[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von halogenorganischen
Stoffen in festen und flüssigen Stoffgemischen, bei welchem der Stoff oder das Stoffgemisch
unter Zusatz von elementarem Alkalimetall, Erdalkalimetall, Aluminium oder Eisen als
Reduktionsmittel und wenigstens einem Reagenz mit zumindest leicht aktiviertem Wasserstoff
als Wasserstoffquelle behandelt wird. Es ist insbesondere zur Detoxifizierung von
halogenorganisch kontaminierten Böden und anderen komplex zusammengesetzten Materialien,
aber auch zur Dekontaminierung und gegebenenfalls Recyclierung flüssiger oder überwiegend
flüssiger halogenorganisch belasteter Stoffe geeignet.
[0002] Toxische polyhalogenierte organische Schadstoffe lassen sich bislang unter ökonomisch
wie ökologisch gleichermaßen vorteilhaften und zukunftsweisenden Bedingungen mit keiner
der heutzutage bekannten Sanierungstechnologien detoxifizieren. Häufig liegen diese
Stoffe als Verunreinigungen, zudem in großen Mengen, in Böden, Fluß- oder Meeressedimenten,
Klärschlämmen, Filterstäuben, Baumaterialien, Sickerölen, Altölen etc. vor, d.h. vergesellschaftet
mit einer undefinierbaren Zahl von Fremd- und Begleitstoffen unterschiedlichster Eigenschaften.
Die Entgiftung und Sanierung solcher komplex zusammengesetzten, heterogenen, festen,
fest-flüssigen oder flüssigen Materialien und Altlasten wirft besonders umfangreiche
Probleme auf.
[0003] Es gibt zwar eine Anzahl thermischer und anderer hochenergetischer Verfahren zur
Zerstörung gefährlicher Kohlenwasserstoffe der oben genannten Art, auch für solche,
die speziell in komplex aufgebauten Materialien verteilt vorliegen. Dazu gehören u.
a. die Hochtemperaturverbrennung und die Verbrennung in Glas- oder Salzbädern. Jedes
dieser Verfahren weist allerdings einige spezifische Nachteile auf, so daß Entwicklungsbedarf
für alternative Technologien vorhanden ist.
[0004] Beispielsweise ist die Hochtemperaturverbrennung nicht nur äußerst kostenintensiv,
sondern sie wirft auch neue Probleme auf. Bei polychlorierten Verbindungen führt sie
etwa zur Bildung von PCDD/PCDF, die in aufwendigen nachgeschalteten Verfahrensschritten
aus dem Rauchgas und den Filterstäuben entfernt und schließlich entsorgt werden müssen.
Die heute gängige Art der "Entsorgung" dieser hochtoxischen Stäube besteht dabei vielfach
in einer Ablagerung auf sogenannten Sondermülldeponien.
[0005] Biologische Methoden zum Abbau toxischer organischer Verbindungen in komplexen Matrizes
weisen ebenfalls methodenspezifische Nachteile auf, die ihre generelle Einsetzbarkeit
beschränken.
[0006] Eine gewisse Verbreitung haben alkalimetallgestützte Verfahren gefunden, bei denen
feinverteilte Metallsuspensionen oder -dispersionen in indifferenten flüssigen Medien,
wie z. B. Weißöl, eingesetzt werden; sie sind in ihrer Anwendbarkeit jedoch überwiegend
beschränkt auf wenige Spezialprobleme, d.h. die Detoxifizierung von relativ reinen,
flüssigen Schadstoffen oder Schadstoffgemischen oder praktisch homogenen, kontaminierten,
waserfreien Flüssigkeiten, wie z. B. PCB-haltigen Transformatoren- oder Motorenaltölen.
[0007] Weitere Verfahren, bei denen allein andere unedele Metalle mit geringer Reduktionskraft
zum Einsatz kommen, wie z. B. Aluminium, Zink, oder Eisen, sind nicht zur Detoxifizierung
wichtiger spezieller Stoffgruppen, z. B. polychlorierter Aromaten, geeignet, weil
letztere mit diesen Metallen nicht vollständig dechloriert werden können. Nicht alle
Chloratome eines polychlorierten Moleküls werden so entfernt, und eine Detoxifizierung
wird nicht erreicht oder nur in Gegenwart toxischer Katalysatoren oder Promotoren,
beispielsweise Triphenylphosphin, Nickel oder Nickelverbindungen, was ebenfalls aus
toxikologischen Gründen große Probleme verursacht. Die Verwendung von toxischen Substanzen
zur Dehalogenierung von Organohalogenen in Böden, Sedimenten etc.
bedeutet lediglich den Austausch einer bestehenden Kontaminierung durch eine andere
und bietet damit keine Lösung des Problems.
[0008] Die für Flüssigkeiten oder Flüssig-Gemische bekannten Verfahren lassen sich nicht
ohne weiteres auf Feststoffe übertragen. In Feststoffen enthaltene Halogenorganika
können aufgrund der hohen Transporthemmungen bei Feststoff-Feststoff-Reaktionen häufig
nur schwer von Reagentien erreicht werden. Insbesondere lassen sich polyhalogenierte
organische Stoffe, die in der Umwelt als Verunreinigungen z. B. in Böden, Fluß- oder
Meeressedimenten, Klärschlämmen, Filterstäuben, Baumaterialien oder Sickerölen, mithin
festen oder fest-flüssigen, ausnahmslos sehr heterogenen Materialien, in großen Mengen
angetroffen werden, aufgrund der komplexen Zustandsformen dieser Matrizes und den
daraus resultierenden vielfältigen Transporthemmungen besonders schwer angreifen und
damit nur unvollständig oder gar nicht zur Reaktion bringen.
[0009] Das der Erfindung zugrundeliegende Problem besteht daher darin, ein Verfahren zur
reduktiven Dehalogenierung von halogenorganischen Stoffen so auszugestalten, daß es
möglich ist, verschiedene heterogene feste und flüssige Stoffgemische, insbesondere
auch komplex zusammengesetzte Mischungen und kontaminierte Böden mit teilweise unbekannten
anderen Inhaltsstoffen in einem universellen Verfahren weitestgehend zu dehalogenieren,
wobei keine neuen schädlichen Nebenprodukte entstehen sollen.
[0010] Das Verfahren soll dabei einen möglichst einfach zu handhabenden Verfahrensablauf
besitzen und relativ schnell arbeiten.
[0011] Zur Lösung dieses Problems ist gemäß der Erfindung bei einem Verfahren der eingangs
genannten Art vorgesehen, daß der halogenorganische Stoff oder das Stoffgemisch in
einer sämtliche Stoffe umfassenden Mahlung unter mechanischer Aktivierung in einem
Schritt reduktiv praktisch vollständig dehalogeniert wird.
[0012] Die Erfindung ist anwendbar auf Organohalogenverbindungen, die in festen oder flüssigen
Fremdstoffen oder Fremdstoffgemischen enthalten sind, aber auch als feste oder flüssige
Reinstoffe oder in Gemischen aus diesen vorliegen können. Diese Stoffe oder Stoffgemische
werden, was das Grundverfahren angeht, in nur einem einzigen Verfahrensschritt behandelt,
d.h. es werden unter milden Reaktionsbedingungen alle Komponenten, darunter wenigstens
ein Reduktionsmittel und eine Wasserstoffquelle, innig vermischt.
[0013] Das Verfahren umfaßt die Vermahlung der Reaktionspartner unter Eintrag eines mehr
oder weniger großen Betrages an mechanischer Energie. Hierdurch wird zumindest eine
Feinverteilung in sehr kleine Partikel und dadurch eine intensive Vermischung sämtlicher
Bestandteile des Gemisches bewirkt, so daß zwischen den eingesetzten Reagentien und
den Organohalogenen im zeitlichen Mittel ein intensiver Kontakt hergestellt wird und
diese dadurch zur gewünschten Reaktion gebracht werden. Zusätzlich wird die Reaktivität
der festen Bestandteile durch die Feinverteilung aufgrund von oberflächenphysikalischen
Effekten gesteigert.
[0014] Darüber hinaus wird bei genügendem Energieeintrag die Reaktivität stark erhöht. Die
mechanisch aktivierte Behandlung in fester oder fest-flüssiger Phase scheint besonders
geeignet für' den vollständigen oder nahezu vollständigen Abbau polyhalogenierter
Verbindungen mit Hilfe von Wasserstoffdonoren.
[0015] Durch die Steigerung der Reaktivität von Feststoffen infolge spezieller mechanischer
Aktivierung, können auch Stoffe, die in komplexen festen oder fest-flüssigen Materialien
verteilt sind, chemisch angegriffen und effizient umgesetzt werden. Folglich lassen
sich auch organische Schadstoffe, die in festen Matrizes wie Böden, Sedimenten usw.
vorliegen, durch mittels mechanischer Aktivierung unterstützte Abbaureaktionen gezielt
zerstören.
[0016] Im Vergleich zur Hochtemperaturverbrennung und anderen hochenergetischen Verfahren
hat das erfindungsgemäße Verfahren den Vorteil, daß es unter milden Reaktionsbedingungen,
d.h. im allgemeinen bei Raumtemperatur und unter Normaldurck, durchführbar und technisch
weitaus weniger aufwendig ist. Es ist daher auch für kleine mobile Anlagen auslegbar.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, daß ggf. ein Recycling oder eine Weiterverwertung
der zu dekontaminierenden Materialien möglich ist, die bei einer Verbrennung grundsätzlich
vernichtet würden.
[0017] Das Verfahren arbeitet grundsätzlich bei niedrigen Temperaturen, vorzugsweise bei
Raumtemperatur unter Normaldruck. Dabei ist es jedoch möglich, daß durch den intensiven
Eintrag mechanischer Energie und/oder die bei der Dehalogenierung frei werdende Reaktionswärme
im Verlaufe des Verfahrens eine Erwärmung eintritt.
[0018] Das metallische Reduktionsmittel wird vorteilhaft wenigstens in geringem Überschuß
eingesetzt. Die erforderliche Menge an Reduktionsmittel kann in Vorversuchen an Proben
des konkreten Dekontaminierungsobjekts bestimmt werden.
[0019] Als Reduktionsmittel sind allgemein unedele Metalle, und zwar im besonderen Alkalimetalle,
Erdalkalimetalle, Aluminium und Eisen vorgesehen. Unter den Alkalimetallen sind Natrium
und Kalium bevorzugt, unter den Erdalkalien Magnesium und Calcium. Unter Anwendung
der Prinzipien dieser Erfindung können jedoch auch andere unedle Metalle eingesetzt
weren, wobei zu beachten ist, daß die Bildung toxischer Produkte vermieden werden
sollte.
[0020] Die reduktive Entfernung von Halogenen aus halogenorganischen Stoffen mit Hilfe von
unedlen Metallen, insbesondere Alkalimetallen, ist im Prinzip seit langem bekannt
und mechanistisch gut untersucht. Bis heute ist jedoch nur unzureichend erkannt worden,
daß sich einige dieser Reaktionen auch zur Eliminierung von toxischen organischen
Stoffen in unserer Umwelt nutzen lassen. Nach der Erfindung wird die Reduktion mit
dem Metall'außerdem durch die Zuführung mechanischer Energie und Zugabe wenigstens
eines Wasserstoffdonors unterstützt.
[0021] Überraschend ist, daß polychlorierte Aromaten in flüssigen, festen oder fest-flüssigen
Stoffen auch mit Magnesium in einer Eintopfreaktion bei Raumtemperatur reduktiv vollständig
dechlorierbar sind. U.a. wurden Magnesium-Späne eingesetzt, die im Laboratorium wie
auch in der Industrie seit Jahrzehnten in großem Umfang zur Erzeugung von Grignard-Reagentien
verwendet werden. Im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, daß Grignard-Reaktionen
praktisch nur in speziellen, hochgereinigten, toxikologisch bedenklichen und leicht
entzündlichen Lösungsmitteln, wie z. B. Diethylether oder Tetrahydrofuran, dazu unter
striktem Feuchtigkeitsausschluß, mit Schutzgas und unter Einsatz spezieller Katalysatoren
durchführbar sind, zeigte sich beispielsweise, daß in einer rein flüssigen Phase allein
durch Auflösung des Metalls in Methanol, in einer festen Matrix durch Anwendung einer
Kugelmahlung unter geringem Zusatz von Methanol, Ethanol oder niedermolekularen primären
Aminen die Durchführung von miteinander gekoppelten Grignard- und Zerewitinoff-Reaktionen
in einer festen Sandmatrix gelang.
[0022] Als Wasserstoffquelle mit zumindest leicht aktiviertem Wasserstoff werden vorzugsweise
Alkohole, Ether, Polyether, Amine oder Hydroxide, wie z. B. Calciumhydroxid, oder
Metall- oder Nichtmetallhydride wie z.B. Calciumhydrid, Natriumhydrid, Natriumboranat,
Lithiumalanat, Trialkylsilane, Polyalkylhydrogensiloxane, einzeln oder in Kombination,
eingesetzt.
[0023] Aus der Gruppe der Alkohole können beispielsweise niedermolekulare aliphatische Alkohole
verwendet werden. Unter niedermolekularen Alkoholen sind beispielsweise aliphatische
Alkohole mit 1 bis 7 Kohlenstoffatomen zu verstehen wie Methanol, Ethanol, Propanol,
Isopropanol, Butanol, sek.- und tert.-Butanol, Pentanol, Hexanol, Heptanol, Cyclopropanol,
Cyclobutanol, Cyclopentanol, Cyclohexanol, Cycloheptanol, 2-Methylcyclopropanol, Cyclopropylmethanol,
Polyalkylenglykole, einfach veretherte Polyalkylenglykole, Aminoalkohole, Polyole,
wie z.B. Ethylenglykol, Glycerin, Pentaerythrit u.a.m.
[0024] Aus der Gruppe der Ether können beispielsweise einfache symmetrische oder asymmetrische
aliphatische Ether, cyclische Ether oder Polyether verwendet werden. Beispiele umfassen
Diethylether, Propylether, Isopropylether, n-Butylether sowie dimere oder trimere
Polyether, Coronanden, Cryptanden, Spheranden, Etheramine, wie z.B. 2-Methoxyethylamin
usw.
[0025] Aus der Gruppe der Amine sind aliphatische Amine und darunter niedere primäre oder
sekundäre aliphatische Amine bevorzugt. Beispiele für geeignete Amine sind: Primäre,
sekundäre oder tertiäre aliphatische und alicyclische Mono- oder Polyamine, Methylamin,
Ethylamin, 1- und 2-Propylamin, 1- und 2-Butylamin, Ethylendiamin, Tri-, Tetra-, Penta-,
Hexamethylendiamin, Dimethylamin, Diethylamin, Di-n-propylamin, Cyclopentyl- und Cyclohexylamin,
Stickstoffheterocyclen und Perhydrostickstoffheterocyclen, z.B. Piperidin, 1-(2-Aminoethyl)-piperazin,
1-(2-Aminoethyl)-pyrrolidin und 1-(2-Aminoethyl)-piperidin, 4-(2-Aminoethyl)-morpholin.
Ferner eignet sich für denselben Zweck flüssiger Ammoniak.
[0026] Alternativ zu den Aminen kommen auch bestimmte Amide in betracht. Verwendet werden
können beispielsweise: 1,3 Dimethyl-3,4,5,6-tetrahydro-2(1H)-pyrimidon (Dimethylpropylenharnstoff,
DMPU), 1,3-Dimethyl-2-imidazolidinon (N,N-Dimethylethylenharnstoff, DMEU), 1-Methyl-2-pyrrolidon
(NMP), 1-Ethyl-2-pyrrolidon, N,N-Diethylacetamid, N,N-Diethylpropionamid, N,N-Diethylisobutyramid.
[0027] Auf die gesonderte Zugabe einer Wasserstoffquelle kann verzichtet werden, wenn bekannt
ist, daß sich in dem zu behandelnden Gemisch bereits eine als Wasserstoffquelle geeignete
Substanz in ausreichender Menge befindet.
[0028] Die erfindungsgemäße mechanische Aufbereitung kann in einem Vermahlen in einer mechanischen
Mühle bestehen, beispielsweise einer Kugelmühle, einer Hammermühle oder einer Schwingmühle.
Bei diesem Vermahlen können zusätzlich Mahlhilfen eingesetzt werden. Als Mahlhilfen
kommen allgemein Stoffe zum Einsatz, die die Oberflächenenergie und/oder die plastische
Deformation von Feststoffen bei Einwirkung mechanischer Energie reduzieren können.
Hierzu zählen beispielweise: Oberflächenaktive Stoffe in verschiedenen Zustands- oder
Aufbereitungsformen, wie z.B. quartäre Ammoniumverbindungen, die nicht nur in Reinsubstanz
eingesetzt werden können, sondern auch immobilisiert an inerten, oberflächenaktiven
Trägern, wie Schichtsilikaten, Tonen (sog. "organophilen Bentoniten") ferner substituierte
Alkylimidazoline und Sulfosuccinamide, Fettsäuren, Fettsäureester und - amide, primäre,
sekundäre und tertiäre Alkyl- und Fettamine mit einer oder mehreren Amingruppen, alicyclische
Amine, wie beispielsweise Cyclohexylamin, Polyhydrostickstoffheterocyclen, wie z.B.
Piperidin (Hexahydropyridin) Mono-, Di- oder Trialkanolamine, einfache Glykole, Polyalkylenglykole,
wie z.B. Polyethylen- und Polypropylenglykole, und deren Mono- oder Diether, Organosliziumverbindungen,
insbesondere Silikone, spezielle für den Zweck geeignete anorganische Salze, z.B.
Aluminiumchlorid.
[0029] Der mechanisch bereits aktivierte Reaktionsablauf kann durch den zusätzlichen Einsatz
von Reaktionsbeschleunigern weiter verstärkt bzw. beschleunigt werden. Als Reaktionsbeschleuniger
können Stoffe verwendet werden, die in der Lage sind, unedle Metalle, insbesondere
Alkali- und Erdalkalimetalle, teilweise oder vollständig zu lösen und/oder deren Dissoziation
in Metallkationen und -anionen und/oder die Bildung solvatisierter Elektronen zu befördern
und/oder metallorganische Verbindungen, wie z.B. alkali- oder erdalkalimetallorganische
Verbindungen, zu solvatisieren und/oder zu stabilisieren, wie z.B. flüssiger Ammoniak,
primäre, sekundäre oder tertiäre aliphatische und alicyclische Mono- oder Polyamine,
Polyhydrostickstoffheterocyclen, aliphatische und cyclische Monoether, Podanden, Coronanden,
Cryptanden, Spheranden, Etheramine, wie z.B. 2-Methoxyethylamin, Amide, wie z.B. 1,3-Dimethyl-3,4,5,6-tetrahydro-2(1H)-pyrimidon
(Dimethylpropylen-harnstoff, DMPU), 1,3-Dimethyl-2-imidazolidinon (N,N-Dimethylethylenharnstoff,
DMEU), 1-Methyl-2-pyrrolidon (NMP), 1-Ethyl-2-pyrrolidon, N,N-Diethylacetamid, N,N-Diethylpropionamid,
N/N-Diethylisobutyramid.
[0030] Die Mahlhilfe(n) und/oder Reaktionsbeschleuniger können dem Stoff oder Stoffgemisch
in einem nachgeschalteten Schritt, d.h. gesondert nach Zugabe der Reaktanden, zugegeben
und mechanisch eingearbeitet werden.
[0031] Das metallische Reduktionsmittel kann einerseits dem Gemenge direkt in reiner Form
zugegeben werden. Dies bietet sich insbesondere bei den Erdalkalimetallen an, die
an der Luft weniger reaktiv sind als die Alkalimetalle, z.B. bei Magnesiumspänen.
[0032] Alternativ kann das metallische Reduktionsmittel in einer Zubereitung dispergiert
oder suspendiert vorliegen, beispielsweise dispergiert in einer nicht oxidierenden
Flüssigkeit oder der flüssigen Wasserstoffquelle. Vorteilhaft zu verwenden sind Dispersionen
aus dem gewählten Metall in Weißöl, Paraffin oder in Ethern, auch Polyethern wir Diglyme,
Triglyme, Tetraglyme, Polyethylenglykol und Polyethylenglykolderivaten, verätherten
Diund Polyglymen.
[0033] Weiterhin kann das metallische Reduktionsmittel mit einem festen Träger vermengt
bzw. auf diesen aufgebracht werden. Als vorteilhafte Zubereitung hat sich z.B. eine
Mischung aus Alkalimetall, insbesondere Natrium, mit Calciumsilicat oder Calciumoxid
erwiesen.
[0034] Es wurde gefunden, daß sich die Kugelmahlung auch zur Reaktivitätssteigerung der
Metalle allein in einem isolierten Arbeitsschritt durch mechanische Feinverteilung
eignet, insbesondere zur Feinverteilung von Alkalimetallen auf oberflächenaktiven
festen Inertträgerstoffen. Gegenüber herkömmlichen Verfahrensweisen, bei denen in
einer Spezialapparatur unter Rühren bei hohen Temperaturen geschmolzenes Alkalimetall
auf feste Inertträgerstoffe aufgebracht wird, bietet die neue Methode den Vorteil,
daß bei Raumtemperatur gearbeitet wird und die Vorgehensweise einfacher und schneller
ist, indem man das Alkalimetall und das Trägermaterial einfach zusammen in ein Mahlgefäß
oder die Mühle füllt und innerhalb weniger Minuten zu einer homogenen, feinpulverigen
Dispersion vermahlt.
[0035] Wahlweise kann das Verfahren somit auch zweistufig gestaltet werden, wobei z.B. durch
Kugelmahlung in einem ersten Schritt vorproduziertes feinverteiltes Metall erst in
einem zweiten Schritt unter Zusatz von Reaktionsbeschleunigern sowie ggf. weiteren
Zuschlagsstoffen vermahlen wird. Weiterhin ist es möglich, auch auf konventionellem
Weg gewonnene Alkalimetalldispersionen, d.h. sowohl Dispersionen in inerten Fluiden
als auch auf inerten festen Trägern, mit Reaktionsbeschleunigern und ggf. weiteren
Zuschlagsstoffen in einen organohalogenhaltigen Feststoff einzumahlen oder einzumischen
und dadurch die Enthalogenierung zu bewirken.
[0036] Das Verfahren kann auch zur Ergänzung anderer Verfahren, z.B. von Waschprozessen,
herangezogen oder mit diesen kombiniert werden. Eine vorherige Aufbereitung kontaminierter
Böden mit Calciumoxid (Ätzkalk oder Branntkalk), die auch bei anderen Aufbereitungsverfahren
bekannt ist und u.a. zur Trocknung des Gemisches dient, kann fallweise sinnvoll sein.
[0037] Das Verfahren kann diskontinuierlich, batchweise, oder kontinuierlich durchgeführt
werden.
[0038] Bei der diskontinuierlichen Arbeitsweise werden zunächst alle Reaktionspartner, d.h.
wenigstens der zu behandelnde Stoff oder das Gemisch/Gemenge, das metallische Reduktionsmittel
und der Wasserstoffdonor, in ein Gerät gegeben, das eine mechanische Bearbeitung ermöglicht,
wie eine Mühle oder einen (dynamischen) Mischer. Bei der Dekontaminierung in festen
oder fest-flüssigen Medien wird eher eine Mühle, z.B. eine Kugelmühle, eine Hammermühle
oder eine Schwingmühle verwendet werden, während bei flüssigen Systemen ein Mischer
genügen kann. Als Mischer sind beispielsweise Reib-, Schnecken- oder Walzenmischer
geeignet.
[0039] Es ist ein Vorteil der Erfindung, daß die Bearbeitung in nur einem Schritt erfolgen
kann, wobei die Reaktionspartner nacheinander oder allmählich zugegeben werden können.
Eine kontinuierliche Verfahrensführung könnte beispielsweise in einer Schneckenmühle
oder einem Schneckenmischer erfolgen.
[0040] Im folgenden wird das Verfahren anhand einiger Beispiele näher erläutert.
Beispiel 1
Chlophen-kontaminierter Modellboden/Na-Ca-Silikat/n-Butylamin
[0041] In einer Exzenter-Schwingmühle "ESM 234", Fa. Siebtechnik, Mülheim a. d. Ruhr, die
zu 80% mit Stahlkugeln (Durchmesser je 20 mm) gefüllt ist, werden 3,8 kg Quarzsand
(Schüttgewicht 1,27 g/ml) mit 180 g Calciumoxid zwecks Trocknung für zehn Minuten
durch Vermahlen vermengt. Man mischt, gleichfalls durch Vermahlen, 10,2 g n-Butylamin
eine Minute lang ein. Zuletzt werden 156,7 g einer 26%igen Natrium-Calciumsilikat-Dispersion
zugefügt und für 30 Minuten mit dem kontaminierten Modellboden vermahlen.
[0042] Der Modellboden war künstlich durch Zugabe einer Mischung aus 5 g Chlophen A30 und
150 g Calciummoxid/Calciumhydroxid, die fünf Minuten lang eingemahlen wurden, kontaminiert
worden.
[0043] Die GC-ECD-Analyse (interner Standard: Decachlorbiphenyl) einer Modellbodenprobe
nach dieser Behandlung belegt einen Abbau der PCB um 99,7%. Ferner kann aufgrund der
GC-Befunde die Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter Stoffe ausgeschlossen
werden.
[0044] Herstellung der 25%igen Natrium-Calciumsilikat-Dispersion: In einer Fliehkraftkugelmühle S1, Fa. Retsch, Haan, 500 ml-Edelstahl-Mahlbecher
mit 3 Edelstahlkugeln (Durchmesser je 20 mm) und Edelstahl-Verschlußdeckel mit Gummidichtring,
werden 150 g oberflächenaktives Calciumsilikat (z.B. Fa. "Cape-Boards Siborit" GmbH,
Lüneburg, oder Xonolit, Fa. "Eternit" SA, Kapelle Op den Bor, Belgien), versetzt mit
50 g Natriumstücken und mit Argon überschichtet für 5 bis 15 Minuten bei höchster
Drehzahl (≈ 500min
-1) vermahlen. Man erhält ein dunkelgraues, homogenes, hochreaktives Pulver. Als weiterhin
besonders günstige Trägermaterialien haben sich wasserfreie Tone, z.B. Tixogel oder
Tixosorb der Fa. Südchemie, Moosburg, erwiesen.
Beispiel 2
Chlophen-kontaminierter Modellboden/Mg/Tetraglyme/n-Butylamin
[0045] In einer Exzenter-Schwingmühle "ESM 234" (Daten s. Bsp.1) werden 3,8 kg Quarzsand
(Schüttgewicht 1,27 g/ml) mit 200g Calciumoxid zwecks Trocknung für zehn Minuten durch
Vermahlen vermengt. Man mischt, gleichfalls durch Vermahlen, eine Mischung aus 5 g
Chlophen A30 und 150 g Calciumoxid/Calciumhydroxid, 18,2 g n-Butylamin und 51,1 g
Tetraethylenglykoldimethylether (Tetraglyme) zwei Minuten lang ein. Zuletzt werden
102 g Magnesium-Späne zwei Stunden lang eingemahlen.
[0046] Die GC-ECD-Analyse (interner Standard: Decachlorbiphenyl) belegt einen Abbau der
PCB um 99,7%. Die Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter Stoffe kann ausgeschlossen
werden.
Beispiel 3
[0047] Vorbehandelter PCB-kontaminierter Boden/Na/n-Propylamin Behandelt wird ein PCB-kontaminierter,
bindiger Boden, der zuvor einem Waschprozeß mit wasser und Tensiden unterworfen wurde.
Aus der Schwebfraktion dieses Prozesses, die mit Hilfe von Flockungsmitteln auf Polyamidbasis
ausgefällt wurde, ließ sich eine Restkontamination von ca. 250 ppm PCB nicht mehr
entfernen. In einer Exzenter-Schwingmühle "ESM 234" (Daten s. Bsp.1). werden 3 kg
dieser PCB-kontaminierten Bodenfraktion, Restfeuchte nach thermischer Vortrocknung
ca. 2 %, mit 200 g Calciumoxid zwecks Trocknung für 30 Minuten durch vermahlen vermengt.
Man mischt, gleichfalls durch Vermahlen, 150 g n-Propylamin eine Minute lang ein und
wartet noch 5 Minuten. Zuletzt werden 200 g Natrium in Form zylindrischer Stücke (jeweils
1 bis 2 cm lang und dick) 45 Minuten lang eingemahlen.
[0048] Die GC-ECD-Analyse (interner Standard: Decachlorbiphenyl) belegt einen Abbau der
PCB um 98,5%. Die Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter Stoffe kann ausgeschlossen
werden.
[0049] Aufgrund der hohen Polyamid-Beimengungen mußte eine deutlich höhere Natrium-Portion
eingesetzt_werden, als dies für die vollständige Dechlorierung der PCB allein erforderlich
gewesen wäre.
Beispiel 4
[0050] Vorbehandelter PCB-kontaminierter Boden/Na/Tetraglyme In einer Exzenter-Schwingmühle
"ESM 234" (Daten s. Bsp.1) werden 3 kg der in Beispiel 4 eingesetzten, PCB-kontaminierten
Bodenfraktion aus einem Waschprozeß, Restfeuchte nach thermischer Vortrocknung ca.
2 %, mit 200 g Calciumoxid zwecks Trocknung für 30 Minuten durch Vermahlen vermengt.
Man mischt, gleichfalls durch Vermahlen, 100 g Tetraglyme eine Minute lang ein. Zuletzt
werden 200 g Natrium (zylindrische Stücke, 1 bis 2 cm lang und dick) 90 Minuten lang
eingemahlen, und man läßt dann den Inhalt der Mühle über Nacht ohne weitere Maßnahmen
stehen.
[0051] Die GC-ECD-Analyse (interner Standard: Decachlorbiphenyl) belegt einen Abbau der
PCB nachg 90 Minuten um 92 %, nach Stehenlassen über Nacht von mehr als 99,9 %. Die
Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter Stoffe kann ausgeschlossen werden.
Beispiel 5
Chlophen-kontaminierter Seesand /Na-CaO/ECOH-Triglyme
[0052] 0,05 g Chophen A30 werden mit 10 g Seesand p.A., 0,25 g Triglyme und 0,52 g Ethanol
(=19,1 Äquivalente pro Gesamtchlor) in einer Fliehkraftkugelmühle S1, Fa. Retsch,
Haan, 50 ml-Edelstahl-Mahlbecher mit 3 Edelstahlkugeln (Durchmesser je 10 mm) und
Edelstahl-Verschlußdeckel mit Gummidichtring, für eine Minute bei höchster Drehzahl
(≈500 min
-1) vermahlen. Nach 1 Minute Mahldauer entnimmt man das Mahlgefäß aus der Mühle, öffnet
es und spült es unter einem umgestülptem Trichter mit Argon (5,0, Fa. Linde). Dann
wird rasch unter einer Argon-Dusche Natrium-Calciumoxid-Dispersion (52 % Na) hinzugefügt,
noch kurz mit Argon weiter begast und schließlich der Mahlbecherdeckel wieder aufgesetzt.
Die Mahldauer beträgt eine Stunde bei höchster Drehzahl.
[0053] Die GC-MS-Analyse belegt einen vollständigen Abbau der PCB (Hauptabbauprodukt Phenylcyclohexan).
Die Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter Stoffe kann ausgeschlossen werden.
[0054] Herstellung einer 52%igen Natrium-Calciumoxid-Dispersion: Eine Möglichkeit, auf trockenem Wege Natrium auf Calciumoxid zu verteilen, besteht
darin kleine Natriumstücke mit Calciumoxid in einer Fliehkraftkugelmühle für 5 bis
15 Minuten, wie bei oberflächenaktiven Materialien beschrieben (s.o.), zu vermahlen.
Auf diese Weise lassen sich 5 % des Alkalimetalls auf dem Träger homogen verteilen.
Man erhält brauchbare Natrium-Calciumoxid-Dispersionen, wenn man zunächst das Alkalimetall
in Gegenwart von Toluol unter Rückflußbedingungen auf Calciumoxid einwirken läßt und
anschließend den Ansatz mit einem Hochgeschwindigkeitsrührer oder Dispergator, z.B.
Ultra-Turrax der Fa. "Janke & Kunkel", bei hoher Geschwindigkeit durchmischt. Nach
Abdestillation des Toluols bleibt ein dunkelgrauer, fein gepulverter, bei visueller
Prüfung völlig homogener Feststoff zurück. Nach dieser Vorgehensweise lassen sich
praktisch stufenlos verschiedene Konzentrationen des Alkalimetalls in der Dispersion
realisieren. Die Methode ist über das System Natrium-Calciumoxid hinaus sehr flexibel
anwendbar: Beispielsweise gelingt mit ihr auch die Bereitung einer 25 %igen Kalium-Calciumoxid-Dispersion,
die äußerlich der Natrium-Dispersion gleicht. Man gewinnt ein dunkelgraues, völlig
homogenes Pulver. Es ist jedoch an der Luft pyrophor und kann daher nicht ohne weiteres
für die Dechlorierung von Polychloraromaten in festen oder fest-flüssigen Matrizes
herangezogen werden. Für organisch-chemische Umsetzungen im Laboratoriumsmaßstab mit
geeigneter Schutzgas- und Sicherheitstechnik besäße eine derartige Kalium-Calciumoxid-Dispersion
jedoch interessante Anwendungsmöglichkeiten.
Beispiel 6
Chlophen, kontaminierter Seesand (Modell)/Mg/MeOH
[0055] In einer Fliehkraftkugelmühle S 1 (s. Bsp. 5) werden 15 g Seesand (p.A.), 0,5 g Calciumoxid-Calciumhydroxid-Gemisch,
hergestellt durch partielles Löschen von 56 g CaO mit 14 g H
2O, 0,5 g Triglyme, 0,11 g Chlophen A30, 0,3544 g Methanol und 0,51 g Magnesium-Pulver,
nachdem das Gemisch im offenen Mahlbecher mit Argon überschichtet wurde, für 5 Stunden
bei höchster Drehzahl vermahlen.
[0056] Die GC-MS-Analyse belegt einen vollständigen Abbau der PCB (Hauptabbauprodukt: Biphenyl,
daneben wenig Phenylcyclohexan). Die Anwesenheit bzw. Bildung anderer halogenierter
Stoffe kann ausgeschlossen werden.
Beispiel 7
Chlophen-kontaminierter Seesand (Modell)/Mg/n-Propylamin
[0057] In einer Fliehkraftkugelmühle S 1 (s, Bsp.5) werden 15 g Seesand (p.A.), 1 g Calciumoxid-Calciumhydroxid-Gemisch,
0,25 ml n-Propylamin, 0,1 g Chlophen A30, und 0,76 g Magnesium-Späne für 1 Stunde
bei höchster Drehzahl vermahlen.
[0058] Die GC-Analyse belegt einen vollständigen Abbau der PCB (Hauptabbauprodukt: Biphenyl,
daneben 1-Phenylcyclohexen, wenig Phenylcyclohexan). Die Anwesenheit bzw. Bildung
anderer halogenierter Stoffe kann ausgeschlossen werden.
Beispiel 8
Enthalogenierung von Polychloraromaten in Lösung unter Zusatz von geringen Mengen
niederkettiger aliphatischer Amine.
[0059] Es wird überraschend gefunden, daß sich Polychloraromaten wie 1,3,5-TCB mit Natrium
in Gegenwart selbst geringer Anteile an n-Butylamin weitaus besser dechlorieren lassen
als in anderen untersuchten Systemen.
Tabelle 1
| Dechlorierung von 1,3,5-Trichlorbenzol in Dodecylbenzol (je 3 ml)a) durch Einwirkung von jeweils ca. 2 Äquivalentena) Natriumb) unter Zusatz verschiedener Polyether (je 5 ml) bei Raumtemperatur nach 2 Stunden. |
| Na-Äq. |
1,99 |
2.05 |
2,11 |
2,02 |
2,05 |
| Zusätze |
- |
Diglyme |
Triglyme |
PEGDM 500d) |
TEGMe) |
| nrel(Cl-)c)[mol%] |
3,7 |
59,0 |
58,9 |
69,6 |
44,1 |
| a Äquivalente bzgl. org. Gesamtchlor. |
| b Na in Form einer 45%igen Na-Hartparaffin-Dispersion. |
| c Prozentuales Verhältnis von freigesetztem Chlorid (Bestimmung: mercurimetrisch) zu
org. Gesamtchlor. |
| d Polyethylenglykoldimethylether-Gemisch mit einer mittleren molaren Masse von 500 |
| e Triethylenglykolmonomethylether. |
Tabelle 2
| Dechlorierung von 1,3,5-Trichlorbenzol in Dodecylbenzol (je 3 ml) mit jeweils ≈2 Äquivalenten
a) Natrium b) in Gegenwart verschiedener aliphatischer Amine unter wechselnden Bedingungen nach
2 Stunden bei Raumtemperatur. |
| Na-Äq. |
2.03 |
2.07 |
1,97 |
| Amin |
Et3N |
Et2NH |
n-BuNH2 |
| Amin-Menge[ml]/Äq.a) |
2/3,5 |
2/4,6 |
1/2,4 |
| |
| nrel(CL-)[mol%] |
2,3 |
31,4 |
94,2 |
| a Äquivalente bzgl. org. Gesamtchlor. |
| b Na in Form einer 45%ige Na-Hartparaffin-Dispersion |
Tabelle 3
| Dechlorierung von 1,3,5-Trichlorbezol in Dodecylbenzol (je 3 ml) mit jeweils ≈2 Äq.
Natrium in n-Butylamin-Diglyme-Gemischen, Verminderung des Amin-Gehaltes nach 2 Stunden
Raumtemperatur. |
| Na-Äq. |
2.04 |
2.04 |
2.01 |
2.02 |
| n-BuNH2[ml]/Äq. |
2/4,88 |
0,4/0,98 |
0,2/0,49 |
0,05/0,12 |
| Diglyme[ml] |
0,5 |
4 |
4 |
4 |
| |
| nrel(Cl-)[mol%] |
95,5 |
91,7 |
91,3 |
91,4 |
[0060] Die mechanische Bearbeitung kann durch Rühren in einem Reaktor oder in einem geeigneten
Mischer geschehen.
Beispiel 9
Clophen-kontaminierter Seesand (Modell)/Mg/DMPU
[0061] In einer Fliehkraftkugelmühle S 1 (s. Bsp. 5) werden 7,5 g Seesand (p.A.) und 2,0
g Magnesium-Späne unter Argon für fünf Minuten vermahlen. Dann fügt man 0,1 g Chlophen
A30,. 7,5 g Seesand (p.A.) und 0,5 g 1,3-Dimethyl-3,4,5,6-tetrahydro-2(1H)-pyrimidon
(Dimethylpropylenharnstoff, DMPU) hinzu, spült mit Argon und vermahlt bei höchster
Drehzahl für 30 Minuten. Die GC-Analyse belegt einen vollständigen Abbau der PCB (Hauptabbauprodukt:
Biphenyl). Der Versuch läßt sich mit weiteren speziellen Amiden anstatt von DMPU,
wie z.B. 1,3-Dimethyl-2-imidazolidinon (N-N-Dimethylethylenharnstoff, DMEU) oder 1-Methyl-2-pyrrolidon
(NMP), in sehr ähnlicher Ausgestaltung mit dem gleichen Resultat durchführen.
Beispiel 10
Dehalogenierung in reinen Flüssigkeiten
[0062] In einer Fliehkraftkugelmühle S 1 (s. Bsp. 6) werden 7,0g Decan, in denen 0,8g Chlophen
A 30 gelöst wurden und die noch 2g n-Propylamin enthalten, mit 9,4g Magnesium-Spänen
bei höchster Drehzahl für 30 Minuten vermahlen.
[0063] Die GC-FID-Analyse belegt danach einen fast vollständigen Abbau der PCB (Abauprodukt:
Biphenyl, daneben lediglich noch untergeordnet drei Mono- bzw. Dichlorbiphenyle).
[0064] Unbehandelte und nach dem erfindungsgemäßen Verfahren behandelte Proben wurden jeweils
gaschromatographisch untersucht. Abbildungen 1 bis 6 zeigen die Ergebnisse einiger
beispielhafter gaschromatographischer Analysen jeweils vor und nach der Behandlung.
Die Analysen belegen, daß es möglich ist, auch komplexe Gemische in kurzer Zeit effektiv
zu behandeln (s. Abb. 3 bis 6)
[0065] Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens gelingt es also polychlorierte organische
Schadstoffe, die selbst mit einer Fülle von Fremd- und Begleitstoffen in komplexen
festen oder fest-flüssigen Materialien verteilt vorliegen und an diese sogar stark
adsorptiv gebunden sein können, selektiv durch vollständige reduktive Dechlorierung
bei Raumtemperatur innerhalb von Minuten vollständig zu eliminieren. Selbstredend
lassen sich Schadstoffe, die in relativ reiner Form angetroffen werden, wie z.B. hochkonzentrierte
PCB-Öle oder insektizid unwirksame HCH-Isomere, die z.B. in der Größenordnung von
mehreren 10.000 Tonnen in offenen Gruben im Bitterfelder Raum abgelagert wurden (Reinheitsgehalt
bis zu 95%), besonders effektiv detoxifizieren.
[0066] Im Falle von Transformatorenölen bietet sich das erfindungsgemäße Verfahren als Alternative
zu bestehenden Verfahren (Degussa-Natrium, NaPEG-, KPEG-, KPEG-PLUS) an, da es eine
einfachere und sichere Konzeption besitzt und mit einfachen Mitteln unter milden Bedingungen
realisierbar ist. Damit bietet sich die Möglichkeit, belastete Öle in hohem Umfang
einer Wiederverwertung zuzuführen, anstatt sie verbrennen zu müssen. Speziell Transformatorenöle
besitzen
einen hohen Material- und damit Wiederverwendungswert, der bei einer Verbrennung jedoch
vollständig abzuschreiben wäre.
[0067] Die organischen Schadstoffe lassen sich unter ökologisch und ökonomisch günstigen
Bedingungen bei Raumtemperatur und in kurzer Zeit, insbesondere auch dann, wenn sie
in unterschiedlichen Gemischen auftreten, vollständig eliminieren.
[0068] Die Schadstoffe werden direkt in der Matrix, in der sie verteilt sind, abgebaut durch
einfach strukturierte Reagentien. Dabei kann es sich beispielsweise um Materialien
handeln, die an anderer Stelle als Reststoffe in erheblichen Mengen anfallen, und
sich hierdurch einer sinnvollen Verwertung zuführen lassen.
[0069] Es werden nur wenige, nicht- oder mindertoxische und biologisch abbaubare Produkte
gebildet. Die besondere Umweltverträglichkeit resultiert aus der vollständigen Umsetzung
des Reduktionsmittels mit sämtlichem organisch gebundenem Halogen zu ungefährlichem,
anorganischem Halogenid. Zugleich bilden sich die halogenfreien Grundkörper der polyhalogenierten
Verbindungen.
[0070] Detoxifizierte Materialien wie z.B. Baumaterialien oder Altöle können sinnvollen
Verwertungsmaßnahmen zugeführt bzw. recycelt werden.
[0071] Auf umständliche und kostenintensive Nachbehandlungen, wie z.B. das Entfernen und
Eliminieren überschüssiger Reagentien bzw. von toxischen Abbauprodukten kann meist
verzichtet werden.
[0072] Bei dem neuen Verfahren werden folglich die Nachteile der heute bei der Altlastensanierung
in größeren Maßstäben praktizierten Prozesse, wie z.B. die Hochtemperaturverbrennung,
vermieden.
[0073] Als Einsatzgebiete für das erfindungsgemäße Verfahren bieten sich insbesondere an:
Halogenorganisch belastete Böden und Sedimente;
PCB-kontaminierte Baumaterialien und Gebäudeeinrichtungen (Wandanstriche, Feinputz,
elastische Dehn- und Fensterfugenmassen in Gebäuden unterschiedlicher Art);
PCB-belastete Klärschlämme;
Detoxifizierung von halogenorganisch kontaminierten Filterstäuben, beispielsweise
aus der Stahlindustrie oder Müllverbrennungsanlagen;
Entsorgung von Produktionsrückständen aus der chemischen Industrie, etwa aus der Lindanherstellung
(HCH-Isomere in der Größenordnung von mehreren 10.000 t im Raum Bitterfeld);
Dioxin-haltiger Rotschlamm;
Dekontaminierung von PCB-belasteten Transformatoren- und Motorölen;
Dekontaminierung von halogenorganisch kontaminierten Filtermaterialien, z.B. Adsorbentien
zur Reinigung von Abgasen, Abwasserströmen, wie etwa Aktivkohle, Tone etc.
1. Verfahren zur reduktiven Dehalogenierung von halogenorganischen Stoffen in festen
und flüssigen Stoffgemischen, bei welchem der Stoff oder das Stoffgemisch unter Zusatz
von elementarem Alkalimetall, Erdalkalimetall, Aluminium oder Eisen als Reduktionsmittel
und wenigstens einem Reagenz mit zumindest leicht aktiviertem Wasserstoff als Wasserstoffquelle
behandelt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß der halogenorganische Stoff oder das Stoffgemisch in einer sämtliche Stoffe umfassenden
Mahlung unter mechanischer Aktivierung in einem Schritt reduktiv praktisch vollständig
dehalogeniert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Reduktionsmittel vorzugsweise Na, K, Mg, Ca oder Al eingesetzt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß als Wasserstoffquelle Alkohole, Ether, Polyether, Amine, Hydroxide oder Hydride,
einzeln oder in Kombination, eingesetzt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß als Amin wenigstens ein aliphatisches, vorzugsweise primäres oder sekundäres aliphatisches
Amin eingesetzt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich Mahlhilfen und/oder Reaktionsbeschleuniger eingesetzt werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß als Mahlhilfe Stoffe eingesetzt werden, die eine mögliche plastische Deformation
und/oder Agglomeration von Feststoffen bei Einwirkung mechanischer Energie reduzieren
oder verhindern können, wie z.B. bestimmte oberflächenaktive Stoffe.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß Reaktionsbeschleuniger eingesetzt werden, welche unedle Metalle wenigstens teilweise
lösen und/oder deren Dissoziation in Metallkationen und -anionen und/oder die Bildung
solvatisierter Elektronen befördern und/oder metallorganische Verbindungen solvatisieren
und/oder stabilisieren.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 5 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Mahlhilfe(n) und/oder Reaktionsbeschleuniger dem Stoff oder Stoffgemisch in einem
vor- oder snachgeschalteten Schritt zugegeben und mechanisch eingearbeitet bzw. vermahlen
werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das metallische Reduktionsmittel in einer Zubereitung, beispielsweise dispergiert
in einer nichtoxidierenden Flüssigkeit oder der flüssigen Wasserstoffquelle oder auf
einem inerten festen Träger, vorliegt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Reduktionsmittel in Form einer Paraffinsuspension, einer Ether-Dispersion oder
einer Polyether-Dispersion vorliegt.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß das Stoffgemisch in einem vorgeschalteten Verfahrensschritt mit Calciumoxid und/oder
anderen Zuschlagstoffen aufbereitet bzw. getrocknet wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß die mechanische Aufbereitung in einer Mühle, beispielsweise einer Kugelmühle, einer
Hammermühle oder einer Schwingmühle, oder einem mechanische Energie hinlänglich übertragenden,
vorzugsweise dynamischen Mischer, wie z.B. einem Reib-, Schnecken- oder Walzenmischer,
vorgenommen wird.
1. Procédé pour déhalogéner par réduction les substances halogéno-organiques dans des
mélanges de substances solides et liquides, dans lequel on traite la substance ou
le mélange de substances avec de l'hydrogène au moins légèrement activé en tant que
source d'hydrogène sous apport de métal alcalin, métal alcalino-terreux, aluminium
ou fer élémentaire comme agent réducteur et d'au moins un réactif,
caractérisé en ce que la substance halogéno-organique ou le mélange de substances est déhalogéné pratiquement
en totalité par réduction en une seule étape sous activation mécanique dans un broyage
englobant toutes les substances
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'on utilise de préférence Na, K, Mg, Ca ou Al comme agent réducteur.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que comme source d'hydrogène on utilise des alcools, éthers, polyéthers, amines, hydroxydes
ou hybrides, isolément ou en combinaison.
4. Procédé selon la revendication 3, caractérisé en ce que comme amine on utilise au moins une amine aliphatique, de préférence une amine aliphatique
primaire ou secondaire.
5. Procédé selon l'une des revendications 1 à 4, caractérisé en ce qu'on utilise en outre des moyens d'aide au broyage et/ou des accélérateurs de réaction.
6. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce que comme moyen d'aide au broyage on utilise des substances capables d'empêcher ou diminuer
une éventuelle déformation plastique et/ou agglomération de substances solides sous
l'action d'une énergie mécanique, comme par exemple des agents tensio-actifs.
7. Procédé selon la revendication 5, caractérisé en ce qu'on utilise des accélérateurs de réaction qui dissolvent au moins partiellement les
métaux communs et/ou favorisent leur dissociation en cations métalliques et anions
métalliques et/ou la formation d'électrons solvatés et/ou solvatisent et/ou stabilisent
les composés organométalliques.
8. Procédé selon l'une des revendications 5 à 7, caractérisé en ce que le(s) moyen(s) d'aide au broyage et/ou l(es) accélérateur(s) de réaction sont, dans
une étape précédente ou suivante, ajoutés à la substance ou au mélange de substances
et incorporés et en particulier broyés mécaniquement.
9. Procédé selon l'une des revendications 1 à 8, caractérisé en ce que l'agent réducteur métallique se trouve dans une préparation, par exemple dispersé
dans un fluide non oxydant ou dans la source d'hydrogène fluide ou sur un porteur
solide inerte.
10. Procédé selon la revendication 9, caractérisé en ce que l'agent réducteur se trouve sous forme d'une suspension de paraffine, d'une dispersion
d'éther ou d'une dispersion de polyéther.
11. Procédé selon l'une des revendications 1 à 10, caractérisé en ce que le mélange de substances est préparé, en particulier séché, dans une étape de procédé
précédente avec de l'oxyde de calcium et/ou d'autres substances d'agrégation.
12. Procédé selon l'un des revendications 1 à 11, caractérisé en ce que la préparation mécanique est réalisée dans un broyeur, par exemple un broyeur à boules,
un broyeur à marteaux ou un broyeur vibrant, ou dans un mélangeur, de préférence dynamique,
transmettant suffisamment d'énergie mécanique, comme par exemple un mélangeur à friction,
à vis ou à cylindres.