[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Lackierung, insbesondere zur Mehrschichtlackierung
von Fahrzeugkarossen oder deren Teilen mit insbesondere Wasserlacken, insbesondere
im Bereich der Fahrzeugreparaturlackierung.
[0002] Aus ökologischen Gründen ist man bestrebt, auch auf dem Gebiet der Fahrzeugreparaturlackierung
in zunehmendem Maße lösemittelbasierende Lacke durch Wasserlacke zu ersetzen. Die
entwickelten Wasserlacke haben bereits ein Qualitätsniveau erreicht, das sie in einer
Mehrzahl von Eigenschaften den lösemittelbasierenden Lacken ebenbürtig macht. Einige
Eigenschaften haben jedoch noch nicht das Qualitätsniveau lösemittelbasierender Lacke
erreicht. Beispielsweise ist es beim Einsatz wasserverdünnbarer Basis-, Klar- und
Einschichtdecklacke noch problematisch, eine gleichmäßige Qualität der Lackierung,
insbesondere bezüglich Oberflächeneigenschaften und Zwischenschichthaftung bei unterschiedlichen
äußeren Bedingungen zu gewährleisten. Besonders schwierig ist es, unter Umgebungsbedingungen
mit stark variierender Luftfeuchtigkeit eine reproduzierbare Trocknung der Wasserlacke
und daraus resultierende gleichmäßige Oberflächenqualität der Lackierung zu erzielen.
[0003] Aufgabe der Erfindung war es daher, ein Verfahren zur Mehrschichtlackierung, insbesondere
für die Fahrzeugreparaturlackierung, bereitzustellen, welches es ermöglicht, auch
beim Einsatz von wasserbasierenden Basis-, Klar- und Einschichtdecklacken Beschichtungen
mit hoher und gleichmäßiger Qualität der Lackierung, insbesondere bezüglich Oberflächeneigenschaften
und Zwischenschichthaftung zu erzielen. Die gleichmäßige Qualität der Lackierung soll
insbesondere auch unter stark variierenden Umgebungsbedingungen bei der Applikation,
wie z.B. der Luftfeuchtigkeit, gewährleistet sein. Eine gleichmäßige Qualität der
Lackierung soll ebenso an kritischen Stellen, wie Sikken oder Kanten gegeben sein.
Weiterhin sollen mit dem erfindungsgemäßen Verfahren harte und kratzfeste Beschichtungen
erhalten werden. Damit verbunden ist die Forderung nach einer guten Polierbarkeit
der Beschichtung und insbesondere nach einer guten Polierbarkeit relativ rasch nach
Applikation und Trocknung.
[0004] Es hat sich gezeigt, daß diese Aufgabe gelöst werden kann, durch die einen Gegenstand
der Erfindung darstellende Verwendung von NIR-Strahlung zur Härtung von Klarlackschichten
oder Einschichtdecklackschichten auf Fahrzeugkarossen oder deren Teilen, insbesondere
bei der Reparaturlackierung.
[0005] Bei der erfindungsgemäß verwendeten NIR-Strahlung (nahes Infrarot) handelt es sich
um kurzwellige Infrarot-Strahlung des Wellenlängenbereichs von 760 bis 1500 nm; bevorzugt
760 bis 1200 nm.
[0006] Einen weiteren Gegenstand der Erfindung betrifft ein Verfahren zur Lackierung eines
Substrats durch Auftrag eines Klarlackbeschichtungsmittels auf ein vorbeschichtetes
Substrat oder eines Einschichtdecklackbeschichtungsmittels auf ein gegebenenfalls
vorbeschichtetes Substrat und anschließende Härtung, wobei es sich bei dem Substrat
um eine Fahrzeugkarosse oder deren Teile handelt, das dadurch gekennzeichnet ist,
daß das Substrat nach dem Auftrag des Klarlackbeschichtungsmittels oder Einschichtdecklackbeschichtungsmittels
gegebenenfalls einer Ablüftphase unterworfen und anschließend die Härtung durch Bestrahlung
mit NIR-Strahlung des Wellenlängenbereichs von 760 bis 1500 nm durchgeführt wird.
[0007] Die erfindungsgemäß eingesetzten Klarlackbeschichtungsmittel oder Einschichtdeeklaekbeschichtungsmittel
können bevorzugt wasserbasierend sein. Es ist jedoch auch möglich, lösemittelbasierende
Beschichtungsmittel einzusetzen.
[0008] Beim erfindungsgemäßen Verfahren kann es sich insbesondere um ein Verfahren zur Mehrschichtlackierung
handeln. Dabei wird beispielsweise auf das gegebenenfalls mit Füller- und/oder weiteren
Beschichtungsmitteln beschichtete Substrat eine Decklackschicht aufgebracht. Diese
Decklackschicht kann beispielsweise aus einem farb- und/oder effektgebenden lösemittel-
oder wasserbasierenden Basislackbeschichtungsmittel und einem wasserbasierenden Klarlackbeschichtungsmittel
bestehen. Die Decklackschicht kann auch aus einem wasserbasierenden pigmentierten
Einschichtdecklackbeschichtungsmittel bestehen. Beispielsweise kann so vorgegangen
werden, daß im Falle der Applikation des Decklackbeschichtungsmittels in Form eines
pigmentierten Einschichtdecklackes die Decklackschicht zunächst gegebenenfalls einer
Ablüftphase unterworfen und anschließend durch Bestrahlen mit NIR-Strahlung gehärtet
wird und daß im Falle der Applikation des Decklackbeschichtungsmittels in Form eines
Basislack/Klarlack-Aufbaues zunächst eine Basislackschicht aufgebracht, nach Härtung
der Basislackschicht oder naß-in-naß gegebenenfalls nach einer Ablüftphase die Klarlackschicht
aufgebracht, gegebenenfalls einer Ablüftphase unterworfen und anschließend durch Bestrahlen
mit NIR-Strahlung gehärtet wird.
[0009] Die Anwendung von NIR-Strahlung allgemein zum Trocknen von Farben und Lacken ist
bekannt. Als Anwendungsmöglichkeiten werden beispielsweise folgende Bereiche genannt:
Druckbranche, Folientrocknung, Rohrtrocknung, Holzbeschichtungen, Pulverbeschichtungen.
Als besondere Vorteile der NIR-Technologie werden die sehr rasche Trocknung, insbesondere
bei Wasserlacken und die schonende Trocknung durch geringe Erhitzung des Substrates
genannt. Über Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie in der Fahrzeuglackiexung,
insbesondere der Fahrzeugreparaturlackierung ist nichts bekannt.
[0010] Überraschend wurde nun gefunden, daß die Aufgabe der vorliegenden Erfindung durch
die Verwendung von NIR-Strahlung zur Härtung von Klarlack- und Einschichtdecklackschichten
in einem Mehrschichtaufbau gelöst werden kann.
[0011] Die im erfindungsgemäßen Verfahren durchgeführte Bestrahlung mit NIR-Strahlung kann
mit einem üblichen energiereichen NIR-Strahler durchgeführt werden. Derartige NIR-Strahler
sind kommerziell erhältlich (beispielsweise von der Firma Industrie SerVis). Es handelt
sich beispielsweise um Hochleistungshalogenstrahler mit einer Strahlungsdichte von
im allgemeinen mehr als 1 W/cm
2, bevorzugt mehr als 10 W/cm
2, bis beispielsweise 15 MW/m
2. Die Strahler erreichen beispielsweise eine Strahleroberflächentemperatur (Glühwendeltemperatur)
von über 2500 K, z.B. von 2500 bis 3000 K. Geeignete Strahler weisen beispielsweise
ein Emissionsspektrum mit einem Maximum zwischen 750 und 1200 nm auf.
[0012] Bevorzugt wird erfindungsgemäß eine Ablüftphase vor der Bestrahlung mit NIR-Strahlung
eingeschaltet. Die Ablüftphase erfolgt in üblicher Weise, beispielsweise an der Luft
oder durch Aufblasen von Luft, z.B bei Temperaturen von 10 bis 80°C, insbesondere
bei Raumtemperatur. Die aufgeblasene Luft kann gegebenenfalls auch erwärmt sein. Es
können verschiedene Abblassysteme eingesetzt werden, z.B. Handabblaspistolen, Stand-
oder Wandabblassysteme. Im einfachsten Fall kann das Ablüften durch Stehen bei Raumtemperatur
realisiert werden.
[0013] Durch Einschalten der Ablüftphase kann eine bei direkter Bestrahlung nach der Applikation
mit NIR-Bestrahlung mitunter auftretende Blasenbildung an der Lackoberfläche vermieden
werden.
[0014] Im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbare Klarlack- und Einschichtdecklackbeschichtungsmittel
sind beispielsweise übliche und dem Fachmann bekannte Klarlacke und Einschichtdecklacke
auf Wasserbasis, wie sie im Bereich der Fahrzeuglackierung, insbesondere der Fahrzeugreparaturlackierung
eingesetzt werden. Die Klarlack- und Einschichtdecklackbeschichtungsmittel enthalten
wasserverdünnbare Bindemittel. Bei den wasserverdünnbaren Bindemitteln handelt es
sich um die üblichen, dem Fachmann für diesen Anwendungszweck bekannten Bindemittel.
Es kann sich beispielsweise um einkomponentige oder zweikomponentige wasserverdünnbare
Bindemittelsysteme handeln. Bevorzugt sind jedoch zweikomponentige Bindemittelsysteme.
Beispiele für einkomponentige Bindemittelsysteme sind solche auf Basis von wasserverdünnbaren
Polyurethan-, Polyacrylat-, Polyester- und/oder Alkydharzen. Die einkomponentigen
Bindemittelsysteme können z.B. physikalisch oder oxidativ trocknend sein.
Beispiele für wasserverdünnbare zweikomponentige vernetzbare Bindemittelsysteme sind
solche auf Basis von hydroxyfunktionellen Bindemitteln, wie z.B. Polyurethan-, Polyesterurethan-
und/oder Polyacrylatpolyolen, und Polyisocyanaten, auf Basis von acetoacetylfunktionellen
und (meth)acryloylfunktionellen Bindemitteln sowie auf Basis von (meth)acryloylfunktionellen
Bindemitteln oder (meth)acryloyl- und glycidylfunktionellen Bindemitteln und Polyaminen.
Beispiele für die vorstehend genannten Bindemittelsysteme sind ausführlicher in den
WO-A-94/03511, EP-A-358 979, EP-A-496 205 und DE-A-40 27 259 beschrieben.
[0015] Ebenso eingesetzt werden können auch wasserverdünnbare mittels energiereicher Strahlung,
bevorzugt UV-Strahlung, zumindest teilweise härtbare Bindemittel. Bevorzugt handelt
es sich dabei um radikalisch härtbare Bindemittel. Bei den bevorzugten radikalisch
härtenden Bindemitteln kann es sich um Prepolymere, wie Poly- oder Oligomere, die
radikalisch polymerisierbare olefinische Doppelbindungen, insbesondere in Form von
(Meth)acryloylgruppen im Molekül aufweisen, handeln. Die Prepolymeren können in Kombination
mit Reaktiwerdünnern, d.h. reaktiven flüssigen Monomeren, vorliegen.
[0016] Beispiele für Prepolymere oder Oligomere sind (meth)acryloylfunktionelle (Meth)acrylcopolymere,
Epoxidharz(meth)acrylate, Polyester(meth)acrylate, Polyether(meth)acrylate, Polyurethan(meth)acrylate,
ungesättigte Polyester, ungesättigte Polyurethane oder Silikon(meth)acrylate mit zahlenmittleren
Molekularmassen (Mn) bevorzugt im Bereich von 200 bis 10000, besonders bevorzugt von
500 bis 3000 und mit durchschnittlich 2 bis 20, bevorzugt 3 bis 10 radikalisch polymerisierbaren,
olefinischen Doppelbindungen pro Molekül.
[0017] Werden Reaktivverdünner verwendet, so werden sie in Mengen von 1 bis 50 Gew.-% eingesetzt,
bevorzugt von 5 bis 30 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht von Prepolymeren und
Reaktivverdünnern. Es handelt sich um niedermolekulare definierte Verbindungen, die
mono-, di- oder polyungesättigt sein können. Beispiele für solche Reaktivverdünner
sind: (Meth)acrylsäure und deren Ester, Maleinsäure und deren Halbester, Vinylacetat,
Vinylether, substituierte Vinylharnstoffe, Ethylen- und Propylenglykoldi(meth)acrylat,
1,3- und 1,4-Butandioldi(meth)acrylat, Vinyl(meth)acrylat, Allyl(meth)acrylat, Glycerintri-,
-di- und -mono(meth)acrylat, Trimethylolpropantri-, -di- und -mono(meth)acrylat, Styrol,
Vinyltoluol, Divinylbenzol, Pentaerythrittri- und -tetra(meth)acrylat, Di- und Tripropylenglykoldi(meth)acrylat,
Hexandioldi(meth)acrylat, sowie deren Gemische.
[0018] Einsetzbare UV-härtbare Bindemittel sind beispielsweise in der DE-A-41 33 290 beschrieben.
[0019] Im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbare Basislackbeschichtungsmittel sind beispielsweise
übliche dem Fachmann bekannte Basislacke, wie sie im Bereich der Fahrzeuglackierung,
insbesondere der Fahrzeugreparaturlackierung eingesetzt werden. Die Basislacke können
wasserbasierend oder lösemittelbasierend sein. Beispiele für lösemittelbasierende
Basislacke sind solche auf Basis von Polyacrylat- und/oder Polyesterharzen, gegebenenfalls
in Kombination mit Melaminharzen und Celluloseestern. Beispiele für Wasserbasislacke
sind solche auf Basis physikalisch trocknender Polyurethan-, Polyurethan/hamstoff-,
Polyester-, Polyesterurethanund/oder Polyacrylatharze sowie deren Modifizierungen,
wie z.B. acrylierter oder siliziummodifizierter Polyurethan- und/oder Polyesterharze.
Weiterhin kommen Wasserbasislacke aus chemisch vernetzenden Bindemittelkomponenten,
z.B. aus hydroxylgruppenhaltigen Bindemitteln und Polyisocyanatvernetzern, in Frage.
[0020] Ebenso eingesetzt werden können auch wasserverdünnbare mittels energiereicher Strahlung,
bevorzugt UV-Strahlung, zumindest teilweise härtbare Bindemittel. Bevorzugt handelt
es sich dabei um radikalisch härtbare Bindemittel, wie sie vorstehend bereits genannt
wurden.
[0021] Bei den hier genannten für Basislacke, Klarlacke und Einschichtdecklacke geeigneten
Bindemittelsystemen handelt es sich lediglich um eine beispielhafte Aufzählung. Ebenso
können die Bindemittelsysteme noch weitergehend modifiziert sein und es können auch
verschiedene Vemetzungsmechanismen miteinander kombiniert werden, beispielsweise kann
eine Härtung mittels UV-Strahlung mit einem weiteren Vernetzungsmechanismus kombiniert
werden. Beispiele für letzgenannte Kombination sind beschrieben in der noch nicht
veröffentlichten deutschen Patentanmeldung derselben Anmelderin P 198 187 35 sowie
in den WO-A-9800452 und DE-A-197 09 560.
[0022] Die im erfindungsgemäßen Verfahren einsetzbaren Basislack- und Einschichtdecklackschichtungsmittel
enthalten farb- und/oder effektgebende Pigmente. Als farbgebende Pigmente sind alle
lacküblichen Pigmente organischer oder anorganischer Natur geeignet. Beispiele für
anorganische oder organische farbgebende Pigmente sind Titandioxid, mikronisiertes
Titandioxid, Eisenoxidpigmente, Ruß, Azopigmente, Phthalocyaninpigmente, Chinacridon-
oder Pyrrolopyrrolpigmente. Beispiele für effektgebende Pigmente sind Metallpigmente,
z.B. aus Aluminium, Kupfer oder anderen Metallen; Interferenzpigmente, wie z.B. metalloxidbeschichtete
Metallpigmente, z.B. titandioxidbeschichtetes oder mischoxidbeschichtetes Aluminium,
beschichteter Glimmer, wie z.B. titandioxidbeschichteter Glimmer und Graphiteffektpigmente.
Insbesondere in den einsetzbaren Klarlacken können auch transparente Pigmente enthalten
sein.
[0023] Die im erfindungemäßen Verfahren einsetzbaren Beschichtungsmittel können weiterhin
Wasser sowie organische Lösemittel und lackübliche Additive enthalten.
[0024] Bei den in den Beschichtungsmitteln gegebenenfalls vorhandenen organischen Lösemitteln
handelt es sich um übliche lacktechnische Lösemittel. Diese können aus der Herstellung
der Bindemittel stammen oder werden separat zugegeben. Im Falle von wasserbasierenden
Beschichtungsmitteln sind es bevorzugt wassermischbare Lösemittel. Beispiele für geeignete
Lösemittel sind ein- oder mehrwertige Alkohole, z.B. Propanol, Butanol, Hexanol; Glykolether
oder -ester, z.B. Diethylenglykoldialkylether, Dipropylenglykoldialkylether, jeweils
mit C1- bis C6-Alkyl, Ethoxypropanol, Butylglykol; Glykole, z.B. Ethylenglykol, Propylenglykol
und deren Oligomere, N-Methylpyrrolidon sowie Ketone, z.B. Methylethylketon, Aceton,
Cyclohexanon; aromatische oder aliphatische Kohlenwasserstoffe, z.B. Toluol, Xylol
oder lineare oder verzweigte aliphatische C6-C12-Kohlenwasserstoffe.
[0025] Die Beschichtungsmittel können desweiteren lackübliche Additive enthalten. Beispiele
für lackübliche Additive sind Verlaufsmittel, rheologiebeeinflussende Mittel, wie
hochdisperse Kieselsäure oder polymere Harnstoffverbindungen, Verdicker, wie anvemetzte
Polycarbonsäure oder Polyurethane, Entschäumer, Netzmittel, Antikratermittel, Lichtschutzmittel
und Härtungsbeschleuniger. Die Additive werden in üblichen, dem Fachmann bekannten
Mengen eingesetzt.
[0026] Werden mittels UV-Strahlung härtbare Bindemittel eingesetzt, dann enthalten die Decklackbeschichtungsmittel
zusätzlich Photoinitiatozen, z.B. in Mengen von 0,1 bis 5 Gew.-%, bevorzugt von 0,5
bis 3 Gew.-%, bezogen auf die Summe von radikalisch polymerisierbaren Prepolymeren,
Reaktiwerdünnern und Photoinitiatoren. Beispiele für Photoinitiatoren sind Benzoin
und -derivate, Acetophenon und -derivate, z.B. 2,2-Diacetoxyacetophenon, Benzophenon
und -derivate, Thioxanthon und -derivate, Anthrachinon, 1-Benzoylcyclohexanol, phosphororganische
Verbindungen, wie z.B. Acylphospinoxide. Die Photoinitiatoren können allein oder in
Kombination eingesetzt werden.
[0027] Bei zweikomponentigen Beschichtungsmitteln, müssen die miteinander reaktiven Bindemittelkomponenten
getrennt gelagert werden und können erst kurz vor der Applikation miteinander vermischt
werden.
[0028] Generell kann vor der Applikation bei Bedarf mit Wasser oder organischen Lösemitteln
noch auf Spritzviskosität eingestellt werden.
[0029] Die Applikation der Beschichtungsmittel im erfindungsgemäßen Verfahren kann nach
üblichen Methoden, bevorzugt mittels Spritzapplikation erfolgen.
[0030] Üblicherweise werden die Deckschichten aus einem farb- und/oder effektgebenden lösemittel-
oder wasserbasierenden Basislackbeschichtungsmittel und einem wasserbasierenden Klarlackbeschichtungsmittel
oder aus einem wasserbasierenden pigmentierten Einschichtdecklackbeschichtungsmittel
auf gegebenenfalls mit Füllerund/oder weiteren Beschichtungsmitteln beschichtete Substrate
aufgebracht. Als Substrate sind Metall- und Kunststoffsubstrate, insbesondere die
in der Automobilindustrie bekannten Substrate, geeignet, wie z.B. Eisen, Zink, Aluminium,
Magnesium, Edelstahl oder deren Legierungen, sowie Polyurethane, Polycarbonate oder
Polyolefine. Auf die gegebenenfalls vorbehandelten und/oder vorbeschichteten Substrate
wird üblicherweise zunächst eine Füllerschicht aufgebracht und gehärtet.
[0031] Auf die Füllerschicht kann dann die Decklackschicht appliziert werden. Im Falle einer
Decklackschicht aus einem Basislack- und einem Klarlackbeschichtungsmittel wird zunächst
die Basislackschicht aufgebracht. Die Härtung der Basislackschicht kann bei Raumtemperatur
oder forciert bei beispielsweise 40 bis 80°C erfolgen. Die Basislackschicht kann jedoch
auch naß-in-naß, gegebenenfalls nach einer Ablüftphase mit dem Klarlack überlackiert
und dann gemeinsam mit dem Klarlack gehärtet werden. Insbesondere beim Einsatz von
Wasserbasislacken kann bevorzugt auch so vorgegangen werden, daß die applizierte Basislackschicht
mittels NIR-Strahlung getrocknet wird. Die genauere Verfahrensweise bei der NIR-Bestrahlung
wird nachstehend erläutert.
[0032] Anschließend wird dann der Klarlack appliziert. Nach der Applikation des Klarlackes
kann gemäß der bevorzugten Ausführungsform eine Ablüftphase folgen, z.B. innerhalb
5 bis 45 Minuten, bevorzugt 15 bis 40 Minuten, bei z.B. 10 bis 80°C, bevorzugt bei
Raumtemperatur. Nach der Ablüftphase erfolgt die Bestrahlung mit NIR-Strahlung. Die
Bestrahlung kann dabei beispielsweise in einer mit einem NIR-Strahler ausgerüsteten
Bandanlage oder mit einem NIR-Strahler, der vor dem zu bestrahlenden Objekt bzw. der
zu bestrahlenden Stelle positioniert wird, durchgeführt werden.
[0033] Die erstgenannte Möglichkeit bietet sich an bei der Reparaturlackierung von Einzelteilen,
wobei die Bandgeschwindigkeit und damit die Bestrahlungsdauer variiert werden können.
Beispielsweise können Bandgeschwindigkeiten von 1,0 bis 7,0 m/min eingestellt werden,
was beispielsweise Bestrahlungszeiten von von 2 bis 20 s entsprechen kann. Der Abstand
zwischen NIR-Strahler und Objektoberfläche kann z.B. 10 bis 60 cm betragen.
[0034] Bei der zweiten Möglichkeit wird der NIR-Strahler vor dem zu bestrahlenden Objekt
bzw. der zu bestrahlenden Stelle positioniert. Die Bestrahlungsdauer kann z.B. 1 bis
300 s betragen, der Objektabstand z.B. 5 bis 60 cm.
[0035] Durch gezielte Auswahl der verschiedenen Parameter, wie Bandgeschwindigkeit, Bestrahlungsdauer
und Objektabstand, und natürlich in Abhängigkeit von der Strahlungsleistung des verwendeten
NIR-Strahlers können unterschiedliche Objekttemperaturen eingestellt werden. Beispielsweise
können Objekttemperaturen von 80 bis 150°C eingestellt werden.
[0036] Nach der Bestrahlung der Klarlackschicht mit NIR-Strahlung ist die Härtung abgeschlossen.
[0037] Lediglich bei Verwendung mittels energiereicher Strahlung härtbarer Bindemittel wird
noch eine UV-Bestrahlung angeschlossen. Bevorzugt werden dazu UV-Strahlungsquellen
mit Emissionen im Wellenlängenbereich von 180 bis 420 nm, insbesondere von 200 bis
400 nm eingesetzt. Entsprechende UV-Strahlungsquellen und die UV-Technologie gehören
zum Stand der Technik und sind dem Fachmann bekannt.
[0038] Im Falle einer Decklackschicht aus einem Einschichtdecklackbeschichtungsmittel wird
auf den Untergrund, bevorzugt auf die Füllerschicht der Einschichtdecklack aufgebracht.
Nach der Applikation des Einschichtdecklackes kann bevorzugt eine Ablüftphase folgen,
wie vorstehend beschrieben. Nach der Ablüftphase erfolgt die Bestrahlung mit NIR-Strahlung.
Die Bestrahlung kann dabei beispielsweise in einer mit einem NIR-Strahler ausgerüsteten
Bandanlage oder mit einem NIR-Strahler, der vor dem zu bestrahlenden Objekt bzw. der
zu bestrahlenden Stelle positioniert wird, durchgerührt werden. Bei Verwendung mittels
energiereicher Strahlung härtbarer Bindemittel muß noch eine UV-Bestrahlung, wie vorstehend
bereits beschrieben, angeschlossen werden.
[0039] Eine vorteilhafte Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens besteht darin, die
applizierte Füllerschicht ebenfalls mit NIR-Strahlung auszuhärten. Dabei ist es möglich,
nach Applikation z.B. eines wässrigen Füllerbeschichtungsmittels die Füllerschicht
nach einer gegebenenfalls gewährten Ablüftphase zunächst einer Trocknung durch Bestrahlen
mit NIR-Strahlung zu unterziehen. Anschließend kann die Endhärtung mit einem geeigneten
Härtungsverfahren erfolgen. Die Endhärtung kann beispielsweise bei Raumtemperatur,
forciert bei höheren Temperaturen, durch Bestrahlen mit UV- oder IR- oder NIR-Strahlung
erfolgen. Bevorzugt erfolgt die Endhärtung mit UV- oder NIR-Strahlung.
[0040] Es ist jedoch auch möglich, die, Härtung der Füllerschicht nach einer gegebenenfalls
gewährten Ablüftphase nur mit einer einzigen NIR-Bestrahlungsphase durchzuführen.
[0041] Das erfindungsgemäße Verfahren findet bevorzugt Anwendung in der Fahrzeug- und Fahrzeugteilelackierung,
insbesondere in der Fahrzeugreparaturlackierung. Es ist jedoch auch möglich, das erfindungsgemäße
Verfahren in der Fahrzeugserienlackierung, insbesondere bei Reparaturlackierungen
in der Fahrzeugserienlackierung anzuwenden.
[0042] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren werden Decklackschichten mit einer gleichmäßigen
reproduzierbaren Qualität bezüglich Zwischenschichthaftung und Oberflächeneigenschaften
auch bei variierenden äußeren Bedingungen, insbesondere bei stark variierender Luftfeuchtigkeit,
erzielt. Ebenso ist eine gleichmäßige Qualität der Lackierung auch an kritischen Stellen
wie Sikken oder Kanten gewährleistet. Die Decklackschichten weisen sehr gute Härte
und Kratzfestigkeit auf. Sie lassen sich nach kurzer Zeit sehr gut polieren. Von Vorteil
ist natürlich auch die extrem kurze Trocken- bzw. Härtungszeit, die mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren erzielt wird. Die extrem kurze Trocken- bzw. Härtungszeit wird auch durch
die gegebenenfalls zu gewährende Ablüftphase, welche auch bei einem üblichen Lackiervorgang
mit Härtung, beispielsweise in einem Ofen auftritt, nicht wesentlich beeinträchtigt.
Die Durchlaufzeiten beispielsweise in einer Reparaturlackierwerkstatt können dadurch
wesentlich verkürzt werden, was die Rentabilität der Werkstatt insgesamt verbessert.
[0043] Auch bei Reparaturlackierungen in der Fahrzeugserienlackierung kann der Zeitfaktor
eine wesentliche Rolle spielen.
[0044] Die Erfindung soll an Hand der folgenden Beispiele näher erläutert werden.
Beispiel 1
[0045] Auf einen mit einem handelsüblichen Zweikomponenten (2K)-Füllerbeschichtungsmittel
beschichteten Kotflügel eines Kraftfahrzeuges wurde ein Wasserbasislack (hergestellt
entsprechend DE-A-196 43 802, Herstellungsbeispiel 4) in einer resultierenden Trockenfilmschichtdicke
von 13 bis 15 µm appliziert. Nach einer Ablüftphase von 25 Minuten bei Raumtemperatur,
wurde ein Wasserklarlack auf Basis eines OH-funktionellen Polyurethanharzes und eines
Polyisocyanatvernetzers (hergestellt entsprechend WO-A-94/03511, Beispiel 11) in einer
resultierenden Trockenfilmschichtdicke von 50 µm appliziert. Nach einer Ablüftphase
von 35 Minuten bei Raumtemperatur erfolgte die Bestrahlung mit einem NIR-Strahler
(500 W/cm
2). Der Abstand Strahler/Objekt betrug 10 cm, die Bestrahlungszeit 6 s.
Beispiel 2
[0046] Auf einen mit einem handelsüblichen 2K-Füllerbeschichtungsmittel beschichteten Kotflügel
eines Kraftfahrzeuges wurde ein Wasserbasislack (hergestellt entsprechend DE-A-196
43 802, Herstellungsbeispiel 4) in einer resultierenden Trockenfilmschichtdicke von
13 bis 15 µm appliziert. Nach einer Ablüftzeit von 10 Minuten erfolgte eine Bestrahlung
mit einem NIR-Strahler (500 W/cm
2). Der Abstand Strahler/Objekt betrug 10 cm, die Bestrahlungszeit 6 s. Anschließend
wurde ein Wasserklarlack auf Basis eines OH-funktionellen Polyurethanharzes und eines
Polyisocyanatvernetzers (hergestellt entsprechend WO-A-94/03511, Beispiel 11) in einer
resultierenden Trockenfilmschichtdicke von 50 µm appliziert. Nach einer Ablüftphase
von 35 Minuten bei Raumtemperatur erfolgte die Bestrahlung mit einem NIR-Strahler
(500 W/cm
2). Der Abstand Strahler/Objekt betrug 10 cm, die Bestrahlungszeit 6 s.
Vergleichsbeispiel
[0047] Es wurde analog Beispiel 1 vorgegangen, nur mit dem Unterschied, daß der applizierte
Klarlack nach einer Ablüftphase von 35 Minuten 60 Minuten bei 60°C gehärtet wurde.
Vergleich der lacktechnischen Ergebnisse
[0048] Die gemäß Beispiel 1 und 2 lackierten Kotflügel zeigen am gesamten Objekt eine einheitliche
gleichmäßige optische Oberflächenqualität bezüglich Fülle, Glanz und Verlauf, während
gemäß Vergleichsbeispiel 3 diese Eigenschaften an Sicken und Kanten unbefriedigend
ausgebildet sind.
| |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Vgl.-Beispiel |
| Polierbarkeit nach 30 Minuten |
i.O. |
i.O. |
n.i.O. |
| nach 24 h |
i.O. |
i.O. |
i.O. |
| Härte (Fingernageltest) (unmittelbar nach Härtung) |
sehr gut |
sehr gut |
gut |
1. Verfahren zur Lackierung eines Substrats durch Auftrag eines Klarlackbeschichtungsmittels
auf ein vorbeschichtetes Substrat oder eines Einschichtdecklackbeschichtungsmittels
auf ein gegebenenfalls vorbeschichtetes Substrat und anschließende Härtung, wobei
es sich bei dem Substrat um eine Fahrzeugkarosse oder deren Teile handelt, dadurch gekennzeichnet, daß das Substrat nach dem Auftrag des Klarlackbeschichtungsmittels oder Einschichtdecklackbeschichtungsmittels
gegebenenfalls einer Ablüftphase unterworfen und anschließend die Härtung durch Bestrahlung
mit NIR-Strahlung des Wellenlängenbereichs von 760 bis 1500 nm durchgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Klarlackbeschichtungsmittel oder Einschichtdecklackbeschichtungsmittel ein Beschichtungsmittel
auf Wasserbasis verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Klarlackschicht auf eine Basislackschicht, gegebenenfalls naß-in-naß aufgebracht
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß es zur Reparaturlackierung von Fahrzeugkarossen oder deren Teilen durchgeführt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß das Ablüften während 5 bis 45 Minuten im Temperaturbereich von 10 bis 80°C, insbesondere
bei Raumtemperatur erfolgt.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß sich an die NIR-Bestrahlung noch eine UV-Bestrahlung zur Aushärtung von gegebenenfalls
aufgebrachten durch energiereiche Strahlung härtbaren Beschichtungsmitteln anschließt.
7. Verwendung von NIR-Strahlung im Wellenlängenbereich von 760 bis 1500 nm zur Härtung
von wasserbasierenden Klarlackschichten oder Einschichtdecklackschichten auf Fahrzeugkarossen
oder deren Teilen.
8. Verwendung nach Anspruch 7 bei der Reparaturlackierung von Fahrzeugkarossen oder deren
Teilen.
1. Method for coating a substrate by applying a clear varnish coating onto a pre-coated
substrate, or a one-coat coating lacquer onto an optionally pre-coated substrate,
with subsequent curing, the substrate being a body of a motor vehicle or parts thereof,
characterised in that, after the application of the clear varnish coating or one-coat coating lacquer,
the substrate is optionally subjected to a drying phase and the curing is then carried
out by NIR radiation in the wavelength range of 760 to 1500 nm.
2. Method according to claim 1, characterised in that a water-based coating is used as the clear varnish coating or one-coat coating lacquer.
3. Method according to either claim 1 or claim 2, characterised in that the clear varnish coating is applied onto a basecoat layer, optionally in a wet-on-wet
process.
4. Method according to claim 1, claim 2 or claim 3, characterised in that it is carried out for refinishing motor vehicle bodies or parts thereof.
5. Method according to any one of claims 1 to 4, characterised in that drying is carried out for 5 to 45 minutes in a temperature range from 10 to 80°C,
in particular at room temperature.
6. Method according to any one of claims 1 to 5, characterised in that the NIR radiation is followed by UV radiation, in order to cure coatings that have
optionally been applied and are curable by high-energy radiation.
7. Use of NIR radiation in a wavelength range of 760 to 1500 nm for curing water-based
clear varnish coatings or one-coat coating lacquers on motor vehicle bodies or parts
thereof.
8. Use according to claim 7 in the refinishing of motor vehicle bodies or parts thereof.
1. Procédé de laquage d'un substrat par application d'un agent de revêtement transparent
laquable sur un substrat pré-enduit ou d'un agent de revêtement de finition unicouche
laquable sur un substrat éventuellement pré-enduit et durcissement subséquent, dans
lequel le substrat consiste en une carrosserie ou des parties de carrosserie d'un
véhicule, caractérisé en ce que le substrat est éventuellement soumis à une phase de séchage après l'application
de l'agent de revêtement transparent laquable ou de l'agent de revêtement de finition
unicouche laquable et en ce que le durcissement subséquent est réalisé par irradiation mettant en oeuvre un rayonnement
proche infrarouge dans une plage de longueurs d'onde allant de 760 à 1500 nm.
2. Procédé suivant la revendication 1, caractérisé en ce que l'agent de revêtement transparent laquable ou l'agent de revêtement de finition unicouche
laquable consiste en un agent de revêtement à base aqueuse.
3. Procédé suivant la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que la couche de laque transparente est appliquée sur une couche de laque de base, éventuellement
suivant la technique humide sur humide.
4. Procédé suivant la revendication 1, 2 ou 3, caractérisé en ce qu'il est mis en oeuvre dans le cadre d'un laquage de réparation d'une carrosserie ou
de parties de carrosserie d'un véhicule.
5. Procédé suivant les revendications 1 à 4, caractérisé en ce que le séchage s'effectue sur une durée de 5 à 45 minutes, dans une plage de températures
comprises entre 10 et 80 °C, notamment à température ambiante.
6. Procédé suivant les revendications 1 à 5, caractérisé en ce que le rayonnement proche infrarouge s'accompagne encore d'une irradiation UV en vue
du durcissement des agents de revêtement durcissables par radiation énergétique éventuellement
appliqués.
7. Utilisation d'un rayonnement proche infrarouge dans une plage de longueurs d'onde
allant de 760 à 1500 nm afin de procéder au durcissement de couches de laque transparente
ou de couches de laque de finition unicouche à base aqueuse appliquées sur la carrosserie
ou des parties de carrosserie d'un véhicule.
8. Utilisation suivant la revendication 7 pour le laquage de réparation d'une carrosserie
ou de parties de carrosserie d'un véhicule.