[0001] Die Erfindung betrifft Schiffsfenster für seegehende Schiffe.
[0002] Schiffsfenster werden heute national und international nach den derzeit geltenden
ISO-Vorschriften konstruiert, durch nationale und internationale Schiffsklassifikations-Gesellschaften
sowie durch Berufsgenossenschaften geprüft und deren Einbau kontrolliert. Diese Vorschriften
beinhalten insbesondere Bedingungen für den Brandschutz, die Seewasserbeständigkeit,
die UV-Beständigkeit sowie die Alterungsbeständigkeit der zu verwendeten Bauteile.
Die Arten der verschiedenen nichtöffnenden bzw. öffnenden Schiffsfenster unterscheiden
sich von Hersteller zu Hersteller nur unwesentlich in der konstruktiven Gestaltung
ihrer Hauptbauteile. Sie nutzen alle die Fügetechnik Schrauben für den kraft- und
formschlüssigen Verbindungsaufbau zwischen Glas und Metall. Bekannte Ausführungen
verwenden gleiche Bauteile und konstruktive Flächen: Fensterzarge als geschraubtes
oder geschweißtes Bauteil aus Metall, einen Zargenansatz zur Zentrierung der Fenster
in der Schiffswand, einen Glasrahmen zur Aufnahme der Glasscheibe sowie einen Glashalterahmen
als Sicherungselement für die Glasscheibe. Die Ursache für quasi gleiche Konstruktionen
liegt in den restriktiven Normvorgaben begründet.
[0003] Die Funktionalität der derzeit den Schiffsfenster-Standard präsentierenden Fensterkonstruktionen
sind durch das Zulassungsverfahren der jeweiligen Zulassungsbehörde garantiert. Nachteile
aus der Sicht der Hersteller und Nutzer sind den Domänen Fertigungs- und Materialaufwand
zuzuordnen, die wiederum negative Auswirkungen auf die Fertigungskosten und das Produktgewicht
haben.
[0004] Aus den Zeitschriften HANSA-Schiffahrt-Schiffbau-Hafen, 132.Jg., 1995, Nr. 12, S.25,26
und YACHT, H.16, 1989, S.82 sind das Verkleben von Scheiben auf metallene Unterkonstruktionen
in untergeordneten und nichtsicherheitsrelevanten Bereichen auf Passagierschiffen
und im Yachtbau bekannt. Die hier beschriebenen Konstruktionen genügen nicht den IMO/SOLAS-
und DIN/ISO-Vorschriften für die definierten Sicherheitsbereiche eines seegehenden
Schiffes.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die Verbindung Zarge-Glasscheibe zu optimieren
und dabei gleichzeitig den IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften für Schiffsfenster
in sicherheitsrelevanten Bereichen von seegehenden Schiffen zu genügen.
[0006] Diese Aufgabe wird gemäß dem kennzeichnenden Teil des Schutzanspruches 1 gelöst.
Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des Gegenstandes der Erfindung sind
in den Unteransprüchen 2 bis 5 angegeben.
[0007] Die Klebetechnik nach heutigem Entwicklungsstand und mit den ihr eigenen Möglichkeiten
hat sich im Schiffbau noch nicht durchgesetzt, obwohl Anwendungsbeispiele aus der
Fahrzeugindustrie sowie der Luft- und Raumfahrt Potentiale aufzeigen, die durch mehrere
unbestreitbare Vorteile belegt sind. Durch die erfindungsgemäße Lösung wird bei der
Zarge-Glasscheibenverbindung das erste Mal im Schiffbau die Klebetechnik bei Schiffsfenstern,
vorgesehen für den Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen, zum Einsatz gebracht
und dabei eine dauerhaft kraft- und formschlüssige Glas-Metallverbundbauweise erreicht.
Positive Effekte des Klebstoffes, wie dessen gleichmäßige Krafteinleitung in die Materialien,
seine Elastizität sowie sein Dämpfungs- und Dichtungsverhalten wirken in der vorliegenden
erfindungsgemäßen Lösung in Kombination den Auswirkungen der Schiffskörperverwindung
sowie des Seewassers auf das Fenster entgegen. Weitere Vorteile ergeben sich durch
Einsparungen an Fertigungskosten und Einsatzgewicht.
[0008] Anhand von Ausführungsbeispielen wird die Erfindung im folgenden näher erläutert.
In den zugehörigen Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1
- eine Schnittdarstellung durch eine Seite eines nichtöffnenden Schiffsfenster,
- Fig. 2
- eine Schnittdarstellung durch eine Seite eines öffnenden Schiffsfenster.
[0009] In der Fig. 1 ist ein nicht öffnendes Schiffsfenster im klebegefügten Glas-Metallverbund
dargestellt. In einer Öffnung der Außenhaut 8 des Schiffskörpers bzw. der Schiffswand
8 eines Aufbaus oder eines Deckshauses ist ein Fensterrahmen 1 als Winkelzarge mit
Glasauflagefläche aus Baustahl vorgesehen, der mit der Außenhaut/Schiffswand 8 durch
Schweißung fest verbunden ist. Die Glasscheibe 2 in der Ausführung als Einscheibensicherheitsglas
liegt mit ihrem gesamten äußeren Umfang am Fensterrahmen 1 im Bereich des nach innen
weisenden Winkels der Zarge, die im Inneren des Schiffskörpers, des Aufbaus bzw. des
Deckshauses angeordnet ist, in einem Bett aus einem Kleber 3. Als Kleber 3, der als
Fügematerial und Dichtung zwischen dem Fensterrahmen 1 und der Glasscheibe 2 fungiert,
ist ein Einkomponentenklebstoff auf Polyurethan Basis vorgesehen, der eine besondere
Eignung zum elastischen Verbinden von Glas mit Metall aufweist.
[0010] Aus der Sicht der Klebeverbindung nicht zwingend erforderlich, aber der Forderung,
wonach Glasscheiben 2 im Brandfall vor dem Herausfallen aus dem Fensterrahmen 1 zu
sichern sind, genügend, sind in einem bestimmten Abstand von der Glasscheibe 2 und
parallel zu dieser am inneren Umfang des Fensterrahmens 1 Sicherungsstifte 4 mit dem
Fensterrahmen 1 verbunden. Am gesamten Umfang werden nach Erfordernis Sicherungsstifte
4 angeordnet.
[0011] Zur Verhinderung der direkten UV-Bestrahlung des Klebers 3 und damit gegen seine
beschleunigte Alterung und Funktionsminderung werden eine Fugenabdeckung 5 aus einem
elastischen Dichtstoff am ausgebildeten Kleberbett sowie ein Siebdruck 9 auf der Außenseite
der Glasscheibe 2 eingesetzt. Die Fugenabdeckung 5 stellt eine Wirkverbindung zwischen
dem Kleber 3, der Innenfläche des Fensterrahmens 1 bzw. des Glashalterahmens 6 und
der Glasscheibe 2 her. Die Sicherungsstifte 4 werden durch die Fugenabdeckung 5 zum
Teil abgedeckt.
[0012] Fig. 2 zeigt ein öffnendes Schiffsfenster im klebegefügten Glas-Metallverbund. Hierbei
wird als Fensterrahmen 1 ein Flachstahl in Baustahlausführung verwendet, der mit der
Außenhaut/Schiffswand 8 durch Schweißung fest verbunden ist. An der inneren Kante
des Fensterrahmens 1 ist ein Glashalterahmen 6, vorzugsweise aus Messing, angeordnet,
indem die Glasscheibe 2 in einem Kleberbett gelagert ist. Zwischen Fensterrahmen 1
und Glashalterahmen 6 ist eine Profildichtung 7 vorgesehen. Der Glashalterahmen 6
weist im Querschnitt eine L-Form auf, wobei der nach innen weisende Schenkel auf der
Schiffsaußenseite angeordnet ist. Das Kleberbett liegt hierbei im Bereich der Innenfläche
und des nach innen weisenden Schenkels des Glashalterahmens 6.
[0013] Im Brandfall wirken Sicherungsstifte 4, die am Umfang des Glashalterahmens 6 angeordnet
sind, gegen ein Herausfallen der Glasscheibe 2. Das bestehende Kleberbett wird an
der Außen- sowie an der Innenseite durch eine elastische Fugenabdeckung 5 gegen UV-Bestrahlung
sowie andere schädliche Einflüße geschützt.
[0014] Zur vereinfachten Darstellung wurden weitere Elemente eines Schiffsfensters, wie
Scharniere und Verschlüsse nicht dargestellt.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
[0015]
- 1
- Fensterrahmen
- 2
- Glasscheibe
- 3
- Kleber
- 4
- Sicherungsstift
- 5
- Fugenabdeckung
- 6
- Glashalterahmen
- 7
- Profildichtung
- 8
- Außenhaut/Schiffswand
- 9
- Siebdruck
1. Schiffsfenster für seegehende Schiffe, die den Ansprüchen der IMO/SOLAS- und DIN/ISO-Vorschriften
für sicherheitsrelevante Bereiche entsprechen, im wesentlichen bestehend aus einem
mit der Außenhaut des Schiffskörpers bzw. der Schiffswand eines Schiffsaufbaus oder
eines Deckshauses fest verbindbaren Fensterrahmen sowie einer im Fensterrahmen gelagerten
Glasscheibe, dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) mit dem Fensterrahmen
(1) durch einen Kleber (3) verbunden ist.
2. Schiffsfenster nach Anspruch 1, wobei der Fensterrahmen aus einer Winkelzarge gebildet
ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Glasscheibe (2) im Bereich ihrer dem Fensterrahmen
(1) zugewandten Flächen mit diesem durch einen Kleber (3) verbunden ist.
3. Schiffsfenster nach Anspruch 1, wobei der Fensterrahmen aus einem Flachstahl gebildet
ist, der mit einem Glashalterahnten verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, daß die
Glasscheibe (2) im Bereich der Innenfläche und des nach innen weisenden Schenkels
des Glashalterahmens (6) mit dem Glashalterahmen (6) durch einen Kleber (3) verbunden
ist.
4. Schiffsfenster nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Kleber
(3) ein elastischer Einkomponentenklebstoff auf Polyurethan Basis ist.
5. Schiffsfenster nach Anspruch 1-4, dadurch gekennzeichnet, daß das ausgebildete Kleberbett
durch eine elastische Fugenabdeckung (5) gegen schädliche Einwirkungen geschützt ist.