[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren beim Anlassen des Motors eines Fahrzeugs gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Bei Fahrzeugen mit automatisierten Schaltgetrieben wird zur Erhöhung des Wegrollwiderstandes
beim Abstellen des Motors oftmals der erste Gang automatisch eingelegt. Dieser Zustand
muß beim Starten des Fahrzeugs aufgehoben werden, da sonst eine unbeabsichtigte Bewegung
des Fahrzeugs erfolgen würde. Der Fahrer muß dabei zunächst sicherstellen, ob die
Neutralstellung angewählt oder der Antriebsstrang unterbrochen ist. Ist dies nicht
der Fall, so hat er zunächst die Neutralstellung anzuwählen bzw. den Antriebsstrang
zu unterbrechen. Führt er diesen Schritt nicht aus, so kann der Motor aus Sicherheitsgründen
nicht gestartet werden. Führt er diesen Schritt jedoch aus, so muß er zum Starten
des Motors oftmals die Betriebsbremse betätigen, um das Fahrzeug gegen wegrollen zu
sichern.
[0003] Aus der DE 196 32 863 A1 ist ein Kraftfahrzeug mit einer Feststellbremse bekannt,
bei der je nach Fahrzeug-Betriebszustand ein hydraulischer oder elekromechanischer
Betätigungsmodus gewählt werden kann. Beispielsweise wird die Fahrzeugbremse bei der
Nutzung des Fahrzeugs mittels dem hydraulischen Modus und nach dem Verlassen mittels
dem elektromechanischen Modus betrieben. Eine Entscheidung für eine Umschaltung kann
aufgrund einer Türbetätigung, einer Fahrersitzbelegungserkennung oder einer Erkennung
der Zündaktivierung erfolgen. Eine automatische Betätigung einer vorher nicht betätigten
Bremse ist jedoch nicht beschrieben.
[0004] In der DE 196 29 426 A1 hingegen ist eine automatisierte Feststellbremse beschrieben,
bei der nach dem Ende des Fahrbetriebs die Feststellbremse automatisch betätigt wird.
Bei der Aufnahme des Fahrbetriebs hingegen wird die Feststellbremse wieder gelöst.
[0005] Der Fall, bei der ein Fahrzeug während des Abgestelltseins nicht mit einer Fahrzeugbremse,
insbesondere einer Feststellbremse, gesichert ist, bei dem aber trotzdem ein sicheres
Anfahren gewährleistet werden soll, kann durch obige Vorrichtungen und Verfahren jedoch
nicht gelöst werden.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein einfaches Verfahren zur Erhöhung der
Fahrsicherheit und des Bedienkomforts beim Starten eines Motors anzugeben.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die im Anspruch 1 genannten Merkmale gelöst.
[0008] Ein wesentlicher Kern der Erfindung ist, daß ein bevorstehendes Anlassen des Motors
erkannt wird. Darauffolgend wird vor dem Anlassen des Motors die zunächst gelöste
Fahrzeugbremse zum sicheren Feststellen des Fahrzeugs über Fremdkraft betätigt.
[0009] Durch die automatische Betätigung der Fahrzeugbremse, insbesondere der Feststellbremse,
vor dem Starten des Motors wird das Fahrzeug während des Startvorgangs - also bis
ein Fahrwunsch erkannt wird - gegen Wegrollen gesichert. Diese Maßnahme läßt sich
besonders vorteilhaft auch bei Automatikgetrieben mit Wandlern anwenden, da dann beim
Starten des Motors auch eine Vorwärts- oder Rückwärtsfahrstufe eingelegt sein kann,
wodurch eine gewisse Kriechneigung auftritt.
[0010] Das bevorstehende Anlassen des Fahrzeugs kann beispielsweise über das Aufschließen
des Fahrzeugs, das Öffnen der Fahrzeugtür, eine Fahrersitzbelegungserkennung und/oder
eine Betätigung des Zündschlosses oder der Zünd-/Startermittlung ermittelt werden.
Insbesondere die Betätigung einer Anlaß- oder Zündvorrichtung steht in besonders enger
Verbindung zu einem bevorstehenden Motorstart.
[0011] Bei automatisierten Schaltgetrieben besteht zudem die Gefahr, daß - insbesondere
bei rastenden Wählhebeln - eine andere Fahrstufe als die eingelegte angezeigt wird.
So kann es möglich sein, daß bei einem Fahrzeug beim Öffnen der Fahrertür automatisch
die neutrale Stufe eingelegt werden. Möchte der Fahrer dann weiterfahren, so muß er
zunächst die aktuell angezeigte Fahrstufe verlassen und diese oder eine andere Fahrstufe
neu anwählen. Dies führt allgemein zur Verwirrung und ist unkomfortabel.
[0012] Um dies zu vermeiden kann gemäß einer besonderen Ausführungsform der Erfindung zunächst
überprüft werden, ob die Gangwahlvorrichtung auf neutral gestellt ist. Ist dies nicht
der Fall, so kann die Gangwahlvorrichtung vor dem Anlassen des Motors auf neutral
gestellt oder aber der Antriebsstrang entkoppelt werden. Beispielsweise könnte beim
Drehen des Zündschlüssels auf die "Zündung Ein"-Position die Fahrzeugbremse betätigt
und die Kupplung geöffnet werden. Dies ist besondere bei einem Fahrzeug mit einem
automatisierten Schaltgetriebe von Vorteil, bei dem als zusätzliche Sicherheitsfunktion
beim Abstellen des Motors der erste Gang eingelegt wird.
[0013] Gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung wird die Fahrzeugbremse
nach dem Anlassen des Motors gelöst. Das Lösen der Fahrzeugbremse kann als Reaktion
auf die Betätigung eines Pedals, beispielsweise eines Fahrpedals oder eines Bremspedals,
erfolgen.
[0014] Die Betätigung der Fahrzeugbremse erfolgt - wie im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegeben
- über Fremdkraft; d. h. der für die Fahrzeugbremse aufzubringende Bremsdruck oder
die Bremsenergie - abhängig davon ob elektrisch, pneumatisch oder hydraulisch betätigt
- muß über eine entsprechende Sekundäreinrichtung im Fahrzeug erzeugt werden. Dies
erfordert bereits vor dem Anlassen des Motors Energie, die nur aus einer Batterie
bereitgestellt werden kann. Aus diesem Grunde ist es ratsam, eine Betriebsbremse nicht
über zu lange Zeit ohne einen Motorbetrieb aktiviert zu lassen. Eine bevorzugte Ausführungsform
der Erfindung ist daher dadurch gekennzeichnet, daß die Fahrzeugbremse dann wieder
gelöst wird, wenn nach einer bestimmten Zeitspanne nach Aktivieren der Fahrzeugbremse
kein Motorstart erfolgt ist. Alternativ kann auch eine Feststellbremse betätigt werden,
bezüglich der lediglich der Betätigungsvorgang selbst Energie erfordert, die Feststellbremse
nach der Betätigung jedoch wie die herkömmliche Handbremse in einem verrasteten Zustand
gehalten wird. In diesem Zusammenhang wird auf die DE 196 32 863 A1 hingewiesen.
[0015] Bezüglich einer Bewegung des Fahrzeugs ohne Motorkraft (Schieben, Abschleppen, Werkstattaufenthalt
etc.) kann es ferner erforderlich sein, die Betätigung der Betriebsbremse - evtl.
manuell - außer Kraft zu setzen, um eben ein Bewegen des Fahrzeugs in bestimmten Situationen
zu ermöglichen.
[0016] Insgesamt ist mit der vorliegenden Erfindung ein kostengünstiges, einfaches, sicherheits-
und komforterhöhendes Verfahren zum Anlassen des Motors eines Fahrzeugs angegeben.
Insbesondere wird der Bedienkomfort beim Fahrzeugstart erhöht, ohne daß der Fahrer
zusätzliche Aktionen vor dem Fahrzeugstart durchführen muß. Überdies ist die Sicherheit
durch Vermeidung von Fehlbedienungen und Wegrollen des Fahrzeugs beim Anlassen des
Fahrzeugs immer gegeben.
[0017] Ein sehr einfaches Ausführungsbeispiel des erfindungsgemäßen Verfahrens wird anhand
eines Ausführungsbeispiels und mit Bezug auf die einzige beiliegende Zeichnung näher
erläutert. Die Zeichnung zeigt ein Ablaufdiagramm eines erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0018] Voraussetzung zur Durchführung des Verfahrens ist eine Fahrzeugbremse, die über Fremdkraft
betätigbar ist. Solche Fahrzeugbremsen sind in den meisten der heutigen Fahrzeugen
in Form von Bremsregelsystemen vorhanden. Dabei wird zumeist über eine separate Pumpe
ein ausreichender Hydraulikdruck für einen hydraulischen Bremskreis zur Verfügung
gestellt und dieser Hydraulikdruck entsprechend den Bremsanforderungen über Ventile
moduliert. Natürlich kann auch jede andere über Fremdkraft betätigbare Fahrzeugbremse,
beispielsweise eine rein elektrische Bremse verwendet werden.
[0019] Ferner ist es erforderlich, Sensoren auszuwerten, die einen bevorstehenden Motorstart
angeben. Beispielsweise kann dabei ein Fernbedienungssignal zum Aufschließen oder
Freigeben der Fahrzeugtür ausgewertet werden. Überdies ist es auch möglich, den Türöffnungsschalter
auszuwerten. Beim vorliegenden Verfahren wird überprüft, ob der Zündschlüssel in die
Startposition ("Zündung-Ein"-Position) gedreht wurde. Ist dies der Fall, so wird ein
entsprechendes Signal an ein Steuergerät weitergegeben, welches auf einen bevorstehenden
Start des Motors schließt (Schritt 10).
[0020] Im Anschluß daran wird in Schritt 12 die Betriebsbremse automatisch aktiviert.
[0021] Das vorliegende Verfahren wird bei einem Fahrzeug mit automatisiertem Schaltgetriebe
eingesetzt, bei dem beim Abstellen des Fahrzeugs der erste Gang eingelegt wird. Aus
diesem Grunde wird in Schritt 12 nach dem automatischen Aktivieren der Betriebsbremse
die Kupplung automatisch geöffnet. Alternativ könnte auch der neutrale Gang eingelegt
werden.
[0022] Nach diesem Verfahrensschritt erfolgt nun in Schritt 16 der Start des Verbrennungsmotors,
welcher aufgrund der vorangegangenen Maßnahmen nicht zu einer unmittelbaren Bewegung
des Fahrzeugs führen kann.
[0023] Nach dem Start des Verbrennungsmotors wird die Betriebsbremse in Schritt 18 dann
gelöst, wenn irgendein Pedal des Fahrzeugs, beispielsweise das Fahrpedal oder das
Bremspedal betätigt wird. Durch die Betätigung eines dieser Pedale signalisiert der
Fahrer, daß er in einem fahrbereiten Zustand ist und die Kontrolle über das Fahrzeug
besitzt.
1. Verfahren beim Anlassen des Motors eines Fahrzeugs mit einem automatisierten oder
Automatikgetriebe und einer über Fremdkraft betätigbaren Fahrzeugbremse,
dadurch gekennzeichnet,
daß Umstände erfaßt werden, die das bevorstehende Anlassen des Motors zum Ausdruck
bringen, und
daß die Fahrzeugbremse, insbesondere die Betriebsbremse oder die Feststellbremse,
vor dem Anlassen des Motors zum sicheren Feststellen des Fahrzeugs über Fremdkraft
betätigt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das bevorstehende Anlassen über das Aufschließen des Fahrzeugs, das Öffnen der
Fahrzeugtür, eine Fahrersitzbelegungserkennung und/oder eine Betätigung des Zündschlüssels
oder der Zünd/Starteinrichtung ermittelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß überprüft wird, ob die Gangwahlvorrichtung auf Neutral gestellt ist, und - falls
dies nicht der Fall ist - die Gangwahlvorrichtung auf Neutral gestellt oder der Antriebsstrang
entkoppelt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Fahrzeugbremse nach dem Anlassen des Motors gelöst wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Lösen der Fahrzeugbremse erst bei Betätigung eines Pedals geschieht.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
daß die Fahrzeugbremse dann wieder gelöst wird, wenn nach einer bestimmten Zeitspanne
nach Aktivieren der Fahrzeugbremse kein Motorstart erfolgt ist.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Betätigung der Feststellbremse manuell unterbunden wird.