[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Aufwickeln eines Fadens auf
eine Spule, bei welchem der Faden von einem im wesentlichen parallel zur Spulenachse
hin- und hergehend antreibbaren Fadenführer geführt und zwischen dem Fadenführer und
dem Ablagepunkt auf der Spule ein freies Fadenstück, die sogenannte Schlepplänge,
gebildet ist, und bei welchem die Länge des Hubs des Fadenführers und die Fadenablage
beliebig variabel sind.
[0002] Bei allen heute eingesetzten Spulsystemen mit einer Einrichtung zur Fadenverlegung
ist die Schlepplänge vorhanden, die je nach verwendetem Verlegesystem sehr unterschiedlich
sein kann. Als Beispiele für moderne Spulsysteme seien die in der EP-A-0 453 622,
EP-A-0 829 444 und EP-A-0 838 422 beschriebenen Aufwickelvorrichtungen erwähnt. Bei
diesen Systemen ist zu beobachten, dass das auf der Spulenhüle abgelagerte Fadenpaket
einen kleineren Hub hat als der Fadenführer, was selbstverständlich unerwünscht ist,
weil alleine schon aus Gründen der genauen Einstellbarkeit und Reproduzierbarkeit
die genannten Hübe identisch sein sollten.
[0003] Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hubverkürzung proportional zur Schlepplänge
und zur Verlegegeschwindigkeit zunimmt. Die an sich naheliegenden Massnahmen zur Verringerung
der Hubverkürzung, nämlich Reduktion der Schlepplänge und/oder der Verlegegeschwindigkeit
können aber aus naheliegenden Gründen nicht eingesetzt werden. Denn eine Reduktion
der Verlegegeschwindigkeit würde dem allgemeinen Trend der ständigen Produktivitätssteigerung
widersprechen, und die Schlepplänge muss eine gewisse Mindestgrösse aufweisen, um
die Gefahr von Beschädigung des Fadenführers und/oder der Spule auszuschalten.
[0004] Durch die Erfindung sollen nun ein Verfahren und eine Vorrichtung angegeben werden,
durch welche die genannte Hubverkürzung kompensiert und in geeigneter Weise ausgeregelt
oder bei der Spulenherstellung bewusst eingesetzt werden kann.
[0005] Die gestellte Aufgabe wird erfindungsgemäss dadurch gelöst, dass aus einem oder mehreren
der Parameter Spulgeschwindigkeit, Fadenverlegegeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung,
Fadenführerverzögerung und Abstand zwischen Fadenführer und Spule die Hubverkürzung
auf der Spule berechnet und für eine positionsgenaue Ablage des Fadens auf der Spule
verwendet wird.
[0006] Der Hauptvorteil des erfindungsgemässen Verfahrens besteht darin, dass es eine positionsgenaue
Ablage des Fadens auf der Hülse ermöglicht, ohne dass die Schlepplänge oder die Fadenverlegegeschwindigkeit
reduziert werden müssen. Man vermeiden dadurch die Gefahr der Beschädigung der Spule
und/oder des Fadenführers und erhält einen grösseren Spielraum für die Anordnung der
mechanischen Teile. Ausserdem kann auf eine Stützwalze verzichtet werden, was bekanntlich
mit einer markanten Änderung der Schlepplänge über die Spulreise verbunden ist. Diese
Einsparung ist deswegen möglich, weil die erfindungsemässe Methode der Berechnung
der Hubverkürzung aus den genannten Parametern selbstverständlich Schwankungen der
Schlepplänge mitberücksichtigt und kompensiert.
[0007] Der Verzicht auf die Stützwalze ist besonders bei der Herstellung sogenannter Kingspools,
das sind Spulen auf Hülsen mit einseitigem, komischem Flansch, sehr vorteilhaft, weil
dann ein wesentlich kürzerer Fadenführer eingesetzt werden kann, was sich auf die
Lebensdauer des Antriebs und auf die Verlegegeschwindigkeit positiv auswirkt. Ausserdem
braucht der Abstand zwischen Hülse und Verlegeaggregat nicht an den jeweiligen Hülsendurchmesser
angepasst zu werden.
[0008] Eine erste bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens ist dadurch
gekennzeichnet, dass anhand der berechneten Hubverkürzung die Spulgeschwindigkeit
und/oder die Fadenverlegegeschwindigkeit so geregelt werden, dass ein vorgegebener
Wert oder vorgegebene Werte der Hubverkürzung resultiert beziehungsweise resultieren.
[0009] Eine zweite bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens ist dadurch
gekennzeichnet, dass anhand der berechneten Hubverkürzung die Spulgeschwindigkeit
und/oder die Fadenverlegegeschwindigkeit und/oder der Hub des Fadenführers so geregelt
werden, dass beliebige rotationssysmmetrische Spulen aufgebaut werden.
[0010] Eine dritte bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens ist dadurch
gekennzeichnet, dass zylindrische, bikonische oder konische Spulen ohne Verwendung
einer Stützwalze hergestellt werden.
[0011] Eine weitere bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemässen Verfahrens ist dadurch
gekennzeichnet, dass Kingspools oder Flanschspulen ohne Verwendung einer Stützwalze
hergestellt werden.
[0012] Die Erfindung betrifft weiter eine Vorrichtung zum Aufwickeln eines Fadens auf eine
Spule, mit einem im wesentlichen parallel zur Spulenachse hin- und hergehend antreibbaren
Fadenführer und mit einer elektronischen Steuerung, mit der insbesondere die Länge
des Hubs des Fadenführers und die Fadenablage beliebig variabel sind.
[0013] Die erfindungsgemässe Vorrichtung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerung
einen Algorithmus enthält, mit welchem aus einem oder mehreren der Parameter Spulgeschwindigkeit,
Fadenverlegegeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und
Abstand zwischen Fadenführer und Spule die Hubverkürzung auf der Spule berechenbar
und für eine positionsgenaue Ablage des Fadens auf der Spule verwendbar ist.
[0014] Mit der erfindungsgemässen Vorrichtung können ohne Stützwalzen beliebige Spulen hergestellt
werden, neben den schon erwähnten Kingspools beispielsweise zylindrische, bikonische
und konische Spulen, rotationssymmetrische Spulen jeglicher Form, auf Hülsen mit einseitigem
Konus oder doppelseitigen Konen oder mit Absätzen, und es können die bei Stufenpräzisionswicklung
auftretenden Hubänderungen bei den Geschwindigkeitssprüngen kompensiert werden. Selbstverständlich
kann der Algorithmus neben der Stufenpräzisionswicklung auch bei den anderen Wickeigesetzen
wie wilde Wicklung, Präzisionswicklung und Parallelwicklungen eingesetzt werden.
[0015] Eine erste bevorzugte Ausführungsform ist dadurch gekennzeichnet, dass aus den Parametern
Fadenführergeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und
Hublänge die Berechnung der Bahnkurve des Fadenführers erfolgt.
[0016] Eine zweite bevorzugte Ausführungsform der erfindungsgemässen Vorrichtung ist dadurch
gekennzeichnet, dass mittels der Bahnkurve des Fadenführers und der Parameter Anfangsposition
des Fadens, Abstand zwischen Fadenführer und Spule, Hülsendurchmesser und Spulgeschwindigkeit
die Berechnung des Ablagepunkts des Fadens auf der Spule erfolgt.
[0017] Im folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels und der Zeichnungen
näher erläutert; es zeigen:
Fig. 1, 2 schematische Darstellungen der Spulstelle einer Spulmaschine in zwei Ansichten;und
Fig. 3 ein Diagramm zur Funktionserläuterung.
[0018] Die in den Fig. 1 und 2 dargestellte Spulstelle besteht im wesentlichen aus einer
von einem Motor 1 antreibbaren Spindel 2 zur Aufnahme und Halterung einer Spulenhülse
3, auf die eine Spule 4, beispielsweise eine Kreuzspule, aufgewickelt wird, und aus
einer Einrichtung 5 zur Verlegung eines Fadens F, der durch ein nicht dargestelltes
Lieferwerk von einer ebenfalls nicht dargestellten Vorratsspule abgezogen und durch
einen Einlauffadenführer 6 der Fadenverlegung 5 zugeführt wird. Die Spule 4 kann längs
einer Mantellinie auf einer frei drehbaren Walze (nicht dargestellt) aufliegen, die
auf einem geeigneten Trägerteil der Spulmaschine montiert ist. Wenn eine solche Walze
verwendet wird, so ist es auf keinen Fall erforderlich, dass diese wie die Stützwalze
bei bekannten Spuleinrichtungen zwischen der Fadenverlegung 5 und der Spule 4 angeordnet
ist.
[0019] Die Fadenverlegung 5, die zur Herstellung der gewünschten Wicklung dient, enthält
als wesentlichstes Element einen von einem Motor 7 angetriebenen Fadenführer 8, der
im wesentlichen parallel zur Achse der Spule 4 eine hin- und hergehende Changierbewegung
ausführt. Spulstellen dieser Art sind beispielsweise in der EP-A-0 453 622, der EP-A-
0 829 444 und der EP-A-0 829 444 beschrieben, auf welche hiermit ausdrücklich Bezug
genommen wird.
[0020] Der Spindelmotor 1 und der Fadenführermotor 7 sind mit einer programmierbaren Steuerung
9 verbunden, welcher unter anderem die Drehzahlen der beiden Motoren 1 und 7 sowie
Signale eines Sensors für die Position des Fadenführers 8 zugeführt sind. Die Steuerung
9 enthält ausserdem die Grundprogramme für die üblichen Wickelgesetze (wilde Wicklung,
Präzisionswicklung, Stufenpräzisionswicklung, konische Wicklungen mit entsprechenden
Geschwindigkeitsprofilen) und bestimmte Parameter. In der Steuerung 9 werden daraus
die Wege, Geschwindigkeiten und Beschleunigungen für den Fadenführermotor 7 und die
Drehzahl für den Spulenmotor 1 aufgrund der jeweils zur Anwendung kommenden Wickelgesetze
berechnet und die Motoren 1 und 7 werden entsprechend angesteuert.
[0021] Die Steuerung enthält ausserdem einen Algorithmus, mit welchem aus einem oder mehreren
der Parameter Spulengeschwindigkeit, Fadenverlegegeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung,
Fadenführerverzögerung und Abstand zwischen Fadenfüher und Spule die relativ zum Hub
des Fadenführers entstehende Hubverkürzung auf der Spule berechnet und für eine positionsgenaue
Ablage des Fadens F auf der Spule 4 verwendet wird. Letzteres bedeutet, dass einige
der genannten Parameter, beispielsweise die Fadenverlegegeschwindigkeit und/oder die
Spulengeschwindigkeit so variiert werden, dass die genannte Hubverkürzung einen bestimmten,
reproduzierbaren Wert annimmt, wobei dieser Wert selbstverständlich auch gleich null
sein kann.
[0022] Das bedeutet, dass aufgrund der genauen Kenntnis des Ablagepunkte des Fadens F auf
der Spule einige der genannten Parameter so gesteuert werden können, dass die Herstellung
beliebiger rotationssymmetrischer Spulen möglich ist. Solche Spulen sind beispielsweise
zylindrische, bikonische oder konische Spulen, Kingspools oder Flanschspulen, und
zwar jeweils ohne Stützwalze. Eine weitere Möglichkeit, welche der nachfolgend als
"Schlepplängenalgorithmus" bezeichnete Algorithmus bietet, ist die freie Einstellbarkeit
des Abstands zwischen Fadenführer 8 und Spule 4. Die Hubverkürzung auf der Hülse ist
umso grösser, je grösser die Schlepplänge und die Verlegegeschwindigkeit sind, wobei
die Schlepplänge das freie Fadenstück zwischen dem Fadenführer 8 und dem Ablagepunkt
des Fadens F auf der Spule 4 bezeichnet.
[0023] Fig. 3 zeigt in einem Diagramm die Abhängigkeit der Hubverkürzung ΔH von der Verlegegeschwindigkeit
für verschiedene Spulendurchmesser D, wobei die einseitige Hubverkürzung in Millimetern
eingetragen ist. Die einzelnen Kurven + bis K6 beziehen sich von unten nach oben auf
folgende Verlegegeschwindigkeiten: K1= 0.5, K2=1, K3=2, K4=3, K5=4 und K6=5m/s. Man
kann der Figur entnehmen, dass die Hubverkürzung bei einem Hub des Fadenführers 8
von 200 mm bei einem kleinem Spulendurchmesser von 20mm schon bei einer mittleren
Verlegegeschwindigkeit K3 von 2m/s etwa 8 mm und bei 5m/s über 18 mm beträgt.
[0024] Der Schlepplängenaigorithmus berechnet zuerst aus den Parametern Fadenführergeschwindigkeit,
Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und aus der Hublänge, die prinzipiell
der Länge der Spule 4 gleich sein sollte, die Bahnkurve des Fadenführers 8. Aus den
Beschleunigungs- und Verzögerungszeiten werden die vom Fadenführer während der Beschleunigungs-,
Verzögerungs- und Konstantfahrphase zurückgelegten Wegstrecken und aus diesen die
Hubzeit und die Bahnkurve berechnet.
[0025] Anschliessend wird mittels der Bahnkurve des Fadenführers, der Anfangsposition des
Fadens, des Abstands zwischen Fadenführer und Spule, des Hülsendurchmessers und der
Spulgeschwindigkeit der Ablagepunkt des Fadens berechnet, das ist derjenige Punkt
der Packung, an dem der Faden im Zeitpunkt t abgelegt wird. Die Formel für die Berechnung
des Ablagepunkts ist eine Differentialgleichung 1. Ordnung, die vorzugsweise numerisch,
nämlich mit dem klassischen Runga-Kutta-Verfahren 4. Ordnung gelöst wird.
[0027] Mit den folgenden Eingabegrössen erhält man das in Fig. 3 dargestellte Ergebnis:

1. Verfahren zum Aufwickeln eines Fadens (F) auf eine Spule (4), bei welchem der Faden
(F) von einem im wesentlichen parallel zur Spulenachse hin- und hergehend antreibbaren
Fadenführer (8) geführt und zwischen dem Fadenführer(8) und dem Ablagepunkt auf der
Spule (4) ein freies Fadenstück, die sogenannte Schlepplänge, gebildet ist, und bei
welchem die Länge des Hubs des Fadenführers (8) und die Fadenablage beliebig variabel
sind, dadurch gekennzeichnet, dass aus einem oder mehreren der Parameter Spulgeschwindigkeit,
Fadenverlegegeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und
Abstand zwischen Fadenführer (8) und Spule (4) die Hubverkürzung auf der Spule (4)
berechnet und für eine positionsgenaue Ablage des Fadens (F) auf der Spule (4) verwendet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass anhand der berechneten Hubverkürzung
die Spulgeschwindigkeit und/oder die Fadenverlegegeschwindigkeit so geregelt werden,
dass ein vorgegebener Wert oder vorgegebene Werte der Hubverkürzung resultiert beziehungsweise
resultieren.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass anhand der berechneten
Hubverkürzung die Spulgeschwindigkeit und/oder die Fadenverlegegeschwindigkeit und/oder
der Hub des Fadenführers (8) so geregelt werden, dass beliebige rotationssysmmetrische
Spulen (4) aufgebaut werden.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass zylindrische, bikonische oder
konische Spulen (4) ohne Verwendung einer Stützwalze hergestellt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass Kingspools oder Flanschspulen
ohne Verwendung einer Stützwalze hergestellt werden.
6. Vorrichtung zum Aufwickeln eines Fadens (F) auf eine Spule (4), mit einem im wesentlichen
parallel zur Spulenachse hin- und hergehend antreibbaren Fadenführer (8) und mit einer
elektronischen Steuerung (9), mit der insbesondere die Länge des Hubs des Fadenführers
(8) und die Fadenablage beliebig variabel sind, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuerung
(9) einen Algorithmus enthält, mit welchem aus einem oder mehreren der Parameter Spulgeschwindigkeit,
Fadenverlegegeschwindigkeit, Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und
Abstand zwischen Fadenführer (8) und Spule (4) die Hubverkürzung auf der Spule (4)
berechenbar und für eine positionsgenaue Ablage des Fadens (F) auf der Spule (4) verwendbar
ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass aus den Parametern Fadenführergeschwindigkeit,
Fadenführerbeschleunigung, Fadenführerverzögerung und Hublänge die Berechnung der
Bahnkurve des Fadenführers (8) erfolgt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass mittels der Bahnkurve des
Fadenführers (8) und der Parameter Anfangsposition des Fadens (F), Abstand zwischen
Fadenführer (8) und Spule(4), Hülsendurchmesser und Spulgeschwindigkeit die Berechnung
des Ablagepunkts des Fadens (F) auf der Spule (4) erfolgt.