[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Planieren von Metallbändern, insbesondere
zum Beseitigen von Welligkeiten und Bandsäbeln, beim Walzen und/oder Richten und/oder
Zugrecken des jeweiligen Metallbandes unter vorgegebenem Bandzug. - Walzen meint Kaltwalzen
und Dressier- bzw. Nachwalzen. Unter Richten ist beispielsweise das Vielrollenrichten
oder Streckbiegerichten zu verstehen. Außerdem umfaßt die Erfindung das Planieren
von Blechen und Tafeln aus Metall.
[0002] Mit den bekannten Verfahren zum Planieren von Metallbändern durch Walzen, Richten
und/oder Zugrecken lassen sich insbesondere Welligkeiten oder Bandsäbel kaum vollständig
beseitigen, so daß eine ideale Planlage nur selten erreicht wird. Ideale Planlage
meint, daß alle Bandstreifen über die Bandbreite gleich lang sind, wenn das Band unbelastet
ist und die Temperatur im Band konstant ist. Unplanheiten, die nicht auf Längenunterschieden
einzelner Bandstreifen, sondern auf Restbiegemomenten beruhen, wie z. B. Krümmungen
in Längs- und/oder Querrichtung (Coilset bzw. Crossbow) sollen an dieser Stelle unberücksichtigt
bleiben. Ebenso werden auch Sekundäreffekte aufgrund ungleichmäßig in der Bandebene
verteilter Querspannungen hier nicht behandelt. Die Restwelligkeiten nach dem Kaltwalzen
betragen typischerweise bis zu 100 I-Units, nach dem Dressier- bzw. Nachwalzen bis
zu 30 I-Units und nach dem Richten bis zu 10 I-Units. Dabei entspricht eine I-Unit
einem Längenunterschied zweier Bandstreifen im Metallband von 10 µm/m. Die Planlage
ist z. B. off-line auf Planheitsmeßtischen oder on-line mit Planheitsmeßrollen meßbar.
Durch moderne Walztechnologien mit Stellgliedern zur Verbesserung der Planlage (Walzenbiegung
oder Walzenaxialverschiebung) wird die Planheit der Bänder über Planheitsregelungen
weiter verbessert. Eine ideale Planlage bzw. eine nahezu ideale Planlage ist jedoch
nach wie vor nicht erreichbar.
[0003] Im übrigen ist es beim Walzen von Metallbändern bekannt, zum Verbessern der Planheit
die Walzspaltgeometrie über die Breite der Walzen zu verändern, indem eine zonenweise
thermische Beeinflussung über eine Mehrzahl von im Walzbereich angeordneten Heizelementen
erfolgt. In diesem Zusammenhang wird auch die Möglichkeit beschrieben, das Metallband
selbst durch Zuführung von Wärmeenergie zu beeinflussen, so daß durch Wärmedehnungen
dickere Metallbandlängszonen entstehen, die stärker als die übrigen Längszonen beim
Walzvorgang beeinflußt werden (vgl. DE 27 43 130). Durch diese Maßnahmen sind jedoch
die Probleme, die sich im Zuge des Beseitigens von Welligkeiten und Bandsäbeln ergeben,
nicht maßgebend beeinflußt worden.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs beschriebenen
Art derart weiterzubilden, daß sich die Planheit des Metallbandes auf einfache und
zugleich kostengünstige Weise verbessern läßt und insbesondere Welligkeiten und/oder
Bandsäbel nahezu vollständig unterdrückt werden.
[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe lehrt die Erfindung ein Verfahren zum Planieren von Metallbändern,
insbesondere zum Beseitigen von Welligkeiten und Bandsäbeln, beim Walzen und/oder
Richten und/oder Zugrecken des jeweiligen Metallbandes unter vorgegebenem Bandzug,
wobei
- das Metallband mit einem über die Bandbreite veränderbaren Planiergrad um ein vorgegebenes
Maß plastisch verformt wird,
- in dem Metallband durch zonenweises Erwärmen oder Abkühlen ein über die Bandbreite
und ggf. vorgegebene Bandlänge veränderbares Temperaturprofil zur Beeinflussung der
Zugspannungsverteilung erzeugt wird,
- und der Planiergrad durch die Veränderung der Zugspannungsverteilung eingestellt wird.
[0006] Dabei kann das Temperaturprofil vor dem Walzen und/oder Richten und/oder Zugrecken
des Metallbandes erzeugt werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß das Temperaturprofil
nach dem Walzen und/oder Richten und/oder Zugrecken des Metallbandes erzeugt wird.
- Die Erfindung geht zunächst von der Erkenntnis aus, daß die zonenweise Erwärmung
des Metallbandes durch die thermische Ausdehnung nicht nur zu einer Änderung der Dicke
des Metallbandes sondern vor allem zu einer Änderung der Zugspannungsverteilung im
Metallband führt. So läßt sich beispielsweise durch lokale Erwärmung die Zugspannung
lokal verringern. Da aber ein Zusammenhang zwischen dem Planiergrad (z. B. dem Dressiergrad
oder Streckgrad) und der Zugspannung besteht, läßt sich der Planiergrad über die Bandbreite
gezielt manipulleren.
[0007] Der Erfindungsgedanke soll im folgenden am Beispiel des Dressierwalzens erläutert
werden. Ein Metallband mit Welligkeiten im Randbereich weist im Randbereich regelmäßig
eine erhöhte plastische Dehnung auf, während in der Bandmitte die plastische Dehnung
allenfalls gering oder gar nicht vorhanden ist. Im Zuge des Dressierwalzens wird das
Band über die Bandbreite plastisch gelängt, und zwar mit einem über die Bandbreite
veränderlichen Dressiergrad. So erfolgt z. B. in der Bandmitte eine stärkere plastische
Längung, während in den Randbereichen mit großer plastischer Dehnung eine geringere
oder gar keine plastische Längung erfolgt. Die Differenz zwischen plastischer Dehnung
im Randbereich und in der Bandmitte nimmt durch das Dressierwalzen folglich ab, so
daß die Welligkeiten verringert werden. Eine über die gesamte Bandbreite konstante
plastische Dehnung läßt sich aber nicht erreichen, weil sich der Dressiergrad mit
den bekannten mechanischen Mitteln nicht beliebig einstellen läßt. Hier setzt nun
die Erfindung ein. Werden beispielsweise die Randbereiche stärker erwärmt als die
Bandmitte, so nimmt die Zugspannung in den Randbereichen ab. Der Dressiergrad steigt
aber bei konstanter Walzkraft mit zunehmender Zugspannung an. Daraus ergibt sich unmittelbar,
daß der Dressiergrad in den erwärmten Randbereichen abnimmt. Dementsprechend läßt
sich eine Verteilung des Dressiergrades über die Bandbreite erzeugen, die mit lediglich
mechanischen Mitteln nicht erreichbar ist. Folglich werden die Welligkeiten weiter
verringert. Weitere Einzelheiten sind in der Figurenbeschreibung aufgeführt. Die am
Beispiel des Dressierwalzens erläuterte Erfindung läßt sich ohne weiteres auch beim
Streckbiegerichten oder Zugrecken verwirklichen, denn auch hier hängt die plastische
Verlängerung bzw. der Streckgrad von der Zugspannung ab.
[0008] Im Rahmen der Erfindung kann das Temperaturprofil auch vor dem Aufwickeln des Metallbandes
erzeugt werden. Dieses ist insbesondere bei Metallbändern aus Legierungen mit Tendenz
zum Kriechen und z. B. positivem Dickenprofil zweckmäßig. Wird ein solches Band unter
Zug aufgewickelt, so konzentriert sich der Zug auf die Bandmitte. Im aufgewickelten
Coil entstehen - bei herkömmlichen Methoden - hohe Tangential- und Radialspannungen,
welche die Kriech-Streck-Grenze überschreiten können. Werden die Bänder einige Zeit
später wieder abgewickelt, sind sie mit Mittenschüsseln behaftet. Wird nun vor dem
Aufwickeln das Band in der Mitte erwärmt oder an den Rändern abgekühlt, so wird die
Zugspannung in der Bandmitte und somit die Bandspannung im Coil reduziert.
[0009] Nach bevorzugter Ausführungsform wird die Temperaturverteilung des Metallbandes einlaufseitig
oder auslaufseitig über die Bandbreite gemessen. Das in dem Metallband zu erzeugende
Temperaturprofil wird in Abhängigkeit von der gemessenen Temperaturverteilung gesteuert
oder geregelt. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß die Temperaturverteilung im
Metallband auch tatsächlich der gewünschten Temperaturverteilung entspricht. Folglich
läßt sich die Planheit des Metallbandes durch die Steuerung oder Regelung weiter verbessern.
Dabei kann eine traversierende Temperaturmessung über die Bandbreite vorgenommen werden.
In zweckmäßiger Weise wird die einlaufseitige oder auslaufseitige Messung der Temperaturverteilung
zur Soll-Ist-Kontrolle der Planheitsregelung nahe an einer Planheitsmeßstelle, z.
B. einer Planheitsmeßrolle oder berührungslos mittels eines oder mehrerer traversierender
Pyrometer vorgenommen.
[0010] Nach bevorzugter Weiterbildung wird das Temperaturprofil nach dem Walzen und/oder
Richten und/oder Zugrecken durch zonenweises Abkühlen oder Erwärmen des Metallbandes
vergleichmäßigt. Demzufolge kann ein planes Band aufgewickelt werden.
[0011] Nach einem weiteren Vorschlag der Erfindung werden eine oder mehrere das Metallband
kontaktierende Walzen und/oder Rollen zum Konstanthalten der Walzentemperatur und/oder
Rollentemperatur über die Bandbreite erwärmt oder gekühlt. Auf diese Weise wird verhindert,
daß sich auf den Walzen bzw. Rollen ein inhomogenes Temperaturprofil einstellt, welches
zu einer veränderten Walzspaltgeometrie führen würde. In diesem Zusammenhang wird
nochmals darauf hingewiesen, daß es bei dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht darum
geht, durch lokale Erwärmung des Metallbandes die Walzspaltgeometrie zu beeinflussen.
Vielmehr wird durch die Erwärmung bzw. Abkühlung die Spannungsverteilung im Metallband
und damit der Planiergrad beeinflußt.
[0012] Im übrigen wird noch darauf hingewiesen, daß das Walzen oder Richten auch ohne Bandzug
erfolgen kann, z. B. bei Tafeln oder Blechen, bei welchen die mittlere Zugspannung
0 ist. - Das zonenweise Erwärmen des Metallbandes erfolgt bevorzugt berührungsfrei,
beispielsweise induktiv.
[0013] Im folgenden wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- ausschnittsweise eine Bandbehandlungsanlage zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens,
- Fig. 2 und 3
- die Dehnungsverteilungen in einem Metallband mit über die Bandbreite konstanter Bandtemperatur
vor dem Walzen,
- Fig. 4 und 5
- die Dehnungsverteilungen in einem Metallband mit über die Bandbreite konstanter Bandtemperatur
nach dem Walzen,
- Fig. 6 und 7
- die Dehnungsverteilungen in einem Metallband mit einem über die Bandbreite veränderbaren
Temperaturprofil vor dem Walzen,
- Fig. 8 und 9
- die Dehnungsverteilungen in dem Metallband gemäß Fig. 5 und 6 nach dem Walzen,
- Fig. 10
- die Abhängigkeit des Dressiergrades von der Zugspannung bei konstanter Walzkraft,
- Fig. 11
- die Abhängigkeit des Streckgrades von der Zugspannung beim Streckbiegerichten oder
Zugrecken.
[0014] In Fig. 1 ist ausschnittsweise eine Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens zum Planieren von Metallbändern dargestellt. Mit dieser Vorrichtung lassen
sich insbesondere Welligkeiten und Bandsäbel im Zuge des Dressierwalzens unter Bandzug
beseitigen. Dazu durchläuft das Metallband 1 ein Dressiergerüst 2, wobei das Metallband
1 in dem Dressiergerüst 2 mit einem über die Bandbreite veränderbaren Dressiergrad
um ein vorgegebenes Maß plastisch verformt wird. In dem Metallband 1 wird durch zonenweises
Erwärmen bzw. Abkühlen ein über die Bandbreite veränderbares Temperaturprofil zur
Beeinflussung der Zugspannungsverteilung erzeugt. Dazu sind mehrere über die Bandbreite
verteilte Heizelemente 3 vorgesehen. Durch das Temperaturprofil und die damit verbundene
Veränderung der Zugspannungsverteilung läßt sich der Dressiergrad gezielt manipulieren.
In Fig. 1 ist erkennbar, daß die Heizelemente 3 einlaufseitig angeordnet sind, d.
h. das Temperaturprofil wird vor dem Dressierwalzen des Metallbandes 1 erzeugt. Das
Heizen erfolgt dabei induktiv. Außerdem wird die Temperaturverteilung des Metallbandes
1 einlaufseitig über die Bandbreite gemessen. Das in dem Metallband 1 zu erzeugende
Temperaturprofil wird dann in Abhängigkeit von der gemessenen Temperaturverteilung
gesteuert oder geregelt. Dazu sind entsprechende Temperaturmeßvorrichtungen 4 vorgesehen,
die über eine Steuer- und/oder Regeleinheit 5 mit den Heizelementen 3 verbunden sind.
Im Ausführungsbeispiel wird eine traversierende Temperaturmessung über die Bandbreite
vorgenommen. Dabei ist die Temperaturmeßvorrichtung 4 als traversierendes Pyrometer
ausgebildet. Zur Soll-Ist-Kontrolle der Planheitsregelung kann die Messung der Temperaturverteilung
aber auch nahe einer Planheitsmeßstelle 6, z. B. einer Planheitsmeßrolle 6 erfolgen.
Nach dem Dressierwalzen wird das Temperaturprofil durch zonenweises Abkühlen bzw.
Erwärmen des Metallbandes wieder vergleichmäßigt. Dazu sind auslaufseitig weitere
Heizelemente 7 vorgesehen, die wiederum über eine Steuer- und/oder Regeleinheit 8
mit einer Temperaturmeßvorrichtung 9 verbunden sind. Schließlich zeigt Fig. 1, daß
mehrere der das Metallband 1 kontaktierenden Walzen 10 des Dressiergerüstes 2 zum
Konstanthalten der Walzentemperatur über die Bandbreite erwärmt oder gekühlt werden.
Dazu sind im Bereich der Walzen 10 des Dressiergerüstes 2 weitere Heizelemente 11
angeordnet.
[0015] Zur Verdeutlichung der Erfindung soll zunächst ein herkömmliches Verfahren zum Planieren
von Metallbändern im Zuge des Dressierwalzens bei über die Breite konstanter Bandtemperatur
anhand der Fig. 2 bis 5 erläutert werden. Das zu planierende Metallband hat zunächst
vor dem Walzen ausgeprägte Randwellen, d. h. die plastische Dehnung ist im Randbereich
des Bandes größer als in der Bandmitte. Dazu wird auf Fig. 2 verwiesen, die die Verteilung
der (relativen) plastischen Dehnung Δε
pl,o(y) über die Bandbreite B vor dem Walzen zeigt. Da das Metallband unter Zug durch
das Dressiergerüst läuft, ergibt sich die Gesamtdehnung ε
ges,o(y) aus der Summe der plastischen Dehnung Δε
pl,o(y) und der elastischen Dehnung ε
el,o(y). Dabei ist der Bandzug so hoch, daß alle Bandstreifen unter Zugspannung stehen
und die Gesamtdehnung ε
ges,o(y) über die Bandbreite konstant ist. Deshalb ergibt sich die Verteilung der elastischen
Dehnung ε
el,o(y) über die Bandbreite unmittelbar aus der Verteilung der plastischen Dehnung Δε
pl,o(y) (vgl. Fig. 3). Die mittlere Zugdehnung
Z im Metallband ergibt sich aus dem Bandzug F
Z, der Bandbreite B und der Banddicke S:

wobei E das Elastizitätsmodul ist.
[0016] Läuft das Metallband nun in das Dressiergerüst ein, so wird das Metallband durch
das Dressierwalzen über die Breite plastisch gemäß dem Dressiergrad ε
D(y) gelängt. Die Verteilung des Dressiergrades ε
D(y) über die Bandbreite ist Fig. 4 zu entnehmen. In Fig. 4 ist auch die ursprüngliche
plastische Dehnung Δε
pl,o (y) eingezeichnet. Das Metallband steht nach wie vor unter Zug, so daß die Gesamtdehnung
ε
ges,1(y) konstant ist:

[0017] Durch die plastische Längung im Zuge des Dressierwalzens stellt sich nun die geänderte
plastische Dehnung Δε
pl,1(y) ein, die sich unmittelbar aus der neuen Verteilung der elastischen Dehnung Δε
el,1(y) ergibt.
[0018] Fig. 4 macht deutlich, daß durch das Dressieren mit dem Dressiergrad ε
D(y) in der Bandmitte eine stärkere Längung erfolgt als in den Randbereichen. Dementsprechend
ergibt sich die neue plastische Dehnung Δε
pl,1(y) mit einem über die Bandbreite flacheren Verlauf als der der ursprünglichen plastischen
Dehnung Δε
pl,o(y). Dieses wird insbesondere aus einer vergleichenden Betrachtung der Fig. 2 und
5 deutlich. Im Ergebnis wurden die Randwellen durch das Dressierwalzen verringert,
aber nicht vollständig beseitigt. Eine vollständige Beseitigung ist mit den herkömmlichen
Verfahren deshalb nicht möglich, weil die Verteilung des Dressiergrades ε
D(y) mit mechanischen Mitteln nicht beliebig variierbar ist. Im Ausführungsbeispiel
sei angenommen, daß die Stellbereiche der Planheitsstellglieder voll ausgenutzt wurden.
[0019] Der Erfindungsgedanke wird nun anhand der Fig. 6 bis 9 näher erläutert. Dazu wird
zunächst auf die Fig. 6 verwiesen, die im linken Bereich nochmals die plastische Dehnung
Δε
pl,o(y) des zu planierenden Metallbandes zeigt. In diesem Metallband wird nun durch zonenweises
Erwärmen ein über die Bandbreite veränderbares Temperaturprofil erzeugt. Dieses Temperaturprofil
führt zu einem thermischen Dehnungsprofil ε
th,0(y), wie es im rechten Bereich der Fig. 6 dargestellt ist. Infolge der Erwärmung des
Metallbandes im Randbereich nimmt die Zugspannung σ
Z in den Randstreifen ab. Fig. 10 läßt nun erkennen, daß ein Zusammenhang zwischen
der Zugspannung σ
Z im Metallband und dem Dressiergrad ε
D besteht. So wird unmittelbar deutlich, daß der Dressiergrad ε
D mit zunehmender Zugspannung σ
Z linear ansteigt, und zwar bei konstanter Walzkraft F
W. Dementsprechend stellt sich in den erwärmten Randbereichen des Metallbandes ein
verringerter Dressiergrad ε
D ein. Der durch die neue Zugspannungsverteilung eingestellte Dressiergrad ε
D(y) ist in Fig. 8 eingezeichnet, zusammen mit der ursprünglichen plastischen Dehnung
Δε
pl,o(y) sowie der neuen elastischen Dehnung ε
el,1(y). Die resultierende plastische Dehnung Δε
pl,1(y) nach dem Dressierwalzen ergibt sich wiederum aus der Summe der ursprünglichen
plastischen Dehnung Δε
pl,o(y) und dem Dressiergrad ε
D(y). Insbesondere Fig. 9 zeigt, daß die plastische Dehnung Δε
pl,1(y) im Randbereich weiter verringert wurde, so daß die Randwelligkeiten nahezu vollständig
beseitigt worden sind. Die thermische Dehnung ε
th,1(y) nach dem Walzen entspricht in etwa der thermischen Dehnung ε
th,0(y) vor dem Walzen.
[0020] Schließlich zeigt Fig. 11, daß nicht nur der Dressiergrad ε
D, sondern auch der Streckgrad ε
st beim Streckbiegerichten oder Zugrecken von der Zugspannung σ
Z abhängt, so daß sich die vorstehenden Überlegungen ohne weiteres auf das Richten
oder Zugrecken übertragen lassen.
[0021] Eine quantitative Abschätzung zeigt, daß sich mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
Randwelligkeiten theoretisch vollständig beseitigen lassen. Dazu wird von einer Randwelligkeit
bei konstanter Bandtemperatur nach dem Walzen von 20 I-Units ausgegangen. Die mittlere
Zugspannung
Z betrage 80 MPa. Die Abhängigkeit des Dressiergrades ε
D von der Zugspannung σ
Z sei 0,1 % pro 50 MPa. Das Elastizitätsmodul E des Metallbandes betrage 200.000 MPa.
Die thermische Dehnung des Metallbandes beträgt Δε
th = 10
-5/°C. Erfolgt nun eine Erwärmung der Randstreifen um Δε
th = 5 °C, so sinkt die Zugspannung σ
Z in den Randstreifen im Vergleich zur Bandmitte durch die Erwärmung um

. Dementsprechend verringert sich der Dressiergrad ε
D am Rand des Metallbandes um 0,02 %. Das entspricht einem Wert von 20 * 10
-5 und folglich 20 I-Units im Vergleich zur Mitte. Das bedeutet, daß die Welligkeiten
im Randbereich des Metallbandes theoretisch vollständig eliminiert werden. Es ist
allerdings zu berücksichtigen, daß sich die Dicke des in den Walzspalt einlaufenden
Metallbandes im Randbereich auch um einen Faktor 5 * 10
-5 erhöht hat, so daß sich bei konstanter Walzspaltgeometrie ein geringfügig höherer
Dressiergrad ergibt. Dieser Effekt ist jedoch vernachlässigbar klein, so daß sich
mit dem erfindungsgemäßen Verfahren Welligkeiten oder Bandsäbel im Randbereich tatsächlich
nahezu vollständig eliminieren lassen.
1. Verfahren zum Planieren von Metallbändern, insbesondere zum Beseitigen von Welligkeiten
und Bandsäbeln, beim Walzen und/oder Richten und/oder Zugrecken des jeweiligen Metallbandes
unter vorgegebenem Bandzug, wobei
- das Metallband mit einem über die Bandbreite veränderbaren Planiergrad um ein vorgegebenes
Maß plastisch verformt wird,
- in dem Metallband durch zonenweises Erwärmen oder Abkühlen ein über die Bandbreite
und ggf. vorgegebene Bandlänge veränderbares Temperaturprofil zur Beeinflussung der
Zugspannungsverteilung erzeugt wird,
- und der Planiergrad durch die Veränderung der Zugspannungsverteilung eingestellt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Temperaturprofil vor dem
Walzen und/oder Richten und/oder Zugrecken des Metallbandes erzeugt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß Temperaturprofil nach dem Walzen
und/oder Richten und/oder Zugrecken des Metallbandes erzeugt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Temperaturprofil vor dem
Aufwickeln des Metallbandes erzeugt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperaturverteilung
des Metallbandes einlaufseitig oder auslaufseitig über die Bandbreite gemessen wird
und das in dem Metallband zu erzeugende Temperaturprofil in Abhängigkeit von der gemessenen
Temperaturverteilung gesteuert oder geregelt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine traversierende Temperaturmessung
über die Bandbreite vorgenommen wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß die einlaufseitige oder
auslaufseitige Messung der Temperaturverteilung zur Soll-Ist-Kontrolle der Planheitsregelung
nahe an einer Planheitsmeßstelle, z. B. einer Planheitsmeßrolle oder berührungslos
mittels eines oder mehrerer traversierender Pyrometer vorgenommen wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Temperaturprofil
nach dem Walzen und/oder Richten und/oder Zugrecken durch zonenweises Abkühlen oder
Erwärmen des Metallbandes vergleichmäßigt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß eine oder
mehrere der das Metallband kontaktierenden Walzen und/oder Rollen zum Konstanthalten
der Walzentemperatur und/oder Rollentemperatur über die Bandbreite erwärmt oder gekühlt
werden.