[0001] Die Erfindung betrifft ein implantierbares Gerät zum Behandeln eines Tinnitus, mit
einer elektronischen Signalerzeugungseinheit und einer Energiequlle zur energetischen
Versorgung des Gerätes.
[0002] Viele Menschen leiden unter zeitweise auftretenden oder permanenten Ohrgeräuschen
(Tinnitus), die operativ nicht behebbar sind und gegen die bis heute keine zugelassenen
medikamentösen Behandlungsformen vorliegen. Es sind jedoch sogenannte Tinnitus-Maskierer
bekannt (WO-A-90/07251). Dies sind kleine, batteriebetriebene Geräte, die ähnlich
einem Hörgerät hinter oder im Ohr getragen werden und durch artifizielle Schalle,
die zum Beispiel über einen Hörgeräte-Lautsprecher in den Gehörgang abgestrahlt werden,
den Tinnitus auf psychoakustisch wirkende Weise verdecken ("maskieren") und das störende
Ohrgeräusch so möglichst unter die Wahrnehmungsschwelle absenken. Die artifiziellen
Schalle sind häufig Schmalbandgeräusche (z.B. Terzrauschen), die in ihrer spektralen
Lage und ihrem Lautstärkepegel über ein Programmiergerät einstellbar sind, um eine
möglichst optimale Anpassung an die individuelle Ohrgeräuschsituation zu ermöglichen.
[0003] Darüberhinaus existiert seit kurzem die sog. "Retraining-Methode", gemäß der durch
Kombination eines mentalen Trainingsprogrammes und die Darbietung eines breitbandigen
Schalles (Rauschen) nahe der Ruhehörschwelle die Wahrnehmbarkeit des Tinnitus ebenfalls
weitgehend unterdrückt werden soll (Zeitschrift

Hörakustik" 2/97, Seiten 26 und 27).
[0004] Bei beiden oben genannten Methoden sind hörgeräteähnliche, technische Geräte außen
am Körper im Ohrbereich sichtbar mitzuführen, die den Träger stigmatisieren und daher
nicht gerne getragen werden.
[0005] Weiterhin existieren heute teil- und vollimplantierbare Hörgeräte zur Rehabilitation
eines Innenohrschadens (EP-A-0 499 940, EP-A-0 831 674, US-A-5 279 292, US-A-5 498
226, US-A-5 624 376, US-A-5 795 287). Insbesondere bei vollimplantierbaren Systemen
entfällt die Sichtbarkeit des Systems, so daß neben den Vorteilen der hohen Klangqualität
und des offenen Gehörgangs von einer hohen Akzeptanz ausgegangen werden kann.
[0006] In US-A-5 795 287 wird ein implantierbarer Tinnitusmaskierer mit "Direktantrieb"
("direct drive") des Mittelohres z.B. über einen an die Ossikelkette angekoppelten
elektromechanischen Wandler beschrieben. Dieser direkt gekoppelte Wandler kann vorzugsweise
ein sogenannter "Floating Mass Transducer" (FMT) sein. Dieser FMT entspricht dem Wandler
für implantierbare Hörgeräte, der in der US-A-5 624 376 beschrieben ist. In US-A-5
795 287 wird insbesondere der Begriff "direct drive" eindeutig beschrieben: hierunter
sind explizit nur die Ankopplungsarten an das Innenohr zum Zweck der Tinnitusmaskierung
zu verstehen, die mechanischen Charakter haben, also direkte mechanische Wandlerankopplungen
an ein Ossikel des Mittelohres wie z.B. durch den FMT-Wandler sowie auch luftspaltgekoppelte
elektromagnetische Wandler wie z.B. von Maniglia in der US-A-5 015 225 beschrieben.
[0007] Diese elektromechanischen Ankopplungsarten weisen alle den prinzipiellen und gravierenden
Nachteil auf, daß der operative Eingriff zur Implantation des gesamten Maskersystems
oder auch nur des elektromechanischen Wandlers grundsätzlich mechanische Manipulationen
an der Ossikelkette des Mittelohres oder direkt am Eingangsbereich des Innenohres
(ovales oder rundes Fenster) erfordern und damit ein nicht unerhebliches Risiko einer
Innenohrschädigung beinhalten. Weiterhin kann zum Beispiel die notwendige operative
Eröffnung eines ausreichend großen Zugangs zum Mittelohr vom Mastoid aus, beispielsweise
im Bereich des Chorda-Facialis-Winkels (med.: "dorsale Tympanotomie"), wie es bei
der Applikation des FMT erforderlich ist, auch das gravierende Risiko einer Facialis-Verletzung
und der damit einhergehenden teilweisen Gesichtslähmung beinhalten. Ferner ist nicht
immer sicherzustellen, daß die mechanische Ankopplung langzeitstabilen Charakter hat
oder sich nicht auch weitere klinische Schädigungen ergeben können wie z.B. Drucknekrosen
im Bereich der Mittelohrossikel.
[0008] Die oben genannten Nachteile werden erfindungsgemäß dadurch gemindert oder völlig
umgangen, daß bei einem implantierbaren Gerät zum Behandeln eines Tinnitus, das mit
einer elektronischen Signalerzeugungseinheit und einer Batterie zur energetischen
Versorgung versehen ist, als schallabgebender Ausgangswandler ein hermetisch gasdichter,
biokompatibel aufgebauter und implantierbarer elektroakustischer Wandler vorgesehen
ist, der so ausgebildet ist, daß er nach mindestens teilweiser Mastoidektomie in der
Mastoidhöhle derart positionierbar ist, daß der von dem elektroakustischen Wandler
abgestrahlte Schall über den natürlichen Zugang des aditus ad antrum vom Mastoid zur
Paukenhöhle in den Mittelohrbereich gelangt. Dieser Schall versetzt dort das Trommelfell
in mechanische Schwingung, die über die mechanische Fortleitung durch die Mittelohr-Ossikelkette
zum Innenohr gelangt oder über direkte akustische Anregung des ovalen oder runden
Fensters des Innenohres einen Höreindruck hervorruft und so den gewünschten Maskierer-oder
Noisereffekt bewirkt. Im Falle des erfindungsgemäßen Gerätes arbeitet der implantierbare
Ausgangswandler also nicht elektromechanisch sondern elektroakustisch.
[0009] In weiterer Ausgestaltung der Erfindung weist der elektroakustische Wandler ein allseitig
hermetisch gasdichtes, vorzugsweise metallisches Gehäuse auf, dessen eine Wandung
als biegefähige, vorzugsweise kreisförmige Membran ausgeführt ist und in dem eine
elektromechanische Antriebseinheit untergebracht ist, wobei die Antriebseinheit mit
der Gehäusemembran derart gekoppelt ist, daß ausgangsseitige mechanische Schwingungen
der Antriebseinheit von innen an die Gehäusemembran mechanisch direkt angekoppelt
sind und dadurch die Membran zu Biegeschwingungen angeregt wird, die eine Schallabstrahlung
außerhalb des Wandlergehäuses bewirken. Dabei kann die innenseitige, elektromechanische
Antriebseinheit auf allen bekannten Wandlerprinzipien beruhen, wie insbesondere piezoelektrisch,
dielektrisch, elektromagnetisch, elektrodynamisch und magnetostriktiv.
[0010] Das Wandlergehäuse ist vorzugsweise zylinderförmig, insbesondere kreiszylindrisch,
gestaltet, und es weist zweckmäßig ein einseitig offenes Wandlergehäuseteil auf, dessen
offene Seite von der Wandlermembran hermetisch gasdicht verschlossen ist.
[0011] Das Wandlergehäuseteil und/oder die Wandlermembran können zweckmäßig aus einem nichtkorrosiven,
rostfreien Metall, insbesondere Edelstahl, oder aus einem nichtkorrosiven, rostfreien
und besonders körperverträglichen Metall, insbesondere Titan, Platin, Niob, Tantal
oder deren Legierungen, gefertigt sein.
[0012] Jedenfalls dann, wenn im implantierten Zustand der elektroakustische Wandler getrennt
von der elektronischen Signalerzeugungseinheit montiert wird, ist vorzugsweise das
Wandlergehäuseteil mit einer mindestens einpoligen, hermetisch gasdichten elektrischen
Gehäusedurchführung versehen, wobei zweckmäßig das Massepotential auf dem Wandlergehäuseteil
liegt. Die Gehäusedurchführung kann vorteilhaft auf gasdicht verlöteten Metall-Keramik-Verbindungen
basieren und als Isolator eine Aluminium-Oxid-Keramik sowie als elektrischen Durchführungsleiter
mindestens einen Platin-Iridium-Draht aufweisen.
[0013] Als elektromechanische Antriebseinheit ist vorzugsweise eine piezo-elektrische Keramikscheibe
vorgesehen, die insbesondere kreisförmig ausgebildet sein kann und die auf die Innenseite
der Wandlermembran als elektromechanisch aktives Element aufgebracht ist und zusammen
mit der Wandlermembran ein elektromechanisch aktives Heteromorph-Verbundelement darstellt.
Dabei wird wie bei einem Bimorphelement der piezoelektrische Quereffekt genutzt, nur
besteht der Partner des Verbundes hier nicht aus einem zweiten piezoelektrisch aktiven
Element, sondern aus der passiven Wandlermembran ähnlicher Geometrie wie das Piezoelement.
Die piezoelektrische Keramikscheibe kann beidseitig mit einer sehr dünnen, als Elektrodenfläche
dienenden, elektrisch leitfähigen Beschichtung versehen sein und insbesondere aus
Blei-Zirkonat-Titanat bestehen. Wird ein elektrisches Feld an die piezoelektrische
Keramikscheibe gelegt, verändert die Scheibe aufgrund des transversalen Piezoeffektes
ihre Geometrie vorzugsweise in radialer Richtung. Da eine Ausdehnung beziehungsweise
radiale Verkürzung jedoch durch den mechanisch festen Verbund mit der passiven Wandlermembran
verhindert wird, ergibt sich eine Durchbiegung des Verbundelementes, die bei entsprechender
Randlagerung der Membran in der Mitte maximal ist.
[0014] Die Dicke der Wandlermembran und die Dicke der piezoelektrischen Keramikscheibe sind
zweckmäßig annähernd gleich groß und liegen im Bereich von 0,025 mm bis 0,15 mm. Ein
besonders einfacher und zuverlässiger Aufbau wird dabei erhalten, wenn sowohl die
Wandlermembran als auch das Wandlergehäuseteil elektrisch leitend sind, die piezoelektrische
Keramikscheibe mit der Wandlermembran durch eine elektrisch leitfähige Verklebung
elektrisch leitend verbunden ist, und das Wandlergehäuseteil einen von mindestens
zwei elektrischen Wandleranschlüssen bildet. Der Radius der Wandler-membran ist vorteilhaft
um den Faktor 1,2 bis 2,0, vorzugsweise einen Faktor von etwa 1,4, größer ist als
der Radius der piezoelektrischen Keramikscheibe.
[0015] Entsprechend einer abgewandelten Ausführungsform der Erfindung ist die elektromechanische
Antriebseinheit als Elektromagnetanordnung ausgebildet, die ein mit Bezug auf des
Wandlergehäuse fixiertes Bauteil sowie ein schwingfähiges Bauteil aufweist, das mit
der Innenseite der Wandlermembran gekoppelt ist. Durch Nutzung des elektromagnetischen
Wandlerprinzips kann ein auch für niedrige Frequenzen des Hörbereichs besonders günstiger
Frequenzgang des elektroakustischen Wandlers erreicht werden, so daß ein adäquater
Höreindruck bei ausreichendem Lautstärkepegel bereits mit geringen elektrischen Spannungen
ermöglicht wird.
[0016] Das schwingfähige Bauteil der Elektromagnetanordnung ist vorzugsweise im wesentlichen
im Zentrum der Wandlermembran befestigt. Insbesondere kann mit der Innenseite der
Wandlermembran ein das schwingfähige Bauteil bildender Permanentmagnet verbunden sein,
während eine elektromagnetische Spule in dem Wandlergehäuse fest angebracht ist, um
den Permanentmagneten in Schwingungen zu versetzen. Der Permanentmagnet kann zweckmäßig
als Magnetstift ausgebildet sein, und die Spule kann eine Ringspule mit einer Mittelöffnung
sein, in welche der Magnetstift eintaucht. Auf diese Weise wird eine Wandleranordnung
mit besonders kleiner bewegter Masse erhalten, die Änderungen des an die Magnetspule
angelegten elektrischen Signals rasch und getreu folgen kann. Grundsätzlich ist es
aber auch möglich, die Magnetspule an der schwingfähigen Membran zu befestigen und
den Magneten mit Bezug auf das Wandlergehäuse zu fixieren.
[0017] Unabhängig von dem im Einzelfall vorgesehenen Wandlerprinzip ist vorzugsweise durch
Wahl der mechanischen Eigenschaften der Wandlermembran und der Wandler/Antriebseinheit
das diese Bauteile umfassende schwingfähige System so abgestimmt, daß die erste mechanische
Resonanzfrequenz des gesamten Wandlers spektral am oberen Ende des Übertragungsbereiches
liegt. Vorzugsweise ist die Wandler/Antriebseinheit elektrisch so angesteuert, daß
die Auslenkung der Wandlermembran bis zur ersten Resonanzfrequenz frequenzunabhängig
eingeprägt ist.
[0018] Die Signalerzeugungseinheit des erfindungsgemäßen Gerät ist vorzugsweise einstellbar
oder programmierbar.
[0019] Enstsprechend einer Weiterbildung der Erfindung ist der elektroakustische Wandler
in einem implantierbaren Positionier- und Fixiersystem gehaltert und mittels dieses
Systems auf den aditus ad antrum ausrichtbar.
[0020] Das Gerät kann als teilimplantierbares Gerät ausgebildet sein, bei dem das Implantat
den elektroakustischen Wandler und eine zugeordnete Signalempfangs- und Treiberschaltung
aufweist, und bei dem die nichtimplantierbare Geräteeinheit die Signalerzeugungseinheit
und die elektrische Energieversorgung beinhaltet.
[0021] Vorzugsweise ist das Gerät aber als vollimplantierbares Gerät ausgebildet. Dabei
kann die Signalerzeugungseinheit zusammen mit der elektrischen Energieversorgung,
aber getrennt von dem elektroakustischen Wandler, in einem implantierbaren, hermetisch
dicht verschlossenen Implantatgehäuse untergebracht und über eine implantierbare elektrische
Wandlerzuleitung mit dem elektroakustischen Wandler verbunden sein, wobei zweckmäßig
die Wandlerzuleitung an das Implantatgehäuse über eine lösbare Steckverbindung angeschlossen
ist. Der elektroakustische Wandler kann aber auch in ein die Signalerzeugungseinheit
und die elektrische Energieversorgung aufnehmendes implantierbars, hermetisch dicht
verschlossenes Implantatgehäuse integriert sein.
[0022] Bei der letztgenannten Ausführungsform kann ein Teilbereich des hermetisch dichten
Implantatgehäuses, der im implantierten Zustand über dem Bereich des aditus ad antrum
zu liegen kommt, als Wandlermembran ausgebildet sein, wobei das Implantatgehäuse geometrisch
so gestaltet ist, daß es über der artifiziellen Mastoidhöhle positioniert und fixiert
werden kann, und wobei vorzugsweise an dem Implantatgehäuse im Bereich der Wandlermembran
ein Schalleitelement angebracht ist, dessen von der Wandlermembran abliegende Seite
im implantierten Zustand gegenüber dem aditus ad antrum zu liegen kommt.
[0023] Gegebenenfalls kann das Implantatgehäuse auch so klein gehalten sein, daß es in der
artifiziellen Mastoidhöhle Platz findet.
[0024] Die implantatinterne elektronische Einheit ist vorzugsweise versehen mit mindestens
zwei Signalgeneratoren, die bezüglich Frequenzlage, gegenseitiger Phasenlage, Ausgangspegel
und/oder spektraler Zusammensetzung der erzeugten Signale einstellbar und mittels
eines Mikroprozessors programmierbar sind, und mit einem Summierglied zum Zusammenfassen
der Signale der Signalgeneratoren. Dabei können vorteilhaft eine implantierbare Empfangsspule
zum transkutanen Empfang von Programmdaten für den Mikroprozessor und eine Datentransmitterschnittstelle
zum Übertragen der empfangenen Programmdaten von der Empfangsspule zu dem Mikroprozessor
vorgesehen sein.
[0025] Entsprechend einer abgewandelten Ausführungsform der Erfindung weist das Gerät einen
zur Signalerzeugung genutzten Mikroprozessor, eine implantierbare Empfangsspule zum
transkutanen Empfang von Programmdaten für den Mikroprozessor und eine Datentransmitterschnittstelle
zum Übertragen der empfangenen Programmdaten von der Empfangsspule zu dem Mikroprozessor
auf.
[0026] Dem elektroakustischen Wandler ist vorzugsweise ein Treiberverstärker vorgeschaltet,
dessen Verstärkung zweckmäßig mittels des Mikroprozessors einstellbar ist.
[0027] Die Batterie ist vorteilhaft über eine transkutane Ladestrecke wiederaufladbar.
[0028] DasGerät kann mit einer portablen, batteriebetriebenen Fernbedienungseinheit und/oder
mit einer Programmiereinheit ausgestattet sein, die einen Telemetriekopf zum transkutanen
Übermitteln von Programmierdaten an das Implantat und/oder zum transkutanen Auslesen
von Daten aus dem Implantat aufweist.
[0029] Nachfolgend sind vorteilhafte Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnungen
näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- schematisch die Anordnung des erfindungsgemäß vorgesehenen elektroakustischen Wandlers
in einer artifiziellen Mastoidhöhle nahe am aditus ad antrum;
- Fig. 2
- einen schematischen Längsschnitt, der den prinzipiellen Aufbau des elektroakustischen
Wandlers eines erfindungsgemäßen Tinnitusmaskierers oder Noisers erkennen läßt;
- Fig. 3
- einen schematischen Längsschnitt eines elektroakustischen Wandlers mit piezoelektrischer
Antriebseinheit;
- Fig. 4
- einen schematischen Längsschnitt eines elektroakustischen Wandlers mit elektromagnetischer
Antriebseinheit;
- Fig. 5
- ein Beispiel für die Mittelpunktsauslenkung der Wandlermembran des elektroakustischen
Wandlers eines erfindungsgemäßen Tinnitusmaskierers oder Noisers über der Frequenz;
- Fign. 6 bis 9
- schematisch verschiedene Ausführungsformen von erfindungsgemäßen, vollimplantierbaren
Tinnitusmaskierern oder Noisern;
- Fign. 10 und 11
- Blockschaltbilder zweier Ausführungsbeispiele der elektronischen Einheit eines vollimplantierbaren
Tinnitusmaskierers oder Noisers; und
- Fig. 12
- schematisch das Gesamtsystem eines vollimplantierbaren Tinnitusmaskierers oder Noisers.
[0030] Das Grundprinzip des Tinnitus-Behandlungsgerätes ist in Fig. 1 schematisch skizziert,
wobei dort nur der elektroakustische Wandler 15 des Gerätes dargestellt ist. Der Wandler
15 sitzt im implantierten Zustand in einer artifiziellen Mastoidhöhle 40, die über
den aditus ad antrum 41 mit der Paukenhöhle 42 in offener Verbindung steht. Von einer
dem aditus ad antrum 41 gegenüberliegend positionierten Wandlermembran 17 des Wandlers
15 werden im Betrieb des Gerätes Schallwellen 44 abgestrahlt, die in die Paukenhöhle
42 übertreten und dort das Trommelfell 35 in mechanische Schwingungen versetzen. Je
nach gegebenen, individuellen anatomischen Aspekten kann es notwendig sein, den aditus
ad antrum 41 während der Implantation nach erfolgter (Teil-)Mastoidektomie operativ
geringfügig zu erweitern, um einen sicheren Schalldurchtritt von der Mastoidhöhle
40 in die Paukenhöhle 42 zu gewährleisten. Mechanische Schwingungen gelangen über
die mechanische Fortleitung durch die Mittelohr-Ossikelkette 46 zum Innenohr oder
rufen über direkte akustische Anregung des ovalen oder runden Fensters des Innenohres
einen Höreindruck hervor. Auf diese Weise wird der gewünschte Maskierer- oder Noisereffekt
bewirkt. In Fig. 1 ist der äußere Gehörgang mit 48 bezeichnet.
[0031] Im folgenden wird unter Begriff "Implantatsystem" ein implantierbares System verstanden,
das als Tinnitus-Maskierer oder in der Funktion eines "Noisers" wirken kann.
[0032] Das Implantatsystem umfasst neben dem elektroakustischen Ausgangswandler 15, der
grundsätzlich implantiert wird, eine elektronische Einheit 105 zur Erzeugung der Masker-
bzw. Noisersignale, die drahtgebunden oder drahtlos programmiert bzw. vom Patienten
selbst eingestellt werden kann, sowie eine elektrische Energieversorgung 140, die
aus einer Primärbatterie bzw. einem nachladbaren Akkumulator bestehen kann. Grundsätzlich
besteht die Möglichkeit, ein teil- oder vollimplantierbares Implantatsystem zu realisieren,
wobei bei einem Teilimplantat z.B. nur der elektroakustische Wandler 15 mit einer
entsprechenden Signalempfangs- und Treiberschaltung implantiert wird und die signalerzeugende
Einheit 105 einschließlich elektrischer Energieversorgung 140 wie einem teilimplantierbaren
Hörgerät außen am Körper getragen wird und das Wandlersignal z.B. über eine induktive
Spulenkopplung zum implantierten Teil übertragen wird. Ein teilimplantierbares System
ist zum Beispiel in der US-Patentschrift 5 795 287 beschrieben. Im folgenden werden
daher nur vollimplantierbare Implantatsysteme näher beschrieben und erläutert.
[0033] In Fig. 2 ist der prinzipielle Aufbau des elektroakustischen Wandlers 15 schematisch
dargestellt. Prinzipiell weist der Wandler 15 ein allseitig geschlossenes Gehäuse
14 auf, das vorzugsweise zylindrisch, insbesondere kreiszylindrisch, ausgestaltet
ist. Alle Wandungen des Wandlergehäuses 14 sind mechanisch steif gestaltet bis auf
die Membran 17, welche die offene Seite eines einseitig offenen Gehäuseteils 13 hermetisch
gasdicht verschließt. Die Membran 17 ist mittels eines mechanisch steifen Verbindungselementes
18 mit einer Antriebseinheit 19 verbunden. Die Antriebseinheit 19 stellt den eigentlichen
elektromechanischen Wandler dar, der über das Verbindungselement 18 die Membran 17
zu dynamischen Biegeschwingungen anregt, die zu einer Schallabstrahlung auf der Außenseite
des Wandlergehäuses 14 führen. Die Zuleitung des elektrischen Signals für den elektromechanischen
Wandler erfolgt über eine hermetisch dichte Durchführung 16, die in Fig. 2 beispielhaft
mit den Anschlüssen 16a zweipolig dargestellt ist.
[0034] Eine bevorzugte Ausführungsform des Wandlers 15 ist in Fig. 3 schematisch dargestellt.
Das vorteilhaft im Querschnitt kreisförmige und metallische Gehäuseteil 13 ist einseitig
durch die ebenfalls metallische Wandlermembran 17, zum Beispiel durch eine Schweißverbindung,
hermetisch gasdicht verschlossen. Auf der Innenseite der Membran 17 sitzt eine dünne,
piezokeramische Scheibe 25, die mit der Membran 17 mittels einer elektrisch leitfähigen
Klebeverbindung in mechanisch fester Verbindung steht. Diese Piezoscheibe 25 stellt
das elektromechanische Wandlerelement und damit die Antriebseinheit 19 aus Fig. 2
dar. Das Verbindungselement 18 aus Fig. 2 ist in diesem Fall die flächige Klebeverbindung
zwischen Piezoscheibe und Membran. Über die elektrische, hermetisch dicht eingebrachte
Signaldurchführung 16 wird die Piezoscheibe 25 einerseits auf der innenliegenden Elektrodenoberfläche
kontaktiert (dargestellt durch schematischen Drahtanschluß 16c). Andererseits erfolgt
eine Kontaktierung der Piezoscheibe 25 an der außenliegenden Elektrodenoberfläche
über das metallische Wandlergehäuse 14, da dieses über die leitfähige Verklebung mit
der außenliegenden Elektrodenoberfläche der Piezoscheibe 25 elektrisch verbunden ist.
Die elektrische Verbindung einer der beiden Anschlüsse 16a mit dem metallischen Gehäuse
14 erfolgt durch ein leitfähiges Kontaktierungselement 16b.
[0035] Wird an die Anschlüsse 16a ein elektrisches Wechselsignal gelegt, erfolgt aufgrund
des transversalen piezoelektrischen Effektes eine rotationssymmetrische dynamische
Verbiegung der Membran 17 senkrecht zur Membranebene, die zu der beschriebenen Schallabstrahlung
durch die Membran 17 führt.
[0036] In Fig. 4 ist eine weitere geeignete Ausführungsform des elektroakustischen Wandlers
15 dargestellt, bei welcher die elektromechanische Antriebseinheit 19 auf dem elektromagnetischen
Prinzip beruht. Der Wandler 15 weist wiederum ein Wandlergehäuse 14 mit einem vorzugsweise
zylinderförmigen und mechanisch steifen (Gehäuseteil 13 auf, an dessen einer Stirnseite
eine vorzugsweise kreisförmige, biegbare Membran 17 hermetisch dicht aufgebracht ist.
Mit der Wandlermembran 17 ist innenseitig und mittig ein stabförmiger Permanentmagnet
30 mechanisch fest verbunden, der mit geringem Luftspalt in eine zentrische Mittelöffnung
31 einer elektromagnetischen Ringspule 22 ragt und der zusammen mit der Spule 22 die
Wandler/Antriebseinheit 19 bildet. Die Spule 32 (in Fig. 4 als Luftspule dargestellt)
ist mit dem Wandlergehäuse 14 mechanisch fest verbunden und an die Pole 16a der hermetisch
dichten Durchführung 16 elektrisch angeschlossen.
[0037] Bei Anlegen einer Wechselspannung an die Spule 32 erfährt der Magnet 30 eine dynamische
Auslenkung senkrecht zur Membranebene und versetzt die Membran 17 somit zu mechanischen
Biegeschwingungen um die Ruhelage. Dies führt zu der gewünschten Abstrahlung der Schallwellen
44 (Fig. 1) nach außen. Die magnetische Feldführung und damit der Wirkungsgrad des
Wandlers können durch Verwendung entsprechender Bauelemente innerhalb des Wandlergehäuses
14 aus geeigneten ferromagnetischen Materialien entsprechender Geometrieauslegung
optimiert sein.
[0038] In Fig. 5 ist schematisch der anzustrebende Verlauf der Mittelpunktsauslenkung x
w der Wandlermembran 17 über der Frequenz f unabhängig vom gewählten Realisierungsprinzip
der wandlerinternen Antriebseinheit 19 für den Fall dargestellt, daß die Übertragungsbandbreite
bis mindestens 5 kHz reichen sollte. Man erkennt, daß die erste mechanische Resonanzfrequenz
23 bei ca. 5 kHz liegt, also am oberen Ende des in diesem Beispiel angestrebten Bereiches.
Damit liegen auch die höheren Resonanzen 24 (Moden) außerhalb des Übertragungsbereiches.
Durch diese sogenannte Hochabstimmung ergibt sich unterhalb der ersten mechanischen
Resonanzfrequenz auch ein weitgehend frequenzunabhängiger Verlauf des abgestrahlten
Schalldrucks in der Paukenhöhle 42 entsprechend Fig. 1, vorausgesetzt, daß das Volumen,
in das der Schall abgestrahlt wird, physikalisch annähernd als eine Druckkammer betrachtet
werden kann.
[0039] In Fig. 6 ist ein vollständig implantierbares Implantatsystem unter Verwendung des
beschriebenen elektroakustischen Wandlers 15 schematisch dargestellt. Der Wandler
15 ist mit seinem Gehäuse 14 in einem implantierbaren Positionier- und Fixiersystem
38 gehaltert, wie es z.B. in EP-A-0 812 577 beschrieben ist. Dieses Positionier- und
Fixiersystem dient dazu, den Wandler 15 je nach den gegebenen individuellen anatomischen
Gegebenheit in der artifiziellen Mastoidhöhle so auszurichten und dauerhaft zu fixieren,
daß die schallabstrahlende Wandlermembran 17 möglichst nahe am aditus ad antrum 41
liegt. Das Positionier- und Fixiersystem 38 weist eine zur Knochenverankerung geeignete
Kopfplatte 70, ein an der Kopfplatte 70 angebrachtes, mit einem Hilfswerkzeug manuell
positionierbares und durch einen Klemmechanismus 71 fixierbares Kugelgelenk 72, eine
mit der Kugel 73 des Kugelgelenks 72 fest verbundene Linearantriebsanordnung 74, einen
entlang einer Führung der Linearantriebsanordnung 74 geführten Schlitten 75, der über
einen Antrieb manuell entlang der Führung frei positionierbar ist, und eine an dem
Schlitten 75 angebrachte Aufnahme 76 für das Wandlergehäuse 14 auf. Der Wandler 15
ist mittels einer implantierbaren elektrischen Zuleitung 94 an ein implantierbares,
hermetisch dicht verschlossenes Implantatgehäuse 200 über eine Signaldurchführung
198 angeschlossen.
[0040] Das Implantatgehäuse 200 ist vorteilhaft wie bei bekannten Cochlea Implantaten sowie
bei voll- und teilimplantierbaren Hörgeräten so gestaltet, daß es in einem artifiziellen
Knochenbett auf dem planum mastoideum hinter dem betreffenden Außenohr plaziert werden
kann. Das Gehäuse 200 enthält die elektronische Einheit 105 zur Signalerzeugung des
Maskierers bzw. Noisers und eine primäre oder wiederaufladbare Batterie 140 zur energetischen
Versorgung des Gesamtsystems. Vorteilhaft ist die elektrische Wandlerzuleitung 94
nicht dauerhaft mit dem Gehäuse 200 verbunden, sondern über eine in Fig. 6 nur als
Block dargestellte, lösbare Steckverbindung 95, die den entsprechenden Implantatanforderungen
bezüglich elektrischer Isolation und Dichtheit genügt. Eine geeignete Steckverbindung
ist z.B. in DE-A-196 22 669 beschrieben.
[0041] In Fig. 7 ist eine weitere Ausführungsform des Implantatsystems dargestellt, die
eine wesentliche Vereinfachung dadurch ermöglicht, daß der elektroakustische Wandler
15 direkt in das Implantatgehäuse 200 integriert ist. Dazu ist ein Teilbereich des
hermetisch dichten und biokompatiblen Implantatgehäuses 200 als vorzugsweise kreisförmige
Membran ausgebildet, welche die Wandlermembran 17 entsprechend Fig. 2 darstellt. Das
Implantatgehäuse 200 ist geometrisch so gestaltet, daß es operativ so über der artifiziellen
Mastoidhöhle 40 positioniert und fixiert werden kann, daß diese schallabstrahlende
Wandlermembran möglichst dicht über dem Bereich des aditus ad antrum 41 zu liegen
kommt. Die Schallwellen 44 werden so direkt in die Mastoidhöhle 40 eingespeist und
gelangen über den aditus ad antrum 41 in die Paukenhöhle 42. Aus konstruktiven Gründen
kann es vorteilhaft sein, den in Fig. 3 gezeigten piezoelektrischen, elektromechanischen
Wandler 15 zum Antrieb der Gehäusemembran 17 zu verwenden, da so ein einfacher Gesamtaufbau
sowie eine geringe Bauhöhe des Implantatgehäuses 200 möglich sind. Das Gehäuse 200
enthalt weiterhin die schon in Verbindung mit Fig. 6 beschriebene Signalerzeugungseinheit
105 sowie die Batterie 140.
[0042] In Fig. 8 ist eine weitere Optimierung der Ausführungsform nach Fig. 7 schematisch
dargestellt. Das Implantatgehäuse 200 ist in dem Bereich der Gehäusemembran des Wandlers
15 schalldicht mit einem schalleitenden Element 205 erweitert, das vorzugsweise die
Form eines Tubus bzw. Rohrabschnitts hat. Dieses Schalleitungselement ist so geformt,
daß seine Schallaustrittsöffnung 206 möglichst unmittelbar gegenüber dem aditus ad
antrum 41 positioniert werden kann und damit eine optimale Schalleinkopplung in die
Paukenhöhle 42 gewährleistet ist. Das Implantatgehäuse 200 enthält neben dem Wandler
15 wiederum die Signalerzeugungseinheit 105 und die Batterie 140.
[0043] Bei der Ausführungsform gemäß Fig. 9 ist das Prinzip nach Fig. 7 so optimiert, daß
das Implantatgehäuse 200 geometrisch so klein gestaltet ist, daß es unmittelbar in
der artifiziellen Mastoidhöhle 40 Platz findet und nicht auf dem planum mastoideum
positioniert werden muß. Dies hat den Vorteil, daß das Implantat postoperativ nicht
mehr tastbar ist und daß durch die örtliche Nähe zum aditus ad antrum 41 eine optimale
Schalleinkopplung in die Paukenhöhle 42 auch ohne das Schalleitungselement 205 gemäß
Fig. 8 gegeben ist.
[0044] In Fig. 10 ist ein möglicher Aufbau der implantatinternen Signalerzeugungseinheit
105 dargestellt. Ein oder mehrere Signalgeneratoren 150 (SG) erzeugen das bzw. die
Signale zur Erzielung des maskierenden Schalles oder Noisers. Die Generatoren 150
können einzelne Sinussignale, Schmalbandrauschen und sonstige geeignete Signalformen
generieren, die aufgrund psychoakustischer und audiologischer Erkenntnisse optimal
für die angestrebte Wirkung sind. Die Generatoren 150 können eine analoge oder rein
digitale Signalerzeugung beinhalten. Sie sind bezüglich Frequenzlage, Phasenlage untereinander,
Ausgangspegel und spektraler Zusammensetzung bei breitbandigen Schallen insbesondere
stochastischer Art einstellbar und werden über einen Mikroprozessor oder Mikrokontroller
130 (µC) programmiert. Die Ausgangssignale der Generatoren 150 werden in einem Summierglied
152 zusammengefasst und einem Treiberverstärker 160 zugeführt, der den elektroakustischen
Wandler 15 ansteuert. Auch der Treiberverstärker 160 kann über den Kontroller 130
zum Beispiel hinsichtlich seiner Verstärkung eingestellt werden. Der Kontroller 130
erhält seine individuellen Programmdaten über eine Datentransmitterschnittstelle 115
(DTR), die beispielsweise induktiv über eine Empfangs- und Sendespule 110 uni- oder
bidirektional durch die geschlossene Haut 100 von und zur Außenwelt übertragen werden.
Die patientenspezifischen Daten werden dabei in einem nichtflüchtigen Speicherbereich
des Kontrollers 130 langzeitstabil abgelegt. Alle beschriebenen Komponenten der Signalerzeugungseinheit
105 werden von der im Implantatgehäuse untergebrachten primären oder wiederaufladbaren,
sekundären Batterie 140 energetisch versorgt. Im Fall einer wiederaufladbaren Batterie
können transkutane Ladestrecken Anwendung finden, wie sie z.B. in DE-C-41 04 359 beschrieben
sind.
[0045] In Fig. 11 ist eine sehr einfache und daher volumenoptimierte und kostengünstige
Realisierungsvariante der Signalerzeugungseinheit 105 dargestellt. Die Maskierer-
bzw. Noisersignale werden direkt digital von dem Mikroprozessor oder Mikrokontroller
130 (µC) erzeugt, von dem Treiber 160 verstärkt und an den elektroakustischen Wandler
15 geführt. Der Treiberverstärker 160 wird in seinem Verstärkungsfaktor und/oder seiner
Übertragungsbandbreite digital von demselben Kontroller 130 eingestellt. Der Kontroller
130 ist von außen über die unidirektionale Datenempfangsschnittstelle 120 (DCR) zum
Beispiel über eine induktive Kopplung durch die geschlossene Haut 100 programmierbar.
Alle Komponenten der Signalerzeugungseinheit 105 werden von einer vorzugsweise primären
oder nachladbaren Batterie 140 energetisch versorgt.
[0046] Die in Fig. 11 vorgeschlagene Variante kommt insbesondere bei einer reinen Noiser-Funktion
in Betracht. Diese Systeme benötigen erwartungsgemäß eine relativ geringe elektrische
Betriebsenergie, da nur eine geringe Verstärkungsfunktion nötig ist und die zu erzeugenden
Ausgangspegel niedrig sind, weil das Noiser-Schallsignal nur wenig über der Ruhehörschwelle
anzusetzen ist. Daher kommt neben aufwendig nachzuladenden implantierten Akkumulatorzellen
insbesondere in diesem Anwendungsfall eine Primärbatterie zur energetisehen Versorgung
des gesamten Implantates in Betracht. Hier werden bevorzugt optimierte Lithiumbatterien
hoher Kapazität aus der Herzschrittmachertechnologie eingesetzt. Geht man von einer
verfügbaren Batteriekapazität von 2 Ah und einer kontinuierlichen Stromaufnahme des
Systems von ca. 0,1 mA aus, ergibt sich bei 16-stündigem Tagesbetrieb eine Lebensdauer
von ca. 3,5 Jahren. Diese minimierte elektronische Einheit ist daher bevorzugt mit
der Systemkonfiguration gemäß Fig. 8 oder Fig. 9 zu kombinieren, da so ein kostengünstiges
Implantat herstellbar ist und eine relativ einfache, risikominimierte Implantation
möglich ist. Nach Erreichen der Batterielebensdauer kann das Implantat einfach in
lokaler Anästhesie ausgetauscht werden.
[0047] In Fig. 12 ist ein Gesamtsystem eines implantierbaren Tinnitusmaskierers oder Noisers
unter Verwendung des elektroakustischen Wandlers 15 gemäß Fig. 6 dargestellt. Das
Wandlerpositioniersystem 38 nach Fig. 6 ist nicht eingezeichnet. Das Implantatgehäuse
200, das eine Spule 110, eine Batterie 140 und eine Signalerzeugungseinheit 105 enthält,
ist in einem artifiziellen Knochenbett hinter dem Außenohr 49 unter der geschlossenen
Haut 100 plaziert. Der Wandler 15 ist mittels der elektrischen Implantatleitung 94
an das Implantat 200 angeschlossen. Weiterhin ist eine Programmiereinheit 63 dargestellt,
die mit einem zum Beispiel induktiven Telemetriekopf 64 Programmierdaten an das Implantat
übermittelt oder Daten aus dem Implantat ausliest. Hierzu wird der Telemetriekopf
64 hinter das Außenohr 49 über das Implantat gebracht, bis ausreichende Kopplung mit
der implantatinternen Spule 110 gegeben ist, die in diesem Fall als Datentransmitter
dient. Die Batterie 140 kann eine primäre oder wiederaufladbare Batterie sein. Im
Fall einer wiederaufladbaren Batterie kann die Einheit 63 ein portables, batteriebetriebenes
transkutanes Ladegerät sein, wobei der Kopf 64 dann eine Energiesendespule darstellt
und die Implantatspule 110 eine Energieempfangsspule.
[0048] Weiterhin ist eine portable und batteriebetriebene Fernbedienungseinheit 65 dargestellt,
die in allen beschriebenen Realisierungsvarianten des Implantatsystems sinnvoll vorzusehen
ist. Mit dieser drahtlosen Fernbedienung kann der Patient Grundfunktionen des Implantatsystems
verändern und im minimalen Konfigurationsfall der Implantatauslegung nach Fig. 9 und
11 das Implantat nur Ein- und Ausschalten.
1. Implantierbares Gerät zum Behandeln eines Tinnitus, mit einer elektronischen Signalerzeugungseinheit
(105) und einer Energiequelle (140) zur energetischen Versorgung, dadurch gekennzeichnet, daß als schallabgebender Ausgangswandler ein hermetisch gasdichter, biokompatibel
aufgebauter und implantierbarer elektroakustischer Wandler (15) vorgesehen ist, der
so ausgebildet ist, daß er nach mindestens teilweiser Mastoidektomie in einer Mastoidhöhle
derart positionierbar ist, daß der von dem elektroakustischen Wandler abgestrahlte
Schall über den natürlichen Zugang des aditus ad antrum vom Mastoid zur Paukenhöhle
gelangt.
2. Gerät nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß der elektroakustische Wandler (15)
ein allseitig hermetisch gasdichtes Gehäuse (14) aufweist, dessen eine Wandung als
biegefähige Membran (17) ausgeführt ist und in dem eine elektromechanische Antriebseinheit
(19) untergebracht ist, und daß die Antriebseinheit mit der Gehäusemembran derart
gekoppelt ist, daß ausgangsseitige mechanische Schwingungen der Antriebseinheit von
innen an die Gehäusemembran mechanisch direkt angekoppelt sind und dadurch die Membran
zu Biegeschwingungen angeregt wird, die eine Schallabstrahlung außerhalb des Wandlergehäuses
bewirken.
3. Gerät nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die in dem Wandlergehäuse (14)
untergebrachte elektromechanische Antriebseinheit (19) auf dem elektromagnetischen,
elektrodynamischen, dielektrischen, piezoelektrischen oder magnetostriktiven Wandlerprinzip
basiert.
4. Gerät nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuse (14)
zylinderförmig, insbesondere kreiszylindrisch, gestaltet ist.
5. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die schallabstrahlende
Wandlermembran (17) kreisförmig ausgebildet ist.
6. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuse
(14) ein einseitig offenes Wandlergehäuseteil (13) aufweist, dessen offene Seite von
der Wandlermembran (17) hermetisch gasdicht verschlossen ist.
7. Gerät nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuseteil (13) metallisch
ausgeführt ist.
8. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandlermembran
(17) metallisch ausgeführt ist.
9. Gerät nach Ansprüchen 7 und 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuseteil
(13) und/oder die Wandlermembran (17) aus einem nichtkorrosiven, rostfreien Metall,
insbesondere Edelstahl, gefertigt sind.
10. Gerät nach Ansprüchen 7 und 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuseteil
(13) und/oder die Wandlermembran (17) aus einem nichtkorrosiven, rostfreien und besonders
körperverträglichen Metall, insbesondere Titan, Platin, Niob, Tantal oder deren Legierungen,
gefertigt sind.
11. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Wandlergehäuseteil
(13) mit einer hermetisch gasdichten elektrischen Gehäusedurchführung (16) versehen
ist.
12. Gerät nach Ansprüchen 7 und 9, dadurch gekennzeichnet, daß die Gehäusedurchführung
(16) mindestens einpolig ist und das Massepotential auf dem Wandlergehäuseteil (13)
liegt.
13. Gerät nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, daß die Gehäusedurchführung
(16) auf gasdicht verlöteten Metall-Keramik-Verbindungen basiert.
14. Gerät nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß die Gehäusedurchführung (16) als
Isolator eine Aluminium-Oxid-Keramik und als elektrischen Durchführungsleiter mindestens
einen Platin-Iridium-Draht aufweist.
15. Gerät nach einem der Ansprüche 8 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß als elektromechanische
Antriebseinheit (19) eine vorzugsweise kreisförmig ausgebildete piezoelektrische Keramikscheibe
(25) vorgesehen ist, die auf die Innenseite der Wandlermembran (17) als elektromechanisch
aktives Element aufgebracht ist und zusammen mit der Wandlermembran ein elektromechanisch
aktives Heteromorph-Verbundelement darstellt.
16. Gerät nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß die piezoelektrische Keramikscheibe
(25) aus Blei-Zirkonat-Titanat besteht.
17. Gerät nach Anspruch 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, daß die Dicke der Wandlermembran
(17) und die Dicke der piezoelektrischen Keramikscheibe (25) annähernd gleich groß
sind und im Bereich von 0,025 mm bis 0,15 mm liegen.
18. Gerät nach einem der Ansprüche 15 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl die Wandlermembran
(17) als auch das Wandlergehäuseteil (13) elektrisch leitend sind, daß die piezoelektrische
Keramikscheibe (25) mit der Wandlermembran durch eine elektrisch leitfähige Verklebung
elektrisch leitend verbunden ist, und daß das Wandlergehäuseteil einen von mindestens
zwei elektrischen Wandleranschlüssen (16a) bildet.
19. Gerät nach einem der Ansprüche 15 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß der Radius der
Wandlermembran (17) um den Faktor 1,2 bis 2,0, vorzugsweise einen Faktor von etwa
1,4, größer ist als der Radius der piezoelektrischen Keramikscheibe (25).
20. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß die elektromechanische
Antriebseinheit (19) als Elektromagnetanordnung (21, 22) ausgebildet ist, die ein
mit Bezug auf des Wandlergehäuse (14) fixiertes Bauteil (22) sowie ein schwingfähiges
Bauteil (21) aufweist, das mit der Innenseite der Wandlermembran (17) gekoppelt ist.
21. Gerät nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß das schwingfähige Bauteil (21)
im wesentlichen im Zentrum der Wandlermembran (17) befestigt ist.
22. Gerät nach Anspruch 20 oder 21, dadurch gekennzeichnet, daß mit der Innenseite der
Wandlermembran (17) ein das schwingfähige Bauteil bildender Permanentmagnet (21) verbunden
ist, und daß eine elektromagnetische Spule (22) in dem Wandlergehäuse (14) fest angebracht
ist, um den Permanentmagneten in Schwingungen zu versetzen.
23. Gerät nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, daß der Permanentmagnet (21) als Magnetstift
ausgebildet ist und die Spule (22) eine Ringspule mit einer Mittelöffnung (22a) ist,
in welche der Magnetstift eintaucht.
24. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß durch Wahl der
mechanischen Eigenschaften der Wandlermembran (17) und der Antriebseinheit (19) das
diese Bauteile umfassende schwingfähige System so abgestimmt ist, daß die erste mechanische
Resonanzfrequenz des gesamten Wandlers (15) spektral am oberen Ende des Übertragungsbereiches
liegt.
25. Gerät nach einem der Ansprüche 2 bis 24, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandler/Antriebseinheit
(19) elektrisch so angesteuert ist, daß die Auslenkung der Wandlermembran (17) bis
zur ersten Resonanzfrequenz frequenzunabhängig eingeprägt ist.
26. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Signalerzeugungseinheit
(105) einstellbar oder programmierbar ist.
27. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der elektroakustische
Wandler (15) in einem implantierbaren Positionier- und Fixiersystem (38) gehaltert
und mittels dieses Systems auf den aditus ad antrum ausrichtbar ist.
28. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß es als
teilimplantierbares Gerät ausgebildet ist, bei dem das Implantat den elektroakustischen
Wandler (15) und eine zugeordnete Signalempfangs- und Treiberschaltung aufweist, und
bei dem die nichtimplantierbare Geräteeinheit die Signalerzeugereinheit und die elektrische
Energieversorgung beinhaltet.
29. Gerät nach einem der Ansprüche 1 bis 27, dadurch gekennzeichnet, daß es als vollimplantierbares
Gerät ausgebildet ist.
30. Gerät nach Anspruch 29, dadurch gekennzeichnet, daß die Signalerzeugungseinheit (105)
zusammen mit der elektrischen Energieversorgung (140), aber getrennt von dem elektroakustischen
Wandler (15) in einem implantierbaren, hermetisch dicht verschlossenen Implantatgehäuse
(200) untergebracht und über eine implantierbare elektrische Wandlerzuleitung (94)
mit dem elektroakustischen Wandler (15) verbunden ist.
31. Gerät nach Anspruch 30, dadurch gekennzeichnet, daß die Wandlerzuleitung (94) an das
Implantatgehäuse (200) über eine lösbare Steckverbindung (95) angeschlossen ist.
32. Gerät nach Anspruch 29, dadurch gekennzeichnet, daß der elektroakustische Wandler
(15) in ein die Signalerzeugungseinheit (105) und die elektrische Energieversorgung
(140) auffnehmendes implantierbares, hermetisch dicht verschlossenes Implantatgehäuse
(200) integriert ist.
33. Gerät nach Anspruch 32, dadurch gekennzeichnet, daß ein Teilbereich des hermetisch
dichten Implantatgehäuses (200), der im implantierten Zustand über dem Bereich des
aditus ad antrum zu liegen kommt, als Wandlermembran (17) ausgebildet ist und daß
das Implantatgehäuse geometrisch so gestaltet ist, daß es über der artifiziellen Mastoidhöhle
positioniert und fixiert werden kann.
34. Gerät nach Anspruch 33, dadurch gekennzeichnet, daß an dem Implantatgehäuse (200)
im Bereich der Wandlermembran (17) ein Schalleitelement (205) angebracht ist, dessen
von der Wandlermembran (17) abliegende Seite im implantierten Zustand gegenüber dem
aditus ad antrum zu liegen kommt.
35. Gerät nach Anspruch 32 oder 33, dadurch gekennzeichnet, daß das Implantatgehäuse (200)
so klein gehalten ist, daß es in der artifiziellen Mastoidhöhle Platz findet.
36. Gerät nach einem der Ansprüche 29 bis 35, dadurch gekennzeichnet, daß die implantatinterne
Signalerzeugungseinheit (105) versehen ist mit mindestens zwei Signalgeneratoren (150),
die bezüglich Frequenzlage, gegenseitiger Phasenlage, Ausgangspegel und/oder spektraler
Zusammensetzung der erzeugten Signale einstellbar und mittels eines Mikroprozessors
(130) programmierbar sind, und mit einem Summierglied (152) zum Zusammenfassen der
Signale der Signalgeneratoren.
37. Gerät nach Anspruch 36, gekennzeichnet durch eine implantierbare Empfangsspule (110)
zum transkutanen Empfang von Programmdaten für den Mikroprozessor (130) und durch
eine Datentransmitterschnittstelle (115) zum Übertragen der empfangenen Programmdaten
von der Empfangsspule zu dem Mikroprozessor.
38. Gerät nach einem der Ansprüche 29 bis 35, gekennzeichnet durch einen zur Signalerzeugung
genutzten Mikroprozessor (130), eine implantierbare Empfangsspule (110) zum transkutanen
Empfang von Programmdaten für den Mikroprozessor und eine Datentransmitterschnittstelle
(120) zum Übertragen der empfangenen Programmdaten von der Empfangsspule zu dem Mikroprozessor.
39. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch einen dem elektroakustischen
Wandler (15) vorgeschalteten Treiberverstärker (160).
40. Gerät nach einem der Ansprüche 36 bis 38 und Anspruch 39, dadurch gekennzeichnet,
daß der Verstärkungsfaktor und/oder die Übertragungsbandbreite des Treiberverstärkers
(160) mittels des Mikroprozessors (130) einstellbar sind.
41. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß als elektrische
Energieversorgung (140) eine Batterie vorgesehen ist, die über eine transkutane Ladestrecke
(110) wiederaufladbar ist.
42. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch eine portable,
batteriebetriebene Fernbedienungseinheit (65).
43. Gerät nach einem der vorhergehenden Ansprüche, gekennzeichnet durch eine Programmiereinheit
(63) mit einem Telemetriekopf (64) zum transkutanen Übermitteln von Programmierdaten
an das Implantat und/oder zum transkutanen Auslesen von Daten aus dem Implantat.