[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Granulieren und Zerkleinern von
flüssigen Schmelzen, insbesondere Schlacken oder Metallschmelzen, bei welchem die
flüssigen Schlacken mit einem Fluidstrahl in eine Kühlkammer versprüht werden.
[0002] Aus theoretischen Überlegungen ist es bekannt, daß die Kühlgeschwindigkeit von Teilchen
vom Durchmesser der Teilchen abhängig ist. Die Strahlungskühlung nimmt mit abnehmender
Teilchengröße stark zu und ist aus diesem Grunde bereits bekannt geworden, Schlacken
möglichst fein zu versprühen, wobei auf diese Weise Teilchendurchmesser zwischen 10
und 300 µm im Falle von flüssigen Schlacken mit Ausgangstemperaturen von etwa 1350°
C ohne weiteres erzielbar waren. Es ist weiters aus theoretischen Überlegungen bekannt,
daß die Strahlungskühlung in hohem Maße von der Verweilzeit der Teilchen im Strahlungskühler
und damit von der Teilchengeschwindigkeit abhängig ist. Eine höhere Teilchengeschwindigkeit
führt zu einer geringeren Strahlungskühlung, da die Verweilzeit im Kühler rasch abnimmt.
Kleine Partikel werden nun durch die Treibgasströmung in einem derartigen Strahlungskühler
schneller beschleunigt, was zu kleineren Verweilzeiten führt. Hohe Wärmeflußdichten
setzen aber nun sowohl kleine Teilchen als auch kleine Teilchengeschwindigkeiten voraus,
wobei die entsprechenden theoretischen Überlegungen sich aus den für die Abkühlung
von Teilchen geltenden Differentialgleichungen ergeben.
[0003] In die Differentialgleichung für die Teilchentemperatur bei einer Abkühlung durch
Strahlung gehen eine Reihe von Parametern ein, wobei die Strahlungskühlung in hohem
Maße von der Temperaturdifferenz zwischen der Teilchentemperatur und der Wandtemperatur
des Strahlungskühlers abhängt. Die Temperaturabhängigkeit in einer derartigen Differentialgleichung
für die Teilchentemperatur weist die jeweiligen Temperaturen mit der vierten Potenz
aus, wobei für die Abnahme der Teilchentemperatur über die Zeit die Differenz aus
T
s4 - T
w4 als Faktor eingeht. T
s bezeichnet hiebei die Teilchentemperatur und T
w die Wandtemperatur. Weitere in die Differentialgleichung für die Teilchentemperatur
T
s(t) eingehende Parameter sind neben der Partikelmasse und der Wärmekapazität, welche
zur Temperaturabnahme umgekehrt proportional sind, auch charakteristische Größen,
wie die Emissivität der Schlackenteilchen und die Wandoberfläche. Heiße Schlackenteilchen
verhalten sich weitestgehend als ideale Strahler und es gelten daher die bekannten
Differentialgleichungen mit sehr hoher Genauigkeit. Aus der Temperaturabhängigkeit
ergibt sich nun, daß eine Erhöhung der Ausgangstemperatur in hohem Ausmaß die Wärmeflußdichte
durch die umgebenden Wände beeinflußt und dadurch die Effizienz der Strahlungskühlung
steigern könnte.
[0004] Die Erfindung zielt nun darauf ab, diese theoretischen Überlegungen praktisch umzusetzen
und ein Verfahren der eingangs genannten Art zu schaffen, welches bei konventionellem
Versprühen und auf diese Weise erzielten Teilchendurchmessern von etwa 50 um die Effizienz
der Strahlungskühlung weiter zu erhöhen gestattet.
[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe besteht das erfindungsgemäße Verfahren im wesentlichen
darin, daß die versprühten Schmelzentröpfchen im Sprühstrahl durch Nachverbrennung
von Heißgasen im Inneren der Kühlkammer aufgeheizt werden und daß die Wände der Kühlkammer
auf Oberflächentemperaturen von unter 400° C, vorzugsweise unter 300° C gekühlt werden.
Schmelzflüssige Schlacken liegen üblicherweise mit Temperaturen zwischen 1300° und
1400° C vor. Dadurch, daß nun diese Temperatur beim Eintritt in die Kühlkammer durch
eine Nachverbrennung weiter gesteigert wird, gelingt es die Teilchentemperatur weiter
anzuheben, um auf diese Weise die Effizienz der Strahlungskühlung aufgrund der Abhängigkeit
von der vierten Potenz dieser Temperatur zu erhöhen. Die Brennkammertemperatur bzw.
die Temperatur in der Nachverbrennungszone kann 200° bis 300° C höher liegen, als
die ursprüngliche Schlackentemperatur, wodurch ein besserer Wärmeübergang gleichzeitig
mit einer höheren Turbulenz und einer weiteren Tröpfchendesintegration erzielt wird.
Es wird somit mit der Verbesserung des Wärmeüberganges gleichzeitig durch weitere
Desintegration und Turbulenz die Verweilzeit erhöht, sodaß die Effizienz der Strahlungskühlung
wesentlich über das konventionelle Ausmaß hinaus verbessert werden kann. Gleichzeitig
führt die Erhöhung der Schlackentemperaturen nach dem Eintritt in den Strahlungskühler
zu einer Verringerung der Schlackenviskosität und der Oberflächenspannung, was dazu
führt, daß die Turbulenzscherkräfte eine weitere Tröpfchenzerkleinerung bewirken.
Bedingt durch die hohen Temperaturendifferenzen kann besonders hoch energetischer
Dampf erzeugt werden, wobei auch überkritische Dampfzustände erzielbar sind. Neben
Hochofenschlacken oder Schlacken aus Müllverbrennungsanlagen lassen sich erfindungsgemäß
auch Schlacken aus einer Schmelzkammerfeuerung, Metallschmelzen oder Schmelzen von
Speziallegierungen zur Herstellung von Mikrosinter und Spezialglasschmelzen durch
die erfindungsgemäße Erhöhung der Temperatur wirkungsvoll desintegrieren und rasch
abkühlen, wobei besonders günstige geometrische Formen, insbesondere sphärische Konturen
oder Kügelchen der Schlackentröpfchen ausgebildet werden können. Insgesamt läßt sich
somit durch die Nachverbrennung im Inneren der Kühlkammer die Effizienz der Strahlungskühlung
weiter steigern, wobei die Einrichtungen zum Abkühlen der Schlackentröpfchen wesentlich
kleiner als konventionelle Einrichtungen ausgebildet werden können, sodaß der Platzbedarf
für derartige Kühler verringert wird.
[0006] Mit Vorteil wird das erfindungsgemäße Verfahren so durchgeführt, daß im Inneren der
Kühlkammer Heißgase mit einem CO und H
2 Anteil von 20 - 35 Vol% stöchiometrisch in einer Nachverbrennungszone mit Heißluft
verbrannt werden. Heißgase mit derartigen Anteilen an Kohlenmonoxid und Wasserstoff
können auf diese Weise mit vorgewärmter Luft wirkungsvoll nachverbrannt werden, um
die gewünschte Brennkammertemperatur bzw. gewünschte Temperatur in der Nachverbrennungszone
sicherzustellen, wobei mit Rücksicht auf das Verhalten der Schlackentröpfchen als
weitestgehend ideale Strahler eine rasche Erwärmung ebenso erzielt wird, wie in der
Folge eine rasche Abkühlung durch den Strahlungskühler.
[0007] Mit Vorteil wird hiebei so vorgegangen, daß die Tröpfchen in einer Nachverbrennungszone
des Strahlungskühler auf Temperaturen zwischen 1500° C und 1750° C aufgeheizt werden,
wobei diese Temperaturen naturgemäß für Spezialgasschmelzen und Sonderanwendungen
auch noch höher gewählt werden können, um die Effizienz zu steigern. Temperaturen
zwischen 1500° und 1750° C und die durch die Nachverbrennung bedingten Turbulenz sind
jedoch für Hochofenschlacken, Müllverbrennungsschlacken oder Schmelzen aus der Schmelzkammerfeuerung
mit Vorteil einsetzbar und führen unmittelbar zu sphärischen, glasig erstarrenden
Partikelchen mit besonders kleinen Durchmessern.
[0008] Eine wirkungsvolle Strahlungskühlung läßt sich dadurch erzielen, daß die kammerartigen
Wände des Strahlungskühlers mit Druckwasser unter einem Druck von 10 bis 220 bar beaufschlagt
werden und daß Hochdruckdampf bei Temperaturen von 200 bis 400° C und einem Druck
von 10 bis 220 bar aus den kammerartigen Wänden abgezogen wird.
[0009] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung schematisch dargestellten
Ausführungsbeispieles einer für die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
geeigneten Einrichtung näher erläutert.
[0010] In der Zeichnung ist mit 1 ein Schlackentundish bezeichnet, in welchem schmelzflüssige
Schlacken bei Temperaturen zwischen 1300° und 1400° C vorrätig gehalten ist. Die schmelzflüssige
Schlacke wird in Form von feinsten Tröpfchen 3 in einen Strahlungskühler 4 ausgestossen,
wobei der Ausstoß durch Einpressen von Fluid über eine Lanze 5 erfolgt. Als Fluid
kann Dampf, Heißgas unterstöchiometrisch verbranntes Heißgas oder auch Wasser zum
Einsatz gelangen, wobei die Ausbildung feinster Tröpfchen durch ein höhenverstellbares,
rohrförmiges Wehr 6, welches im Sinne des Doppelpfeiles 7 angehoben und abgesenkt
werden kann, variiert werden kann. Die feinen Tröpfchen verlassen die Schlackenaustrittsöffnung
22 des Tundish, wobei ein im wesentlichen rohrförmiger Schlackenstrahl gebildet wird,
dessen Wandstärke vom Abstand 8 zwischen der Unterkante des rohrförmigen Wehres 6
und der Austrittsöffnung 22 bestimmt ist.
[0011] Unmittelbar nach dem Eintritt der Schlackentröpfchen 3 in den Strahlungskühler 4
sind nun Brenner 9 angeordnet, welche über eine Leitung 10 mit Brenngasen und Heißluft
versorgt werden. Die Verbrennung wird stöchiometrisch geführt und die Temperatur der
Schlackentröpfchen um etwa 300° C über die Temperatur der Schlacke 2 im Schlackentundish
1 angehoben.
[0012] In die Wände des Strahlungskühlers 4 wird über eine Leitung 11 Druckwasser unter
einem Druck von 10 bis 220 bar eingebracht. Die Wandtemperatur des Strahlungskühlers
4 läßt sich dadurch auf etwa 200° C herabsetzen, wobei über die Leitung 12 Hochdruckdampf
bei Temperaturen von 200° bis 400° C unter einem Druck von 10 bis 220 bar abgezogen
wird. Aufgrund der hohen Temperaturdifferenz, der überaus feinen Verteilung der Tröpfchen
und aufgrund der durch die Brenner 9 ausgeübten Scherkräfte und turbulenten Strömungen
erfolgt eine rasche Abkühlung der feinen Schlackenteilchen 3, welche am Ausgang des
Strahlungskühlers 4 mit Temperaturen von unter 600° C in einen nachgeschalteten weiteren
Kühler 13 eintreten, welcher konventionell ausgebildet sein kann und als Konvektionsdampfkessel
mit Naturumlauf ausgebildet sein kann. Die Siederohre dieses Konvektionskessels sind
hiebei mit 14 bezeichnet. Das aufsteigende Heißwasser bzw. der gebildete Dampf gelangt
in eine Dampftrommel 15, wobei Dampf über eine Leitung 16 abgezogen wird. Das kondensierte
Wasser gelangt über ein Fallrohr 17 wiederum zurück in die Siederohre 14.
[0013] Mit 18 ist ein weiterer Kühler, welcher als Verbrennungsluftvorwärmer eingesetzt
werden kann, angedeutet, wobei die Ableitung 19 dieses Kühlers mit der Heißluftzufuhr
über die Leitung 10 zu den Brennern 9 verbunden werden kann.
[0014] Das Mikrogranulat mit Teilchendurchmessern von etwa 50 um wird über eine Zellradschleuse
20 ausgetragen, wobei über den Anschluß 21 Abgase mit Temperaturen von etwa 200° C
abgezogen werden können. Das Mikrogranulat liegt überwiegend amorph bzw. glasig vor.
Aufgrund der überaus raschen Abkühlung wird beim Versprühen von Metallschmelzen metallisches
Glas, wie es beispielsweise für die Herstellung von Supraleitern verwendet wird, gebildet.
1. Verfahren zum Granulieren und Zerkleinern von flüssigen Schmelzen, insbesondere Schlacken
oder Metallschmelzen, bei welchem die flüssigen Schlacken (2) mit einem Fluidstrahl
in eine Kühlkammer (4) versprüht werden, dadurch gekennzeichnet, daß die versprühten
Schmelzentröpfchen (3) im Sprühstrahl durch Nachverbrennung von Heißgasen im Inneren
der Kühlkammer (4) aufgeheizt werden und daß die Wände der Kühlkammer (4) auf Oberflächentemperaturen
von unter 400° C, vorzugsweise unter 300° C gekühlt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im Inneren der Kühlkammer (4)
Heißgase mit einem CO und H2 Anteil von 20 - 35 Vol% in einer Nachverbrennungszone mit Heißluft verbrannt werden.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Tröpfchen
(3) in einer Nachverbrennungszone des Strahlungskühler (4) auf Temperaturen zwischen
1500° C und 1750° C aufgeheizt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die kammerartigen
Wände des Strahlungskühlers (4) mit Druckwasser unter einem Druck von 10 bis 220 bar
beaufschlagt werden und daß Hochdruckdampf bei Temperaturen von 200 bis 400° C und
einem Druck von 10 bis 220 bar aus den kammerartigen Wänden abgezogen wird.