
lassen. Es wird dort ausdrücklich ausgeführt, daß sich zur Direkttablettierung allenfalls
grobe kristalline Substanzen eignen, Korngrößen zwischen 0,5 und 1 mm werden als optimal
bezeichnet. Die Erfindung hat demgegenüber erkannt, daß entgegen dieser Lehre des
Standes Technik harte und abriebfeste Tabletten hergestellt werden können durch Direktverpressen
entsprechend feinteiliger Pulver.
[0025] Vorzugsweise werden wenigstens 70 Gew.-%, weiter vorzugsweise wenigstens 80 Gew.-%,
weiter vorzugsweise wenigstens 90 Gew.-% des anorganischen Anteils der Einsatzmaterialien
auf die angegebenen Korngrößen zerkleinert. Erfindungsgemäß kann der gesamte anorganische
Anteil der Einsatzmaterialien entsprechend zerkleinert werden, ferner kann auch ein
etwaiger organischer Anteil ganz oder teilweise in diese Zerkleinerung einbezogen
werden.
[0026] Die Formkörper können Bindemittel enthalten, deren Anteil jedoch vorzugsweise unter
10 Gew.-%, weiter vorzugsweise unter 5, unter 2 bzw. unter 1 Gew.-% liegt. Ggf. kann
auf Bindemittel völlig verzichtet werden.
[0027] Bevorzugt sind wenigstens 50 Gew.-%, weiter vorzugsweise wenigstens 80 Gew.-%, weiter
vorzugsweise wenigstens 90 bzw. 95 Gew.-% der Einsatzmaterialien anorganische Stoffe.
Bevorzugt ist es, wenn die eigentliche fotografische Wirkchemikalie ein anorganischer
Stoff ist. Es kann sich bspw. um Ammonium und oder Natriumthiosulfat handeln. Die
erfindungsgemäß,hergestellten Tabletten mit diesen Salzen als Hauptbestandteil können
bspw. zum Einsatz in einem Fixier- oder Bleichfixierbad vorgesehen sein.
[0028] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend erläutert.
I. Herstellung von Tabletten zum Fixieren von Schwarzweißund Colormaterialien
Beispiel 1
[0029] Entsprechend der in Tabelle 1 wiedergegebenen Rezeptur wurden 386,5 g Natriumsulfit,
38,7 g Na
2EDTA, 61,8 g Natriumcarbonat, 19,3 g Mercaptotriazol und 38,7 g Maltodextrin als Binder
in einen Mischbehälter gegeben. Diese Mischung wurde dreimal hergestellt.
[0030] Etwa 15 kg Ammoniumthiosulfat 90/10, das handelsüblich zu 90% aus Ammoniumthiosulfat
und zu 10 % aus Natriumthiosulfat besteht, wurden in einer BAUERMEISTER Pulvermühle
mit Turbo-Einsatz auf eine Partikelgröße von weniger als 125 µm vermahlen.
[0031] Die in der Rezeptur Tabelle 1 aufgeführten 4445,3 g Ammoniumthiosulfat 90/10 wurden
im
Vergleichsbeispiel 1 (nicht erfindungsgemäß)
[0032] zu 44,4% pulverisiert (= 1973,7 g) und zu 55,6 % als unpulverisierter Rohstoff (=
2471,6 g) zu einer der drei oben erwähnten Mischungen zugesetzt. Der Pulverisierungsgrad
der Hauptkomponente Ammoniumthiosulfat 90/10 betrug somit 44,4%.
Beispiel 1a
[0033] Der Pulverisierungsgrad betrug 90%.
Beispiel 1b
[0034] Der Pulverisierungsgrad betrug 100%, d.h. die anorganische Hauptkomponente wurde
vollständig pulverisiert eingesetzt.

[0035] Abschließend wurden den drei Mischungen jeweils 9,7 g Natrium-N-Lauroyl-sarkosinat,
das als Gleit- und Schmiermittel zum Tablettieren dient, zugesetzt und 10 min lang
bis zum Erhalt einer homogenen Mischung vermischt.
[0036] Die so erhaltenen "final blends" wurden mit einer hydraulischen Laborpresse vom Typ
ENERPAC zu Tabletten mit einem Durchmesser von 30 mm und einem Gewicht von 10,4 g
verpreßt. Die Bruchfestigkeiten (Härten) der Tabletten können der Tabelle 2 entnommen
werden, sie wurden wie folgt bestimmt:
[0037] Tablettenbruchfestigkeit: Jeweils 6 Tabletten wurden mit einem Tablettenbruchfestigkeitstester TBH 30 der Fa.
ERWEKA auf Bruchfestigkeit geprüft und der Mittelwert gebildet. Eine Härte von > 400
N ist erforderlich, um Beschädigungen beim Transport zu vermeiden.
Vergleichsbeispiel 2 (nicht erfindungsgemäß)
[0038] In einen handelsüblichen GLATT Wirbelschichtgranulator GCPG800 werden entsprechend
der Rezeptur in Tabelle 1 93,6 kg Natriumsulfit, 9,4 kg Na
2EDTA, 15,0 kg Natriumcarbonat, 4,7 kg Mercaptotriazol und 468,0 kg pulverisiertes
Ammoniumthiosulfat 90/10 (vermahlen in einer BAUERMEISTER-Pulvermühle mit Turbo-Einsatz
auf eine Korngröße < 125 µm) gefüllt. Durch Aufsprühen einer Lösung von 9,4 kg Maltodextrin
in 56,2 Liter Wasser mit einer Zweistoffdüse wird die Pulvermischung in der Wirbelschicht
granuliert, anschließend bei einer Lufttemperatur von 60 °C 8 min getrocknet und zuletzt
bei einer Lufttemperatur von 0 °C innerhalb von 7 min auf 35 °C abgekühlt. Der gesamte
Wirbelschichtgranulationsprozeß war nach 1 h 25 min beendet.
[0039] Das erhaltene Granulat wurde in einen Mischer gegeben und mit folgenden Rohstoffen
versetzt: 608,4 kg Ammoniumthiosulfat 90/10 (der Rohstoff wurde nicht pulverisiert
oder vorbehandelt) und 2,3 kg Natrium-N-Lauroyl-sarkosinat. Es wurde 10 min gemischt
und der erhaltene final blend wurde auf einer Rundläufertablettenpresse vom Typ FETTE
2090 zu Tabletten mit einem Durchmesser von 30 mm und einem Gewicht von 10,4 g verpreßt.
Die Härte der Tabletten wurde wie bei den Beispielen 1a - 1c ermittelt, sie ist ebenfalls
in Tabelle 2 angegeben.
Tabelle 2
| |
Pulverisierungsgrad Ammoniumthiosulfat 90/10 |
Tablettenhärte |
| Vergleichsbeispiel 1 |
44,4% |
229 N |
| Beispiel 1a |
90,0% |
408 N |
| Beispiel 1b |
100 % |
657 N |
| Vergleichsbeispiel 2 |
|
420 N |
[0040] Aus Tabelle 2 ist ersichtlich, daß mit wachsendem Grad der Pulverisierung (der Hauptkomponente
Ammoniumthiosulfat 90/10) die Härte der Tablette ansteigt und insbesondere bei weitgehender
oder vollständiger Pulverisierung Tabletten erhalten werden, deren Härte ausreicht,
um Beschädigungen beim Transport zu vermeiden.
Beispiel 2
[0041] Wie in Beispiel 1 werden Pulvermischungen hergestellt, die sich im Pulverisierungsgrad
des Ammoniumthiosulfats 90/10 unterscheiden (44,4 %, 90 % und 100%). Außerdem wurde
der Binder Maltodextrin durch eine gleiche Gewichtsmenge der folgenden wasserlöslichen
und fotografisch inerten Binder ersetzt:
Sokalan CP45 ( mit Maleinsäure modifizierte Polyacrylsäure)
Luvitec VPI 55 K18P (Copolymer aus Vinylpyrrolidon und N-Vinylimidazol)
Luviskol K90 ( Polyvinylpyrrolidon)
D-Sorbit
D-Mannit
Sorbit/Xylit (cogesprühte Mischung)
[0042] Wie in Beispiel 1 wurden die einzelnen Pulvermischungen zu Tabletten verpreßt. Die
Tabletten wiesen die in Tabelle 3 angegebenen Bruchfestigkeiten auf:
Tabelle 3
| |
Pulverisierungsgrad Ammoniumthiosulfat 90/10 |
| |
44,4% (nicht erfindungsgemäß) |
90% |
100% |
| |
Tablettenhärte [N] |
Tablettenhärte [N] |
Tablettenhärte [N] |
| Maltodextrin |
229 |
408 |
657 |
| Sokalan CP45 |
305 |
474 |
856 |
| Luvitec VPI 55 K18P |
368 |
607 |
828 |
| Luviskol K90 |
346 |
545 |
754 |
| D-Sorbit |
352 |
541 |
806 |
| D-Mannit |
305 |
415 |
759 |
| Sorbit / Xylit |
351 |
517 |
751 |
[0043] Wie aus Tabelle 3 zu sehen ist, beeinflußt die Wahl des Bindemittels die Bruchfestigkeit
der Tabletten. Bei einer Direktverpressung mit weitgehend oder vollständig vermahlenem
Ammoniumthiosulfat 90/10 kann eine beträchtliche Bruchfestigkeit erzielt werden.
Beispiel 3
[0044] Entsprechend der in Tabelle 1 aufgeführten Rezeptur wurden 50 kg final blend hergestellt,
als Bindemittel wurde Maltodextrin gewählt. Die gesamte Menge Ammoniumthiosulfat war
zuvor mit einer BAUERMEISTER-Pulvermühle mit Turbo-Einsatz auf eine Korngröße <125
µm vermahlen worden. Der erhaltene final blend wurde mit einer Rundläufertablettenpresse
vom Typ FETTE 2090 zu Tabletten (Durchmesser 30 mm, Tablettendicke 9,50 mm und Gewicht
10,45 g) verpreßt. Härte, Abrieb und Lagerungsstabilität der Tabletten wurden bestimmt:
[0045] Lagerungsstabilität: Für einen beschleunigten Lagerungstest werden jeweils 6 Tabletten in einen Beutel
aus Aluminiumverbundfolie verschweißt und im Wärmeschrank bei 50 °C aufbewahrt. Nach
einer bestimmten Anzahl von Tagen wird jeweils ein Beutel entnommen und nach Abkühlen
die Mittelwerte der Tablettenhärte und der Tablettendicke bestimmt.
[0046] Tablettenabrieb: Fünf Tabletten werden gewogen und in die Plexiglas-Trommel eines Tabletten-Abrieb-
und Friabilitätstester vom Typ ERWEKA TA-10 eingelegt. Nach einer Rotationszeit von
5 Minuten werden die Tabletten von anhaftendem Staub befreit und erneut gewogen. Der
prozentuale Abrieb errechnet sich aus dem Gewichtsverlust im Verhältnis zum Anfangsgewicht.
[0047] Bei den in Vergleichsbeispiel 2 hergestellten Tabletten aus Wirbelschichtgranulat,
die ebenfalls auf einer Rundläufertablettenpresse (Typ FETTE 2090) verpreßt wurden,
wurde zu Vergleichszwecken ebenfalls die Härte und die Lagerungsstabilität überprüft.
[0048] In Tabelle 4 sind die ermittelten Werte angegeben:
Tabelle 4
| |
|
Beispiel 3 Mittelwert aus 6 Tabletten |
Vergleichsbeispiel 2 Mittelwert aus 6 Tabletten |
| Nach 0 Tagen |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,50 |
9,46 |
| |
Tablettenhärte [N] |
509 |
459 |
| |
Tablettenabrieb [%] |
0,50 |
0,20 |
| Nach 14 Tagen bei 50 °C |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,63 |
9,57 |
| |
Tablettenhärte [N] |
639 |
672 |
| Nach 28 Tagen bei 50 °C |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,57 |
9,80 |
| |
Tablettenhärte [N] |
661 |
408 |
[0049] Wie in Tabelle 4 zu sehen ist, werden bei einer Direkttablettierung mit vollständig
pulverisiertem Ammoniumthiosulfat Tabletten von ausreichender Härte erzielt, die im
Hinblick auf die Lagerungsstabilität den Tabletten aus Wirbelschichtgranulat überlegen
sind (Vergleichsbeispiel 2, Tablettenhärte nach 28 Tagen bei 50 °C). Die Dicke der
Tabletten bei der Direkttablettierung ist geringfügig höher als bei den Tabletten
aus Wirbelschichtgranulat, erhöht sich allerdings bei längerer Lagerung auch weniger.
Lediglich für den Tablettenabrieb werden ungünstigere Werte gefunden, jedoch ist ein
Abrieb < 2% für den Transport von Tabletten akzeptabel.
II. Herstellung von Tabletten zum Bleichfixieren von Colormaterialien
Beispiel 4
[0050] In einen handelsüblichen LÖDIGE Pflugscharmischer vom Typ FM130 mit Doppelmantel
wurden entsprechend Tabelle 5 die Rohstoffe NaH-Fe-DTPA (58,43 kg) und Polyethylenglykol
4000 (6,57 kg) gegeben. Die Temperatur des Wassers im Doppelmantel wurde auf 75 °C
eingestellt. Bei eingeschaltetem Mischer und Messerkopf wurde schmelzgranuliert, bis
beim Erreichen einer Produkttemperatur von 59 °C aus der Pulvermischung ein staubfreies
Granulat entstanden war. Das erhaltene Schmelzgranulat wurde aus dem Mischer entleert
und an der Luft abkühlen gelassen.
[0051] Das erkaltete Schmelzgranulat wurde mit 67,35 kg Ammoniumthiosulfat 90/10, das zuvor
in einer BAUERMEISTER Pulvermühle mit Turbo-Einsatz auf eine Partikelgröße von < 125
µm vermahlen worden war, mit 5,03 kg Natriumdisulfit, 9,25 kg Natriumsulfit, 410 g
Maltodextrin und 1,46 kg Natrium-N-Lauroyl-sarkosinat in einem Mischer 10 min lang
zu einer homogenen Masse vermischt. Der erhaltene final blend wurde auf einer Rundläufertablettenpresse
vom Typ FETTE 2090 zu Tabletten mit einem Durchmesser von 30 mm und einem Gewicht
von 10,73 g verpreßt.
Tabelle 5
| |
[kg] |
| NaH-Fe-DTPA* |
58,43 |
| Polyethylenglykol 4000 |
6,57 |
| |
65,00 |
| |
| Ammoniumthiosulfat |
67,35 |
| 90/10 |
|
| Natriumdisulfit |
5,03 |
| Natriumsulfit |
9,25 |
| Maltodextrin |
0,41 |
| Natrium-N-Lauroyl- |
1,46 |
| sarkosinat |
|
| |
148,50 |
| * NaH-Fe-DTPA = Natriumhydrogen-Eisen(III)-diethyltriaminopentaacetat |
Vergleichsbeispiel 3 (nicht erfindungsgemäß)
[0052] In einen handelsüblichen GLATT Wirbelschichtgranulator GCPG800 wurden entsprechend
der Rezeptur in Tabelle 5 549,62 kg NaH-Fe-DTPA gefüllt. Durch Aufsprühen einer Lösung
von 50,38 kg Polyethylenglykol 4000 in 74,8 Liter Wasser mit einer Zweistoffdüse wird
die Pulvermischung in der Wirbelschicht granuliert, anschließend bei einer Lufttemperatur
von 66°C 5 min getrocknet und zuletzt bei einer Lufttemperatur von 0 °C innerhalb
von 3 min auf 35°C abgekühlt. Der gesamte Wirbelschichtgranulationsprozeß war nach
2 Stunden beendet. Das erhaltene Wirbelschichtgranulat wird als
Granulat A bezeichnet.
[0053] Nach Reinigung wurden anschließend in den Wirbelschichtgranulator 485,38 kg Ammoniumthiosulfat,
das zuvor mit einer BAUERMEISTER- Pulvermühle mit Turbo-Einsatz auf eine Korngröße
< 125 µm vermahlen worden war, 36,26 kg Natriumdisulfit und 66,67 kg Natriumsulfit
gefüllt. Durch Aufsprühen einer Lösung von 2,92 kg Maltodextrin und 8,77 kg Polyethylenglykol
4000 in 46,8 Liter Wasser mit einer Zweistoffdüse wird die Pulvermischung in der Wirbelschicht
granuliert, anschließend bei einer Lufttemperatur von 60°C 11 min getrocknet und zuletzt
bei einer Lufttemperatur von 0 °C innerhalb von 4 min auf 35°C abgekühlt. Der gesamte
Wirbelschichtgranulationsprozeß war nach 1 h 15 min beendet. Das erhaltene Wirbelschichtgranulat
wird als
Granulat B bezeichnet.
[0054] Von den erhaltenen Granulaten A und B werden 300,7 kg bzw. 392,5 kg zusammen mit
6,9 kg Natrium-N-Lauroyl-sarkosinat in einen Mischer gegeben und zu einer homogenen
Masse innerhalb von 10 min vermischt. Der erhaltene final blend wurde auf einer Rundläufertablettenpresse
vom Typ FETTE 2090 zu Tabletten mit einem Durchmesser von 30 mm und einem Gewicht
von 10,73 g verpreßt.
[0055] Bei den hinsichtlich der Inhaltsstoffe identischen Tabletten von Beispiel 4 und Vergleichsbeispiel
3 wurden die Tablettenhärte, der Tablettenabrieb und die Lagerungsstabilität untersucht
(Tabelle 6).
Tabelle 6
| |
|
Beispiel 4 Mittelwert aus 6 Tabletten |
Vergleichsbeispiel 3 Mittelwert aus 6 Tabletten |
| Nach 0 Tagen |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,58 |
10,08 |
| |
Tablettenhärte [N] |
489 |
828 |
| |
Tablettenabrieb [%] |
0,45 |
0,37 |
| Nach 7 Tagen bei 50 °C |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,68 |
10,10 |
| |
Tablettenhärte [N] |
728 |
868 |
| Nach 14 Tagen bei 50 °C |
|
|
|
| |
Tablettendicke [mm] |
9,70 |
10,11 |
| |
Tablettenhärte [N] |
740 |
818 |
[0056] Wie aus Tabelle 6 zu sehen ist, weisen die aus den zwei Wirbelschichtgranulaten (Granulat
A und Granulat B) hergestellten Bleichfixiertabletten von Vergleichsbeispiel 3 eine
hohe Anfangs-Tablettenhärte auf, die im Verlaufe der Lagerung fast konstant bleibt.
Wird dagegen wie in Beispiel 4 nur die organische Hauptkomponente NaH-Fe-DTPA (schmelz)granuliert
und die anorganische Hauptkomponente Ammoniumthiosulfat zu einer Partikelgröße <125
µm pulverisiert und mit den übrigen Komponenten dem final blend zugesetzt, so ist
die Anfangs-Tablettenhärte kleiner, steigt jedoch bei längerer Lagerung merklich an.
Beim Tablettenabrieb und der Dickenzunahme bei der Lagerung zeigt die Doppel-Wirbelschichttablette
geringfügig bessere Werte, die bei Beispiel 4 jedoch ebenfalls akzeptiert werden können.
1. Verfahren zur Herstellung von als Formkörper formulierten fotografischen Prozeßchemikalien,
mit den Schritten:
a) Zerkleinern von wenigstens 50 Gew.-% des anorganischen Anteils der Einsatzmaterialien
auf eine mittlere Korngröße von 125µm oder weniger,
b) Direktverpressen der Einsatzmaterialien zu einem Formkörper mit einer Härte von
wenigstens 400 N.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens 70 Gew.-%, vorzugsweise wenigstens 80 Gew.-% des anorganischen Anteils
der Einsatzmaterialien auf eine mittlere Korngröße von 125µm oder weniger zerkleinert
werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Einsatzmaterialien wasserlösliche, fotografisch inerte und/oder fotografisch
förderliche Hilfsstoffe enthalten.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Einsatzmaterialien Bindemittel enthalten.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Bindemittelanteil unter 10 Gew.-%, vorzugsweise unter 5 Gew.-%, weiter vorzugsweise
unter 2 Gew.-%, weiter vorzugsweise unter 1 Gew.-% liegt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens 50 Gew.-%, vorzugsweise wenigstens 80 Gew.-%, weiter vorzugsweise wenigstens
90 Gew.-%, weiter vorzugsweise wenigstens 95 Gew.-% der Einsatzmaterialien anorganische
Stoffe sind.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6 zur Herstellung eines Formkörpers zum Einsatz
in einem Fixier- oder Bleichfixierbad.
1. Procédé de fabrication de produits chimiques de processus photographiques formulés
en tant que corps moulé, comportant les étapes suivantes :
a) Broyage d'au moins 50 % en poids de la fraction inorganique des matériaux mis en
oeuvre à une granulométrie de 125 µm ou inférieure,
b) Compression directe des matériaux mis en oeuvre en un corps moulé d'une dureté
minimale de 400 N.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'au moins 70 % en poids, de préférence au moins 80 % en poids de la fraction inorganique
des matériaux mis en oeuvre sont broyés à une granulométrie moyenne de 125 µm ou inférieure.
3. Procédé selon revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que les matériaux mis en oeuvre contiennent des excipients solubles dans l'eau, photographiquement
inertes et/ou photographiquement utiles.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que les matériaux mis en oeuvre contiennent des liants.
5. Procédé selon la revendication 4, caractérisé en ce que la fraction de liant est inférieure à 10 % en poids, de préférence inférieure à 5
% en poids, plus préférablement inférieure à 2 % en poids, encore plus préférablement
à 1 % en poids.
6. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, caractérisé en ce qu'au moins 50 % en poids, de préférence au moins 80 % en poids, plus préférablement
au moins 90 % en poids, encore plus préférablement au moins 95 % en poids des matériaux
mis en oeuvre sont des substances inorganiques.
7. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 6 pour la fabrication d'un corps
moulé à utiliser dans un bain de fixage ou un bain de fixage et de blanchiment.