[0001] Die Erfindung betrifft einen kompressibel verformbaren Rohrmolch zur Reinigung von
Rohrleitungen, insbesondere von pneumatischen Förderanlagen, der einen kompressibel
verformbaren Grundkörper aufweist.
[0002] Es ist bekannt, Rohrleitungen für die Förderung pastöser oder flüssiger Produkte
mit Hilfe sogenannter Rohrmolche bei Beendigung des Fördervorgangs von anhaftenden
Produktrückständen zu befreien. Der als Kugel oder Ellipsoid ausgeformte Rohrmolch
wird in die Förderleitung eingeführt und mit Hilfe einer Förderflüssigkeit hydraulisch
durch die Leitung getrieben.
[0003] Üblicherweise weisen derartige Rohrmolche ein hohes Gewicht und eine geringe Kompressibilität
auf. Es ist daher in der Regel nicht möglich, sie unter der Wirkung eines Druckgases
durch die Förderleitung zu bewegen, da dieses den Rohrmolch am Ende der Förderleitung
geschoßartig beschleunigen würde. Wegen der großen Masse des Molchs muß eine Beschädigung
des Empfangsbehälters oder eine Gefährdung des Personals durch den Einsatz spezieller
Fangvorrichtungen vermieden werden. Pneumatische Förderanlagen, in denen keine Einrichtungen
zum Pumpen von Flüssigkeiten vorhanden sind, werden aus diesem Grund nicht mit Rohrmolchen
gereinigt.
[0004] Es sind ferner Rohrmolche erhältlich, die aus einem geschäumten Kautschuk bestehen
und daher ein geringeres Gewicht aufweisen. Da sie bei einer pneumatischen Förderung
wegen des fehlenden Flüssigkeitsfilm auf der Wandung einen erheblichen Reibungswiderstand
ausüben, der zu einem Festsetzen des Molchs in der Rohrleitung oder auch zu seiner
eigenen Zerstörung führen kann, sind auch diese nur bei hydraulischen Systemen einsetzbar.
[0005] In der Druckschrift DE 195 13 104 A1 wird ein Rohrmolch mit axialsymmetrischer Form
offenbart, der einen Grundkörper aus gummielastischem Material aufweist. Zur Verringerung
der Reibung zwischen Rohrmolch und Wandung der zu reinigenden Rohrleitung ist der
Grundkörper mit einer Beschichtung aus einem Fluorpolymer versehen, welche die elastischen
Eigenschaften des Rohrmolchs nicht verschlechtert. Eine derartige Beschichtung ist
jedoch nur mit einem erheblichen Fertigungsaufwand auf dem Grundkörper aufbringbar
und kann nachträglich nicht mehr gewechselt werden.
[0006] Ein vergleichbarer Rohrmolch ist aus dem Gebrauchsmuster DE 1 962 742 bekannt, bei
dem ein Kern aus geschäumtem Gummi zur Erhöhung der Lebensdauer mit einem hochabriebfesten
Überzug aus einem Kunststoff, beispielsweise geschäumtem Polyurethan versehen wird.
[0007] In der Patentschrift US 3,011,197 wird ebenfalls vorgeschlagen, einen Rohrmolch mit
einer äußeren Beschichtung aus flexiblem Polyurethan zu versehen, wobei der geschäumte
Grundkörper einen mit einem Druckgas befüllbaren Hohlraum aufweisen kann.
Aufgabe
[0008] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die aus dem Stand der Technik
bekannten Rohrmolche in der Weise weiterzuentwickeln, daß sie auch unter der Wirkung
eines Druckgases zuverlässig durch eine Rohrleitung bewegbar sind.
Lösung
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die Oberfläche des Rohrmolchs
mit einer textilen Umhüllung versehen ist.
[0010] Die textile Umhüllung setzt zum einen die Reibung des Molchs bei der pneumatischen
Förderung herab und schützt ihn darüber hinaus vor Beschädigungen. Durch die Kompressibilität
kann der Rohrmolch darüber hinaus auch Rohrleitungen reinigen, die einen in Form oder
Fläche veränderlichen Querschnitt aufweisen. Die Strömungskanäle von Verteilorganen
und Umlenkstücken der Förderanlage können rohrknieartig ausgebildet werden, ohne daß
ein Festsetzen des Rohrmolchs oder das Auftreten hoher dynamischer Kräfte bei seiner
Umlenkung zu befürchten ist. Besondere Anforderungen an die Molchfähigkeit des Leitungssystems
werden nicht gestellt.
[0011] Geeignete Werkstoffe für die textile Umhüllung sind beispielsweise dicht gewobene
Baumwollstoffe oder Fließe aus Mikrofasern, insbesondere aus Polyester- oder Polypropylenfasern
sowie Gemische derselben. Verwendbar sind ferner Fasern, die Polyacrylnitril oder
Polyamid, gegebenenfalls in Kombination mit anderen Fasern enthalten. Unter Mikrofasern
sind Filamente von 0,4 bis 1,5 denier, insbesondere 0,5 bis 1,2 zu verstehen.
[0012] Nach einer besonderen Ausführung der Erfindung ist die textile Umhüllung elektrisch
leitfähig ausgeführt. Bei der Reinigung von Förderleitungen, aus denen zündfähige
Stäube wie Schwefel- oder Zuckerstaub zu entfernen sind, kann auf diese Weise eine
Funkenbildung infolge elektrostatischer Aufladungen verhindert werden. Eine dauerhafte
Leitfähigkeit der Umhüllung wird vorzugsweise durch Einarbeiten metallischer Fasern
in das Textilgewebe herbeigeführt.
[0013] Um die Umhüllung ihrerseits gut reinigen zu können, wird die Umhüllung nach einer
weiteren Ausführung der Erfindung vom Grundkörper abnehmbar ausgeführt.
Der kompressible Grundkörper kann beispielsweise aus einem zellulären Werkstoff wie
Zellgummi bestehen oder als elastisch verformbarer Hohlkörper ausgeführt werden. Geometrie
und Werkstoff des Grundkörpers sind auf die vom Rohrmolch auszugleichenden Querschnittsänderungen
der Förderleitung sowie den zur Verfügung stehenden pneumatischen Förderdruck abzustimmen.
[0014] Aus den zuvor genannten Gründen wird auch der Grundkörper bevorzugt elektrisch leitfähig
ausgeführt. Dies kann zum Beispiels durch Zugabe von speziellem Ruß in den Werkstoff
des Grundkörpers bewirkt werden.
Figuren
[0015] Die Figuren stellen beispielhaft und schematisch verschiedene Ausführung der Erfindung
dar.
[0016] Es zeigen:
- Fig. 1
- einen Schnitt durch einen erfindungsgemäßen Rohrmolch
- Fig. 2
- eine Seitenansicht des Rohrmolchs nach Fig. 1
- Fig. 3
- einen Rohrmolch nach einer anderen Ausführung der Erfindung
- Fig. 4
- den Einsatz eines erfindungsgemäßen Rohrmolchs bei der Reinigung einer pneumatischen
Förderanlage
[0017] Der in Fig. 1 dargestellte Rohrmolch 1 umfaßt einen Grundkörper 2, der als Hohlkugel
aus einem kompakten, elastisch verformbaren Werkstoff ausgeführt ist. Der Hohlraum
3 ist mit einem Gas gefüllt, das gegenüber der Umgebung einen Überdruck aufweisen
kann.
[0018] Der Grundkörper 2 ist von einer textilen Umhüllung 4 umgeben, die im Ausführungsbeispiel
nicht stoffschlüssig mit dem Grundkörper 2 verbunden und daher zu Reinigungszwecken
abnehmbar. Wie aus Fig. 2 zu ersehen, weist die textile Umhüllung einen Schlitz 5
auf, durch den der Grundkörper 2 in die textile Umhüllung 4 eingefügt wird. Der Schlitz
5 wird nachfolgend durch einen Klettverschluß 6 verschlossen.
[0019] Um die textile Umhüllung 4 elektrisch leitfähig auszurüsten, sind metallische Fasern
7 in das Gewebe der textilen Umhüllung 4 eingearbeitet.
[0020] Im Ausführungsbeispiel nach Fig. 3 ist der Grundkörper 2 als Ellipsoid aus einem
zellulärem Werkstoff gestaltet, der ebenfalls von einer textilen Umhüllung 4 umgeben
ist.
[0021] Fig. 4 zeigt die Reinigung einer Anlage zur pneumatischen Förderung von Schüttgut
unter Zuhilfenahme eines erfindungsgemäßen Rohrmolchs. Die Förderanlage umfaßt einen
Schüttgutsilo 8, aus dem mittels einer Zellenradschleuse 9 Schüttgut in eine Förderleitung
10 eingespeist werden kann, das nachfolgend durch von einem Gebläse (bzw. einen Verdichter)
11 bereitgestelltes Druckgas zu Empfangsbehältern 12 gefördert wird.
[0022] Der Strömungskanal der Förderleitung 10 setzt sich zusammen aus geraden Leitungsabschnitten
13, die horizontal oder vertikal verlaufen, aus kreisbogenförmigen Rohrbögen 14, einem
Verteilorganen 15, in denen der Strömungskanal knickförmig abzweigen kann sowie aus
Umlenkstücken 16 mit polygoner Umlenkung des Förderstroms. Die geraden Leitungsabschnitte
13 weisen eine Vielzahl von Verengungen 17 auf, mittels derer die Verteilung des Schüttguts
im Förderstrom gezielt beeinflußt werden kann.
[0023] Über eine verschließbare Aufgabestation 18 in der Gebläse 11 und Förderleitung 13
verbindenden Reinluftleitung 19 wird der Rohrmolch 1 in den zu reinigenden Strömungskanal
eingeführt und unter der Wirkung des Druckgases zu den Empfangsbehälters 12 gefördert.
Durch seine erfindungsgemäße Ausgestaltung kann der Rohrmolch 1 sowohl die Verengungen
17 in den geraden Abschnitten als auch die knickartige Umlenkung im Verteilorgan überwinden.
Im Umlenkstück 16, in dem sich der Strömungskanal vorübergehend erweitert, liegt der
Rohrmolch 1 ausreichend dicht an der Wandung des Strömungskanals an, um ein Festsetzen
zu verhindern und eine ausreichende Reinigungswirkung zu gewährleisten.
Beispiel 1:
[0024] Ein kalandrierter Polyester-Stoff aus einem Garn von Nm (Nummer metrisch) 20 in Kett
und Schuß hatte dieselbe Kett- und Schußdichte von 15 Faden pro cm. Das Stoffgewicht
lag im unteren Bereich zwischen 320 und 720 g/m
2, welcher als besonders geeignet angesehen wird.
[0025] Diese Gewebe wurde zu einer runden, beutelartigen Tasche mit einer einzigen Öffnung
(etwas größer als die Öffnung 6 der Fig. 2) geformt und vernäht, so daß ein Ball,
wie in Fig. 1, eingesetzt werden konnte. Danach wurde die Öffnung roh mit Kreuzstichen
verschlossen. Der so gebildete Molch wurde mit gutem Reinigungserfolg zum Reinigen
einer Förderleitungsanordnung gemäß Fig. 4 eingesetzt.
Beispiel 2
[0026] Beispiel 1 wurde mehrmals unter Verwendung unterschiedlicher Garnstärken (Nm 8 bis
100) wiederholt. Der Bereich zwischen Nm 16 und 60 wurde als besonders zufriedenstellend
befunden.
[0027] Es wurden weitere Experimente unter Verwendung unterschiedlicher Dichten in Kette
und Schuß (16 bis 100 Fäden pro cm) durchgeführt. Da jedoch die Abnützung und die
Beanspruchung in einer Förderleitung gleichförmig in beiden Richtungen wirkt, hat
es sich herausgestellt, daß eine gleiche Dichte zu bevorzugen ist. Je nach der Garnstärke
wurden Dichten von 8 bis 60 Fäden pro cm als günstig befunden.
[0028] Des weiteren wurde der Stoff aus versponnenem Polyester (Stapelfaser) gegen endlose
Polyesterfaser ausgetauscht (welche in Temperaturbereichen bis zu zwischen 130 und
150°C eingesetzt wurden), und dann gegen ähnliche Fäden aus Polypropylen-Fasern (welche
in einem niedrigeren Temperaturbereich zwischen 80 und 90°C eingesetzt wurden), aus
Polyacrylnitril und Polyamid-Fasern. Es wurde gefunden, daß versponnene Fasern besser
geeignet waren, und daß - aus welchem Grunde immer - die Stoffe aus Endlosfasern eine
Tendenz zu höherer elektrostatischer Aufladung zeigten.
[0029] Die so hergestellten Stoffe wurden in unterschiedliche Formen genäht, so daß ovale
bälle und selbst zylindrische Körper eingenäht werden konnten. Diese Körper bestanden
aus den oben erwähnten Materialien. Es wurde festgestellt, daß die zu bevorzugende
Form in weitem Maße von den Bedingungen und der Form einer Förderleitung abhängt.
Nichtsdestoweniger hat sich ein ballförmiger Molch im Gebrauch als am flexibelsten
herausgestellt.
Beispiel 3
[0030] Während in den obigen Beispielen ein normaler Stoff verwendet wurde, wurden nun Tests
unter Beimischung von 3 bis 5% Edelstahlfasern und anderen Metalldrähten, wie Kupfer
enthaltenden Drähten (welche besser der beim Weben ausgeübten Beanspruchung standhalten),
insbesondere Neusilber (Alpaka) durchgeführt.
[0031] Es wurde gefunden, daß mit diesen Stoffen keinerlei Schwierigkeit mit elektrostatischen
Aufladungen auftraten, selbst wenn Fäden aus endlosen Fasern benutzt wurden.
Beispiel 4
[0032] An Stelle gewebter Stoffe wurden nun Nadelfilze im Bereich von 320 bis 700 g/m
2 verwendet. Die Filze oder Vliese wurden aus Fasern bzw. Filamenten von ungefähr 1
denier derselben Polymer-Materialien hergestellt, wie sie oben erwähnt sind, und hatten
eine Dicke von 1,5mm bis 3,0mm. Ein dazwischen liegender Bereich von 2,0 bis 2,7mm
wurde als Optimum sowohl hinsichtlich der Flexibilität als auch der Festigkeit befunden.
Bei einigen Tests wurde versucht, die Leitfähigkeit des Vlieses zu erhöhen. Die Verwendung
von Metallfasern war nicht so zufriedenstellend wie die Anwendung von Teilchen aus
einem elektrisch leitendem Material, wie Graphit, Aluminium oder Molybdän, welche
zweckmäßig durch eine geeignete Appretur mit dem Vlies oder Filz verbunden wurden.
[0033] Es hat sich herausgestellt, daß ein spezifisches Stoffgewicht von etwa 400 bis 600
g/m
2, und insbesondere von 500 bis 550 g/m
2, am geeignesten ist.
[0034] Es wurden auch Tests durchgeführt, bei denen die Zahl der Denier der Filamente (Endlosfasern)
variiert wurde. Obwohl dickere Filamente eine größere Festigkeit aufweisen, stellte
sich heraus, daß damit das Vlies bzw. der Filz weniger Zusammenhalt besaß. Deshalb
wurde ein Bereich von 0,8 bis 1,2 denier als zufriedenstellend befunden.
Bezugszeichenliste
[0035]
- 1
- Rohrmolch
- 2
- Grundkörper
- 3
- Hohlraum
- 4
- textile Umhüllung
- 5
- Schlitz
- 6
- Klettverschluß
- 7
- metallische Faser
- 8
- Schüttgutsilo
- 9
- Zellenradschleuse
- 10
- Förderleitung
- 11
- Gebläse
- 12
- Empfangsbehälter
- 13
- gerader Leitungsabschnitt
- 14
- Rohrbogen
- 15
- Verteilorgan
- 16
- Umlenkstück
- 17
- Verengung
- 18
- Aufgabestation
- 19
- Reinluftleitung
1. Kompressibel verformbarer Rohrmolch (1) zur Reinigung von Rohrleitungen (10, 13, 14,
15, 16), insbesondere von pneumatischen Förderanlagen, der einen kompressibel verformbaren
Grundkörper (2) aufweist, dadurch gekennzeichnet, daß der Grundkörper (2) mit einer
textilen Umhüllung (4) versehen ist.
2. Rohrmolch nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die textile Umhüllung (4) einen
insbesondere dicht gewobenen Baumwollstoff umfaßt.
3. Rohrmolch nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die textile Umhüllung
(4) ein Fließ aus Mikrofasern, insbesondere aus Polyester- oder Polypropylenfasern,
umfaßt.
4. Rohrmolch nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die textile
Umhüllung (4) elektrisch leitfähig ist.
5. Rohrmolch nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Umhüllung (4) metallische
Fasern (7) aufweist.
6. Rohrmolch nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
textile Umhüllung (4) vom Grundkörper (2) abnehmbar ist.
7. Rohrmolch nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der
kompressibel verformbare Grundkörper (2) aus einem zellulären Werkstoff, insbesondere
aus Zellkautschuk besteht.
8. Rohrmolch nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der
kompressibel verformbare Grundkörper (2) als Hohlkörper ausgeführt ist.
9. Rohrmolch nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der
kompressibel verformbare Grundkörper (2) elektrisch leitfähig ist.