[0001] Die Erfindung betrifft eine CuSnFeTi-Legierung und ihre Verwendung. CuSn-Legierungen
werden in großem Umfang sowohl als Gußwerkstoffe als auch als Knetwerkstoffe eingesetzt.
Diese Werkstoffklasse findet sich in zahlreichen Anwendungen in der Elektrotechnik,
im Maschinen- und Apparatebau sowie in der Feinwerktechnik aber auch in der Schmuckindustrie.
Die üblichen Zusammensetzungen liegen im Bereich von 0,1 bis 11 % Sn, 0,01 bis 0,4
% P, Rest Cu. (Hier und im Folgenden werden die Gehalte einzelner Legierungszusätze
als Massenanteil in Gew.-% angegeben.) Die Vorteile dieser sog. Phosphor-Bronzen sind,
daß sie weltweit sehr gut verfügbar und preiswert sind sowie dem Konstrukteur neben
sehr guter physikalischer Eigenschaften auch hervorragende Kennwerte für die mechanische
Festigkeit und die Duktilität bieten. Dabei bringen sie eine hinreichende Korrosionsbeständigkeit
für die unterschiedlichsten Anwendungen mit.
[0002] Namentlich für die Herstellung von Bauteilen kleiner Abmessungen mit komplizierten
Geometrien ist die Verwendung knetbarer CuSn-Werkstoffe besonders attraktiv. So werden
beispielsweise in der DIN17662 für eine breite Palette von Anwendungen 4 bis 8-prozentige
Bronzen definiert, die neben Sn bis zu 8,5 % auch P als Legierungsbestandteil von
0,01 bis 0,35 % vorschreiben. Als andere Beimengungen werden Fe bis 0,1 %, Ni bis
0,3 %, Zn bis 0,3 % und Pb bis 0,05 % genannt.
[0003] Besonders für die Bedarfe mit Anforderungen an elektrische Leitfähigkeit und Eignung
für elektromechanische Bauteile wurden zahlreiche Verbesserungen für diese Werkstoffklasse
vorgestellt. Als neueste Beispiele seien die WO98/ 20176 und WO98/48068 erwähnt. Diese
Arbeiten konzentrieren sich ganz wesentlich auf die Verbesserung der elektrischen
Leitfähigkeit und Relaxationsbeständigkeit der traditionellen CuSn-Werkstoffe. Solche
Speziallegierungen finden zunehmend Eingang in die Anwendungen der Elektrotechnik
und Elektromechanik, da die erzielten Verbesserungen für diese speziellen Anwendungen
erheblich sind.
[0004] Für den Einsatz im Maschinen- und Apparatebau, in der Feinwerktechnik und in der
Schmuckindustrie erscheinen die erzielten Verbesserungen allerdings von geringem Interesse
zu sein. Hier werden nach wie vor fast ausschließlich die klassischen P-Bronzen eingesetzt.
Dies mag darin begründet sein, daß diese Werkstoffgruppe hinsichtlich der durch Kaltverformung
einstellbaren Eigenschaften für eine große Anzahl von Anwendungsfällen sehr wohl gut
ausreichend ist. Allerdings sind einige Mängel offensichtlich.
[0005] Für die Herstellung von Funktionsteilen sind häufig auch Fügeoperationen durchzuführen.
Oft werden dazu Schweiß- und Hartlötverfahren eingesetzt. Durch den Wärmeeintrag in
die zu fügenden Bauteile werden in der Wärmeeinflußzone Festigkeitsverluste durch
Erholung oder Rekristallisation verursacht. Dies ist besonders bei Anwendung von Schmelzschweißverfahren
und von Hartlötverfahren von Bedeutung. Um den Festigkeitsverlust möglichst gering
zu halten, werden, wo immer möglich, Hartlötverfahren statt Schweißverfahren eingesetzt.
Mit den Arbeitstemperaturen von Loten ab 450°C können so Fügeaufgaben gelöst werden,
die einen Kompromiß aus verbleibender hoher Festigkeit und guter Belastbarkeit der
Fügestelle erfordern.
[0006] Bei zur Hilfenahme eines Zusatzwerkstoffes, nämlich des Lotes, spielt die Festigkeit
des verwendeten Lotes für die mechanische Stabilität des gefügten Verbundes ebenfalls
eine Rolle. Daher besteht der Wunsch nach bruchfesten Loten. Höherfeste Lote erfordern
aber in der Regel höhere Arbeitstemperaturen. Dadurch vergrößert sich naturgemäß der
Wärmeeintrag in die gefügten Teile, woraus ein verstärkter Festigkeitsverlust in den
Bereichen nahe des Lötspaltes resultiert. Es ergibt sich also die Notwendigkeit zur
Verwendung möglichst entfestigungsbeständiger Werkstoffe, wenn die Festigkeit des
gefügten Verbundes optimiert werden soll.
[0007] In der Vergangenheit hat es nicht an Versuchen gefehlt, für bestimmte Konstruktionsaufgaben
Werkstoffe mit hoher Entfestigungsbeständigkeit für solche Anwendungen vorzuschlagen.
Dafür sind die Entwicklungen im Bereich der Ni-freien Werkstoffe für die Brillenindustrie
ein gutes Beispiel. Hier wurden verschiedenste Zusammensetzungen auf Basis von CuAl-
und CuTi-Systemen formuliert. Sie bieten bessere Federeigenschaften und Entfestigungsbeständigkeiten
als die heute zum Beispiel für Brillenbügel eingesetzten Phosphor-Bronzen.
[0008] Bei der Verwendung dieser Ni-freien Legierungen zeigte es sich nun, daß besonders
das Hartlöten unter Schutzgas erhebliche Probleme bereitet, da diese Werkstoffe auch
mit einer sauerstoffarmen Atmosphäre reagieren, wodurch die Benetzung der Bauteiloberflächen
mit dem Lot stark behindert wird. Die Verarbeitbarkeit durch Hartlöten ist nur unter
zur Hilfenahme von aggressiven Flußmitteln in dem gewünschten Umfang möglich. Die
Verwendung solcher aggressiven Flußmittel erscheint heute unter den Aspekten der Arbeitssicherheit
und des Umweltschutzes als nicht mehr zeitgemäß. Daneben müssen auch farbliche Veränderungen
der gefügten Bauteile durch das Flußmittel und Rückstände der Flußmittel aufwendig
entfernt werden. Unvermeidbar ist diese Reinigung, wenn es sich um Sichtflächen handelt
oder aus anderen Gründen eine gleichmäßiges Aussehen erforderlich ist. Unabhängig
von der Verwendung von Flußmitteln tendieren CuSn-Legierungen zur Verfärbung in der
Wärme. Dieses Phänomen ist als die Bildung von Anlauffarben bekannt. Auch dies erfordert
gegebenenfalls eine Reinigung der gefügten Bauteile. Diese Nachbehandlungen sind kostentreibend
und damit unerwünscht.
[0009] Die Druckschrift JP-A-63038544 beschreibt eine hochleitende Kupferlegierung mit guter
Lötbarkeit, die unter anderem die Legierungselemente Sn, Fe oder Co, P und Mn und
zumindest ein weiteres Element der Gruppe Zn, B, Al, Mg, Si und Ti oder Cr enthält
und für elektrische Bauteile und elektronische Apparate eingesetzt wird. Es drängt
sich so der Wunsch nach Werkstoffen auf, die einerseits hinsichtlich Festigkeit und
Entfestigungscharakteristik den zuvor dargestellten Spezialitäten gleichkommen, aber
andererseits die Vorteile der sehr gut hartlötbaren Sn-Bronzen bieten. Darüber hinaus
ist eine Verringerung der Neigung zur Ausbildung von Anlauffarben willkommen.
[0010] Die dadurch gestellte Aufgabe wird mit der vorliegenden Erfindung durch eine Legierung
gelöst, bei der zu Kupfer 4 bis 12 % Sn, ein Fe-Gehalt von 0,1 bis 4 % und 0,01 -
0,6 % Ti zulegiert wird. Die erfindungsgemäße Legierung zeichnet sich durch eine besonders
hohe Festigkeit und Entfestigungsbeständigkeit aus. Entgegen der bisher üblichen Ansicht
ist eine Desoxidation zum Beispiel mit P, wie weiter oben beschrieben, nicht notwendig.
Bei Einstellung von Fe-Gehalten in der erfindungsgemäßen Legierung wird offensichtlich
das Auftreten von dem gefürchteten Sn-Oxid soweit unterbunden, daß auf zusätzliche
desoxidierende Maßnahmen verzichtet werden kann. Die Fe-Zusätze sorgen zudem in den
erfindungsgemäßen Legierungen überraschenderweise für eine Verbesserung der Beständigkeit
gegen Verfärbung in der Wärme.
[0011] Das resultierende Halbzeug ist bei Herstellung über die klassischen Urform- und Umformverfahren
problemlos handhabbar. Gleichzeitig ist die erfindungsgemäße Legierung hervorragend
hart lötbar mit den verschiedensten Loten. Offensichtlich entstehen bei den erfindungsgemäßen
Fe- und Ti-Gehalten keine derjenigen Oxide an der Oberfläche, welche eine schlechte
Benetzbarkeit oder schlechten Lotfluß verursachen würden.
[0012] Bevorzugte Legierungszusammensetzungen sind Gegenstand der Ansprüche 2 bis 9.
[0013] Besonders vorteilhaft ist das Zulegieren von Ti. Dazu ist es notwendig, Ti in einem
Massenverhältnis Fe/Ti ≥ 2,5 zum zugesetzten Fe der erfindungsgemäßen Legierung zu
legieren. Da Ti ein Legierungselement ist, das sehr leicht mit Sauerstoff mit der
Wärme zu Oxiden reagiert und zu Deckschichten führt, die die Benetzung mit schmelzflüssigen
Loten drastisch verschlechtern, ist dieser Befund sehr erstaunlich.
[0014] Es zeigt sich nämlich, daß eine Kupfer-Zinn-Legierung mit 4 - 12 % Sn bei Zusatz
von bereits nur 0,05 % Ti in der Lötbarkeit drastisch verschlechtert wird. Eine Lötung
ist nur unter zur Hilfenahme von Flußmitteln erfolgreich durchführbar. Wird Ti jedoch
im erfindungsgemäßen Verhältnis zu Fe der erfindungsgemäßen Legierung zugesetzt, wird
die Lötbarkeit nicht beeinträchtigt aber gleichzeitig die Entfestigungscharakteristik
der erfindungsgemäßen Legierung nachhaltig verbessert. Die Ti-Zugabe bewirkt, daß
der zeitliche Ablauf der Entfestigung deutlich verzögert wird. Eine verzögerte Entfestigung
bedeutet für die industrielle Durchführung von Hartlötoperationen eine höhere Reproduzierbarkeit
und eine weitere Optimierung der mechanischen Festigkeit des gefügten Verbundes.
[0015] Aufgrund der bekannten Eigenschaften der Elemente ist nach Kenntnis dieses Sachverhaltes
zu erwarten, daß Ti durch seine verwandten Elemente Zr und Hf ganz oder teilweise
ersetzt werden kann. Diese Elemente zeigen im Zusammenwirken mit der erfindungsgemäßen
CuSnFe-Grundlegierung gleiches Verhalten.
[0016] Zur Verbilligung der Legierung können Teile von Kupfer durch Mn und Zn einzeln oder
zusammen ersetzt werden. Mehr als 10 Gew.-% Kupfer sollte jedoch nicht durch diese
Metalle ersetzt werden, da die Gießbarkeit dadruch deutlich erschwert wird und die
gute Korrosionseigenschaft der erfindungsgemäßen Legierung deutlich verschlechtert
werden. Das sonst oft bei CuSn-Legierungen zugesetzte P sollte bei Gegenwart von Ti
nicht legiert werden. Es entstehen in der Schmelze nadelförmige Titanphosphide, die
die Halbzeugfertigung sehr erschweren und die Werkstoffeigenschaften verderben.
[0017] Bevorzugte Einsatzgebiete der erfindungsgemäßen Legierung sind in den Ansprüchen
10 bis 14 aufgeführt.
Beispiel:
[0018] Die Ausführung der Erfindung kann an nachfolgendem Beispiel gezeigt werden. Die Legierungen
wurden wie folgt zu Blechstreifen von 1 mm Dicke gefertigt:
Kokillenguß von Blöcken,
Homogenisierung bei 700°C/6 h,
Warmwalzen bei 760 °C der überfrästen Gußblöcke mit einer Querschnittsabnahme von
45 %,
Kaltwalzen der überfrästen Warmwalzstreifen mit einer Querschnittsänderung von 50
% bezogen auf den Querschnitt der überfrästen Warmwalzstreifen Glühbehandlung bei
500 °C/ 4 h,
Fertigwalzen an 1 mm mit einer Querschnittsänderung von 75 % bezogen auf den Querschnitt
nach der ersten Kaltumformung.
[0019] Die Zusammensetzungen der Bänder sind nachfolgend zusammengestellt:
| Legierung |
Cu / % |
Sn / % |
Fe / % |
Ti / % |
P / % |
Al / % |
| 1 |
91,37 |
8,57 |
|
0,03 |
|
|
| 2 |
91,11 |
8,55 |
0,30 |
|
|
|
| 3 |
91,08 |
8,22 |
0,66 |
|
|
|
| 4* |
91,20 |
8,05 |
0,64 |
0,074 |
|
|
| 5* |
90,60 |
8,47 |
0,64 |
0,244 |
|
|
| 6 |
90,44 |
8,53 |
0,64 |
0,358 |
|
|
| 7* |
89,10 |
8,74 |
1,73 |
0,387 |
|
|
| 8 |
90,87 |
8,61 |
0,31 |
|
0,1724 |
|
| 9 |
91,09 |
8,58 |
|
|
|
0,2862 |
| 10 |
90,89 |
8,49 |
0,31 |
|
|
0,2739 |
| 11 |
90,02 |
8,61 |
1,04 |
|
|
0,2821 |
| 12 |
91,90 |
8,06 |
|
|
0,024 |
|
| (*: Legierung erfindungsgemäß; Differenz zu 100 %: jeweils unvermeidbare Verunreinigungen) |
[0020] Die Ergebnisse von Zugversuchen, die an den fertiggewalzten Bändern durchgeführt
wurden, zeigt die folgende Tabelle
| Legierung |
Rp0,2 I MPa |
Rm / MPa |
Rp0,2 / Rm |
A10/% |
| 1 |
843 |
872 |
0,97 |
3,3 |
| 2 |
882 |
907 |
0,97 |
2,6 |
| 3 |
837 |
895 |
0,94 |
2,3 |
| 4* |
849 |
890 |
0,95 |
2,1 |
| 5* |
824 |
909 |
0,90 |
3,1 |
| 6 |
825 |
914 |
0,90 |
3,6 |
| 7* |
837 |
937 |
0,89 |
3,9 |
| 8 |
923 |
953 |
0,97 |
3,3 |
| 9 |
873 |
906 |
0,96 |
3,8 |
| 10 |
874 |
912 |
0,96 |
3,5 |
| 11 |
888 |
919 |
0,97 |
2,3 |
| 12 |
828 |
895 |
0,93 |
2,4 |
[0021] Die Meßwerte für die Bruchdehnung A
10 und das Streckgrenzenverhältnis R
p0,2/R
m, die an den erfindungsgemäßen Legierungen ermittelt wurden, weisen eine gute Übereinstimmung
mit den entsprechenden Werten auf, die man nach vergleichbaren Verarbeitungsschritten
für die mit P desoxidierte Legierung 12 erhält. Da man von dem Betrag der Bruchdehnung
auf die Wirksamkeit der Desoxidation schließen darf
1, kann aus dieser Übereinstimmung gefolgert werden, daß Fe und Ti das Urund Umformen
von CuSn-Legierungen in gleicher Weise positiv beeinflussen wie P.
[0022] Zur Charakterisierung des Lötverhaltens wurden jeweils 2 Bandstreifen aus der gleichen
Legierung hartgelötet, nachdem ihre Oberflächen entfettet und mechanisch gereinigt
wurden. Zum Einsatz kam ein handelsübliches Silberlot mit einer Arbeitstemperatur
von 710 °C. Gelötet wurde unter Schutzgas ohne zur Hilfenahme eines Flußmittels. Das
Ergebnis der Lötung wurde sowohl durch mechanische Torsionsprüfung als auch durch
metallographische Begutachtung bewertet. Die Festigkeit der gefügten Werkstoffe in
unmittelbarer Nähe des Lötspaltes - also in der Wärmeeinflußzone (WEZ) - wurde durch
die Vickers-Härte HV charakterisiert. Die nachstehende Tabelle gibt Aufschluß über
die erhaltenen Resultate.
| Legierung |
Härte HV Grundmaterial |
Niedrigste Härte in WEZ nach Hartlötung |
Gefüge in WEZ und Grundmaterial |
Qualität Hartlötung |
| 1 |
263 |
84 |
in Ordnung |
mäßig |
| 2 |
273 |
95 |
in Ordnung |
gut |
| 3 |
267 |
111 |
in Ordnung |
gut |
| 4* |
267 |
115 |
in Ordnung |
gut |
| 5* |
279 |
111 |
in Ordnung |
gut |
| 6 |
276 |
129 |
grobe Partikel über 10 µm |
nicht brauchbar |
| 7* |
284 |
151 |
in Ordnung |
gut |
| 8 |
276 |
112 |
in Ordnung |
mäßig |
| 9 |
273 |
87 |
in Ordnung |
nicht brauchbar |
| 10 |
274 |
103 |
in Ordnung |
nicht brauchbar |
| 11 |
279 |
121 |
in Ordnung |
nicht brauchbar |
| 12 |
275 |
81 |
in Ordnung |
gut |
| (*: Legierung erfindungsgemäß; WEZ: Wärmeeinflußzone) |
1K. Dies, "Kupfer und Kupfer-Legierungen in der Technik", Springer-Verlag, Berlin,
(1967), S. 126
[0023] Die Ergebnisse belegen, die überaus günstige Wirkung von Eisen auf die Resthärte
nach dem Löten. Es wird deutlich, daß bei Nichteinhaltung des erfindungsgemäßen FeTi-Verhältnisses
zwar eine verbesserte Entfestigungsbeständigkeit jedoch keine gute Hartlötbarkeit
gegeben ist (Legierungen 1 und 6, im Vergleich zur herkömmlichen Legierungsformulierung
12).
[0024] Zur Überprüfung der Werkstofferweichung beim Löten wurden Abschnitte der kaltverfomten
Bandabschnitte bei 700°C bis zu 5 min in einem Salzbad geglüht und nach verschiedenen
Zeiten t die Resthärte HV gemessen. Man erhält dadurch die isotherme Entfestigungscharakteristik
HV(t) des betrachteten Werkstoffs. Der Härteverlauf über der Zeit ist wichtig zur
Beurteilung der Festigkeit nach dem Löten und der Sicherheit in der industriellen
Fertigung von gefügten Bauteilen: Je höher die Resthärte HV(300 s) nach fünf-minütiger
Glühbehandlung ist, desto höher ist die zu erwartende mechanische Stabilität der Lötverbindung;
Je weniger sich die Härte im Verlauf der Zeit ändert, desto gleichmäßiger ist die
Qualität der gefügten Bauteilen und desto robuster ist der Fertigungsprozeß gegen
unvermeidbare Schwankungen der Prozeßparameter. Ausgewertet wurde also einerseits
die Höhe der Resthärte der Legierung Y (Y = 1,2 ... 12) nach fünf-minütiger Glühbehandlung
im Bezug zu der üblichen Phosphorbronze-Legierung 12: HV(Y, 700 °C, 300 s) / HV(12,
700 °C, 300 s) - 1. Zum anderen wurden die Legierungen Y mit der Legierung 12 hinsichtlich
der Verringerung der Differenz zwischen der Härte nach 60 s und 300 s verglichen:
1 - [HV(Y, 700 °C, 60 s) - HV(Y, 700 °C, 300s)] / [HV(12, 700 °C, 60 s) - HV(12, 700
°C, 300s)]. Gute Werkstoffe im Vergleich zeigen für beide Auswertungen besonders große,
positive Werte.
| Legierung |
Härte HV Beginn |
Härte HV nach 60 s |
Härte HV nach 180 s |
Härte HV nach 300 s |
Resthärte HV(300 s) im Vergleich zu Leg. 12 |
Verringg. d. Härteabfalles v. 60 bis 300 s gegen Leg. 12 |
| 1 |
263 |
83 |
84 |
79 |
8% |
75% |
| 2 |
273 |
90 |
79 |
79 |
8% |
31% |
| 3 |
267 |
118 |
108 |
108 |
48% |
38% |
| 4* |
267 |
112 |
107 |
107 |
47% |
69% |
| 5* |
279 |
123 |
118 |
117 |
60% |
63% |
| 6 |
276 |
132 |
129 |
122 |
67% |
38% |
| 7* |
284 |
157 |
145 |
141 |
93% |
0% |
| 8 |
276 |
106 |
105 |
102 |
40% |
75% |
| 9 |
273 |
85 |
82 |
82 |
12 % |
81 % |
| 10 |
274 |
97 |
96 |
95 |
30% |
88% |
| 11 |
279 |
122 |
119 |
116 |
59% |
63% |
| 12 |
275 |
89 |
80 |
73 |
0% |
0% |
| (*: Legierung erfindungsgemäß) |
[0025] Es zeigt sich, daß mit Zugaben von Eisen ein guter Zugewinn in der Resthärte erzielt
werden kann, die Verringerung des Härteabfalles bei verlängerten Haltezeiten auf Temperatur
aber besonders günstig mit Zugaben von Titan bewirkt wird.
[0026] In Ergänzung zu den oben beschriebenen Untersuchungen wurden Bandabschnitte folgendermaßen
in einer Schutzgasatmosphäre wärmebehandelt:
zwölfminütiges Glühen der Bänder in Formiergas (95 % N2, 5 % H2) bei 700 °C,
Ofenabkühlung auf 200°C,
Abkühlung auf Raumtemperatur in ruhender Laborluft.
[0027] Mit diesem Versuch wird qualitativ der Lötprozeß unter Schutzgas nachgestellt, mit
dem Unterschied, da
ß Schwankungen durch das Fertigungsverfahren ausgeschlossen sind. Die Auswertung des
Versuchs umfaßt die Beurteilung der Bänder hinsichtlich ihrer Oberflächenverfärbung
und ihres Gefüges. Aus folgender Tabelle geht hervor, daß das Anlaufverhalten der
Legierungen in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung mit dem der üblichen Phosphor-Bronzen
vergleichbar ist. Bei hohen Fe-Gehalten ist die Verfärbung sogar geringer als bei
den gängigen CuSn-Legierungen. In diesem Fall ist eine schönende Nachbehandlung der
Oberflächen in der Nähe der Lötnaht nur in verringertem Umfang oder gar nicht notwendig.
| Legierung |
Veränderung der Oberflächenfarbe nach der beschriebenen Wärmebehandlung im Vergleich
zum ungeglühten Ausgangszustand |
| 1 |
deutliche Verfärbung |
| 2 |
deutliche Verfärbung |
| 3 |
schwache Verfärbung |
| 4* |
schwache Verärbung |
| 5* |
schwache Verfärbung |
| 6 |
deutliche Verfärbung |
| 7* |
schwache Verfärbung |
| 8 |
deutliche Verfärbung (abblätternde Zunderschicht) |
| 9 |
sehr starke Verfärbung |
| 10 |
sehr starke Verfärbung |
| 11 |
sehr starke Verfärbung |
| 12 |
deutliche Verfärbung |
[0028] Die Mikrostruktur der erfindungsgemäßen Legierungen ist nach oben genannter Wärmebehandlung
wie folgt zu charakterisieren: Das Gefüge ist frei von Oxiden, obwohl wie nach dem
Stand der Technik gemein hin als notwendig angesehen wird kein Phosphor legiert wurde.
Es können nur Ausscheidungen nachgewiesen werden, in denen die erfindungsgemäßen Legierungselemente
Fe bzw. Ti angereichert sind. Die mittleren Korngrößen betragen in den erfindungsgemäßen
Legierungen nach obiger Wärmebehandlung nur ca. 25 µm. Dies ist auf die kornfeinende
Wirkung des Fe zurückzuführen. Falls gewünscht, ist es auch möglich die erfindungsgemäßen
Legierungen nach dem Fügen umzuformen, ohne daß auf der Bauteiloberfläche Rauhigkeiten
entstehen, wie man dies von Zinnbronze-Legierungen nach dem Stand der Technik kennt.
[0029] Für die Gesamtbewertung der untersuchten Legierungen ergibt sich folgende Übersicht:
| Legierung |
Gefüge in WEZ und Grundmaterial |
Qualität Hartlötung |
Resthärte HV(300 s) im Vergleich zu Leg. 12 |
Verringg. d. Härteabfalles v. 60 bis 300s gegen Leg. 12 |
Verfarbung der Oberfläche nach Wärmebehandlung in Schutzgasatmosphäre |
Relative Gesamteignung gegenüber Leg. 12 |
| 1 |
in Ordnung (=100%) |
mäßig (=50%) |
8 % |
75 % |
deutlich (50 %) |
33 %Pkte |
| 2 |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100%) |
8 % |
31 % |
deutlich (50 %) |
39 %Pkte |
| 3 |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100%) |
48 % |
38 % |
schwach (100 %) |
136 %Pkte |
| 4* |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100%) |
47 % |
69 % |
schwach (100 %) |
166 %Pkte |
| 5* |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100%) |
60 % |
63 % |
schwach (100 %) |
173 %Pkte |
| 6 |
grobe Partikel über 10 µm (=0%) |
nicht brauchbar (=0%) |
67% |
38% |
deutlich (50%) |
nicht brauchbar |
| 7* |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100 %) |
93 % |
0 % |
schwach (100%) |
143 %Pkte |
| 8 |
in Ordnung (=100%) |
mäßig (=50%) |
40 % |
75 % |
deutlich (100 %) |
115 %Pkte |
| 9 |
in Ordnung (=100%) |
nicht brauchbar (0%) |
12 %. |
81 % |
stark (0 %) |
nicht brauchbar |
| 10 |
in Ordnung (=100%) |
nicht brauchbar (0%) |
30 % |
88 % |
stark (0 %) |
nicht brauchbar |
| 11 |
in Ordnung (=100%) |
nicht brauchbar (0%) |
59 % |
63 % |
stark (0 %) |
nicht brauchbar |
| 12 |
in Ordnung (=100%) |
gut (=100%) |
0 % |
0 % |
deutlich (50 %) |
0 %Pkte |
| (*: Legierung erfindungsgemäß) |
[0030] Es wird deutlich, daß mit den erfindungsgemäßen Legierungen ein hoher Zugewinn in
der Gesamteignung erzielt wird. Der Zugewinn mißt sich in Prozentpunkten gegenüber
der Vergleichsvariante Leg. 12, die eine herkömmliche Phosphorbronze ist. Offensichtlich
ist, daß mit den erfindungsgemäßen Legierungen die gestellte Aufgabe in hervorragend
gelöst wird.
1. Kupfer-Zinn-Eisen-Titan-Legierung bestehend aus,
4 bis 12 % Zinn;
0,1 bis 4 % Eisen;
0,01 bis 0,6 % Titan, wobei
das Gewichtsverhältnis von Eisen zu Titan mindestens 2,5 beträgt;
wahlweise bis zu 10 % Zink und/oder Mangan;
wahlweise bis zu 3 % Blei und/oder intermetallische Phasen;
Rest Kupfer und üblichen Verunreinigungen.
2. Kupfer-Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß sie 6 bis 10 % Zinn; 0,5 bis 2,5 % Eisen; 0,05 bis 0,4 % Titan enthält.
3. Kupfer-Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß sie 7 bis 9 % Zinn; 1 bis 2 % Eisen; 0,05 bis 0,3 % Titan enthält.
4. Kupfer-Legierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß sie 10 bis 12 % Zinn; 2,5 bis 4 % Eisen; 0,1 bis 0,5 % Titan enthält.
5. Verwendung einer Kupfer-Zinn-Eisen-Titan-Legierung bestehend aus,
4 bis 12 % Zinn;
0,1 bis 4 % Eisen und/oder Kobalt;
0,01 bis 0,6 % Titan und/oder Zirkon und/oder Hafnium und
wahlweise bis zu 10 % Zink und/oder Mangan;
wahlweise bis zu 3 % Blei und/oder intermetallische Phasen;
Rest Kupfer und üblichen Verunreinigungen zur Herstellung von gelöteten oder geschweißten
Schmuckstücken, Bekleidungsaccessoires, Brillen und Brillenteilen.
6. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß bei Verwendung von Eisen und Titan das Gewichtsverhältnis von Eisen zu Titan mindestens
2,5 beträgt.
7. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß sie 6 bis 10 % Zinn; 0,5 bis 2,5 % Eisen; 0,05 bis 0,4 % Titan enthält.
8. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß sie 7 bis 9 % Zinn; 1 bis 2 % Eisen; 0,05 bis 0,3 % Titan enthält.
9. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß sie 10 bis 12 % Zinn; 2,5 bis 4 % Eisen; 0,1 bis 0,5 % Titan enthält.
1. A copper-tin-iron-titanium alloy consisting of
from 4 to 12 % tin;
from 0.1 to 4 % iron;
from 0.01 to 0.6 % titanium,
wherein the weight ratio of iron to titanium is at least 2.5;
optionally up to 10 % zinc and/or manganese;
optionally up to 3 % lead and/or intermetallic phases;
the remainder copper and usual impurities.
2. A copper alloy according to claim 1, characterised in that it comprises from 6 to 10 % tin; from 0.5 to 2.5 % iron; from 0.05 to 0.4 % titanium.
3. A copper alloy according to claim 1, characterised in that it comprises from 7 to 9 % tin; from 1 to 2 % iron; from 0.05 to 0.3 % titanium.
4. A copper alloy according to claim 1, characterised in that it comprises from 10 to 12 % tin; from 2.5 to 4 % iron; from 0.1 to 0.5 % titanium.
5. The use of a copper-tin-iron-titanium alloy consisting of
from 4 to 12 % tin;
from 0.1 to 4 % iron and/or cobalt;
from 0.01 to 0.6 % titanium and/or zirconium and/or hafnium and
optionally up to 10 % zinc and/or manganese;
optionally up to 3 % lead and/or intermetallic phases;
the remainder copper and usual impurities for the manufacture of soldered or welded
pieces of jewellery, clothing accessories, spectacles and spectacle parts.
6. The use of a copper alloy according to claim 5, characterised in that when iron and titanium are used the weight ratio of iron to titanium is at least
2.5.
7. The use of a copper alloy according to claim 5 or 6, characterised in that it comprises from 6 to 10 % tin; from 0.5 to 2.5 % iron; from 0.05 to 0.4 % titanium.
8. The use of a copper alloy according to claim 5 or 6, characterised in that it comprises from 7 to 9 % tin; from 1 to 2 % iron; from 0.05 to 0.3 % titanium.
9. The use of a copper alloy according to claim 5 or 6, characterised in that it comprises from 10 to 12 % tin; from 2.5 to 4 % iron; from 0.1 to 0.5 % titanium.
1. Alliage cuivre-étain-fer-titane consistant en :
4 à 12 % d'étain ;
0,1 à 4 % de fer;
0,01 à 0,6 % de titane, où
le rapport en masse du fer au titane est d'au moins 2,5 ;
au choix jusqu'à 10 % de zinc et/ou de manganèse ;
au choix jusqu'à 3 % de plomb et/ou de phases intermétalliques ;
le reste étant du cuivre et des impuretés habituelles.
2. Alliage de cuivre selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'il contient 6 à 10 % d'étain ; 0,5 à 2,5 % de fer ; 0,05 à 0,4 % de titane.
3. Alliage de cuivre selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'il contient 7 à 9 % d'étain ; 1 à 2 % de fer ; 0,05 à 0,3 % de titane.
4. Alliage de cuivre selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'il contient 10 à 12 % d'étain ; 2,5 à 4 % de fer ; 0,1 à 0,5 % de titane.
5. Utilisation d'un alliage cuivre-étain-fer-titane consistant en
4 à 12 % d'étain ;
0,1 à 4 % de fer et/ou de cobalt ;
0,01 à 0,6 % de titane et/ou de zirconium et/ou de hafnium et
au choix jusqu'à 10 % de zinc et/ou de manganèse ;
au choix jusqu'à 3 % de plomb et/ou de phases intermétalliques.
le reste étant du cuivre et des impuretés habituelles pour la production d'objets
décoratifs brasés ou soudés, d'accessoires d'habillement, de lunettes et de pièces
de lunettes.
6. Utilisation d'un alliage de cuivre selon la revendication 5, caractérisée en ce que, dans le cas de l'utilisation de fer et de titane, le rapport en masse du fer au
titane est d'au moins 2,5.
7. Utilisation d'un alliage de cuivre selon la revendication 5 ou 6, caractérisée en ce qu'il contient 6 à 10 % d'étain ; 0,5 à 2,5 % de fer ; 0,05 à 0,4 % de titane.
8. Utilisation d'un alliage de cuivre selon la revendication 5 ou 6, caractérisée en ce qu'il contient 7 à 9 % d'étain ; 1 à 2 % de fer ; 0,05 à 0,3 % de titane.
9. Utilisation d'un alliage de cuivre selon la revendication 5 ou 6, caractérisée en ce qu'il contient 10 à 12 % d'étain ; 2,5 à 4 % de fer ; 0,1 à 0,5 % de titane.