[0001] Die Erfindung betrifft einen Weichenantrieb nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Ein derartiger Weichenantrieb ist bekannt aus der DE-A1-38 25 182. Der bekannte Weichenantrieb
hat zusätzlich zum hydraulischen Linearantrieb einen Federantrieb, der aus Schraubenfedern
und einem am Linearantrieb angelenkten Gestänge besteht. Das Gestänge ist so ausgelegt,
daß während des Zurücklegens der ersten Hälfte des Stellweges die Federn gespannt
werden. Auf der zweiten Hälfte des Stellweges werden die Federn wieder entspannt.
Der Federantrieb ermöglicht somit, den hydraulischen Linearantrieb auszuschalten,
sobald die Hälfte des Stellweges überwunden worden ist. Die für das Zurücklegen der
zweiten Hälfte des Stellweges benötigte Energie wird den vorgespannten Federn entnommen.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Weichenantrieb anzugeben, bei dem sich eine Störung
möglichst wenig auf den Eisenbahnbetrieb auswirkt.
[0004] Diese Aufgabe wird von einem Weichenantrieb nach Anspruch 1 gelöst. Erfindungsgemäß
sind neben einem Speichermittel zum Speichern potentieller Energie Rückstellmittel
vorgesehen, die, wenn ein Stellvorgang an beliebiger Stelle entlang des Stellweges
gehemmt wird, ein Zurückstellen der Eisenbahnweiche in ihre Ausgangslage mit Hilfe
der gespeicherten potentiellen Energie bewirken.
[0005] Auf diese Weise ist sichergestellt, daß auch dann, wenn während des Stellvorgangs
eine Hemmung auftritt, die Weichenzungen ihre ursprüngliche Lage wieder einnehmen.
Als Ursache für eine solche Hemmung kommt beispielsweise der Ausfall des Weichenmotors
oder eine Unterbrechung der Stromversorgung während des Stellvorgangs in Betracht.
Die Weichenzungen verharren dann irgendwo zwischen den beiden möglichen Endlagen.
Ein andere Ursache für eine Hemmung kann ein (Schotter-)Stein oder ein Eisklumpen
sein, der zwischen Backenschiene und Weichenzunge geraten ist. Die Weichenzunge klemmt
den Stein oder Eisklumpen ein und erreicht ihre Endlage nicht.
[0006] Eine Hemmung in diesem Sinne ist also jede Störung, die dazu führt, daß die Weichenzungen
bei einem Stellvorgangs nicht eine ihrer Endlagen erreichen. Eine Weiche, deren Zungen
sich nicht in einer End-, sondern in einer Zwischenlage befinden, stellt eine unmittelbare
Betriebsgefährdung dar, da ein diese Weiche spitz befahrendes Schienenfahrzeug sofort
entgleist. Um dies zu verhindern, wird mit Beginn des Stellvorgangs die betreffende
Weiche oder der Streckenabschnitt, in dem die Weiche sich befindet, für den Schienenverkehr
gesperrt. Die Sperrung wird erst aufgehoben, wenn eine Verschlußprüfung an der Weiche
ergeben hat, daß die Zungen ihre Endlage erreicht haben. Im störungsfreien Fall liegt
die Dauer dieses Vorgangs in der Größenordnung von etwa 5-10 Sekunden. Während dieser
Zeit, ggf. mit zusätzlichen Sicherheitszuschlägen, ist die Weiche unter keinen Umständen
befahrbar.
[0007] Falls jedoch eine der angesprochenen Hemmungen auftritt, wird die Sperrung solange
aufrecht erhalten, bis die Hemmung behoben ist. Dies kann u. U. sehr lange dauern,
da meist Wartungspersonal die Weiche vor Ort inspizieren muß. Wenn sich ein Schienenfahrzeug
einer Weiche nähert, die gerade oder demnächst umgestellt wird, so kann es folglich
nicht davon ausgehen, daß die Sperrung der Weiche nach einer definierten Zeitspanne
aufgehoben wird. Es muß vielmehr damit rechnen, daß die Sperrung sich wegen einer
Störung um unbestimmte Zeit verlängert. Dies hat entscheidende Konsequenzen insbesondere
für stark befahrene Strecken, auf denen im absoluten oder sogar im relativen Bremswegabstand
gefahren wird. Dies wird anhand der Fig. 1 näher erläutert.
[0008] Fig. 1 zeigt ein Weg-Geschwindigkeitsdiagramm für ein Schienenfahrzeug SFZ, welches
sich einer herkömmlichen Weiche W nähert. Das Schienenfahrzeug fährt zunächst mit
der zulässigen Maximalgeschwindigkeit v
max auf die Weiche W zu. Es sei nun angenommen, daß die Weiche W umgestellt wird. Die
Bremskurve des Schienenfahrzeugs SFZ muß so berechnet werden, daß sie vor dem Beginn
der Weiche endet, mithin also das Schienenfahrzeug noch vor der Weiche zum Stehen
kommt. Am Ort O1 beginnt das Schienenfahrzeug mit dem Bremsvorgang. Tritt keine Störung
während des Stellvorgangs auf, so ist die Weiche bereits umgestellt und in der neuen
Endlage verriegelt, wenn das Schienenfahrzeug SFZ den Ort O2 erreicht hat. Da die
Weiche nun nicht mehr gesperrt ist, beschleunigt das Schienenfahrzeug wieder, bis
es die für diesen Streckenabschnitt vorgesehene Geschwindigkeit v
max erreicht hat. Ein in dichtem Abstand folgendes, in Fig. 1 nicht dargestelltes Schienenfahrzeug
muß ebenfalls abbremsen, um den absoluten Bremswegabstand zum Schienenfahrzeug SFZ
nicht zu unterschreiten. Dadurch kommt es insbesondere dann, wenn die Strecke stark
befahren ist, zu einer erheblichen Behinderung des Betriebs.
[0009] Wie man an diesem Beispiel erkennt, ist das Abbremsen des Schienenfahrzeugs SFZ nur
deswegen erforderlich, weil nicht sicher davon ausgegangen werden kann, daß der Stellvorgang
in einer definierten Zeitspanne abgeschlossen ist. Die Erfindung schafft hier Abhilfe,
da garantiert wird, daß die Weiche auch bei Auftreten einer Störung mit Hilfe gespeicherter
potentieller Energie ihre Ausgangslage erreicht. Für das in Fig. 1 dargestellte Beispiel
bedeutet dies, daß das Schienenfahrzeug SFZ nicht abbremsen muß, sondern unverändert
mit der zulässigen Maximalgeschwindigkeit v
max die Weiche W passieren kann. Eine länger andauernde Zwischenlage der Weichenzungen
ist erfindungsgemäß ausgeschlossen. Die erfindungsgemäße Ausgestaltung des Weichenantriebs
führt somit zu kürzeren Fahrzeiten und zu einer höheren Kapazität von Eisenbahnstrecken.
[0010] Kommt es tatsächlich zu einer Störung, so sorgt der erfindungsgemäße Weichenantrieb
dafür, daß die Ausgangslage wieder eingenommen wird. Das Schienenfahrzeug wird daher
auf eine andere als die eigentlich vorgesehen Strecke geleitet. Dies stellt natürlich
ebenfalls eine Beeinträchtigung des Betriebs dar; ein Sicherheitsrisiko ist damit
jedoch nicht verbunden. Es ist lediglich sicherzustellen, daß das Schienenfahrzeug
die unerwartet eingetretene Betriebssituation rasch erkennt und sofort seine Bremskurve
daran anpaßt. Da in aller Regel keine Störungen auftreten, überwiegen die Fahrzeitverkürzung
und der Gewinn an Streckenkapazität bei weitem die Betriebbeeinträchtigungen, die
in seltenen Einzelfällen möglich sind.
[0011] Da der erfindungsgemäße Weichenantrieb die erforderliche Energie zum Zurückstellen
der Weiche einem Speicher für potentielle Energie entnimmt, ist das Zurückstellen
auch dann garantiert, wenn die Stromversorgung der Weiche unterbrochen ist. Ein Zurückstellen
ist lediglich dann nicht möglich, wenn der Stellvorgang gehemmt wird und zusätzlich
während des Zurückstellens eine weitere Störung auftritt, die die Weichenzungen nicht
in ihre Ausgangslage zurückkehren läßt. Eine derartiges Zusammentreffen von seltenen
Fehlern wird, wie üblich in der Eisenbahnsignaltechnik, nicht angenommen, da die Wahrscheinlichkeit
hierfür über alle Maßen gering ist.
[0012] Bei einem vorteilhaften Ausführungsbeispiel ist dem Speichermittel während des Stellvorgangs
soviel potentielle Energie zuführbar, wie für das Zurückstellen der Eisenbahnweiche
benötigt wird. Gegenüber einer externen Energiezuführung, etwa mit Hilfe einer Batterie,
hat dies den Vorteil, daß stets genügend Energie vorhanden ist, um das Zurückstellen
zu bewirken.
[0013] Eine mechanische Realisierung des erfindungsgemäßen Weichenantriebs ist Gegenstand
der Ansprüche 3 bis 5; eine hydraulische Realisierung Gegenstand der Ansprüche 6 bis
10.
[0014] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Ausführungsbeispiele und der Zeichnungen
eingehend erläutert. Es zeigen:
Fig. 1: Ein Weg-Geschwindigkeitsdiagramm für ein Schienenfahrzeug SFZ, welches sich
einer Weiche W nähert;
Fig. 2: Ein erstes Ausführungsbeispiel für einen erfindungsgemäßen Weichenantrieb
in einer mechanischen Realisierung (Aufsicht und seitliche Sicht (A)) zu Beginn eines
Stellvorgangs;
Fig. 3: Der in Fig. 2 dargestellte Weichenantrieb bei Erreichen der Endposition;
Fig. 4: Der in Fig. 2 dargestellte Weichenantrieb nach Abschluß eines ungestörten
Stellvorgangs;
Fig. 5: Schematische Darstellung eines erfindungsgemäßen Weichenantriebs in einer
im wesentlichen hydraulischen Realisierung.
Mechanische Realisierung
[0015] Fig. 2 zeigt oben rechts in Aufsicht einen nicht maßstäblichen Ausschnitt aus einer
Weiche W mit Weichenzungen WZ. Die Weichenzungen WZ sind mit einer Stellstange SS
verbunden, die in eine Zahnstange ZS übergeht. Die Zahnstange ZS ist in Längsrichtung
durch Drehung des Ritzels RI bewegbar. Das Ritzel selbst wird von einem Motor M angetrieben.
[0016] An der Zahnstange ZS ist rechtwinklig eine Führung FG für eine Rolle RO angebracht,
die beide die Längsbewegung der Zahnstange mitvollziehen. In der Führung FG befindet
sich eine Feder F, deren eines Ende am Fuße der Führung FG und deren anderes Ende
an der Rolle RO befestigt ist. Die zu beiden Seiten über die Führung hinausragenden
Teile der Rolle liegen den Schenkeln zweier Führungskörper D1 und D2 auf. Wenn sich
die Zahnstange bewegt, so wird über die Führung FG diese Bewegung auf die Rolle RO
übertragen. Aufgrund der geneigten Schenkel gleitet oder rollt die Rolle RO auf den
Schenkeln der Führungskörper D1 und D2 je nach Richtung der Zahnstangenbewegung auf
oder ab. Dabei wird der Spannungszustand der Feder F verändert.
[0017] Die Führungskörper D1 und D2 sind ebenfalls verschiebbar gelagert. Dazu dienen Führungsstifte
FS1 und FS2, die in geeignet geformte Ausnehmungen der Führungskörper D1 und D2 eingreifen.
Die Ausnehmungen sind so angeordnet, daß die Führungskörper eine Bewegung parallel
zur Bewegung der Zahnstange ausführen können. Der Bewegungsspielraum ist allerdings
begrenzt auf den maximalen Bewegungsspielraum der Zahnstange.
[0018] Aufgrund der soeben beschriebenen konstruktiven Anordnung wird die Weiche zurückgestellt,
wenn der Stellvorgang an beliebiger Stelle entlang des Stellweges durch ein Hindernis
gehemmt wird. Zunächst wird nachfolgend die Funktion der Anordnung beschrieben, wenn
der Stellvorgang nicht gehemmt wird. Fig. 2 stellt den erfindungsgemäßen Weichenantrieb
unmittelbar vor Beginn eines Stellvorgangs dar. Durch Drehen des Ritzels RI wird die
Zahnstange ZS zusammen mit der damit verbundenen Stellstange SS in Richtung des Pfeils
P1 bewegt. Die Führung FG mit der darin verschiebbar gelagerten Rolle RO vollzieht
diese Bewegung mit. Durch das Aufliegen auf den Schenkeln der Führungskörper D1 und
D2 überlagert sich der Bewegung der Rolle RO zusätzlich eine Bewegung in Richtung
des Pfeils P2. Dadurch wird die Feder F gespannt. Die Führungskörper D1 und D2 können
der durch die Feder F über die Rolle RO ausgeübten Kraft nicht ausweichen, da die
Ausnehmungen der Führungskörper D1 und D2 bereits an den Führungsstiften FS1 und FS2
anschlagen.
[0019] Am Ende des Stellvorgangs erreichen die Weichenzungen WZ ihre neue Lage. Die Geometrie
der Anordnung ist nun so bemessen, daß die Rolle RO in diesem Moment knapp die durch
das Zusammentreffen der Schenkel gebildete Kante der Führungskörper D1 und D2 überwindet.
Dieser Zustand ist in Fig. 3 dargestellt. Die Rolle liegt jetzt auf den gegenüberliegenden
Schenkeln der Führungskörper D1 und D2 auf. Die Feder F, die nun maximal gespannt
ist, übt über die Rolle RO eine Zugkraft auf die Führungskörper D1 und D2 aus, die
diese zu einer Bewegung parallel zur Zahnstange ZS veranlaßt.
[0020] Wie in Fig. 4 erkennbar, rutschen die Führungskörper D1 und D2 in der durch den Pfeil
P3 angedeuteten Richtung in ihre neue Endlage. Die Rolle RO bewegt sich dabei in der
durch Pfeil P4 angedeuteten Richtung, wobei sich die Feder F entspannt. Der schließlich
resultierende Endzustand ist in Fig. 4 dargestellt. Man erkennt, daß dieser Zustand
symmetrisch ist zu dem in Fig. 2 dargestellten Zustand. Bei jedem Stellvorgang vollziehen
sich folglich die gleichen soeben erläuterten Schritte.
[0021] Wenn nun ein Stellvorgang an beliebiger Stelle entlang des Stellweges durch ein Hindernis
gehemmt wird, so führt die bis zu diesem Punkt aufgebaute Federspannung dazu, daß
sich die Rolle mit der Führung FG und der damit verbundenen Zahnstange ZS zurückbewegen.
Voraussetzung ist lediglich, daß der Motor dieses Zurückstellen nicht durch Ausüben
einer im Gegensinn wirkenden Kraft behindert. Vorzugsweise ist deswegen eine Zeitschaltuhr
vorgesehen, die den Motor strom- und damit momentlos macht, sobald nach Beginn des
Stellvorgangs eine vorgegebene Zeitspanne verstrichen ist. Besteht die Störung in
einem Ausfall des Motors oder einer Unterbrechung der Stromversorgung, so erfolgt
das Zurückstellen der Weiche mit Hilfe der in der Feder gespeicherten potentiellen
Energie unverzüglich.
[0022] Es versteht sich, daß die oben beschriebene Konstruktion auf vielfältige Weise abwandelbar
ist. Die Rolle RO kann beispielsweise auch als Stab mit einem anderen als kreisförmigen
Querschnitt ausgeführt sein. Auch die Form der Führungskörper D1 und D2 ist in weiten
Bereichen beliebig und kann auch gekrümmte Flächen umfassen.
[0023] Die in den Fig. 2 bis 4 dargestellte Schraubenfeder steht hier lediglich für ein
Mittel zum Speichern potentieller Energie. Denkbar sind alle Arten von Feder, Gasfedern
oder hydraulischen Druckspeichern. Auch ein Energiespeicher unter Ausnutzung der Gravitation
ist möglich. Vorzugsweise wird die Energie dem Speichermittel - wie bei dem oben beschriebenen
Ausführungsbeispiel - während des Stellvorgangs zugeführt. Alternativ dazu kann dem
Speichermittel jedoch auch zu anderen Zeiten Energie zugeführt werden.
Hydraulische Realisierung
[0024] Fig. 5 zeigt ein Ausführungsbeispiel für einen erfindungsgemäßen Weichenantrieb,
bei dem die Rückstellmittel im wesentlichen hydraulischer Art sind. Unten in Fig.
5 ist eine Weiche W mit Weichenzungen WZ zu erkennen. Eine Stellstange SS stellt eine
Verbindung her zwischen den Weichenzungen WZ und einer hydraulisch betätigbaren Teleskopstange
TS. Die andere Seite der Teleskopstange TS ist verbunden mit einer Schubstange SCH,
die von einer an sich bekannten Antriebseinheit AE bewegbar ist. Die Kammern in der
Teleskopstange TS zu beiden Seiten des Kolbens K stehen über Hydraulikleitungen mit
einem Vierwegeventil V3 in Verbindung. Wenn das Vierwegeventil V3 geschlossen ist,
so ist der Kolben K in der Teleskopstange TS nicht bewegbar. Folglich wird eine von
der Antriebseinheit AE ausgeübte Bewegung über die Schubstange SCH, den Kolben K und
die Hydraulikflüssigkeit auf die Teleskopstange TS übertragen und führen schließlich
zum Umlegen der Weichenzungen WZ.
[0025] Kommt es während des Stellvorgangs in der durch den Pfeil P5 angedeuteten Richtung
zu einer der oben angesprochenen Hemmungen, so erreichen die Weichenzungen WZ ihre
vorgesehene Endlage nicht. Der Teleskopstab wird nun in diesem Fall so von einer Ventilsteuerung
angesteuert, daß der Kolben K im Teleskopstab ebenfalls in Richtung des Pfeils P5
verschoben wird. Dadurch verkürzt sich die Länge des Teleskopstabs TS, da die Schubstange
SCH ihre Lage beibehält. Durch diese Verkürzung wird die mit der Teleskopstange TS
verbundene Stellstange SS zurück in ihre Ausgangslage bewegt. Dadurch kehren auch
die Weichenzungen WZ in ihre Ausgangslage zurück.
[0026] Die Steuerung der Teleskopstange TS durch die Ventilsteuerung wird nachfolgend näher
erläutert. Oben in Fig. 5 ist eine an sich bekannte Hydraulikeinrichtung symbolisch
dargestellt, die einen Motor M, eine davon angetriebene Hydraulikpumpe P und einen
Hydraulikbehälter HB umfaßt. Die Hydraulikpumpe P pumpt Hydraulikflüssigkeit vom Hydraulikbehälter
HB in einen Hydraulikspeicher HS. Ein Rückschlagventil RV verhindert, daß Hydraulikflüssigkeit
vom Hydraulikspeicher HS in den Hydraulikbehälter zurückläuft. Ein Druckbegrenzungsventil
DBV sorgt dafür, daß der zulässige Höchstdruck nicht überschritten wird.
[0027] In der Mitte von Fig. 5 sind zwei Riegel R1 und R2 zum Prüfen der Zungenendlage schematisch
dargestellt. Diese als solche bekannten Riegel prüfen, ob die Weichenzungen tatsächlich
ihre Endlage erreicht haben. Die genaue Ausführung der Riegel ist hier nicht wesentlich,
da sie auf vielfältige Weise mechanisch realisiert sein können. Eine Möglichkeit besteht
beispielsweise darin, jede Weichenzunge mit einer eigenen Prüferstange zu verbinden,
die in den Weichenantrieb zurückführt. Nur wenn beide Weichenzungen eine Endlage erreichen,
gelangen die beiden Prüferstangen in eine Lage, in der in den Prüferstangen vorgesehene
Ausnehmungen korrespondieren und einer der Riegel in beide Ausnehmungen eingreifen
kann. Durch das Eingreifen in die Ausnehmungen kommt es zu eine Bewegung des Riegels,
der sich zur mechanischen Ansteuerung von Ventilen nutzen läßt.
[0028] Bei dem in Fig. 5 gezeigten Zustand (Linkslage der Weiche) ist der Riegel R1 in Überwachungslage
und der Riegel R2 in ausgehobener Lage. Dies bedeutet, daß die linke Weichenzunge
an der Backenschiene anliegt, während die rechte Weichenzunge frei ist. Zwischen den
beiden Riegeln ist ein Verbindungshebel H1 angelenkt, der mechanisch ein Zweiwegeventil
V1 betätigt. Wenn beide Weichenzungen in einer Endlage sind, ist, wie in Fig. 5 dargestellt,
ein Riegel in Überwachungslage und der andere Riegel in ausgehobener Lage. Das Ventil
V1 befindet sich dann in Sperrstellung.
[0029] Falls aufgrund einer Hemmung keine Weichenzunge eine Endlage erreicht, so gelangt
keiner der Riegel R1 und R2 in eine Überwachungslage. Dieser Zustand, in dem sich
beide Riegel in ausgehobener Lage befinden, ist rechts in Fig. 5 in einem gestrichelt
eingerahmten Ausschnitt dargestellt. Der Verbindungshebel H1 gelangt nun in eine Stellung,
die zu einem Öffnen des Ventils V1 führt. Die Vierwegeventile V2 und V3 sind ebenfalls
geöffnet, so daß die Verbindung zwischen dem Hydaulikspeicher HS und der linken Kammer
in der Teleskopstange TS offen ist. Hydraulikflüssigkeit aus dem Hydraulikspeicher
HS drückt in diese linke Kammer und führt, wie oben bereits erläutert, zu einer Verkürzung
der Teleskopstange TS und damit zu einem Zurückstellen der Weichenzungen in ihre Ausgangslage.
[0030] Vorzugsweise wird das Vierwegeventil V2 von einem zweiten Verbindungshebel H2 betätigt,
welcher ebenfalls an die Riegel R1 und R2 angelenkt ist. Dieser Hebel ist so angelenkt,
daß er nur dann umgelegt wird, wenn die Weichenzungen eine neue Endlage erreichen.
Wenn also die Weichenzungen in Fig. 5 nach einem Stellvorgang in Richtung des Pfeils
P5 die Rechtslage erreichen, so gelangen der Riegel R1 nach oben in eine ausgehobene
und der Riegel R2 nach unten in Überwachungslage. Das Vierwegeventil V2 wird dann
durch den Hebel H2 in eine Kreuzstellung gebracht. Sollte bei einem folgenden Stellvorgang
eine Hemmung auftreten, so wird dank der Kreuzstellung Hydraulikflüssigkeit nun in
die rechte und nicht mehr in die linke Kammer in der Teleskopstange TS gedrückt. Dies
führt zu einer Verlängerung der Teleskopstange TS und damit zu einer Rückkehr in die
Rechtslage (= Ausgangslage).
[0031] Bei einem besonders vorteilhaften Ausführungsbeispiel ist zusätzlich noch ein Vierwegeventil
V3 vorgesehen, welches elektromagnetisch betätigt wird. Im Normalzustand ist der Elektromagnet
stromdurchflossen und das Ventil V3 geschlossen. Falls die Stromversorgung unterbrochen
wird, so wird der Elektromagnet stromlos und das Ventil V3 fällt von selbst in den
offenen Zustand. Wenn also die Hemmung auf eine Unterbrechung der Stromversorgung
zurückgeht, so ist stets sichergestellt, daß das Ventil V3 geöffnet ist. Zusätzlich
wird das Ventil V3 von einer Zeitschaltuhr UHR angesteuert. Die Zcitschaltuhr wird
mit Beginn eines jeden Stellvorgangs gestartet und bei erfolgreichen Abschluß eines
Stellvorgangs zurückgesetzt. Läuft nach Beginn eines Stellvorgangs eine festgelegte
Zeitspanne, z. B. 15 Sekunden, ab, ohne daß die Zeitschaltuhr zurückgesetzt worden
ist, so fällt das Ventil V3 von selbst in den offenen Zustand. Dadurch wird das Zurückstellen
erst nach Ablauf einer vorbestimmbaren Zeitspanne nach Beginn des Stellvorgangs wirksam.
Dies ist vor allem deswegen bedeutsam, als auch während eines ungehemmten Stellvorgangs
die beiden Riegel R1 und R2 die meiste Zeit im ausgehobenen Zustand und somit die
Ventile V1 und V2 geöffnet sind. Ohne die Zeitschaltuhr UHR würde daher bereits ein
Zurückstellen eingeleitet, obwohl möglicherweise gar keine Hemmung aufgetreten ist.
Außerdem läßt sich mit Hilfe der Zeitschaltuhr ein zeitlich definiertes Verhalten
des Weichenantriebs erzielen, woraus sich insbesondere aus betrieblicher Sicht Vorteile
ergeben.
[0032] Die üblicherweise verwendeten Antriebseinheiten AE werden meist in der Ansteuerung
auf ihre Laufzeit überwacht und die Antriebseinheit automatisch abgeschaltet, wenn
eine vorgesehene Zeitspanne seit dem Beginn des Stellvorgangs verstrichen ist. Die
dabei verwendete Zeitschaltuhr kann natürlich mit der das Ventil V3 ansteuernden Zeitschaltuhr
UHR zusammengelegt werden.
[0033] Es versteht sich, daß auch diese im wesentlichen hydraulische Realisierung auf vielfältige
Weise abwandelbar ist. So kann beispielsweise die Teleskopstange TS nicht nur im Falle
einer Hemmung, sondern auch grundsätzlich zum Stellen der Weichenzungen verwendet
werden. Die Schubstange SCH ist dann fest am Gehäuse des Weichenantriebs befestigt.
In den beiden Kammern zu beiden Seiten des Kolbens K sind zusätzliche Ventile vorzusehen,
durch die Hydraulikflüssigkeit zu- oder abführbar ist.
[0034] Gegebenenfalls ist die Hydraulikeinrichtung so auszulegen, daß ein Zurückstellen
der Weiche selbst dann bewirkt wird, wenn bei einer Hemmung die Antriebseinheit AE
nicht abschaltet und weiterhin Kraft auf die Schubstange SCH ausübt.
1. Weichenantrieb für eine Eisenbahnweiche (W) mit einem Speichermittel (F; HS) zum Speichern
potentieller Energie,
dadurch gekennzeichnet,
daß Rückstellmittel (RO, D1, D2, FG; TS,V1, V2, V3, H1, H2) vorhanden sind, die, wenn
ein Stellvorgang an beliebiger Stelle entlang des Stellweges gehemmt wird, ein Zurückstellen
der Eisenbahnweiche in ihre Ausgangslage mit Hilfe der gespeicherten potentiellen
Energie bewirken.
2. Weichenantrieb nach Anspruch 1, bei dem dem Speichermittel während des Stellvorgangs
soviel potentielle Energie zuführbar ist, wie für das Zurückstellen der Eisenbahnweiche
benötigt wird.
3. Weichenantrieb nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem das Speichermittel
eine Feder (F) ist und bei dem Spannmittel (D1, D2, RO, FG) vorgesehen sind, die so
ausgelegt sind, daß die Feder über den gesamten Verlauf eines Stellvorgangs zunehmend
gespannt wird und nach Abschluß eines erfolgreichen Stellvorgangs entspannt wird.
4. Weichenantrieb nach Anspruch 3, bei dem die Spannmittel einen zwei Schenkel aufweisenden
Führungskörper (D1, D2) und einen Stab (RO) umfassen, der auf den Schenkeln aufliegt
und so mit einer Stellstange (SS) der Eisenbahnweiche und der Feder verbunden ist,
daß bei einer Bewegung der Stellstange sich der Stab auf den Schenkeln des Führungskörpers
auf- oder abbewegt und dabei den Spannungszustand der Feder verändert, und bei dem
der Führungskörper so verschiebbar angeordnet ist, daß nach Abschluß eines erfolgreichen
Stellvorgangs der Führungskörper ebenfalls eine neue Endlage erreicht.
5. Weichenantrieb nach einem der Ansprüche 1 oder 2, bei dem die Rückstellmittel eine
hydraulisch betätigbare Teleskopstange (TS), die mit einer Stellstange (SS) verbunden
ist, und eine Ventilsteuerung (V1, V2, V3) zur Steuerung der Länge der Teleskopstange
umfassen, wobei durch die Ventilsteuerung eine Veränderung der Länge der Teleskopstange
herbeiführbar ist, wenn ein Stellvorgang an beliebiger Stelle entlang des Stellweges
gehemmt wird.
6. Weichenantrieb nach Anspruch 5, bei dem die Ventilsteuerung mechanisch mit Riegeln
(R1, R2) zum Prüfen der Zungenendlage verbunden ist.
7. Weichenantrieb nach einem der Ansprüche 5 oder 6, bei dem die Teleskopstange mit einer
Antriebseinheit (AE) verbunden ist, und bei dem die Ventilsteuerung so ausgelegt ist,
daß nur bei einer Hemmung des Stellvorgangs die Länge der Teleskopstange verändert
wird.
8. Weichenantrieb nach einem der vorhergehenden Ansprüche, der eine Zeitschaltuhr (UHR)
umfaßt, die ein Wirksamwerden der Rückstellmittel erst nach Ablauf einer vorbestimmbaren
Zeitspanne nach Beginn des Stellvorgangs zuläßt.