[0001] Die Erfindung betrifft eine Abgasanlage einer Mehrzylinder-Brennkraftmaschine gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Im Zuge der Verschärfung der Abgasgesetze wird eine optimale Schadstoffreduzierung
von Verbrennungsmotoren immer wichtiger. Bekannt ist die Nachbehandlung der Abgase
in einem Katalysator. Zur optimalen Wirkungsweise eines Katalysators muß eine günstige
Abgaszusammenstellung sichergestellt sein, die durch eine an sich bekannte Lambda-Regelung
erfolgt. Im einfachsten Fall wird eine Lambda-Sonde vor einem Katalysator angeordnet,
die ein Signal an eine Steuerung abgibt, welche aufgrund dieses Signals und der Leistungsanforderung
den Kraftstoffeintrag in die Zylinder der Brennkraftmaschine steuert.
[0003] Gemäß dem Bosch-Handbuch, 22. Aufl., VDI-Verlag, Düsseldorf, ab Seite 490, kann eine
Lambda-Regelung nach der Zweipunktmethode erfolgen, bei der eine Stellgröße ihre Stellrichtung
bei jedem Spannungssprung, der einen Wechsel fett/mager oder mager/fett anzeigt, verändert.
Trotz einer solchen Zweipunkt-Regelung wirken sich Alterung und Umwelteinflüsse (Vergiftungen)
als Störeinfluß auf die Messung einer Genauigkeit aus. Zu diesem Zweck ist es bekannt,
eine weitere Lambda-Sonde hinter dem Katalysator anzuordnen, der den vorgenannten
Einflüssen in wesentlich geringerem Maße ausgesetzt ist. Beim Prinzip der Zweisonden-Regelung
wird die gesteuerte Fett- bzw. Magerverschiebung durch eine Korrekturregelschleife
aditiv verändert.
[0004] Bei Motoren mit geringer Zylinderzahl (bis vier Zylinder) kann eine einflutige Abgasanlage,
d. h. eine Abgasanlage mit einem Leitungsstrang, verwendet werden. Bei Motoren mit
höherer Zylinderzahl ist die Verwendung einer zweiflutigen Abgasanlage im Sinne eines
besseren Vollastverhaltens günstiger. Eine solche vollständig zweiflutige Abgasanlage
ist jedoch teuer und besitzt ein schlechtes Startverhalten bezüglich der Schadstoffreduzierung.
Als Alternative hat sich eine Abgasanlage als günstig herauskristallisiert, die lediglich
in ihrem vorderen Teil zweiflutig ausgebildet ist, d. h. die Abgase werden zunächst
durch zumindest zwei auf Zylindergruppen aufgeteilte Teilleitungsstränge geführt,
die dann zu einem gemeinsamen Hauptrohr vereinigt werden. Um eine solche Abgasanlage
handelt es sich auch vorliegend.
[0005] Die Abgaskatalysatoren erreichen nur dann eine optimale Wirkung, wenn sie sich in
einem bestimmten Temperaturbereich (z. B. 400 bis 800 °C) befinden. Die Aufheizung
des Katalysators ist insbesondere in der Startphase problematisch. Um die Aufheizung
zu beschleunigen, werden u. a. kleinere Vorkatalysatoren eingesetzt, die in der Nähe
der Zylinder angeordnet werden und die sich besonders schnell auf ihre Betriebstemperatur
bringen lassen. Bei der Verwendung von verschiedenen Teilleitungssträngen bzw. einer
mehrflutigen Abgasanlage werden für jeden Teilleitungsstrang ein zugehöriger Vor-
bzw. Startkatalysator verwendet. In diesem Zusammenhang wird auf die DE 195 24 980
A1 hingewiesen.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Abgasanlage der eingangs genannten
Art anzugeben, die ein genaues Einregeln des Luft-/Kraftstoffgemisches ermöglicht.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die in Anspruch 1 genannten Merkmale gelöst.
[0008] Problematisch bei der Verwendung von mehreren Vorkatalysatoren sowie jeweils davor
angeordneten Lambda-Sonden und einer weiteren Trimm- oder Justierungs-Lambda-Sonde
nach einem Hauptkatalysator ist, daß diese Trimm- oder Justierungslambda-Sonde die
Abgase aus allen Teilsträngen, die in dem Hauptstrang zusammengeführt werden, erfaßt.
Daher ist es möglich, daß sich die Abgase derart vermischen, daß auftretende Lambda-Unterschiede
ausgeglichen werden. Jedenfalls kann eine Abweichung nicht mehr unmittelbar festgestellt
und auch nicht mehr einer bestimmten Lambda-Sonde vor einem Start- oder Vorkatalysator
zugeordnet werden.
[0009] Zur Vermeidung dieses Nachteils werden zusätzlich zum einen vor jedem Startkatalysator
eine Lambda-Sonde vorgesehen und zum anderen zumindest in einem Teilleitungsstrang
nach dem Startkatalysator eine weitere Lambda-Sonde angeordnet. Dabei können je nach
Abgasanlagenarchitektur ein oder mehrerer solcher Anlagenteile parallel verwendet
oder zusammengeschaltet sein.
[0010] Die Signale der genannten Lambda-Sonden werden einer Steuerung zugeführt, die aufgrund
dieser Informationen genau diejenigen Teilleitungsstränge bzw. Vorkatalysatoren bestimmen
kann, durch die ein nicht optimales Luft-Kraftstoffverhältnis geführt ist. Damit sind
auch Maßnahmen möglich, um diese ungewollten Abweichungen in den einzelnen Zylindern
auf Null zurückzuführen.
[0011] Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform müssen nicht alle Teilleitungsstränge mit
zusätzlichen, den Startkatalysatoren nachgeschalteten Lambda-Sonden überwacht werden.
[0012] Um alle Vorkatalysatoren bzw. denen vorgeschaltete Lambda-Sonden überwachen zu können,
sollten jedoch bei n Teilleitungssträngen n-1 zusätzliche Lambda-Sonden nach den Startkatalysatoren
vorgesehen sein.
[0013] Vorzugsweise sind die Lambda-Sonden vor den Startkatalysatoren als lineare Lambda-Sonden
oder Breitbandsonden ausgeführt. Die Lambda-Sonden nach den Startkatalysatoren können
als Sprungsonden ausgebildet sein.
[0014] Insgesamt kann mit den nach den Startkatalysatoren angeordneten Lambda-Sonden die
jeweilige davorliegende Lambda-Sonde getrimmt bzw. justiert werden. Mit der nach dem
Hauptkatalysator angeordneten Lambda-Sonde kann noch eine Gesamtüberwachung bzw. eine
Überwachung eines letzten verbleibenden Teilstranges ohne zusätzliche Lambda-Sonde
erreicht werden. Insgesamt ist das Gesamtsystem damit im Hinblick auf λ = 1 oder λ
> 1 Konzepte regelfähig.
[0015] Die Überwachung der Vorkatalysatorfunktion geschieht in der Regel durch Temperaturvergleich
zwischen den Temperaturen vor und nach dem Katalysator. Dafür werden in der Regel
für jeden Teilleitungsstrang 2 Temperatursensoren benötigt. Bei der vorliegenden Erfindung
kann alternativ ein Vor- oder Startkatalysator auch durch den Vergleich der Lambda-Signale
vor und nach dem Katalysator überwacht werden. Bei einem Teilleitungsstrang, bei dem
keine zusätzliche Lambda-Sonde vorgesehen ist, kann noch eine Temperatursonde oder
ein Temperatursensor nach dem jeweiligen Vorkatalysator angeordnet sein.
[0016] Insgesamt bringt die erfindungsgemäße Abgasanlage eine gute Lambda-Regelbarkeit zusammen
mit einem guten Vollastverhalten. Ferner kann eine kostengünstige, leichte und packagegünstige
Abgasanlage mit einem schnellen Anspring- und Durchheizverhalten realisiert werden.
Zudem ergibt sich für Magerkonzepte (λ > 1) der Vorteil eines geringeren Verbrauchs
gegenüber einer durchgehenden zweiflutigen Anlage.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines Ausführungsbeispiels und mit Bezug auf
die einzige Zeichnung näher erläutert. Die Zeichnung zeigt ein schematisches Blockschaltbild
einer Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
[0018] Im vorliegenden Fall ist schematisch ein Sechszylindermotor 10 dargestellt, bei dem
jeweils drei Zylinder (nämlich die Zylinder einer Zylinderbank) in einen Abgasteilleitungsstrang
12, 14 geführt sind. In den Teilleitungssträngen 12, 14 sind jeweils Vor- bzw. Startkatalysatoren
VK1, VK2 in der Nähe der Zylinder angeordnet. Die Teilleitungsstränge 12, 14 werden
nach den Vorkatalysatoren VK1, VK2 in einem Hauptrohr 20 zusammengeführt, in dem ein
Hauptkatalysator HK eingesetzt ist.
[0019] Beim Starten des Motors 10 lassen sich die Vorkatalysatoren VK1 und VK2 schnell auf
die zu einer guten Abgasreinigung erforderlichen Temperaturwerte bringen. Nach einer
gewissen Startphase übernimmt dann der Hauptkatalysator den größten Teil der Reinigung
der durch ihn hindurchfließenden Abgase.
[0020] Vor den Vorkatalysatoren VK1 und VK2 sind in den entsprechenden Teilleitungssträngen
12 und 14 lineare Lambda-Sonden zur Überwachung des Luft-Kraftstoff-Verhältnisses
angeordnet. Die linearen Lambda-Sonden 26 und 28 geben ein Signal an eine nicht dargestellte
Steuerelektronik ab, welche zumindest aufgrund dieser Signale und der Leistungsanforderung
den Kraftstoffeintrag in die jeweiligen Zylinder steuert. Um die Effekte der Alterung
und der Umwelteinflüsse auf die Lambda-Sonden 26 und 28 zu beurteilen und eine entsprechende
Trimmung oder Justierung in der Steuerung vorzunehmen, ist zum einen eine Lambda-Sprungsonde
24 nach dem Hauptkatalysator HK im Hauptrohr 20 angeordnet. Diese Sonde 24 ist den
Umwelteinflüssen in wesentlich geringerem Maße ausgesetzt. Da die Lambda-Sonde 24
im Hauptrohr angeordnet ist, wird sie von allen aus den Teilleitungssträngen 12 und
14 kommenden Abgasen durchströmt, so daß keine detaillierte Aufschlüsselung von Abweichungen
für die einzelnen Teilleitungsstränge möglich ist. Aus diesem Grund wird im vorliegenden
Fall eine zusätzliche Lambda-Sprungsonde 30 im Teilleitungsstrang 12 hinter dem Vorkatalysator
VK1 angeordnet, die ein Spannungssignal ebenfalls an die (nicht dargestellte) Steuerung
abgibt. Aufgrund der Signale der Lambda-Sprungsonden 30 und 24 kann die Steuerung
Fehlmessungen in den linearen Lambda-Sonden 26 und 28 beurteilen und auch genau einer
bestimmten Sonde zuordnen. Insofern ist mit dieser Anordnung eine genaue Regelung
der Luft-Kraftstoff-Zusammensetzung auf den erforderlichen Lambda-Wert auch in jeden
einzelnen Teilleitungsstrang möglich.
[0021] Zusätzlich ist im Teilleitungsstrang 14 nach dem Vorkatalysator VK2 ein Temperatursensor
32 (gestrichelter dargestellt) vorgesehen, mit dessen Hilfe die Funktion des Vorkatalysators
VK2 überwacht werden kann. Dazu sollte auch vor dem Vorkatalysator VK2 ein Temperatursensor
angeordnet sein. Dies ist vorliegend nicht dargestellt. Bei Einsatz eines geeigneten
Temperaturmodells kann eine solche zusätzliche Temperatursonde auch entfallen.
1. Abgasanlage einer Mehrzylinder-Brennkraftmaschine mit zumindest einem Anlagenteil,
bei dem die Brennkraftmaschinen-Abgase oder Teile davon zunächst durch zumindest zwei
auf Zylindergruppen aufgeteilte Teilleitungsstränge geführt sind, in denen jeweils
ein Startkatalysator eingesetzt ist und die sich zu einem gemeinsamen Hauptrohr vereinigen,
in dem ein Hauptkatalysator eingesetzt ist, wobei zumindest eine Lambda-Sonde vor
und eine Lambda-Sonde nach den Katalysatoren angeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor jedem Startkatalysator eine Lambda-Sonde angeordnet ist, und zumindest in
einem Teilleitungsstrang nach dem Startkatalysator eine zusätzliche Lambda-Sonde angeordnet
ist.
2. Abgasanlage nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß nicht in allen Teilleitungssträngen nach dem Startkatalysator eine zusätzliche
Lambda-Sonde angeordnet ist.
3. Abgasanlage nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei n Teilleitungssträngen n-1 zusätzliche Lambda-Sonden vorgesehen sind.
4. Abgasanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Lambda-Sonden vor den Startkatalysatoren als lineare Lambda-Sonden oder Breitbandsonden
ausgebildet sind.
5. Abgasanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die zumindest eine Lambda-Sonde nach dem Startkatalysator als Sprungsonde ausgebildet
ist.
6. Abgasanlage nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß in einem Teilleitungsstrang nach einem Startkatalysator eine Temperatursonde oder
ein Temperatursensor vorgesehen ist.