[0001] Die Erfindung betrifft eine kontinuierlich arbeitende Presse, vorzugsweise zum Herstellen
und/oder Beschichten von Spanplatten, Faserplatten oder dgl. Pressgut, mit einer unteren
und einer oberen Pressplatte, einem um die untere Pressplatte und einem um die obere
Pressplatte geführten endlosen Pressband und einer Anordnung zum Aufbau und Aufrechterhaltung
eines Schmiermittelfilmes zwischen den einander zugewandten Pressplattenflächen und
den jeweils zugehörigen Pressbändern, wobei die Presse über die Arbeitslänge einen
eingangsseitigen Pressenhochdruckbereich, einen Pressenmitteldruckbereich und einen
ausgangsseitigen Pressenniederdruckbereich aufweist.
[0002] Kontinuierlich arbeitende Pressen der gattungsgemäßen Art sind prinzipiell aus dem
Stand der Technik bekannt. So ist beispielsweise in der EP 01 28 968 eine als Hydrodynpresse
bezeichnete Presse offenbart, die sich in der Praxis bereits vielfach bewährt hat.
Sie ermöglichst nicht nur die Herstellung unterschiedlichster plattenförmiger Produkte
im kontinuierlichen Betrieb, sondern zeichnet sich auch durch Wirtschaftlichkeit,
gleichzeitig hohe Genauigkeiten und die Möglichkeit, ein Eingangsbeschichtungsverfahren
mit Duroplastfilmen durchzuführen, aus. Die prinzipielle Arbeitsweise der in der oben
angeführten Patentschrift offenbarten kontinuierlich arbeitenden Presse sieht vor,
dass über die Länge des gesamten Pressbereiches der Presse gesehen der Pressdruck
im Einlaufbereich steil auf einen Maximalwert von beispielsweise 25 bar ansteigt,
um anschließend in einem Mitteldruckbereich parabelförmig abzusinken und abschließend
in einem Niederdruckbereich auf einem Niveau von beispielsweise 5 bar gehalten zu
werden. Darüber hinaus findet im ersten Drittel der Gesamtpresslänge die größte Erwärmung
des Pressgutes auf eine Reaktionstemperatur des im Pressgut enthaltenen Bindemittels
von beispielsweise 180° Celsius oder höher statt.
[0003] Somit wird in dem einlaufseitig ca. ersten Drittel der Presse der größte Druck auf
das Pressgut ausgeübt und die größte Wärmemenge in das Pressgut übertragen. Der bei
herkömmlichen aus dem Stand der Technik bekannten kontinuierlichen Pressen verwendete
isobare Schmiermittelfilm mit einer Dicke von 0,3 bis 0,5 mm zwischen den Pressbändern
und den zugehörigen oberen und unteren Pressplatten hat somit insbesondere im Hochdruckbereich
der Presse eine doppelte Aufgabenstellung zu erfüllen. Die Übertragung hoher Pressdrücke
in Verbindung mit einer großen Wärmedurchleitung durch den Schmiermittelfilm macht
bei herkömmlichen Pressen ein hohes Maß an Energieaufwand erforderlich, Darüber hinaus
erhöhen die zu erfüllenden Rahmenbedingungen an Wärmeleitfähigkeit und Pressdruckübertragung
den Verschleiß des verwendeten Pressöls.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, eine kontinuierlich arbeitende Presse
der gattungsgemäßen Art so weiterzuentwickeln, dass der Energieeinsatz und die Betriebskosten
beim Betrieb derartiger Pressen herabgesetzt und die Standzeiten der Öle der Pressen
heraufgesetzt werden.
[0005] Diese Aufgabe wird in Zusammenschau mit den gattungsbildenden Merkmalen durch die
technische Lehre des kennzeichnenden Teils des Anspruches 1 gelöst.
[0006] Die Lösung besteht wesentlich darin, dass im presseneingangsseitigen Bereich über
die gesamte Breite und im Wesentlichen die Länge des Pressenhochdruckbereiches zwischen
den Pressplatten und dem jeweiligen zugehörigen Pressband ein Rollenteppich angeordnet
ist.
[0007] Der Durchmesser der Rollen sollte möglichst klein gewählt werden (zum Beispiel im
Bereich 12mm bis 20 mm), um eine gleichmäßige Druckbeaufschlagung auf die Stahlbänder
und damit auf das Pressgut zu gewährleisten, da kleinere Rollen den Abstand der aufeinander
folgenden Rollenreihen verfleinem und eine fast gleichmäßige Druckbeaufschlagung ergeben.
Die Folge der gleichmäßigen Druckbeaufschlagung ist eine bessere Oberflächengüte und
eine längere Lebensdauer der Stahlpressbänder.
[0008] Durch diese erfindungsgemäße Gestaltung werden gerade in dem Pressenbereich, in dem
herkömmlich durch die Verwendung eines Schmiermittelfilmes von 0,3 mm bis 0,5 mm zwischen
Pressband und Pressplatte ein besonders hoher Energieaufwand notwendig ist, nunmehr
mechanisch durch den Rollenteppich sowohl der Pressdruck als auch die Wärme von der
Pressplatte auf das Pressband und somit das Pressgut übertragen. Es sind somit keinerlei
Hochdruckpumpen für die Bereitstellung des Schmiermittelfilmes notwendig, wodurch
auch unabhängig von dem zu übertragenden Druck keinerlei Energieaufwand zum Aufrechterhalten
des Druckes benötigt wird. Darüber hinaus weist der Rollenteppich gegenüber dem Stand
der Technik eine bessere Wärmeleitfähigkeit von ca.

auf, wohingegen für die im Stand der Technik verwendeten Ölschmiermittel nur Wärmeleitfähigkeiten
bis maximal

angegeben werden können.
[0009] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen des Gegenstandes der Erfindung ergeben sich
aus den Merkmalen der Unteransprüche.
[0010] Je nach zu pressendem Material und daraus resultierenden Presskurven während des
Durchlaufes des Pressgutes durch die kontinuierlich arbeitende Presse kann es vorteilhaft
sein, wenn der Rollenteppich in seiner Längenausdehnung in Arbeitsrichtung der Presse
gesehen, zusätzlich mindestens in einem Teilbereich des dem Hochdruckbereich zugewandten
Abschnittes des Mitteldruckbereiches angeordnet ist. Da in diesem Teilbereich des
Mitteldruckbereiches noch relativ hohe Druckwerte anzusetzen sind, ermöglicht die
Ausdehnung des Rollenteppiches in diesem Bereich eine zusätzliche Energieeinsparung
während des Pressenbetriebes.
[0011] An den Rollenteppich schließt sich dann unmittelbar die Anordnung zum Aufbau und
der Aufrechterhaltung des Schmiermittelfilmes zwischen den einander zugewandten Pressplattenflächen
und den jeweils zugehörigen Pressbändern an. In diesen Bereichen der Presse, der u.
a. als Kalibrierbereich für das Pressgut dient, sinkt der Innendruck im Pressgut mit
der Aushärtung des Bindemittels gegen Null, wobei die Temperatur im Pressgut durch
die Presse aufrecht gehalten bzw. im Kalibrierbereich gesenkt wird, um das Pressgut
zu kühlen.
[0012] In diesem Bereich lässt sich ein Vorteil des zwischen Pressplatte und Pressband befindlichen
Schmiermittelfilms nutzen, der darin besteht, dass die Temperatur durch das umlaufende
Öl direkter und schneller gesteuert werden kann als mit dem im vorderen Bereich befindlichen
Rollenteppich. Somit kann die Aushärtung und Kalibrierung des Pressgutes, welches
den Bereich des Rollenteppichs verlassen hat, dort erwärmt und verdichtet worden ist,
im hinteren Bereich der kontinuierlich arbeitenden Presse durch den hier Verwendung
findenden Schmiermittelfilm feinfühlig gesteuert werden, so dass evtl. vorhandene
durch den Rollenteppich hervorgerufene Unebenheiten problemlos egalisiert werden können.
[0013] Da im Niederdruckbereich das Öl nicht so hoch belastet wird, steigt die Standzeit.
Da weiterhin die zu übertragende Wärmemenge gering ist, wird zur Wärmeübertragung
keine große Menge Öl benötigt.
[0014] Somit lässt sich durch die erfindungsgemäße Gestaltung der kontinuierlich arbeitenden
Presse sowohl eine wesentliche Energieeinsparung im Pressenbetrieb erreichen sowie
eine Verringerung der Fertigungstoleranzen auf bis zu +/- 6/100 mm erreichen als auch
die Möglichkeit, das Eingangsdirektbeschichtungsverfahren mit Duroplastfilmen durchzuführen
[0015] Im Folgenden wird ein Ausführungsbeispiel des Gegenstandes der Erfindung anhand der
beigefügten Zeichnungen näher erläutert.
[0016] Die Zeichnung zeigt schematisch einen Längsschnitt durch eine erfindungsgemäße kontinuierlich
arbeitende Presse, wobei auf alle unwesentlichen Bauteile der Übersichtlichkeit halber
verzichtet wurde.
[0017] Die dargestellte kontinuierlich arbeitende Presse ― vorzugsweise zum Herstellen und/oder
Beschichten von Spanplatten, Faserplatten oder dgl. Pressgut ― weist eine untere Pressplatte
1 und eine darüber angeordnete und vorzugsweise bewegliche Pressplatte 2 auf. Zwischen
der oberen und unteren Pressplatte verläuft jeweils ein endloses oberes Pressband
3 und ein endloses unteres Pressband 4. Die Pressbänder 3, 4 werden jeweils im vorderen
Bereich durch Umlenkrollen 5, 6 in den Pressspalt 7 eingeführt und am Ende des Pressspaltes
7 über jeweils für das obere und untere Pressband vorhandene Antriebstrommeln 8 und
9 auf die Rückseite der jeweiligen unteren Pressplatte 1 bzw. der oberen Pressplatte
2 geführt. Im vorderen Bereich 10 der kontinuierlich arbeitenden Presse ist zwischen
den Pressbändern 3, 4 und den Pressplatten 1, 2 ein Rollenteppich 13 angeordnet. Der
vordere Bereich 10 ist im Wesentlichen identisch mit dem Hochdruckbereich der Presse,
in dem auf das durch den Pressspalt 7 hindurchlaufende Pressgut ein Pressdruck von
beispielsweise 25 bar aufgebracht wird. An den vorderen Bereich 10 schließt sich ein
Mitteldruckbereich 11 sowie ein Niederdruckbereich 12 an, in beiden Bereichen wird
zwischen den Pressbändern 3, 4 und den Pressplatten 1, 2 ein Schmiermittelfilm aufgebracht,
der die Reibung zwischen Pressplatten und Pressbändern herabsetzt und gleichzeitig
die in diesem Bereich geringen Pressdrücke überträgt und die Steuerung der Wärme-
bzw. Kältezufuhr auf das Pressgut vornimmt.
Bezugszeichenliste
[0018]
- 1.
- untere Pressplatte
- 2.
- obere Pressplatte
- 3.
- oberes Pressband
- 4.
- unteres Pressband
- 5.
- Umlenkrolle
- 6.
- Umlenkrolle
- 7.
- Pressspalt
- 8.
- Antriebstrommel
- 9.
- Antriebstrommel
- 10.
- Hochdruckbereich (vorderer Bereich)
- 11.
- Mitteldruckbereich
- 12.
- Niederdruckbereich
- 13.
- Rollenteppich
1. Kontinuierlich arbeitende Presse, vorzugsweise zum Herstellen und/ oder Beschichten
von Spanplatten, Faserplatten oder dergleichen Pressgut mit einer unteren (1) und
einer oberen Pressplatte (2), einem um die untere Pressplatte (1) und einem um die
obere Pressplatte (2) geführten endlosen Pressband (4, 3) und einer Anordnung zum
Aufbau und Aufrechterhaltung eines Schmiermittelfilmes zwischen den einander zugewandten
Pressplattenflächen und dem jeweils zugehörigen Pressband, wobei die Presse über die
Arbeitslänge einen Pressenhochdruckbereich (10), einen Pressenmitteldruckbereich (11)
und einen Pressenniederdruckbereich (12) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass im presseneingangsseitigen Hochdruckbereich (10) über die gesamte Breite und im Wesentlichen
die Länge des Pressenhochdruckbereiches (10) zwischen den Pressplatten (1, 2) und
den jeweiligen zugehörigen Pressbändern (3, 4) ein Rollenteppich (13) angeordnet ist.
2. Kontinuierlich arbeitende Presse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Rollenteppich (13) in seiner Längenausdehnung in Arbeitsrichtung der Presse zusätzlich
mindestens in einem Teilbereich des dem Hochdruckbereich (10) zugewandten Abschnitts
des Mitteldruckbereiches (11) angeordnet ist.
3. Kontinuierlich arbeitende Presse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Rollenteppich (13) nebeneinander angeordnete Stahlrollen aufweist.
4. Kontinuierlich arbeitende Presse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich an den presseneingangsseitigen Rollenteppich (13) die Anordnung zum Aufbau und
Aufrechterhaltung des Schmiermittelfilmes zwischen den einander zugewandten Pressplattenflächen
(1, 2) und den jeweils zugehörigen Pressbändern (3, 4) unmittelbar anschließt.