[0001] Die Erfindung geht von einem Verfahren zur Gewinnung von Drucksauerstoff aus, bei
dem verdichtete und vorgereinigte Einsatzluft in das Rektifiziersystem eingeleitet
und eine erste Sauerstofffraktion der Niederdrucksäule entnommen, flüssig auf einen
erhöhten Druck gebracht, verdampft und als gasförmiges Drucksauerstoffprodukt abgeführt
wird.
[0002] Derartige Verfahren zur Erzeugung von gasförmigem Drucksauerstoff sind seit langem
bekannt (siehe beispielsweise DE 880893). Die Druckerhöhung im Flüssigprodukt mit
anschließender Verdampfung wird häufig als "Innenverdichtung" bezeichnet. DE 19529681
A und EP 716280 A zeigen neuere Beispiele für derartige Prozesse.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, bei einem derartigen Verfahren und in einer
entsprechenden Vorrichtung neben dem Drucksauerstoffprodukt ein an Krypton und Xenon
angereichertes Produkt auf wirtschaftlich günstige Weise zu gewinnen.
[0004] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.
[0005] Bei den bisher bekannten Methoden zur Krypton-/Xenon-Gewinnung wird die Sumpffraktion
der Niederdrucksäule (die zweite Sauerstofffraktion) in eine Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(Methan-Ausschleussäule) eingeleitet, auf deren Kopf Krypton-/Xenon-armer Flüssigsauerstoff
aufgegeben wird. Damit kann das Methan, das sich im Sumpf der Niederdrucksäule ansammelt
über das gasförmige Kopfprodukt der Methan-Ausschleussäule aus dem Verfahren entfernt
werden. Das Sumpfprodukt der Methan-Ausschleussäule enthält nur noch äußerst geringe
Mengen an Methan und ist an Krypton und Xenon angereichert. Es kann entweder direkt
aus der Methan-Ausschleussäule als Krypton-/Xenon-Vorkonzentrat abgezogen oder in
die Niederdrucksäule zurückgeleitet und von dort als Vorkonzentrat abgezogen werden.
Diese Verfahrensweise ist an sich bekannt und beispielsweise in Hausen/Linde, Tieftemperaturtechnik,
2. Auflage, 1985, Seiten 337 ff. und in DE 4332870 A1 beschrieben.
[0006] Bei der Erfindung wird die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (die gegebenenfalls als
Methan-Ausschleussäule wirkt) unter einem erhöhten Druck betrieben, der vorzugsweise
etwa dem gewünschten Produktdruck im Drucksauerstoff entspricht. Der Betriebsdruck
der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule liegt beispielsweise bei 1,5 bis 10 bar, vorzugsweise
bei 2,5 bis 7 bar. Der Flüssigsauerstoff, aus dem das Drucksauerstoffprodukt gebildet
wird, (die erste Sauerstofffraktion) wird nicht wie üblich an deren Sumpf abgezogen,
sondern oberhalb eines Stoffaustauschabschnitts, der Krypton und Xenon im Sumpf der
Niederdrucksäule zurückhält. Er bildet die Krypton-/Xenon-arme Rücklaufflüssigkeit
für die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule. Aus Sicht der Drucksauerstoffgewinnung wird
er - anstelle der bei Innenverdichtungsverfahren üblichen indirekten Verdampfung -
durch direkten Wärmeaustausch mit dem in der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule aufsteigenden
Dampf verdampft. Die verdampfte erste Sauerstofffraktion wird als Kopfdampf der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
abgezogen, auf Umgebungstemperatur angewärmt und als Drucksauerstoffprodukt abgeführt.
Der Stoffaustauschabschnitt unterhalb des Abzugs der ersten Sauerstofffraktion wird
durch mindestens einen, vorzugsweise einen bis fünf, höchst vorzugsweise einen bis
drei Rektifizierböden gebildet, die unmittelbar über dem Niederdrucksäulensumpf angeordnet
sind.
[0007] Vorzugsweise wird bei der Erfindung ein Zwei- oder Mehrsäulensystem zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
eingesetzt, das außer der Niederdrucksäule auch eine Hochdrucksäule aufweist, die
unter höherem Druck als die Niederdrucksäule betrieben wird. Vorzugsweise sind Hochdrucksäule
und Niederdrucksäule über einen gemeinsamen Kondensator-Verdampfer (Hauptkondensator)
thermisch gekoppelt, in dem stickstoffreicher Dampf der Hochdrucksäule gegen eine
verdampfende sauerstoffreiche Flüssigkeit aus der Niederdrucksäule kondensiert. Die
Erfindung ist jedoch auch bei einem Einsäulensystem realisierbar, bei dem die Niederdrucksäule
durch eine Einzelsäule gebildet wird. Die Verwendung des Begriffs Niederdrucksäule
bedeutet nicht unbedingt, daß diese Kolonne unter etwa Atmosphärendruck betrieben
wird. Sowohl bei Ein- als auch bei Zwei- und Mehrsäulenverfahren kann die Niederdrucksäule
auch unter erhöhtem Druck betrieben werden. Der Betriebsdruck der Niederdrucksäule
liegt beispielsweise bei 1,1 bis 4 bar, vorzugsweise bei 1,1 bis 2,0 bar. Die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
wird unterhalb des kritischen Drucks von Sauerstoff betrieben, je nach Produktdruck
beispielsweise bei 2 bis 10 bar, vorzugsweise bei 5 bis 6 bar.
[0008] Die erste Sauerstofffraktion wird nicht unmittelbar am Sumpf der Niederdrucksäule,
sondern mindestens einen praktischen oder theoretischen Boden oberhalb des Sumpf beziehungsweise
oberhalb der Entnahme der zweiten Sauerstofffraktion entnommen. (Für den Fall, daß
in dem betreffenden Abschnitt ausschließlich praktische Böden als Stoffaustauschelemente
verwendet werden, gelten die Angaben in praktischen Bodenzahlen; falls Packung, Füllkörper
oder Kombinationen verschiedener Typen von Stoffaustauschelementen eingesetzt werden,
sind die Angaben in theoretischen Bodenzahlen anzuwenden.) Zur Druckerhöhung im flüssigen
Zustand kann jedes bekannte Mittel oder auch eine Kombination verschiedener bekannter
Mittel eingesetzt werden.
[0009] Gegenüber einer einfachen Kombination von bekannten Innenverdichtungsverfahren, bei
denen die erste Sauerstofffraktion aus dem Sumpf der Niederdrucksäule abgezogen wird,
mit bekannten Verfahren zur Krypton-/Xenon-Gewinnung mit Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(Methan-Ausschleussäule) ergibt sich bei dem erfindungsgemäßen Verfahren eine Erhöhung
der Ausbeute an Krypton und/oder Xenon um 20 bis 25 %.
[0010] Die zweite Sauerstofffraktion muß vor ihrer Einleitung in die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
auf deren Betriebsdruck gebracht werden. Vorzugsweise wird die zweite Sauerstofffraktion
vor ihrer Einleitung in die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule jedoch in flüssigem Zustand
auf einen erhöhten Druck gebracht und danach flüssig in die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
eingeleitet.
[0011] Insbesondere bei flüssiger Einleitung der zweiten Sauerstofffraktion in die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
benötigt diese einen Sumpfverdampfer. Es ist günstig, wenn dieser durch indirekten
Wärmeaustausch mit einem Teilstrom der Einsatzluft betrieben wird. Vorzugsweise kondensiert
die Einsatzluft in dem Sumpfverdampfer mindestens teilweise. Das bei dem indirekten
Wärmeaustausch erzeugte Kondensat wird beispielsweise in eine der Säulen des Rektifiziersystems
eingeleitet, vorzugsweise in die Niederdrucksäule.
[0012] Vorzugsweise wird die als Heizmittel verwendete Einsatzluft stromaufwärts des Sumpfverdampfers
auf einen Druck gebracht wird, der höher als der höchste Betriebsdruck der Säulen
des Rektifiziersystems ist. Dieser Druck wird so gewählt, daß die Kondensationstemperatur
der Einsatzluft im Sumpfverdampfer beispielsweise etwa 1 bis 2 K über der Verdampfungstemperatur
der Sumpfflüssigkeit der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule liegt. Dies kann beispielsweise
dadurch realisiert werden, daß die gesamte Einsatzluft auf einen sehr hohen Druck
verdichtet wird (beispielsweise auf über Hochdrucksäulendruck im Falle eines Zweisäulensystems)
oder daß der als Heizmittel verwendete Teilstrom von einem niedrigeren Niveau (beispielsweise
Hochdrucksäulendruck) auf diesen hohen Druck nachverdichtet wird.
[0013] Die Erfindung betrifft ferner eine Vorrichtung zur Gewinnung von Drucksauerstoff
und Krypton/Xenon gemäß den Patentansprüchen 5 bis 7.
[0014] Die Erfindung sowie weitere Einzelheiten der Erfindung werden im folgenden anhand
eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0015] Ein erster Einsatzluftstrom, der auf 6 bar verdichtet und anschließend gereinigt
und auf etwa Taupunkt abgekühlt wurde, tritt über Leitung 4 in die Hochdrucksäule
2 einer Doppelsäule 1 ein. Stickstoff 6 und Rohsauerstoff 7 werden nach Unterkühlung
in einem ersten Gegenströmer 5 mindestens zum Teil in die Niederdrucksäule 3 (Betriebsdruck
1,2 bis 1,7 bar, vorzugsweise 1,2 bis 1,4 bar) eingespeist. Hochdruck- und Niederdrucksäule
stehen über einen Kondensator-Verdampfer 10 in Wärmeaustauschbeziehung. Aus dem oberen
Bereich der Niederdrucksäule 3 werden reiner und unreiner Stickstoff 8, 9 als Produkte
entnommen und im Gegenströmer 5 sowie im nicht dargestellten Hauptwärmetauscher angewärmt.
(Andere mögliche Anstiche, beispielsweise zur Direkteinspeisung von Luft in die Niederdrucksäule
oder zum Anschluß einer Rohargonsäule sind in der Zeichnung nicht dargestellt.) Die
Betriebsdrücke von Hochdrucksäule und Niederdrucksäule betragen in dem Beispiel 5,5
bar beziehungsweise 1,3 bar am Kopf.
[0016] Eine erste Sauerstofffraktion 11 wird drei Böden oberhalb des Niederdrucksäulensumpfs
flüssig entnommen, mittels einer Pumpe 12 auf einen Druck von 9 bar gebracht, in einem
zweiten Gegenströmer unterkühlt und über Leitung 14 auf den Kopf einer Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
15 aufgegeben. Über Leitung 16 wird Sumpfflüssigkeit der Niederdrucksäule (zweite
Sauerstofffraktion) entnommen, in einer weiteren Pumpe 17 auf 9 bar gebracht, ebenfalls
im zweiten Gegenströmer 13 abgekühlt und der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule 15 an
einer Zwischenstelle zugespeist (Leitung 18). Die Einspeisestelle liegt in dem Beispiel
drei Böden oberhalb des Sumpfs der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule 15.
[0017] Vom Sumpf der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule 15 wird ein Krypton-Xenon-Vorkonzentrat
19 als krypton- und/oder xenonangereicherte Fraktion abgezogen. Es kann in einem Tank
gesammelt oder direkt weiteren Verfahrensschritten zur Gewinnung von Krypton und/oder
Xenon zugeführt werden. Das Kopfgas 24 der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule 15 bildet
das Drucksauerstoffprodukt und wird im Hauptwärmetauscher gegen Einsatzluft angewärmt
(nicht dargestellt).
[0018] Die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule 15 wird durch indirekten Wärmeaustausch 20 mit
einem zweiten gereinigten und abgekühlten Einsatzluftstrom 21 beheizt, der unter einem
Druck von 22 bar steht. Das dabei entstehende Kondensat 22 wird im zweiten Gegenströmer
13 angewärmt und der Hochdrucksäule 2 einige Böden oberhalb der Einspeisung des ersten
Einsatzluftstroms 4 zugeleitet (23).
[0019] Falls Stickstoff als Hochdruckprodukt gewonnen werden soll, kann ein Teil 25 des
Kopfstickstoffs der Hochdrucksäule 2 in einer Pumpe 26 flüssig auf Druck gebracht
und durch den zweiten Gegenströmer 13 geführt werden.
1. Verfahren zur Gewinnung von Drucksauerstoff und Krypton/Xenon durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft in einem Rektifiziersystem, das eine Niederdrucksäule (3) zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
und eine Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) aufweist, wobei bei dem Verfahren
• verdichtete und vorgereinigte Einsatzluft (4, 21, 22, 23) in das Rektifiziersystem
eingeleitet wird und
• eine erste Sauerstofffraktion (11) der Niederdrucksäule (3) entnommen, flüssig auf
einen erhöhten Druck gebracht (12), verdampft und als gasförmiges Drucksauerstoffprodukt
(24) abgeführt wird,
wobei bei dem Verfahren ferner
• eine zweite Sauerstofffraktion (16) der Niederdrucksäule (3) entnommen und in den
unteren oder mittleren Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) geleitet
(18) wird,
• die erste Sauerstofffraktion (11) mindestens einen praktischen oder theoretischen
Boden oberhalb des Sumpfs der Niederdrucksäule (3) entnommen und nach der Druckerhöhung
(12) im flüssigen Zustand in den oberen Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(15) eingeführt (14) wird,
• dem unteren Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) eine krypton- und/oder
xenonangereicherte Fraktion (19) entnommen wird und
• das Drucksauerstoffprodukt (24) gasförmig aus dem oberen Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(15) abgezogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem die zweite Sauerstofffraktion (11) vor ihrer Einleitung
(18) in die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) in flüssigem Zustand auf einen erhöhten
Druck gebracht (17) wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15)
einen Sumpfverdampfer (20) aufweist, wobei insbesondere Einsatzluft (21) als Heizmittel
für den Sumpfverdampfer (20) verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, bei dem die als Heizmittel verwendete Einsatzluft (21)
stromaufwärts des Sumpfverdampfers (20) auf einen Druck gebracht wird, der höher als
der höchste Betriebsdruck der Säulen (2, 3, 15) des Rektifiziersystems ist.
5. Vorrichtung zur Gewinnung von Drucksauerstoff und Krypton/Xenon durch Tieftemperaturzerlegung
von Luft mit einem Rektifiziersystem, das eine Niederdrucksäule (3) zur Stickstoff-Sauerstoff-Trennung
und eine Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) aufweist, und mit
• einer Einsatzluftleitung (4) zur Einleitung von verdichteter und vorgereinigter
Einsatzluft in das Rektifiziersystem,
• einer ersten Sauerstoffleitung (11, 14) zur Entnahme einer ersten Sauerstofffraktion
als Flüssigkeit aus der Niederdrucksäule (3), die ein Mittel (12) zur Erhöhung des
Drucks der ersten Sauerstofffraktion in flüssigem Zustand aufweist und stromabwärts
des Mittels zur Druckerhöhung mit einem Mittel zur Verdampfung der flüssig auf Druck
gebrachten ersten Sauerstofffraktion verbunden ist und
• mit einer Druckproduktleitung (24), die mit dem Mittel zur Verdampfung verbunden
ist,
wobei ferner
• eine zweite Sauerstoffleitung (16, 18) zur Entnahme einer zweiten Sauerstofffraktion
aus der Niederdrucksäule (3) mit dem unteren oder mittleren Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(15) verbunden ist,
• in der Niederdrucksäule (3) zwischen der ersten Sauerstoffleitung (11) und dem Sumpf
ein Stoffaustauschabschnitt angeordnet ist, der mindestens einen praktischen oder
theoretischen Boden umfaßt,
• das Mittel zur Verdampfung durch die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) gebildet
wird, wobei die erste Sauerstoffleitung (11, 14) mit dem oberen Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(15) verbunden ist,
• eine Vorkonzentratleitung (19) zur Entnahme einer krypton- und/oder xenonangereicherten
Fraktion mit dem unteren Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule (15) verbunden
ist und
• die Druckproduktleitung (24) mit dem oberen Bereich der Krypton-Xenon-Anreicherungssäule
(15) verbunden ist.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, bei der die zweite Sauerstoffleitung stromaufwärts der
Krypton-Xenon-Anreicherungssäule ein Mittel zur Druckerhöhung der zweiten Sauerstofffraktion
in flüssigem Zustand aufweist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, bei dem die Krypton-Xenon-Anreicherungssäule einen
Kondensator-Verdampfer als Sumpfverdampfer aufweist, dessen Kondensationsraum mit
einer Heizmittelleitung zur Einleitung eines Heizmittels, insbesondere von Einsatzluft
verbunden ist.