[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf Aufzugs-Kabinenböden in Verbundstrukturbauweise,
auch Sandwich-Bauweise genannt, die in Kabinen von Personen- oder Lastenaufzügen zur
Anwendung kommen. Solche Kabinen sind üblicherweise in sogenannten Kabinenrahmen eingebaut,
die ihrerseits an in Liftschächten befestigten Schienen geführt und von Antriebsmaschinen
über Drahtseile auf- und ab bewegt werden.
[0002] Ein Aufzugs-Kabinenboden hat normalerweise die Funktion, das Gewicht des Kabinenoberbaus
mit Wänden, Kabinendach, Kabinentüren und diversen Einbauten sowie auch die gesamte
maximale Nutzlast aufzunehmen und, meistens über geeignete Schwingungsisolationselemente,
in den Kabinenrahmen einzuleiten. Dabei ist wichtig, dass der gesamte Boden sich auch
unter exzentrischer Last nicht über gewisse Grenzen deformiert, das heisst sich durchbiegt
oder verdreht. Ebenso wichtig ist, dass er nicht durch Störschwingungen, wie sie hauptsächlich
vom Antrieb über die Tragseile auf die Kabine übertragen werden, zu unzulässig starken
Eigen-Biegeschwingungen angeregt werden kann. Dies wird am sichersten durch hohe Biege-Steifigkeit
des Bodens in allen Richtungen mit daraus resultierend höchstmöglicher Biege-Eigenfrequenz
erreicht. Eine weitere Anforderung an einen solchen Kabinenboden ist, dass seine Oberfläche,
die meist durch ein Stahlblech gebildet wird, unter hohen, auf kleine Flächen konzentrierte
Lasten (z.B. durch Transporteinrichtungen mit relativ kleinen Rädern) nicht bleibende
Verformungen erleidet. Ausserdem soll ein solcher Kabinenboden eine möglichst geringe
Masse sowie eine minimale Bauhöhe aufweisen. Vorschriften gewisser europäischer Länder
schreiben zudem vor, dass Aufzugskabinen nur minimalste Mengen an Materialien enthalten
dürfen, die nicht als

nicht brennbar" klassiert sind.
[0003] Bekannt sind zwei grundsätzliche Konstruktionsprinzipien, von denen das eine als
Profilrahmenbauweise und das andere als Verbundstrukturbauweise zu bezeichnen sind.
Es existieren auch Profilrahmenkonstruktionen mit auf- oder eingelegten Stahl- oder
Faserholzplatten. Die erwähnten Anforderungen werden von den bekannten Ausführungen
jedoch nur teilweise erfüllt.
EP 0 566 424 B1 beschreibt eine Ausführung eines Aufzugs-Kabinenbodens, bei der die
geforderten Eigenschaften durch Anwendung eines Verbundstruktur-Prinzips (Sandwich-Prinzip)
erreicht werden sollen. Dabei wird im wesentlichen zwischen einer als Verbundschicht
ausgeführten oberen Deckplatte und einer gleichartigen unteren Grundplatte ein Kern
aus Holz, Karton oder thermoplastischem Schaum eingeklebt. Um genügende Widerstandsfestigkeit
der Deckplatte, die den Kabinenbodenfläche bildet, gegen auf kleine Flächen konzentrierte
Lasten zu erreichen, sind zwischen Streifen des Kernmaterials Stützstege eingelegt.
Damit an diesem Boden anschliessende Kabinenteile, wie z.B. Kabinenwände oder Türschwellen
fixiert werden können, ist die beschriebene Verbundstrukturplatte von einem Stahlrahmen
umschlossen.
Eine solche Konstruktion kann die erwähnten Brandschutzvorschriften gewisser Länder
nicht erfüllen. Ausserdem können bei Dauerbelastung Kriechvorgänge in Kernmaterial
und Klebung stattfinden, was zu bleibender Verformung des Bodens mit gravierenden
Folgen für die Funktionsfähigkeit von in die Kabine integrierten Baugruppen, wie Türen,
Klappen oder Wandverkleidungselementen führen kann. Ein weiterer Nachteil von solchen
geklebten Verbundstrukturen ist, dass der Hersteller neben den Einrichtungen zur Metallverarbeitung
auch eine Infrastruktur für einwandfreie Klebetechnik inklusive geeignete Pressen
genügender Grösse zur Verfügung haben muss.
[0004] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Aufzugs-Kabinenboden-Konstruktion
gemäss Anspruch 1, basierend auf der Verbundstruktur- oder Sandwich-Bauweise, die
alle oben aufgeführten Anforderungen an einen Aufzugs-Kabinenboden in idealer Weise
erfüllt.
Die Konstruktion besteht im wesentlichen aus je einer Grund- und einer Deckplatte
aus zug- und druckfestem Material mit möglichst hohem Elastizitätsmodul, sowie einem
dazwischenliegenden Verbundstruktur-Kern, der, im Unterschied zu bisher bekannten
Ausführungen aus Holz, Schaumstoff, etc., aus einer Art Gitterrost besteht. Dieser
ist aufgebaut aus einer Vielzahl von rechtwinklig sich kreuzenden, hochkant stehenden
Lamellen, von denen je eine Anzahl parallel zur Längs- und zur Querkante des Bodens
mit untereinander gleichen Abständen verlaufen und die an ihren Kreuzungspunkten jeweils
mit der Grund- und der Deckplatte verbunden sind. Länge und Breite dieses Gitterrostkerns
entsprechen den Abmessungen des Kabinenbodens. Ein nach diesem Prinzip hergestellter,
mit Hilfe von FEM-Berechnungen optimierter Kabinenboden weist, bei gegebener Materialspezifikation
und gegebenen Limiten in bezug auf Einbauhöhe und Gewicht, optimale Steifigkeit in
allen Richtungen auf, verbunden mit einer höchstmöglichen Biege-Eigenfrequenz. Die
entlang der quadratischen Felder des Gitterrosts erfolgende Rundumabstützung der Deckplatte
verleiht dieser ausserdem die wichtige Fähigkeit, auf kleine Flächen konzentrierte
hohe Belastungen ohne bleibende Verformung aufzunehmen.
[0005] Durch Ausführung der Grund- und der Deckplatte wie auch der Lamellen des Gitterrostkerns
aus Stahlblech, wird einerseits die festigkeitstechnische Forderung nach einem Material
mit hohem Elastizitätsmodul und minimaler Kriechneigung erfüllt, und andererseits
entspricht die Konstruktion allen relevanten Brandschutzforderungen. Ein wesentlicher
Vorteil ist auch, dass auf diese Weise der gesamte Boden mit konventioneller Metallverarbeitungstechnik
herstellbar ist.
[0006] Die erforderliche gegenseitige Verbindung der Verbundstruktur-Komponenten erfolgt
in geeigneter Weise so, dass die Gitterrostlamellen an ihren Kreuzungspunkten mittels

Lochschweissung" mit der Deck- und der Grundplatte, die im folgenden als Deck- und
Grundblech bezeichnet sind, verschweisst ist. Diese Schweissung erfolgt von der Aussenseite
der beiden Bleche her durch vorgestanzte Löcher, deren Position mit den Kreuzungspunkten
der Gitterrostlamellen übereinstimmt.
Mit dem bisher beschriebenen Verfahren wird die für eine biegesteife Sandwichplatte
entscheidende Forderung nach starrer Schubübertragung zwischen den Grund- und Deckblechen
bei minimalem Gewicht in idealer Weise erfüllt. Bleibende Verbiegungen oder Verdrehungen
infolge von Kriechvorgängen im Kernmaterial oder in Klebefugen unter hohen statischen
Lasten können nicht auftreten.
[0007] Die gegenseitige mehrfache Überkreuzung der rechtwinklig zueinander verlaufenden
Lamellen des Gitterrosts wird dadurch ermöglicht, dass die Lamellen an allen Kreuzungspunkten
mit rechtwinklig zu ihrer Längsachse gestanzten Schlitzen versehen sind, deren Breite
der Lamellen-Materialdicke entspricht, und die bei den längsverlaufenden Lamellen
von oben und bei den querverlaufenden von unten jeweils bis zur halben Lamellenhöhe
reichen. Dadurch lassen sich die querverlaufenden Lamellen an allen Kreuzungspunkten
derart in die längsverlaufenden einstecken, dass alle Lamellen auf gleiches Niveau
zu liegen kommen und den oben beschriebenen Gitterrost bilden.
[0008] Die Seitenwände des Kabinenbodens sind durch Biegen des entsprechend vorgeschnittenen
Deckblechs erzeugt, was den Herstellprozess vereinfacht.
[0009] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemässen Konstruktion besteht darin, dass die
erwähnten Seitenwände des Kabinenbodens mit den Enden der Lamellen des Gitterrostkerns
durch Schweissen starr verbunden sind, wodurch sich eine hoch belastbare, starre Befestigungsmöglichkeit
für Bauteile wie Türschwelle, Türrahmen und Kabinenwände an diesen Seitenwänden ergibt.
[0010] Um die gesamte Bodenkonstruktion im Tauchverfahren lackieren zu können, sind die
Gitterrostlamellen an jedem Kreuzungspunkt mit gestanzten Öffnungen versehen, so dass
die Lackierflüssigkeit in alle Hohlräume des Gitterrostkerns eindringen und auch wieder
abfliessen kann. Dazu ist der Boden beim Tauchlackieren an einer Ecke so aufzuhängen,
dass er mit etwa vertikal stehender Diagonale ins Bad eintaucht.
[0011] Im folgenden wird die Erfindung anhand des Beispiels einer bevorzugten Ausführungsform
mit Bezug auf die beiliegenden Zeichnungen 1 bis 4 näher erläutert:
- Fig. 1
- zeigt eine durchkonstruierte Ausführung eines Kabinenbodens mit den erfindungsgemässen
Merkmalen.
- Fig. 2
- zeigt das Prinzip des Gitterrostkerns
- Fig. 3
- zeigt die Schweissverbindung zwischen den Grund- und Deckblechen und dem Gitterrostkern.
- Fig. 4
- zeigt die Öffnungen im Gitterrostkern für den Zu- und Abfluss der Tauchlackierflüssigkeit.
[0012] Fig. 1 zeigt eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Aufzugs-Kabinenbodens.
Der Boden ist komplett aus Stahlblech mittels Biegen und Schweissen gefertigt. Er
besteht im wesentlichen aus dem Deckblech 1 mit angebogenem Türschwellensupport 6,
dem Grundblech 2 sowie dem zwischen Deck- und Grundblech liegenden Gitterrostkern
3 aus sich kreuzenden Längs- und Querlamellen 4,5. Zusätzlich sichtbar sind Bauelemente,
die aufzugsspezifische Funktionen erfüllen, wie die Seitenwandprofile 7, Versteifungen
8 für den Türschwellensupport sowie Tragprofile 13 mit Befestigungsgewinden für die
als Verbindung zwischen Kabinenboden und Kabinenrahmen dienenden Isolationselemente
(nicht sichtbar). Im Bereich der Fig. 1, wo das Grundblech 2 als teilweise entfernt
dargestellt ist, erkennt man die Bauweise des Gitterrostkerns 3. Dieser ist in Fig.
2 detaillierter dargestellt, wo gezeigt ist, wie dank den gestanzten Schlitzen 12
die Querlamellen 5 in die Längslamellen 4 eingefügt werden. Die Stärke der Lamellen
des Gitterrostkerns sowie deren gegenseitige Abstände sind in Abhängigkeit von Bodenbelastung,
Deckblechdicke und Gesamtbauhöhe variabel und werden mittels FEM-Berechnungen optimiert.
Im Grundblech 2 erkennt man gestanzte, schlitzförmige Löcher 9, deren Position jeweils
mit einem Kreuzungspunkt der Lamellen des Gitterrostkerns übereinstimmt. Entsprechende
Löcher sind auch im Deckblech vorhanden. Durch diese Löcher 9 werden, wie in Fig.3
gezeigt, mittels Lochschweissung das Deckblech 1 und das Grundblech 2 mit dem Gitterrostkern
3 starr verbunden. Grundsätzlich sind auch Durchschweissverfahren (z.B. Laser- oder
Elektronenstrahlschweissung) anwendbar, für die keine Löcher erforderlich sind, bei
deren Anwendung jedoch die Verschweissung weniger gut beobachtet werden kann. Aus
Fig.1 ist weiter ersichtlich, dass die Enden der Lamellen 4,5 des Gitterrostkerns
bis zu den Seitenwänden (z.B. bei 10) sowie bis zu den Versteifungen des Türschwellensupports
6 reichen, wo sie mit diesen verschweisst sind und diesen enorme Steifigkeit verleihen,
was für deren Funktion als Träger von Wänden und Türschwelle von grosser Wichtigkeit
ist.
Die Lamellen 4,5 enthalten bei jeder Kreuzungsstelle auf ihrer halben Höhe Öffnungen
11, womit gewährleistet ist, dass beim Tauchlackieren die Lackierflüssigkeit in alle
Hohlräume des an einer Ecke aufgehängten Kabinenbodens eindringen und wieder abfliessen
kann.
1. Biegesteifer Aufzugs-Kabinenboden in Verbundstruktur- oder Sandwich-Bauweise, bestehend
im wesentlichen aus einer Grundplatte (2), einer Deckplatte (1) und einem dazwischenliegenden
Verbundstruktur-Kern (3), dadurch gekennzeichnet, dass der die Verbindung zwischen
Grund- und Deckplatte bildende Kern aus einer Vielzahl von hochkant stehenden, sich
kreuzenden Lamellen in Form eines Gitterrosts besteht, die in geeigneter Weise mit
der Grund- und der Deckplatte fest verbunden sind.
2. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Grundplatte
(2), die
Deckplatte (1) und die Lamellen des Gitterrost-Kerns (3) aus Stahlblech bestehen.
3. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Lamellen
(4,5) des Gitterrost-Kerns (3) durch sogenannte

Lochschweissung" an den Kreuzungspunkten des Gitterrosts mit dem Grund- und dem Deckblech
(2,1) fest verbunden sind, wobei diese Lochschweissung von der Kabinenboden-Aussenseite
durch über den Kreuzungspunkten liegende, geeignet geformte Löcher (9) in Grund- und
Deckblech erfolgt.
4. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kreuzung
der auf gleichem Niveau liegenden Lamellen (4,5) dadurch möglich ist, dass diese Lamellen
an allen Kreuzungspunkten mit rechtwinklig zu ihrer Längsachse gestanzten
Schlitzen (12) versehen sind, deren Breite der Lamellen-Materialdicke entspricht und
die bei den in der einen Richtung verlaufenden Lamellen von oben und bei den rechtwinklig
dazu verlaufenden Lamellen von unten jeweils bis etwa zur halben Lamellenhöhe reichen.
5. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Seitenwände
(10) des Kabinenbodens, die als Basis für den Anbau von weiteren Kabinenkomponenten
dienen, durch Biegen des Deckblechs erzeugt sind.
6. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Enden
der Lamellen (4,5) des Gitterrostkerns mit den Seitenwänden (10) des Kabinenbodens
verbunden sind und diesen dadurch hohe Belastbarkeit und Steifigkeit für den Anbau
anderer Kabinenkomponenten verleihen.
7. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die in
den Grund- und Deckblechen erforderlichen Löcher für die Lochschweissverbindung zwischen
dem Gitterrost-Kern und diesen Blechen schlitzförmig sind, und dass sie vor dem Zusammenfügen
durch Stanzen auf NC-Stanzautomaten erzeugt werden.
8. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Lamellen
des Gitterrostkerns so mit Ausstanzungen in den Kreuzungsbereichen versehen sind,
dass beim Tauchlackieren die Lackierflüssigkeit in alle Hohlräume des an einer Ecke
aufgehängten Kabinenbodens eindringen und wieder abfliessen kann.
9. Aufzugs-Kabinenboden gemäss Ansprüchen 1, 2 und 4, dadurch gekennzeichnet, dass die
Querschlitze in den Lamellen in der Weise hergestellt werden, dass zuerst alle Querschlitze
in eine Blechtafel gestanzt werden und die Auftrennung in die einzelnen Lamellen anschliessend
erfolgt, wodurch das Verziehen der Lamellen durch das Stanzen der Querschlitze vermieden
wird.