[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Umlenken
von Bedruckstoffbogen, insbesondere von in einer Rotationsdruckmaschine bedruckten
und gefalzten Signaturen, gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Herkömmliche Druckmaschinen, z. B. Rotations-Offsetdruckmaschinen, umfassen häufig
eine Vorrichtung zum Umlenken eines Stroms von Signaturen, die zuvor von einer Bedruckstoffbahn
geschnitten wurden. Eine herkömmliche Umlenkvorrichtung umfasst in der Regel eine
Wand oder mehrere Wände, an denen eine so genannte Anstoßwende erfolgt.
[0003] Bei einer derartigen Anstoßwende wird ein flaches Produkt mit einem ersten Geschwindigkeitsvektor
in einer ersten Richtung auf eine Wand zu bewegt, an der der ursprüngliche Geschwindigkeitsvektor
im idealen Fall auf Null abgebremst wird, so dass ein anderes Transportband die Signatur
sofort mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor (und damit in eine neue Richtung) wieder
beschleunigen kann. In der Praxis erfolgen jedoch das Abbremsen des ursprünglichen
Geschwindigkeitsvektors auf Null und die Beschleunigung mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor
in die neue Richtung aus verschiedenen Gründen nicht gleichzeitig. Zum Beispiel verhindert
die an den Signaturen auftretende Reibung einen sofortigen Übergang von dem ursprünglichen
Vektor zum neuen Vektor. Daher haben herkömmliche Anstoßwenden entscheidende Nachteile.
[0004] Ein Nachteil herkömmlicher Anstoßwenden besteht in der mangelnden Zuverlässigkeit
in der Erzeugung eines neuen Geschwindigkeitsvektors. Außerdem besteht die Gefahr
der Beschädigung der flachen Produkte oder der Entstehung eines Papierstaus. Ferner
ist bei der Umlenkung eines in einer kontinuierlichen Schuppenanordnung transportierten
Produktstroms mittels einer Anstoßwende nicht gewährleistet, dass die Seitenkanten
der Produkte exakt ausgerichtet und der Abstand zwischen den Produkten exakt gleich
bleiben.
[0005] Ein Versuch zur Beseitigung dieser Nachteile einer herkömmlichen Anstoßwende besteht
im Einsatz eines Einlaufspalts in Verbindung mit einer Teil-Anstoßwende. Die Veröffentlichung
mit dem Titel

Baldwin Stobb PowerTurn 260™" beschreibt eine Vorrichtung zum Umlenken eines Signaturenstroms
der Firma Baldwin Stobb in San Bernardino, CA, bei der eine herkömmliche Anstoßwand
in Verbindung mit einer in einem 45°-Winkel zu den einlaufenden Signaturen angeordneten,
sich drehenden Trommel eingesetzt wird. Die Signaturen laufen um die Trommel herum
und werden dann auf die Wand zu gelenkt, an der eine Teil-Anstoßwende erfolgt. Da
in dieser Vorrichtung immer noch eine teilweise Anstoßwende erfolgt, besteht weiterhin
die Gefahr der Beschädigung der Signaturen oder der Entstehung eines Papierstaus.
Außerdem kann die Ausrichtung des geschuppten Produktstroms durch die teilweise Anstoßwende
beeinträchtigt werden.
[0006] Demgemäß ist es eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine Vorrichtung
zu schaffen, durch die Bedruckstoffe in einer Druckmaschine zuverlässig umgelenkt
werden, wobei die Gefahr der Beschädigung der Signaturen oder der Entstehung eines
Papierstaus reduziert wird und die Qualität (d. h. der Abstand und die Ausrichtung
der flachen Produkte) des auslaufenden Produktstroms erhalten bleibt bzw. verbessert
wird.
[0007] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale der Ansprüche 1 und 9 gelöst.
[0008] Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0009] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Umlenken
flacher Produkte, z. B. von in einer Rollenrotations-Druckmaschine bedruckten Signaturen,
bei denen einem flachen Produkt ein neuer Geschwindigkeitsvektor (d. h. ein Vektor,
der durch die Geschwindigkeit und Richtung des flachen Produkts bestimmt ist) sofort
aktiv übertragen werden kann. In beispielhaften Ausführungsformen werden bestimmte
Abschnitte eines Antriebsmechanismus dazu eingesetzt, den flachen Produkten einen
neuen Geschwindigkeitsvektor zuzuweisen und sie so aktiv umzulenken. Da der neue Geschwindigkeitsvektor
den flachen Produkten aktiv übertragen wird, kann durch die erfindungsgemäße Vorrichtung
ein hohes Maß an Zuverlässigkeit bei der Umlenkung der flachen Produkte erreicht werden,
ohne dass die Signaturen beschädigt werden und ohne dass ein Papierstau entsteht.
Außerdem bleibt durch die vorliegende Erfindung die Qualität des Schuppenstroms nicht
nur erhalten, indem eine Möglichkeit zur Erhaltung der seitlichen Ausrichtung und
des Abstands der Produkte in dem einlaufenden Schuppenstrom vorgesehen ist, sondern
kann sogar insoweit verbessert werden, als in beispielhaften Ausführungsformen der
vorliegenden Erfindung der Abstand zwischen den Produkten eines einlaufenden Schuppenstroms
korrigiert werden kann.
[0010] Ganz allgemein betreffen beispielhafte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung
eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Umlenken von flachen Produkten z. B. in einer
Druckmaschine, bei denen mindestens ein Abschnitt vorgesehen ist, in dem ein flaches
Produkt mit einem ersten Geschwindigkeitsvektor transportiert wird, und mindestens
ein weiterer Abschnitt, in dem dem flachen Produkt ein neuer Geschwindigkeitsvektor
aktiv zugewiesen wird, wobei dieser weitere Abschnitt mindestens eine Antriebsvorrichtung
mit mindestens einem vorgegebenen Kontaktbereich umfasst, in dem die Vorrichtung das
Produkt kontaktiert.
[0011] Die Merkmale der vorliegenden Erfindung werden in der folgenden Beschreibung bevorzugter
Ausführungsbeispiele in Zusammenhang mit den beigefügten, nachfolgend aufgeführten
Zeichnungen näher erläutert.
[0012] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Umlenken eines Produktstroms
um 90°;
- Fig. 2A
- eine weitere Ausführungsform der Erfindung mit einer als ein Band mit erhabenen Abschnitten
ausgebildeten Antriebsvorrichtung;
- Fig. 2B
- eine weitere Ausführungsform der Erfindung mit einer als eine Walze mit erhabenen
Abschnitten ausgebildeten Antriebsvorrichtung; und
- Fig. 3
- eine alternative Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zum Umlenken
eines Produktstroms um 90°.
[0013] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Vorrichtung 100 zum Umlenken von Bedruckstoffbogen,
z. B. eines Produktstroms in einem Falzapparat einer RollenrotationsDruckmaschine.
Im ersten Zuführabschnitt 102 werden die vorzugsweise als Schuppenstrom einlaufenden
flachen Produkte 108 (d. h. ein Strom von Produkten, bei dem sich benachbarte Produkte
überlappen) von einem unteren Zuführband 106 gestützt.
[0014] Die flachen Produkte werden von dem Zuführabschnitt 102 in mindestens einen in Fig.
1 als Umlenkabschnitt 112 gezeigten weiteren Abschnitt bewegt, in dem der Produktstrom
aktiv mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor beaufschlagt wird. In dem Umlenkabschnitt
112 ist mindestens eine Antriebsvorrichtung vorgesehen, die mindestens einen Kontaktbereich
aufweist, in dem sie die flachen Produkte kontaktiert. In der in Fig. 1 gezeigten
Ausführungsform umfasst der Umlenkabschnitt 112 einen als abgewinkelten Transportabschnitt
ausgebildeten ersten Abschnitt 114 und einen als Austrittsabschnitt ausgebildeten
zweiten Abschnitt 116.
[0015] Wie in Fig. 1 gezeigt ist, umfasst der erste Abschnitt 114 vorzugsweise ein unteres
Transportband 118, das die von dem Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen Produkte
stützt. Ferner umfasst der erste Abschnitt 114 des Umlenkabschnitts 112 mindestens
ein oberes Band 120, das mindestens einen Kontaktbereich aufweist, in dem es ein flaches
Produkt kontaktiert. In der in Fig. 1 gezeigten Ausführungsform umfasst der erste
Abschnitt 114 zwei obere Bänder 120, 122, die beide mindestens einen Kontaktbereich
aufweisen, in dem sie die flachen Produkte kontaktieren. Das untere Transportband
118 und die oberen Bänder 120, 122 bilden mit dem Zuführabschnitt 102 einen vorgegebenen
Winkel, so dass der Produktstrom umgelenkt wird. Die zwei oberen Bänder bewirken,
dass zur Übertragung des neuen Geschwindigkeitsvektors auf die flachen Produkte ohne
Schlupf vorzugsweise ein erhöhtes Drehmoment auf die flachen Produkte wirkt.
[0016] Obwohl die hier gezeigte Ausführungsform zwei obere Bänder 120, 122 umfasst, ist
es ebenfalls denkbar, nur ein oberes Band in einer beliebigen gewünschten Breite oder
Länge vorzusehen. Der hier in einem 45°-Winkel zur (durch den Pfeil 104 angezeigten)
Zuführrichtung des Zuführabschnitts 102 gezeigte erste Abschnitt 114 des Umlenkabschnitts
112 kann in einem beliebigen Winkel zu der Zuführrichtung angeordnet sein, beträgt
in der Regel jedoch vorzugsweise 45° oder weniger.
[0017] Die in Fig. 1 gezeigten oberen Bänder 120, 122 sind unterschiedlich lang, damit sie
den vom Zuführabschnitt 102 einlaufenden Produktstrom aufnehmen können. Die Länge
der Bänder 120, 122 ist so gewählt, dass die Bänder 120, 122 ein vom Zuführabschnitt
102 einlaufendes flaches Produkt an vorgegebenen Stellen gleichzeitig kontaktieren.
Ist nur ein einziges Band vorgesehen, so spielt dessen relative Länge natürlich keine
Rolle.
[0018] Die oberen Bänder 120, 122 können auf eine beliebige Art angetrieben werden. Die
oberen und unteren Bänder können z. B. als herkömmliche, synchrone Antriebsbänder
einer Druckmaschine ausgebildet sein, die synchron mit der Druckmaschine angetrieben
werden und so verändert wurden, dass sie die im folgenden beschriebenen vorgegebenen
Bereiche umfassen. Es kann sich z. B. uni Zahnriemen handeln, die von einem synchron
mit der Druckmaschine angetriebenen Zahnrad der Druckmaschine angetrieben werden.
Die Erfindung ist jedoch nicht auf derartige Antriebsanordnungen beschränkt. Anstelle
eines durch ein oder mehrere mit der Druckmaschine synchronisierte Zahnräder angetriebenen
Zahnriemens kann auch ein über einen Rückkoppelungskreis synchron mit der Druckmaschine
angetriebener wellenloser Motor eingesetzt werden. Wichtig ist nur, dass die vorgegebenen
Kontaktbereiche der oberen Bänder sowohl miteinander als auch mit dem Zuführabschnitt
synchronisiert bleiben, so dass sie die von dem Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen
Produkte zum gewünschten Zeitpunkt kontaktieren. Anstelle eines gemeinsamen synchronen
Antriebs für die beiden oberen Bänder 120 und 122 können die Bänder 120, 122 auch
unabhängig voneinander angetrieben werden, vorausgesetzt, sie sind miteinander und
mit dem Zuführabschnitt 102 synchronisiert. Zur Gewährleistung eines exakten und zuverlässigen
Umlenkungsvorgangs werden die Bänder 120, 122 vorzugsweise so angetrieben, dass ein
flaches Produkt, dessen Vorderkante von dem unteren Band des zweiten Abschnitts 116
erfasst wird, gleichzeitig von darüber angeordneten, an den oberen Bändern 120 und
122 des abgewinkelten Transportabschnitts befindlichen Kontaktbereichen freigegeben
wird.
[0019] Gemäß bevorzugter Ausführungsformen können die oberen Bänder ähnlich wie die in der
US 5,855,153 beschriebenen Bänder ausgebildet sein. Die vorgegebenen Kontaktbereiche,
in denen die Bänder die von dem Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen Produkte
kontaktieren, sind in Fig. 1 als Klemmplatten 124 ausgestaltet, die aus den Bändern
heraus in Richtung der flachen Produkte ragen und die einzigen Kontaktbereiche zwischen
den oberen Bändern und den flachen Produkten bilden. Die Klemmplatten 124 können integraler
Bestandteil der oberen Bänder sein oder als einzelne Komponenten ausgebildet sein,
die nachträglich an den Bändern befestigt (z. B. aufgeklebt) werden.
[0020] Für die Bänder und Klemmplatten kommen viele Materialien in Frage, u. a. Urethan,
Gummi oder jedes beliebige andere Material, dessen Reibungskoeffizienten zum Umlenken
der von dem Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen Produkte geeignet ist. Das Material
für die Bänder und die Klemmplatten sollte in Abhängigkeit von der jeweiligen Anwendung
(z. B. von der Betriebsgeschwindigkeit, der Art des Bedruckstoffs usw.) gewählt werden.
[0021] Die Anzahl der an den Bändern angeordneten Klemmplatten kann vorzugsweise jederzeit
der spezifischen Anwendung angepasst werden, z. B. in Abhängigkeit von der Anzahl
der umzulenkenden Produkte oder den räumlichen Gegebenheiten. Auch die Anzahl der
pro umzulenkendem flachem Produkt vorgesehenen Klemmplatten ist vorzugsweise veränderbar.
In der in Fig. 1 gezeigten Ausführungsform umfasst jedes der oberen Bänder 120, 122
eine Klemmplatte pro flachem Produkt. Die Klemmplatten können auch aus einer Vielzahl
von kleineren Klemmplatten zusammengesetzt sein oder als eine andere Art von Vorsprüngen
ausgebildet sein, sofern zwischen ihnen und den flachen Produkten ein geeigneter Reibungskoeffizient
besteht.
[0022] In der in Fig. 1 gezeigten Ausführungsform werden die flachen Produkte, die den ersten
Abschnitt 114 des Umlenkabschnitts 112 verlassen, einem zweiten Abschnitt 116 des
Umlenkabschnitts zugeführt, der bei Bedarf eine Führungskante 126 umfassen kann. Diese
Führungskante 126 wirkt auf herkömmliche Weise, indem sie die Signaturen mit einem
neuen Geschwindigkeitsvektor beaufschlagt. In der in Fig. 1 gezeigten beispielhaften
Ausführungsform ist diese neue Richtung durch den Pfeil 128 angezeigt. Auf diese Weise
werden die flachen Produkte von ihrer ursprünglichen (durch den Pfeil 104 angezeigten)
Bewegungsrichtung um einen vorgegebenen Winkel, in Fig. 1 beispielsweise 90°, umgelenkt.
[0023] Zur Erzeugung dieses neuen Geschwindigkeitsvektors in die Richtung des Pfeils 128
umfasst der zweite Abschnitt 116 zusätzlich zu der Führungskante 126 eine Antriebsvorrichtung
130, beispielsweise eine oder mehrere Walzen und/oder zugeordnete Bänder. Der zweite
Abschnitt 116 des Umlenkabschnitts 112 dient unter anderem dazu, eine exakte Ausrichtung
der Seitenkanten der flachen Produkte in dem umgelenkten Schuppenstrom zu gewährleisten.
Die Führungskante 126 kann als eine ortsfeste Führung oder als eine sich mit den flachen
Produkten bewegende Vorrichtung, z. B. ein auf Bandwalzen mit vertikal verlaufenden
Achsen befestigtes Band, ausgebildet sein. Die oberen Bänder 120, 122 werden im folgenden
anhand der in Fig. 2 gezeigten Ausführungsform näher beschrieben.
[0024] Fig. 2A zeigt eine Ausführungsform der Antriebsvorrichtung zum Umlenken von flachen
Produkten in dem ersten Abschnitt 114 des Umlenkabschnitts 112. Hier ist jede Antriebsvorrichtung
als ein Band (d. h. eines der in Fig. 1 gezeigten oberen Bänder 120, 122) ausgebildet,
das einen oder mehrere erhabene Kontaktbereiche 124 umfasst. Das in Fig. 2A gezeigte
Band kann z. B. ähnlich wie die in der US 5,855,153 beschriebenen Bänder ausgebildet
sein.
[0025] Fig. 2B zeigt eine weitere Ausführungsform einer Antriebsvorrichtung zur Beaufschlagung
der vom Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen Produkte mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor.
In dieser Ausführungsform ist die Vorrichtung als eine Walze 202 ausgebildet, die
mindestens einen Kontaktbereich 204 aufweist, mit dem sie die flachen Produkte kontaktiert.
In der in Fig. 2B gezeigten Ausführungsform sind zwei dieser erhabenen Kontaktbereiche
204 gezeigt. Die Walze 202 kann z. B. anstelle des Abschnitts des oberen Bandes 120
eingesetzt werden, der ein den Zuführabschnitt 102 verlassendes flaches Produkt überlappt.
Eine ähnliche Walze kann den Abschnitt des oberen Bandes 122 ersetzen, der ein den
Zuführabschnitt 102 verlassendes flaches Produkt überlappt. Die erhabenen Abschnitte
204 wirken dabei ähnlich wie die in Fig. 1 gezeigten Klemmplatten 124, die zum Umlenken
der den Zuführabschnitt 102 verlassenden flachen Produkte eingesetzt werden. Die vorgegebenen
Abschnitte 204 drücken die flachen Produkte gegen das untere Band 206, das ähnlich
wie das in Fig. 1 gezeigte untere Transporthand 118 wirkt. Nachdem die Walze die vom
Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen Produkte mit dem neuen Geschwindigkeitsvektor
beaufschlagt hat, können diese auf beliebige Weise, z. B mittels herkömmlicher Antriebsbänder
206, 208 über eine beliebig lange Strecke weiter transportiert werden. Die Antriebsbänder
206, 208 sind beispielhaft für eine beliebige Anzahl von Antriebsbändern zum Transportieren
der flachen Produkte dargestellt.
[0026] Fig. 3 zeigt eine weitere Ausführungsform der vorliegenden Erfindung. Elemente, die
bereits ähnlich in Fig. 1 enthalten sind, sind mit ähnlichen Bezugszeichen bezeichnet.
Bei der in Fig. 3 gezeigten Ausführungsform einer Umlenkvorrichtung 300 ist der zweite
Abschnitt 116 des Umlenkabschnitts 112 so umgestaltet, dass die Führungskante 126
(Fig. 1) entfällt, Stattdessen sind zusätzliche obere Bänder 320, 322 vorgesehen.
Jedes dieser Bänder umfasst, ähnlich wie die Antriebsbänder 120, 122, Klemmplatten
324 und transportiert in Kooperation mit einem unteren Transportband 318 flache Produkte
308 vom zweiten Abschnitt 116 zum Austrittsabschnitt der Umlenkvorrichtung 300. Anhand
der in Fig. 3 gezeigten beispielhaften Ausführungsform wird deutlich, dass der Umlenkabschnitt
eine beliebige Anzahl von weiteren Unterabschnitten umfassen kann, so dass die flachen
Produkte in jedem beliebigen Winkel zu ihrer ursprünglichen Zuführrichtung 104 umgelenkt
werden können.
[0027] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung bleiben nicht nur
die Ausrichtung und der Abstand der flachen Produkte eines einlaufenden Schuppenstroms
nach der Umlenkung erhalten, sondern können zusätzlich sogar korrigiert werden. Wenn
beispielsweise der Abstand zwischen den in den Zuführabschnitt 102 einlaufenden flachen
Produkten unregelmäßig ist, kontaktieren die Klemmplatten an den oberen Bändern 120
und 122 die flachen Produkte lediglich an unterschiedlichen relativen Positionen.
Aufgrund der Synchronisierung der oberen Bänder 120 und 122 miteinander und mit der
Druckmaschine ist die in Fig. 3 gezeigte seitliche Verschiebung x aufeinanderfolgender
flacher Produkte während der Umlenkung jedoch gleich. Dadurch wird der Abstand zwischen
den in den zweiten Abschnitt 116 des Umlenkabschnitts 112 einlaufenden flachen Produkten
ausgeglichen, so dass zwischen den flachen Produkten des auslaufenden (gegenüber dem
einlaufenden Schuppenstrom gedrehten) Schuppenstroms ein regelmäßiger Abstand besteht,
auch wenn der Abstand zwischen den flachen Produkten des einlaufenden Schuppenstroms
unregelmäßig war.
[0028] Bei der in Fig. 3 gezeigten Korrektur des Abstands zwischen aufeinanderfolgenden
flachen Produkten entsteht eine seitliche Verschiebung der flachen Produkte in dem
auslaufenden Schuppenstrom. Diese seitliche Verschiebung kann jedoch mittels einer
nachgeordneten Vorrichtung, die die flachen Produkte so verschiebt, dass sie wieder
ausgerichtet sind, leicht korrigiert werden. Diese Vorrichtung kann als eine beliebige
bekannte Vorrichtung zur Korrektur der seitlichen Ausrichtung ausgebildet sein. Auf
diese Weise bietet die vorliegende Erfindung nicht nur die Möglichkeit einer zuverlässigen
und effizienten Umlenkung flacher Produkte, sondern zusätzlich die Möglichkeit der
Korrektur des Abstands zwischen den flachen Produkten.
[0029] Obgleich die Erfindung hier anhand einer Vorrichtung zur Umlenkung und/oder Abstandskorrektur
zwischen flachen Produkten beschrieben wurde, kann sie natürlich auch nur zur Korrektur
des Abstands zwischen den flachen Produkten eines Schuppenstroms ohne damit verbundene
Umlenkung eingesetzt werden. An dem Austrittsabschnitt der in Fig. 3 gezeigten Vorrichtung
kann z. B. eine spiegelbildliche Anordnung des in Fig. 3 gezeigten Umlenkabschnitts
112 vorgesehen sein, der den Schuppenstrom wieder in die ursprüngliche Transportrichtung
104 umlenkt. Auf diese Weise wird der Schuppenstrom in seiner ursprünglichen Transportrichtung
104 gehalten, aber der Abstand zwischen den flachen Produkten korrigiert.
[0030] Bei den flachen Produkten kann es sich beispielsweise um gefalzte oder ungefalzte
Signaturen von beliebiger Größe oder um jeden beliebigen anderen Bedruckstoff handeln.
[0031] Die in Fig. 1 gezeigte Ausführungsform umfasst einen Umlenkabschnitt, der einen ersten
und einen zweiten Abschnitt aufweist, wobei der Umlenkwinkel des zweiten Abschnitts
das Winkelkomplement des zwischen dem ersten Abschnitt und dem Zuführabschnitt gebildeten
Winkels ist. Es kann jedoch in Verbindung mit der vorliegenden Erfindung jeder beliebige
Umlenkwinkel gewählt werden. Die Umlenkung ist auch nicht auf eine einzige, flache
Ebene beschränkt, sondern kann auch bei sich in verschiedenen Ebenen bewegenden flachen
Produkten eingesetzt werden. Wie bereits erwähnt, kann es sich bei den flachen Produkten
um gefalzte oder ungefalzte Signaturen handeln. Wenn z. B. gefalzte Signaturen derart
umgelenkt oder gedreht werden sollen, dass die Seitenkante der einlaufenden Signaturen
nach der Umlenkung die Vorderkante bildet, können die zuvor beschriebenen Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden, ohne dass dabei auf die Position des
Falzrückens oder Falzbruchs der einlaufenden Signaturen Rücksicht genommen werden
muss. Der Falzbruch kann z. B. die Vorderkante der einlaufenden Signaturen vor der
Umlenkung bilden, so dass nach der Umlenkung eine offene Kante die Vorderkante bildet,
oder der Falzbruch kann eine Seitenkante der einlaufenden Signaturen vor der Umlenkung
bilden, so dass der Falzbruch nach der Umlenkung die Vorderkante bildet.
Liste der Bezugszeichen
[0032]
- 100
- Umlenkvorrichtung
- 102
- Zuführabschnitt
- 104
- Einlaufrichtung
- 106
- unteres Zuführtransportband
- 108
- einlaufender Schuppenstrom
- 110
- Bänder/Walzen
- 112
- Umlenkabschnitt
- 114
- erster Abschnitt des Umlenkabschnitts
- 116
- zweiter Abschnitt des Umlenkabschnitts
- 118
- unteres Transportband
- 120
- oberes Band
- 122
- oberes Band
- 124
- Klemmplatten
- 126
- Führungskante
- 128
- Transportrichtung nach der Umlenkung
- 130
- Antriebsvorrichtung
- 202
- Walze
- 204
- Kontaktbereich
- 206
- unteres Antriebsband
- 208
- oberes Antriebsband
- 300
- Umlenkvorrichtung
- 318
- unteres Transportband
- 320
- oberes Band
- 322
- unteres Band
- 324
- Klemmplatten
- 308
- Schuppenstrom
- x
- seitliche Verschiebung
1. Vorrichtung zum Umlenken von Bedruckstoffbogen, insbesondere von in einer Rollenrotations-Druckmaschine
bedruckten und gefalzten Signaturen, mit mindestens einem Zuführabschnitt (102), in
dem die Bedruckstoffbogen (108) mit einem ersten Geschwindigkeitsvektor (104) transportiert
werden, und mit mindestens einem weiteren Abschnitt (112), in dem die Bedruckstoffbogen
(108) aktiv mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor (128) beaufschlagt werden,
dadurch gekennzeichnet,
dass der weitere Abschnitt (112) mindestens eine einen vorgegebenen Kontaktbereich
(124) aufweisende Antriebsvorrichtung (120, 122) umfasst, welche die Bedruckstoffbogen
unter Erzeugung einer Reibungskraft kontaktiert und in seitlicher Richtung (x) ablenkt.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Zuführabschnitt (102) mindestens ein Transportband (106) umfasst, auf welchem
die Bedruckstoffbogen (108) in Form eines Schuppenstroms aus einzelnen Bedruckstoffbogen
zugeführt wird.
3. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsvorrichtung (120, 122) mindestens ein unteres Transportband (118)
umfasst, welches die Bedruckstoffbogen (108) synchron zum Zuführabschnitt (102) transportiert.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der weitere Abschnitt (112) mindestens zwei obere Bänder (120, 122) umfasst,
welche mit einem oder mehreren erhabenen Abschnitten (124) versehen sind, welche den
Kontaktbereich bilden.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der weitere Abschnitt (112) einen die Antriebsvorrichtung (120, 122) enthaltenden
abgewinkelten, die Bedruckstoffbogen in einem Winkel bezüglich des ersten Geschwindigkeitsvektors
(104) transportierenden Transportabschnitt (114) sowie einen diesem nachgeordneten
Austrittsabschnitt (116) umfasst, der die Bedruckstoffbogen in einem zweiten Winkel
bezüglich der Transportrichtung des abgewinkelten Transportabschnitts (114) transportiert.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass der zweite Winkel das Winkelkomplement des ersten Winkels ist.
7. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsvorrichtung (120, 122) synchron mit dem Zuführabschnitt (102) in
der Weise antreibbar ist, dass ein unregelmäßiger Abstand zwischen zwei aufeinanderfolgenden,
in den Zuführabschnitt (102) einlaufenden Bedruckstoftbogen korrigierbar ist.
8. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebsvorrichtung (120, 122) eine erhabene Abschnitte (204) aufweisende
Walze (202) umfasst, welche die Bedruckstoffbogen im vorgegebenen Kontaktbereich (124)
kontaktiert.
9. Verfahren zum Umlenken von Bedruckstoffbogen in einer Rotationsdruckmaschine,
gekennzeichnet durch
die folgenden Schritte:
- Zuführen von Bedruckstoffbogen (108) mit einem ersten Geschwindigkeitsvektor (104),
- aktives Beaufschlagen der Bedruckstoffbogen (108) mit einem neuen Geschwindigkeitsvektor,
indem die Bedruckstoffbogen von vorgegebenen Kontaktbereiche (124) einer Antriebsvorrichtung
(120, 122) unter Erzeugung einer die Bedruckstoffbogen (108) um einen vorgegebenen
Abstand (x) in seitlicher Richtung ablenkenden Reibungskraft kontaktiert werden.
10. Verfahren nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Zuführen und das aktive Beaufschlagen der Bedruckstoffbogen (108) mit einem
neuen Geschwindigkeitsvektor synchron zum Betrieb der Druckmaschine ablaufen.
11. Verfahren nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das aktive Beaufschlagen der Bedruckstoffbogen (108) in der Weise erfolgt, dass
eine Korrektur des Abstands zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bedruckstoffbogen (108)
erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Schritt des aktiven Beaufschlagens die folgenden Schritte umfasst:
- Transportieren der Bedruckstoftbogen (108) in einem vorgegebenen Winkel bezüglich
des ersten Geschwindigkeitsvektors (104); und
- Bewegen der Bedruckstoftbogen (108) in die Richtung des neuen Geschwindigkeitsvektors,
der bezüglich der ursprünglichen Transportrichtung (104) abgewinkelt ist.
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Richtung des neuen Geschwindigkeitsvektors einen Winkel bildet, der das Winkelkomplement
des Winkels zwischen der ersten Transportrichtung und dem ersten Geschwindigkeitsvektor
(104) ist.