[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Wärmedämmverbundsystemen
mit Hilfe einer organischen Klebe- bzw. Spachtelmasse als Kleber für an der Fassade
festzulegende Dämmplatten bzw. als Spachtelmasse für den Ausgleich von Fassadenunebenheiten
vor der Festlegung der Dämmplatten bzw. für die Schaffung einer Armierungsschicht
auf den festgelegten Dämmplatten.
[0002] Die Verarbeitung derartiger organischer Klebe- und Spachtelmassen erfolgt in der
Praxis bevorzugt maschinell. Bei Herstellung von seit langem bekannten wärmedämmverbundsystemen,
wie sie z.B. aus der DE 32 02 960 hervorgehen, werden auf ein Mauerwerk mit einer
Klebe- bzw. Spachtelmasse Wärmedämmplatten, insbesondere aus extrudiertem Polystyrol-Hartschaum
aufgebracht. Unebenheiten des Mauerwerkes werden dabei durch die Klebe- bzw. Spachtelmasse
ausgeglichen. Mit einer mehrlagigen armierten Putzbeschichtung, bestehend aus einer
Armierungsschicht, die wiederum aus einer Armierungsmasse und einem Armierungsgewebe
gebildet wird, und einer Deckbeschichtung aus z.B. einem Kunstharzputz, ggf. mit einem
zusätzlichen Voranstrich auf der Armierungsschicht, wird die Wärmedämmplatte vor Verwitterung
geschützt.
[0003] In der Praxis werden bislang bei der Applikation der Wärmedämmverbundsysteme vorwiegend
zementhaltige Kleber verwendet. Die Formulierungen der zementösen Kleber erlauben
es, den Kleber in dickeren Schichten aufzutragen und dadurch die Unebenheiten des
Untergrundes auszugleichen. Auf diese Weise kann mit den verwendeten Dämmplatten eine
ebene Fassage hergestellt werden.
[0004] Insbesondere im Bereich der Altbausanierung werden durch Unebenheiten der Fassadenfläche
für die Egalisierung der Oberfläche erhebliche Mengen an Kleber- bzw. Spachtelmassen
benötigt.
[0005] Es sind zwar auch bereits zementfreie kunststoffgebundene Kleber für die Applikation
von Wärmedämmverbundsystemen bekannt. Die Formulierungen basieren auf wäßrigen Polymerdispersionen
auf der Basis Acrylat-, Methacrylat-, Vinylacetat-, Styrol-, Butadien-, Aethylen-,
Versaticsäureester-Monomere und deren Kombinationen.
[0006] Aus der DE 44 02 688 geht z.B. ein wäßriger Dispersionskleber für das Verkleben von
Dämmplatten, wie z.B. Polystyrol-Hartschaumplatten als bekannt hervor. Diese polymergebundenen
Kleber lassen sich jedoch nicht in dicken Schichten auftragen, damit eine Nivellierung
des Untergrundes durchgeführt werden kann, denn sie trocknen unter den Dämmplatten
nur langsam. Sie lassen sich außerdem in der dazu erforderlichen Konsistenz nur schlecht
verarbeiten und sind durch den hohen Materialeinsatz unwirtschaftlich. Daher werden
solche Kleber bisher nur auf glatten Oberflächen verwendet, auf die sie dünn aufgetragen
werden können. Bei dünnem Auftrag trocknen derartige Kleber im normalen Zeitrahmen,
und ihr Einsatz liegt auch noch im wirtschaftlichen Bereich.
[0007] Die Aufgabe der Erfindung besteht demnach darin, ein Verfahren vorzuschlagen, das
den Einsatz organischer Klebe- bzw. Spachtelmassen erlaubt, indem ihre Eigenschaften
derart verbessert werden, daß ein gutes Volumenfüllvermögen, schnelle Trocknung, hohe
Standfestigkeit und eine Kostenersparnis gegenüber konventionellen organischen Klebe-
bzw. Spachtelmassen erreicht wird.
[0008] Das erfindungsgemäße Verfahren, bei dem diese Aufgabe gelöst ist, zeichnet sich im
wesentlichen dadurch aus, daß die Klebe-/Spachtelmasse vor ihrem Einsatz aufgeschäumt
wird. Als besonders zweckmäßig hat es sich dabei erwiesen, wenn der Einsatz der Masse
bei einer nach dem Aufschäumen gegebenen Naßdichte von 0,3 bis 1,2 kg/l, bevorzugt
0,6 bis 0,9 kg/l erfolgt.
[0009] In sehr vorteilhafter Weise erfolgt beim erfindungsgemäßen Verfahren das Auf schäumen
durch Zuführung von ggf. unter Druck stehender Luft bzw. einem anderen Gas. Dabei
zeigt sich, daß Kleber, die durch Luftzufuhr stabile Schäume bilden, sich in dicken
Schichten auftragen lassen. Die Verarbeitung wird dadurch stark vereinfacht, und es
erfolgt eine schnelle Trocknung hinter den Dämmplatten. Derartige Kleber erlauben
dann die Nivellierung der Platten zu einer ebenen Fläche.
[0010] Das Aufschäumen hat zur Folge, daß durch das stark vergrößerte Volumen Unebenheiten
mit einem deutlich geringeren Materialaufwand ausgeglichen werden können. Gegebenenfalls
kann mit dem Schaummittel z.B. auch eine Klebeverbesserer (z.B. Harzdispersionen)
zugegeben werden.
[0011] Ferner wurde festgestellt, daß diese polymergebundenen, geschäumten Kleber- bzw.
Spachtelmassen hervorragende Armierungsmassen darstellen. Die geschäumten Klebe- bzw.
Spachtelmassen bilden eine sahnige Schicht, die sich sehr einfach verarbeiten läßt.
Zusätzlich wird auch für die Armierung eines Wärmedämmverbundsystems deutlich weniger
Material benötigt.
[0012] Mit den beim erfindungsgemäßen Verfahren zum Einsatz gelangenden geschäumten Klebe-
bzw. Spachtelmassen wird die Herstellung eines Wärmedämmverbundsystems möglich, bei
dem der organisch gebundene Kleber für die Dämmplatten und die Armierungsmasse aus
dem gleichen Material besteht, dicke Schichten einfach und exzellent verarbeitet werden
können und die Klebe- bzw. Spachtelmassen schnell trocknen.
[0013] Für das Auf schäumen der organischen Klebe- bzw. Spachtelmassen eignet sich bevorzugt
die maschinelle Verarbeitung. Dabei wird zunächst Material mittels einer Misch- und
Förderpumpe, z.B. einer Rotationsverdrängerpumpe, wie sie im deutschen Gebrauchsmuster
DE 295 11 966 beschrieben ist, von einem Gebinde, z.B. einem Silo, über einen Förderschlauch
zu einer Spritzpistole gefördert und auf die Fassade gespritzt. Während des Fördervorganges
kann an der Förderpumpe bzw. an der Spritzpistole die Zugabe des Schaummittels bzw.
der Druckluft oder des Gases und weiterer Komponenten erfolgen.
[0014] Als Schaummittel eignen sich bevorzugt Polymerisate aus Ethylen- und Propylen aus
Ethylen- und Propylenoxid, Alkyl-diglykoläthersulphat-Natriumsalz, Sodiumlaurylsulphate
oder nicht ionische Tenside wie z.B. Fettalkoholethoxylate. Eine zusätzliche Regulation
der Schaumstruktur kann durch Zugabe von Silikonölen und Stabilsierung durch Schaumstabilisatoren
wie z.B. Sodium Sulphosuccinamate erreicht werden.
[0015] Nachstehend sind Beispiele einer zum Kleben und Armieren geeigneten Klebe- bzw. Spachtelmasse
angegeben.
Beispiel 1
[0016]
| |
Gew.-% |
| Acrylat-Dispersion (Bindemittel) |
13,00 |
| Quarzmehl |
74,00 |
| Glasfaser |
0,25 |
| Konservierung |
0,20 |
| Filmbildehilfsmittel |
1,00 |
| Dispergiermittel |
0,25 |
| Verdickungsmittel |
0,20 |
| Schaumbildner |
0,10 |
| Schaumstabilisator |
0,10 |
| Wasser |
10,90 |
Beispiel 2
[0017]
| Acrylat-Dispersion (Bindemittel) |
13,00 |
| Quarzmehl |
74,00 |
| Glasfaser |
0,25 |
| Konservierung |
0,20 |
| Filmbildehilfsmittel |
1,00 |
| Dispergiermittel |
0,25 |
| Verdickungsmittel |
0,20 |
| Schaumstabilisator |
0,10 |
| Wasser |
11,00 |
[0018] Anstelle des Schaumbildner wird in Beispiel 2 ca. 30 Vol.% Druckluft direkt an der
Verarbeitungspistole zugegeben.
1. Verfahren zur Herstellung von Wärmedämmverbundsystemen mit Hilfe einer organischen
Klebe- bzw. Spachtelmasse als Kleber für an der Fassade festzulegende Dämmplatten
bzw. als Spachtelmasse für den Ausgleich von Fassadenunebenheiten vor der Festlegung
der Dämmplatten bzw. für die Schaffung einer Armierungsschicht auf den festgelegten
Dämmplatten, dadurch gekennzeichnet, daß die Klebe-/Spachtelmasse vor ihrem Einsatz
aufgeschäumt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Einsatz der Massen bei
einer nach dem Aufschäumen gegebenen Naßdichte von 0,3 bis 1,2 kg/l, bevorzugt 0,6
bis 0,9 kg/l erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das Aufschäumen durch
Zuführung von ggf. unter Druck stehender Luft bzw. einem anderen Gas erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch Verwendung eines Produktes,
dem ein Schaummittel beigegeben ist.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Schaummittel erst kurz
vor der Verarbeitung zugefügt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß als schaummittel
Polymerisate aus Ethylen- und Propylenoxid, Alkyl-diglykoläthersulfat-Natriumsalz,
Sodiumlaurylsulphate oder nicht ionische Tenside wie z.B. Fettalkoholethoxylate verwendet
werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß dem Produkt
ein Kleberverbesserer, wie z.B. eine Harzdispersion zugefügt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Klebe-
bzw. Spachtelmasse ein Schaumstabilisator, wie z.B. Sodium Sulphosuccinamate zugefügt
wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß das Auf schäumen
unmittelbar vor dem Auftragen in einer Misch- und Fördereinrichtung erfolgt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, gekennzeichnet durch einen derart gesteuerten Aufschäumvorgang,
daß das Aufschäumen beim Austritt aus dem Applikationsgerät, bevorzugt einer Spritzdüse
erfolgt.