[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Detektion von Unwuchten bei einem
durch einen bürstenlosen Elektromotor angetriebenen Rotor, insbesondere bei einer
Wäschetrommel in einer Waschmaschine, wobei eine Meßeinrichtung die Drehzahl und die
Unwucht des Rotors nach Lage und Größe bestimmt.
[0002] Ebenso bezieht sich die Erfindung auf eine Vorrichtung zur Detektion von Unwuchten.
[0003] Aus der EP 0 565 157 A1 ist ein Verfahren zur Detektion und Kompensation einer Unwucht
bei einem durch einen Motor angetriebenen Rotor bekannt. Der Rotor ist beispielsweise
eine Wäschetrommel in einer Waschmaschine. Es ist eine Einrichtung zur Messung der
Unwucht nach Lage und Größe und eine Steuerelektronik zur Steuerung des Motors aufgrund
der gemessenen Werte vorhanden, wobei das Drehmoment des Motors zunächst nach Beschleunigung
des Rotors auf einen Mindestwert konstant gehalten wird, so daß beim Vorhandensein
einer Unwucht eine Drehzahländerung erfolgt, die zur Ermittlung der Lage und Größe
der Unwucht ausgewertet wird. Anschließend wird aufgrund der ermittelten Werte bei
einer Erhöhung der Drehzahl eine Kompensation der Unwucht durch entsprechende Ansteuerung
angestrebt.
[0004] Der Mindestwert, auf den der Rotor zunächst beschleunigt wird, ist der Wert, bei
dem sich eine rotoreigene Unwucht bemerkbar macht. Bei Trommelwaschmaschinen wird
die Trommel zunächst auf einen Wert von etwa 70 U/min oder 80 U/min beschleunigt.
Dies ist der Wert, bei dem sich in der Trommel befindliche Wäsche an den Innenwänden
anlegt, so daß sich eine durch ungleichmäßige Verteilung der Wäsche bedingte Unwucht
bemerkbar macht. Dabei muß der Motorantrieb derart angesteuert werden, daß sich ein
konstantes Antriebsmoment ergibt. Durch die Ausgestaltung eines in der Elektronik
abgelegten Motorzustandsmodells werden Steuergrößen erzeugt, die ein von der Drehzahl
und von der Belastung durch allfälllige Unwuchten unabhängiges Motordrehmoment erzeugen.
Die Ermittlung der Werte für die Größe und die Lage der Unwucht erfolgt beispielsweise
dadurch, daß eine von einem Drehgeber des Motors gelieferte Pulskette von der Elektronik
mit Hilfe eines Pulszählers derart ausgewertet wird, daß im Steuerprogramm für den
Motor sowohl die jeweilige Drehzahl der Motorwelle als auch die jeweilige Lage eines
fiktiven Punktes auf der Motorwelle verfügbar ist und daß damit die Drehzahl des Rotors
und die Lage und Größe einer möglichen Unwucht auf den Rotor erfaßbar sind. Dabei
wird bei Drehung der Welle der Pulszähler durch jede Flanke in der Pulskette heraufgesetzt.
Es wird jedoch nicht mitgeteilt, auf welche Weise eine genaue Messung der Unwucht
erfolgt.
[0005] Aus der EP 0 539 617 A1 ist eine Unwuchtüberwachung für einen Waschautomaten bekannt,
der einen durch eine Drehzahlerfassungs-Vorrichtung in einer Regelvorrichtung überwachten,
drehzahlgeregelten und aus einer Wechselstromquelle gespeisten Elektromotor, insbesondere
einen Reihenschluß-Motor, aufrecht. Zur Unwuchtüberwachung ist ein Unwuchtsensor in
Form eines bei Erreichen einer unzulässigen Unwucht öffnenden und damit die Verbindung
zu der Regelvorrichtung unterbrechenden Mikroschalters in Reihe zu der Drehzahlfassungs-Vorrichtung
geschaltet. Gemäß der EP 0275862A1 werden unwuchtbedingte Schwankungen der Stromaufnahme
des Trommelantriebs-Motors erfaßt.
[0006] Die aus der EP 0 071 308 B1 bekannte Anordnung zur Steuerung der Trommeldrehzahl
einer Waschmaschine nutzt unwuchtbedingte Schwankungen der Regelgeschwindigkeit der
Waschtrommel und damit des Antriebs-Motors aus, um auf die Unwucht rückzuschließen.
Es ist ein Reihenschluß-Motor oder Universal-Motor bekannt, an den ein Tacho-Generator
angeschlossen ist. Bei Bestimmung der Drehzahl als Funktion des Drehmoments bei einem
derartigen Motor ergibt sich eine hyperbelförmig abfallende Kennlinie, die verhältnismäßig
steil ist. Hierbei ist prinzipbedingt mit einer relativ großen Schwankung der Winkelgeschwin-digkeit
für eine definierte Unwucht zu rechnen. Die Schwankungen der Winkelgeschwindig-keit
werden bei einer bestimmten mittleren Drehzahl über eine Zeit von einigen Sekunden
gemessen und gemittelt. Die so ermittelten mittleren Schwankungen der Winkelgeschwin-digkeit
werden über eine Tabelle mit als Referenz abgespeicherten Unwucht-Werten zuge-ordnet
oder berechnet. Diese Unwucht-Werte werden entsprechend den von der mecha-nischen
Stabilität der Waschmaschine zulässigen Werten ausgewertet. Als Ergebnis werden entsprechende
Schritte zur Reduzierung der Unwucht durch Neuverteilen der Wäsche, Begrenzung der
maximalen Schleuderdrehzahl oder zum Abbruch des Schleudervorgangs eingeleitet.
[0007] Es ist die Aufgabe der Erfindung, das eingangs genannte Verfahren zur Detektion einer
Unwucht derart zu verbessern, daß auch bei einem bürstenlosen Motor eine präzise Ermittlung
der Unwucht ermöglicht wird.
[0008] Diese Aufgabe wird gemäß Patentanspruch 1 dadurch gelöst, daß nach Überschreiten
einer Mindestdrehzahl des Rotors ein elektrischer Parameter des Elektromotors von
seinem für den Betrieb vorgesehenen Maß auf ein für eine Messung vorgesehenes Maß
derart verändert wird, daß sich die Steigung der Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie dem
Betrag nach erhöht, wobei auch während der Messung die Drehzahl des Rotors oberhalb
einer vorgegebenen Mindestdrehzahl liegt, und daß anschließend die Unwuchten nach
Lage und Größe gemessen werden.
[0009] Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0010] Als besonders vorteilhaft zeigt es sich, wenn als Parameter die Motorspannung ausgewählt
wird und während der Messung gesenkt wird.
[0011] In einer vorteilhaften Weiterbildung des Verfahrens läßt sich die Motorspannung derart
absenken, daß die Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie oberhalb der Mindestdrehzahl, die
für den Meßvorgang erforderlich ist, der Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie eines Universalmotors,
d. h. eines Serienschlußmotors, gleicher Leistung entspricht.
[0012] Gemäß der Erfindung ist es möglich, einen Universalmotor in einem Haushaltsgerät,
beispielsweise in einer Waschmaschine, gegen einen bürstenlosen Motor, insbesondere
einen Asynchronmotor, auszutauschen. Aufgrund der andersgearteten Drehzahl-Drehmoment-Kennlinien
bürstenloser Antriebsmotoren läßt sich ein bei einem Universalmotor verwendetes Verfahren
zur Messung zur Unwuchten nicht unmittelbar auf einen bürstenlosen Motor übertragen.
Es sind daher verfahrenstechnische Schritte erforderlich, um bespielsweise eine Anpassung
der Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie eines Asynchronmotors an die eines Universalmotors
zu erreichen. Nur so ist ein Ersatz des Antriebs mit einem drehzahlgeregelten Universalmotor
in Verbindung mit einem Triac- oder Chopper-Steller durch einen Asynchronmotor möglich,
der beispielsweise durch einen Wechselrichter mit einer Speisespannung versorgt wird.
Dabei ist es erfindungsgemäß nicht erforderlich, daß die Programm-Steuerung, die auf
die gemessenen Unwuchtwerte zu reagieren hat, Kenntnis von der Ausführung des Trommel-Antriebs,
d. h. des eingesetzten Motors, hat. Die ermittelten Unwucht-Werte sind unabhängig
vom Antriebs-System vergleichbar.
[0013] Erfindungsgemäß wird somit die bei einem festliegenden, elektrischen Parameter auftretende
Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie derart verändert, daß Unwuchten ihrer Lage und Größe
nach viel leichter erfaßt werden.
[0014] Nachstehend wird die Erfindung in einem Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung
nun näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Prinzip-Schaltbild eines durch einen Umrichter geregelten Asynchronmotors zum
Antrieb einer Wäschetrommel und
- Fig. 2
- ein Drehzahl-Drehmoment-Diagramm des Asynchronmotors gemäß Fig. 1.
[0015] Eine Wäschetrommel 1 (Fig. 1) ist ein auf einer Weile waagrecht gelagerter Rotor.
Über eine auf der Welle befestigte Riemenscheibe 2 wird sie über einen Keilriemen
3 durch einen Asynchronmotor 4 angetrieben, dessen Antriebswelle ebenfalls eine Riemenscheibe
aufweist, über die der Keilriemen 3 läuft. Ein mit der Motorwelle des Asynchronmotors
4 verbundener, beispielsweise auf der Motorwelle angebrachter Drehgeber 6 erzeugt
vorzugsweise pulsförmige Signale, die einem Motorregler 7 als Ist-Werte n
Ist zugeführt werden.
[0016] Der Motorregler 7 ist Teil eines Umrichters 8. Der Motorregler 7 ist vorzugsweise
Teil eines Mikrocontrollers, in dem ebenso die Funktionen des Motorreglers 7, nämlich
die Erzeugung der mit den Bezugszeichen 13 und 14 versehene Erzeugung der Spannung
und der Drehfeldfrequenz integriert sind. Der Mikrocontroller enthält zusätzlich den
Summationspunkt 16 und den Multiplikationspunkt 17. Auf dem Mikrocontroller ist vorzugsweise
auch das Regelungsschema abgespeichert. Der Mikrocontroller enthält vorzugsweise einen
Speicher, beispielsweise ein ROM. Der Umrichter 8 umfaßt einen mit der Spannung 9
eines Wechselspannungs-Netzes beaufschlagten Filter 10, der der Netzspannung überlagerte
Oberwellen und hochfrequente elektromagnetische Störungen ausfiltert. Dem Filter 10
ist ein Zwischenkreis 11 nachgeordnet, in dem eine hier nicht dargestellte Gleichrichter-Brücke
zur Gleichrichtung der Netzspannung 9 dient, wobei der Gleichrichter-Brücke vorzugsweise
ein Glättungs-Kondensator nachgeschaltet ist. Die von dem Zwischenkreis 10 erzeugte
Gleichspannung dient einerseits zur Spannungsversorgung eines mehrphasigen, elektronischen
Kommutators, d. h. eines Wechselrichters 12, die aus der Gleichspannung drei zueinander
phasenversetzte Wechselspannungen R, S, T für den Asynchronmotor 4 erzeugt. Der Wechselrichter
12 umfaßt hier ebenfalls nicht dargestellte steuerbare Leistungstransistoren, z.B.
IGBT's. Wechselrichter in der vorstehend beschriebenen Art arbeiten überwiegend mit
sinusbewerteter Pulsbreitenmodulation nach dem sogenannten Unterschwingungsverfahren,
d.h. mittels der höherfrequenten Pulsbreitenmodulationsfrequenz wird eine niedrigere
Wechselspannung bzw. 3 phasige Wechselspannung ( Motorspannung ) abgebildet.
[0017] Der Wechselrichter 12 wird über den Motorregler 7 geregelt, wobei die Regelung der
Drehzahl des Asynchronmotors 4 über in dem Motorregler 7 gebildete Stellgrößen für
die Motorspannung bzw. die Drehfeld-Frequenz des Wechselrichters 12 erfolgt, denen
in Fig. 1 zur Veranschaulichung die Bezugszeichen 13 und 14 zugeordnet sind. Zur Spannungsversorgung
des Motorreglers 7 sowie des Wechselrichters 12 dient ein Netzteil 15, das seinerseits
z. B. aus dem Zwischenkreis 11 mit Gleichspannung versorgt wird.
[0018] Die Wäschetrommel 1 wird zur Einleitung des Schleudervorgangs zunächst über eine
Verteilrampe auf eine Drehzahl beschleunigt, bei der die Wäsche aufgrund der Fliehkräfte
auf der inneren Mantelfläche der Wäschetrommel 1 anliegt. Die Meßdrehzahl liegt zur
Vermeidung mechanischer Resonanzen oberhalb von 70 U/min, vorzugsweise zwischen 80
und 100 U/min der Wäschetrommel 1. Die Form der Verteilrampe wird durch den durch
den Wechselrichter 12 drehzahlgeregelten Betrieb des Asynchronmotors 4 bestimmt. Dabei
kann das Drehzahlverhalten des Asynchronmotors 4 durch den Wechselrichter 12 nach
dem folgendem Verfahren beeinflußt werden:
[0019] In einem hier nicht dargestellten Speicher ist eine Spannungs-Frequenz-Kennlinie
für den Asynchronmotor 4 abgelegt, die dem Wechselrichter 12 als Führungsgröße zugeführt
wird, so daß der Wechselrichter 12 daraus die Motorspannung U, bestehend aus den drei
zueinander phasenversetzten Teilspannungen R, S, T, und die Motordrehzahl gewinnt.
[0020] Alternativ wird, wie in Fig. 1 dargestellt, die Ist-Drehzahl n
Ist des Asynchronmotors 4 an einem Summationspunkt 16 mit der Soll-Drehzahl n
Soll verglichen. Die daraus gewonnene Regeldifferenz wird dem Motorregler 7 zugeführt,
der daraus Signalgrößen für das Spannungsstellglied 13 und das Drehzahlstellglied
14 gewinnt. Anstelle der Rückführung der Ist-Drehzahl n
Ist des Asynchronmotors 4 oder zusätzlich zu dieser Rückführung können auch der Motorstrom
oder die in den Motorwicklungen abfallende Motorspannung gemessen werden und mit entsprechenden
Soll-Werten für den Strom oder die Spannung verglichen werden und einem entsprechenden
Regelkreis als Führungsgrößen zugeführt werden. Insbesondere kann eine Schlupf-Regelung,
eine flußorientierte Stromregelung, eine am Drehfeldvektor orientierte orientierteRegelung
unter Verwendung von mathematischen Motor-Modellen oder dergleichen für den Asynchronmotor
4 vorgesehen werden. In allen Fällen werden die Spannung und die Drehzahl oder die
Drehfeldfrequenz für den Asynchronmotor 4 als Stellgrößen gebildet.
[0021] Die Zuordnung zwischen Motorspannung und Drehfeldfrequenz ist entweder bei einer
Steuerung anhand von in einem Speicher abgelegten Kennlinien fest vorgegeben, oder
sie wird durch einen Regelalgorithmus bestimmt wie in dem in Fig. 1 dargestellten
Regelkreis. Durch die übliche Auslegung des Motorbetriebs auf eine optimale Motorausnutzung
und einen guten Wirkungsgrad bei gleichzeitig guter Dynamik werden die Anforderungen
an die Aufgabe der Unwucht-Erfassung nicht erfüllt. Daher wird bei Erreichen der Drehzahl
von mehr als 70 U/min die Regelung der Drehzahl für das Drehzahl-Stellglied 14 oder
seine Steuerung abgeschaltet, und der feste Wert, der der Meßdrehzahl der Drehzahl-Frequenz
des Asynchronmotors 4 entspricht, wird beibehalten.
[0022] Der Wert für die Motorspannung U wird nach dem folgenden Kriterium abgesenkt. Im
Drehzahlbereich der Unwucht-Messung nach dem Anlegen der Wäsche an der Mantelinnenfläche
der Wäschetrommel 1 sinkt das durch das Gewicht von Wäsche und Wasser verursachte
Lastmoment auf etwa ein Zehntel des im normalen Waschbetriebs erforderlichen Momentenbedarfs.
Deshalb kann die dem Elektromotor zugeführte elektrische Leistung und entsprechend
das daraus erzeugte Drehmoment des Motors erheblich verringert werden. Hierfür gilt
für das maximal erreichbare Drehmoment m
k folgender Zusammenhang:

[0023] Bei einem Asynchronmotor ist das maximal erreichbare Drehmoment, das sogenannte Kippmoment
m
k, vom Quadrat der Motorspannung U, vom Quadrat der Ummagnetisierungsfrequenz sowie
von einer motorspezifischen Konstanten c
1 abhängig. Dem im Verlauf der Drehmoment(m)-Drehzahl(n)-Kennlinie auftretenden Kippmoment
m
k ist der Kippschlupf s
k als die relative Differenz zwischen Ständer- und Läuferdrehfrequenz zugeordnet. Der
Kippschlupf s
k ist eine zweite motorspezifische Größe. Die Abhängigkeit der Größen c
1 und s
k von der Ummagnetisierungsfrequenz von Wicklung und Ständer-Läufer-Eisenkreis, der
Erwärmung der Wicklung und von Nichtlinearitäten der Magnetisierungskurve bleibt hier
unberücksichtigt. Im Arbeitsbereich des Motors ergibt sich eine ebenfalls vom Quadrat
der Motorspannung abhängige Steigung der Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie bei konstanter
Drehfeldfrequenz (Ständerdrehfrequenz). Zur mathematischen Veranschaulichung dieser
Abhängigkeit lassen sich für den hier interessierenden Bereich folgende stark vereinfachte
Näherungsgleichungen aufstellen: Dabei besteht der folgende Zusammenhang zwischen
der Ummagnetisierungsfrequzenz f
u und der Drehfeldfrequenz f mit der Polpaarzahl p des Asynchronmotors 4:

sowie zwischen dem relativen Drehmoment m
d / m
k sowie dem Betriebsschlupf s und dem Kippschlupf s
k:

[0024] Mit der Überlegung, daß der Betriebsschlupf s klein gegenüber dem Kippschlupf s
k ist, kann der Term s/s
k vernachlässigt werden, und der Schlupf s ergibt sich näherungsweise zu:

[0025] Der Einfluß der Motorspannung U folgt damit aus (1) und (4) zu:

[0026] Mit der Zusammenfassung der motorspezifischen Größen c
1 und s
k/2 zu einem Faktor c läßt sich (4) vereinfachen zu:

[0027] Weiterhin ergibt sich die Winkelgeschwindigkeit ω an der Motorwelle mit der Ummagnetisie-rungsfrequenz
f
u, der Polpaarzahl p des Asynchronmotors 4 und dem Schlupf s zu:

[0028] Wenn (5) in (6) eingesetzt wird, gilt bei konstanter Ummagnetisierungsfrequenz f
u:

[0029] Aus Gleichung (8) läßt sich erkennen, daß bei gleichem Lastmoment m
d durch Reduzierung der Motorspannung U die Winkelgeschwindigkeit ω des Rotors und
damit der angetriebenen Waschtrommel 1 ebenfalls abnimmt. Daraus folgt, daß z.B. unwuchtbedingte
Lastschwankungen durch Reduzierung der Motorspannung U größere Variationen dieser
Winkelgeschwindigkeit ω zur Folge haben.
[0030] Entsprechend der Gleichung (8) sind die Zusammenhänge in Fig. 2 als Kurven dargestellt.
Hierbei sind die Verhältnisse der Winkelgeschwindigkeitsdifferenzen Δω für zwei Motorspannungen
U1, U2 in Abhängigkeit von Drehmomentdifferenzen Δm im Betrieb ohne Drehzahlregelung
aufgezeigt, wobei für den Zusammenhang zwischen der Winkelgeschwindigkeit ω und der
Drehzahl pro Minute n gilt:

[0031] Dabei zeigt sich, daß bei derselben Drehmomentdifferenz Δm die Differenz der Winkelgeschwindigkeiten
Δω
2 bei der Spannung U2 viel größer ist als die Differenz der Winkelgeschwindigkeiten
Δω
1 bei der Spannung U1.
[0032] Die Grenze der Spannungsabsenkung ergibt sich durch das maximal im Meßpunkt auftretende
Moment, d.h. das Kippmoment m
k, muß stets um einen Sicherheitsfaktor für die Überlastbarkeit größer sein als das
Lastmoment m
d. Ein Hochlauf mit der abgesenkten Spannung ist in der Regel nicht möglich.
[0033] Weiterhin ist aus (7) und aus Fig. 2 zu erkennen, daß durch Absenkung der Motorspannung
U von der Spannung U1 auf die Spannung U2 die mittlere Drehzahl oder Winkelgeschwindigkeit
ω abnimmt. Um eine bestimmte Winkelgeschwindigkeit ω während der Unwuchtmessung zu
erreichen, muß, bevor die Regelung abgeschaltet und die Motorspannung U abgesenkt
wird, vorher eine entsprechend höhere Winkelgeschwindigkeit ω erreicht worden sein.
[0034] Durch die Vorgabe der Motorspannung zur Anpassung der Drehzahl-Drehmoment-Kennlinie
des Motors läßt sich die Auflösung der Unwuchterfassung im Vergleich zum Meßfehler
erheblich verbessern. Wie aus Fig. 2 ersichtlich, führen nämlich die gleichen Drehmomentschwankungen
oder -veränderungen bei der niedrigeren Spannung U2 zu einer Änderung der Winkelgeschwindigkeit
Δω2, die viel größer ist als die Änderung der Winkelgeschwindigkeit Δω1 bei der Spannung
U1; d. h. Unwuchten, die derartige Drehmomentschwankungen verursachen, lassen sich
bei der niedrigeren Spannung U2 viel besser, d. h. mit viel höherer Auflösung, messen
als bei der Spannung U1.
[0035] Als alternative Möglichkeit kann anstelle der beschriebenen Verringerung der Motor-spannung
U die Drehfeldfrequenz erhöht werden. Hierbei wird die Motorspannung U ab Erreichen
des Anlegens der Wäsche an der Mantelfläche der Wäschetrommel 1 konstant gehalten
und die Drehfeldfrequenz so erhöht, bis die Meßdrehzahl erreicht wird. Die Erklärung
dieser Möglichkeit folgt aus der Tatsache, daß sich bei konstanter Motorspannung U
mit Zunahme derUmmagnetisierungs- bzw. Drehfeldfrequenz die induktiven Blindwiderstände
des Motors 4 ebenfalls erhöhen und somit den Motorstrom und damit das Motorkippmoment
veringern. Das Motorkippmoment ist hierbei umgekehrt proportional zum Quadrat der
Ummagnetisierungsfrequenz.
[0036] Diese Möglichkeiten können nun ausgenutzt werden, um den Antrieb im Meßbereich der
Unwucht so anzupassen, daß vergleichbare Verhältnisse bezüglich der Kennlinie des
Universalmotors eingestellt werden können.
[0037] Um die Reproduzierbarkeit zu erhöhen, kann die einzustellende Motorspannung U abhängig
von der momentan an dem Wechselrichter 12 anliegenden Netzspannung und von der Wicklungstemperatur
gemacht werden kann.
[0038] Die Wicklungstemperatur des Asynchronmotors 4 wird beispielsweise durch einen Temperatursensor
erfaßt, der sie in ein elektrisches Signal umformt und über eine Signalleitung dem
Motorregler 7 zuführt. In dem Regler 7 ist beispielsweise eine Tabelle mit Temperaturwerten
abgelegt, aus der durch Vergleich mit der durch den Sensor gemessenen Temperatur die
Motorspannung im Unwuchtmeßbereich entsprechend korrigiert werden kann. Wenn das Lastmoment
nach Überschreiten der Anlegedrehzahl gesunken ist, reduziert der Regler 7 die Spannung
über die Spannungsstellgröße 13. Ein vergleichbarer Effekt wird durch Vergrößern der
Frequenzstellgröße 14 erreicht.
[0039] Die von dem Drehgeber 6 erzeugten Signale sind vorzugsweise pulsförmig und werden
in einem in dem Regler 7 enthaltenen Zähler gezählt, wobei die von dem Drehgeber 6
gelieferte Pulskette derart ausgewertet wird, daß sowohl die jeweilige Drehzahl der
Motorwelle als auch die jeweilige Lage eines fiktiven Punktes auf der Motorwelle verfügbar
ist und damit die Drehzahl des Rotors, d. h. der Wäschetrommel 1, verfügbar ist. Somit
lassen sich durch den Regler 7 auch die Lage und Größe einer möglichen Unwucht auf
dem Rotor erfassen.
[0040] Es kann vorgesehen werden, daß der Motorregler 7 den von ihm zu regelnden Parameter,
insbesondere die Motorspannung U oder den Motorstrom I entweder bereits vor der Messung
absenkt bzw. erhöht oder erst während der Messung. Anstelle eines einzigen Parameters
wie der Motorspannung kann auch eine Mehrzahl von Parametern, insbesondere die Motorspannung
U in Verbindung mit der Wicklungstemperatur des Motors, 4 berücksichtigt werden. Dabei
werden Differenzen zwischen der maximalen und minimalen Winkelgeschwindigkeit der
Wäschetrommel 1 zur Bemessung der Größe der Unwucht herangezogen. Außerdem wird die
Lage der Unwucht mit Hilfe des Drehzahlverlaufs detektiert und durch den Drehgeber
6 stets so nachgeführt, daß die Lage der Unwucht jederzeit in dem Motorregler 7 verfügbar
ist. Um die Lage der Unwucht nachzubestimmen, wird die Änderung des Zählerstandes
über einen bestimmten Zeitabschnitt untersucht. Die Änderung des Zählerstandes je
Zeitabschnitt, dividiert durch die Anzahl der möglichen Pulse je Rotordrehung, entspricht
der Änderung der Lage eines fiktiven Punktes auf dem Rotor, woraus sich, wenn diese
von dem mittleren Wert abweicht, eine Unwucht ergibt. Hierzu ist bei einem indirekten
Antrieb, bei dem der Motor, wie in Fig. 1 dargestellt, die Wäschetrommel 1 über einen
Antriebsriemen 3 antreibt, das mechanische Übersetzungsverhältnis zu berücksichtigen.
[0041] Die Erfassung der Lage der Unwucht ist bei Antriebssystemen erforderlich, die einen
aktiven Unwuchtausgleich ermöglichen. Hierbei wird z.B. durch eine der Unwucht entgegenwirkende
Modulation der Winkelgeschwindigkeit der Trommel die Auswirkungen der Unwucht veringert.
[0042] Wenn eine Unwucht festgestellt worden ist, können entsprechende Maßnahmen getroffen
werden, um sie zu reduzieren, bespielsweise durch Neuverteilen der Wäsche, durch Begrenzung
der maximalen Schleuderdrehzahl oder durch den Abbruch des Schleudervorgangs. Alternativ
zu dem Motorregler 7 kann eine Steuereinrichtung vorgesehen sein, der die entsprechenden
Parameter wie die Drehzahl des Motors, der Motorstrom, die Motorspannung und/oder
die Temperatur der Motorwicklungen zugeführt werden, so daß die Steuereinrichtung
entsprechend den in einem Speicher abgelegten Kennlinien, die diese Parameter berücksichtigen,
die Motorspannung entsprechend nachstellt. Es versteht sich, daß auch ein anderer
Parameter als Stellgröße gewählt werden kann.
[0043] Zwischen dem Zwischenkreis 11 und dem Motorregler 7 ist eine elektrische Verbindung
18 vorhanden, über die der Motorregler die Spannung des Zwischenkreises 11 überwacht,
so daß insbesondere beim Abbremsen des Asynchronmotors 4 und der damit einhergehenden
Spannungsrückführung in den Zwischenkreis 11, diese eine bestimmte vorgegebene Höhe
nicht überschreitet; andererseits kann, wenn die Spannung in dem Zwischenkreis 11
aufgrund der Netzversorgung eine von der Sollspannung abweichende Spannung aufweist,
diese durch entsprechende Ansteuerung des Wechselrichters 12 durch den Motorregler
7 durch Veränderung der Pulsbreiten der Spannungen R, S, T ausgeglichen werden.
1. Verfahren zur Detektion von Unwuchten bei einem durch einen bürstenlosen Elektromotor
(4) angetriebenen Rotor, insbesondere einer Wäschetrommel in einer Waschmaschine,
wobei eine Meßeinrichtung die Drehzahl (n) und die Unwucht des Rotors nach Größe oder
nach Größe und Lage bestimmt, dadurch gekennzeichnet, daß nach Überschreiten einer
Mindestdrehzahl des Rotors mindestens ein elektrischer Parameter des Elektromotors
(4) von seinem für den Betrieb vorgesehenen Maß auf ein für eine Messung vorgesehenes
Maß derart verändert wird, daß sich die Steigung (dn/dm) der Drehzahl (n)-Drehmoment
(m)-Kennlinie dem Betrag nach erhöht, wobei auch während der Messung die Drehzahl
(n) des Rotors oberhalb einer vorgegebenen Mindestdrehzahl (nM) liegt, und daß anschließend die Unwuchten nach Lage und Größe gemessen werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Parameter die Motorspannung
(U) ausgewählt wird, die vor oder während der Messung abgesenkt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Parameter die Drehfeldfrequenz
des Motors ausgewählt wird, die vor oder während der Messung erhöht wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß zur Erhöhung der Genauigkeit
des Meßverfahrens zusätzlich als weiterer Parameter die Spannung des Zwischenkreises
(11) und/oder die Temperatur von Motorwicklungen des Elektromotors (4) ausgewählt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Parameter
derart verändert wird, daß die Drehzahl (n)-Drehmoment (m)-Kennlinie oberhälb der
Mindestdrehzahl (nM) des Elektromotors, insbesondere des Asynchronmotors (4), der Drehzahl (n)-Drehmoment
(m)-Kennlinie eines Universalmotors gleicher Leistung entspricht.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Istdrehzahl
(nIst) des Elektromotors (4) durch einen Drehgeber (6) als aktuelle Winkelgeschwindigkeit
(ω) gemessen wird und einem Regelkreis (7, 13, 14, 12) zur Regelung der Motorspannung
(U) zugeführt wird und daß der Regelkreis nach Überschreiten der Mindestdrehzahl (nM) die Motorspannung (U) absenkt oder einen anderen Parameter des Elektromotors (4)
derart verändert, daß sein abgebbares Drehmoment sinkt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Motorstrom,
insbesondere in Verbindung mit einer Messung der Istdrehzahl (nIst) des Elektromotors (4), gemessen wird und als Regelgröße dient.
8. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Schlupf (s) des
Elektromotors (4), der Motorstrom, insbesondere in Abhängigkeit vom magnetischen Fluß,
oder das Drehfeld der Spannungen (R, S, T) oder der zugehörigen Ströme des Elektromotors
(4), insbesondere anhand eines mathematischen Motormodells, geregelt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß ein Regler (7) in dem Regelkreis
(7, 13, 14, 12) Signalgrößen zur Stellung der Motorspannung und/oder der Drehfeldfrequenz
erzeugt, die ihrerseits Stellgrößen für einen Wechselrichter (12) des Elektromotors
(4) sind.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Stellsignal zur Stellung
der Motorspannung und das Stellsignal für die Drehfeldfrequenz zur Erzeugung der Drehzahl
einem Multiplikationspunkt (17) zugeführt und von diesem dem Wechselrichter (12) zugeführt
werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Istdrehzahl
(nIst) des Elektromotors (4) durch einen Drehgeber (6) als aktuelle Winkelgeschwindigkeit
(ω) gemessen wird und einer Steuereinrichtung zur Steuerung der Motorspannnung (U)
zugeführt wird, in der anhand von gespeicherten Kennlinien Stellgrößen für die Motorspannung
und die Motordrehzahl zur Steuerung des Wechselrichters (12) erzeugt werden.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß oberhalb
der Mindestdrehzahl (nM) die Steuerung oder Regelung der Drehzahl des Elektromotors (4) abgestellt wird und
die erreichte Drehzahl des Elektromotors (4) als Meßdrehzahl verwendet wird und daß
dann die Steigung (dn/dm) der Drehmoment(m)-Drehzahl(n)-Kennlinie dem Betrag nach
erhöht wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, daß als Mindestdrehzahl (nM) die Drehzahl (n) gewählt wird, bei der sich die Wäsche an der inneren Mantelfläche
der Wäschetrommel (1) anlegt.
14. Vorrichtung zur Durchführung eines Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß der Elektromotor (4) anhand der gemessenen Istdrehzahl (nIst) über einen Motorregler (7) durch eine Spannungsstellgröße und eine Drehzahlstellgröße
regelbar oder über eine Steuerschaltung steuerbar ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß die Spannungsstellgröße
und die Drehzahlstellgröße über einen Wechselrichter (12) dem Elektromotor (4) zuführbar
sind.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß dem Wechselrichter (12)
aus einem Zwischenkreis (11) gespeiste Spannungasignale zuführbar sind und daß diese
in dem Wechselrichter (12) entsprechend den Werten der Spannungsstellgröße und der
Drehzahlstellgröße veränderbar sind.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 14 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß dem Zwischenkreis
(11) ein Filter (10) zur Ausfilterung hochfrequenter elektromagnetischer Störungen
vorgeschaltet ist.
18. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 14 bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß der Motorregler
(7) und der Wechselrichter (12) durch ein Netzteil (15) gemeinsam mit Spannung versorgbar
sind.