[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur automatischen Erstellung von geglätteten
Kennfeldern für eine elektronische Motorsteuerung einer Kolbenbrennkraftmaschine.
Solche Verfahren sind an side bekannt (vergl. WO-A- 95 33 132).
[0002] In der modernen Industriegesellschaft spielt Mobilität für den Transport von Gütern
und für die Fahrten zur Arbeit eine große Rolle. Ein großer Teil dieser Bewegungen
findet auf der Straße statt, und dabei spielt die Kolbenbrennkraftmaschine als Antriebsquelle
die dominierende Rolle.
[0003] In der letzten Zeit sind die Emissionen von Kolbenbrennkraft-maschinen in den Brennpunkt
der öffentlichen Diskussion gerückt. Dies schlägt sich in der Gesetzgebung in Form
von immer geringeren Emissionsgrenzwerten nieder. Des weiteren steigen die Preise
für die benötigten Treibstoffe. Beides führt dazu, daß emissionsärmere und verbrauchsärmere
Kolbenbrennkraftmaschinen erforderlich sind.
[0004] Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Kolbenbrennkraftmaschinen nach modernsten Erkenntnissen
entwickelt und konstruiert werden. Dabei spielt nicht nur eine moderne mechanische
Konstruktion eine Rolle, sondern der Elektronik kommt, bedingt durch die enorm steigenden
Möglichkeiten und die Flexibilität, eine immer größere Bedeutung zu.
[0005] Wo früher mechanische Fliehkraftversteller den Zündzeitpunkt den Erfordernissen angepaßt
haben, ist heute ein elektronisches Steuergerät im Einsatz. Dieses kann Einflußgrößen
wesentlich genauer berücksichtigen und leichter an verschiedene Einsatzzwecke angepaßt
werden.
[0006] In diesen Steuergeräten sind die Abhängigkeiten zwischen Eingangsgrößen, beispielsweise
Drehzahl, und den Ausgangsgrößen, d. h. die Verstellgrößen, wie beispielsweise Zündwinkel,
Einspritzmenge etc., in Kennfeldern abgelegt, die für jeden Betriebszustand einer
Kolbenbrennkraftmaschine entsprechende Kennfeldpunkte enthalten, die die aktuellen
Werte für die Verstellgrößen vorgeben.
[0007] Bei der Entwicklung einer Kolbenbrennkraftmaschine müssen die notwendigen Kennfelder
mit Werten gefüllt werden. Bisher wurden die Kennfelder von besonders erfahrenen Entwicklern
aufgrund von Prüfstandsmessungen, durch heuristische Methoden und zum Teil auch intuitiv
auf der Basis von Messungen an einer Referenzmaschine erstellt. Dies nahm erhebliche
Entwicklungszeit in Anspruch und ergab in der Regel keine optimalen Ergebnisse.
[0008] Der Aufwand für die Abstimmung der Kennfelder hängt stark von der Anzahl der zu kalibrierenden
Parameter ab. Dabei nimmt die Anzahl der Freiheitsgrade in Steuergeräten zu, beispielsweise
durch die Einführung von Abgasrückführung (AGR), Nockenwellenverstellung, variablem
Ansaugsystem, um nur einige zu nennen. Die dann erforderliche Lösung einer mehr als
dreidimensionalen Optimierungsaufgabe mit vielen Parametern ist für Menschen kaum
noch überblickbar.
[0009] Aus diesem Grunde wurden Systeme zur automatischen Kennfeldoptimierung und entsprechende
Software entwickelt. Diese erstellen Kennfelder aufbauend auf Prüfstandsmessungen
und mathematisch fundierten Algorithmen. Es sind deshalb weniger Straßentests mit
Fahrzeugen erforderlich, und eine Optimierung der Kolbenbrennkraftmaschine ist möglich,
auch wenn das Gesamtfahrzeug noch nicht vorhanden ist. Dadurch wird zum einen die
Entwicklungszeit und somit die "time-to-market" verkürzt und folglich tritt eine Kostenersparnis
ein. Zum anderen sind die erzeugten Ergebnisse reproduzierbar und nicht von einem
menschlichen Optimierer abhängig, der mit Intuition arbeitet. Das Optimierungssystem
ist außerdem leichter adaptierbar und an andere Vorgaben anzupassen.
[0010] Wegen des relativ geringen Zeitbedarfs kann die automatische Optimierung mit verschiedenen
Konfigurationen mehrfach durchgeführt werden. Dies eröffnet die Möglichkeiten verschiedene
Szenarien durchzuspielen, die im praktischen Versuch mit vernünftigem Aufwand nicht
durchführbar wären.
[0011] Mit den bisher angewendeten Verfahren ist es zwar möglich, für eine gegebene Konstruktion
einer Kolbenbrennkraftmaschine "Mutter"-Kennfelder zu erstellen, nach denen für die
spätere Serienfertigung und auch für die in Serie zu fertigende Motorsteuerung die
entsprechenden Kennfeld-Datenträger erstellt werden können. Der Nachteil des bisher
angewandten Verfahrens besteht jedoch darin, daß während der Durchführung der automatischen
Optimierung für jede Stützstelle bzw. für jeden Betriebspunkt eines Kennfeldes ein
Wert erzeugt wird, ohne jedoch die Zusammenhänge zwischen benachbarten Stützstellen
zu beachten. Dadurch ergeben sich Sprünge in den Kalibrierdaten benachbarter Stützstellen,
die die Übertragbarkeit des Optimierungsergebnisses sowie die Fahrbarkeit im praktischen
Fahrzeugeinsatz gefährden. Starke Sprünge von Kalibrierdaten benachbarter Betriebspunkte
müssen deshalb vermieden werden.
[0012] Sprünge treten dabei in zwei Phasen der Optimierung auf: Zum einen besteht das Problem,
daß Abstimmungsergebnisse innerhalb eines nach gleichen Kriterien optimierten Kennfeldbereiches
derartige Verstellgrößensprünge aufweisen. Zum anderen ergibt sich ein weiteres Problem
von sprunghaften Übergängen beim Zusammenfügen von nach unterschiedlichen Kriterien
optimierten Kennfeldbereichen.
[0013] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu finden, das schon
während des Optimierungslaufes eine Vermeidung zu starker Sprünge der Kalibrierdaten
bewirkt und dennoch ein gutes Optimierungsergebnis zuläßt und die Erstellung eines
geglätteten Kennfeldes ermöglicht.
[0014] Diese Aufgabe wird mit den im Anspruch 1 angegebenen Verfahrensschritten gelöst.
Erfinderische Abwandlungen des Verfahrens sind in den Ansprüchen 2 bis 4 angegeben.
[0015] Die Erfindung wird nachstehend anhand schematischer Zeichnungen näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- ein Blockschaltbild für einen Prüfstand mit Kennfeldoptimierung,
- Fig. 2
- den Arbeitsablauf des Prüfstands gemäß Fig. 1 als Blockschaltbild,
- Fig. 3
- ein ungeglättetes Kennfeld, erstellt nach dem Verfahren gemäß dem Stand der Technik,
- Fig. 4
- ein geglättetes Kennfeld, erstellt nach dem erfindungsgemäßen Verfahren,
- Fig. 5
- die Darstellung eines Verstellgrößensprungs für eine variable Stellgröße,
- Fig. 6
- die Darstellung des Verstellgrößensprungs gemäß Fig. 5 in einem Koordinationssystem
für zwei Variable,
- Fig. 7
- ein Flußdiagramm für eine Kennfeldoptimierung mittels einer vorgegebenen Gütefunktion,
- Fig. 8
- ein Detail-Flußdiagramm zur Erläuterung der Optimierung der Ziel- und Grenzwertgrößen,
- Fig. 9
- die Wirkungsweise einer Überlagerung einer Gütefunktion mit einer Incentivfunktion,
- Fig. 10
- ein Detail-Flußdiagramm für eine Kennfeld-optimierung bei Überlagerung einer Gütefunktion
mit einer Incentivfunktion,
- Fig. 11
- ein Detail-Flußdiagramm für eine Kennfeld-optimierung mittels Gütefunktion und Verstellgrößendifferenzerfassung,
- Fig. 12
- ein Detail-Flußdiagramm für eine Kennfeldoptimierung zur Begrenzung der Rauhheit in
jeder Betriebsstufe.
[0016] Fig. 1 zeigt einen Prüfstand mit automatisch arbeitendem Kennfeldoptimierungssystem
1, mit Eingangsinformationen I
ein und Ausgangsinformationen I
aus sowie einer Kennfeldausgabe K
aus, elektrischem Motorsteuergerät 2, Referenz-Kolbenbrennkraftmaschine 3 für eine Serie
und den erforderlichen Meßeinrichtungen 4. Die Eingangsinformationen des Systems werden
zum Teil vom Benutzer vorgegeben (Grenzwerte, Ziele und zu optimierende Kennfeldpunkte)
und zum Teil vom System während der Optimierung vom Motorprüfstand angefordert (Meßwerte).
Dazu gibt das System Verstellgrößen vor, die automatisch an der Kolbenbrennkraftmaschine
3 eingestellt werden, und wertet daraufhin die Meßwerte zur Bestimmung optimaler Verstellgrößen
aus. Schließlich erzeugt das System als Ergebnis Kennfelder, die in das Motorsteuergerät
2 der Kolbenbrennkraftmaschine 3 übertragen werden, für die die Optimierung durchgeführt
wurde. Im Motorsteuergerät 2 sind zusätzlich alle Werte berücksichtigt, die für den
Einsatz der Kolbenbrennkraftmaschine 3 in einem vorgegebenen Fahrzeug relevant sind.
[0017] In Fig. 2 ist der Arbeitsablauf des Prüfstands aus Fig. 1 mit beispielhaften Eingangsinformationen
und Beispielen für Verstellgrößen wiedergegeben, für die jeweils ein Kennfeld zu erstellen
ist und welche Meßwerte hierbei erfaßt werden können. Die einzelnen Bauelemente des
Prüfstands sind hier mit dem Bezugszeichen aus Fig. 1 kenntlich gemacht. Sowohl für
das Motorsteuergerät 2 des Prüfstands als auch für die Meßeinrichtung 4 ist angedeutet,
daß weitere Steuerelemente und Meßeinrichtungen vorgesehen sein können. Das Kennfeldoptimierungssystem
bestimmt während der automatischen Kennfeldoptimierung für jeden Kennfeldpunkt (Kennfeldpunkt
= eine Kombination der Eingangsgrössen), also beispielsweise Last und Drehzahl einen
Verstellgrößenwert, also beispielsweise den Zündzeitpunkt. Jedoch werden dabei keine
Zusammenhänge zwischen benachbarten Kennfeldpunkten beachtet.
[0018] Wie Fig. 3 zeigt, ergeben sich bei dieser Art der Kennfelderstellung Sprünge in den
Verstellgrößenwerten zu benachbarten kennfeldpunkten, die die Übertragbarkeit des
Optimierungsergebnisses ins Motorsteuergerät sowie die Fahrbarkeit im praktischen
Fahrzeugeinsatz gefährden. Große Verstellgrößensprünge benachbarter Kennfeldpunkte
müssen deshalb vermieden werden. Es muß ein "geglättetes" Kennfeld erzeugt werden,
wie dies zum Vergleich in Fig. 4 darstellt ist. Ein glattes Kennfeld ist durch kleine
Verstellgrößensprünge gekennzeichnet.
[0019] Der Verstellgrößensprung, der zur Bewertung der Glattheit eines Kennfeldes benutzt
wird, wird anhand von Fig. 5 erläutert. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird ein
Beispiel gezeigt, bei dem nur eine Verstellgröße, hier der Zündzeitpunkt ZZP, betrachtet
wird.-Der Zündzeitpunkt hängt in diesem Beispiel nur von einer veränderbaren Eingangsgröße,
hier der Drehzahl n, ab, während der Wert für das Moment konstant gehalten wird. Dargestellt
sind eine Drehzahl n
a, genannt "aktuelle Drehzahl" und zwei Nachbarn "n1" und "n2". Die aktuelle Drehzahl
hat den Zündzeitpunkt ZZP
a und die beiden Nachbarn haben die Zündzeitpunkte ZZP1 und ZZP2.
[0020] Bei der aktuellen Drehzahl n
a wird ein "ideal glatter Zündzeitpunkt" bestimmt, der zu einem glatten Kennfeld führt.
Zur Bestimmung dieses "idealen Zündzeitpunktes" bei der aktuellen Drehzahl wird eine
Interpolation zwischen den Zündzeitpunkten der Nachbarn durchgeführt, in Fig. 5 durch
eine gestrichelte Gerade dargestellt zwischen ZZP1 und ZZP2. Die Differenz zwischen
dieser Geraden und den Zündzeitpunkt ZZP
a bei der aktuellen Drehzahl wird als Verstellgrößensprung definiert. Je kleiner der
Verstellgrößensprung (hier der Zündzeitpunktsprung) ist, desto glatter ist das Kennfeld
im aktuellen Punkt (hier bei der aktuellen Drehzahl) bezogen auf seine Nachbarn.
[0021] Für Verstellgrößen, die sich üblicherweise linear ändern, geschieht die Bestimmung
des idealen Verstellgrößenwerts durch lineare Interpolation. Allgemein betrachtet
können aber auch andere Interpolationen zum Einsatz kommen.
[0022] Im Normalfall hängen die Kennfeldpunkte von (mindestens) zwei Eingangsgrößen, beispielsweise
der Zündzeitpunkt von Drehzahl n und Last M ab. In diesem Fall gibt es mehr als zwei
benachbarte Kennfeldpunkte, zwischen denen der ideale Verstellgrößenwert interpoliert
werden muß, wie Fig. 6 zeigt. Die Darstellung gemäß Fig. 5 ist in das Koordinatensystem
von Fig. 6 eingezeichnet. Um nun zu einem glatten Kennfeld zu kommen, reicht es nicht
aus, die in Fig. 5 angegebene Interpolation vorzunehmen, sondern es müssen zusätzlich
die Werte der übrigen benachbarten Kennfeldpunkte, beispielsweise N7 und N3, berücksichtigt
werden.
[0023] In gleicher Weise verfährt man auch für andere Verstellgrößen, z.B. Einspritzmenge,
Einspritzbeginn, Abgasrückführrate usw. In diesen Fällen wird für jede Verstellgröße
eine Interpolation zwischen den benachbarten Kennfeldpunkten zur Bestimmung des idealen
Verstellgrößenwerts durchgeführt.
[0024] Zur Bestimmung der günstigsten Verstellgrößenkombination wird eine sogenannte Gütefunktion
benutzt. Das Optimierungsziel ist es, die vorgegebenen Grenzwerte (z. B. für die Abgasemissionen)
zu unterschreiten. Die Gütefunktion setzt sich zusammen aus allen zu optimierenden
Größen G
1 bis G
n (z. B. Verbrauch, Emissionen, ...) und den zugehörigen Grenzwerten GW
1 bis GW
n. Das Gewicht der einzelnen Größen in der Gütefunktion wird durch Faktoren λ
1 bis λ
n festgelegt. Somit lautet die Gütefunktion:

[0025] Als Beispiel sei eine Gütefunktion für eine Optimierung des Kraftstoffverbrauchs
b
e bei gleichzeitiger Anforderung an die Einhaltung eines Stickoxidgrenzwertes (NO
x) gegeben.
[0026] Wenn NO
x den aktuell gemessenen NO
x-Wert bezeichnet und NO
xMax den einzuhaltenden Grenzwert und b
e den aktuell gemessenen Kraftstoffverbrauch, so lautet die Gütefunktion für diesen
Anwendungsfall:

[0027] Bei der Optimierung wird ein Minimum der Gütefunktion bestimmt. Der Ablauf einer
solchen Optimierung im Kennfeldoptimierungssystem 4 ist in Fig. 7 in Form eines Flußdiagramms
erläutert und dargestellt. Im genannten Beispiel wird der ZZP variiert, bis das Minimum
der Gütefunktion gefunden ist. Sollte bei diesem Minimum der Grenzwert für NO
x noch überschritten werden, so kann die Gütefunktion durch Variation der Lagrangefaktoren
λ
1 und λ
2 auf eine größere Empfindlichkeit gegenüber dem Stickoxidwert getrimmt werden und
erneut ein Minimum gesucht werden.
[0028] Die zu optimierenden Größen sind eine Funktion der Verstellgrößen und des Kennfeldpunktes:

[0029] Für das genannte Beispiel bedeutet das:

[0030] Das Minimum der Gütefunktion für das gesamte Kennfeld wird bestimmt, indem in jedem
Kennfeldpunkt das Minimum der Gütefunktion durch Variation der Verstellgrößen bestimmt
wird, wie in Fig. 8 dargestellt. Bei dem gewählten Ausführungsbeispiel gilt für einen
Kennfeldpunkt, daß n und M konstant gehalten werden und das Minimum des ZZP bestimmt
wird. Die Bestimmung der Minima wird in jedem Kennfeldpunkt durchgeführt. Die Verstellgrössenwerte,
die zu diesen Minima gehören, sind die optimalen Verstellgrößenwerte bezüglich der
Optimierungsziele im jeweiligen Kennfeldpunkt. Das Ergebnis dieser Verfahrensweise
ist ein ungeglättetes Kennfeld entsprechend Fig. 3, das noch erhebliche Verstellgrößensprünge
aufweist.
[0031] Zur Vermeidung von Verstellgrößensprüngen muß nun während des Rechengangs zur Optimierung
Einfluß auf die Gütefunktion genommen werden. Dadurch wird das Entstehen von Kennfeldsprüngen
im Lauf der Optimierung vermieden. Die Glattheit des zu erstellenden Kennfeldes wird
zu diesem Zweck als zusätzliche Randbedingung bei der Optimierung berücksichtigt.
[0032] In einer ersten Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt dies dadurch,
daß im Rechengang eine Verstellgrößenkombination, die zu einem glatten Kennfeld führt,
"belohnt" wird, so daß sie bei der Optimierung bevorzugt wird gegenüber anderen Verstellgrößenkombinationen,
die gleiche oder sogar bessere Resultate bezüglich der übrigen Randbedingungen liefern,
aber zu größeren Verstellgrößensprüngen führen.
[0033] Auf die Gütefunktion wird hierbei Einfluß genommen durch eine sogenannte Incentivefunktion
zur Belohnung günstiger Verstellgrößenkombination hinsichtlich der Glattheit, die
wie folgt formuliert werden kann:

[0034] VG1 bis VGx bezeichnen dabei die Verstellgrößen, Opt1 bis Optx die Optima der entsprechenden
Verstellgrößen in den benachbarten Betriebsstufen. a bis d sind Faktoren, die den
Einfluß der jeweiligen Verstellgröße in der Incentivfunktion bestimmen.
[0035] Als Beispiel sei die Incentivfunktion für den Zündzeitpunkt ZZP als Verstellgröße
dargestellt, wobei M1 das Optimum des Zündzeitpunkts aus den benachbarten Betriebsstufen
ist. Das Optimum ist der "ideale Verstellgrößenwert", d. h. der interpolierte Wert
aus den Optima der benachbarten Betriebsstufen:

[0036] Diese Incentivfunktion wird der Gütefunktion überlagert. Es ergibt sich eine neue
Gütefunktion, die ein anderes Minimum hat und damit zu einer anderen Verstellgrößenkombination
führt:

[0037] Für das Beispiel lautet die überlagerte Funktion:

[0038] Die Wirkungsweise einer solchen Incentivfunktion ist in Fig. 9 wiedergegeben. Optimiert
werden soll der Zündzeitpunkt (Verstellgröße) unter Berücksichtigung von minimalem
Verbrauch (Zielgröße). Die Gütefunktion ist in diesem Fall der Verlauf des Verbrauchs
über dem Zündzeitpunkt. Dabei sollen glatte Übergänge zu benachbarten Kennfeldpunkten
erzeugt werden.
[0039] In einem Kennfeldpunkt "a" wurde der Zündzeitpunkt x als optimal bestimmt hinsichtlich
des Verbrauchs (Fig. 9). Im benachbarten Kennfeldpunkt 2 soll nun eine Optimierung
des Zündzeitpunkts unter Berücksichtigung der Glattheit durchgeführt werden. In diesem
Kennfeldpunkt "b" würde der Zündzeitpunkt y als optimal bestimmt hinsichtlich des
Verbrauchs, weil das Minimum M2 kleiner ist als das Minimum M1 (Fig. 9).
[0040] Die Verstellgrößenkombination im Minimum M1 führt jedoch zu einer größeren Glattheit
als die Verstellgrößenkombination im Minimum M2, da für den benachbarten Kennfeldpunkt
1 die optimale Verstellgrößenkombination beim Minimum M1 und nicht beim Minimum M2
liegt.
[0041] Zur Beeinflussung der Glattheit wird deshalb auf die Gütefunktion Güte
Bsp die Incentivfunktion Incentiv
Bsp addiert, die ihr Minimum beim Zündzeitpunkt x des Kennfeldpunktes "a" hat deren Funktionswert
um so ungünstiger wird, je weiter der Zündzeitpunkt vom Zündzeitpunkt x abweicht (Fig.
9). Durch die Addition ergibt sich die neue Gütefunktion Güte
IncentivBsp für den Kennfeldpunkt "b", (Fig. 9). Bei der Optimierung im Kennfeldpunkt "b" wird
nun der Zündzeitpunkt im Minimum M1 gefunden, der näher beim Zündzeitpunkt x des benachbarten
Kennfeldpunktes liegt als der Zündzeitpunkt y. Das führt zu einer günstigeren Verstellgrößenkombination
hinsichtlich der Glattheit.
[0042] Dieses Verfahren wird nun iterativ auf alle Kennfeldpunkte angewendet. Jeder Kennfeldpunkt
wird dadurch bei den Optimierungsläufen abwechselnd sowohl Nachbar, der Einfluß auf
den gerade zu optimierenden Punkt hat, als auch zu optimierender Punkt, der durch
seine Nachbarn beeinflußt wird. Im allgemeinen Fall mit mehreren Nachbarn wird eine
Incentivfunktion benutzt, die entsprechend mehrere Minima in Abhängigkeit von den
optimalen verstellgrößen der Nachbarn hat. Das Beispiel benutzt eine lineare Incentivfunktion.
In Abhängigkeit vom Verlauf der Gütefunktion und anderen beteiligten Größen können
jedoch, je nach Erfordernis, auch nichtlineare Incentivfunktionen zum Einsatz kommen,
um den beschriebenen Einfluß auf die Gütefunktion zu erreichen.
[0043] Der iterative Ablauf einer Kennfeldoptimierung mit Beeinflussung durch eine Incentivfunktion
ist in Fig. 10 erläutert und dargestellt.
[0044] In einer anderen Ausgestaltung des Verfahrens wird aus dem Verstellgrößensprung eines
Kennfeldpunktes ein Maß für die Glattheit in diesem-Punkt ermittelt.
[0045] Dazu wird im aktuellen Kennfeldpunkt die Differenz zwischen dem idealen Wert und
dem bei der Optimierung gefundenen Wert gebildet. Diese Differenz wird Verstellgrößendifferenz
genannt. Die verstellgrößendifferenz wird, wie andere Randbedingungen, z. B. die Emissionswerte,
in die Optimierung mit einbezogen.
[0046] Die Verstellgrößendifferenz wird statt der Incentivfunktion als zusätzliche Randbedingung
in die Optimierung mit einbezogen. Dazu wird sie wie ein Meßwert der Kolbenbrennkraftmaschine
behandelt. Bei jeder Messung an der Kolbenbrennkraftmaschine wird sie aus den Verstellgrößen
der benachbarten und der aktuellen Betriebsstufe errechnet. Die Verstellgrößendifferenz
geht, genau wie die Abgasemmissionen, in die Gütefunktion mit ein. Also kann einer
der Werte G
1 bis G
n die Glattheitsinformation enthalten:

[0047] Für eine Optimierung von Kraftstoffverbrauch und Stickoxidentwicklung unter Vorgabe
einer maximalen Rauhheit R
max (Rauhheit = Gegenteil von Glattheit) erhält man:

wenn R der aktuell ermittelte Wert für die Rauhheit ist.
[0048] Im folgenden wird das Vorgehen für eine Verstellgröße beschrieben. Falls es mehrere
Verstellgrößen gibt, wird das Verfahren für jede Verstellgröße angewendet.
[0049] Man betrachtet eine Betriebsstufe im Kennfeld, genannt aktuelle Betriebsstufe BS,
und ihre Nachbarn. Während der Optimierung dieser Betriebsstufe sind die Verstellgrößenwerte
der Nachbarn konstant, da nur der Verstellgrößenwert der aktuellen Betriebsstufe variiert
wird. Aus den Verstellgrößenwerten der Nachbarn wird der optimale Verstellgrößenwert
für die aktuelle Betriebsstufe errechnet.
[0050] In der aktuellen Betriebsstufe wird ein Minimum der Gütefunktion gesucht. Die Verstellgröße
des aktuellen Punktes wird dazu variiert um das Minimum zu finden, wie aus dem Flußdiagramm
gemäß Fig. 11 ersichtlich. Dabei ergibt sich für jeden Verstellgrößenwert eine andere
Verstellgrößendifferenz entsprechend dem unterschiedlich glatten Verstellgrößenverlauf
zu den Nachbarn.
[0051] Am Ende eines Optimierungszyklus (Optimierung aller Kennfeldpunkte) wird für die
Rauhheit ein globaler Wert R berechnet. "Global" heißt: für das ganze Kennfeld. Dazu
werden alle Verstellgrößendifferenzen aufsummiert. Dieser Rauhheitswert wird mit dem
globalen Grenzwert für die Rauhheit R
max verglichen. Ein kleiner Grenzwert entspricht einer kleinen Rauhheit entsprechend
einer guten Glattheit des Kennfeldes.
[0052] Wird dieser Grenzwert überschritten, wird der Faktor λ (im obigen Beispiel λ
3) der Rauhheit in der Gütefunktion derart modifiziert, vorzugsweise erhöht, daß die
Rauhheit einen stärkeren Einfluß auf die Gütefunktion bekommt. Im nächsten Optimierungslauf
werden die optimalen Verstellgrößen für die geänderte Gütefunktion bestimmt. Da diese
Gütefunktion stärker von der Rauhheit abhängig ist, werden günstigere Werte für die
Verstellgrößen bezüglich der Glattheit erreicht.
[0053] Durch die Vorgabe eines globalen Grenzwerts wird die Rauhheit für das gesamte Kennfeld
begrenzt. Hierbei spielt es keine Rolle, welchen Anteil die einzelnen Betriebsstufen
am Gesamtergebnis haben, sondern nur, daß der Grenzwert unterschritten wird. Dieser
Vorgang wird so lange wiederholt, bis alle Optimierungsziele erreicht werden.
[0054] Bei der Begrenzung der Rauhheit durch einen globalen Grenzwert können lokale, vorhandene
Verstellgrößendifferenzen durch glatte Teile des Kennfeldes im Summenwert der Rauhheit
ausgeglichen werden. "Lokal" heißt: In einem Kennfeldpunkt. Lokale Rauhheiten sind
jedoch unerwünscht.
[0055] Um diese lokalen Verstellgrößendifferenzen klein zu halten, wird die Rauhheit des
Kennfeldes in jeder einzelnen Betriebsstufe durch die Einführung und Vorgabe eines
lokalen Grenzwertes R(n,M) begrenzt. Das führt dazu, daß Verstellgrößenkombinationen,
die diesen Grenzwert überschreiten, sofort bei der Optimierung dieses Kennfeldpunktes
verworfen werden, wie in Fig. 12 angedeutet.
[0056] Die Kennfelder von Kolbenbrennkraftmaschinen werden in mehrere Gebiete geteilt, in
denen unterschiedliche Randbedingungen und Optimierungsziele gelten. Ein Gebiet ist
durch den gesetzlich vorgeschriebenen Fahrzyklus (zur Begrenzung der Emissionen) vorgegeben
und wird Fahrzyklusgebiet genannt. Andere Gebiete sind die Vollastkurve, auf der maximale
Leistung gefordert wird und der Rest des Kennfeldes, in dem üblicherweise minimaler
Verbrauch gewünscht wird, genannt Verbrauchsminimumgebiet.
[0057] Um eine Aussage über die Rauhheit im gesamten Kennfeld machen zu können, sind die
Rauhheitswerte der verschiedenen Gebiete entsprechend zusammenzufassen. Dazu wird
folgendes Verfahren angewandt:
[0058] Nach Abschluß der Optimierung liegt für jedes Gebiet ein Wert für die Rauhheit vor.
Das Optimierungssystem errechnet diesen Wert für jedes Gebiet mit Hilfe der Verweildauern
aus den Ergebnissen der einzelnen Betriebsstufen entsprechend wie bei Verbrauch und
Emissionen.
[0059] Verweildauern sind nur für das Fahrzyklusgebiet durch den Fahrzyklus vorgegeben.
Die Anzahl der Betriebsstufen und die Verweildauern in den einzelnen Betriebsstufen
(für das Fahrzyklusgebiet) werden durch die Umrechnung des Fahrzyklus in stationäre
Betriebsstufen bestimmt. Für die Vollastkurve und das Verbrauchsminimumgebiet gibt
es keine entsprechenden Vorgaben.
[0060] Um auf der Vollastkurve und im Verbrauchsminimumgebiet eine Optimierung durchführen
zu können, werden jedoch auch dort Verweildauern benötigt. Prinzipiell können beliebige
Verweildauern angenommen werden. Da die Verweildauern jedoch auch zur Hochrechnung
der Rauhheit benutzt werden, wird folgendes Verfahren zur Bestimmung der Verweildauern
für Vollastkurve und Verbrauchsminimumgebiet angewandt:
[0061] Aus der Verweildauer und der Anzahl der Betriebsstufen im Fahrzyklusgebiet läßt sich
die durchschnittliche Verweildauer in einer Betriebsstufe für das Fahrzyklusgebiet
errechnen:

[0062] Diese durchschnittliche Verweildauer wird auch für die Betriebsstufen auf der Vollastkurve
und im Verbrauchsminimumgebiet benutzt. Dadurch ist eine Berechnung der Rauhheit für
das gesamte Kennfeld möglich: Die Ergebnisse aller Betriebsstufen werden (im Durchschnitt)
mit derselben Verweildauer hochgerechnet. Der Anteil eines Gebietes am Gesamtergebnis
ergibt sich deshalb als Verhältnis der Anzahl der Betriebsstufen im Gebiet zu der
Gesamtzahl der Betriebsstufen im Kennfeld.
[0063] Mit dem dargestellten Verfahren läßt sich ein geglättetes Kennfeld erzeugen, wie
der Vergleich zwischen Fig. 3 und Fig. 4 erkennen läßt. Dieses geglättete Kennfeld
ermöglicht nicht nur die Erfüllung von Emissionsgrenzwerten, wie das Kennfeld gemäß
Fig. 3, sondern durch die glatten Übergänge zwischen den Betriebsstufen sind die Übertragbarkeit
ins Motorsteuergerät und die Fahrbarkeit sichergestellt. Die so beim Betrieb einer
Referenz-Kolbenbrennkraftmaschine erstellten, geglätteten Kennfelder dienen dann als
"Mutter"-Kennfelder für die Herstellung von Motorsteuergeräten für Kolbenbrennkraftmaschinen
diesen Typs.