[0001] Die Erfindung betrifft einen Flachbildschirm, der aus Papier oder einem papierartigen
Material aufgebaut ist.
[0002] Die zunehmende Durchdringung des täglichen Lebens mit computergestützten Systemen
führte zu elektronischen Büchern und Zeitungen. Erste Systeme sind am Markt, die die
Daten vom Internet auf einen lokalen Computer laden und dann mit geeigneter Technik,
z.B. mittels Infrarotsender, auf separate, elektronische Bildschirme übertragen. Diese
elektronischen Bücher können dann beliebig und an jedem Ort gelesen werden. Dadurch
wird die aufwendige Technologie und Logistik des Buch- und Zeitungsdrucks prinzipiell
ersetzbar.
[0003] Ein größeres Akzeptanzproblem der Systeme ist bislang noch der Zwang zur Bilddarstellung
mittels konventioneller Flachbildschirmtechnik. Über die Jahrhunderte ist der Verbraucher
jedoch an das Papier als Medium gewöhnt. Papier bietet unübertroffene Darstellungseigenschaften:
ein gutes haptisches Gefühl, die Möglichkeit der Bilddarstellung mit Druckfarben und
damit das Eingehen auf die natürlichen Sehgewohnheiten des Menschen. Die Darstellung
mit Druckfarben hat weiterhin den Vorteil, dass bei zunehmender Beleuchtung durch
Kunst- oder Sonnenlicht eine bessere Lesbarkeit entsteht ― im Gegensatz zu der bisherigen
Bildschirmtechnik, die hier eine immer schlechtere Lesbarkeit bietet.
[0004] In neuerer Zeit werden auf Elektrochromie beruhende Flachbildschirme vorgeschlagen,
beispielsweise in der EP 0 300 917 B1. Die Bildschirme weisen eine Elektrodenschicht,
eine Gegenelektrodenschicht und eine dazwischen liegende Elektrolytschicht mit einem
elektrochromen Stoff auf. Aus der EP 0 635 144 B1 ist ein Flachbildschirm bekannt,
bei dem ein elektrochromer Stoff auf den Fasern eines Gewebes aufgebracht ist. Das
Gewebe und eine Elektrolytschicht sind zwischen einer Elektrodenschicht und einer
Gegenelektrodenschicht angeordnet. Schließlich ist ein Flachbildschirm mit einer zwischen
Elektroden und Gegenelektroden eingeschlossenen Schicht eines elektrochromen Stoffs
aus der JP 10105917 A bekannt.
[0005] Die Erfindung hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Flachbildschirm zu schaffen,
der einfach und preiswert herstellbar ist und dem natürlichen Sehen so weit als möglich
entgegenkommt.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche gelöst. Bevorzugte
Weiterbildungen werden durch die abhängigen Ansprüche beschrieben.
[0007] Die Erfindung betrifft Flachbildschirme die nach einem elektrochromen Verfahren der
Lichtmodulation arbeiten. Solche Bildschirme erzeugen ein kontrastreiches Bild, erlauben
die Betrachtung des Bildes unter einem flachen Winkel und weisen eine ausgezeichnete
Sichtbarkeit auch in heller Umgebung, insbesondere im Freien, auf. Die Pixel der elektrochromen
Bildschirme werden zwischen den jeweils paarweise einander zugeordneten Elektroden
und Gegenelektroden in Form von elektrochromen Zellen gebildet. Da elektrochrome Stoffe
in großer Vielfalt bekannt sind, die eine optische Eigenschaft, beispielsweise ihre
Farbe oder optische Dichte, bereits bei geringen Änderungen des elektrischen Feldes
der einzelnen elektrochromen Zellen ändern, können die elektrochromen Zellen solcher
Flachbildschirme mit preiswerten elektronischen Einrichtungen zur Steuerung und Adressierung
der Zellen betrieben werden. Die elektrochromen Zellen werden je durch eine Elektrode
und eine zugeordnete Gegenelektrode, die der Elektrode näher liegt als die anderen
Gegenelektroden, und eine zwischen diesem Paar aus Elektrode und Gegenelektrode gelegene
Wegstrecke bzw. einem dazwischen liegenden Raum gebildet, in der bzw. in dem eine
Farbreaktion stattfindet, wenn an das Paar aus Elektrode und zugeordneter Gegenelektrode
eine zur Auslösung der Farbreaktion erforderliche Mindestspannung angelegt ist. Die
Farbreaktion besteht vorzugsweise in einer Änderung der Farbe und/oder der optischen
Dichte des elektrochromen Stoffs.
[0008] Nach der Erfindung ist der Flachbildschirm auf der Basis von Papier oder einem papierartigen
Material aufgebaut, das als Trägersubstrat für wenigstens einen elektrochromen Stoff
dient. Die Elektroden ragen in das Substrat und werden vorzugsweise durch Stifte aus
einem elektrisch leitfähigen Material gebildet. Die Elektroden ragen von einer Seite
des Substrats in das Substrat hinein. Vorzugsweise ragen sie nicht durch das Substrat
hindurch, aber nahe bis zur gegenüberliegenden Seite heran. Vorzugsweise durchragen
sie wenigstens 70% oder, noch bevorzugter, wenigstens 80% der Dicke des Substrats.
Weist das Substrat beispielsweise eine Dicke von 50 µm auf, so ragen die Stifte von
der Rückseite des Substrats her vorzugsweise wenigstens 40 µm, beispielsweise 45 µm,
in das Substrat hinein. Die Elektroden sind an vorderen Stiftabschnitten der Stifte
ausgebildet. In bevorzugten Ausführungen sind die Elektroden an den vorderen Stiftenden
ausgebildet oder werden ganz einfach durch die vorderen Stiftenden gebildet. Die Stifte
dienen gleichzeitig als Befestigungsmittel für die Elektroden und vorzugsweise auch
für die damit verbundenen Leiterbahnen.
[0009] Die Gegenelektroden können grundsätzlich an der gegenüberliegenden Seite des Substrats
mit dem Substrat verbunden sein, beispielsweise durch Aufkaschieren einer Folie als
Träger. Besonders bevorzugt sind die Gegenelektroden jedoch an der Seite des Substrats
angeordnet, an der die Elektroden in das Substrat hinein ragen. In dieser bevorzugten
Ausführungsform wird eine dem Betrachter zugewandte Vorderseite des erfindungsgemäßen
Bildschirms erhalten, die vollkommen dem Eindruck bedruckten Papiers entspricht. Die
Gegenelektroden können ebenfalls durch Stifte gebildet werden, die jedoch kürzer als
die Stifte sind, die für die Elektroden bevorzugt werden. Die Stifte für die Gegenelektroden
würden im vorstehenden Zahlenbeispiel bevorzugt zwischen 5 bis 10 µm weit in das Substrat
ragen. Durch die Verwendung von Papier oder einem papierartigen Material würde jedoch
auch bei Aufkaschierung der Gegenelektroden mittels einer Schicht von transparenten
Leiterbahnen auf der Vorderseite wegen der Verwendung von Papier oder einem papierartigen
Material und der Anordnung der Elektroden im Substrat, insbesondere mittels der Stifte,
ein einfach und daher preiswert herstellbarer Flachbildschirm erhalten, der immer
noch stärker als die bekannten elektrochrom arbeitenden Flachbildschirme den Eindruck
bedruckten Papiers vermittelt, beispielsweise eines Hochglanzpapiers.
[0010] Als Stift wird im Sinne der Erfindung jedes Gebilde verstanden, das in das Substrat
eindrückbar ist, insbesondere jeder schlanke zylindrische Körper, Noppen oder spitz
auslaufender Dorn.
[0011] Es wird Papier oder ein entsprechendes poröses oder faserförmiges Material in beliebiger
Größe als Substratmaterial verwendet. Unter einem für die Zwecke der Erfindung geeigneten,
papierartigen Material wird ein Material verstanden, das wie ein Papier bedruckt oder
durchtränkt werden kann und aus Fasern, beispielsweise aus Kunststofffasern, unter
Verwendung eines Klebers und/oder Bindemittels gebildet, bevorzugt wie Papier hergestellt
wird.
[0012] Ein elektrochromer Stoff ist im Sinne der Erfindung jeder Farbstoff der aufgrund
eines elektrischen Stroms zumindest eine seiner optischen Eigenschaften verändert,
beispielsweise seine Farbe oder seine optische Dichte. Als erfindungsgemäße Stoffe
kommen sämtliche pH-sensitiven, redox-sensitiven oder auf andere Weise durch den elektrischen
Strom direkt oder indirekt veränderbaren Farbstoffe in Betracht. Bevorzugt werden
Farbstoffe, die von farblos auf farbig reagieren, z.B. Phenolphtalein. Die auszuwählenden
Substanzen sollten nicht blutend sein. Eine bevorzugte reversible Farbgebung wird
physikochemisch durch pH-sensitive oder redox-sensitive Farbstoffe erzielt. Vorzugsweise
wird der oder werden die Farbstoffe auf das Substrat aufgedruckt oder in das Substrat
imprägniert. Das Substrat ist vorzugsweise mit einem nicht oder gering verdunstenden
Elektrolyten imprägniert bzw. durchtränkt. Weitere Hilfsstoffe können imprägniert
werden, wie Konservierungsmittel, Stabilisatoren, Hilfsreaktanden für die Farbreaktion
etc. Der zur Farbdarstellung notwendige Redox- oder pH-Gradient wird durch Mikroelektroden
und ―gegenelektroden erzeugt. Die Mikroelektroden und -gegenelektroden werden in unterschiedlicher
Bauart in hoher Dichte über der Fläche des Substrats verteilt angeordnet. Sie werden
definiert angesteuert.
[0013] Um die Einzelelektrode bzw. -gegenelektrode herum, d.h. in der elektrochromen Zelle,
wird durch geeignete Steuerung der angelegten Spannung, bzw. des fließenden Stroms
ein gewünschter pH-Wert eingestellt. Je nach angewandtem pH-Farbstoff entwickelt sich
die entsprechende Farbe. Ein entsprechender Strom mit umgekehrter Polarität löscht
die Färbung wieder.
[0014] Die Elektroden und Gegenelektroden können als pH-Messelektroden oder Redox-Messelektroden
verwendet werden. Es können stattdessen oder zusätzlich separate pH-Messpaare oder
Redox-Messpaare aus Elektroden und Gegenelektroden integriert werden. Eine regelmäßige
bzw. periodische pH-Messung oder Redoxwert-Messung ermöglicht die Korrektur von etwaigen
pH-Wert-Verschiebungen oder Redoxwert-Verschiebungen und damit die Aufrechterhaltung
des gewünschten Basis-pH-Werts oder Basis-Redoxwerts basierend auf einem Soll-Ist
Vergleich.
[0015] Entsprechendes gilt hierbei und im folgenden für den Einsatz redox-sensitiver Farbstoffe.
In den elektrochromen Zellen wird durch entsprechende Einstellung der Spannung bzw.
des Stroms ein gewünschter Redox-Wert eingestellt bzw. aufrechterhalten.
[0016] Die Elektroden und Gegenelektroden werden vorzugsweise so dünn ausgeführt, dass eine
optische Beeinträchtigung nicht entsteht. Es kann statt metallischem Material auch
elektrisch leitender Kunststoff als Elektrodenmaterial und/oder Gegenelektrodenmaterial
verwendet werden.
[0017] Eine mögliche Ausführung kann sein, dass auf oder in dem Substrat dünne, drahtförmige
Leiterbahnen einmal in waagrechter und einmal in dazu senkrechter Anordnung aufgebracht
werden. Werden die waagrechten Leiterbahnen sequenziell mit einer geeigneten Taktfrequenz
z.B. von oben nach unten angesteuert und die senkrechten Leiterbahnen z.B. von links
nach rechts, so fließt zu einem definierten Zeitpunkt nur an dem Schnittpunkt der
jeweils angesteuerten Leiterbahnen der angelegte Strom durch das Substrat und entwickelt
exakt an dieser Stelle einen Farbpunkt. Auf diese Weise kann die gesamte Bildschirmfläche
abgetastet und eine Bild- und Textdarstellung softwareseitig aufgebaut werden. Die
Löschung erfolgt bei Verwendung eines pH-sensitiven Farbstoffs entsprechend mit umgekehrter
pH-Verschiebung auf einen Basiswert.
[0018] Ein erfindungsgemäßer Bildschirm kann nach dem beschriebenen System in unterschiedlichster
Art und Weise aufgebaut werden. Folgende Prinzipien können zur Anwendung kommen:
1. pH- oder redox-sensitive Farbstoffe, z.B. die drei Grundfarben und Schwarz, werden
in je einer Lage schichtweise übereinander aufgebracht. Die dem Betrachter zugewandten
Lagen werden transparent ausgeführt. Jede Lage wird durch nur in dieser Lage wirkende
Elektroden spezifisch angesteuert. Eventuell sind isolierende Zwischenlagen vorgesehen.
2. Das Substrat kann stattdessen auch einlagig mit einem Mikro-Pixelmuster oder Mikrolinienmuster
der Grundfarben bedruckt oder imprägniert sein. Die Ansteuerung der jeweiligen Farbpunkte
erfolgt dann durch Elektroden und Gegenelektroden, die nebeneinander spezifisch nur
im Pixel oder der Linie einer der Farben angeordnet sind.
3. Geeignete pH- oder redox-sensitive Farbstoffe mit Farbumschlag bei unterschiedlichen
pH-Werten oder Redoxwerten werden in Mischung aufgebracht. Die gewünschte Farbe entsteht
dann durch die Einstellung unterschiedlicher, definierter pH-Stufen oder Redoxwert-Stufen
pro Elektroden-/Gegenelektrodenpaar bzw. elektrochromer Zelle.
[0019] Durch Aufbringen einer Oberflächenlage oder Zwischenlage kann die Stabilität des
Bildschirms erhöht werden. Es können Schutz und/oder Isolierlagen aufgebracht werden,
insbesondere auf der Rückseite des Substrats. Ein haptischer oder optischer Eindruck
kann so verändert werden. Insbesondere kann eine Schutzlage zum Schutz gegen UV-Strahlung
oder gegen Verdunstung eines Elektrolyten auf das Substrat aufgebracht werden. Die
Schutzlage kann beispielsweise aufgesprüht werden. Wird sie durch eine aufkaschierte
Folie gebildet, so kann diese Folie, falls sie elektrisch nicht leitend ist, gleichzeitig
als Trägerfolie für die Leiterbahnen der Gegenelektroden und vorzugsweise auch gleich
als Trägerfolie für die Gegenelektroden dienen.
[0020] Die Bildschirme können in beliebiger Aufmachung und Nutzung verwendet werden. Beispielsweise
können mehrere Bildschirme zu Büchern oder Zeitschriften zusammengeführt werden. Zwei
erfindungsgemäße Bildschirme können mit einer Zwischenisolierung auch als beidseitig
anzeigendes Blatt aneinander befestigt sein.
[0021] Die Flachbildschirme können als Plakatwände oder Plakatplanen beliebiger Größe ausgeführt
und z.B. in der Straßenwerbung verwendet werden.
[0022] Weiterhin können T-Shirts oder andere Kleidungsstücke ganz oder teilweise mit einem
integrierten erfindungsgemäßen Bildschirm gefertigt werden. Solche Kleidungsstücke
können beim Verkauf den Wünschen der Kunden gemäß optisch gestaltet werden. Bei reversibler
Farbgebung kann solch ein Kleidungsstück auch wieder verändert werden.
[0023] Es können durch Integration eines Bildschirms in Kunststoffbauteile oder durch Aufbringen
auf beliebige andere Baumaterialien Kraftfahrzeuge ausgestattet oder Fassaden gestaltet
und insbesondere als veränderbare Anzeigen, beispielsweise Werbeflächen, verwendet
werden.
[0024] Auch eine Kombination mit aus Fasermaterial aufgebauten Sonnenkollektoren ist möglich.
Hier können die Sonnenkollektor-Fasern die autonome Stromversorgung der Einheiten
übernehmen.
[0025] Anstatt oder in Kombination mit der Vermittlung von Information oder optischen Eindrücken
kann ein erfindungsgemäßer Flachbildschirm auch andere Funktionen ausüben, z.B. in
der Wärmeregulierung. Dabei kann eine dunkel angesteuerte Oberfläche Wärme aufnehmen,
während eine Ansteuerung auf helle Farben oder weiß Wärme abweist. Dies kann beispielsweise
für ein Kleidungsstück oder ein Gebäude, das mit einer erfindungsgemäßen Bildschirmfläche
ausgestattet ist, von Vorteil sein.
[0026] Die Herstellung des erfindungsgemäßen Bildschirms gestaltet sich einfach. Das Substrat
wird durch Verfestigung und Formung aus einer Faser-Suspension gewonnen. Ist das Substrat
Papier, so kann jedes aus der Papierherstellung bekannte Verfahren zur Herstellung
des Substrats verwendet werden. Bei Verwendung von Kunststofffasern statt Cellulosefasern,
wie dies ebenfalls einer bevorzugten Ausführung der Erfindung entspricht, erfolgt
die Herstellung des Substrats vorzugsweise ebenfalls der Papierherstellung vergleichbar.
[0027] Der wenigstens eine elektrochrome Stoff kann der Faser-Suspension beigemischt werden,
so dass mit der Bildung des Substrats auch bereits der elektrochrome Stoff im Substrat
homogen verteilt vorliegt. Das Substrat kann auch nach seiner Bildung mit dem wenigstens
einen elektrochromen Stoff beschichtet werden, insbesondere mittels den aus der Drucktechnik
bekannten Verfahren, beispielsweise dem Flexodruck. Im Falle eines Farbbildschirms
werden mehrere unterschiedliche elektrochrome Stoffe, beispielsweise je ein Stoff
für jede der drei Grundfarben und ein Stoff für Schwarz, in definierter Schichtdicke
übereinander auf der Oberfläche des Substrats aufgetragen, was ebenfalls pro Schichtauftrag
in konventioneller Drucktechnik erfolgen kann. Anstatt eines Auftrags mehrerer Stoffschichten
übereinander können die bei einem Farbbildschirm mehreren unterschiedlichen elektrochromen
Stoffe auch jeweils einzeln in Form von regelmäßig angeordneten Mikropixeln oder Mikrolinien
imprägniert oder in einer einzigen Schicht aufgetragen, insbesondere aufgedruckt,
werden.
[0028] Die Stifte werden im Substrat so angeordnet, dass die Elektroden elektrisch leitend
mit dem elektrochromen Stoff verbunden sind. Sind mehrere elektrochrome Stoffe schichtweise
übereinander aufgetragen, so können beispielsweise unterschiedlich lange Stifte verwendet
werden, nämlich je eine bestimmte Stiftlänge pro Schicht. Die Stifte sind dann so
ausgebildet, dass die jeweiligen Elektroden elektrisch leitend immer nur mit einer
der Schichten verbunden sind und nur damit elektrochrome Zellen bilden. Sind die unterschiedlichen
elektrochromen Stoffe in Form von Pixeln oder feinen Linien in einer einzigen Schicht
verteilt angeordnet, so werden mehrere einzeln ansteuerbare Elektroden nebeneinander
angeordnet, so dass die Farbpixel individuell angesteuert werden können. Im Falle
des pixelförmigen bzw. linienförmigen Auftrags von mehreren unterschiedlichen elektrochromen
Stoffen kann pro Bildpunkt eine einzige Gegenelektrode für die mehreren Elektroden
des Bildpunkts oder vorzugsweise je eine Gegenelektrode pro Farbe und Bildpunkt, d.h.
pro Elektrode, vorgesehen sein.
[0029] Die Elektroden können vor, während oder nach der Bildung des Substrats in dem Material
für das Substrat oder in dem fertigen Substrat angeordnet werden. So können die Stifte,
welche die Elektroden bilden, in das fertige Substrat von einer Seite her hineingedrückt
werden, beispielsweise mit einer Matrize. Das Aufbringen oder Einbringen des elektrochromen
Stoffs oder der mehreren elektrochromen Stoffe kann vor oder nach dem Anordnen der
Elektroden erfolgen.
[0030] Die Elektroden können jedoch auch bereits in die Suspension eingelegt oder mit der
Suspension umgossen werden. Wird das Substrat durch Papier gebildet, so kann dies
auf dem Siebtisch einer Papiermaschine erfolgen. Auch ein Eindrücken in die noch nicht
völlig verfestigte und ausgeformte Bahn noch innerhalb der Papiermaschine ist möglich.
Sinngemäß gilt das vorstehend Gesagte auch bei Verwendung eines nur papierartigen
Materials, beispielsweise eines Materials aus Kunststofffasern.
[0031] Die Elektroden werden vorzugsweise in einem netzartigen Gitter ausgebildet. In eine
erste Richtung verlaufende Bahnen des Gitters verbinden die entlang der jeweiligen
Bahn angeordneten Elektroden elektrisch leitend miteinander. Die quer dazu verlaufenden
Bahnen dienen der Stabilisierung und Beabstandung der Leiterbahnen und damit zur Ausbildung
des flächenhaften Gitters. Sie bestehen jedoch aus einem nicht leitfähigen Material
oder sind gegenüber den Leiterbahnen elektrisch isoliert, so dass über diese Verbindungsbahnen
keine Kurzschlüsse erzeugt werden können. Grundsätzlich können die Elektroden aber
auch bahnweise oder sogar einzeln in das Substrat eingebracht werden. Vorzugsweise
werden die Leiterbahnen vorher bis zu den Elektroden von einer elektrischen Isolation
umgeben. Die Elektroden können durch die Festlegung in einem Gitter in einem einzigen
Schritt im Substrat plaziert werden und sind dann auch gleichzeitig bereits über die
Leiterbahnen miteinander verbunden und mit einer Stromquelle und Steuereinrichtung
verbindbar.
[0032] Die Gegenelektroden können in gleicher Weise bereits vor dem Anordnen im Substrat
ebenfalls mittels eines Gitters gebildet werden. Auch solch ein Gitter weist in einer
ersten Richtung nebeneinander verlaufende Leiterbahnen und quer dazu verlaufende Verbindungsbahnen
auf, die als Abstandshalter dienen. Vorzugsweise werden die Gegenelektroden hinter
den Elektroden, d.h. in rückwärtiger Verlängerung der Elektroden, in das Substrat
gedrückt, wobei zwischen den Elektroden und Gegenelektroden durch Isolierung ein Kurzschluss
verhindert wird. Die Leiterbahnen der Elektroden und die Leiterbahnen der Gegenelektroden
überkreuzen sich nach dem Anordnen der Elektroden und Gegenelektroden. Die Adressierung
der derart gebildeten elektrochromen Zellen erfolgt in diesem Falle mittels einer
Matrix Ansteuerung.
[0033] Die genannten Bahnen können flexibel oder starr bandförmig oder in Form von Stegen
oder Drähten gebildet sein.
[0034] Die Erfindung wird nachfolgen anhand eines Ausführungsbeispiels beschrieben. Anhand
des Ausführungsbeispiels erläuterte Merkmale bilden die Erfindung in der offenbarten
Merkmalskombination und auch jeweils einzeln weiter. Es zeigen:
- Figur 1
- ein Substrat, in dem Elektroden und Gegenelektroden an einer Seite des Substrats hintereinander
im Substrat angeordnet sind,
- Figur 2
- einen Querschnitt durch das Substrat der Figur 1 entlang einer Leiterbahn mit Elektroden
und
- Figur 3
- einen dazu rechtwinklig verlaufenden Querschnitt entlang einer Leiterbahn mit Gegenelektroden.
[0035] Figur 1 zeigt ein Papiersubstrat 1, das mit einem einzigen elektrochromen Stoff und
mit einem Elektrolyten imprägniert ist. In die Rückseite des Substrats 1 sind Stifte
aus einem elektrisch leitfähigen Material in der Anordnung eines Karo-Musters eingedrückt.
Die dem Betrachter des Bildschirms zugewandten vorderen Enden der Stifte bilden Elektroden
3. Die Elektroden 3 sind in Linien und dazu senkrechten Spalten im Substrat 1 angeordnet.
Die Abstände zwischen den Linien und die Abstände zwischen den Spalten sind gleich.
Die in einer Spalte angeordneten Elektroden 3 werden pro Spalte durch je eine Leiterbahn
5 elektrisch leitend miteinander verbunden. Bei den Gegenelektroden 7 (Figuren 2 und
3) zu den Elektroden 3 werden jeweils die in einer Linie angeordneten Gegenelektroden
7 durch eine Leiterbahn 8 elektrisch leitend miteinander verbunden. Die Leiterbahnen
5 und 8 überkreuzen sich. Sie sind mit einer Stromquelle und einer Steuereinrichtung
für eine Matrixadressierung verbunden oder verbindbar und mittels der Matrixadressierung
spalten- und zeilenweise ansteuerbar.
[0036] Figur 2 zeigt einen Schnitt durch das Substrat 1 parallel zu einer der Leiterbahnen
5. Die Elektroden 3 werden durch freie, vordere Stiftenden der Stifte 2 gebildet.
Die Stifte 2 und auch die Leiterbahnen 5 sind gänzlich in das Substrat 1 hineingedrückt,
d.h. in dem Substrat 1 eingebettet. Die Leiterbahnen 5 und sich daran anschließende,
hintere Stiftabschnitte 4, im Ausführungsbeispiel die von den Leiterbahnen 5 aufragenden
Stiftfüße, werden von einer elektrischen Isolation 6 umgeben und sind derart gegen
das umgebende Substrat 1 und den darin eingebrachten elektrochromen Stoff und einen
Elektrolyten, falls ein solcher zusätzlich eingebracht ist, isoliert. Gleichzeitig
wird durch die Isolation 6 ein Kurzschluss der Elektroden und Gegenelektroden der
einzelnen elektrochromen Zellen verhindert. Die Stifte 2 können, wie im Ausführungsbeispiel,
geradzylindrisch oder beispielsweise durch Dorne mit spitzen vorderen Enden gebildet
werden.
[0037] Die Gegenelektroden 7 sind hinter den Stiften 2 und Leiterbahnen 5 in der Flucht
der Stifte 2 ebenfalls in die Rückseite des Substrats 1 eingedrückt. Die Gegenelektrode
7 werden unmittelbar durch die Leiterbahnen 8 gebildet. Die Leiterbahnen 8 sind zu
diesem Zweck nur abschnittsweise mit einer elektrischen Isolation 9 versehen, wie
dies am besten in Figur 3 zu erkennen ist. Entlang den Leiterbahnen 8 sind regelmäßig
alternierend isolierte Leiterbahnabschnitte und nicht isolierte Leiterbahnabschnitte
ausgebildet, wobei die nicht isolierten Leiterbahnabschnitte die Gegenelektroden 7
bilden. Zur Befestigung, insbesondere für eine Verankerung, der Leiterbahnen 8 in
dem Substrat 1 können an geeigneten Stellen der Leiterbahnen 8 Verankerungsstifte
ausgebildet sein, die ebenfalls gegenüber dem Substrat 1 elektrisch isoliert sind.
Die Gegenelektroden 7 können selbst als Befestigungsmittel dienen, wenn sie wie die
Elektroden durch Stifte gebildet werden, die dann vorzugsweise wesentlich kürzer als
die Stifte für die Elektroden sind.
[0038] Im Ausführungsbeispiel ragen die Stifte 2 senkrecht von den Leiterbahnen 5 auf. Sie
können stattdessen auch so ausgebildet sein, beispielsweise schräg von ihrer Leiterbahn
aufragen, dass die Elektroden ein geringes Stück weit seitlich zur Leiterbahn versetzt
sind, so dass jede der Elektroden der ihr zugeordneten Gegenelektrode quer zur Substratfläche
unmittelbar gegenüberliegt. Solch eine Anordnung ist durch Einlegen der Elektroden
in eine Faserstoff-Suspension für das Substrat ohne weiteres herstellbar. Auch ein
Umgießen mit solch einer Suspension ist ohne weiteres möglich. Ein Eindrücken in ein
bereits flächenhaft geformtes Substrat ist ebenfalls möglich, insbesondere vor einer
Endverfestigung des Substrats.
[0039] Jede der Elektroden 3 bildet mit der dahinter angeordneten Gegenelektrode 7 eine
elektrochrome Zelle 10. Bei Anlegung einer für den elektrochromen Stoff charakteristischen
Spannung fließt zwischen einer angesteuerten Elektrode 3 und ihrer zugeordneten Gegenelektrode
7 ein elektrischer Strom, der in der jeweiligen elektrochromen Zelle 10 die gewünschte
Änderung der optischen Eigenschaft, beispielsweise einen Farbumschlag, bewirkt. Die
einer elektrochromen Zelle 10 benachbarten Elektroden 3 und 7 sind von der jeweiligen
elektrochromen Zelle 10 so weit entfernt angeordnet, dass zwischen zwei benachbarten
elektrochromen Zellen 10 kein Stromfluss stattfindet, der störende Farbreaktionen
auslösen könnte.
Bezugszeichenliste
[0040]
- 1
- Substrat
- 2
- Stift
- 3
- Elektrode, vorderer Stiftabschnitt
- 4
- hinterer Stiftabschnitt
- 5
- Leiterbahn
- 6
- Isolation
- 7
- Gegenelektrode
- 8
- Leiterbahn
- 9
- Isolation
- 10
- elektrochrome Zelle
1. Flachbildschirm mit
a) einem flächenhaften Substrat (1) aus Papier oder einem papierartigen Material,
b) einem elektrochromen Stoff, der in das Substrat (1) eingebracht und/oder auf das
Substrat (1) aufgebracht ist,
c) Elektroden (3), die mit dem elektrochromen Stoff elektrisch leitend verbunden sind,
d) und Gegenelektroden (7), die mit dem elektrochromen Stoff elektrisch leitend verbunden
sind,
e) wobei die Elektroden (3) und die Gegenelektroden (7) derart angeordnet und mit
dem Substrat (1) verbunden sind, dass jede der Elektroden (3) mit einer der Gegenelektroden
(7) und jede der Elektroden (3) mit einer anderen der Gegenelektroden (7) eine elektrochrome
Zelle (10) bildet,
f) und wobei die Elektroden (3) in das Substrat (1) ragen.
2. Flachbildschirm nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Elektroden durch
Stifte (2) gebildet werden.
3. Flachbildschirm nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass jeder der Stifte (2)
mit einem vorderen, ein Stiftende umfassenden Stiftabschnitt und einem daran angrenzenden
hinteren Stiftabschnitt (4) in das Substrat (1) ragt, die Elektroden (3) an den vorderen
Stiftabschnitten gebildet sind und die hinteren Stiftabschnitte (4) an ihren Oberflächen
eine elektrische Isolation (6) aufweisen.
4. Flachbildschirm nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass der
hintere Stiftabschnitt (4) jedes der Stifte (2) mit einer elektrischen Leiterbahn
(5) elektrisch leitend verbunden ist.
5. Flachbildschirm nach einem der zwei vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass die Gegenelektroden (7) von den vorderen Stiftabschnitten der Stifte (2) aus
gesehen hinter den hinteren Stiftabschnitten (4) angeordnet sind.
6. Flachbildschirm nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die
Gegenelektroden (7) durch wenigstens eine Leiterbahn (8) unmittelbar gebildet werden.
7. Flachbildschirm nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass die
Leiterbahn (8) an ihre Oberfläche eine durchbrochene elektrische Isolation (9) mit
elektrisch nicht isolierten Oberflächenabschnitten aufweist und die elektrisch nicht
isolierten Oberflächenabschnitte die Gegenelektroden (7) bilden.
8. Flachbildschirm nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
Gegenelektroden durch Stifte gebildet werden, die in das Substrat ragen.
9. Verfahren zur Herstellung eines Flachbildschirms, wobei das Verfahren folgende Schritte
umfasst:
a) Bildung eines flächenhaften Substrats (1) aus Papier oder einem papierartigen Material
mit einem elektrochromen Stoff, der in oder auf dem Substrat (1) verteilt ist,
b) Anordnen von Elektroden (3) in dem Substrat (1), derart, dass die Elektroden (3)
in das Substrat (1) ragen und elektrisch leitend mit dem elektrochromen Stoff verbunden
sind,
c) und Anordnen von Gegenelektroden (7) in dem Substrat (1), derart, dass die Gegenelektroden
(7) mit dem elektrochromen Stoff elektrisch leitend verbunden sind und jede der Elektroden
(3) mit einer der Gegenelektroden (7) eine elektrochrome Zelle (10) bildet.
10. Verfahren nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass Stifte (2)
aus einem elektrisch leitfähigen Material gebildet werden, jeder der Stifte (2) in
einem hinteren Stiftabschnitt mit einer Isolation (6) umgeben wird und in einem vorderen
Stiftabschnitt, der ein freies Ende des Stifts (2) beinhaltet, elektrisch nicht isoliert
ist und die Stifte (2) derart in dem Substrat (1) angeordnet werden, dass sie an einer
Seite des Substrats (1) in das Substrat (1) ragen und die vorderen Stiftabschnitte
die Elektroden (3) bilden.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die
Gegenelektroden (7) ebenfalls in dem Substrat (1) angeordnet werden.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die
Elektroden (3) nach der Bildung des Substrats (1) in das Substrat (1) gedrückt werden.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die
Gegenelektroden (7) nach der Bildung des Substrats (1) in das Substrat (1) gedrückt
werden.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Elektroden
(3) und vorzugsweise auch die Gegenelektroden (7) mit einer flüssigen Faserstoff―Suspension
umgossen oder in eine flüssige Faserstoff-Suspension eingelegt werden und die Suspension
zu dem Substrat (1) verfestigt und geformt wird.