[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von ein-, zwei- oder dreibasigen
Treibladungspulvern für Rohrwaffenmunition nach den Merkmalen des Oberbegriffs des
Patentanspruchs 1.
[0002] Bei üblichen ein-, zwei- oder dreibasigen Treibladungspulvern für Rohrwaffenmunition,
wie Pulvern aus Nitrocellulose, Salpetersäureester (z.B. Nitroglycerin, Diethylenglykoldinitrat,
Butantrioltrinitrat, Metrioltrinitrat, Triethylenglykoldinitrat), Alkylnitratoethylnitramine,
Nitroguanidin, Hexogen, Oktogen 3-Nitro-1,2,4-Triazol-5-on (NTO), Hexanitrohexaazaiso-wurtzitan
(CL20) oder Mischungen derartiger Pulver bzw. mit Zusätzen (z.B. Stabilisatoren) versehenen
derartigen Pulvern, hängt der beim Schuß auftretende Maximaldruck der Abbrandkurve
sowie die Mündungsgeschwindigkeit des entsprechenden Geschosses wesentlich von der
Umgebungstemperatur der entsprechenden Waffe ab. Da sich die Auslegung der jeweiligen
Waffe nach dem größten Maximaldruck richtet, der innerhalb des Temperaturbereiches,
für welchen die Waffe bestimmt ist, (z.B. -40°C bis 60°C) vorkommt, und dieser Druck
in der Regel nicht im Bereich der Hauptgebrauchstemperatur (21°C) liegt, wird die
theoretisch mögliche Leistung der jeweiligen Waffe in der Regel (d.h. beim Schießen
bei der Hauptgebrauchstemperatur) nicht ausgeschöpft.
[0003] Es hat in der Vergangenheit nicht an Versuchen gefehlt, Treibladungspulver zu entwickeln,
bei denen der Temperaturverlauf des Maximaldruckes einen relativ flachen Verlauf aufweist,
so daß die Waffe sich in einem möglichst großen Temperaturbereich ihrer theoretischen
Leistung annähert.
[0004] So ist beispielsweise aus der DE 33 46 287 A1 eine Treibladung bekannt, bei der durch
Mischung von homogenen mit inhomogenen Pulveranteilen ein in etwa konstantes Abbrennverhalten
im Bereich um die Hauptgebrauchstemperatur herum erzielt wird. Nachteilig ist bei
diesem bekannten Treibladungspulver allerdings unter anderem, daß die homogenen und
inhomogenen Pulveranteile sehr genau aufeinander abgestimmt sein müssen. Anderenfalls
erhält man Treibladungspulver, welche von Los zu Los ein unterschiedliches Schußverhalten
aufweisen.
[0005] Aus der DE 25 20 882 C1 ist es bekannt, den bei herkömmlichen Treibladungspulvern
in der Regel positiven Temperaturgradienten (d.h. Zunahme des Maximaldruckes mit zunehmender
Umgebungstemperatur) im Bereich der Hauptgebrauchstemperatur dadurch abzuflachen,
daß die Pulverkörner des Treibladungspulvers Innenkanäle mit unterschiedlichen Querschnitten
aufweisen. Auch dieses Treibladungspulver weist den Nachteil auf, daß es relativ aufwendig
herstellbar ist.
[0006] Aus dem Buch: J. Köhler, R. Meyer "Explosivstoffe", VCH Verlagsgesellschaft mbH,
Weinheim, 7. überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 233 f, ist femer bekannt, zur
Abflachung des Maximaldruckes der Abbrandkurve herkömmlicher Treibladungspulver diese
Pulver zusätzlich einer Oberflächenbehandlung mittels den Abbrand verlangsamender
(phlegmatisierender) Stoffe zu unterziehen. Als phlegmatisierende Stoffe werden dabei
nicht energetische monomolekulare Substanzen wie Phthalate (Dibutylphthalat), Harnstoffe
(Centralit) oder Kampfer verwendet.
[0007] Als nachteilig hat sich erwiesen, daß die vorstehend erwähnten phlegmatisierenden
Stoffe den Energieinhalt des Treibladungspulvers absenken und eine deutliche Reduzierung
der Leistung gegenüber den Werten des jeweils unbehandelten Pulvers bewirken. Außerdem
neigen diese Substanzen teilweise (insbesondere z.B. Phthalate) zur Migration in das
Treibladungspulver und beeinträchtigen deren ballistische Wirkungen in unerwünschter
Weise.
[0008] Aus der Druckschrift "CHEMICAL ABSTRACTS, Vol. 126, no. 7, 17. Februar 1997 (1997-02-17)
Columbus, Ohio, US; abstract no. 91561t, Q. WANG ET AL.: ,A new type of polymer deterrent-coated
gun propellant. Seite 811; SP000664653 & Theory Pract. Energ. Mater., (Proc. Int.
Autumn Semin. Propellants, Explos. Pyrotech.) 1996, 223-228" ist es bekannt, daß polymere
Substanzen wesentlich langsamer in Teibladungspulver migrieren als die üblicherweise
verwendeten monomeren Phlegmatisatoren und daß die Migrationsneigung mit steigendem
Molekulargewicht abnimmt. Aus dieser Druckschrift wird jedoch kein Einfluß der Oberflächenbehandlung
auf die Abbrandraten des Treibladungspulvers bei unterschiedlichen Ausgangstemperaturen
des Treibladungspulvers offenbart, insbesondere wird nicht offenbart, wie die Oberflächenbehandlung
den Temperaturgradienten des Treibladungspulvers beim Beschuß beeinflußt.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
von Treibladungspulver anzugeben, bei dem auf einfache Weise eine Abflachung der Maximaldruckkurve
in dem Temperaturbereich, für welchen die Waffe bestimmt ist, erreicht wird. Diese
Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
[0010] Der Erfindung liegt im wesentlichen der Gedanke zugrunde, übliche ein-, zwei- oder
dreibasige Pulver mit speziellen Phlegmatisatoren oberflächenzubehandeln, wobei nur
Phlegmatisatoren zum Einsatz kommen, die keine oder allenfalls nur eine geringe Neigung
zur Migration aufweisen.
[0011] Bei den erfindungsgemäßen Phlegmatisatoren handelt es sich um spezielle Materialien,
die praktisch nicht migrieren und um den Energieverlust lediglich auf ein geringes
Maß reduzieren, das beim Waffenbeschuß keine nennenswerten Leistungseinbußen bewirkt.
[0012] Die Oberflächenbehandlung der Treibladungspulver kann in an sich bekannter Weise
erfolgen, wobei die Phlegmatisatoren in einer Behandlungstrommel als Lösung oder als
Emulsion aufgesprüht bzw. mit Hilfe eines Imprägnierverfahrens, bei dem das Treibladungspulver
über einen bestimmten Zeitraum in der Behandlungslösung inkubiert wird, aufgebracht
werden.
[0013] Folgende Substanzen haben sich als besonders vorteilhaft erwiesen, die einzeln oder
als Mischungen zur Anwendung kommen:
[0014] Polyether, Polybutadiene, Polyamide, energetische Materialien (z.B. Poly-Nimmo, Polyglyzidylazid),
Alkylnitratoethylnitramine (z.B. Methyl-NENA, Ethyl-NENA, Butyl-NENA), Dinitrodiazaalkane,
Salpetersäureester (z.B. Diethylenglykoldinitrat), Butantrioltrinitrat, Triethylenglykoldinitrat,
Metrioltrinitrat), Bis (2.2-Dinitropropyl) Acetal/Formal (BDNPA/F).
[0015] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den folgenden anhand
von Figuren erläuterten Ausführungsbeispielen. Es zeigen:
- Fig.1 und 2
- die Abhängigkeit des Maximaldruckes sowie der Mündungsgeschwindigkeit von der Umgebungstemperatur
eines ersten Treibladungspulvers mit und ohne erfindungsgemäße Oberflächenbehandlung;
- Fig.3 und 4
- die in Fig.1 dargestellten Temperaturabhängigkeiten von Maximaldruck und Mündungsgeschwindigkeit
für ein zweites Treibladungspulver;
- Fig.5 und 6
- die in Fig.1 dargestellten Temperaturabhängigkeiten von Maximaldruck und Mündungsgeschwindigkeit
für ein drittes Treibladungspulver;
- Fig.7
- die Draufsicht auf ein oberflächenbehandeltes Pulverkorn;
- Fig.8
- einen Längsschnitt durch das in Fig.7 dargestellte Pulverkorn entlang der dort mit
VIII-VIII bezeichneten Schnittlinie und
- Fig.9
- einen Fig.8 entsprechenden Längsschnitt für ein weiteres Ausführungsbeispiel.
Beispiel 1:
[0016] Bei dem Treibladungspulver (TLP), bei dem die erfindungsgemäße Oberflächenbehandlung
durchgeführt werden soll, handelt es sich um das für 120 mm KE-Munition eingeführte
zweibasige TLP L 5460, das folgende Zusammensetzung aufweist:
| Nitrocellulose |
59.5 % |
| Nitroglycerin |
14.9 % |
| Diethylenglykoldinitrat |
24.8 % |
| Akardit II |
0.7 % |
| Sonstiges |
0.1 % |
[0017] Eine 4 %ige ethanolische Lösung von Ethyl-NENA wird in vier Raten in einer konventionellen
Behandlungstrommel auf das TLP L 5460 aufgesprüht. Das oberflächenbehandelte Pulver
wird getrocknet und im Anschluß verschiedenen Beschußuntersuchungen unterzogen.
[0018] Die Fig.1 und 2 zeigen das Ergebnis des Temperaturbeschusses in einem 40 mm Simulator
(Kurve a)) im Vergleich zu einem unbehandelten L 5460 (Kurve b)). Dabei sind jeweils
der Maximaldruck (P
max) der Abbrandkurve und die Mündungsgeschwindigkeit (v
o ) als Funktion der Temperatur aufgetragen.
[0019] Die Ergebnisse zeigen in dem Temperaturbereich zwischen 21°C und 63°C einen deutlich
abgeflachten Temperaturverlauf des Maximaldruckes und der Mündungsgeschwindigkeit
des oberflächenbehandelten L 5460 gegenüber dem unbehandelten Pulver.
Beispiel 2:
[0020] Als Treibladungspulver (TLP), bei dem die erfindungsgemäße Oberflächenbehandlung
durchgeführt werden soll, wird wiederum von dem vorstehend beschriebenen zweibasigen
TLP L 5460 ausgegangen.
[0021] Anschließend wird Palamoll 632, ein Polyester aus Adipinsäure und 1,2-Propandiol,
in ethanolischer Emulsion (Palamoll: EtOH = 1 : 3) auf die Oberfläche von L 5460-TLP
aufgebracht. Die Behandlung mit 1,5 % des Polymeren erfolgt in einer rotierenden Behandlungstrommel
bei 45°C. Verteilt auf vier Portionen wird die Emulsion über einen Zeitraum von fünf
Stunden sukzessive zugegeben, während gleichzeitig das Solvens verdampft.
[0022] Parallel wird mehrfach Graphit zugeschlagen, um ein Verkleben der Körner zu verhindern.
[0023] In den Fig.3 und 4 sind die Beschußergebnisse dieses Pulvers in einem 40 mm Simulator
von -40 bis +63°C gegenüber einem unbehandelten L 5460 dargestellt. Dabei sind wiederum
der Maximaldruck und die Mündungsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur
aufgetragen.
[0024] Auch in diesem Fall läßt sich gegenüber dem unbehandelten TLP (Kurve b)) gleicher
Zusammensetzung und Abmessungen eine deutliche Abflachung der Druck- und Geschwindigkeitskurven
zwischen 21°C und +63°C feststellen (Kurve a)).
[0025] In der folgenden Tabelle 1 ist die spezifische Energie für die in den vorstehend
erwähnten beiden Ausführungsbeispielen beschriebenen Pulver wiedergegeben.
Tabelle 1
| |
Behandlung |
Spez.Energie
[J/g] |
| L 5460 |
|
1165 |
| Beispiel |
4 % Ethyl-NENA |
1165 |
| Beispiel |
1.5 % Polyester aus Adipinsäure und 1,2-Propandiol |
1145 |
[0026] Die Werte für die spezifische Energie zeigen, daß die erfindungsgemäßen Verfahren
zu keiner bzw. keiner wesentlichen Leistungseinbuße der Treibladungspulver führen.
Beim Einsatz von Polyester wird jedoch die spezifische Energie gesenkt, so dass als
Folge Leistungseinbußen beim Beschuss in der Waffe auftreten.
[0027] Während das konventionelle einbasige Treibladungspulver B 6320 zwischen 21°C und
70°C einen hohen Druck- und Geschwindigkeitsanstieg zeigt, deutet sich bei dem behandelten
C/M 0800 im Bereich zwischen 21°C und 52°C eine Reduzierung des Temperaturgradienten
an, so daß man mit derart behandelten Pulver voraussichtlich auch im Mittelkaliberbereich
eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem konventionellen TLP erzielen kann.
[0028] Wie mikroskopische Untersuchungen und Überprüfungen in einer ballistischen Bombe
mittels Abbrandunterbrechung gezeigt haben, lagert sich der Phlegmatisator 1 an der
Oberfläche 2 des jeweiligen in den Fig.7-9 mit 3 bezeichneten Pulverkorns ab. Außerdem
werden auch die Innenlöcher 4 des TLPs teilweise (Fig.8) oder vollständig (Fig.9)
von dem Phlegmatisator 1 bedeckt bzw. können durch den Phlegmatisator sogar ganz verschlossen
werden. Durch diese Beschichtung der Treibladungskörner 1 kommt es vermutlich zu der
gewünschten Änderung des Abbrandverhaltens des Treibladungspulvers und somit zu der
beobachteten Reduktion des Temperaturgradienten.
[0029] Das Verfahren kann für bekannte 1-, 7- und 19-Loch-TLP sowohl mit zylindrischer als
auch mit hexagonaler oder rosettenförmiger Außengeometrie angewendet werden.
[0030] Außerdem weist das erfindungsgemäß oberflächenbehandelte Pulver im Vergleich zum
unbehandelten Treibladungspulver gleicher Zusammensetzung eine reduzierte Empfindlichkeit
gegenüber speziellen Belastungen auf, wie sie beispielsweise bei einem feindlichen
Beschuß auftreten können.
1. Verfahren zur Herstellung von ein-, zwei- oder dreibasigen Treibladungspulvern für
Rohrwaffenmunition, wobei an sich bekannte ein-, zwei- oder dreibasige Treibladungspulver,
die folgende Bestandteile als Energieträger enthalten: Nitrocellulose, Salpetersäureester,
Alkylnitratoethylnitramine, Nitroguanidin, Hexogen, Oktogen 3-Nitro-1,2,4-Triazo-5-on
(NTO), Hexanitrohexaazaisowurtzltan (CL20) oder Mischungen derartiger Pulver, mit
Hilfe phlegmatisierender Stoffe oberflächenbehandelt werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Oberflächenbehandlung des jeweiligen Treibladungspulvers mit Hilfe einer aus
einem oder mehrerer der Stoffe Polyether, Polyharnstoffe, Polybutadiene, Polyamide,
Poly-3-nitratomethyl-3-methyloxetan (PolyNIMMO) oder Polyglyzidylazid (GAP), Alkylnitratoethylnitramine
(Methyl-NENA, Ethyl-NENA, Butyl-NENA), Bis (2.2-Dinitropropyl), Acetal-Formal (BDNPA-F),
Dinitrodiazaalkane bestehenden Lösung vorgenommen wird.
1. Process for the production of one-base, two-base or three-base propellant powders
for weapons munitions, in which one-base, two-base or three-base propellant powders
known per se and containing the following constituents as energy carriers: nitrocellulose,
nitric acid esters, alkylnitratoethylnitramines, nitroguanidine, Hexogen, Oktogen,
3-nitro-1,2,4-triazo-5-one (NTO), hexanitrohexaazaisowurtzitan (CL20) or mixtures
of such powders are surface treated with the aid of desensitising substances,
characterised in that the surface treatment of the respective propellant powder is carried out with the
aid of a solution consisting of one or more of the substances polyethers, polyureas,
polybutadienes, polyamides, poly-3-nitratomethyl-3-methoxyoxetane (PolyNIMMO) or polyglycidyl
azide (GAP), alkylnitratoethylnitramines (methyl-NENA, ethyl-NENA, butyl-NENA), bis(2,2-dinitropropyl),
acetal/formal (BDNPA-F), and dinitrodiazaalkanes.
1. Procédé de fabrication de poudres propulsive à simple, double ou triple base pour
munition d'arme à tube, les poudres à simple, double ou triple base connues en soi,
qui contiennent les composants suivants comme porteurs d'énergie : nitrocellulose,
esters d'acide nitrique, alkylnitratoethylnitramine, nitroguanidine, Hexogène, Octogène,
3-nitro-1,2,4-triaso-5-one (NTO), hexanitrohexaazaisowurtzitane (CL20) ou des mélanges
de telles poudres, sont traitées en surface à l'aide de matières ralantissant la combustion,
caractérisé en ce que
le traitement de surface de chaque poudre propulsive est effectué à l'aide d'une solution
constituée par l'une ou plusieurs des matières Polyéther, polyurées, polybutadiène,
polyamide, poly-3-nitratométhyl-3-méthyloxétane (polyNIMMO) ou polyglycidylazide (GAP),
alkylnitratoéthylnitramine (méthyl-NENA, Ethyl-NENA, butyl-NENA), bis (2,2-dinitropropyl),
acétal-formal (BDNPA-F), dinitrodiazaalcane.