[0001] Die Erfindung betrifft ein Leimwerk zum Auftragen eines Klebstoffes auf den Rücken
oder angrenzende Bereiche eines vorbeigeführten Buchblocks, bestehend aus einer den
Klebstoff aufweisenden Wanne, in welche wenigstens eine den Klebstoff auf den Buchblockrücken
übertragende, gleichsinnig mit dem Buchblock angetriebene Auftragswalze ragt, die
nach dem Näherungsbereich zum Buchblock mit diesem einen Abreissbereich des Klebstoffes
bildet.
[0002] Ein Leimwerk der oben beschriebenen Art ist beispielsweise in "Industrielle Buchbinderei"
von Dieter Liebau, Ausgabe 1997 des Verlages Beruf + Schule, Itzehoe schematisch dargestellt.
Dieses Leimwerk weist zwei hintereinander angeordnete Auftragswalzen auf, die Klebstoff
aus einer Wanne zweifach auf Buchblockrücken übertragen.
[0003] Die gewählte Dosierung des zu übertragenden Klebstoffes erfolgt mittels eines dem
Auftragsbereich vorgeschalteten Rakels. Das Egalisieren der an dem Buchblockrücken
aufgetragenen Klebstoffschicht erfolgt durch einen Spinner, der in Gegenrichtung zur
Förderrichtung des Buchblocks rotiert und oftmals eine höhere Umfangsgeschwindigkeit
als die ihm zugeordnete Auftragswalze aufweist. Die Umfangsgeschwindigkeit einer Auftragswalze
entspricht etwa der Transportgeschwindigkeit der Buchblöcke.
[0004] Der von einer Auftragswalze aus der Wanne aufgenommene Klebstoff wird vor der Uebertragung
auf den Buchblockrücken durch ein Rakel auf eine bestimmte Schichtdicke abgestrichen
und anschliessend auf einen mitlaufenden Buchblockrücken übertragen, wobei im Sinne
einer günstigen Klebstoffpenetration durch den eingestellten Abstand zwischen Buchblockrücken
und Oberfläche der Auftragswalze ein gewisser Eindringdruck auf den zu übertragenden
Klebstoff erzeugt wird, der nach der grössten Annäherung wieder aufgelöst wird und
gleichzeitig eine unebene Klebstoffschicht am Buchblockrücken hinterlässt. Die am
Buchblockrücken entstandene Unebenheit wird durch den Spinner egalisiert, der dabei
dem Klebstoff auch sog. Leimfäden entzieht. Die Lage des Abreissbereichs des Klebstoffes
hängt u.a. von der Viskosität des Klebstoffes, des Abstandes zwischen Buchblockrücken
und Auftragswalze, der aufzutragenden Klebstoffdicke, der Laufgeschwindigkeit und
des Walzendurchmessers ab. Neben der unzureichenden Klebstoffoberfläche ist diese
durch die Oberflächenspannung des Klebstoffes in der Längsmitte dikker als an den
Rändern. Dadurch kann die gewünschte Auftragsstärke für eine optimale Bindequalität
in den Randbereichen oft nicht erzielt werden. Auch die durch den Spinner erzeugte
Scherbeanspruchung des Klebstoffes führt oft zu unkontrollierbarer Penetration an
den Seitenkanten des Buchblockrückens bzw. zu Qualitätseinbussen.
[0005] Deshalb liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Leimwerk nach der eingangs
beschriebenen Art so auszugestalten, dass durch einfache Mittel die erwähnten Nachteile
behoben werden können.
[0006] Erfindungsgemäss wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass der Auftragswalze ein zwischen
dieser und der Förderebene der Buchblockrücken den Auftrennbereich des zugeführten
Klebstoffes bildender, spitzwinkliger Trennkeil nachgeschaltet ist, sodass nach der
Uebertragung des Klebstoffes auf den Buchblockrücken eine fliessende Längsteilung
der zugeführten Klebstoffschicht entstehen kann.
[0007] Vorteilhaft ist der Trennkeil zur Aenderung seiner Lage verstellbar angeordnet, sodass
er an die veränderbaren Auftragsbedingungen anpassbar ist.
[0008] Vorzugsweise ist die der Förderebene der Buchblockrücken zugewandte Keilfläche des
Trennkeils mit ersterer einen sich in Förderrichtung öffnenden spitzen Freihaltewinkel
bildend angeordnet, wodurch eine klare Trennung zwischen dem am Buchblockrücken aufgetragenen
Klebstoff und dem Trennkeil entstehen kann.
[0009] Für eine Nachbehandlung der Oberfläche der am Buchblockrücken aufgetragenen Klebstoffschicht
ist eine dem Trennkeil nachgeschaltete Glättvorrichtung vorgesehen, mit der die Oberfläche
des Klebstoffes abgezogen wird.
[0010] Diese Glättvorrichtung weist vorteilhaft eine der Förderebene der Buchblockrücken
zugewandte ebene Fläche auf, die in einem flachen Winkel an den aufgetragenen Klebstoff
anstellbar ist, sodass letzterer leicht abgezogen resp. geglättet werden kann.
[0011] Nachstehend wird die erfindungsgemässe Vorrichtung unter Bezugnahme auf die Zeichnung,
auf die bezüglich aller in der Beschreibung nicht näher erwähnten Einzelheiten verwiesen
wird, anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert. In der Zeichnung zeigt die
- einzige Figur
- einen Querschnitt durch eine Klebstoffauftragsstation.
[0012] Ein Leimwerk 1 besteht im wesentlichen aus einer Klebstoff bzw. Leim 2 enthaltenden
Wanne 3, in der zwei um senkrecht zur Förderrichtung F von in einem Klebebinder eine
Bearbeitungsstrecke durchlaufenden Buchblöcken 4 rotierend angetriebene, glatte Auftragswalzen
5, 6 in den Klebstoff 2 eintauchend angeordnet sind. Ein Leimwerk 1 mit zwei Auftragswalzen
5, 6 gewährleistet eine höhere Zuverlässigkeit der Klebstoffübertragung, als dies
mit einer Auftragswalze 6 möglich ist, nicht zuletzt, weil zwei Auftragswalzen 5,
6 mit unterschiedlichen Abständen zu den in einer konstanten Förderebene 7 passierenden
Buchblöcken 4 einstellbar sind. Dabei wird die erste Auftragswalze 5 zur Uebertragung
einer geringeren Klebstoffmenge eingestellt. Die Auftragsmenge wird jeweils durch
ein die Klebstoffmenge an der Auftragswalze 5, 6 bestimmendes Rakel 8, 9 eingestellt,
welches eine gegen die Auftragstrommel 5, 6 gerichtete Abstreifkante 10 aufweist.
Bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel sind die Rakel 8, 9 um eine zu den Drehachsen
11, 12 der Auftragswalzen 5, 6 parallele Achsen schwenkbar ausgebildet. Die Auftragswalzen
5, 6 sind soweit in den Klebstoff 2 eingetaucht, wie dies durch das Niveau angedeutet
ist, und fördern den Klebstoff 2 in der vermerkten Drehrichtung D nach oben. Die vom
Rakel 8, 9 abgestreifte überschüssige Klebstoffmenge fliesst in die Wanne 3 zurück,
die zur Aufbereitung des Klebstoffes 2 mit einer Heizung versehen sein kann. Die zweite
Auftragswalze 6 ist für die Stabilisierung des Buchrückens vorgesehen und fördert
einen dickeren Klebstofffilm wie die erste Auftragswalze 5, sodass sie etwas mehr
vom Buchblockrücken beabstandet ist.
[0013] Der auf dem Buchblockrücken zuviel aufgetragene Klebstoff 2 wird nun nicht mehr von
einem Spinner oder einem Abstreichrakel egalisiert -wie u.a. in "Technologie der Klebebindung"
von Alfred Furler, Verlag "Deutscher Drucker" offenbart ist-, sondern von einem der
Auftragswalze 5, 6 nachgeschalteten, zwischen dieser und der Förderebene 7 der Buchblockrücken
ein den Auftrennbereich 13 des zugeführten Klebstoffes 2 bildenden, spitzwinkligen
Trennkeil 14. Der Trennkeil kann so eingestellt werden, dass er im Auftrennbereich
13, wo sich Förderebene 7 und Auftragswalze 5, 6 wieder trennen, an dem Buchblockrücken
eine weitgehend ebene Klebstoffoberfläche erzeugt und den Ueberschuss des geförderten
Klebstoffes 2 an die Auftragswalze 5, 6 abtrennt. Im Sinne einer Anpassungsfähigkeit
an die bindetechnischen und physikalischen Bedingungen ist der Trennkeil 14 verstellbar
angeordnet, so dass er tiefer oder weniger tief, näher oder weniger nahe an die Förderebene
7 versetzt werden kann. Auch ist sein Anstellwinkel im Auftrennbereich 13 wählbar,
wofür beispielsweise eine Schwenkachse vorgesehen sein kann. Die vorzugsweise schwertähnliche
Querschnittsform des Trennkeils 14 weist am freien Ende eine annähernd messerscharfe
Kante auf, die den Klebstofffilm in zwei glatte Trennflächen aufweisende Aeste teilt.
Bedeutungsvoll ist, dass der Trennkeil 14 so in den Auftrennbereich 13 eingesetzt
wird, dass seine der Förderebene 13 der Buchblockrücken zugewandte Keilfläche 16 und
erstere 13 einen sich in Förderrichtung F öffnenden spitzen Freihaltewinkel bilden,
damit sich am Trennkeil 14 kein Klebstoff 2 aufbauen kann.
[0014] Im Anschluss an den Trennkeil 14 ist eine den Klebstoffauftrag am Buchblockrücken
glättende Glättvorrichtung 17 angeordnet. Diese kann an dem Trennkeil 14 oder letzterer
an der Glättvorrichtung 17 befestigt sein, wobei das jeweils tragende Organ 14, 17
mit einem Maschinengestell verbunden ist. Die Glättvorrichtung 17 weist eine unter
flachem Winkel an die aufgetragene Klebstoffschicht anstellbare ebene Fläche auf,
deren Abstand zum Buchrücken durch Stellschrauben verändert werden kann. Sowohl Trennkeil
14 wie Glättvorrichtung 17 können mit einem Heizelement 15 versehen sein.
1. Leimwerk (1) zum Auftragen eines Klebstoffes (2) auf den Rücken oder angrenzender
Bereiche eines vorbeigeführten Buchblocks (4), bestehend aus einer den Klebstoff (2)
aufweisenden Wanne (3), in welche wenigstens eine den Klebstoff (2) auf den Buchblockrücken
übertragende, gleichsinnig mit dem Buchblock (4) angetriebene Auftragswalze (5, 6)
ragt, die nach dem Näherungsbereich zum Buchblock (4) mit diesem einen Auftrennbereich
(13) des Klebstoffes (2) bildet, dadurch gekennzeichnet, dass der Auftragswalze (5,
6) zwischen dieser und der Förderebene (7) der Buchblockrücken ein dem Auftrennbereich
(13) des zugeführten Klebstoffes (2) bildender, spitzwinkliger Trennkeil (14) nachgeschaltet
ist.
2. Leimwerk nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Trennkeil (14) verstellbar
ausgebildet ist.
3. Leimwerk nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die der Förderebene
(7) der Buchblöcke (4) zugewandte Keilfläche (16) des Trennkeils (14) mit ersterer
einen sich in Förderrichtung (F) öffnenden spitzen Freihaltewinkel bildet.
4. Leimwerk nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass dem Trennkeil
(14) eine auf den am Buchblockrücken aufgetragenen Klebstoff (2) einwirkende Glättvorrichtung
(17) nachgeschaltet ist.
5. Leimwerk nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Glättvorrichtung (17) eine
unter flachem Winkel an die aufgetragene Klebstoffschicht anstellbare ebene Fläche
aufweist.