(19)
(11) EP 1 061 152 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
20.12.2000  Patentblatt  2000/51

(21) Anmeldenummer: 00112185.4

(22) Anmeldetag:  07.06.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7C23C 4/08
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 12.06.1999 DE 19926818

(71) Anmelder: ABB Research Ltd.
8050 Zürich (CH)

(72) Erfinder:
  • Bossmann, Hans-Peter, Dr.
    69168 Wiesloch (DE)
  • Schmutzler, Hans-Joachim, Dr.
    67487 Maikammer (DE)
  • Sommer, Marianne, Dr.
    69207 Sandhausen (DE)
  • Waschbüsch, Bettina, Dipl.-Ing.
    66571 Eppelborn (DE)

(74) Vertreter: Miller, Toivo et al
ABB Patent GmbH Postfach 10 03 51
68128 Mannheim
68128 Mannheim (DE)

   


(54) Schutzschicht für Turbinenschaufeln


(57) MCrAlY-Schutzschichten (2) weisen nach ihrer Wärmebehandlung β-, γ'- und σ-Phasen in einer γ-Matrix auf. Die Volumenanteile der einzelnen Phasen verändern sich hierbei jedoch auch nach der Wärmebehandlung. Zudem kann es auch zu einer Vergröberung bestimmter Phasen kommen. Im Gegensatz dazu kommt es bei der erfindungsgemäßen MCrAlY-Schutzschicht (2) nach der Wärmebehandlung zu keiner Veränderungen mehr, da sie aus mindestens zwei metallischen Pulvern hergestellt wird. Jedes der Pulver kann wenigstens eine Phase der Schutzschicht (2) bilden, wobei mindestens ein chemisches Element der beiden Pulver in beiden Phasen vorhanden ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Schutzschicht für Turbinenschaufeln gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruchs 1.

[0002] Turbinenschaufeln dieser Art werden in vielen Fällen aus einer Ni-Basislegierung hergestellt und zum Antrieb von Gasturbinen direkt mit heißen Verbrennungsgasen beaufschlagt. Sie sind dabei sowohl thermischen als auch mechanischen Beanspruchungen während des Betrieb der Gastrubine sowie Belastungszyklen ausgesetzt. Um die Turbinenschaufeln vor korrosiven chemischen Elementen und Verbindungen in Form von Schwefel, Ölaschen, Sauerstoff, Erdalkalien und Vanadium zu schützen, welche von den heißen Gasen mitgeführt werden, sind die Turbinenschaufeln mit einer Schutzschicht versehen. Hierfür werden MCrAlY-Schichten verwendet, wobei M stellvertretend für Ni, Co, Fe oder eine Kombination der genannten Elemente steht. Die Beschichtung wird aus einen Pulver hergestellt, das die oben genannten Metalle enthält. Die Herstellung eines solchen Pulvers erfolgt beispielsweise durch Verdüsung aus dem schmelzflüssigen Zustand, wobei die Pulverpartikel anschließend sehr schnell abgekühlt werden. Das Ausbilden der Beschichtung auf einer Turbinenschaufel erfolgt mit Luft-Plasmaspritzen, Vakuum-Plasmaspritzen, Niederdruck-Plasmaspritzen oder Hochgeschwindigkeitsflammspritzen. Die Mikrostruktur der aufgebrachten Schicht resultiert auf dem Herstellungsprozeß des Pulvers, dem Spritzprozeß, der chemischen Zusammensetzung und der Wärmebehandlung, wobei Art, Größe und Menge der Phasen nur geringfügig variiert werden können. Von Nachteil ist bei diesen bekannten Schichten, daß ihre mechanischen, thermomechanischen und physikalischen Eigenschaften durch bestimmte ungünstige Mikrostrukturen negativ beeinflußt werden. So weisen MCrAIY-Schutzschichten nach ihrer Wärmebehandlung β-, γ'-und σ-Phasen in einer γ-Matrix auf. Es läßt sich bei diesen Schichten nicht vermeiden, daß sich die Volumenanteile der einzelnen Phasen nachträglich verändern bzw. sich bestimmte Phasen durch Ostwald Reifung vergröbern, was durch langsame Prozesse der Gleichgewichtseinstellungen verursacht wird.

[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine MCrAlY-Schutzschicht für Turbinenschaufeln mit verbesserten Eigenschaften aufzuzeigen.

[0004] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst.

[0005] Bei der erfindungsgemäßen Schutzschicht werden die eingangs genannten Nachteile durch den Einsatz von speziellen Pulvermischungen vermieden. Für die Ausbildung der erfindungsgemäßen MCrAIY-Schutzschicht wird von wenigstens zwei Pulvern ausgegangen, die mit Hilfe eines thermischen Spritzprozesses so aufgetragen werden, daß auf den Begrenzungsflächen einer Turbinenschaufel ein zusammenhängender Überzug ausgebildet wird. Die beiden Pulver haben erfindungsgemäß unterschiedliche chemische Zusammensetzungen. Für die Ausbildung der erfindungsgemäßen Schutzschicht werden bevorzugt ein erstes Pulver mit einer ersten Phase und ein zweites Pulver mit einer zweiten Phase verwendet, wobei die Schutzschicht diese beiden Phasen bei der Anwendungstemperatur ebenfalls aufweist. Die Pulver werden zudem so ausgewählt, daß mindestens ein gleiches chemisches Element in beiden Pulvern enthalten ist. Beispielsweise wird ein erstes Pulver mit einer Zusammensetzung verwendet, welches die Bildung einer Ni-Basis γ-Matrix ermöglicht, während das zweite Pulver eine Zusammensetzung aufweist, aus der intermetallische Aluminid-Phasen von Ni, Fe, Pt oder Ru gebildet werden. Nach einer Wärmebehandlung weist die Schutzschicht eine Mikrostruktur mit einer Ni-Basis γ-Matrix und einer solchen β-Phase auf.

[0006] Erfindungsgemäß kann die Schutzschicht auch so ausgebildet werden, daß sie unter der Betriebstemperatur, die in einer Gasturbine auftritt, eine Mikrostruktur mit β-, γ-, γ'-Phasen aufweist. Für die Herstellung diese Schicht werden ebenfalls zwei Pulver verwendet, die beide jeweils zwei Phasen aufweisen. Dabei wird das erste Pulver so gewählt, daß seine Zusammensetzung für die Bildung einer β- und einer γ-Phase geeignet ist, wenn es der Anwendungstemperatur ausgesetzt ist. Das zweite Pulver wird so gewählt, daß seine Zusammensetzung die Bildung einer γ- und einer γ'- Phase unter den gleichen Anwendungsbedingungen ermöglicht. Nach der Wärmebehandlung der Schicht stellt sich die gewünschte dreiphasige Mikrostruktur ein.

[0007] Diese Mikrostruktur der erfindungsgemäßen MCrAIY-Schutzschicht besitzt gegenüber den bekannten Schichten dieser Art verbesserte Eigenschaften. Deshalb verändert sich die Schutzschicht nur geringfügig, wenn sie den Betriebstemperaturen einer Gasturbine ausgesetzt wird. Nachteilige Phasentransformationen beispielsweise die Ausscheidung von σ-Phasen werden in jeden Fall vermieden.

[0008] Weitere erfinderische Merkmale sind in den abhängigen Ansprüchen gekennzeichnet.

[0009] Die Erfindung wird nachfolgend an Hand von einer Zeichnung näher erläutert.

[0010] Die einzige zur Beschreibung gehörige Figur zeigt eine Turbinenschaufel 1, die mit einem Überzug 2 in Form einer MCrAlY-Schutzschicht versehen ist. M steht hierbei stellvertretend für Ni, Co, Fe oder einer Kombination dieser chemischen Elemente. Für die Ausbildung des Überzugs 2 wird ein erstes Pulver verwendet, aus dem sich eine γ-Matrix bildet. Desweiteren wird eine zweites Pulver benutzt, aus dem sich eine β-Phase bildet. Die beiden Pulver werden zusammen oder getrennt voneinander auf die Turbinenschaufel 1 aufgetragen. Die Pulver (hier nicht dargestellt) werden so ausgewählt, daß mindestens ein gleiches chemisches Element in beiden Pulvern enthalten ist. Vorzugsweise wird ein erstes Pulver verwendet, das zur Bildung einer Ni-Basis γ-Matrix die chemischen Elemente Ni, Fe, Cr, Co, und Al enthält, während das zweite Pulver zur Bildung von intermetallischen Aluminid-Phasen von Ni, Fe, Pt oder Ru die chemischen Elemente Ni, Fe, Pt, Ru und Al aufweist. Die verwendeten Pulver weisen vorzugsweise eine Teilchengröße zwischen 1 µm bis 150 µm auf. Nach einer Wärmebehandlung des Überzugs 2 weist dieser eine Mikrostruktur mit diesen Phasen auf.

[0011] Erfindungsgemäß kann die Schutzschicht auch so ausgebildet werden, daß sie unter der Betriebstemperatur, die in einer Gasturbine auftritt, eine Mikrostruktur mit β-, γ-, γ'-Phasen aufweist. Für die Herstellung diese Schicht werden ebenfalls zwei Pulver verwendet, die beide jeweils zwei Phasen bilden. Dabei wird das erste Pulver so gewählt, daß seine Zusammensetzung für die Bildung einer β- und einer γ-Phase geeignet ist, wenn es der Anwendungstemperatur ausgesetzt ist. Das zweite Pulver wird so gewählt, daß seine Zusammensetzung die Bildung einer γ- und einer γ'- Phase unter den gleichen Anwendungsbedingungen ermöglicht. Nach der Wärmebehandlung der Schicht stellt sich die gewünschte dreiphasige Mikrostruktur ein.


Ansprüche

1. MCrAlY-Schutzschicht für Turbinenschaufeln (1), dadurch gekennzeichnet, daß auf die Begrenzungsflächen (1B) der Turbinenschaufel (1) ein Überzug (2) aus mindestens zwei metallischen Pulvern verschiedener Zusammensetzungen aufgetragen ist, und daß mindestens ein gleiches chemisches Element in beiden Pulvern enthalten ist.
 
2. Schutzschicht nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Pulver eine Zusammensetzung für die Bildung einer ersten Phase und das zweite Pulver eine Zusammensetzung für die Bildung einer zweiten Phase aufweist, welche der Überzug (2) bei der Betriebstemperatur einer Gasturbine besitzt.
 
3. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Pulver die chemischen Elemente Ni, Fe, Cr, Co, Al und das zweite Pulver die chemischen Elemente Ni, Fe, Pt, Ru und Al enthält.
 
4. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Überzug (2) eine Ni-Basis γ-Matrix und intermetallische Aluminid-Phasen von Ni, Fe, Pt oder Ru aufweist.
 
5. Schutzschicht nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das erste Pulver eine Zusammensetzung für die Bildung einer β- und einer γ-Phase und das zweite Pulver eine Zusammensetzung für die Bildung einer γ- und einer γ'- Phase aufweist, und daß der Überzug (2) unter Anwendungsbedingungen eine dreiphasige Mikrostruktur mit β-, γ-, γ'-Phasen hat.
 
6. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die beiden Pulver zur Ausbildung des Überzugs (2) gemeinsam oder voneinander getrennt aufgebracht sind.
 
7. Schutzschicht nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Teilchengröße der beiden Pulver 1 µm bis 150 µm beträgt.
 




Zeichnung







Recherchenbericht