[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Oberflächengestaltung
von Uhrwerkteilen gemäss Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Uhrwerke werden bekanntermassen mit höchster Präzision, heutzutage bis in den Mikrometerbereich
hinein, gefertigt. Insbesondere Teile hochwertiger Uhrwerke werden mit Verzierungen
und Beschriftungen versehen, für die von Seinen der Uhrenhersteller die gleichen hohen
Anforderungen gestellt werden wie für die funktionellen Aspekte. Die routinemässig
erfolgende Qualitätskontrolle der Teile deckt auch kleinste Unregelmässigkeiten und
Fehler bei diesen Oberflächengestaltungen auf und führt zu Beanstandungen.
[0003] Im Prinzip stehen heute hochpräzise, fotografische Verfahren zur Verfügung, um mit
relativ geringem Aufwand komplizierte Oberflächengestaltungen herzustellen. Im Uhrenbereich
konnten diese Verfahren jedoch bisher nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden.
[0004] Die fotografischen Verfahren verlangen grundsätzlich eine Bedeckung der zu bearbeitenden
Oberfläche mit einer Maske, in der Regel einem Lack oder allgemein einem filmbildenden
Material. Durch lokales Belichten und Entwickeln werden einzelne Stellen freigelegt,
die einem Ätzprozess oder einer anderweitigen Bearbeitung unterworfen werden.
[0005] Aus den vorgenannten Gründen wäre es jedoch nötig, Uhrenteile allseitig mit einer
lückenlosen Schutzbedeckung zu versehen. Bisher war dies aber allenfalls für Teile
mit einfacher, 3-dimensionaler Gestaltung möglich, wie z. B. einen Rotor, bestehend
aus Rotorträger und Schwungmasse, für automatische Aufzüge. Bei den übrigen Uhrenteilen,
die neben einer komplizierteren Formgebung auch Durchbrüche und Löcher mit Durchmessern
im Millimeterbereich und darunter sowie zusätzlich feinste Gewinde mit nur ein bis
zwei Gewindegängen aufweisen, konnte eine solche lückenlose Bedeckung nicht garantiert
werden. Aus diesem Grunde wird bis heute die Oberflächengestaltung bei diesen - auch
sehr teuren - Teilen mit hohem Zeitaufwand durch mechanisches Gravieren oder ähnliche,
materialabtragende Verfahren durchgeführt.
[0006] Diese bekannten Verfahren arbeiten nach dem Prinzip, dass Material von den Uhrwerkteilen
abgetragen wird. Dadurch kann besonders bei filigranen Strukturen eine Schwächung
des Materials entstehen, die nicht mehr vernachlässigbar ist.
[0007] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht daher darin, ein Verfahren anzugeben,
das die Oberflächengestaltung von Uhrwerkteilen mittels bildgebender Verfahren erlaubt.
Eine andere Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Verfahren zur Oberflächengestaltung
von Uhrwerkteilen anzugeben, das ohne Abtragung von Material arbeitet.
[0008] Ein Verfahren, das zumindest die erstgenannte Aufgabe löst, ist im Anspruch 1 angegeben.
Die weiteren Ansprüche geben bevorzugte Ausführungsformen und Anwendungen des Verfahrens
an.
[0009] Es wurde gefunden, dass sich auch bei komplizierten Uhrenteilen, selbst mit kleinen
und kleinsten Löchern, die mit Schraubengewinde versehen sind, eine lückenlose Bedeckung
erreichen lässt, wenn das Abdeckmaterial durch einen elektrophoretischen Prozess aufgebracht
wird, mit anderen Worten ein elektrophoretischer Lack verwendet wird. Diese Beobachtung
ist zwar überraschend, aber auch erklärbar, da die elektrophoretische Abscheidung
des Lacks automatisch auf die freiliegenden Flächen des zu beschichtenden Gegenstandes
gerichtet wird. Bei den heute bekannten Verfahren, bei denen das Objekt mit Hilfe
der Kontaktierungsvorrichtung in das Elektrophoresebad eingetaucht wird, bleiben die
Kontaktstellen naturgemäss unbeschichtet. Diese genau definierte Unregelmässigkeit
in der Abdeckung kann jedoch problemlos durch gezieltes Auftragen des Abdeckmaterials
geschlossen werden, z. B. durch Auftropfen oder eine andere Auftragungsart.
[0010] Diejenigen Stellen des Uhrwerkteils, die einer Oberflächengestaltung unterzogen werden
sollen, werden durch geeignete Verfahren freigelegt. Bevorzugt geschieht dies durch
ein bildgebendes Verfahren. Dazu wird ein lichtempfindlicher Elektrophoreselack eingesetzt,
der nach dem Auftragen und Abtrocknen belichtet und entwickelt wird, wonach die Bearbeitungspartien
freigelegt sind. Für die Uhrenteile hat sich dabei gezeigt, dass allein ein nach dem
Positiv-Prinzip arbeitender, lichtempfindlicher Lack verwendbar ist, da eine zuverlässige
Belichtung in den Löchern und Durchbrüchen kleinsten Ausmasses ansonsten nicht sichergestellt
werden kann und bei Verwendung eines Negativlacks die Gefahr besteht, dass diese Partien
unerwünschterweise dem Gestaltungsverfahren ausgesetzt werden.
[0011] Eine Möglichkeit der Oberflächengestaltung an den so freigelegten Partien ist das
Ätzen, das ein Abtragen des Materials bewirkt. Es ist jetzt jedoch auch möglich, materialaufbauende
Verfahren zu verwenden, wie Abscheidungen aus der Gasphase (CVD- und PVD-Verfahren)
oder das Abscheiden mittels galvanischer Verfahren (Elektroformung).
[0012] Die bei der Entwicklung des erfindungsgemässen Verfahrens aufgetretenen Schwierigkeiten
werden deutlich, wenn berücksichtigt wird, dass die Löcher in Uhrenteilen oft Durchmesser
von 0,40 mm bis 4 mm bei einer Länge von weniger als 1 mm bis wenige Millimeter aufweisen
und/oder sich durch Aspektratios (Längenverhältnisse) von 1:2 bis 1:4 auszeichnen
(z.B. konkret Durchmesser 0,4 mm bei einer Lochlänge von 0,9 mm). Ein Aspektratio
kleiner als 1 bezeichnet dabei ein Loch mit einem Durchmesser, der kleiner ist als
die Länge des Lochs. Zusätzlich können die Löcher noch mit einem Gewinde versehen
sein.
[0013] Zum anderen wird eine Auflösung bei den auf der Oberfläche aufzubringenden Strukturen
im Bereich von einigen Mikrometern verlangt. Eine andere Schwierigkeit besteht darin,
dass die Uhrenteile auch dort, wo die Oberflächengestaltung stattfinden soll, gekrümmt
sind, jedoch durch die Krümmung keine Verzerrung der aufzubringenden Struktur hervorgerufen
werden darf, wodurch sich besondere Anforderungen an das Belichtungsverfahren stellen.
Belichtungsverfahren, die solche Probleme berücksichtigen, sind jedoch an sich bekannt
und konnten überraschenderweise zur Realisierung des erfindungsgemässen Verfahrens
eingesetzt werden.
[0014] Denkbar ist es in diesem Zusammenhang aber auch, andere als fotoempfindliche Verfahren
zum Entfernen der Abdeckung zu verwenden, z. B. gezielt durch einen Laserstrahl oder
eine sonstige Strahlungsart, die sich mit hinreichender Präzision ausrichten lässt.
In Betracht kämen z. B. auch mechanische oder thermische Verfahren; da die Abdeckung
gegenüber dem Material der Uhrenteile relativ leicht bearbeitbar ist, können insbesondere
automatisierbare Verfahren eingesetzt werden, die zur Direktbearbeitung der Uhrwerkteile
ungeeignet sind. Je nachdem kann dann auch auf die fotoempfindliche Eigenschaft des
Lacks verzichtet werden.
[0015] Als fotoempfindliche Elektrophoreselacke haben sich insbesondere diejenigen als geeignet
erwiesen, die bereits aus der Herstellung von Multilayer-Leiterplatten bekannt sind.
[0016] Die Erfindung soll weiter an einem Ausführungsbeispiel erläutert werden.
[0017] Die Figuren zeigen:
- Fig. 1:
- Teilschnitt durch eine erfindungsgemäss beschichtete Oberfläche mit Erhebungen;
- Figg. 2a und b:
- Teilschnitte durch konventionell beschichtete Oberflächen in der Umgebung eines Loches;
- Fig. 3:
- Teilschnitt wie Figur 2, jedoch erfindungsgemäss beschichtete Oberfläche;
- Fig. 4:
- Teilschnitt durch ein beschichtetes Uhrenteil mit eingesetztem Edelstein;
- Fig. 5:
- Teilschnitt durch die Randzone eines Rotors eines automatischen Uhraufzugmechanismus.
[0018] Die erfindungsgemässe Lackschicht ist in den Figuren zur besseren Sichtbarkeit überproportional
dick dargestellt.
Entfettung:
[0019] Die Uhrenteile werden zunächst gründlich gereinigt und insbesondere entfettet. Dies
erfolgt auf mehrere Arten:
- Ultraschall-unterstützte Entfettung mit chemischen Mitteln bei erhöhter Temperatur,
z. B. 70 °C, in wässrigem Medium;
- chemische Entfernung der oberflächlichen Oxidschicht;
- elektrolytische Entfettung, wobei die Uhrenteile als Kathode geschaltet sind, bei
erhöhter Temperatur, z. B. 50 °C, und einer Stromdichte von 2 - 5 A/dm2;
- Neutralisierung und Aktivierung der Oberfläche.
[0020] Je nach aktuellen Anforderungen kann das Reinigungsverfahren gemäss folgenden 3 Varianten
gestaltet werden:
Entfettungsvariante 1
[0021]
1) Durch Ultraschall unterstützte, chemische Entfettung bei erhöhter Temperatur, z.
B. 70 °C (chemische Mittel: Natriumhydroxid, Natriummetasilicat, Phosphat, Natriumphosphat,
Natriumpyrophosphat, Komplexbildner [EDTA oder Gluconat]).
2) Chemische Entfernung der Oberflächenoxidschicht: Natriumbisulfat, organische Säure
(z. B. kurzkettige Aminosäuren), Natriumhydrogenbifluorid, Netzmittel in wässriger
Lösung.
3) Elektrolytische Entfettung: Zusätze zum wässrigen Elektrolyt: Natriumcarbonat,
Natriummetasilicat, Natriumphosphat, Natriumhydroxid, Netzmittel.
4) Neutralisierung/Aktivierung: Natriumbisulfat, organische Säuren, Natriumhydrogenbifluorid,
Netzmittel in wässriger Lösung.
Entfettungsvariante 2
(besonders für Messing)
[0022]
1) Vorreinigung: Anionisches Netzmittel, Inhibitoren (Schutz gegen Angriff der Werkstückoberfläche
in nachfolgenden Prozesschritten), Amidseife und Isopropylalkohol in wässriger Lösung.
2) Entfettung durch Ultraschall wie in Variante 1.
3) Chemische Entfernung der Oberflächenoxidschicht wie in Variante 1.
4) Elektrolytische Entfettung wie in Variante 1. Temperatur z. B. 70 °C und Stromdichte
2 - 5 A/dm2. Elektrolyt: wässrige Lösung von Natriumcarbonat, Natriummetasilicat, Natriumphosphat,
Natriumhydroxid und Netzmittel.
5) Neutralisierung/Aktivierung: wie in Variante 1, zusätzlich Inhibitoren (s.o. 1).
Entfettungsvariante 3
(besonders für Kupfer)
[0023]
1) Entfettung in Seifenlösung mit Ultraschall bei 65 °C.
2) Spülen mit Leitungswasser.
3) Chemische Entfettung bei 75 °C in saurer Lösung von CP1018 (OMI, Schweiz).
4) Spülen mit Leitungswasser.
5) Mikroätzung bei 20 °C in einer wässrigen Lösung von AD 485 (Enplate Imasa) oder
Circuposit Etch 3330 (Shipley).
6) Spülen mit Leitungswasser, 2x.
7) Zweimaliges Spülen mit Wasser, das u. a. durch Umkehrosmose gereinigt wurde und
eine Leitfähigkeit von max 5 µs/cm2 aufweist.
Aufbringen der Abdeckung, Belichten und Entwickeln:
[0024] Diese Schritte werden im wesentlichen gemäss Vorgaben des Lackherstellers durchgeführt:
- Zweimaliges Spülen mit deionisiertem Wasser mit einer Leitfähigkeit von höchstens
10 µs/cm2.
- Elektrophoretische Abscheidung des Fotoresist-Lacks PEPR 2400 (Shipley Company Inc.,
USA: Lack auf der Basis von Polyacrylat; weitere Inhaltsstoffe: 2-Octanon, N-Methyl-2-pyrrolidon)
bei einer Spannung von 150 V während einer Minute. Die Dauer des Elektrophoreseprozesses
richtet sich u. a. nach der zu erreichenden Dicke der Abdeckung. Die entsprechenden
Angaben können der technischen Beschreibung des Lacks entnommen werden; für den vorliegenden
wird angegeben, dass eine Nenndicke von 4 - 6 Mikrometern in ca. 60 Sek. erreicht
wird.
Der Strom stellt sich selbständig während der Abscheidung ein. Insbesondere wurde
beobachtet, dass nahezu unabhängig vom Werkstück der Elektrophoresestrom innerhalb
ca. 1 Minute praktisch verschwindet. Die Beschichtung kann daher beendet werden, wenn
ein gegenüber dem Anfangsstrom wesentlich niedrigerer Grenzstrom unterschritten wird
(z. B. 5 % des Anfangsstroms oder weniger). Wird dieser Grenzstrom nicht in dieser
Zeit unterschritten, so bestehen in der Regel Probleme, z. B. mangelhafte Kontaktierung
oder lückenhafte Beschichtung. Es kann dann das Beschichtungsverfahren nochmals durchlaufen
werden.
Die Schichtdicke wird, wie vom Hersteller vorgeschlagen, über Zusatz von PEPR 2400
TC (TC = thickness controller) [Shipley] eingestellt.
- Intensive Spülung, um lose anhaftende Lackpartikel zu entfernen.
- Trocknung: Dauer z. B. ca. 15 Min. bei einer Temperatur von ca. 120 °C.
- Belichtung: Für die Belichtung werden die Teile in eine Aufnahme eingesetzt. Es können
auch Mehrfachaufnahmen für die Belichtung mehrerer gleicher oder evtl. auch verschiedener
Teile verwendet werden. Die Belichtung erfolgt bei der für diesen Lack optimalen Wellenlänge
von 380 - 420 nm bei der vorgeschriebenen Luftfeuchtigkeit von 40 - 60 %. Die Belichtungsdauer
richtet sich nach der Stärke der Lampe, die mittels eines Graukeils festgelegt werden
kann. Die nötige Bestrahlungsdosis ist stark abhängig vom Bestrahlungsgerät und dem
Messgerät, so dass die vom Hersteller angegebenen Werte allenfalls eine Grössenordnung
angeben. Ebenso hängt die Bestrahlungsdauer von den Eigenschaften der Bestrahlungsanlage
ab. Beim angegebenen Lack und der optimalen Wellenlänge liegt sie jedoch im allgemeinen
im Bereich von 10 Sekunden bis wenigen Minuten.
- Entwickeln: Die Entwicklung des Lacks PEPR 2400 geschieht durch eine einprozentige
Lösung von Calciumcarbonat.
[0025] Die genannten Schritte ab Aufbringen des Lacks bis Belichten werden in einem Reinstraum
der Klasse 10000, bevorzugt 1000 oder besser, durchgeführt.
[0026] Reinräume sind derzeit wie folgt klassiert:
| Reinraumklasse |
Höchstes zulässiges Staubniveau |
| VDI 2083 |
US Fed. Std. 209b |
Partikel pro m3 Luft |
| |
|
> 0,5 µm |
> 5 µm |
| 3 |
100 |
4 x 103 |
--- |
| 4 |
1000 |
4 x 104 |
3 x 102 |
| 5 |
10000 |
4 x 105 |
3 x 103 |
| 6 |
100000 |
4 x 106 |
3 x 104 |
Gestaltung der Oberfläche
[0027] Anschliessend wird die Oberflächengestaltung an den freigelegten Partien des Uhrwerkteils
vorgenommen. Eine Ätzung oder Gravur kann mittels bekannter Beizen auf der Basis von
Eisenchlorid oder Kupferchlorid vorgenommen werden. Die exakte Zusammensetzung wird
dabei an das Material des Uhrwerkteils angepasst, wobei die Verträglichkeit mit dem
Abdecklack beachtet werden muss. Z. B. können mit dem Lack PEPR 2400 keine basischen
Lösungen verwendet werden, da dieser durch basische Lösungen abgelöst wird.
[0028] Anstelle der materialabtragenden Gravur oder Ätzung können auch materialauftragende
Verfahren verwendet werden. Ein solches Verfahren ist die Elektroformierung, bei der
in einem galvanischen Prozess relativ dicke Metallschichten aufgetragen werden können.
Eine andere Möglichkeit besteht in der Anwendung der bekannten Verfahren zur Abscheidung
aus der Dampfphase, z. B. PVD (Physical Vapor Deposition) und CVD (Chemical Vapor
Deposition). Es ist auch möglich, diese drei Verfahren sowie andere denkbare Verfahren
in Kombination einzusetzen.
[0029] Nach Beendung der Oberflächengestaltung wird der Lack abgelöst nach einem üblichen
Verfahren, z. B. mittels einer Natriumhydroxid-Lösung, wie vom Hersteller vorgeschlagen.
[0030] Die Figuren verdeutlichen die Eigenschaften der erfindungsgemässen Beschichtung von
Uhrenteilen.
[0031] Figur 1 zeigt eine Oberfläche 1 mit starken Erhebungen 2, z.B. in der Grössenordnung
von 1 mm und mehr. Die Lackschicht 3 folgt der Topographie der Oberfläche mit nahezu
konstanter Dicke. Typische Schichtdicken liegen im Bereich 3 µm - 5 µm.
[0032] Bei einem Lack, der durch Eintauchen oder ein anderes konventionelles Verfahren aufgebracht
wird, beobachtet man dagegen eine deutlich verringerte Dicke an den konvexen Kanten
4. Dadurch entsteht die Gefahr, dass die Lackschicht an diesen Kanten 4 zu dünn und
damit zu wenig widerstandsfähig für die folgenden Bearbeitungsschritte oder überhaupt
nicht mehr vorhanden ist.
[0033] Eine andere, ungünstige Eigenart konventioneller Lackbeschichtungen ist, dass die
Schicht je nach Auftragstechnik ungleichmässig ausfällt, z.B. im Teil 5 zwischen den
Erhebungen 2 sehr dick ist. Dadurch wird ein hochpräzises Freilegen feinstrukturierter
Muster durch fotographische Verfahren erschwert, da bei unterschiedlicher Dicke u.a.
unterschiedliche Belichtungszeiten nötig werden.
[0034] Figur 2a zeigt eine konventionelle Lackschicht 7 in der Umgebung eines Loches 8,
das ein Gewinde aufweist. Das Loch 8 ist dabei vollständig mit dem Lack 7 gefüllt.
Trotzdem fällt die Lackschicht an der Lochkante 9 sehr viel dünner aus, wodurch sich
die obengenannten Gefahren ergeben.
[0035] Das vollständige Ausfüllen des Loches 9 mit Lack 7 führt zwar zu einem Schutz der
Lochwand vor weiterer Bearbeitung, allerdings ist diese vollständige Befüllung mit
konventionellen Techniken weder kontrollierbar noch reproduzierbar durchführbar. Eher
ist ein zwar dichter Verschluss, aber nicht vollständige ausfüllung des Loches 9 zu
beobachten. Es müssten daher sämtliche Löcher noch darauf kontrolliert werden, ob
sie hinreichend mit dem Schutzlack gefüllt und dicht an allen Öffnungen verschlossen
sind.
[0036] Wird andererseits nur so wenig Lack verwendet, dass das Loch durchgängig bleibt und
nur die Wände mit einer Schicht versehen werden, dann fällt die Schicht an den Spitzen
10 der Gewindegänge wieder sehr dünn aus mit der Gefahr, dass die Gewindegänge nicht
geschützt sind (Figur 2b).
[0037] Figur 3 zeigt dieselbe Situation wie Figur 2, jedoch mit einer erfindungsgemässen
Lackschicht 3. Hier ist auch verdeutlicht, dass die Lackschicht 3 nicht nur eine Schicht
gleichmässiger Dicke bildet, die auch Grate (z.B. am Gewinde) und Kanten umgibt, sondern
auch wesentlich dünner gehalten werden kann, wodurch die Präzision der bildgebenden
Verfahren erhöht wird.
[0038] Figur 4 zeigt die erfindungsgemässe Schicht 3 in der Umgebung eines Rubins 11, der
in ein metallisches Uhrenteil 12 eingesetzt ist. Die Schicht 3 verläuft mit konstanter
Dicke bis zum Loch 14 und bildet einen dichten Abschluss 15 am Übergang von Rubin
11 zu Teil 12.
[0039] Bei konventionellen Beschichtungen besteht wegen der andersartigen Oberflächeneigenschaften
des Rubins im Vergleich zum Material des Uhrenteils die Gefahr, dass kein dichter
Abschluss der Schicht am Rubin entsteht und damit die Randzone des Uhrenteils 12 nicht
perfekt geschützt ist. Allenfalls könnte eine konventionelle Beschichtung, die auch
den Rubin sicher abdeckt, in Betracht gezogen werden. Diese müsste jedoch relativ
dick ausfallen, wodurch sich wieder Probleme bei der Freilegung strukturierter Oberflächenteile
des Uhrenteiles 12 ergeben.
[0040] Figur 5 verdeutlicht die Probleme bei der Beschichtung eines Rotors 20, wie er in
Automatikuhren eingesetzt wird. Die Schwungmasse 20 besteht in der Regel aus einem
Rotorträger, 21, an dessen Peripherie eine Schwungmasse 23 befestigt ist, die aus
einem Schwermetall besteht. Der Rotorträger 21 besteht z.B. aus Messing, die Schwungmasse
23 aus Wolfram. Die beiden Teile sind durch Nieten 24 oder eine Schraubverbindung
miteinander verbunden. Dabei verbleibt jedoch unvermeidlich ein dünner Spalt 26. Dieser
Spalt hat eine veränderliche Breite, die grössenordnungsmässig z.B. 0,1 mm- 0,3 mm
beträgt. Aber auch zwischen den eigentlich aneinander anliegenden Flächen 27 des Rotorsträgers
21 und der Schwungmasse 23 können sich noch kleine und kleinste Fugen ausbilden.
[0041] Mit konventionell aufgebrachten Lacken kann hier insbesondere im Spalt 26 eine lückenlose
Abdeckung gleichbleibender Qualität nicht gewährleistet werden.
[0042] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren wurde jedoch problemlos mit hoher Zuverlässigkeit
eine qualitativ hochstehende, lückenlose Beschichtung erhalten wie in der Figur dargestellt.
[0043] Generell zeigt sich auch die Überlegenheit des erfindungsgemässen Verfahrens in der
sehr niedrigen Ausschussrate, die unter 5 %, in der Regel im Bereich von 1 bis 2 %
liegt und damit gleichwertig oder sogar besser als diejenige bei manueller, mechanischer
Bearbeitung ist.
[0044] Es ist festzuhalten, dass die Erfindung nicht auf den angegebenen, elektrophoretischen
Lack beschränkt ist. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass jeglicher elektrophoretische
Lack verwendbar ist, insbesondere wenn sein Einsatz im Bereich der Multilayer-Leiterplatten
bekannt ist. Die Fotoempfindlichkeit ist dabei nicht unbedingt nötig, da auch andere
Verfahren zum Freilegen abgedeckter Partien verwendbar sind, z. B. durch Laserstrahl.
Die Freilegung mittels Laserstrahl oder anderer Verfahren kann natürlich auch in Kombination
z. B. mit dem beschriebenen Belichtungsverfahren eingesetzt werden.
[0045] Nicht lichtempfindliche elektrophoretische Lacke sind bereits bekannt in farbloser
Ausführung zum Schutz metallischer Oberflächen gegen Oxydation oder Bräunung und gefärbt
für kombinierte Färbung und Schutz von Metallen, z. B. Automobil-Karosserien.
[0046] Die Verfahren, um die elektrophoretischen Lacke aufzubringen und z. T. die Oberfläche
vorzubehandeln, sowie für die Ablösung nach Beendigung der Oberflächengestaltung können
in der Regel gemäss den Angaben der Hersteller erfolgen, wie dies auch im Ausführungsbeispiel
im wesentlichen der Fall ist. Die Vorbehandlung der Oberflächen der Uhrwerkteile (Entfettung,
Deoxydierung usw.) ist auch auf andere Art denkbar, wenn sich auch die dargestellte,
spezielle Vorgehensweise besonders bewährt hat.
[0047] Das Strukturierungsverfahren gemäss Erfindung wird regelmässig zusammen mit anderen
Verfahren zur Oberflächengestaltung eingesetzt, wie mechanische Bearbeitung (Schleifen,
Polieren, Sandstrahlen usw.) und insbesondere Aufbringen eines galvanischen Überzugs,
die an sich bekannt sind.
[0048] Bei einfach geformten Teilen, insbesondere ohne Durchbrüche und Löcher, ist auch
eine andere Auftragsart des Abdecklacks denkbar, z. B. Tauchen, Aufsprühen oder Laminieren.
1. Verfahren zur Oberflächengestaltung von Uhrwerkteilen, dadurch gekennzeichnet,
dass ein filmbildender Lack durch Elektrophorese auf die Uhrwerkteile als geschlossene
Abdeckung aufgebracht wird, um durch gezieltes lokales Entfernen oder Verändern der
Abdeckung eine Maske für ein Oberflächengestaltungsverfahren ausbilden zu können.
2. Verfahren gemäss Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Uhrwerkteile vor Aufbringen des filmbildenden Materials mindestens einem
der folgenden Verfahrensschritte unterzogen werden:
- Reinigung im Ultraschallbad, bevorzugt bei Temperaturen zwischen 50 - 90 °C und
insbesondere bevorzugt bei etwa 70 °C;
- chemische Deoxydierung, insbesondere durch Einwirken von Reduktionsmitteln und/oder
Lösungsmitteln für Oxidschichten;
- kathodische, elektrolytische Entfettung, bevorzugt bei Temperaturen von 30 - 70
°C, weiter bevorzugt von 40 - 60 °C und insbesondere bevorzugt bei etwa 50 °C, und/oder
bevorzugt bei Stromstärken von 200 - 500 A/m2 bezogen auf die Oberfläche der Uhrwerkteile; und
- Neutralisierung und Aktivierung der Oberfläche;
wobei im Fall der Anwendung von zwei oder mehr der genannten Schritte bevorzugt die
angegebene Reihenfolge eingehalten wird.
3. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass das filmbildende Material empfindlich gegenüber einer ausrichtbaren Strahlungsform,
insbesondere Licht ist, wobei durch Bestrahlen das filmbildende Material an den bestrahlten
Stellen selektiv ablösbar wird und die mit filmbildendem Material bedeckten Uhrwerkteile
an den für die Ausbildung der Maske freizulegenden Oberflächen durch ein bildgebendes
Verfahren bestrahlt werden.
4. Verfahren gemäss einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass Teile der geschlossenen Abdeckung aus dem filmbildenden Material durch Einwirkung
mechanischer und/oder thermischer Mittel und/oder Strahlung, insbesondere Laser, entfernt
werden.
5. Verfahren zur Oberflächengestaltung von Uhrwerkteilen, die mit einer die gesamte Oberfläche
bedeckenden und nur die zu gestaltenden Partien freilassenden Abdeckung überzogen
sind, wobei diese Abdeckung bevorzugt gemäss dem Verfahren nach einem der Ansprüche
1 bis 4 erhalten wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass an den freiliegenden Partien eines oder mehrere der folgenden Verfahren zur Oberflächengestaltung
angewandt wird bzw. werden:
- chemische Materialabtragung, insbesondere Ätzen;
- elektrochemische Materialabtragung;
- galvanischer Naterialauftrag, insbesondere Elektroformung;
- Materialauftragung aus der Dampfphase, insbesondere durch chemische Reaktion (CVD)
oder auf physikalische Art (PVD).
6. Anwendung des Verfahrens gemäss einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Verfahren mindestens eine galvanische Beschichtung der Oberfläche erfolgt
und bevorzugt vor und/oder nach Durchführung des Verfahrens eine mechanische Bearbeitung,
wie Schleifen, Polieren und/oder Sandstrahlen erfolgt.
7. Uhrenteile mit Oberflächengestaltung, insbesondere Inschriften-Dekors, die erhaben
oder versenkt ausgeführt sind, erhalten nach einem der Ansprüche 1 bis 5 oder der
Anwendung des Verfahrens gemäss Anspruch 6.