(19)
(11) EP 1 061 147 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
20.12.2000  Patentblatt  2000/51

(21) Anmeldenummer: 00111781.1

(22) Anmeldetag:  03.06.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7C22C 9/02, C22C 9/04, C22C 9/06, C22C 9/05
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 15.06.1999 DE 19927136

(71) Anmelder: Wieland-Werke AG
89070 Ulm (DE)

(72) Erfinder:
  • Bögel, Andreas, Dr.
    89264 Weissenhorn (DE)
  • Hofmann, Uwe, Dr.
    89231 Neu-Ulm (DE)

   


(54) Verwendung einer Kupfer-Zinn-Eisen-Legierung


(57) Die Erfindung betrifft die Verwendung einer Kupfer-Zinn-Eisen-Legierung, die aus 4 bis 12 % Zinn; 0,1 bis 4 % Eisen; Rest Kupfer und üblichen Verunreinigungen besteht, zur Herstellung von gefügten Bauteilen, wie insbesondere Schmuck, Bekleidungsaccessoires oder Brillen usw.


Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft die Verwendung von CuSn-Legierungen für unter Wärmeeinwirkung gefügte Bauteile. CuSn-Legierungen werden in großem Umfang sowohl als Gußwerkstoffe als auch als Knetwerkstoffe eingesetzt. Diese Werkstoffklasse findet sich in zahlreichen Anwendungen in der Elektrotechnik, im Maschinen- und Apparatebau sowie in der Feinwerktechnik aber auch in der Schmuckindustrie. Die üblichen Zusammensetzungen liegen im Bereich von 0,1 bis 11 % Sn, 0,01 bis 0,4 % P, Rest Cu. (Hier und im Folgenden werden die Gehalte einzelner Legierungszusätze als Massenanteil in Gew.-% angegeben.) Die Vorteile dieser sog. Phosphor-Bronzen sind, daß sie weltweit sehr gut verfügbar und preiswert sind sowie dem Konstrukteur neben sehr guter physikalischer Eigenschaften auch hervorragende Kennwerte für die mechanische Festigkeit und die Duktilität bieten. Dabei bringen sie eine hinreichende Korrosionsbeständigkeit für die unterschiedlichsten Anwendungen mit.

[0002] Namentlich für die Herstellung von Bauteilen kleiner Abmessungen mit komplizierten Geometrien ist die Verwendung knetbarer CuSn-Werkstoffe besonders attraktiv. So werden beispielsweise in der DIN17662 für eine breite Palette von Anwendungen 4 bis 8-prozentige Bronzen definiert, die neben Sn bis zu 8,5 % auch P als Legierungsbestandteil von 0,01 bis 0,35 % vorschreiben. Als andere Beimengungen werden Fe bis 0,1 %, Ni bis 0,3 %, Zn bis 0,3 % und Pb bis 0,05 % genannt.

[0003] Besonders für die Bedarfe mit Anforderungen an elektrische Leitfähigkeit und Eignung für elektromechanische Bauteile wurden zahlreiche Verbesserungen für diese Werkstoffklasse vorgestellt. Als neueste Beispiele seien die WO98/ 20176 und WO98/48068 erwähnt. Diese Arbeiten konzentrieren sich ganz wesentlich auf die Verbesserung der elektrischen Leitfähigkeit und Relaxationsbeständigkeit der traditionellen CuSn-Werkstoffe. Solche Speziallegierungen finden zunehmend Eingang in die Anwendungen der Elektrotechnik und Elektromechanik, da die erzielten Verbesserungen für diese speziellen Anwendungen erheblich sind.

[0004] Für den Einsatz im Maschinen- und Apparatebau, in der Feinwerktechnik und in der Schmuckindustrie erscheinen die erzielten Verbesserungen allerdings von geringem Interesse zu sein. Hier werden nach wie vor fast ausschließlich die klassischen P-Bronzen eingesetzt. Dies mag darin begründet sein, daß diese Werkstoffgruppe hinsichtlich der durch Kaltverformung einstellbaren Eigenschaften für eine größe Anzahl von Anwendungsfällen sehr wohl gut ausreichend ist. Allerdings sind einige Mängel offensichtlich.

[0005] Für die Herstellung von Funktionsteilen sind häufig auch Fügeoperationen durchzuführen. Oft werden dazu Schweiß- und Hartlötverfahren eingesetzt. Durch den Wärmeeintrag in die zu fügenden Bauteile werden in der Wärmeeinflußzone Festigkeitsverluste durch Erholung oder Rekristallisation verursacht. Dies ist besonders bei Anwendung von Schmelzschweißverfahren und von Hartlötverfahren von Bedeutung. Um den Festigkeitsverlust möglichst gering zu halten, werden, wo immer möglich, Hartlötverfahren statt Schweißverfahren eingesetzt. Mit den Arbeitstemperaturen von Loten ab 450 ° C können so Fügeaufgaben gelöst werden, die einen Kompromiß aus verbleibender hoher Festigkeit und guter Belastbarkeit der Fügestelle erfordern.

[0006] Bei zur Hilfenahme eines Zusatzwerkstoffes, nämlich des Lotes, spielt die Festigkeit des verwendeten Lotes für die mechanische Stabilität des gefügten Verbundes ebenfalls eine Rolle. Daher besteht der Wunsch nach bruchfesten Loten. Höherfeste Lote erfordern aber in der Regel höhere Arbeitstemperaturen. Dadurch vergrößert sich naturgemäß der Wärmeeintrag in die gefügten Teile, woraus ein verstärkter Festigkeitsverlust in den Bereichen nahe des Lötspaltes resultiert. Es ergibt sich also die Notwendigkeit zur Verwendung möglichst entfestigungsbeständiger Werkstoffe, wenn die Festigkeit des gefügten Verbundes optimiert werden soll.

[0007] In der Vergangenheit hat es nicht an Versuchen gefehlt, für bestimmte Konstruktionsaufgaben Werkstoffe mit hoher Entfestigungsbeständigkeit für solche Anwendungen vorzuschlagen. Dafür sind die Entwicklungen im Bereich der Ni-freien Werkstoffe für die Brillenindustrie ein gutes Beispiel. Hier wurden verschiedenste Zusammensetzungen auf Basis von CuAl- und CuTi-Systemen formuliert. Sie bieten bessere Federeigenschaften und Entfestigungsbeständigkeiten als die heute zum Beispiel für Brillenbügel eingesetzten Phosphor-Bronzen.

[0008] Bei der Verwendung dieser Ni-freien Legierungen zeigte es sich nun, daß besonders das Hartlöten unter Schutzgas erhebliche Probleme bereitet, da diese Werkstoffe auch mit einer sauerstoffarmen Atmosphäre reagieren, wodurch die Benetzung der Bauteiloberflächen mit dem Lot stark behindert wird. Die Verarbeitbarkeit durch Hartlöten ist nur unter zur Hilfenahme von aggressiven Flußmitteln in dem gewünschten Umfang möglich. Die Verwendung solcher aggressiven Flußmittel erscheint heute unter den Aspekten der Arbeitssicherheit und des Umweltschutzes als nicht mehr zeitgemäß. Daneben müssen auch farbliche Veränderungen der gefügten Bauteile durch das Flußmittel und Rückstände der Flußmittel aufwendig entfernt werden. Unvermeidbar ist diese Reinigung, wenn es sich um Sichtflächen handelt oder aus anderen Gründen eine gleichmäßiges Aussehen erforderlich ist. Unabhängig von der Verwendung von Flußmitteln tendieren CuSn-Legierungen zur Verfärbung in der Wärme. Dieses Phänomen ist als die Bildung von Anlauffarben bekannt. Auch dies erfordert gegebenenfalls eine Reinigung der gefügten Bauteile. Diese Nachbehandlungen sind kostentreibend und damit unerwünscht.

[0009] Es drängt sich so der Wunsch nach Werkstoffen auf, die einerseits hinsichtlich Festigkeit und Entfestigungscharaktenstik den zuvor dargestellten Spezialitäten gleichkommen, aber andererseits die Vorteile der sehr gut hartlötbaren Sn-Bronzen bieten. Darüber hinaus ist eine Verringerung der Neigung zur Ausbildung von Anlauffarben willkommen.

[0010] Die dadurch gestellte Aufgabe wird durch die vorliegende Erfindung in der Weise gelöst, daß für gefügte Bauteile eine Legierung verwendet wird, bei der zu der Grundzusammensetzung von Kupfer und von 4 bis 12 % Sn ein Fe-Gehalt von 0,1 bis 4 % zulegiert wird. Diese Legierung zeichnet sich durch eine besonders hohe Festigkeit und Entfestigungsbeständigkeit aus. Entgegen der bisher üblichen Ansicht ist eine Desoxidation zum Beispiel mit P, wie weiter oben beschrieben, nicht notwendig. Bei Einstellung von Fe-Gehalten in der Legierung wird offensichtlich das Auftreten von dem gefürchteten Sn-Oxid soweit unterbunden, daß auf zusätzliche desoxidierende Maßnahmen verzichtet werden kann. Die Fe-Zusätze sorgen zudem überraschenderweise für eine Verbesserung der Beständigkeit gegen Verfärbung in der Wärme.

[0011] Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung sind Gegenstand der Ansprüche 2 bis 12.

[0012] Aus dieser Legierung hergestelltes Halbzeug ist bei Herstellung über die klassischen Urform- und Umformverfahren problemlos handhabbar. Gleichzeitig ist die Legierung hervorragend hart lötbar mit den verschiedensten Loten. Offensichtlich entstehen bei den erfindungsgemäßen Fe-Gehalten keine derjenigen Oxide an der Oberfläche, welche eine schlechte Benetzbarkeit oder schlechten Lotfluß verursachen würden. Die Verwendung der vorgeschlagenen Legierung für gefügte Bauteile erfüllt damit also die weiter oben formulierten Wünsche in hervorragender Weise.

[0013] P kann der erfindungsgemäßen CuSnFe-Legierung bis zu etwa 0,5 % zugesetzt werden. P bewirkt dabei eine mäßige Zunahme der mechanischen Festigkeit nach Kaltverformung. Um eine zusätzliche Desoxidation sicher zu stellen -wo immer dies als notwendig erachtet wird- sollte ein P-Gehalt von mind. 0,01 % eingesetzt werden. Gehalte von über 0,5 % sollten vermieden werden, da die während des Lötens in einer sauerstoffhaltigen Atmosphäre entstehenden Zunderschichten zu einem verstärkten Abplatzen neigen1. Darüber hinaus reduzieren hohe P-Konzentrationen die Duktilität der CuSn-Legierungen2. In Verbindung mit Fe führen hohe P-Gehalte zur Bildung von groben Fe-Phosphid-Partikeln, die für sehr viele Anwendungen unerwünscht sind. Sie stören den Gefügeaufbau nachhaltig. Deshalb muß P in einem Massenverhältnis Fe / P ≥ 2 / 1 eingestellt werden, um eine günstige Ausbildung des Gefüges durch sich freiausscheidendes Fe sicher zu stellen. Zur Verbilligung der Legierung können Teile von Kupfer durch Mn oder Zn einzeln oder zusammen ersetzt werden. Mehr als 10 Gew.-% Kupfer sollten jedoch nicht durch diese Metalle ersetzt werden, da die Gießbarkeit dann deutlich erschwert wird und die guten Korrosionseigenschaften der Cu-Sn-Fe-Legierung deutlich verschlechtert werden.
1K. Dies, "Kupfer und Kupfer-Legierungen in der Technik", Springer-Verlag, Berlin, (1967), S. 564 f.
2K. Dies, "Kupfer und Kupfer-Legierungen in der Technik", Springer-Verlag, Berlin, (1967), S. 547 f.

Beispiel:



[0014] Die Ausführung der Erfindung kann an nachfolgendem Beispiel gezeigt werden. Die Legierungen wurden wie folgt zu Blechstreifen von 1 mm Dicke gefertigt:

Kokillenguß von Blöcken,

Homogenisierung bei 700 °C/ 6 h,

Warmwalzen bei 760 °C der überfrästen Gußblöcke mit einer Querschnittsabnahme von 45 %,

Kaltwalzen der überfrästen Warmwalzstreifen mit einer Querschnittsänderung von 50 % bezogen auf den Querschnitt der überfrästen Warmwalzstreifen,

Glühbehandlung bei 500 °C /4 h,

Fertigwalzen an 1 mm mit einer Querschnittsänderung von 75 % bezogen auf den Querschnitt nach der ersten Kaltumformung.



[0015] Die Zusammensetzungen der Bänder sind nachfolgend zusammengestellt:
Legierung Cu / % Sn / % Fe / % P / % Al / %
1* 91,11 8,55 0,30    
2* 91,08 8,22 0,66    
3* 90,36 8,58 1,03    
4* 89,44 8,62 1,90    
5 90,87 8,61 0,31 0,1724  
6* 91,07 8,16 0,65 0,0765  
7* 90,57 8,53 0,67 0,1879  
8* 91,06 7,97 0,64 0,286  
9 91,09 8,58     0,2862
10 90,89 8,49 0,31   0,2739
11 90,02 8,61 1,04   0,2821
12 91,90 8,06   0,024  
(*: Legierung erfindungsgemäß; Differenz zu 100 %: jeweils unvermeidbare Verunreinigungen)


[0016] Die Ergebnisse von Zugversuchen, die den der fertiggewalzten Bändern durchgeführt wurden, zeigt die folgende Tabelle
Legierung Rp0,2 / MPa Rm / MPa Rp0,2 / Rm A10 / %
1* 882 907 0,97 2,6
2* 837 895 0,94 2,3
3* 860 901 0,95 3,7
4* 930 959 0,97 2,6
5 923 953 0,97 3,3
6* 839 920 0,91 2,7
7* 867 932 0,93 1,7
8* 917 935 0,98 1,9
9 873 906 0,96 3,8
10 874 912 0,96 3,5
11 888 919 0,97 2,3
12 828 895 0,93 2,4


[0017] Die Meßwerte für die Bruchdehnung A10 und das Streckgrenzenverhältnis Rp0,2/Rm, die an den erfindungsgemäßen Legierungen ermittelt wurden, weisen eine gute Übereinstimmung mit den entsprechenden Werten auf, die man nach vergleichbaren Verarbeitungsschritten für die mit P desoxidierte Legierung 12 erhält. Da man von dem Betrag der Bruchdehnung auf die Wirksamkeit der Desoxidation schließen darf3, kann aus dieser Übereinstimmung gefolgert werden, daß Fe das Ur- und Umformen von CuSn-Legierungen in gleicher Weise positiv beeinflussen wie P.
3 K. Dies, "Kupfer und Kupfer-Legierungen in der Technik", Springer-Verlag, Berlin, (1967), S. 126

[0018] Zur Charakterisierung des Lötverhaltens wurden jeweils 2 Bandstreifen aus der gleichen Legierung hartgelötet, nachdem ihre Oberflächen entfettet und mechanisch gereinigt wurden. Zum Einsatz kam ein handelsübliches Silberlot mit einer Arbeitstemperatur von 710 °C. Gelötet wurde unter Schutzgas ohne zur Hilfenahme eines Flußmittels. Das Ergebnis der Lötung wurde sowohl durch mechanische Torsionsprüfung als auch durch metallographische Begutachtung bewertet. Die Festigkeit der gefügten Werkstoffe in unmittelbarer Nähe des Lötspaltes - also in der Wärmeeinflußzone (WEZ) - wurde durch die Vickers-Härte HV charakterisiert. Die nachstehende Tabelle gibt Aufschluß über die erhaltenen Resultate.
Legierung Härte HV Grundmaterial Niedrigste Härte in WEZ nach Hartlötung Gefüge in WEZ und Grundmaterial Qualität Hartlötung
1* 273 95 in Ordnung gut
2* 267 111 in Ordnung gut
3* 274 127 in Ordnung gut
4* 278 143 in Ordnung gut
5 276 112 in Ordnung mäßig
6* 266 105 in Ordnung gut
7* 273 118 in Ordnung gut
8* 272 121 in Ordnung gut
9 273 87 in Ordnung nicht brauchbar
10 274 103 in Ordnung nicht brauchbar
11 279 121 in Ordnung nicht brauchbar
12 275 81 in Ordnung gut
(*: Legierung erfindungsgemäß; WEZ: Wärmeeinflußzone)


[0019] Die Ergebnisse belegen, die überaus günstige Wirkung von Eisen auf die Resthärte nach dem Löten.

[0020] Zur Überprüfung der Werkstofferweichung beim Löten wurden Abschnitte der kaltverfomten Bandabschnitte bei 700°C bis zu 5 min in einem Salzbad geglüht und nach verschiedenen Zeiten t die Resthärte HV gemessen. Man erhält dadurch die isotherme Entfestigungscharakteristik HV(t) des betrachteten Werkstoffs. Der Härteverlauf über der Zeit ist wichtig zur Beurteilung der Festigkeit nach dem Löten und der Sicherheit in der industriellen Fertigung von gefügten Bauteilen: Je höher die Resthärte HV(300 s) nach fünf-minütiger Glühbehandlung ist, desto höher ist die zu erwartende mechanische Stabilität der Lötverbindung; Je weniger sich die Härte im Verlauf der Zeit ändert, desto gleichmäßiger ist die Qualität der gefügten Bauteilen und desto robuster ist der Fertigungsprozeß gegen unvermeidbare Schwankungen der Prozeßparameter. Ausgewertet wurde also einerseits die Höhe der Resthärte der Legierung Y (Y = 1,2 ... 12) nach fünf-minütiger Glühbehandlung im Bezug zu der üblichen Phosphorbronze-Legierung 12: HV(Y, 700 °C, 300 s) / HV(12, 700 °C, 300 s) - 1. Zum anderen wurden die Legierungen Y mit der Legierung 12 hinsichtlich der Verringerung der Differenz zwischen der Härte nach 60 s und 300 s verglichen: 1 - [HV(Y, 700 °C, 60 s) - HV(Y, 700 °C, 300s)] / [HV(12, 700 °C, 60 s) - HV(12, 700 °C, 300s)]. Gute Werkstoffe im Vergleich zeigen für beide Auswertungen besonders große, positive Werte.
Legierung Härte HV Beginn Härte HV nach 60 s Härte HV nach 180 s Härte HV nach 300 s Resthärte HV(300 s) im Vergleich zu Leg. 12 Verringg. d. Härteabfalles v. 60 bis 300 s gegen Leg. 12
1* 273 90 79 79 8 % 31 %
2* 267 118 108 108 48 % 38 %
3* 274 120 119 111 52 % 44 %
4* 278 135 133 128 75 % 56 %
5 276 106 105 102 40 % 75 %
6* 266 104 102 100 37 % 75 %
7* 273 114 113 110 51 % 75 %
8* 272 113 111 111 52 % 88 %
9 273 85 82 82 12 % 81 %
10 274 97 96 95 30 % 88 %
11 279 122 119 116 59 % 63 %
12 275 89 80 73 0 % 0 %
(*: Legierung erfindungsgemäß)


[0021] Es zeigt sich, daß mit Zugaben von Eisen ein guter Zugewinn in der Resthärte erzielt werden kann.

[0022] In Ergänzung zu den oben beschriebenen Untersuchungen wurden Bandabschnitte folgendermaßen in einer Schutzgasatmosphäre wärmebehandelt:

zwölfminütiges Glühen der Bänder in Formiergas (95 % N2, 5 % H2) bei 700 °C, Ofenabkühlung auf 200 °C,

Abkühlung auf Raumtemperatur in ruhender Laborluft.



[0023] Mit diesem Versuch wird qualitativ der Lötprozeß unter Schutzgas nachgestellt, mit dem Unterschied, daß Schwankungen durch das Fertigungsverfahren ausgeschlossen sind. Die Auswertung des Versuchs umfaßt die Beurteilung der Bänder hinsichtlich ihrer Oberflächenverfärbung und ihres Gefüges. Aus folgender Tabelle geht hervor, daß das Anlaufverhalten der Legierungen in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung mit dem der üblichen Phosphor-Bronzen vergleichbar ist. Bei hohen Fe-Gehalten ist die Verfärbung sogar geringer als bei den gängigen CuSn-Legierungen. In diesem Fall ist eine schönende Nachbehandlung der Oberflächen in der Nähe der Lötnaht nur in verringertem Umfang oder gar nicht notwendig.
Legierung Veränderung der Oberflächenfarbe nach der beschriebenen Wärmebehandlung im Vergleich zum ungeglühten Ausgangszustand
1* deutliche Verfärbung
2* schwache Verfärbung
3* schwache Verfärbung
4* schwache Verfärbung
5 deutliche Verfärbung (abblätternde Zunderschicht)
6* schwache Verfärbung
7* schwache Verfärbung
8* schwache Verfärbung
9 sehr starke Verfärbung
10 sehr starke Verfärbung
11 sehr starke Verfärbung
12 deutliche Verfärbung


[0024] Die Mikrostruktur der erfindungsgemäßen Legierungen ist nach oben genannter Wärmebehandlung wie folgt zu charakterisieren: Das Gefüge ist frei von Oxiden, obwohl wie nach dem Stand der Technik gemein hin als notwendig angesehen wird kein Phosphor legiert wurde. Es können nur Ausscheidungen nachgewiesen werden, in denen die erfindungsgemäßen Legierungselemente Fe bzw. Sn angereichert sind. Die mittleren Korngrößen betragen in den erfindungsgemäßen Legierungen nach obiger Wärmebehandlung nur ca. 25 µm. Dies ist auf die kornfeinende Wirkung des Fe zurückzuführen. Falls gewünscht, ist es auch möglich die erfindungsgemäßen Legierungen nach dem Fügen umzuformen, ohne daß auf der Bauteiloberfläche Rauhigkeiten entstehen, wie man dies von Zinnbronze-Legierungen nach dem Stand der Technik kennt.

[0025] Für die Gesamtbewertung der untersuchten Legierungen ergibt sich folgende Übersicht:
Legierung Gefüge in WEZ und Grundmaterial Qualität Hartlötung Resthärte HV(300 s) im Vergleich zu Leg. 12 Verringg. d. Härteabfalles v. 60 bis 300s gegen Leg. 12 Verfärbung der Oberfläche nach Wärmebehandlung in Schutzgasatmosphäre Relative Gesamteignung gegenüber Leg. 12
1* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 8 % 31 % deutlich (50 %) 39 %Pkte
2* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 48 % 38 % schwach (100 %) 136 %Pkte
3* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 52 % 44 % schwach (100 %) 146 %Pkte
4* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 75 % 56 % schwach (100 %) 181 %Pkte
5 in Ordnung (=100%) mäßig (=50%) 40% 75 % deutlich (100 %) 115 %Pkte
6* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 37 % 75 % schwach (100 %) 162 %Pkte
7* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 51 % 75 % schwach (100 %) 176 %Pkte
8* in Ordnung (=100%) gut (=100%) 52 % 88 % schwach (100 %) 190 %Pkte
9 in Ordnung (=100%) nicht brauchbar (0%) 12 % 81 % stark (0 %) nicht brauchbar
10 in Ordnung (=100%) nicht brauchbar (0%) 30 % 88 % stark (0 %) nicht brauchbar
11 in Ordnung (=100%) nicht brauchbar (0%) 59 % 63 % stark (0 %) nicht brauchbar
12 in Ordnung (=100%) gut (=100%) 0 % 0 % deutlich (50 %) 0 %Pkte
(*: Legierung erfindungsgemäß)


[0026] Es wird deutlich, daß mit den erfingungsgemäßen Legierungen ein hoher Zugewinn in der Gesamteignung erzielt wird. Der Zugewinn mißt sich in Prozentpunkten gegenüber der Vergleichsvariante Leg. 12, die eine herkömmliche Phosphorbronze ist. Offensichtlich ist, daß mit der erfindungsgemäßen Verwendung der vorgeschlagenen Legierungen die gestellte Aufgabe hervorragend gelöst wird.


Ansprüche

1. Verwendung einer Kupfer-Zinn-Eisen-Legierung,

die aus 4 bis 12 % Zinn; 0,1 bis 4 % Eisen; Rest Kupfer und üblichen Verunreinigungen besteht,

zur Herstellung von durch Wärmeeinwirkung gefügten Bauteilen, wobei wenigstens eines der zu fügenden Teile aus der Kupfer-Zinn-Eisen-Legierung besteht.


 
2. Verwendung nach Anspruch 1,
wobei bei einem Lötverfahren als gewähltem Fügeverfahren die Arbeitstemperatur des Lotes > 300 °C beträgt.
 
3. Verwendung nach Anspruch 1,
wobei zum Fügen ein Schmelzschweiß- oder ein Preßschweißverfahren eingesetzt wird.
 
4. Verwendung nach Anspruch 1, 2 oder 3

mit Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs, wie etwa Schmuck oder Bekleidungsaccessoires, als gefügten Teilen.


 
5. Verwendung nach Anspruch 1, 2 oder 3

mit Brillen bzw. Brillenteilen, wie etwa Brillenbügeln, Brillenscharnieren, Augenrandprofilen, als gefügten Teilen.


 
6. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1

mit 6 bis 10 % Zinn; 0,5 bis 2,5 % Eisen

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
7. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1

mit 7 bis 9 % Zinn; 1 bis 2 % Eisen

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
8. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1

mit 10 bis 12 % Zinn; 2,5 bis 4 % Eisen

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
9. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1 oder 6 bis 8, bei der das Eisen ganz oder teilweise durch Kobalt ersetzt ist,

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
10. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1 oder 6 bis 9, die zusätzlich Mangan und/oder Zink bis zu insgesamt 10 % enthält,

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
11. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1 oder 6 bis 10, die zusätzlich 0,01 bis 0,5 % Phosphor enthält,

für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.


 
12. Verwendung einer Kupfer-Legierung nach Anspruch 1 oder 6 bis 11, die zusätzlich bis zu 3 Volumen-% Blei und/oder intermetallische Phasen als Spanbrecher enthält, für den Zweck nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5.
 





Recherchenbericht