[0001] Die Methode des Innendruckumformens von hohlen, insbesondere rohrförmigen, Werkstücken
innerhalb eines geschlossenen Werkzeugs ist sowohl bei dem Werkstoff Stahl als auch
bei Nichteisenmetallen bekannt. Das in die Werkstücke eingebrachte Druckfluid besteht
hierbei aus Wasser oder einer Wasseremulsion. Die Umformung des Werkstücks erfolgt
bei Raumtemperatur.
[0002] Im bekannten Fall ist es nachteilig, dass eine Formänderung der metallischen Werkstoffe
bei komplexen Umformschritten nur mit einem hohen technischen Aufwand möglich ist.
Insbesondere bei Werkstoffen mit einer geringen plastischen Dehnung, wie z.B. Aluminium,
ist dann ein mehrfaches Zwischenglühen unabdingbar. Jede Zwischenglühung beeinflusst
indessen ein metallisches Gefüge. Darüberhinaus besteht bei metallischen Werkstoffen
wie Aluminium, die keine Gefügeumwandlung vollziehen, bei Zwischenglühungen die Gefahr
der Versprödung. Ihre Funktion im späteren praktischen Einsatz kann daher erheblich
beeinträchtigt sein.
[0003] Im Umfang der EP 0 785 036 A1 ist es bekannt, heißen Sand in ein Werkstück einzubringen
und dieses umzuformen. Hierbei werden vor dem Umformen sowohl das Werkstück als auch
das Werkzeug erwärmt. Während der Umformung wird die Temperatur des Werkzeugs und
des Werkstücks aufrecht erhalten.
[0004] Das Innendruckumformen mittels Sand verlangt jedoch ein spezielles Handling. Geringe
Radien sind, wenn überhaupt, nur mit einem erheblichen Aufwand erzielbar. Auch ist
ein einseitiges Ausformen, z.B. einen Dom, nur schwer durchführbar. Ferner gibt es
erhebliche Probleme beim Abdichten sowie in Bezug auf die Standzeit des Werkzeugs.
Eine hochwertige Qualität der inneren Oberfläche kann im Prinzip mit Sand nicht erzielt
werden. Auch dieser Sachverhalt bedingt einen außerordentlich hohen kostenträchtigen
Aufwand, der die Wirtschaftlichkeit des bekannten Verfahrens in Frage stellt.
[0005] Der Erfindung liegt ausgehend vom Stand der Technik die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
und eine Vorrichtung zum Innendruckumformen eines hohlen metallischen Werkstücks zu
schaffen, bei denen mit geringen Innendrücken und Umformungskräften bei deutlich verringertem
konstruktiven Aufwand eine hohe innere und äußere Oberflächenqualität erzielt werden
kann.
[0006] Was die Lösung des verfahrensmäßigen Teils dieser Aufgabe betrifft, so wird diese
in den Merkmalen des Anspruchs 1 gesehen.
[0007] Die Erfindung hat erkannt, dass durch eine Erwärmung des umzuformenden Werkstücks
sowie eine Beheizung des Werkzeugs eine deutliche Steigerung der Formänderung des
Werkstücks bei gleichzeitiger merklicher Reduzierung der Umformkräfte zu verzeichnen
ist. Hierbei werden die Temperaturen zweckmäßig so eingestellt, dass über das gesamte
Formnest im Werkzeug gesehen ein gleichmaßiges Temperaturprofil sichergestellt wird.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung wird darin erblickt, dass sowohl die Zuhaltekräfte
für das Werkzeug als auch die Schließkräfte an den Enden des Werkstücks deutlich reduziert
werden. Auch kann das Werkzeug insgesamt wesentlich einfacher gestaltet werden.
[0008] Die Erwärmung des Druckfluids kann außerhalb des Werkzeugs erfolgen. In der Regel
genügt jedoch die Werkzeugbeheizung, um das Druckfluid auf die notwendige Betriebstemperatur
zu bringen, wenn das Druckfluid über entsprechende Kanäle im Werkzeug in das Werkstück
geleitet wird.
[0009] Auch die zum leichteren Umformen des Werkstücks erforderliche Temperatur kann über
die Beheizung des Werkzeugs erzielt werden. Eine vorteilhafte Ausführungsform, insbesondere
in der Serienfertigung, besteht gemäß Anspruch 2 aber darin, dass das Werkstück vor
dein Einbringen in das Werkzeug auf die zweckmäßige Temperatur gebracht wird.
[0010] Die Erwärmung des Werkstücks kann in verschiedener Weise durchgeführt werden. Vorteilhaft
ist jedoch gemäß Anspruch 3, dass das Werkstück in einem Ofen extern auf die notwendige
Temperatur gebracht wird.
[0011] Der Umformprozess kann nach der Erfindung in einem reinen Aufweiten eines Werkstücks
im geschlossenen Werkzeug bestehen oder gemäß Anspruch 4 mit einem zusätzlichen Verlagern
zumindest eines Schließdorns gekoppelt sein. Diese Methode wird insbesondere bei komplexen
Konfigurationen angewandt, z.B. dann, wenn im Verlauf des Werkstücks eine seitliche
Ausformung in Form eines sogenannten Doms erzeugt werden soll und Material nachgeschoben
werden muss. Hier wird außerdem im Bereich des Doms meistens eine weitere axial verlagerbare
Gegenkraft in Form eines hydraulisch beeinflussbaren Gegenhaltestößels im Werkzeug
vorgesehen.
[0012] Obwohl als Druckfluid beispielsweise ein schwach reaktives Öl eingesetzt werden kann,
dürfte nach der Erfindung ein gasförmiges Druckfluid zweckmäßiger sein, dessen chemische
Zusammensetzung so abgestimmt ist, dass keine Oxidation an der inneren Oberfläche
des Werkstücks stattfindet. In diesem Zusammenhang wird gemäß den Merkmalen des Anspruchs
5 Stickstoff als Druckfluid als besonders wirtschaftliche Variante angesehen. Stickstoff
führt keine chemischen Veränderungen des Werkstoffs des Werkstücks herbei und haftet
auch nicht an der inneren Oberfläche des Werkstücks. Außerdem erlaubt das Druckfluid
Stickstoff, und zwar in Form eines reinen Stickstoffs, der sich bei der in Rede stehenden
Temperatur reaktionsträge verhält, eine besonders vorteilhafte Anwendung.
[0013] Gegebenenfalls kann auch ein Mischgas aus Stickstoff und Argon oder Helium zur Anwendung
gelangen.
[0014] Eine weitere Verfahrensvariante wird in den Merkmalen des Anspruchs 6 gesehen. Danach
besteht das Druckfluid aus reiner Luft.
[0015] Die angestrebte Plastizität des Werkstücks zur Verringerung sowohl des Innendrucks
im Werkstück als auch der Umformkräfte wird nach Anspruch 7 in einem Temperaturbereich
zwischen 200 °C und 400 °C erreicht. In diesem Temperaturbereich genügen Innendrück
in einer Größenordnung von 150 bar bis 500 bar. Höhere Innendrücke kommen in diesem
Bereich dann zur Anwendung, wenn die umzuformenden Werkstücke z.B. größere Wanddicken
aufweisen.
[0016] Bevorzugt wird die Umformung des Werkstücks jedoch in einem Temperaturbereich zwischen
250 °C und 350 °C vorgenommen (Anspruch 8). Die dann bevorzugten Innendrücke bewegen
sich zwischen 180 bar und 250 bar.
[0017] Von ganz besonderem Vorteil ist es im Rahmen der Erfindung, wenn nach Anspruch 9
ein Werkstück aus Aluminium oder aus einer Aluminiumlegierung umgeformt wird. Bei
Aluminium nimmt nämlich das Formänderungsvermögen mit wachsender Temperatur bis zu
einem bestimmten Grad zu, bevor eine Rekristallisation einsetzt. Gleichzeitig sinkt
die Plastizitätsgrenze auf einen kleineren Spannungswert ab. In diesem Zusammenhang
erweist es sich als wirtschaftlich sehr interessant, dass ein Zwischenglühen bei einem
Werkstück aus Aluminium, insbesondere dann, wenn ein bereits mindestens teilweise
umgeformtes Werkstück weiter umgeformt werden soll, komplett entfallen kann. Es ist
nach einer Vorabumformung kein mehrstündiges Verhalten auf Glühtemperatur erforderlich,
um das Material wieder in einen plastifizierbaren Zustand zurückzubringen.
[0018] Was den vorrichtungsmäßigen Teil der der Erfindung zugrundeliegenden Aufgabe anlangt,
so wird dessen Lösung in den Merkmalen des Anspruchs 10 gesehen.
[0019] Aufgrund dieser Merkmale können die erforderlichen Umformkräfte so weit gesenkt werden,
dass nicht nur einfache Verschlussmechanismen für das Werkzeug und zum Verschließen
der Enden des Werkstücks ausreichen, auch insgesamt kann das Werkzeug deutlich einfacher
gestaltet werden. Interne Versuche haben ergeben, dass die Zuhaltekräfte des Werkzeugs
im Vergleich zu den bislang bei hohen Drücken und Raumtemperaturen notwendigen Kräften
um mehr als die Hälfte reduziert werden können. Grund ist der vergleichsweise geringe
Innendruck, um den sich quasi im plastischen Zustand befindlichen Werkstoff des Werkstücks
entsprechend dem vorgegebenen Formnest umzuformen. Darüberhinaus können auch bei der
Realisierung komplexer Konturen an einem vorgeformten hohlen metallischen Werkstück,
insbesondere aus Aluminium oder einer Aluminiumlegierung, die dann erforderlichen
axialen Nachschiebekräfte über die Schließdorne an den Enden des Werkstücks deutlich
gesenkt werden. Hierbei ist es selbstverständlich, dass die Abstimmung der Parameter
Umformtemperatur, axiale Nachschiebekraft und Komplexizität des Werkstücks aufeinander
abgestimmt werden, und zwar unter zusätzlicher Berücksichtigung der Wanddicken und
der offenen Durchmesser des Werkstücks sowie des jeweiligen Werkstoffs. Insgesamt
kann das Werkzeug kostengünstiger bereit gestellt werden.
[0020] Das Druckfluid kann reiner Stickstoff sein. Denkbar ist auch ein Mischgas aus Stickstoff
und Argon oder Helium. Des Weiteren ist es denkbar, dass das Druckfluid aus Luft gebildet
wird.
[0021] Die Beheizung des Werkzeugs kann auf verschiedene Art und Weise erfolgen. Von Vorteil
dürfte eine elektrische Beheizung sein. Bevorzugt ist nach Anspruch 11 das Werkzeug
mit einer kapazitiven oder induktiven elektrischen Heizung versehen.
[0022] Die Erfindung ist nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0023] Mit 1 ist ein schematisch veranschaulichtes Werkzeug zum Innendruckumformen eines
hohlen metallischen Werkstücks 2, insbesondere eines Aluminiumrohrs aus AlMg3, bezeichnet.
Das S-förmig vorgeformte Werkstück 2 soll im Werkzeug 1 seine endgültige S-förmige
Kontur mit einem seitlichen Dom 3 im mittleren Übergangsabschnitt 4 erhalten. Dazu
ist im Werkzeug 1 ein entsprechend gestaltetes Formnest 5 vorgesehen.
[0024] Das Werkzeug 1 ist sowohl im dargestellten Untergesenk 6 als auch im nicht näher
dargestellten Obergesenk mit einer Heizung 7 versehen, die beim Ausführungsbeispiel
als elektrische Heizspirale veranschaulicht ist.
[0025] Dem Werkzeug 1 sind zu beiden Stirnseiten des Werkstücks 2 hydraulisch beaufschlagbare
Schließzylinder 8, 9 mit axial verlagerbaren Schließdornen 10, 11 zugeordnet. Von
diesen Schließdornen 10, 11 ist der Schließdorn 11 mit einem Längskanal 12 versehen,
an den eine Zuleitung 13 zur Zuführung eines aus reinem Stickstoff bestehenden Druckfluids
14 angeschlossen ist. Die Zuleitung 13 ist über ein Regelventil 15 mit Druckanzeige
16 geführt.
[0026] Beide Schließdorne 10, 11 dienen der Abdichtung der Enden 17 des Werkstücks 2 sowie
der Einleitung axialer Nachschiebekräfte, falls diese zur Ausbildung des Doms 3 erforderlich
sind.
[0027] Zwecks Fertigung des Dorns 3 ist dem Werkzeug 1 noch ein Gegenhaltestößel 18 als
Bestandteil eines hydraulisch beaufschlagbaren Zylinders 19 zugeordnet.
[0028] Bei der Innendruckumformung des Werkstücks 2 wird parallel zu der Aufheizung des
Formnests 5 im Werkzeug 1 das Werkstück 2 in einem nicht näher dargestellten Ofen
extern auf eine Temperatur zwischen 250 °C und 350 °C gebracht. Dieselbe Temperatur
hat auch das Werkzeug 1.
[0029] Das derart vorab erwärmte Werkstück 2 wird dann in das Formnest 5 gelegt und anschließend
werden die Schließdorne 10, 11 in die Enden 17 des Werkstücks 2 dichtend eingefahren.
Das Werkzeug 1 kann gleichzeitig mit dem Einfahren der Schließdorne 10, 11 in die
Enden 17 geschlossen werden oder es kann vorher verschlossen werden.
[0030] Im Anschluss daran wird über die Zuleitung 13 das Druckfluid 14 druckgeregelt in
das Werkstück 2 eingeführt und dadurch sein plastifizierter Werkstoff in das Formnest
5 gepresst.
[0031] Der hierbei notwendige Innendruck kann über das Regelventil 15 einwandfrei in Abhängigkeit
von der jeweiligen Aufwärmtemperatur des Werkstücks 2 und der Heiztemperatur des Werkzeugs
1 gesteuert werden.
[0032] Das Druckfluid 14 kann vor dem Zuführen zum Schließdorn 11 erwärmt werden. Da jedoch
auch der Schließdorn 11 über das Werkzeug 1 mit erwärmt wird, genügt die dann vom
Werkzeug 1 auf den Schließdorn 11 und vom Schließdorn 11 auf das Druckfluid 14 im
Längskanal 12 übertragene Wärme, um sich dem Temperaturniveau von Werkstück 2 und
Werkzeug 1 anzupassen.
Bezugszeichenaufstellung
[0033]
- 1 -
- Werkzeug
- 2 -
- Werkstück
- 3 -
- Dom an 2
- 4 -
- Übergangsabschnitt v. 2
- 5 -
- Formnest in 1
- 6 -
- Untergesenk v. 1
- 7 -
- Heizung
- 8 -
- Schließzylinder
- 9 -
- Schließzylinder
- 10 -
- Schließdorn v. 8
- 11 -
- Schließdorn v. 9
- 12 -
- Längskanal in 11
- 13 -
- Zuleitung zu 12
- 14 -
- Druckfluid
- 15 -
- Regelventil
- 16 -
- Druckanzeige
- 17 -
- Enden v. 2
- 18 -
- Gegenhaltestößel
- 19 -
- hydr. Zylinder
1. Verfahren zum Innendruckumformen eines offene Enden (17) aufweisenden hohlen metallischen
Werkstücks (2) in einem Formnest (5) eines mehrteiligen Werkzeugs (1), bei welchem
das Werkstück (2) in das vorab aufgeheizte offene Werkzeug (1) gelegt und danach in
seine Enden (17) Bestandteile von Schließzylindern (8, 9) bildende Schließdorne (10,
11) dichtend eingeführt werden sowie das Werkzeug (1) geschlossen wird, worauf über
mindestens einen Schließdorn (11) ein erwärmtes Druckfluid (14) in das nun warme plastifizierte
Werkstück (2) eingeleitet und unter dem Einfluss des Druckfluids (14) der Werkstoff
des Werkstücks (2) in das Formnest (5) im Werkzeug (1) gepresst wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem das Werkstück (2) vor dem Einbringen in das
Werkzeug (1) erwärmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei welchem das Werkstück (2) extern in einem Ofen
erwärmt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei welchem beim Einleiten des Druckfluids
(14) mindestens ein Schließdorn (11) in das Werkstück (2) verlagert wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei welchem als Druckfluid (14) Stickstoff
verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei welchem als Druckfluid (14) Luft verwendet
wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei welchem die Umformung des Werkstücks
(2) in einem Temperaturbereich zwischen 200 °C und 400 °C bei einem Druck zwischen
150 bar und 500 bar durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei welchem die Umformung des Werkstücks
(2) in einem Temperaturbereich zwischen 250 °C und 350 °C bei einem Druck zwischen
180 bar und 250 bar durchgeführt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei welchem ein Werkstück (2) aus Aluminium
oder aus einer Aluminiumlegierung umgeformt wird.
10. Vorrichtung zum Innendruckumformen eines offene Enden (17) aufweisenden hohlen metallischen
Werkstücks (2), welche ein mehrteiliges Werkzeug (1) mit einem Formnest (5) für das
Werkstück (2) und mit in die Enden (17) verfahrbaren Schließdornen (10, 11) als Bestandteile
von hydraulisch beaufschlagbaren Schließzylindern (8, 9) umfasst, wobei das Werkzeug
(1) mindestens hinsichtlich des Formnests (5) beheizbar ist, und bei welcher über
mindestens einen Schließdorn (11) ein erwärmtes Druckfluid (14) in das gegebenenfalls
vorab erwärmte Werkstück (2) einführbar ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, bei welcher das Werkzeug (1) mit einer kapazitiven oder
induktiven elektrischen Heizung (7) versehen ist.