[0001] Die Erfindung betrifft eine Sichtereinrichtung zur Sichtung von körnigem Gut, mit
einem statischen Kaskadensichter als Vorsichtungskammer, der wenigstens ein im Sichtergehäuse
rotierbar angeordneter, am Rotorumfang mit Turboelementen versehener Stabkorb eines
dynamischen Sichterteils nachgeschaltet ist, mit Einlässen für Sichtluft/Sichtgas
und Sichtgut und Auslässen für Sichtluft/Sichtgas, Feingut, Mittelgut und Grobgut.
[0002] Aus der DE-A-42 23 762 ist eine Sichtereinrichtung mit einem innerhalb eines gemeinsamen
Sichtgehäuses untergebrachten statischen Sichterteil ohne bewegte Bauteile und einem
dynamischen Sichterteil mit rotierendem Stabkorb bekannt. Dabei ist der statische
Sichterteil als Vorsichtungskammer zur Abtrennung der im zu sichtenden körnigen Gut
enthaltenen Grobkornfraktion ausgebildet, mit zwei vom schachtförmigen Sichtergehäuse
umschlossenen und zwischen sich eine Sichtzone bildenden sowie von der Sichtluft im
Querstrom durchströmten Sichtzonenbegrenzungswänden, die schräg nach unten in Richtung
zur Austragsöffnung für die ausgesichtete Grobkornfraktion geneigte kaskadenartig
bzw. jalousieartig angeordnete Leitbleche aufweisen, wobei die beiden Leitblechwände
und damit die dazwischen liegende Sichtzone mit einem von der Vertikalen abweichenden
Winkel schrägliegend angeordnet sind. Weil im statischen Sichterteil die Sichtluft
eine V-förmige Umlenkung erfährt, spricht man hierbei auch von einem sogenannten V-Sichter.
Ein solcher statischer V-Sichter, eingeschaltet z. B. in eine Kreislaufmahlanlage
mit einer Gutbettzerkleinerungs-Walzenpresse bzw. Walzenmühle, hat sich für das energiesparende
Sichten und Desagglomerieren des Mahlgutes in einem einzigen Arbeitsgang bewährt.
[0003] Ist das Mahlgut feucht, was z. B. bei Zementrohmehl meistens der Fall ist, so kann
das Mahlgut im statischen V-Sichterteil außer seiner Sichtung und Desagglomerierung
auch noch eine Trocknung erfahren, wenn als Sichtluft ein Heißgas eingesetzt wird,
z. B. heißes Abgas einer Zementklinkerproduktionslinie. Besonders in diesem Fall müssen
mit Rücksicht auf die Trocknung verhältnismäßig große Heißgas- bzw. Sichtgasmengen
eingesetzt werden, die dann in dem dem statischen V-Sichterteil unmittelbar angeschlossenen
dynamischen Sichterteil einen entsprechend groß dimesionierten Stabkorb oder mehrere
solcher Stabkörbe des Stabkorbsichters erforderlich machen, wodurch der wirtschaftliche
Betrieb des dynamischen Sichterteils, der das von der Grobkornfraktion befreite Sichtgut
in eine Mittelkornfraktion und in Feingut auftrennt, beeinträchtigt werden kann.
[0004] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Sichtereinrichtung der gattungsgemäßen
Art mit statischem Sichterteil und unmittelbar nachgeschaltetem dynamischen Sichterteil
mit wenigstens einem rotierbar angeordneten Stabkorb so auszubilden, daß die beiden
Sichterteile optimal aufeinander abgestimmt wirtschaftlich betrieben werden können,
insbesondere bei feuchtem Sichtgut, nämlich der statische V-Sichterteil als Vorsichter
und ggf. Trockner und der dynamische Sichterteil als Instrument zur Fertigsichtung
und ggf. Resttrocknung.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einer Sichtereinrichtung mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen
angegeben.
[0006] Charakteristisch für die erfindungsgemäße Sichtereinrichtung ist, daß vom Zwischenbereich
zwischen dem statischen Teil und dem dynamischen Teil der Sichtereinrichtung eine
Bypassleitung abgeht, über die ein Teilstrom des den statischen Sichterteil verlassenden
Sichtluftstroms bzw. Sichtgasstroms, z B. in einem Mengenumfang von etwa 20 bis 80%
abgezogen wird, so daß nur noch eine kleinere Menge an Sichtluft/Sichtgas in den nachgeschalteten
dynamischen Sichterteil mit dem Stabkorb gelangt, der dadurch kleiner dimensioniert
werden kann. Das im Bypassstrom enthaltene Feststoffmaterial, welches ein Gemisch
von Mittelgut und Feingut sein wird, wird in einem externen Feststoffabscheider vom
Bypassstrom abgetrennt und es kann ein weiteres Produkt der Sichtereinrichtung darstellen.
Mit besonderem Vorteil wird aber dieses im Feststoffabscheider vom Bypasstrom abgetrennte
Produkt über eine Feststoffaustragsleitung in den dynamischen Sichterteil (wieder)
eingeführt, um dieses (wieder) eingeführte Produkt einer Fertigsichtung und ggf. Resttrocknung
im dynamischen Sichterteil zu unterziehen.
[0007] Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung kann die Bypassleitung von der Oberseite
des Sichtergehäuses abgehen, und der Feststoffabscheider für die Bypassleitung kann
dann oberhalb der Sichtereinrichtung angeordnet sein, wobei die Feststoffaustragsleitung
des Feststoffabscheiders mit Vorteil von oben in den dynamischen Sichterteil eingeführt
ist. Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Feststoffaustrag des externen Feststoffabscheiders
teilweise oder ganz in den statischen Sichterteil einzuführen. Außerdem besteht die
Möglichkeit, die Bypassleitung statt von der Oberseite von einer Seitenwandung des
Sichtergehäuses abgehen zu lassen und den Feststoffabscheider für die Bypassleitung
ggf. unterhalb des dynamischen Sichterteils anzuordnen.
[0008] Die Erfindung und deren weitere Merkmale und Vorteile werden anhand der in den Figuren
schematisch dargestellten Ausführungsbeispiele näher erläutert.
[0009] Es zeigt:
- Fig. 1:
- eine erste Ausführungsform der erfindungsgemäßen Sichtereinrichtung, und
- Fig. 2:
- eine zweite Ausführungsform als Variante zu Figur 1.
[0010] Die im wesentlichen im Vertikalschnitt dargestellte Sichtereinrichtung der Figur
1 weist ein V-förmiges schachtförmiges Gehäuse 10 auf mit zwei vom Sichtergehäuse
umschlossenen und zwischen sich eine Sichtzone 11 bildenden sowie von Sichtluft 12
bzw. Heißgas als Trocknungsgas etwa im Querstrom durchströmten Sichtzonenbegrenzungswänden,
die schräg nach unten in Richtung zur Austragsöffnung 13 für die ausgesichtete Grobkornfraktion
14 geneigte kaskadenartig bzw. jalousieartig angeordnete Leitbleche 15a und 15b aufweisen,
wobei diese beiden Leitblechwände und damit die dazwischen liegende Sichtzone 11 mit
einem von der Vertikalen abweichenden Winkel schräg liegend angeordnet sind.
[0011] Das zu sichtende Gut 16 wird in die Guteintragsöffnung 17 an der Oberseite des statischen
Kaskadensichters eingeführt. Beim Fall bzw. beim Rutschen des Gutes über die Leitblechwand
15a des Kaskadensichters wird das Sichtgut im Querstrom gesichtet und Gutagglomerate
werden gleichzeitig desagglomeriert. Bei feuchtem Sichtgut 16 wie z. B. feuchtem Zementrohmehl
wird dieses gleichzeitig wirkungsvoll getrocknet, wenn als Sichtmedium ein Heißgas
eingesetzt wird. Statt der Leitblechwände 15a und 15b können auch perforierte Bleche
wie Siebbleche etc. eingesetzt werden.
[0012] Von der Oberseite des Zwischenbereichs zwischen dem statischen Teil und dem dynamischen
Teil der erfindungsgemäßen Sichtereinrichtung geht eine Bypassleitung 18 ab, über
die ein Teilstrom des Sichtluft- bzw. Sichtgasstroms, der bereits von der Grobkornfraktion
befreit ist, abgezogen wird. Daher kann der Stabkorb 19 des dynamischen Sichterteils,
im Ausführungsbeispiel der Fig. 1 mit horizontaler Drehachse, kleiner dimensioniert
werden, weil zum Stabkorb 19 des dynamischen Sichters dann nur noch die restliche
V-Sichter-Abluft gelangt, die durch den Pfeil 20 angezeigt ist. Während an der Peripherie
des rotierenden Stabkorbs 19 über eine Schleuse 21 die Mittelkornfraktion 22 ausgetragen
wird, wird über wenigstens eine der beiden Stirnseiten des rotierenden Stabkorbs 19
der durch den Pfeil 23 dargestellte Sichtluft/Sichtgas-Feingut-Strom abgezogen und
zwecks Abscheidung des feinen Fertigguts zu einer nicht dargestellten Entstaubungseinrichtung
geführt.
[0013] Die Bypassleitung 18, über welche ein Teilstrom der Sichtluft des Sichtgases beladen
mit Feststoffen abgezogen wird, wobei es sich bei den Feststoffen um ein Gemisch aus
einer Feinkornfraktion und Mittelkornfraktion handelt, führt zu einem Abscheider 24
zum Abtrennen der im Bypassgasstrom enthaltenen Feststoffe 25, die von oben über Leitung
26 in den dynamischen Sichterteil zwecks Fertigsichtung und ggf. Resttrocknung eingeführt
werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Feststoffe 25 über Leitung 27 als
ein eigenes Produkt abzuziehen. Die Feststoffe 25 können aber auch teilweise oder
ganz über Leitung 28 in die Gutaufgabeöffnung 17 des statischen Sichterteils eingeführt
werden. Beim Feststoffabscheider 24 kann es sich um einen Abscheideszyklon, um ein
Staubfilter, um einen Sichter oder um ein anderes Klassiergerät handeln. Jedenfalls
wird vom Feststoffabscheider 24 der von Feststoffen weitgehend befreite Sichtluft/Sichtgas-Strom
29 abgezogen.
[0014] Beim Ausführungsbeispiel der Fig. 2 geht die Bypassleitung 18a nicht wie bei Fig.
1 von der Oberseite des Sichtergehäuses 10 ab, sondern von der linken Gehäusewandung
30 etwa unterhalb des Stabkorbs 19. Auch bei dieser Version besteht die Möglichkeit
der Wiedereinführung des über die Bypassleitung 18a abgezogenen Feststoffs in den
dynamischen und/oder den statischen Sichterteil, wie bei Fig. 1 gezeigt und beschrieben.
Als Schleuse 21 zum Austrag der Mittelkornfraktion 22 aus dem dynamischen Sichterteil
können eine Schnecke, eine Luftförderrinne, eine Vibrorinne oder auch eine pneumatische
Absaugung etc. eingesetzt werden.
1. Sichtereinrichtung zum Sichten von körnigem Gut, mit einem statischen Kaskadensichter
als Vorsichtungskammer (11), der wenigstens ein im Sichergehäuse (10) rotierbar angeordneter,
am Rotorumfang mit Turboelementen versehener Stabkorb (19) eines dynamischen Sichterteils
nachgeschaltet ist, mit Einlässen für Sichtluft/Sichtgas und Sichtgut und Auslässen
für Sichtluft/Sichtgas, Feingut, Mittelgut und Grobgut,
dadurch gekennzeichnet, daß vom Zwischenbereich zwischen dem statischen Teil und dem dynamischen Teil der
Sichtereinrichtung zum Abzug eines Teilstroms des Sichtluftstroms/Sichtgasstroms eine
Bypassleitung (18, 18a) abgeht, die zu einem Feststoffabscheider (24) zum Abtrennen
der im Bypassgasstrom enthaltenen Feststoffe und/oder zu einer weiteren Prozeßstufe
zur Weiterverarbeitung dieses Bypassstromes führt.
2. Sichtereinrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß der Feststoffaustrag (25) des Feststoffabscheiders (24) über eine Feststoffaustragsleitung
(26) in den dynamischen Sichterteil führt zwecks Wiedereinführung wenigstens der Grobkornanteile
des abgeschiedenen Feststoffs - getrennt von der Sichtluft/dem Sichtgas - in die Sichtereinrichtung.
3. Sichtereinrichtung nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Bypassleitung (18) von der Oberseite des Sichtergehäuses (10) abgeht und
der Feststoffabscheider (24) oberhalb der Sichtereinrichtung angeordnet ist, und daß
die Feststoffaustragsleitung (25) des Feststoffabscheiders (24) von oben in den dynamischen
Sichterteil und/oder in den statischen Sichterteil eingeführt ist.
4. Sichtereinrichtung nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Bypassleitung (18a) von der Seitenwandung (30) des Sichtergehäuses (10) abgeht
und der Feststoffabscheider unterhalb des dynamischen Sichterteils angeordnet ist.
5. Sichtereinrichtung nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Drehachse des wenigstens einen im dynamischen Sichterteil rotierbar angeordneten
Stabkorbs (19) horizontal, vertikal oder schräg geneigt angeordnet ist.
6. Sichtereinrichtung nach den Ansprüchen 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß die Sichtereinrichtung (10) mit dem Feststoffabscheider (24) für die Bypassleitung
(18, 18a) zu einer kompakten Baueinheit zusammengefaßt ist.