[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren der im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen
Gattung und ein zu dessen Durchführung geeignetes Schutzrohr.
[0002] Im Zuge notwendiger Erneuerungen bzw. Sanierungen von im Erdreich verlegten Rohrleitungen,
z.B. Trinkwasserleitungen, ist es erwünscht, das Auswechseln der Rohre ohne aufwendige
Tiefbauarbeiten und ohne die Gefahr der Zerstörung von anderen im Erdreich verlegten
Leitungen wie z.B. Elektro-, Gas- oder Telefonleitungen zu bewerkstelligen. Ein bekanntes
Verfahren der eingangs bezeichneten Gattung (DD-PS 118 926, DE 37 33 463 A1) sieht
daher vor, die alte Rohrleitung jeweils zwischen zwei Baugruben durchzutrennen und
den dadurch erhaltenen Rohrabschnitt durch Ziehen oder Schieben mittels hydraulischer
Zugvorrichtungen, Pressen od. dgl. in eine der beiden Baugruben zu befördern, dort
ggf. zu zerbrechen und dann aus der Baugrube zu entfernen. Gleichzeitig oder auch
später wird in den dadurch frei werdenden Kanal ein neuer Rohrabschnitt eingezogen
oder eingepreßt. Ein Problem bei diesem Verfahren besteht darin, daß zur Entfernung
des alten Rohrabschnitts erhebliche, durch Erdreibung entstehende Reibungswiderstände
zu überwinden sind. Das gilt insbesondere dann, wenn es sich um sehr alte Leitungen
handelt, die an ihren Außenflächen bereits korrodiert und dadurch fest mit dem umliegenden
Erdreich und ggf. darin befindlichen Wurzeln von Bäumen oder Pflanzen verhaftet sind.
Als Folge davon lassen sich auf diese Weise ohne das Anlagen von Zwischenbaugruben
bzw. nur vergleichsweise kurze Rohrabschnitte mit einer Länge bis ca. 25 m entfernen.
[0003] Es ist daher auch bereits bekannt geworden, den alten Rohrabschnitt im Erdreich zu
belassen, jedoch vor dem Einbringen des neuen Rohrabschnitts durch Versprödung mit
flüssigem Stickstoff und anschließende Schlageinwirkung (DE 35 26 193 A1) oder durch
Einziehen eines Hammerwerks bzw. einer sogenannten Erdrakete (DE 36 03 238 C2) zu
zerstören. Auch eine solche Vorgehensweise ist nicht optimal, weil die im Kanal verbleibenden
scharfkantigen Scherben und Splitter des alten Rohrabschnitts den neuen Rohrabschnitt
beschädigen und zerstören könnten und daher aufwendige Maßnahmen zur Vermeidung solcher
Beschädigungen ergriffen werden müssen.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, das Verfahren der eingangs bezeichneten
Gattung dahingehend weiterzuentwickeln, daß mit vergleichsweise geringem apparativem
Aufwand auch vergleichsweise lange Rohrabschnitte aus dem Erdreich entfernt werden
können.
[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe dienen die kennzeichnenden Merkmale der Ansprüche 1 und
16.
[0006] Die Erfindung bringt den Vorteil mit sich, daß durch das Einbringen eines Schutzrohrs
die Möglichkeit gegeben ist, das uni den alten Rohrabschnitt verteilte Erdreich aufzulockern,
um dadurch entweder die beim Herausziehen dieses Rohrabschnitts auftretenden Reibungskräfte
wirksam zu reduzieren oder den alten Rohrabschnitt, ggf. nach seiner vorherigen Zerstörung,
zusammen mit dem eingebrachten Schutzrohr herauszuziehen. Auf diese Weise lassen sich
Rohrabschnitte mit einer Länge von bis zu 60 m und mehr erneuern.
[0007] Weitere vorteilhafte Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0008] Die Erfindung wird nachfolgend in Verbindung mit der beiliegenden Zeichnung an Ausführungsbeispielen
näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 grob schematisch einen Vertikalschnitt durch einen Robrabschnitt, der nach
einem ersten Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Verfahrens erneuert wird;
Fig. 2 einen schematischen, gegenüber Fig. 1 vergrößerten Axialschnitt durch einen
Vortriebskopf eines erfindungsgemäßen Schutzrohrs als Einzelheit X der Fig. 1;
Fig. 3 eine Vorderansicht des Vortriebskopfs in einem gegenüber Fig. 2 nochmals vergrößerten
Maßstab;
Fig. 4 eine der Fig. 1 entsprechende Ansicht eines zweiten Ausführungsbeispiels des
erfindungsgemäßen Verfahrens; und
Fig. 5 und 6 den Fig. 2 und 3 entsprechende Ansichten eines insbesondere für Rohrabschnitte
mit Muffenverbindungen geeigneten Vortriebskopfs.
[0009] In Fig. 1 ist von einer alten, zu ersetzenden Rohrleitung nur ein zwischen einer
Startgrube 1 und einer Zielgrube 2 angeordneter Rohrabschnitt 3 dargestellt. Das Erdreich,
in dem der Rohrabschnitt 1 verlegt ist, ist durch das Bezugszeichen 4 angedeutet,
Dabei ist klar, daß der Rohrabschnitt 3 ein Teilstück einer längeren, in den beiden
Gruben 1 und 2 getrennten Rohrleitung sein oder die gesamte vorhandene Rohrleitung
repräsentieren kann, bei der es sich z.B. um eine Trinkwasserleitung handelt. Etwa
mit dem Rohrabschnitt 3 verbundene Anschlüsse bzw. Abgänge sind nicht dargestellt
und in an sich bekannter Weise zu berücksichtigen (z.B. DE 36 27 620 C2).
[0010] Bevor der alte Rohrabschnitt 3 aus dem Erdreich 4 herausgezogen wird, wird erfindungsgemäß
zunächst ein Schutzrohr 5 auf den Rohrabschnitt 3 aufgefahren. Das Schutzrohr 5 besitzt
einen Innenquerschnitt bzw. -durchmesser, der größer, vorzugsweise aber nur um so
viel größer als der Außenquerschnitt bzw. -durchmesser des Rohrabschnitts 3 ist, daß
der Rohrabschnitt 3 beim Auffahren des Schutzrohrs 5 als Führung dienen kann. Wie
Fig. 1 zeigt, wird das Schutzrohr 5 z.B. von der Startgrube 1 aus mittels einer in
dieser angeordneten Vortriebseinrichtung, z.B. einer mit Druckluft betriebenen Erdrakete,
einer hydraulisch oder pneumatisch betriebenen Ramme oder Presse oder irgendeinem
anderen Bodenverdrängungsgerät im Erdreich vorgetrieben und dabei gleichzeitig vom
Rohrabschnitt 3 geführt, so daß keine besonderen Maßnahmen zur Lenkung des Schutzrohrs
5 zu treffen sind. Außerdem ist das Schutzrohr 5 vorzugsweise so lang, daß es den
Rohrabschnitt 3 auf seiner ganzen Länge überfahren, d.h. bis in die Zielgrube 2 vorgetrieben
werden kann. Zu diesem Zweck kann das Schutzrohr 5 einstückig und mit der erforderlichen
Länge hergestellt sein oder in der Startgrube 1 aus mehreren Abschnitten zusammengesetzt
werden, wie in Fig. 1 durch seine im Vergleich zum Rohrabschnitt 3 kürzere Länge angedeutet
ist. Das Schutzrohr 5 besteht vorzugsweise aus Stahl, in welchem Fall die einzelnen
Abschnitte in der Startgrube 1 durch Schweißen miteinander verbunden werden können.
Alternativ könnte das Schutzrohr 5 auch mit einem durch den Rohrabschnitt 3 geführten
Stahlseil von der Zielgrube 2 aus auf den Rohrabschnitt 3 aufgezogen werden.
[0011] Gemäß Fig. 2 und 3 weist das Schutzrohr 5 an seinem Vorderende vorzugsweise einen
Vortriebskopf 6 auf. Dieser besteht aus einem vergleichsweise kurzen, an den übrigen
Teil des Schutzrohrs 5 koaxial angeschweißten Rohrstück mit entsprechendem Innen-
und Außenquerschnitt, weist jedoch zur Verringerung der durch Erdreibung bewirkten,
beim Vortrieb des Schutzrohrs 5 auftretenden Reibungswiderstände zweckmäßig sowohl
einen nach innen ragenden, am Vorderende angeordneten Vor- bzw. Unterschnitt 7 als
auch einen nach außen ragenden, am Hinterende angeordneten Vor- bzw. Überschnitt 8
auf. Der innere Vorschnitt 7 besteht z.B. aus einem sich nach vorn konisch verjüngenden
Mantelabschnitt, während der Vorschnitt 8 z.B. aus einem sich nach hinten konisch
erweiternden Mantelabschnitt besteht, der z.B. aus einem auf den Vortriebskopf 6 aufgeschweißten
und entsprechend abgeschrägten Stahlband hergestellt ist. Beim Vortrieb des Schutzrohrs
5 wird das umgebende Erdreich durch die Vorschnitte 7 und 8 so stark aufgelockert,
daß mit üblichen Mitteln auch ein vergleichsweise langes Schutzrohr 5 durch das Erdreich
getrieben werden kann, was zusätzlich durch die glatten Außenwände des Schutzrohrs
5 erleichtert wird.
[0012] Wie insbesondere Fig. 3 zeigt, weist der Vortriebskopf 6 weiterhin vorzugsweise eine
Mehrzahl von innen liegenden, z.B. radial vom Innenmantel abstehenden Führungskufen
9 auf, zwischen denen der strichpunktiert angedeutete Rohrabschnitt 3 zu liegen kommt
bzw. die vom Rohrabschnitt 3 geführt werden. Dabei definieren die radial innen liegenden
Enden der Führungskufen 9 eine gestrichelt dargestellte Kontur 10, die vorzugsweise
einen so kleinen Innenquerschnitt besitzt, daß eine gute Führung des Schutzrohrs 5
auf dem Rohrabschnitt 3 sichergestellt ist. Außerdem sind die Führungskufen 9 in Vortriebsrichtung
zweckmäßig leicht abgeschrägt, damit sie sich beim Auffahren des Schutzrohrs 5 auf
die Rohrleitung 3 auf dieser zentrieren.
[0013] Der Vortriebskopf 6 ist an seiner hinteren Stirnfläche durch eine Schweißnaht mit
dem übrigen Teil des Schutzrohrs 5 verbunden und mit einem Spülring 11 versehen, der
längs einer Schweißnaht 12 am Innenmantel des Vortriebskopfes 6 befestigt ist, eine
Mehrzahl von nach innen geöffneten Spülöffnungen 13 aufweist und an eine Zuleitung
14 für eine Spülflüssigkeit, insbesondere Wasser, angeschlossen ist, die sich nach
rückwärts durch das Schutzrohr 5 erstreckt, an dessen Innenmantel angeordnet ist und
in der Startgrube 1 mittels einer im Mantel des Schutzrohrs 5 ausgebildeten Anschlußöffnung
15 (Fig. 1) an eine Spülanlage, vorzugsweise eine Hochdruckspülanlage angeschlossen
werden kann. Die Spülflüssigkeit, die durch die Spülöffnungen 13 austritt, kann beim
Vortrieb des Schutzrohrs 5 in einen Raum 16 (Fig. 2) zwischen diesem und dem alten
Rohrabschnitt 3 eingespritzt werden, dadurch bereits während des Vortriebs den dort
befindlichen Boden lösen und diesen bei Bedarf zur Startgrube 1 hin vollständig ausspülen.
Alternativ kann der Spülvorgang aber auch erst zu einem späteren Zeitpunkt begonnen
werden, z.B. wenn der Vortrieb in lockerem Sand erfolgt. Außerdem ist vorzugsweise
unmittelbar vor dem Spülring 11 noch ein Schutzring 17 (Fig. 2) angeordnet. Dieser
besteht z.B. aus einem auf den Innenmantel des Schutzrohrs 5 aufgeschweißten Stahlring,
der den Spülring 11 nach innen hin in radialer Richtung etwas überragt und diesen
daher vor Beschädigungen auch dann schützt, wenn sich im Weg des Schutzrohrs 5 dickere
Steine od. dgl. befinden oder sich das Schutzrohr 5 gegen den Außenmantel des Rohrabschnitts
3 legt.
[0014] Zur Ausspülung des gelösten Bodens in die Startgrube 1 weist der Mantel des Schutzrohrs
5 vorzugsweise wenigstens eine Austrittsöffnung 18 (Fig. 1) auf. Dadurch wird der
Anschluß der Vortriebseinrichtung nicht behindert, die im Ausführungsbeispiel der
Fig. 1 schematisch als eine mit Druckluft betriebene Erdrakete 19 dargestellt ist,
deren Vortriebskraft mittels eines Schlagkegels 20, der an der hinteren Stirnfläche
des Schutzrohrs 5 anliegt, auf dieses übertragen wird. Dabei wird unter der Bezeichnung
"Erdrakete" in der Fachwelt ein hydraulisch oder pneumatisch betriebenes Bodenverdrängungsgerät
verstanden, das einen an seinem Vorderende konisch verjüngten Stahlzylinder aufweist,
der in seinem Innenraum mit einem durch eine Zylinder/Kolben-Anordnung angetriebenen
Schlagwerk versehen ist, das periodisch gegen den Stahlzylinder schlägt und diesen
dadurch vortreibt.
[0015] Nachdem das Schutzrohr 5 in der beschriebenen Weise je nach Bedarf mit oder ohne
Spülung und vorzusgweise vollständig auf den Rohrabschnitt 3 aufgefahren ist, kann
mit der eigentlichen Auswechselung des Rohrabschnitts 3 begonnen werden. Hierzu gibt
es zahlreiche alternative Verfahrensweisen, von denen nachfolgend einige kurz erläutert
werden.
[0016] Nach einer besonders einfachen Variante wird der Rohrabschnitt 3 nach dem Auffahren
des Schutzrohrs 5 mit Hilfe einer Zieh- oder Preßvorrichtung von der Start- oder Zielgrube
1 bzw. 2 her aus dem Schutzrohr 5 herausgezogen, so oft wie erforderlich durchgetrennt
und dann aus der betreffenden Grube 1 bzw. 2 entfernt. Dieser Vorgang läßt sich insbesondere
dann mit geringen Zieh- oder Preßkräften durchführen, wenn das zwischen dem Rohrabschnitt
3 und dem Schutzrohr 5 befindliche Erdreich vorher ganz oder teilweise durch Spülen
entfernt wird, was während oder auch nach dem Auffahren des Schutzrohrs 5 durchgeführt
werden kann. Alternativ wäre es auch möglich, das Erdreich in dem Raum 16 (Fig. 2)
mittels Preßluft auszublasen oder abzusaugen, ggf. durch Anlegen eines Unterdrucks.
Außerdem kann das Schutzrohr 5 beim Entfernen des Rohrabschnitts 3, falls erforderlich,
festgehalten werden, damit es im Erdreich verbleibt und den vom Rohrabschnitt 3 befreiten
Kanal abstützt.
[0017] Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Rohrabschnitt 3 in an sich bekannter
Weise nach dem Auffahren des Schutzrohrs 5 zu zerstören (DE 35 26 193 A1, DE 36 03
238 C2) und die dabei erhaltenen Trümmer und Scherben mittels einer Spülflüssigkeit,
mittels Druckluft oder sonstwie aus dem Schutzrohr 5 zu entfernen. Alternativ kann
zur Zertrümmerung des Rohrabschnitts 3 auch eine Erdrakete verwendet werden, die z.B.
mit einem Stahlseil durch den vom Rohrabschnitt 3 gebildeten Kanal gezogen wird und
auf einen Schlagkegel einwirkt, dessen Außenquerschnitt zumindest etwas größer als
der Innenquerschnitt des Rohrabschnitts 3 ist. Bei einem weiteren, besonders einfachen
Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens wird der Vortriebskopf 6 des
Schutzrohrs 5 mit einer nach innen ragenden Schneide versehen, die sich beim Vortrieb
des Schutzrohrs 5 in den alten Rohrabschnitt 3 eindrückt und dieses dadurch zerstört.
Die Schneide sollte dabei ausreichend weit hinter dem Vorderende des Vortriebskopfes
6 liegen, um dessen sichere Führung auf dem Rohrabschnitt 3 nicht zu behindern. Diese
Verfahrensweise ist besonders gut bei Rohrabschnitten 3 geeignet, die aus Gußeisen
od. dgl. bestehen und durch Schlag- oder Schneidkräfte leicht zerstört werden können.
[0018] Eine weitere Möglichkeit besteht schließlich darin, den alten Rohrabschnitts 3 zusammen
mit dem aufgefahrenen Teil des Schutzrohrs 5 aus dem von diesem gebildeten Kanal herauszuziehen
oder herauszupressen. Hierzu wird z.B. das Hinterende des auf den Rohrabschnitt 3
aufgefahrenen Teils des Schutzrohrs 5 mit einer Stahlplatte verschlossen und diese
dann durch Druck aus dem Kanal in die Zielgrube 2 getrieben, wobei der Rohrabschnitt
3 automatisch ebenfalls aus dem Kanal herausgedrückt wird. Dabei ist es im Prinzip
gleichgültig, ob der Rohrabschnitt 3 noch intakt oder bereits zertrümmert ist. In
der Zielgrube 2 könnte dann einerseits das Schutzrohr 5 geborgen und für eine Wiederverwendung
gereinigt, andererseits der Rohrabschnitt 3 geteilt und entfernt werden. Alternativ
kann an das Hinterende des Schutzrohrs 5 ein weiteres Schutzrohr (oder eine Anzahl
von einzelnen Abschnitten davon) angefügt werden, so daß in dem vom Schutzrohr 5 freigegebenen
Kanal sofort ein neues Schutzrohr vorgetrieben wird, welches nach dem Bergen des Schutzrohrs
5 den Kanal vorzugsweise vollständig auffüllt und abstützt. Dabei und beim Entfernen
des zuerst eingetriebenen Schutzrohrs 5 sind die zu überwindenden Kräfte vergleichsweise
klein und nicht größer als beim Einbringen des ersten Schutzrohrs 5.
[0019] Das beschriebene Verfahren eignet sich im Prinzip für Rohrabschnitte 3 in allen üblichen
Größen und aus allen üblichen Materialien. Voraussetzung ist nur, daß die Größen des
zu entfernenden Rohrabschnitts 3 und des Schutzrohrs 5 so aufeinander abgestimmt sind,
daß die beim Vortrieb des Schutzrohrs 5 von dem Rohrabschnitt 3 aufgebrachte Führungskraft
größer als die seitlich oder quer zur Achse des Rohrabschnitts 3 auf dieses einwirkende
Vortriebskraft ist. Wird die Vortriebskraft zu groß, besteht die Gefahr, daß der Rohrabschnitt
3 beim Auffahren des Schutzrohrs 5 seitlich ausgelenkt wird, knickt oder verkantet
und dann seine Führungseigenschaft verliert. Entsprechend muß das Material des Rohrabschnitts
3 dazu geeignet sein, diese Führungskraft zerstörungsfrei aufzubringen.
[0020] Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere zum grabenlosen Entfernen
von Rohrleitungen aus Grauguß, Stahl und Asbestzement in Verbindung mit einem Schutzrohr
5 aus Stahl, ohne auf diese Materialien beschränkt zu sein. Handelt es sich beispielsweise
bei den zu sanierenden Trinkwasserleitungen um Graugußrohre mit Innendurchmessern
von 150 mm und Wandstärken von z.B. 30 mm, wobei die Verbindung der Rohre durch Muffen
mit Außendurchmessern von z.B. 270 mm erfolgt, könnte das Schutzrohr 5 einen Innendurchmesser
von z.B. 350 mm aufweisen, wenn ein kiesiger Boden vorhanden ist, oder auch von nur
300 mm, wenn sandiger Boden vorliegt. Dabei wird einerseits aus Kostengründen ein
Schutzrohr 5 mit einem möglichst kleinen Innenquerschnitt bevorzugt, während andererseits,
falls ein Ausspülen des Erdreichs im Zwischenraum 16 erwünscht ist, die Breite dieses
Raums 16 nicht zu klein sein sollte, damit das Erdreich mit geringem Druck der Spülflüssigkeit
ausgespült werden kann. Es stellt daher für den Fachmann kein Problem dar, die optimale
Bemessung des Schutzrohrs 5 anhand der im Einzelfall vorhandenen Gegebenheiten festzulegen.
[0021] Nach dem Entfernen des Rohrabschnitts 3 wird ein entsprechender neuer Rohrabschnitt
z.B. durch Schieben und/oder Ziehen in das im Erdreich befindliche Schutzrohr 5 eingebracht.
Dabei kann vorgesehen sein, den neuen Rohrabschnitt mit Hilfe von Gleitkufen oder
anderen Abstandhaltern aus Kunststoff od. dgl. im Schutzrohr 5 zu zentrieren, insbesondere
wenn es sich um eine Abwasserleitung handelt, die mit einem vorgegebenen Gefälle verlegt
werden muß. Im Falle einer Druckleitung, z.B. einer Trinkwasserleitung, kann der neue
Rohrabschnitt aber auch am Boden des Schutzrohrs 5 abgelegt werden, weil hier die
im fertigen Zustand eingenommene Lage nicht kritisch ist. Außerdem kann vorgesehen
werden, den Raum zwischen dem Schutzrohr 5 und dem neuen Rohrabschnitt während oder
nach dem Einbringen des neuen Rohrabschnitts mit einem Dämmer oder Bentonit od. dgl.
zu verfüllen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zuerst das Schutzrohr 5 unter
Festhaltung des neu eingebrachten Rohrabschnitts aus dem Kanal herauszudrücken oder
herauszuziehen und den verbleibenden Hohlraum während dieses Vorgangs oder auch danach
zu verfüllen. Auch hierbei sind die zu überwindenden Reibungskräfte vergleichsweise
klein.
[0022] Ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in Fig. 4 dargestellt, in der
gleiche Teile mit denselben Bezugszeichen versehen sind. Bei dieser Variante wird
das Schutzrohr 5 zusammen mit dem alten Rohrabschnitt 3 aus dem vorher vom Schutzrohr
5 gebildeten, das Erdreich 4 durchsetzenden Kanal entfernt, während gleichzeitig ein
neuer Rohrabschnitt 24 in den Kanal eingeführt wird. Hierzu wird das entsprechend
der obigen Beschreibung eingebrachte Schutzrohr 5 am hinteren Ende mit einer Stahlplatte
25 verschlossen. Hinter dem Schutzrohr 5 wird ein Führungsschlitten 26 angeordnet,
der z.B. aus zwei Rohrhalbschalen 26a,26b besteht, die im zusammengelegten Zustand
ein Rohr mit denselben Außen- und Innenquerschnitten wie das Schutzrohr 5 ergeben
und ein vorzeitiges Einfallen des Kanals verhindern. Der Führungsschlitten 26 wird
fest mit dem Schutzrohr 5 verbunden, so daß er zusammen mit diesem in dem Kanal vorgetrieben
werden kann. In dem Führungsschlitten 26 wird eine Ramme, Erdrakete 27 od. dgl. gelagen,
die analog zu Fig. 1 auf einen an der Stahlplatte 25 anliegenden Schlagkegel 28 einwirkt.
Beim periodischen Betätigen der Erdrakete 27 wird somit das Schutzrohr 5 und mit ihm
der Rohrabschnitt 3 und der Führungsschlitten 26 allmählich durch den Kanal in die
Zielgrube 2 vorgetrieben, wo das Schutzrohr 5 und der Rohrabschnitt 3 ggf. getrennt
und ans der Zielgrube 2 entfernt werden. Bei Anwendung dieses Verfahrens ist es möglich,
den im Raum 16 befindlichen Boden zunächst im Schutzrohr 5 zu belassen und dann später
zusammen mit diesem und dem Rohrabschnitt 3 mittels der Erdrakete 27 aus dem Kanal
zu entfernen.
[0023] Gleichzeitig mit dem Vortrieb des Schutzrohrs 5 wird der neue Rohrabschnitt 24 in
den Kanal eingezogen. Hierzu wird z.B. das Hinterende der Erdrakete 27 fest mit dem
Vorderende des neuen Rohrabschnitts 24 verbunden, vorzugsweise mittels eines Stoßdämpferelements
29, um die Übertragung von dynamischen Lasten von der Erdrakete 27 auf den Rohrabschnitt
24 zu vermeiden.
[0024] Am Vorderende des neuen Rohrabschnitts 24, das zweckmäßig etwas in den Führungsschlitten
26 hineinragt, ist vorzugsweise ein Führungskopf 30 angebracht, der wenigstens eine
Austrittsöffnung für ein flüssiges Füllmittel, z.B. Bentonit od. dgl., aufweist, das
durch eine im Rohrabschnitt 24 verlegte Leitung zugeführt wird und zur Füllung eines
zwischen dem Erdreich und dem Rohrabschnitt 24 verbleibenden Teils 32 des Kanals verwendet
wird. Außerdem dient das Bentonit zur Reduzierung der Erdreibung. Um zu vermeiden,
daß das Füllmittel in den Führungsschlitten 26 und die Erdrakete 27 gelangt, ist am
vorderen Ende des Rohrabschnitts 24 eine über den Querschnitt des Führungsschlittens
26 erstreckte Dichtung 33 angebracht. Auf diese Weise wird vor allem eine sehr zeitsparende
Erneuerung des alten Rohrabschnitts 3 ermöglicht. Dabei ist klar, daß der neue Rohrabschnitt
24 in der Startgrube 1 aus einzelnen, hintereinander liegenden Rohrabschnitten zusammengesetzt
werden kann, die z.B. durch übliche Muffen- oder Flanschverbindungen oder auch durch
Schweißen miteinander verbunden werden.
[0025] Beim Ausführungsbeispiel nach Fig. 5 und 6, in denen gleiche Teile mit denselben
Bezugszeichen wie in Fig. 2 und 3 versehen sind, ist angenommen, daß die Rohrabschnitte
3a und 3b durch Muffenverbindungen miteinander verbunden sind. Dies ist in Fig. 5
durch eine am Hinterende des Rohrabschnitts 3b angeordnete, im Querschnitt erweiterte
Muffe 34 angedeutet, die ein zugehöriges, den Rohrquerschnitt aufweisendes Vorderende
des Rohrabschnitts 3a in sich aufnimmt. Alternativ könnten die Muffen 34 auch an den
Vorderenden der Rohrabschnitte 3a, 3b ausgebildet sein. Um unabhängig von der Lage
der Muffen 34 zu vermeiden, daß der Vortriebskopf 6 beim Auffahren auf die Rohrabschnitte
3a, 3b gegen diese Muffen 34 stößt, ist am Vorderende des Vortriebskopf 6 anstelle
der Führungskufen 9 vorzugsweise eine Mehrzahl von außen liegenden, z.B. radial vom
Rohrmantel abstehenden Führungskufen 35 vorgesehen. Diese weisen an ihren Vorderenden
jeweils eine Führungsfläche 36 auf, die in Vortriebsrichtung keilförmig nach außen
abgeschrägt ist und mit ihrem Hinterende an der radial am weitesten innen liegenden
Stelle des Vorschnitts 7 endet. Daher bilden die Führungskufen 35 eine Art von Einführungstrichter,
der sich beim Auffahren des Vortriebskopfs 6 auf eine Muffe 34 auf dieser zentrieren
kann, ohne sie zu zerstören. Die Innenquerschnitte des Vortriebskopfs 6 und des nachlaufenden
Schutzrohrs 5 brauchen in diesem Fall nur geringfügig größer als die Außenquerschnitte
der Muffen 34 sein. Alternativ könnten die Führungskufen 35 analog zu den Vorschnitten
7 bzw. 8 aus konisch erweiterten, aus Stahl od. dgl. hergestellten Mantelabschnitten
bestehen, die durch Schweißen oder sonstwie am Vorderende des Vortriebskopfs 6 befestigt
sind.
[0026] Das erfindungsgemäße Verfahren kann im Prinzip auf Rohrleitungen 3 aus beliebigen
Materialien angewendet werden, insbesondere auf solche aus Kunststoff, Beton, Steinzeug,
Stahl und anderen für derartige Rohrleitungen geeigneten Materialien. Aus denselben
Mateerialien können auch die Schutzrohre 5 und die Rohrabschnitte 24 bestehen. Dabei
kann das Auffahren der Schutzrohre 5 auf die Rohrleitungen 3 durch alle geeigneten
Verfahren wie Schlagen, Drücken, Ziehen, Vibrieren, Drehen, Spülen usw. herbeigeführt
und/oder unterstützt werden. Dasselbe gilt für das Vortreiben der Rohrabschnitte 24
und/oder das Entfernen der alten Rohrleitungen 3 aus den Schutzrohren 5.
[0027] Die Erfindung ist nicht auf die beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt, die
auf vielfache Weise abgewandelt werden können. Insbesondere können die beschriebenen
Verfahren und Vorrichtungen auch zur Sanierung von anderen als Wasserleitungen eingesetzt
werden. Dabei schließt die Erfindung auch die Anwendung des Schutzrohrs 5 für diese
Zwecke ein. Außerdem sind die Querschnittsgrößen der Rohrleitungen in weiten Grenzen
veränderbar, und die beschriebenen Verfahren sind insbesondere für alle Querschnitte
in nicht begehbarer Größe anwendbar. Für die Innenquerschnitte des Schutzrohrs 5 ist
dabei im wesentlichen nur gefordert, daß sie so klein sind, daß sich die Schutzrohre
5 durch den alten Rohrabschnitt 3 führen lassen und nicht dazu neigen, diesen beim
Auffahren zu verdrängen oder zu zerstören. Aus denselben Gründen können die beschriebenen
Verfahren auf Rohrleitungen aus zahlreichen anderen als den angegebenen Materialien
angewendet werden, da nur sichergestellt werden muß, daß die alten Rohrabschnitte
3 den beim Auffahren des Schutzrohrs 5 auftretenden Belastungen standhalten. Schließlich
versteht sich, daß die oben aufgeführten Verfahrens- und Vorrichtungsbeispiele keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da zahlreiche weitere Varianten denkbar sind,
und daß die einzelnen Merkmale der Erfindung auch in anderen als den dargestellten
und beschriebenen Kombinationen angewendet werden können.
1. Verfahren zum Erneuern einer im Erdreich (4) verlegten Rohrleitung, bei dem die Rohrleitung
in einer Startgrube (1) und in einer Zielgrube (2) getrennt, ein zwischen den beiden
Gruben (1,2) befindlicher alter Rohrabschnitt (3) ohne Bildung eines Grabens aus dem
umgebenden Erdreich (4) entfernt und in den dadurch entstehenden Kanal ein neuer Rohrabschnitt
(24) eingebracht wird, dadurch gekennzeichnet, daß vor der Entfernung des alten Rohrabschnitts
(3) ein Schutzrohr (5) mit einem Innenquerschnitt, der größer als der Außenquerschnitt
des alten Rohrabschnitts (3) ist, von der Startgrube (1) aus auf den alten Rohrabschnitt
(3) aufgefahren und dann auf diesem im wesentlichen bis zur Zielgrube (2) vorgetrieben
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Innenquerschnitt des Schutzrohrs
(5) um so viel größer als der Außenquerschnitt des alten Rohrabschnitts (3) gewählt
wird, daß das Schutzrohr (5) auch über etwa vorhandene Muffen- oder Flanschverbindungen
des Rohrabschnitts (3) vorgetrieben werden kann.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das den alten Rohrabschnitt
(3) umgebende Erdreich (4) zur Reduzierung der Erdreibung beim Vortrieb des Schutzrohrs
(5) aufgelockert wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Auflockerung des Erdreichs
(4) durch Anwendung eines am Vorderende des Schutzrohrs (5) befindlichen Vortriebskopfs
(6) mit einem innen und/oder außen liegenden Vorschnitt (7,8) herbeigeführt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß das in einem Raum (16)
zwischen dem Schutzrohr (5) und dem alten Rohrabschnitt (3) befindliche Erdreich (4)
durch Einbringen einer Spülflüssigkeit gelockert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das in dem Raum (16) befindliche
Erdreich (4) durch die Spülflüssigkeit vollständig aus dem Raum (16) entfernt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das in dem
Raum (16) befindliche Erdreich mittels Preßluft ausgeblasen und/oder mittels Unterdruck
abgesaugt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der alte Rohrabschnitt
(3) nach dem Auffahren des Schutzrohrs (5) durch Schieben und/oder Ziehen aus dem
Schutzrohr (5) entfernt und in die Start- oder Zielgrube (1,2) befördert wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der alte Rohrabschnitt
(3) im Schutzrohr (5) zerstört wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß die bei der Zerstörung des
alten Rohrabschnitts (3) erhaltenen Trümmer durch Spülen mit einer Spülflüssigkeit,
Preßluft und/oder Unterdruck aus dem Schutzrohr (5) entfernt werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß der alte Rohrabschnitt
(3) zusammen mit dem Schutzrohr (5) entfernt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß beim Entfernen des Schutzrohrs
(5) ein neues Schutzrohr in den Kanal eingebracht wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß zum Ersatz
des alten Rohrabschnitts (3) ein neuer Rohrabschnitt (24) durch Pressen und/oder Ziehen
in das Schutzrohr (5) eingebracht wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das Schutzrohr (5) beim Einbringen
des neuen Rohrabschnitts (24) aus dem Kanal entfernt wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß der dabei zwischen dem Erdreich
(4) und dem neuen Rohrabschnitt (24) entstehende Zwischenraum (32) mit einem Füllmittel
gefüllt wird.
16. Schutzrohr zur Durchführung des Verfahrens nach einem oder mehreren der Ansprüche
1 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß es an seiner Vorderseite einen Vortriebskopf
(6) mit einem innen und/oder außen liegenden Vorschnitt (7,8) aufweist.
17. Schutzrohr nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, daß der Vortriebskopf (6) an
einem vorderen Ende den nach innen ragenden Vorschnitt (7) und an einem hinteren Ende
den nach außen ragenden Vorschnitt (8) aufweist.
18. Schutzrohr nach Anspruch 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, daß es in einem mittleren
Bereich mit nach innen oder nach außen ragenden Führungskufen (9,35) versehen ist.
19. Schutzrohr nach einem der Ansprüche 16 bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß der Vortriebskopf
(6) an einer hinter dem vorderen Ende gelegenen Stelle wenigstens eine nach innen
ragende, zur Zerstörung des alten Rohrabschnitts (3) bestimmte Schneide aufweist.
20. Schutzrohr nach einem der Ansprüche 16 bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß es mit
einem Spülring (12) verbunden ist, der nach innen gerichtete Spülöffnungen (13) aufweist.