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(11) |
EP 1 003 661 B2 |
| (12) |
NEUE EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
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Nach dem Einspruchsverfahren |
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Veröffentlichungstag und Bekanntmachung des Hinweises auf die Entscheidung über den
Einspruch: |
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16.09.2009 Patentblatt 2009/38 |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
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05.01.2005 Patentblatt 2005/01 |
| (22) |
Anmeldetag: 19.05.1999 |
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| (51) |
Internationale Patentklassifikation (IPC):
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| (86) |
Internationale Anmeldenummer: |
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PCT/EP1999/003430 |
| (87) |
Internationale Veröffentlichungsnummer: |
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WO 1999/065751 (23.12.1999 Gazette 1999/51) |
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| (54) |
VERFAHREN ZUR KURVENERKENNUNG UND ACHSAUSRICHTUNG BEI SCHIENENFAHRZEUGEN
METHOD FOR CURVE RECOGNITION AND AXLE ALIGNMENT IN RAIL VEHICLES
PROCEDE DE RECONNAISSANCE DE COURBES ET D'ALIGNEMENT D'ESSIEUX POUR VEHICULES SUR
RAILS
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| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
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BE DE DK ES FR GB IT PT SE |
| (30) |
Priorität: |
13.06.1998 DE 19826451
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| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
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31.05.2000 Patentblatt 2000/22 |
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Patentinhaber: Bombardier Transportation GmbH |
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10785 Berlin (DE) |
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Erfinder: |
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- KOCH, Markus
D-13349 Berlin (DE)
- HENTSCHEL, Frank
D-12161 Berlin (DE)
- HIMMELSTEIN, Günther
D-61440 Oberursel (DE)
- KROUZILEK, Rolf
D-14197 Berlin (DE)
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| (74) |
Vertreter: Cohausz & Florack |
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Patent- und Rechtsanwälte
Bleichstraße 14 40211 Düsseldorf 40211 Düsseldorf (DE) |
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Entgegenhaltungen: :
EP-A- 0 271 592 DE-C1- 19 612 695 US-A- 4 103 547
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DE-A- 19 617 003 DE-C2- 3 532 247
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- PROF.DR.-ING. FRITZ FREDERICH: 'Spurführung in engen Gleisbögen' DER NAHVERKEHR Bd.
2/85, AACHEN, Seiten 52 - 61
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[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur lenkenden Ausrichtung einer drehbar an einem
Fahrwerkrahmen befestigten Achse eines Schienenfahrwerkes nach der Gleiskrümmung.
[0002] Insbesondere im Nahverkehr kommen überwiegend Schienenfahrzeuge mit zweiachsigen
Fahrwerken zum Einsatz. Dabei führen enge Kurven, die oftmals durch den Straßenverlauf
vorgegeben sind, zu einer schlechten Kurvengängigkeit von mehrachsigen Fahrwerken.
Dies ist vornehmlich bei Schienenfahrzeugen zu beobachten, deren Räder hinsichtlich
ihrer Gierbewegung starr mit dem Fahrwerksrahmen verbunden sind.
[0003] Eine Lösung dieses Problems wird dadurch erzielt, daß die Achse bzw. die Räder lenkbar
im Fahrwerksrahmen gelagert sind. Durch eine Vorrichtung zum Ausrichten der Achse
bzw. der Räder kann eine Lenkbewegung entsprechend der Gleiskrümmung erfolgen.
[0004] Aus der
DE 195 38 379 C1 ist ein zweirädriges Fahrwerk mit Einzelradantrieb für spurgeführte Fahrzeuge mit
gesteuerter Lenkung bekannt, bei dem das Fahrwerk pro Radträger zwei jeweils außerhalb
der Radaufstandspunkte befindliche vertikale Schwenkachsen aufweist, wobei abwechselnd
- unter Arretierung der Position der aktuell bogenäußeren Schwenkachse - der Radträger
um genau diese arretierte Achse geschwenkt wird.
[0005] Aus der
DE 92 19 042 U1 ist ein Verfahren zur Kurvenerkennung bekannt, das die Gleiskrümmung durch Indukivtaster
bestimmt.
[0006] Weiterhin sind Verfahren bekannt, bei denen die Lenkung der Räder bzw. Achsen passiv
erfolgt. Dies kann entweder durch die Spurführungskräfte oder durch eine mechanische
Kopplung der Achsstellung mit dem Verdrehwinkel zwischen den Wagenkästen erfolgen.
Diese mechanischen Lösungen haben jedoch den Nachteil, daß sie nur eine sehr ungenaue
Lenkung ermöglichen.
[0007] Eine genaue Ausrichtung ist hingegen nur möglich, wenn die Achse aktiv, z.B. mit
einem Servoantrieb, eingestellt wird. Die Regelung des Lenkwinkels, der dem Relativwinkel
zwischen Rad bzw. Achse und Fahrwerkrahmen entspricht, erfordert die Vorgabe eines
Lenkwinkelsollwertes. Zur Bestimmung des Lenkwinkelsollwertes bedarf es wiederum der
Kenntnis der Gleiskrümmung.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein Verfahren zur Messung der Gleiskrümmung
für Schienenfahrzeuge zu schaffen, um mit Hilfe dieses Wertes den Sollwert für die
Lenkwinkelregelung zu berechnen.
[0009] Gelöst wird die Aufgabe durch die Merkmale des Anspruchs 1, u.a. dadurch, daß die
Gleiskrümmung aus der Division einer Giergeschwindigkeit durch eine Translationsgeschwindigkeit
berechnet wird und die Räder nach einem Soll-Lenkwinkel ausgerichtet werden, der durch
Multiplikation der so berechneten Gleiskrümmung mit dem halben Abstand zwischen den
beiden Achsen des Fahrwerks berechnet wird.
[0010] Weitere vorteilhafte Maßnahmen sind in den Unteransprüchen beschrieben. Die Erfindung
ist in der beiliegenden Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend näher beschreiben;
es zeigt:
- Fig. 1
- das Verhältnis der Translations- und der Giergeschwindigkeit in Abhängigkeit von der
Krümmung der Schiene;
- Fig. 2
- die Abhängigkeit der idealen Winkelstellung der Achse von der Kurvenkrümmung;
- Fig. 3
- den Krümmungsverlauf an der Hinterachse im Vergleich zu der Näherung durch das Meßverfahren
beim Durchfahren einer Gleiskrümmung;
- Fig. 4
- den idealen Lenkwinkelverlauf (γ ideal) im Vergleich mit dem berechneten Soll-Lenkwinkel (γ soll);
- Fig. 5
- den idealen Lenkwinkelverlauf (γ ideal) im Vergleich mit dem berechneten Soll-Lenkwinkel (γ soll) nach der Filterung der Giergeschwindigkeit (Ω);
[0011] Die Figuren 1 und 2 zeigen ein Fahrwerk 10 für ein nicht näher dargestellten Schienenfahrzeug,
mit Achsen 12 und 13, an denen Räder 16 befestigt sind. Die Achse 12 und 13 sind in
dem Fahrwerk 10 befestigt. Das Fahrwerk 10 bzw. die Achsen 12 und 13 sind durch ein
zentrisch angeordnetes Gelenk 15 drehbar gelagert.
[0012] Das Fahrwerk 10 ist dargestellt, während es mit einer Translationsgeschwindigkeit
v einen Gleisbogen 11 durchfährt, der einen Radius R aufweist. Mit Hilfe von Mitteln,
die die Giergeschwindigkeit Ω bestimmen, kann der Radius R bzw. die Gleiskrümmung
χ berechnet werden. Die Gleiskrümmung χ entspricht hierbei dem Kehrwert des Radius
R. Die Division der Giergeschwindigkeit Ω durch die Translationsgeschwindigkeit v
ergibt die Gleiskrümmung χ, entsprechend der in Figur 1 dargestellten Gleichung. Der
hieraus gewonnene Wert der Gleiskrümmung χ wird zur Lenkung der Achsen 12 bzw. 13
genutzt. Das Verhältnis zwischen der realen und berechneten Gleiskrümmung χ kann der
Figur 3 entnommen werden.
[0013] Die Giergeschwindigkeit Ω wird vorzugsweise durch einen nicht näher dargestellten
Drehraten- oder Kreiselsensor bestimmt, wie er beispielsweise aus der Navigationstechnik
bekannt ist.
[0014] Da der Abstand zwischen den Spurkränzen der Räder 16 einer Achse 12 bzw. 13 etwas
kleiner ist als der Abstand zwischen den Schienen 17, kann sich die Lage der Achse
im Spurkanal lateral um einige Millimeter verschieben. Somit können Kraftstöße, die
wegen der oft nicht exakten Gleisführung auf das Fahrwerk 10 wirken, zur Gierbewegung
führen. Diese pendelnden Bewegungen haben jedoch auf die Meßwerte des Kreiselsensors
einen nicht unwesentlichen Einfluß. Zur Eliminierung der Wirkung der pendelnden Gierbewegung
des Fahrwerks im Gleis wird der Meßwert der Giergeschwindigkeit Ω mittels eines -
nicht dargestellten - Tiefpaßfilters geglättet. Die Wirkung des Tiefpaßfilters beim
Durchfahren eines Gleisbogens ist Figur 5 zu entnehmen.
[0015] Mit Hilfe der so berechneten Gleiskrümmung χ erfolgt die Ausrichtung der Achsen 12
und 13. Dabei dient die Gleiskrümmung χ zur Ermittlung des Soll-Lenkwinkels γ
soll nach dem die Achsen 12 und 13 ausgeregelt werden. Die Einstellung der Achsen 12 und
13 kann z.B. durch einen Servomotor erfolgen.
[0016] Der Sinus des Soll-Lenkwinkels γ
soll des - nicht dargestellten - Reglersystems berechnet sich durch Multiplikation der
Gleiskrümmung χ mit dem halben Abstand b zwischen den Achsen 12 und 13, entsprechend
der Gleichung in Figur 2.
[0017] So ergeben sich während des Kurveneinlaufs zwei Näherungen. Die erste Näherung besagt,
daß für eine exakte Sollwertberechnung beim Kurveneinlauf sowohl der Krümmungsverlauf
an der Vorderachse 12 als auch an der Hinterachse 13 bekannt sein müßte, jedoch wird
aufgrund der Fahrwerksdrehung nur ein Wert dazwischen gemessen, wie Figur 3 zeigt.
Außerdem erfolgt eine Näherung bei der Lenkwinkelberechnung während des Kurveneinlaufs,
da die geometrische Beziehung nach Figur 2 nur exakt richtig ist, wenn sich beide
Achsen 12 und 13 in der Kurve befinden, Die beiden Näherungen heben sich im wesentlichen
auf, so daß der berechnete Soll-Wert γ
soll, wie Figur 4 zeigt, sehr gut mit dem idealen Lenkwinkel γ
ideal übereinstimmt.
[0018] Weist ein Schienenfahrzeug mehrere Fahrwerke 10 auf, so muß nur der Soll-Lenkwinkel
γ
soll 1 für das in Fahrtrichtung vorderste Fahrwerk ermittelt werden. Die weiteren Fahrwerke
können diesen Soll-Lenkwinkel zeitlich versetzt übernehmen. Die Soll-Lenkwinkel γ
soll 1 + i für die in Fahrtrichtung nachfolgenden Fahrwerke werden durch zeitliche Verzögerungen
Δt aus dem ersten Soll-Lenkwinkel γ
soll 1 berechnet. Die Verzögerung Δt ergibt sich aus der Division des Abstandes a
i des nachlaufenden Fahrwerkes i zum ersten Fahrwerk durch die Translationsgeschwindigkeit
v.
Bezugszeichen
[0019]
- 10
- Schienenfahrzeug-Fahrwerk
- 11
- Gleiskrümmung
- 12
- Achse, vorne
- 13
- Achse, hinten
- 15
- Gelenk
- 16
- Rad
- 17
- Schiene
- χ
- Gleiskrümmung
- Ω
- Giergeschwindigkeit
- v
- Translationsgeschwindigkeit
- R
- Krümmungsradius
- γ soll
- Soll-Lenkwinkel
- γ ideal
- Ideal-Lenkwinkel
- b
- Abstand zwischen den Achsen
- Δt
- zeitliche Verzögerung
- ai
- Abstand zwischen dem 1. und dem i-ten Fahrwerk
1. Verfahren zur lenkenden Ausrichtung von drehbar auf einem Fahrwerk befestigten Rädern
eines Schienenfahrzeuges in einer Gleiskrümmung, dadurch gekennzeichnet, daß die Räder nach einem Soll-Lenkwinkel (γsoll) ausgerichtet werden, der durch Multiplikation der Gleiskrümmung (χ) mit dem halben
Abstand (b) zwischen beiden Achsen des Fahrwerks berechnet wird, wobei die Gleiskrümmung
(χ) aus der Division der Giergeschwindigkeit (Ω) des Fahrwerks durch die Translationsgeschwindigkeit
(v) berechnet wird, wobei zur Eliminierung des Einflusses der pendelnden Gierbewegung
des Fahrwerks im Spurkanal der Meßwert der Giergeschwindigkeit (Ω) mittels eines Tiefpaßfilters
geglättet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Giergeschwindigkeit (Ω) durch einen Drehraten- bzw. Kreiselsensor bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß zur Lenkung mehrerer Fahrwerke eines Schienenfahrzeugs nur die Gleiskrümmung (χ)
und der Soll-Lenkwinkel (γsoll 1) für das ersten Fahrwerk bestimmt wird, während die Soll-Lenkwinkel (γsoll 1 + i) für die in Fahrtrichtung nachfolgenden Fahrwerke durch zeitliche Verzögerung (Δt)
aus dem ersten Soll-Lenkwinkel (γsoll 1) berechnet werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Verzögerung aus Δt = ai /v ergibt, wobei ai der Abstand des nachlaufenden Fahrwerks i zum ersten Fahrwerk und v die Translationsgeschwindigkeit
ist.
1. A method for steered orientation of wheels attached rotatably to an undercarriage
structure of a rail vehicle in a curved track, characterised in that the wheels are steered according to a target steering angle (γsoll) that is calculated by multiplying the rail curvature (χ) by half the distance (b)
between the two axles of the undercarriage structure, the rail curvature (χ) being
determined by dividing the yaw rate (Ω) of the undercarriage structure by the translatory
rate (v), wherein the measured value of yaw rate (Ω) is smoothed using a low pass
filter to eliminate the effect of the alternating yaw movement of the undercarriage
structure in the track channel.
2. The method according to claim 1, characterised in that the yaw rate (Ω) is determined by an angular rate sensor or gyroscopic sensor.
3. The method according to claim 1 or 2, characterised in that, in order to steer a plurality of undercarriage structures, only the rail curvature
(χ) and the target steering angle (γsoll 1) are determined for the leading undercarriage structure, whereas the target steering
angles (γsoll 1 + i) for the undercarriage structures following in the direction of travel are calculated
from the first target steering angle (γsoll 1) by temporal delaying (Δt).
4. The method according to claim 3, characterised in that the delay is yielded by Δt = ai /v, where ai is the distance between the following undercarriage structure and the first undercarriage
structure, and v is the translatory rate.
1. Procédé d'orientation dirigée de roues montées en rotation sur un train de roulement
d'un véhicule ferroviaire dans une courbure de voie ferrée, caractérisé en ce que les roues sont orientées suivant un angle de direction de consigne (γsoll) calculé en multipliant la courbure de voie ferrée (χ) avec la moitié de la distance
(b) entre les deux essieux du train de roulement, la courbure de voie ferrée (χ) étant
déterminée en divisant la vitesse de lacet (Ω) du train de roulement par la vitesse
de translation (v), la valeur mesurée de la vitesse de lacet (Ω) étant lissée au moyen
d'un filtre passe-bas pour éliminer l'influence du mouvement pendulaire en lacet du
train de roulement dans le canal de voie.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que la vitesse de lacet (Ω) est définie par un détecteur de vitesse de rotation ou à
gyroscope.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que, pour diriger plusieurs trains de roulement d'un véhicule ferroviaire, on ne définit
que la courbure de voie ferrée (χ) et l'angle de direction de consigne (γsoll 1) pour le premier train de roulement, tandis que les angles de direction de consigne
(γsoll 1 + i) pour les trains de roulement suivants dans le sens de marche sont calculés par retardement
(Δt) à partir du premier angle de direction de consigne (γsoll 1).
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que le retardement résulte de Δt = ai /v, ai étant la distance entre le train de roulement suivant i et le premier train de roulement
et v étant la vitesse de translation.


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