[0001] Die Erfindung betrifft einen Schaltantrieb für einen Leistungstrennschalter mit den
Schaltstellungen EIN-AUS-GEERDET, insbesondere zum Abschalten von hohen Strömen in
gasisolierten Mittelspannungsschaltanlagen.
[0002] Schaltantriebe dienen der Kraftübertragung von der Außenseite einer Schaltanlage
zu einem in dieser befindlichen Schaltgerät, beispielsweise zu einem Lasttrenn- oder
Leistungstrennschalter. In der EP 0508041 A1 ist ein solcher Federkraft-Schaltantrieb
für ein Schaltgerät mit den Schaltstellungen EIN-AUS-GEERDET beschrieben. Dieser Schaltantrieb
weist im wesentlichen eine Betätigungswelle zur Betätigung einer Schaltwelle und den
mit dieser verbundenen Schaltmessern (Schalterbetätigungswelle) für die EIN- und AUS-Schaltung
des mehrpoligen Schaltgerätes, eine Erderbetätigungswelle zur Betätigung der Schaltwelle
zum Schalten der Schaltmesser in die GEERDET-Stellung und eine Einschaltfeder sowie
eine Ausschaltfeder auf, die über getrennte mechanische Koppelglieder mit einer Antriebswelle
für die Ein- und Ausschaltung des Schaltgerätes verbunden sind. Dabei ist an der Schaltwelle
ein zweiarmiger Schaltwellenhebel drehfest angeordnet, dessen einer Arm mit einem
mit der Schalterbetätigungswelle verbundenen Schaltermitnehmer und dessen anderer
Arm mit einem mit der Erderbetätigungswelle verbundenen Erdermitnehmer in Wirkverbindung
steht. Die Mitnehmer sind quer zu den beiden parallel zueinander liegenden Betätigungswellen
bewegbar angeordnet und weisen jeweils eine Führungskulisse mit Freilauf für ein mit
dem jeweiligen Arm des Schaltwellenhebels verbundenes Mitnahmeglied auf. Für die normale
handbetätigte "EIN"- und "AUS"-Schaltung (ohne Ausschaltimpuls) wird durch Handdrehung
der Schalterbetätigungswelle über eine in diese von außen einführbare Kurbel in die
eine oder in die andere Richtung die Einschaltfeder jeweils über den Totpunkt bewegt,
wodurch ein Drehsprung erfolgt, der die Schaltwelle über den Schaltermitnehmer und
den Schaltwellenhebel in die gewünschte Schaltstellung versetzt. Für kompakte Schaltanlagen
besteht für einen derartigen Schaltantrieb die Forderung, diesen auf kleinstem Raum
unterbringen zu können bzw. so zu gestalten, daß dieser erhöhten mechanischen und
dynamischen Anforderungen gerecht wird, wobei auch die Feder-Antriebs-energien unter
Berücksichtigung der zumutbaren Betätigungsenergien erhöht sind.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, einen Schaltantrieb mit den Schaltstellungen EIN-AUS-GEERDET
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 so zu gestalten, daß dieser bei gleichem Platzbedarf
und im wesentlichen gleichen Betätigungsenergien, insbesondere für den normalen Schaltvorgang
von Hand, mechanisch und dynamisch höher belastbar ist.
[0004] Diese Aufgabe wird bei einem Schaltantrieb nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 durch
dessen kennzeichnende Merkmale gelöst. Weiterführende Ausgestaltungen sind in den
Unteransprüchen formuliert.
[0005] Die Erfindung besteht darin, daß der zweiarmige Schaltwellenhebel, der mit seinem
einen Arm mit einem Schaltermitnehmer und mit seinem anderen Arm mit einem Erdermitnehmer
über jeweils eine an diesen ausgebildete Führungskulisse und ein an dem jeweiligen
Arm angeordnetes Mitnahmeelement in Wirkverbindung steht, so gestaltet ist, daß der
schaltermitnehmerseitige Arm des Schaltwellenhebels auf der den beiden Betätigungswellen
abgewandten Seite in einem stumpfen Winkel zum erdermitnehmerseitigen Arm angeordnet
und gegenüber diesem erheblich verlängert ist, und daß die Führungskulisse des Schaltermitnehmers
schaltwellenhebelseitig im Abstand von dem in der AUS-Schaltstellung befindlichem
Mitnahmeelement für ein Schwenken desselben in die GEERDET-Stellung erweitert ist.
Der abgewinkelte und verlängerte Schaltwellenhebel ermöglicht die Übertragung eines
wesentlich höheren Drehmomentes bei einer sonst unveränderten räumlichen Zuordnung
der Kopplungselemente; also auch bei nahezu unveränderten Gehäusedimensionen. Zur
Sicherstellung einer Schaltung von der Schaltstellung AUS in GEERDET und zurück, für
die das am Schaltwellenhebel angeordnete Mitnahmeelement infolge der Abwinklung und
Verlängerung des Schaltwellenhebels einen entsprechend größeren Schwenkraum benötigt,
ist die Führungskulisse des Schaltermitnehmers im Bereich der Schwenkbahn des Mitnahmeelementes
erweitert. Im engeren Bereich, der für eine Schaltung des Schalters von AUS nach EIN
und zurück relevant ist, ist die Führungskulisse so gestaltet, daß sie das Mitnahmeelement
in beiden Bewegungsrichtungen quer zu den Betätigungswellen erfaßt. Dabei bleibt der
Schaltwellenhebel mit seinem Mitnahmeelement in seiner freien Beweglichkeit im Erdermitnehmer
im wesentlichen unbeeinträchtigt.
[0006] Der stumpfe Winkel liegt im Bereich von 120 bis 150°, vorzugsweise jedoch bei 135°.
Dieser Winkel gestattet es, den Hebelarm des Schaltwellenhebels erheblich, d.h. um
den Faktor 1,3 bis 1,7, vorzugsweise um das 1,5-fache (50 %) zu verlängern, ohne daß
die Position des Schaltermitnehmers wesentlich geändert werden muß.
[0007] Von Vorteil ist es, den erweiterten Bereich des Schaltermitnehmers durch eine auf
der den Betätigungswellen abgewandten Seite angeordnete Schräge zu bilden und den
so erweiterten Bereich schaltwellenhebelseitig zu öffnen. Dadurch behält der Schaltermitnehmer
im wesentlichen seine äußere Größe, kann seine Funktion beim Schalten von AUS nach
EIN und zurück erfüllen und ermöglicht dem Mitnahmeelement beim Schalten von AUS in
GEERDET und zurück eine weite Schwenkbahn, die teilweise außerhalb des Schaltermitnehmers
verläuft. Die Schräge kann im wesentlichen tangential zur Schwenkbahn des in der AUS-Schaltstellung
befindlichen Betätigungselementes und in unmittelbarer Nähe zur Schwenkbahn ausgebildet
sein.
[0008] Um eine einwandfreie Querbewegung des geöffneten Schaltermitnehmers zu den Betätigungswellen
und damit dessen Mitnahmefunktion für den Schaltwellenhebel bei einer Schaltung von
der Schaltstellung EIN in die Schaltstellung AUS und zurück sicherzustellen, ist es
zweckmäßig, eine Führungsschiene anzuordnen, an der der Schaltermitnehmer geführt
ist.
[0009] Der Schalterantrieb kann auch mit einem schaltwellenseitig geöffneten Erdermitnehmer
ausgerüstet sein.
[0010] Die Erfindung wird anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert. Die zugehörigen Zeichnungen
zeigen schematisch:
Fig. 1: einen Schaltantrieb in der Schaltstellung AUS,
Fig. 2: den Schaltantrieb in der Schaltstellung EIN und
Fig. 3: den Schaltantrieb in der Schaltstellung GEERDET.
[0011] Der in den Figuren (besonders Fig. 1) dargestellte Schaltantrieb weist eine Schalterbetätigungswelle
1, einen mit dieser gelenkig verbundenen Schaltermitnehmer 2, eine Erderbetätigungswelle
3, einen an dieser angelenkten Erdermitnehmer 4, eine mit den Schaltmessern der Phasen
über eine Pleuelstange (nicht dargestellt) gekoppelte Schaltwelle 5 und einen mit
dieser drehfest verbundenen zweiarmigen Schaltwellenhebel 6 auf. An dessen beiden
Armen 6a und 6b ist jeweils ein Mitnahmezapfen 7 angeordnet, der mit einer an dem
jeweiligen Mitnehmer 2 und 4 ausgebildeteten Führungskulisse 8 und 9 in Eingriff steht.
Die Mitnehmer 2 und 4 sind quer zu den Betätigungswellen 1 und 3 bewegbar angeordnet
und durch eine Drehung derselben in dieser Querrichtung bewegbar. An der Schalterbetätigungswelle
1 greift an einem zwischen zwei Schaltfederhebeln angeordneten Federaufhängebolzen
10 eine an einer Federführungsstange 11 geführte Schaltfeder 12 an. Der Schaltermitnehmer
2 ist an einer an der der Schalterbetätigungswelle 1 angeordneten Laufbuchse 13 angelenkt
und steht auch mit einer Ausschaltfeder AF in Wirkverbindung, über die ein Ausschaltimpuls
auf die Schalterbetätigungswelle 1 gebracht werden kann. Der Schaltwellenhebel 6 ist
zwischen dem Schaltermitnehmer 2 und dem Erdermitnehmer 4 angeordnet und durch diese
Mitnehmer um die Achse A der Schaltwelle 5 schwenkbar. Der schaltermitnehmerseitige
Arm 6a des Schaltwellenhebels 6 ist auf der den beiden Betätigungswellen 1 und 3 abgewandten
Seite in einem stumpfen Winkel α von 135° zum erdermitnehmerseitigen Arm 6b abgewinkelt
und um 50% länger als dieser ausgebildet.
[0012] Die Führungskulisse 8 des Schaltermitnehmers 2 ist in einem dem Schaltwellenhebel
6 abgewandten Bereich U-förmig gestaltet und stellt zwei gegenüberliegende Anschlagflächen
8a und 8b für den Mitnahmezapfen 7. In dem dem Schaltwellenhebel 6 zugewandten Bereich
ist der Schaltermitnehmer 2 offen, die Führungskulisse 8 ist zur Öffnung zu erweitert
und weist auf der den Betätigungswellen 1 und 3 abgewandten Seite eine Schräge 14
auf. Diese ist im wesentlichen tangential zur Schwenkbahn RB des in der AUS-Schaltstellung
(U) befindlichen Mitnahmezapfens 7 und in unmittelbarer Nähe - Spiel S - zu dieser
ausgebildet, wobei die Schräge 14 in einem Abstand B von der durch den in dieser Stellung
befindlichen Mitnahmezapfen 7 bestimmten Senkrechten zu den Betätigungswellen 1 und
3 beginnt. Bei Linksdrehung des Schaltwellenhebels 6 rückt das Mitnahmeelement 7 vollständig
aus der Innenkontur des Schaltmitnehmers 2 heraus. Zur Vermeidung unzulässiger Reibung
und zum Toleranzausgleich ist hier der kleine Abstand (Spiel S) hilfreich.
[0013] Bei Linksbewegung der Laufbuchse 13 nimmt der Schaltmitnehmer 2 den Schaltwellenhebel
6 über das Mitnahmeelement 7 mit. Der Abstand B stellt sicher, daß das Mitnahmeelement
7 auf der Innenfläche des Schaltmitnehmers 2 zu vollständigen Auflage kommt und nicht
die Schräge 14 in Eingriff gebracht wird.
[0014] Zur Einhaltung der vorbestimmten Bewegungsrichtung ist eine Führungsschiene 15 angeordnet,
mit der der Schaltermitnehmer 2 in Eingriff steht.
[0015] Zur Schaltung in die EIN-Schaltstellung (E) wird die Schalterbetätigungswelle 1 durch
eine Handdrehung über eine in diese von außen einführbare Kurbel so weit verdreht,
daß die Schaltfeder 12 über den Totpunkt bewegt und dadurch ein Drehsprung der Schalterbetätigungswelle
1 ausgelöst wird. Der Schaltermitnehmer 2 wird dabei quer zur Schalterbetätigungswelle
1 in die in Fig. 2 dargestellte EIN-Schaltposition (E) verschoben (Hub H1), wobei
der in der Führungskulisse 8 befindliche Mitnahmezapfen 7 von der Anschlagfläche 8b
erfaßt wird und den Schaltwellenhebel 6, die Schaltwelle 5 und die Schaltmesser im
Uhrzeigersinn in die Schaltstellung EIN (E) verschwenkt. Durch eine entgegengesetzte
Drehung der Schalterbetätigungswelle 1 kann der Schalter wieder in die Schaltstellung
AUS (U) gebracht werden, wobei der Schaltermitnehmer 2 den Mitnahmezapfen 7 mit seiner
Anschlagfläche 8a erfaßt und den Schaltwellenhebel 6 und damit die Schaltwelle 5 gegen
den Uhrzeigersinn verdreht.
[0016] Aus der AUS-Schaltstellung (U) heraus kann der Schalter in die GEERDET-Schaltstellung
(R) geschaltet werden. Dazu wird die Erderbetätigungswelle 3 betätigt und der an dieser
angelenkte Erdermitnehmer 4 bewegt (Hub H2), der den mit diesem in Eingriff stehenden
Mitnahmezapfen 7 und damit den Schaltwellenhebel 6, die Schaltwelle 5 und die Schaltmesser
im Gegenuhrzeigersinn in die GEERDET-Position (R) schwenkt, wie in Fig. 3 gezeigt
ist. Dabei wird der schaltermitnehmerseitige Mitnahmezapfen 7 aus der schaltwellenhebelseitig
offenen Führungskulisse 8 des Schaltermitnehmers 2 entlang der dort ausgebildeten
Schräge 14 ausgeschwenkt. Der Schaltermitnehmer 2 bleibt in seiner AUS-Position (U).
Ein Zurückschalten des Schalters in die AUS-Schaltstellung (U) wird durch eine umgekehrte
Bewegung des Erdermitnehmers 4 veranlaßt. Der schaltermitnehmerseitige Mitnahmezapfen
7 tritt dabei wieder in die Führungskulisse 8 ein.
1. Schaltantrieb für einen Leistungstrennschalter mit jeweils einem Festkontakt und einem
betätigbaren Schaltmesser je Phase und einer sowohl von einer Schalterbetätigungswelle
als auch von einer Erderbetätigungswelle über einen zweiarmigen Schaltwellenhebel
(6) antreibbaren und mit den Schaltmessern der Phasen gekoppelten Schaltwelle, wobei
der eine Arm (6a) des Schaltwellenhebels (6) mit einem mit der Schalterbetätigungswelle
verbundenen Schaltermitnehmer und der andere Arm (6b) mit einem mit der Erderbetätigungswelle
verbundenen Erdermitnehmer in Wirkverbindung steht und die Mitnehmer quer zu den beiden
parallel angeordneten Betätigungswellen (1; 3) bewegbar sind und eine Führungskulisse
(8) für ein mit dem jeweiligen Arm verbundenes Mitnahmeelement (7) aufweisen, dadurch gekennzeichnet, daß der schaltermitnehmerseitige Arm (6a) des Schaltwellenhebels (6) auf der den
beiden Betätigungswellen (1; 3) abgewandten Seite in einem stumpfen Winkel (a) zum
erdermitnehmerseitigen Arm (6b) angeordnet und gegenüber diesem erheblich verlängert
ist, und daß die Führungskulisse (8) des Schaltermitnehmers (2) schaltwellenhebelseitig
im Abstand (B) von dem in der AUS-Schaltstellung (U) befindlichen Mitnahmeelement
(7) für ein Schwenken desselben in die GEERDET-Stellung (R) erweitert ist.
2. Schaltantrieb nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der stumpfe Winkel (α) im Bereich von 120° bis 150° liegt.
3. Schaltantrieb nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß der stumpfe Winkel (α) 135° beträgt.
4. Schaltantrieb nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Schaltermitnehmer (2) schaltwellenhebelseitig offen ist und der erweiterte
Bereich durch eine auf der den Betätigungswellen (1; 3) abgewandten Seite ausgebildete
Schräge (14) gebildet ist.
5. Schaltantrieb nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Schräge (14) im wesentlichen tangential zur Schwenkbahn (RB) des in der AUS-Schaltstellung
(U) befindlichen Mitnahmeelementes (7) und mit geringem Abstand (S) zu dieser ausgebildet
ist.
6. Schaltantrieb nach Anspruch 1 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Schaltermitnehmer (2) an einer quer zu den Betätigungswellen (1; 3) ausgebildeten
Führungsschiene (15) geführt ist.
7. Schaltantrieb nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Führungskulisse (9) des Erdermitnehmers (4) schaltwellenhebelseitig offen
ist.