(19)
(11) EP 1 084 945 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
21.03.2001  Patentblatt  2001/12

(21) Anmeldenummer: 00119615.3

(22) Anmeldetag:  08.09.2000
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7B63B 19/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 18.09.1999 DE 29916438 U

(71) Anmelder: Taflo, Roland
23966 Wismar (DE)

(72) Erfinder:
  • Taflo, Roland
    23966 Wismar (DE)

(74) Vertreter: Schnick, Achim et al
Schnick & Fiebig Patentanwälte Schonenfahrerstrasse 7
18057 Rostock
18057 Rostock (DE)

   


(54) Schiffsfenster


(57) Schiffsfenster für seegehende Schiffe, die den Ansprüchen der IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften für sicherheitsrelevante Bereiche entsprechen, im wesentlichen bestehend aus einem mit der Schiffswand fest verbindbaren Fensterrahmen sowie einer im Fensterrahmen gelagerten Glasscheibe, ist dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) mit dem Fensterrahmen (1) durch einen Kleber auf Polyurethanbasis verbunden ist.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft Schiffsfenster für seegehende Schiffe.

[0002] Schiffsfenster werden heute national und international nach den derzeit geltenden ISO-Vorschriften konstruiert, durch nationale und internationale Schiffsklassifikations-Gesellschaften sowie durch Berufsgenossenschaften geprüft und deren Einbau kontrolliert. Diese Vorschriften beinhalten insbesondere Bedingungen für den Brandschutz, die Seewasserbeständigkeit, die UV-Beständigkeit sowie die Alterungsbeständigkeit der zu verwendeten Bauteile. Die Arten der verschiedenen nichtöffnenden bzw. öffnenden Schiffsfenster unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller nur unwesentlich in der konstruktiven Gestaltung ihrer Hauptbauteile. Sie nutzen alle die Fügetechnik Schrauben für den kraft- und formschlüssigen Verbindungsaufbau zwischen Glas und Metall. Bekannte Ausführungen verwenden gleiche Bauteile und konstruktive Flächen: Fensterzarge als geschraubtes oder geschweißtes Bauteil aus Metall, einen Zargenansatz zur Zentrierung der Fenster in der Schiffswand, einen Glasrahmen zur Aufnahme der Glasscheibe sowie einen Glashalterahmen als Sicherungselement für die Glasscheibe. Die Ursache für quasi gleiche Konstruktionen liegt in den restriktiven Normvorgaben begründet.

[0003] Die Funktionalität der derzeit den Schiffsfenster-Standard präsentierenden Fensterkonstruktionen sind durch das Zulassungsverfahren der jeweiligen Zulassungsbehörde garantiert. Nachteile aus der Sicht der Hersteller und Nutzer sind den Domänen Fertigungs- und Materialaufwand zuzuordnen, die wiederum negative Auswirkungen auf die Fertigungskosten und das Produktgewicht haben.

[0004] Aus den Zeitschriften HANSA-Schiffahrt-Schiffbau-Hafen, 132.Jg., 1995, Nr. 12, S.25,26 und YACHT, H.16, 1989, S.82 sind das Verkleben von Scheiben auf metallene Unterkonstruktionen in untergeordneten und nichtsicherheitsrelevanten Bereichen auf Passagierschiffen und im Yachtbau bekannt. Die hier beschriebenen Konstruktionen genügen nicht den IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften für die definierten Sicherheitsbereiche eines seegehenden Schiffes.

[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Verbindung Zarge-Glasscheibe zu optimieren und dabei gleichzeitig den IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften für Schiffsfenster in sicherheitsrelevanten Bereichen von seegehenden Schiffen zu genügen.

[0006] Diese Aufgabe wird gemäß dem kennzeichnenden Teil des Schutzanspruches 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des Gegenstandes der Erfindung sind in den Unteransprüchen 2 bis 5 angegeben.

[0007] Die Klebetechnik nach heutigem Entwicklungsstand und mit den ihr eigenen Möglichkeiten hat sich im Schiffbau noch nicht durchgesetzt, obwohl Anwendungsbeispiele aus der Fahrzeugindustrie sowie der Luft- und Raumfahrt Potentiale aufzeigen, die durch mehrere unbestreitbare Vorteile belegt sind. Durch die erfindungsgemäße Lösung wird bei der Zarge-Glasscheibenverbindung das erste Mal im Schiffbau die Klebetechnik bei Schiffsfenstern, vorgesehen für den Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen, zum Einsatz gebracht und dabei eine dauerhaft kraft- und formschlüssige Glas-Metallverbundbauweise erreicht. Positive Effekte des Klebstoffes, wie dessen gleichmäßige Krafteinleitung in die Materialien, seine Elastizität sowie sein Dämpfungs- und Dichtungsverhalten wirken in der vorliegenden erfindungsgemäßen Lösung in Kombination den Auswirkungen der Schiffskörperverwindung sowie des Seewassers auf das Fenster entgegen. Weitere Vorteile ergeben sich durch Einsparungen an Fertigungskosten und Einsatzgewicht.

[0008] Anhand von Ausführungsbeispielen wird die Erfindung im folgenden näher erläutert. In den zugehörigen Zeichnungen zeigen:
Fig. 1
eine Schnittdarstellung durch eine Seite eines nichtöffnenden Schiffsfenster,
Fig. 2
eine Schnittdarstellung durch eine Seite eines öffnenden Schiffsfenster.


[0009] In der Fig. 1 ist ein nicht öffnendes Schiffsfenster im klebegefügten Glas-Metallverbund dargestellt. In einer Öffnung der Außenhaut 8 des Schiffskörpers bzw. der Schiffswand 8 eines Aufbaus oder eines Deckshauses ist ein Fensterrahmen 1 als Winkelzarge mit Glasauflagefläche aus Baustahl vorgesehen, der mit der Außenhaut/Schiffswand 8 durch Schweißung fest verbunden ist. Die Glasscheibe 2 in der Ausführung als Einscheibensicherheitsglas liegt mit ihrem gesamten äußeren Umfang am Fensterrahmen 1 im Bereich des nach innen weisenden Winkels der Zarge, die im Inneren des Schiffskörpers, des Aufbaus bzw. des Deckshauses angeordnet ist, in einem Bett aus einem Kleber 3. Als Kleber 3, der als Fügematerial und Dichtung zwischen dem Fensterrahmen 1 und der Glasscheibe 2 fungiert, ist ein Einkomponentenklebstoff auf Polyurethan Basis vorgesehen, der eine besondere Eignung zum elastischen Verbinden von Glas mit Metall aufweist.

[0010] Aus der Sicht der Klebeverbindung nicht zwingend erforderlich, aber der Forderung, wonach Glasscheiben 2 im Brandfall vor dem Herausfallen aus dem Fensterrahmen 1 zu sichern sind, genügend, sind in einem bestimmten Abstand von der Glasscheibe 2 und parallel zu dieser am inneren Umfang des Fensterrahmens 1 Sicherungsstifte 4 mit dem Fensterrahmen 1 verbunden. Am gesamten Umfang werden nach Erfordernis Sicherungsstifte 4 angeordnet.

[0011] Zur Verhinderung der direkten UV-Bestrahlung des Klebers 3 und damit gegen seine beschleunigte Alterung und Funktionsminderung werden eine Fugenabdeckung 5 aus einem elastischen Dichtstoff am ausgebildeten Kleberbett sowie ein Siebdruck 9 auf der Außenseite der Glasscheibe 2 eingesetzt. Die Fugenabdeckung 5 stellt eine Wirkverbindung zwischen dem Kleber 3, der Innenfläche des Fensterrahmens 1 bzw. des Glashalterahmens 6 und der Glasscheibe 2 her. Die Sicherungsstifte 4 werden durch die Fugenabdeckung 5 zum Teil abgedeckt.

[0012] Fig. 2 zeigt ein öffnendes Schiffsfenster im klebegefügten Glas-Metallverbund. Hierbei wird als Fensterrahmen 1 ein Flachstahl in Baustahlausführung verwendet, der mit der Außenhaut/Schiffswand 8 durch Schweißung fest verbunden ist. An der inneren Kante des Fensterrahmens 1 ist ein Glashalterahmen 6, vorzugsweise aus Messing, angeordnet, indem die Glasscheibe 2 in einem Kleberbett gelagert ist. Zwischen Fensterrahmen 1 und Glashalterahmen 6 ist eine Profildichtung 7 vorgesehen. Der Glashalterahmen 6 weist im Querschnitt eine L-Form auf, wobei der nach innen weisende Schenkel auf der Schiffsaußenseite angeordnet ist. Das Kleberbett liegt hierbei im Bereich der Innenfläche und des nach innen weisenden Schenkels des Glashalterahmens 6.

[0013] Im Brandfall wirken Sicherungsstifte 4, die am Umfang des Glashalterahmens 6 angeordnet sind, gegen ein Herausfallen der Glasscheibe 2. Das bestehende Kleberbett wird an der Außen- sowie an der Innenseite durch eine elastische Fugenabdeckung 5 gegen UV-Bestrahlung sowie andere schädliche Einflüße geschützt.

[0014] Zur vereinfachten Darstellung wurden weitere Elemente eines Schiffsfensters, wie Scharniere und Verschlüsse nicht dargestellt.

Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen



[0015] 
1
Fensterrahmen
2
Glasscheibe
3
Kleber
4
Sicherungsstift
5
Fugenabdeckung
6
Glashalterahmen
7
Profildichtung
8
Außenhaut/Schiffswand
9
Siebdruck



Ansprüche

1. Schiffsfenster für seegehende Schiffe, die den Ansprüchen der IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften für sicherheitsrelevante Bereiche entsprechen, im wesentlichen bestehend aus einem mit der Außenhaut des Schiffskörpers bzw. der Schiffswand eines Schiffsaufbaus oder eines Deckshauses fest verbindbaren Fensterrahmen sowie einer im Fensterrahmen gelagerten Glasscheibe, dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) mit dem Fensterrahmen (1) durch einen Kleber (3) verbunden ist.
 
2. Schiffsfenster nach Anspruch 1, wobei der Fensterrahmen aus einer Winkelzarge gebildet ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) im Bereich ihrer dem Fensterrahmen (1) zugewandten Flächen mit diesem durch einen Kleber (3) verbunden ist.
 
3. Schiffsfenster nach Anspruch 1, wobei der Fensterrahmen aus einem Flachstahl gebildet ist, der mit einem Glashalterahnten verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) im Bereich der Innenfläche und des nach innen weisenden Schenkels des Glashalterahmens (6) mit dem Glashalterahmen (6) durch einen Kleber (3) verbunden ist.
 
4. Schiffsfenster nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kleber (3) ein elastischer Einkomponentenklebstoff auf Polyurethan Basis ist.
 
5. Schiffsfenster nach Anspruch 1-4, dadurch gekennzeichnet, daß das ausgebildete Kleberbett durch eine elastische Fugenabdeckung (5) gegen schädliche Einwirkungen geschützt ist.
 




Zeichnung