[0001] Die Erfindung betrifft ein Bleichbad für schwarz-weiß-fotografisches Silberhalogenidmaterial.
[0002] Bei der Verarbeitung von Schwarz-Weiß-Umkehrmaterialien sowie in der Mikrografie
und im grafischen Bereich werden zum Bleichen des entwickelten Silbers Bleichbäder
verwendet, die als Oxidationsmittel eine stark saure Kaliumdichromatlösung mit etwa
7,5 g K
2Cr
2O
7/l enthalten. Beim Bleichvorgang entsteht ein lösliches Silbersalz, z.B. Silbersulfat
(Ag
2SO
4), das aus der fotografischen Schicht ausgewaschen wird.
[0003] Aus ökologischen Gründen ist es notwendig geworden, die Dichromatmenge zu vermindern
oder vorzugsweise dichromathaltige Bleichbäder ganz zu vermeiden.
[0004] Substanzen mit ähnlich hohem elektrochemischen Oxidationspotential wie Dichromat,
beispielsweise Salze des vierwertiges Cers, des siebenwertigen Mangans, des dreiwertigen
Eisens sowie Persulfatlösungen sind ungeeignet, weil sie metallisches Silber selbst
bei hoher Konzentration nur langsam oxidieren (Bleichzeiten von mehr als 10 Minuten)
oder weil sie, wie im Falle des siebenwertigen Mangans, zwar ausreichend aktiv, in
Lösung jedoch so instabil sind, daß sie sich nach kurzer Zeit zersetzen und an den
Tankwänden, in den Schläuchen, an allen Geräteteilen und auf den Filmen Braunstein
abscheiden.
[0005] Die genannten Oxidationsmittel in Kombination mit bekannten Bleichbeschleunigern
z.B. Thioglycerin einzusetzen, führt ebenfalls nicht zum Erfolg, da die Bleichzeiten
weiterhin über 10 Minuten liegen. Außerdem erfordert diese Verfahrensweise ein zusätzliches
Bad (Vorbad), weil Schwefelverbindungen wie Thioglycerin von den Oxidationsmitteln
in einem gemeinsamen Bad sofort oxidiert und damit unwirksam würden.
[0006] Aufgabe der Erfindung war daher die Bereitstellung eines Bleichbades für SchwarzWeiß-Silberhalogenidmaterialien,
das eine Bleichung in angemessener Zeit (<10 Minuten) gestattet, stabil ist und im
regenerierten Dauerbetrieb benutzt werden kann. Weiterhin soll das Bleichbad dichromatfrei
sein.
[0007] Wie bereits oben erwähnt, besitzen Permanganat-Ionen zwar eine gute Bleichwirkung,
zersetzen sich in Lösung jedoch leicht unter der Bildung von Braunstein.
[0008] Versuche, Permanganatlösungen mit Salzen von Metallen der 1. oder 2. Nebengruppe
des Periodensystems zu stabilisieren zeigen zwar eine Wirkung; jedoch reicht die erzielte
Stabilität der Lösung für den Einsatz in der Praxis nicht aus (US-A-5 716 767).
[0009] Die Stabilisierung von Permanganat-Ionen in Lösung durch handelsübliche Komplexbildner
wie Polycarbonsäuren oder Phosphonsäuren in Analogie zu Eisenionen scheitert an der
Instabilität der Komplexbildner in Gegenwart von Permanganat-Ionen.
[0010] Neuere Untersuchungen haben nun gezeigt, daß bei der Verwendung von Permanganat-Ionen
als Bleichmittel eine hohe Bleichgeschwindigkeit und eine geringe Braunsteinbildung
in der Silberhalogenidemulsionsschicht nur bei einem niedrigen pH-Wert möglich ist.
Bei niedrigem pH-Wert ist die Haltbarkeit der Bleichlösung unzureichend.
[0011] Es wurde weiterhin beobachtet, daß ein Bleichbad mit Permanganat-Ionen als Bleichmittel
bei einem pH-Wert von 1,6 weniger stabil ist, wenn der pH-Wert mit Schwefelsäure eingestellt
wird, als wenn er mit Phosphorsäure eingestellt wird. Offenbar stabilisieren die Phosphationen
das Bleichbad. Bei höheren Konzentrationen wird jedoch die Bleichwirkung behindert,
ohne daß die Haltbarkeit bereits ausreichend wäre.
[0012] In dieser komplexen Situation wurde überraschenderweise gefunden, daß besonders kondensierte
Phosphate eine stabilisierende Wirkung auf Permanganatlösungen haben und die Braunsteinbildung
deutlich verzögern, ohne daß die Bleichwirkung beeinträchtigt wird.
[0013] Gegenstand der Erfindung ist daher ein Bleichbad für fotografische Schwarz-Weiß-Silberhalogenidmaterialien
mit einem pH-Wert von 0,4 bis 4 und Permanganat-Ionen als Bleichmittel, dadurch gekennzeichnet,
daß es kondensierte Phosphate enthält.
[0014] In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung hat das Bleichbad einen pH-Wert
von 1 bis 2.
[0015] Es hat sich als besonders vorteilhaft erwiesen, wenn die Konzentration der kondensierten
Phosphate im Bleichbad die 2- bis 10-fache Menge des Gewichtes der eingesetzten Permanganatmenge
beträgt.
[0016] Daher enthält das Bleichbad in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung 0,5
bis 10 g/l Permanganat und 1 bis 100 g/l kondensierte Phosphate. In einer besonders
bevorzugten Ausführungsform der Erfindung enthält das Bleichbad 1 bis 4 g/l Permanganat
und 5 bis 30 g/l kondensierte Phosphate.
[0017] Weiterhin ist es bevorzugt, wenn der pH-Wert eines solchen Bleichbades mit Schwefelsäure
oder Hydrogensulfat eingestellt wird.
[0018] Unter kondensierten Phosphaten versteht man eine Gruppe von - aufgrund ihrer Herstellung
auch Schmelz- oder Glühphosphate genannten - Phosphaten, die sich von sauren Salzen
der Orthophosphorsäure durch Kondensation ableiten lassen. Kondensierte Phosphate
oder Polyphosphate enthalten mehr als ein Phosphoratom pro Molekül.
[0019] Die kondensierten Phosphate lassen sich in die ringförmigen Metaphosphate M
In(PO
3)
n und die kettenförmigen Polyphosphate M
In+2P
nO
3n+1 bzw. M
InH
2P
nO
3n+1 einteilen (M
I = einwertiges Metall oder Ammonium, n = 3, 4, 5 usw.). Sie bestehen aus PO
4-Tetraedern, die über gemeinsame Sauerstoffatome verknüpft sind.
[0020] Die Herstellung der kondensierten Phosphate ist bekannt und z.B. in Ullmanns Encyklopädie
der technischen Chemie, 4. Auflage (1979), Band 18, Seite 328 beschrieben. Von besonderer
technischer Bedeutung ist die thermische Dehydratisierung von Natriumdihydrogenphosphat.
Man erhält in Abhängigkeit von den Reaktionsbedingungen verschiedene Polyphosphate.
[0021] Beispiele für mittel- bis hochmolekulare Polyphosphate sind das Grahamsche Salz,
das Maddrellsche Salz und das Kurrolsche Salz.
[0022] Als besonders vorteilhaft für den Einsatz in dem erfindungsgemäßen Bleichbad hat
sich ein Gemisch aus hochmolekularen, kettenförmigen Polyphosphaten mit einem geringen
Anteil (ca. 5 bis 10 Gew.-%) an Metaphosphat erwiesen. Solche Gemische sind auch als
Calgon®(Marke der Firma Benckiser GmbH) oder in den USA unter der Bezeichnung Hexametaphosphat
bekannt.
[0023] In der Praxis hat es sich bewährt, das Bleichbad bzw. den Regenerator aus wenigstens
zwei Konzentraten anzusetzen. Konzentrat A enthält Permanganat-Ionen und kondensierte
Phosphate und ist auf einen pH-Wert ≥6 eingestellt. Konzentrat B enthält Schwefelsäure
oder Hydrogensulfat in einer Menge, um den pH-Wert des Bleichbades auf 0,4 bis 4,
vorzugsweise 1 bis 2, einzustellen.
[0024] Als Bleichmittel wird in einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung Kaliumpermanganat
verwendet.
[0025] Ein Beispiel für ein besonders bevorzugtes Bleichbad ist nachfolgend angegeben:
| Wasser |
700 ml |
| M 19 (Natriumkaliumhexametaphosphat) |
20 g |
| Kaliumpermanganat |
2 g |
| Schwefelsäure (20 Gew.-%) |
27 ml |
| auffüllen mit Wasser auf 1000 ml (pH = 1,4) |
|
Beispiele
[0026] Ein handelsüblicher Schwarz-Weiß-Film, z.B. Agfapan APX-100 wurde mit einem Graustufenkeil
belichtet, bei 20°C 8 Minuten in einem handelsüblichen Schwarz-Weiß-Entwickler (z.B.
Refinal) entwickelt, fixiert, gewässert und getrocknet.
[0027] So hergestellte Graustufenkeile wurden anschließend mit Bleichbädern verschiedener
Zusammensetzung behandelt und die Zeit bestimmt, die erforderlich ist, um das metallische
Silber des Graustufenkeils komplett zu bleichen, d.h. bis nur noch die klare Unterlage
des Films sichtbar war (Versuchsreihe C).
[0028] Bei dem Bleichprozess wurden die Parameter wie Temperatur und Agitation konstant
gehalten. Der pH-Wert wurde jeweils eingestellt und die nachfolgend angegebenen Konzentrationen
an Wirkstoffen vorgegeben.
[0029] Weiterhin wurde die Stabilität der Tanklösungen untersucht (Versuchsreihe A). Dazu
wurden die Lösungen in PE-Flaschen gefüllt und über einen Zeitraum von 42 Tagen bei
Raumtemperatur gelagert. Je nach Grad der Stabilisierung des Permanganats bildet sich
mehr oder weniger Braunstein an den Flaschenwänden. Die Stärke der Ablagerungen dient
somit als Maß für die Stabilität der Tanklösungen.
[0030] Zusätzlich wurde auch noch die Braunsteinbildung während des Bleichvorgangs überprüft
(Versuchsreihe B). Gleichzeitig zur Oxidation des Bildsilbers bildet sich Braunstein
in der Filmschicht. Die Stärke der Braunsteinbildung ist ebenfalls vom Grad der Stabilisierung
des Permanganats abhängig.
[0031] Bei allen Versuchen wurde im Bleichbad eine Kaliumpermanganat-Konzentration von 2
g/l eingestellt.
Tabelle
| Versuchsreihe |
A Braunsteinbildung → Flaschenwand |
B Braunsteinbildung → Schicht |
C Bleichzeit |
| |
| pH-Reihe H2SO4 |
| 1a |
pH= 1,0 |
■■■■■ |
■■■■ |
1′30˝ |
| 1b |
pH= 2,0 |
■■■■■ |
■■■■■ |
2′00˝ |
| 1c |
pH= 3,0 |
■■■■■ |
■■■■■ |
4′50˝ |
| |
|
|
|
|
| pH-Reihe H3PO4 |
| 2a |
pH= 1,0 |
■■■■■ |
■■■ |
2′10˝ |
| 2b |
pH= 2,0 |
■■■■ |
■■■■■ |
3′10˝ |
| 2c |
pH= 3,0 |
■■■■■ |
■■■■■ |
Über 5′00˝ |
| |
|
|
|
|
KH2PO4-Reihe
mit pH= 1,6 (H2SO4) |
| 3a |
5 g/l |
■■■■■ |
■■■■ |
1′40˝ |
| 3b |
10 g/l |
■■■ |
■■■ |
1′50˝ |
| 3c |
20 g/l |
■■■ |
■■■ |
2′10˝ |
| 3d |
40 g/l |
■■ |
■■ |
2′30˝ |
| |
|
|
|
|
pH-Reihe H2SO4
mit c(KH2PO4)= 20 g/l |
| 4a |
pH= 1,0 |
■■■■■ |
■■ |
2′10˝ |
| 4b |
pH= 1,6 |
■■■ |
■■■ |
2′10˝ |
| 4c |
pH= 2,0 |
■■ |
■■■■ |
2′20˝ |
| 4d |
pH= 4,0 |
■ |
■■■■■ |
über 5′00˝ |
| |
|
|
|
|
M19-Reihe (Erfindung)
mit pH= 1,6 (H2SO4) |
| 5a |
5 g/l |
■■ |
■■■ |
1′40˝ |
| 5b |
10 g/l |
■ |
■■ |
2′00˝ |
| 5c |
20 g/l |
- |
■ |
2′10˝ |
Legende: Stärke der Braunsteinbildung
- keine
■ minimal
■■ leicht
■■■ deutlich
■■■■ stark
■■■■■ sehr stark |
1. Bleichbad für fotografische Schwarz-Weiß-Silberhalogenidmaterialien mit einem pH-Wert
von 0,4 bis 4 und Permanganat-Ionen als Bleichmittel, dadurch gekennzeichnet, daß
es kondensierte Phosphate enthält.
2. Bleichbad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es 1 bis 4 g/l Permanganat
und 5 bis 30 g/l kondensierte Phosphate enthält.
3. Bleichbad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es als Bleichmittel Kaliumpermanganat
enthält.
4. Bleichbad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß es als kondensierte Phosphate
ein Gemisch aus hochmolekularen, kettenförmigen Polyphosphaten mit einem geringen
Anteil (ca. 5 bis 10 Gew.-%) an Metaphosphat enthält.
5. Bleichbad nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Bleichbad bzw. dessen Regenerator
aus wenigstens zwei Konzentraten A und B angesetzt wird.
6. Bleichbad nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Konzentrat A Permanganat-Ionen
und kondensierte Phosphate enthält und auf einen pH-Wert ≥6 eingestellt ist.
7. Bleichbad nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Konzentrat B Schwefelsäure
oder Hydrogensulfat in einer Menge enthält, um den pH-Wert des Bleichbades auf 0,4
bis 4 einzustellen.