Stand der Technik
[0001] Die Erfindung geht aus von einem vorgesteuerten pneumatischen Wegeventil entsprechend
der Gattung des Anspruchs 1. Derartige Wegeventile sind seit langem bekannt; beispielhaft
sei diesbezüglich auf die Druckschrift "Bosch Pneumatik-Informationen, Grundlagen
und Funktionsbeschreibung", Ausgabe 9/77, Seite 46 verwiesen. Darin ist ein Wegeventil
mit fünf Anschlüssen offenbart, das von einer elektromagnetischen Vorsteuereinrichtung
in zwei Schaltstellungen umschaltbar ist. Beide Schaltstellungen unterscheiden sich
in den bestehenden Druckmittelverbindungen zwischen den Anschlüssen voneinander. Eine
Umschaltung zwischen den beiden Schaltstellungen erfolgt durch die Vorsteuereinrichtung,
die hierzu ein Stellglied des Wegeventils mit Druckmittel be- bzw. entlastet. Hierzu
läßt sich sowohl das vom Regelventil selbst gesteuerte Druckmittel (Eigensteuerung)
als auch ein von einem externen Druckerzeuger bereitgestelltes Druckmittel (Fremdsteuerung)
verwenden. Vorsteuereinrichtungen, die beide Steuervarianten ermöglichen, weisen dazu
getrennte Steuerdruckanschlüsse auf, die entsprechend der gewünschten Druckmittelversorgung
zu kontaktieren sind. Einer dieser Anschlüsse wird dabei nicht benötigt und muß zur
Vermeidung einer Druckmittelleckage verschlossen werden. Um den Aufwand hierfür aus
Kostengründen möglichst gering zu halten, wurden Dichtungen entwickelt, die abhängig
von der gewählten Druckmittelversorgung in um 180° zueinander verdrehten Einbaupositionen
einbaubar sind. Allerdings kann es dabei zu Montagefehlern kommen, die lediglich mit
Hilfe einer aufwendigen Lageerkennung bei der Aggregatemontage vermeidbar sind. Wegeventile
mit falsch montierten Dichtungen sind ohne Funktion.
[0002] Selbstverständlich wäre eine Fehlervermeidung auch durch den Einsatz unterschiedlicher
Dichtungen für beide Steuervarianten möglich, dies erhöht jedoch die Teilevielfalt
und damit die Teilekosten. Gleiches gilt, wenn anstatt von verschiedenen Dichtungsvarianten
verschiedene Gehäusevarianten für fremd- oder eigenversorgte Wegeventile vorgesehen
würden.
Vorteile der Erfindung
[0003] Demgegenüber weist ein vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 den Vorteil auf, daß derartige Montagefehler zukünftig nicht
mehr auftreten können. Hierfür werden erfindungsgemäß Wechselventile vorgeschlagen,
die unter der Voraussetzung, daß der externe Steuerdruck stets höher als der Systemdruck
ist, unabhängig von ihrer Einbaulage selbsttätig den externen Steuerdruck führenden
Vorsteuerkanal verschließen, wenn dieser nicht angeschlossen ist und die dabei gleichzeitig
eine Druckmittelverbindung zwischen dem Systemdruck führenden Vorsteuerkanal und der
Vorsteuereinrichtung des Wegeventils freigeben. Im umgekehrten Fall, d.h. wenn eine
Fremddruckversorgung vorgesehen ist, öffnen diese Wechselventile aufgrund des höheren
Druckniveaus des externen Steuerdrucks ebenfalls selbsttätig den externen Vorsteuerkanal,
verschließen gleichzeitig den Systemdruck führenden Vorsteuerkanal und geben gleichzeitig
eine Druckmittelverbindung zur Vorsteuereinrichtung des Wegeventils frei. Eine Einflußnahme
von außen auf das Wechselventil ist dazu nicht erforderlich; die beschriebene Funktion
erfüllt das Wechselventil unabhängig von seiner Einbaulage.
[0004] Diese Wechselventile sind kostenneutral realisierbar und erfordern kein zusätzliches
Bauvolumen; eine aufwendige Lageerkennung bei der Aggregatemontage kann entfallen.
[0005] Weitere Vorteile oder vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung ergeben sich aus
den Unteransprüchen und der Beschreibung. Diesbezüglich anzumerken ist, daß die erfindungsgemäßen
Wechselventile gemäß Anspruch 2 integraler Bestandteil eines bereits vorhandenen Bauteils
sind und sowohl bei Einzelventilen als auch bei gemeinsam gesteuerten Ventilträgersystemen
einsetzbar sind.
Zeichnung
[0006] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und in der
nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. In der Figur 1 ist das erfindungsgemäße
Wegeventil anhand von Schaltsymbolen vereinfacht dargestellt, die Figur 2 zeigt in
einer Detailansicht das erfindungsgemäße Wechselventil im Querschnitt.
Beschreibung des Ausführungsbeispiels
[0007] In Figur 1 ist exemplarisch ein vorgesteuertes Wegeventil 10 in 5/2-Bauweise als
Schaltsymbol dargestellt. Demnach weist das Wegeventil 10 fünf Anschlüsse auf, wobei
mit 12 der Zulaufanschluß, mit 14 und 16 die Rücklaufanschlüsse und mit 18 und 20
die Arbeitsanschlüsse des Wegeventils 10 bezeichnet sind. Letztere sind durch Umschalten
des Wegeventils 10 wechselweise mit dem Zulaufanschluß 12 oder einem der Rücklaufanschlüsse
14, 16 verbindbar, was anhand der eingezeichneten Strömungspfeile verdeutlicht ist.
Eine Umschaltung des Wegeventils 10 erfolgt mit Hilfe einer Vorsteuereinrichtung 22,
die exemplarisch stirnseitig an das Gehäuse 24 des Wegeventils 10 angeflanscht ist.
Die Vorsteuereinrichtung 22 umfaßt eine von außen ansteuerbare, elektromagnetische
Betätigungseinheit 26, die einen Steuerdruckanschluß 28 und damit eine nicht erkennbare
Druckmittelverbindung zum Wegeventil 10 freigibt bzw. verschließt.
[0008] Als Steuerdruck kann zwischen dem Systemdruck und einem extern erzeugten Druck gewählt
werden, wobei das Druckniveau des externen Steuerdrucks stets höher ist als das des
Systemdrucks. Um eine Wahl des Steuerdrucks zu ermöglichen ist das Wegeventil 10 mit
einem Wechselventil 30 ausgestattet, in das externen Steuerdruck führende bzw. Systemdruck
führende Vorsteuerkanäle 32, 34 einmünden. Gesteuert von einem Schließglied 36 wird
einer dieser Vorsteuerkanäle 32, 34 über einen steuerkanal 38 mit der Vorsteuereinrichtung
22 verbunden. Dieses Schließglied 36 verschließt dabei jeweils den nicht benötigten
Vorsteuerkanal 32, 34 und öffnet gleichzeitig eine Druckmittelverbindung von dem den
Steuerdruck führenden Vorsteuerkanal 32, 34 zum Steuerkanal 38. Der das Wegeventil
10, die Vorsteuereinrichtung 22 und das Wechselventil 30 umschließende und strichpunktiert
gezeichnete Rahmen deutet ein Gehäuse 40 an, in das die beschriebenen Baugruppen eingebaut
sind.
[0009] Eine konstruktive Ausführungsvariante für das der Erfindung zugrundeliegende Wechselventil
30 ist in Figur 2 dargestellt. Diese zeigt einen Detailschnitt durch das Gehäuse 40.
Der Schnittverlauf erfolgt in einer Ebene, in welcher der dem externen Anschluß zugeordnete
Vorsteuerkanal 32, der vom Zulaufanschluß 12 abzweigende Vorsteuerkanal 34 und der
zur Vorsteuereinrichtung 22 führende Steuerkanal 38 in einen gemeinsamen Spalt 42
einmünden. Dabei liegt die Mündungsstelle des Vorsteuerkanals 32 der des Vorsteuerkanals
34 fluchtend gegenüber, während der Steuerkanal 38 seitlich parallel versetzt dazu,
auf der den Vorsteuerkanal 34 aufweisenden Seite des Spalts 42 angeordnet ist.
[0010] Zur Abdichtung des Spalts 42 nach außen ist in diesem ein Dichtungselement 44 aus
einer in sich geschlossenen Formdichtung 46 und einer sich in dem Innenbereich dieser
Formdichtung 46 hinein erstreckenden Zunge 48 eingelegt. Die Zunge 48 ist im Querschnitt
kleiner als die Formdichtung 46 ausgeführt und kann innerhalb des Spalts 42 eine Schaltbewegung
ausführen. Ein Ende der Zunge 48 ist dazu einteilig und gelenkig an die Formdichtung
46 angebunden, während das gegenüberliegende zweite Ende im Ausführungsbeispiel frei
ist, d.h. keine Verbindung mit der Formdichtung 46 hat. Dieses freie Ende der Zunge
48 erstreckt sich in den Bereich der Mündungsstellen der Vorsteuerkanäle 32, 34 hinein
und ist auf seiner der Mündung der vorsteuerkanäle 32, 34 zugewandten Ober- und Unterseite
mit jeweils einem umlaufenden Dichtwulst 50 versehen. Die Mündungsstellen der Vorsteuerkanäle
32, 34 haben einen kleineren Durchmesser als die Dichtwulste 50, so daß letztere einen
der Vorsteuerkanäle 32, 34 bei anliegender Zunge 48 zuverlässig verschließen können.
[0011] Im Bereich des an die Formdichtung 46 angebundenen Endes ist die Zunge 48 ferner
mit einer Übertrittsöffnung 52 versehen, die im wesentlichen fluchtend zur Mündung
des Steuerkanals 38 liegt. Diese Ausbildung des Dichtungselements 44 erklärt sich
im Rahmen der nachfolgenden Funktionsbeschreibung.
[0012] Erfolgt die Druckmittelversorgung der Vorsteuereinrichtung 22 über den Systemdruck
des Wegeventils 10, dann strömt Druckmittel durch den Vorsteuerkanal 34 in das Wechselventil
30 ein. Dadurch wird die Zunge 48 gegen die Mündung des gegenüberliegenden, nicht
hydraulisch angeschlossenen Vorsteuerkanals 32 gedrückt und dichtet diesen ab. Gleichzeitig
strömt das Druckmittel entlang der Zunge 48 zum Steuerkanal 38. In dieser ersten Schaltstellung
des Wechselventils 30 ist die Übertrittsöffnung 52 somit ohne Funktion.
[0013] Dies ändert sich, sobald die Steuerdruckversorgung über einen externen Druckerzeuger
erfolgt, der an den Vorsteuerkanal 32 angeschlossen ist. Das nun zuströmende Druckmittel
drückt die Zunge 48 aufgrund des höheren Druckniveaus des externen Steuerdrucks gegenüber
dem Systemdruck gegen den unverändert Systemdruck führenden Vorsteuerkanal 34 und
dichtet diesen ab. Entlang der Zunge 48 strömt das Druckmittel nun durch die Übertrittsöffnung
52 hindurch zum Steuerkanal 38.
[0014] Diese Ausführungen belegen, daß es bei der Montage eines derartigen Wegeventils 10
unrelevant ist, welche Art der Steuerdruckversorgung beim Endkunden vorgesehen ist.
Das Wechselventil 30 schaltet selbsttätig die richtige Strömungsrichtung frei und
sperrt parallel dazu die andere Strömungsrichtung ab. Funktionsstörungen durch falsch
eingelegte Dichtungselemente 44 sind somit ausgeschlossen.
[0015] Eine aufwendige Lageerkennung bei der Montage der Dichtungselemente ist daher überflüssig.
Das erfindungsgemäße Wegeventil 10 kommt für beide Arten der Steuerdruckversorgung
mit einem einheitlichen Dichtungselement 44 aus, das zudem kostenneutral herzustellen
ist und kein zusätzliches Bauvolumen benötigt.
[0016] Selbstverständlich sind Änderungen und Ergänzungen am beschriebenen Ausführungsbeispiel
möglich, ohne vom Grundgedanken der Erfindung abzuweichen. So ist es beispielsweise
möglich, anstatt der einseitig an der Formdichtung 46 angebundenen Zunge 48 eine umlaufend
angebundene flexible Membran vorzusehen. Dadurch könnte die Montage des Dichtungselements
44 weiter verbessert werden, da nun auch er unwahrscheinliche Fall einer geknickt
montierten Zunge 48 vermieden werden kann. Das Wechselventil 30 läßt sich sowohl bei
Einzelventilen, wie auch in Ventilträgersystemen einsetzen. Außerdem kann das Dichtungselement
44 mit einer eine Vorspannung für die Zunge 48 erzeugenden Federelement oder mit einem
eine Vorzugslage der Zunge 48 bestimmenden Bauteil versehen sein. Dieses Bauteil kann
in das Dichtungselement 44 eingebettet sein.
1. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil (10) mit einem Anschlüsse (12 - 20) aufweisenden
Gehäuse (40), in dem ein in wenigstens zwei Schaltstellungen verbringbares Steuermittel
Druckmittelverbindungen zwischen diesen Anschlüssen (12 - 20) steuert und mit einer
das Steuermittel beaufschlagenden Vorsteuereinrichtung (22), die wahlweise mit Fremd-
oder mit Systemdruck ansteuerbar ist, dadurch gekennzeichnet, daß das Wegeventil (10) mit einem Wechselventil (30) zusammenwirkt, das Druckmittelverbindungen
zwischen wenigstens zwei Vorsteuerkanälen (32, 34) und einem zur Vorsteuereinrichtung
(22) führenden Steuerkanal (38) mit Hilfe einer Schließeinrichtung (36) schaltet und
daß die Schließeinrichtung (36) selbsttätig und unabhängig von ihrer Einbaulage und
der Art der Druckmittelversorgung den Steuerdruck führenden Vorsteuerkanal (32, 34)
mit dem Steuerkanal (38) verbindet und gleichzeitig den zur Steuerdruckführung nicht
benötigten Vorsteuerkanal (32, 34) verschließt.
2. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, das
Wechselventil (30) in das Gehäuse (40) des Wegeventils (10) eingebaut ist.
3. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch
gekennzeichnet, daß das Wechselventil (30) integraler Bestandteil eines Dichtelements
(44) zwischen der Vorsteuereinrichtung (22) und dem Wegeventil (10) ist.
4. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, daß die Schließeinrichtung (36) eine in ihrer Außenkontur geschlossene
Formdichtung (46) mit einem in ihrem Inneren angeordneten Schließelement (48) ist.
5. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
das Schließelement (48) eine gelenkig an einem Abschnitt der Formdichtung (46) angeformte
und vom Steuerdruck beaufschlagte Zunge (48) ist.
6. vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß das Schließelement (48) im Bereich seiner Anbindung an die Formdichtung
(46) mit wenigstens einer Übertrittsöffnung (52) versehen ist.
7. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch
gekennzeichnet, daß die Formdichtung (46) des Dichtungselements (44) die Vorsteuerkanäle
(32, 34) und den zur Vorsteuereinrichtung (22) führenden Steuerkanal (38) nach außen
abdichtet.
8. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch
gekennzeichnet, daß sich die Vorsteuerkanäle (32, 34) fluchtend gegenüberliegen und
daß der Steuerkanal (38) seitlich versetzt zu diesen Vorsteuerkanälen (32, 34) verläuft.
9. Vorgesteuertes pneumatisches wegeventil nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch
gekennzeichnet, daß das Schließelement (48) in den Mündungsbereich der beiden Vorsteuerkanäle
(32, 34) hinein ragt und mit wenigstens einer Dichtkontur (50) zur Abdichtung der
Mündungsquerschnitte versehen ist.
10. Vorgesteuertes pneumatisches Wegeventil nach einem der Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet,
daß die Zunge (48) zentrisch an den Querschnitt der Formdichtung 46 angeformt ist.