(19)
(11) EP 1 039 008 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
27.09.2000  Patentblatt  2000/39

(21) Anmeldenummer: 00105800.7

(22) Anmeldetag:  18.03.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D05B 1/20
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 19.03.1999 DE 19912398

(71) Anmelder: Völkle, Rolf
D-72290 Lossburg (DE)

(72) Erfinder:
  • Völkle, Rolf
    D-72290 Lossburg (DE)

(74) Vertreter: Reinhardt, Harry et al
Mayer, Frank, Reinhardt, Patentanwälte, Schwarzwaldstrasse 1 A
75173 Pforzheim
75173 Pforzheim (DE)

   


(54) Verfahren zum Beziehen der Oberfläche eines Sitzmöbels sowie dadurch hergestellte Sitzfläche oder Lehnenfläche


(57) Bei einem Verfahren zum Beziehen der Oberfläche eines Sitzmöbels werden an die Umrandung des Bezugsmaterials Hilfsfäden (15,16) gesteppt, um einen Aufnahmekanal (17) für eine Spannschnur (18) zu bilden. Die Spannschnur kann sich in diesem Aufnahmekanal (17) bewegen, so daß beim Beziehen der Oberfläche durch Spannen der Enden der Spannschnur (18) und Festlegen der Enden möglich ist. Die Hilfsfäden (15,16) werden in das Bezugsmaterial (14) gesteppt und ein Hilfsband (19) wird an seinen beiden Seiten auf das Bezugsmaterial genäht. Dabei bildet sich der Aufnahmekanal (17) zwischen dem Hilfsband (19) und dem Bezugsmaterial (14). Dadurch kann einfach und zuverlässig eine Alternative zur Befestigung von Bezugsmaterialien geschaffen werden, die mit vertretbarem maschinellen Einsatz auch in der Serienproduktion eingesetzt werden kann.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Beziehen der Oberfläche einer Sitzfläche und/oder Rückenlehne eines Sitzmöbels, insbesondere eines Bürodrehstuhls nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie eine danach hergestellte Sitzfläche oder Lehnenfläche nach dem Oberbegriff des Anspruches 5.

[0002] Es ist schon seit langem bekannt, die Oberflächen von Sitzmöbeln, also Sitzfläche und/oder Rückenlehne mit Bezugsstoffen zu beziehen. Will man ein Fixieren des Bezugsstoffes an der Rückseite von Sitz- oder Lehnenfläche vermeiden, werden meist Zugsäume an den Rand des Bezugsstoffes angenäht, wie dies z. B. aus der US-A 2,161,448 oder aus DE-85 13 432 U1 bekannt ist. In diese Zugsäume wird eine Spannschnur eingezogen, der Bezugsstoff über die Oberfläche der Sitzfläche gezogen und die Spannschnur auf der Rückseite zusammengezogen und nach dem Verspannen festgelegt. Dadurch wird der Bezugsstoff einerseits auswechselbar, andererseits kann er fest über die Oberfläche gespannt werden. Der Nachteil dieser bekannten Vorrichtung ist, daß der umgeschlagene Stoff zu einer unerwünschten Überdicke gerade am Rand des Bezugsstoffes führt. Zudem bereiten die Zugsäume insbesondere beim Anlegen des Stoffes in den Eckbereichen Schwierigkeiten, da in diesem Bereich stets zuviel Material vorhanden ist.

[0003] Aus der US-A 2,212,485 ist die Anbringung von Bordüren oder Gummibändern am Rand von Bezugsstoffen bekannt. Der Stoff wird jedoch umgeschlagen, bevor beabstandet vom Rand Zugschnüre eingesetzt werden. Die Zugschnüre selbst werden in einer randständigen Naht oder ebenfalls in Zugsäumen geführt.

[0004] In der US-A 2,586,698 wurde in Fig. 10,11 vorgeschlagen, ergänzend zur Führung der Spannschnur auch weitere Hilfsmittel in Form von Hülsen anzubringen. Diese Hülsen erlauben zwar eine reibungsfreiere Führung des Zugbands, tragen jedoch erheblich auf, so dass sich eine unerwünschte Verdickung einstellt, die das gleichmäßige Anbringen des Bezugsstoffes behindert.

[0005] Aus der DB 136 699 ist bekannt, einen Kantenbesatz für Spitzen, Strickwaren und andere Gewebe dadurch herzustellen, daß an der Kante eine Schnur über eine Zick-Zack-Naht befestigt wird. Die Zick-Zack-Naht ist jedoch nicht geeignet, eine entsprechende Kantensicherung zu erreichen, insbesondere wenn in der Zick-Zack-Naht eine Spannschnur gehalten werden soll, die mit entsprechenden Spannkräften beaufschlagt wird. Zudem ist in der Zick-Zack-Naht die Spannschnur notwendigerweise verschwenkt, was das Ziehen der Spannschnur erschwert.

[0006] Aus der EP 0 223 312 B1 ist es bekannt, die Spannschnur am Rande des Gewebes ohne Aufdoppelung des Gewebes in einem Überwendlingssaum zu führen. Die Überwendlingsnaht wird so ausgebildet, daß ein Teil der Stichlinie im Gewebe verläuft, während eine externe Anhaklinie außerhalb des Gewebes gebildet wird. Dadurch kann zwar über die Naht ein Kantenschutz erzielt werden, und dennoch sollen die beim Ziehen anfallenden Kräfte zuverlässig aufgenommen werden. Die randständige Anordnung führt jedoch dazu, daß beim Aufbringen des Bezugsstoffes auf das Sitzteil es leicht zu Beschädigungen und einem anschließenden Ausreißen des Randgewebes kommen kann. Da die Spannschnur in die Naht selbst eingelegt werden muß, sind spezielle Nähmaschinen erforderlich, die eine Zufuhr der Spannschnur in die Naht ermöglichen, wobei die Naht stets um die Spannschnur herumgeführt werden muß. Dies bereitet Probleme, wenn die Spannschnur zu Beginn und am Ende des Annähens an der Umrandung entsprechende zusätzliche Längen erhält, damit die Schnur zum Spannen ergriffen werden kann. Dadurch läßt sich der gesamte Ablauf nur schwer automatisieren. Zwar ist es aus dieser Schrift auch bekannt, ein Hilfsband einzusetzen, jedoch soll dieses Hilfsband lediglich ein Trägermedium für die Überwendlingsnaht sein, so daß die Überwendlingsnaht nicht unmittelbar auf das Bezugsmaterial aufgebracht werden muß. Das Hilfsband wird dann nur noch angenäht, jedoch liegt damit die Spannschnur nicht zwischen Hilfsband und Bezugsmaterial und es bestehen immer noch die Probleme mit der gleichzeitigen Zufuhr der Spannschnur in die Naht.

[0007] Ausgestaltungen gemäß den beiden letztgenannten Schriften DB 136 699 und EP 0 223 312 bereiten auch dann Schwierigkeiten, wenn die Spannschnur während des Einbringens reißt. Da eine neue Spannschnur jetzt zwischen die Fäden der Naht nur mit einem erheblichen Aufwand eingefädelt werden könnte, wird entweder eine neue Naht gezogen oder das Stoffstück entsorgt. Zwar können auch reißfestere Spannschnüre verwendet werden, jedoch führt deren Verwendung leicht zu Verletzungen der Näher und Näherinnen beim Umgang mit dem Material.

[0008] Ausgehend von den eingangs genannten Zugsäumen liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine einfache und zuverlässige Alternative zur Befestigung von Bezugsmaterialien zu schaffen, die mit vertretbarem maschinellen Einsatz auch in der Serienproduktion eingesetzt werden kann.

[0009] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruches 1 sowie bei einer Sitzfläche oder Lehnenfläche mit den Merkmalen des Anspruches 5 gelöst.

[0010] Die Befestigung der Spannschnur erfolgt jetzt in einem Aufnahmekanal, der zwischen einem Hilfsband und dem Bezugsmaterial gebildet wird. Dabei werden die Hilfsfäden in das Bezugsmaterial gesteppt, so daß sich eine zuverlässige Verbindung mit dem Gewebe und auch im Gewebe ergibt. Das Hilfsband ist als geschlossenes Gewebe besser geeignet, auch höhere Kräfte aufzunehmen als die Fäden einer bloßen Naht. Dadurch ist es möglich, die Nähte selbst auf die Seiten des Hilfsbandes zu beschränken, so daß auch die von den Fäden selbst aufzunehmenden Kräfte in der Naht besser beherrschbar werden. Gegenüber dem eigentlichen Bezugsmaterial kann es aber auch an seinen Einsatzzweck angepasst dünner ausgebildet sein. Der Einsatz des Hilfsbands ermöglicht aber vor allem eine Vereinfachung des maschinellen Einsatzes, da übliche und einfach herzustellende Nähte an den beiden Seiten des Bandes eingesetzt werden können und gleichzeitig Spannschnur und Hilfsband von einer Seite dem Bezugsmaterial zugeführt werden können, ohne daß eine umständliche Einführung der Spannschnur zwischen die Fäden der Naht erforderlich ist.

[0011] Der zwischen Hilfsband und Gewebe gebildete Kanal besitzt gleichmäßige Gewebeflächen, so daß auch nachträglich die Spannschnur leicht ersetzt oder bei einer gerissenen Spannschnur mit vertretbarem Aufwand eingefädelt werden kann, so daß Aufwand und Ausschußrate verringert werden. Weniger reißfeste und damit günstigere Spannschnüre können so verwendet werden, wobei gleichzeitig die Verletzungsgefahr der Näherinnen reduziert wird. Schließlich ist auch die gegenüber vorbekannten Zugsäumen auftretende Stoffeinsparung nicht zu vernachlässigen, was sich gerade bei industriell gefertigten Produkten wie Bürostühlen deutlich bemerkbar macht. Nicht nur muss der Polsterstoff nicht erst aufwendig zugeschnitten werden. Gegenüber dem bedruckten und/oder gewebten Polsterstoff ist sogar das Hilfsband erheblich günstiger und an seine eigentliche Funktion angepasst zu erhalten, so dass sich eine günstigere Fertigung ergibt.

[0012] Der maschinelle Aufwand wird bei einer Ausgestaltung nach den Ansprüchen 2 bis 4 dadurch weiter verringert, daß die Hilfsfäden Teil einer Naht sind, die von der dem Hilfsband gegenüberliegenden Seite gesteppt wird. Damit ist es möglich, Spannschnur und Hilfsband von einer Seite zuzuführen, so daß es auch keine Probleme bereitet, Spannschnur und Hilfsband bedarfsweise gesondert abzulängen, während die Naht selbst an der gegenüberliegenden Seite aufgebracht wird, so daß selbst der Drückerfuß der Nähmaschine keine Behinderung für das Aufbringen von Hilfsband und Spannschnur bringt. Die eingesetzte Naht führt gegenüber den vorbekannten Nähten zu einem besseren Gleiten der Spannschnur, da diese im Gewebe erheblich besser gleiten kann, als zwischen den Fäden einer Naht. Zudem kann das Gewebematerial des Hilfsbandes mit einer entsprechend glatten Oberfläche versehen werden, um die Widerstände der Naht beim Spannen zu reduzieren. Somit ergibt sich nicht nur eine stabilere Festlegung, aufgrund des Abstandes der Hilfsnähte ist sogar ein größerer Tunnel möglich, der ebenfalls zu einem leichteren Spannen beiträgt. Daß eine zusätzliche Gewebelage aufgebracht werden muß, fällt im Vergleich zu den Zugsäumen nicht ins Gewicht, da das Gewebe des Hilfsbandes zweckentsprechend ausgewählt werden kann und insofern nicht so aufträgt wie das Bezugsmaterial selbst.

[0013] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1
Eine schematische Seitenansicht eines Sitzmöbels mit geschnittener Sitzfläche,
Fig. 2
eine Draufsicht auf die Sitzfläche während des Anbringens des Bezugsmaterials,
Fig. 3
einen vergrößerten Ausschnitt aus Fig. 2 im Bereich der Doppelkettenstichnaht,
Fig. 4
einen Schnitt durch die Doppelkettenstichnaht, wobei zur besseren Klarheit auf die Schraffur des geschnittenen Bezugsmaterials und der geschnittenen Spannschnur verzichtet wurde.


[0014] Figur 1 zeigt ein Sitzmöbel 13, wobei auf einem zeichnerisch nicht dargestellten Fußgestell, das z.B. eine Spindel 21 tragen kann, eine Sitzfläche 11 und eine Rückenlehne 12 angeordnet sind. Sowohl Sitzfläche 11 als auch Rückenlehne 12 können mit Bezugsmaterial 14 überzogen werden, wenngleich im folgenden die Erfindung lediglich anhand des Beziehens der Sitzfläche erläutert wird.

[0015] Fig. 1 zeigt, daß das flexible Bezugsmaterial 14 die Oberfläche 10 bedeckt und daß die in Figur 2 ersichtliche Umrandung 14a am Umfang der Oberfläche 10 nach hinten gebogen und auf der Rückseite 11b der Sitzfläche 11 zusammengezogen ist. An der Umrandung 14a sind Hilfsfäden 15,16 vorgesehen, mit deren Hilfe dort ein Aufnahmekanal 17 gebildet wird. In diesem Aufnahmekanal kann eine Spannschnur 18 aufgenommen werden, die gespannt und festgelegt wird, um die Umrandung 14a zu fälteln und am Umfang oder an der Rückseite 11b der Sitzfläche 11 oder einer Lehnenfläche zusammenzuziehen.

[0016] Gemäß Fig. 4 ist der Aufnahmekanal 17 zwischen einem Hilfsband 19 und dem Bezugsmaterial 14 gebildet, wobei die Hilfsfäden 15,16 an den beiden Seiten des Hilfsbandes 19 entlang in das Bezugsmaterial genäht sind. Deutlich ist zu erkennen, daß kein Faden der Hilfsfäden über die Spannschnur 18 gezogen ist. Die Hilfsfäden 15,16 sind Teil einer Doppelkettenstichnaht, mit der das Hilfsband 19 am Bezugsmaterial befestigt wird. Deutlich zeigt Fig. 4, daß diese Naht 20 von der dem Hilfsband 19 gegenüberliegenden Seite am Bezugsmaterial aufgesteppt ist. Dadurch ist es möglich, in Fig. 4 Spannschnur 18 und Hilfsband 19 von oben auf das Bezugsmaterial zu bringen, während das Anbringen der Naht von unten erfolgen kann. Dadurch ergibt sich eine eindeutige Funktionstrennung zwischen Nähen und Aufbringen der zum Spannen erforderlichen Elemente, was insbesondere das Ablängen von Spannschnur und Hilfsband wesentlich erleichtert. Gleichzeitig trägt die Doppelkettenstichnaht aufgrund der kurzen Nahtlinien auf beiden Seiten des Hilfsbandes 19 dazu bei, die beim Spannen der Spannschnur 18 entstehenden Kräfte sicher aufzunehmen. Die glatten Gewebeflächen von Hilfsband 19 und flexiblem Bezugsmaterial, die den Aufnahmekanal 17 im wesentlichen begrenzen, erlauben den Einsatz bekannter Verfahren zum nachträglichen Einziehen einer anderen Spannschnur oder zum Ersatz einer gerissenen Spannschnur, da sich die hierfür erforderlichen Hilfsmittel nicht in den Fäden von Nähten verfangen können.

[0017] Das Verfahren selbst zur Befestigung von Hilfsband 19 und Spannschnur 18 und damit zum Beziehen der Oberfläche 10 des Sitzmöbels 13 mit dem flexiblen Bezugsmaterial geschieht dadurch, daß zunächst ein Stück flexiblen Bezugsmaterials 14, das zum Beispiel Stoff oder Leder sein kann, zugeschnitten wird, wobei der Zuschnitt der Form der zu beziehenden Oberfläche 10 entspricht. Fig. 2 zeigt, daß das Bezugsmaterial eine zusätzliche Umrandung 14a am Umfang aufweist, die erforderlich ist, um das Bezugsmaterial über den Umfang oder den Rand 11a der Sitzfläche zu ziehen. An diese Umrandung werden Hilfsfäden 15,16 gesteppt, um dort einen Aufnahmekanal 17 entlang der Umrandung 14a zu bilden. In diesen Aufnahmekanal 17, der hier unter Einsatz des Hilfsbandes 19 gebildet wird, wird eine Spannschnur 18 eingebracht, so daß diese sich entlang des Aufnahmekanals 17 bewegen kann. Um die Spannschnur nach ihrer Befestigung ziehen zu können, werden zusätzliche Schnurteile an den beiden Enden 18a,18b der Spannschnur 18 vorgesehen, was gerade bisher im Stand der Technik vor allem der Serienproduktion Schwierigkeiten bereitet hat.

[0018] Ist das Bezugsmaterial mit Aufnahmekanal und Spannschnur 18 versehen, wird die Oberfläche 10 mit dem zugeschnittenen Stück bezogen. Dabei muß der Aufnahmekanal 17, der in Figur 2 zwar nicht zu sehen ist, jedoch dort sich unter der Naht 20 befindet, außerhalb der Oberfläche zu liegen kommen. Die Umrandung 14a wird dann am Rand 11a der Oberfläche 10 umgeschlagen und es wird an den beiden Enden 18a,18b der Spannschnur gezogen, so daß die Länge der Spannschnur 18 im Aufnahmekanal 17 reduziert und die Umrandung 14a zusammengezogen und gefältelt wird. Anschließend werden die Enden der Spannschnur nach dem Ziehen fixiert, so daß sich der Bezugsstoff nicht mehr lösen kann. Wird hier eine Befestigung gewählt, die der Benutzer bedarfsweise lösen kann, läßt sich der Bezugsstoff leicht abnehmen und reinigen.

[0019] Die Hilfsfäden 15,16 werden beide in das Bezugsmaterial 14 gesteppt, um eine Fixierung des Hilfsbandes 19 zu ermöglichen. Das Hilfsband wird damit an seinen beiden Seiten auf das Bezugsmaterial 14 genäht, wobei sich der Aufnahmekanal 17 zwischen Hilfsband 19 und Bezugsmaterial 14 ausbildet. Die Hilfsfäden sind Teil einer gemeinsamen Naht 20, über die die Hilfsfäden auf der dem Hilfsband gegenüberliegenden Seite 14b des Bezugsmaterials miteinander verbunden sind. Vorzugsweise wird als Naht eine Doppelkettenstichnaht eingesetzt. Die Anordnung von Doppelkettenstichnaht auf der einen Seite 14b des Bezugsmaterials und von Hilfsband 19 und Spanuschnur 18 auf der gegenüberliegenden Seite 14c des Bezugsmaterials erlaubt das Anbringen von Spannschnur und Hilfsband gleichzeitig beim Annähen des Hilfsbandes 19 mittels der Hilfsfäden 15,16, ohne daß die Naht 20 und Spannschnur 18 bzw. Hilfsband 19 sich gegenseitig behindern. Dadurch lassen sich die Teile leicht dem Bezugsmaterial zuführen, so daß der hierfür zu treibende maschinelle Aufwand beträchtlich verringert werden kann.

[0020] Das Festlegen der Schnurenden kann in bekannter Weise durch Klemmstücke, Zusammenbinden der Enden oder Festlegen der Enden an Hilfsmitteln erfolgen, die an der Rückseite 11b der zu beziehenden Oberfläche 10 angeordnet sind.

Liste der Bezugszeichen (kein Bestandteil der Anmeldungsunterlagen)



[0021] 
10
Oberfläche
11
Sitzfläche
11a
Rand
11b
Rückseite
12
Rückenlehne
13
Sitzmöbel
14
Bezugsmaterial
14a
Umrandung
14b
19 gegenüberliegende Seite
14c
19 zugeordnete Seite
15,16
Hilfsfaden
17
Aufnahmekanal
18
Spannschnur
19
Hilfsband
20
Naht
21
Spindel



Ansprüche

1. Verfahren zum Beziehen der Oberfläche (10) einer Sitzfläche (11) und/oder Rückenlehne (12) eines Sitzmöbels (13), insbesondere eines Bürodrehstuhls, mit einem flexiblen Bezugsmaterial (14) mit den Schritten:

- Zuschneiden eines Stücks flexiblen Bezugsmaterials (14), das der Form der Oberfläche (10) entspricht, unter Zugabe einer zusätzlichen Umrandung (14a) am Umfang,

- Steppen von Hilfsfäden (15, 16) an die Umrandung (14a), um einen Aufnahmekanal (17) entlang der Umrandung (14a) zu bilden,

- Anbringen einer Spannschnur (18) im Aufnahmekanal (17), so daß sie sich entlang des Aufnahmekanals (17) bewegen kann, mit zusätzlichen Schnurteilen an den beiden Enden (18a, 18b) der Spannschnur (18),

- Beziehen der Oberfläche (10) mit dem Stück, so daß der Aufnahmekanal (17) außerhalb der Oberfläche zu liegen kommt,

- Umschlagen der Umrandung (14a) am Rand (11a) der Oberfläche (10) und Ausüben von entgegengesetztem Zug an den beiden Enden (18a, 18b) der Spannschnur (18), so daß die Länge der Spannschnur (18) im Aufnahmekanal (17) reduziert und die Umrandung (14a) zusammengezogen und gefältelt wird,

- Festlegen der Enden (18a, 18b) der Spannschnur (18) nach dem Ziehen,

dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfsfäden (15, 16) in das Bezugsmaterial (14) gesteppt werden und dabei ein Hilfsband (19) an seinen beiden Seiten auf das Bezugsmaterial (14) genäht wird, wobei der Aufnahmekanal (17) zwischen dem Hilfsband (19) und dem Bezugsmaterial (14) gebildet wird.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfsfäden (15, 16) Teil einer gemeinsamen Naht (20) sind, über die die Hilfsfäden (15, 16) auf der dem Hilfsband (19) gegenüberliegenden Seite (14b) des Bezugsmaterials (14) miteinander verbunden sind.
 
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Naht (20) mit der das Hilfsband (19) auf das Bezugsmaterial (14) aus Stoff oder Leder aufgenäht wird, eine Doppelkettenstichnaht ist.
 
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, daß das gemeinsame Anbringen von Spannschnur (18) und Hilfsband (19) gleichzeitig und von einer Seite (14a) des Bezugsmaterials erfolgt, während das gleichzeitige Annähen des Hilfsband (19) von der anderen Seite (14b) des Bezugsmaterials (14) erfolgt.
 
5. Sitzfläche (11) oder Lehnenfläche, hergestellt nach einem der Ansprüche 1-4, mit einer Oberfläche (10), einem flexiblen Bezugsmaterial (14), das die Oberfläche (10) bedeckt und eine nach hinten umgebogene Umrandung (14a) am Umfang der Oberfläche (10) aufweist, wobei an der Umrandung mit Hilfsfäden (15, 16) ein Aufnahmekanal (17) gebildet ist, in dem eine Spannschnur (18) aufgenommen ist, die gespannt und festgelegt wird, um die Umrandung (14a) zu fälteln und am Umfang oder an der Rückseite (11b) der Sitzfläche (11) oder Lehnenfläche zusammenzuziehen,
dadurch gekennzeichnet, daß der Aufnahmekanal (17) zwischen dem Hilfsband (19) und dem Bezugsmaterial (14) gebildet ist, wobei die Hilfsfäden (15, 16) an den beiden Seiten des Hilfsbands (19) entlang in das Bezugsmaterial (14) genäht sind.
 
6. Sitzfläche (11) oder Lehnenfläche nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Hilfsfäden (15, 16) Teil einer Doppelkettenstichnaht sind, die das Hilfsband (19) von der dem Hilfsband gegenüber liegenden Seite des Bezugsmaterials (14) an diesem befestigt.
 




Zeichnung