[0001] In kataphoretischen Beschichtungsbädern, beispielsweise zum Grundieren und Lackieren
von Autokarosserien, wird der die Kataphorese bewirkende Stromfluß in der Badflüssigkeit
durch Anodenzellen erzeugt, die entlang des Beckenrands in vertikaler oder horizontaler
Orientierung in die Badflüssigkeit eintauchend angeordnet sind, während das zu beschichtende
Werkstück, also z.B. eine Autokarosserie, als Kathode geschaltet ist.
[0002] Die Anodenzellen weisen eine Metallanode auf, die in einer von der Badflüssigkeit
durch eine Ionenaustauschermembran getrennten und von einem hindurchzirkulierten Anolyten
durchströmten Kammer angeordnet ist.
[0003] Es ist bereits bekannt, derartige Anodenzellen in Flachbauweise auszuführen. Die
Anodenzelle hat dann die Form eines flachen Kastens mit einer Höhe von etwa zwei Meter,
einer Breite von etwa 0,80 Meter und einer Tiefe von einigen Zentimetern. Der Kasten
besteht aus einem Rahmen mit einer Rückwand; die Frontwand ist durch die Ionenaustauschermembran
gebildet, die an einem entsprechend stabilen Stützgitter gegen den hydrostatischen
Druck abgestützt ist. Die plattenförmige Anode steht in dem im Gebrauch in vertikaler
oder horizontaler Orientierung in die Badflüssigkeit eintauchend angeordneten Kasten
auf dem unteren Rahmenholm auf. Der Anolyt wird von einem Zuleitungsanschluß am oberen
Rahmenholm durch zwei entlang der seitlichen Rahmenholme verlaufende Rohre oder Schläuche
in der Anodenzelle nach unten geführt und tritt dort aus horizontal über dem unteren
Rahmenholm verlaufende Rohrabschnitten in das Zelleninnere aus. Die Anolytenableitung
erfolgt aus dem oberen Bereich der Anodenzelle.
[0004] Die bekannten Anodenzellen in dieser Flachbauweise haben verschiedene Nachteile.
Es hat sich gezeigt, daß die Plattenanode im unteren Bereich schnell und stark korrodiert,
wobei insbesondere die Eckbereiche in relativ kurzer Zeit stark weggefressen werden.
Schlammablagerungen und -Ansammlungen im unteren Bereich der Anodenzelle, was auch
von der starken Anodenkorrosion herrührt, behindern die Anolytenzirkulation, weil
sie den Austritt des Anolyten aus den über dem unteren Rahmenholm verlaufenden Rohrabschnitten
behindern oder gar blockieren. Der Austausch der Plattenanode ist schwierig, da die
Plattenanode ein so großes Gewicht hat, daß ein Hebezeug notwendig ist, um sie aus
der Anodenzelle herauszuziehen und eine neue Plattenanode einzuführen. Die ganze Anodenzelle
ist ziemlich schwer, weil sie wegen des hydrostatischen Drucks entsprechend stabil
gebaut sein muß und insbesondere das Stützgitter für die Ionenaustauschermembran entsprechend
stabil sein muß. Dabei ist weniger die Einwirkung der Badflüssigkeit von außen auf
die Anodenzelle das Problem, da die Anodenzelle ja selbst mit Anolyt gefüllt ist.
Wird aber das Beschichtungsbad abgelassen, wirkt sich der innere hydrostatische Druck
der mit Anolyt gefüllten Anodenzelle wegen der großen Bauhöhe der Anodenzelle stark
aus.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine erheblich verbesserte Anodenzelle
in Flachbauweise zu schaffen, welche die aufgezeigten Probleme zumindest in erheblichem
Umfang reduziert.
[0006] Diese Aufgabe wird gemäß der Erfindung durch die im Patentanspruch 1 angegebene Anodenzelle
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche.
Der Aufbau der erfindungsgemäßen Anodenzelle und die sich daraus ergebenden vorteilhaften
Wirkungen werden nachstehend unter Bezugnahme auf das in der Zeichnung dargestellte
und im folgenden in seinen Einzelheiten beschriebene Ausführungsbeispiel erläutert.
In den Zeichnungen zeigt:
- Fig. 1
- eine teilweise aufgebrochene Frontansicht einer Anodenzelle nach der Erfindung, und
- Fig. 2
- eine teilweise aufgebrochene Seitenansicht der Anodenzelle nach Fig. 1.
[0007] Die erfindungsgemäße Anodenzelle besteht aus einem Rahmen 1 aus Kunststoff, einer
Rückwand 2 ebenfalls aus Kunststoff, einer die Frontwand bildenden Ionenaustauschermembran
3 mit einem als Diagonalgitter ausgeführten Stützgitter 4 aus glasfaserverstärktem
Kunststoff, an der Frontseite längs des Rahmens angeordneten Winkelprofilen 5, welche
die Membran 3 und das Stützgitter 4 an der Frontseite des Rahmens 1 befestigen, weiter
einer Mehrzahl von über die Frontfläche der Anodenzelle außen verlaufenden und jeweils
an den seitlichen Rahmenholmen befestigter Verstärkungsbügeln 6 aus Stahl, zwei in
den seitlichen Rahmenholmen 11 verlaufenden Anolytenzuleitungsrohren 7, und zwei Plattenanoden
8. Die beiden Plattenanoden 8 sind nebeneinander angeordnet.
[0008] Die beiden Anolytenleitungen 7 in den beiden seitlichen Rahmenholmen 11, die im obersten
Bereich der Anodenzelle zu einem gemeinsamen Anolytenzuleitungsanschluß zusammenlaufen,
münden mit ihren unteren Enden in den unteren Querholm 12 des Rahmens, der als geschlossener
Leitungskanal ausgebildet ist. In seiner oberen, den Boden der Anodenzellenkammer
bildenden Wand weist der Querholm 12 eine Anzahl von Austrittsöffnungen 13 auf, durch
welche der zugeführte Anolyt von unten in das Innere der Anodenzellenkammer eintritt.
Die Rückführung des Anolyten aus dem Inneren der Anodenzellenkammer erfolgt vom obersten
Bereich der Anodenzelle aus.
[0009] Die beiden Plattenanoden 8 stehen nicht auf dem unteren Querholm 12 des Rahmens auf,
sondern sind zwar seitlich geführt, aber im übrigen frei hängend in der Anodenzelle
angeordnet. Ihre Unterkanten haben einen gewissen Abstand von der mit den Austrittsbohrungen
13 versehenen oberen Wand des Querholms 12. Außerdem sind die Plattenanoden 8 an ihren
Kanten überall gerundet, so daß auch an den Plattenkanten keine übermäßigen Feldkonzentrationen
entstehen und die Korrosion vermindert wird. Weil die Unterkanten der Plattenanoden
8 mit einem gewissen Abstand über dem unteren Querholm 12 angeordnet sind und damit
auch über den Austrittsbohrungen 13, werden die Plattenanoden im Bereich ihrer Unterkanten
überall gleichmäßig von zugeführten Anolyten umströmt, so daß die bei den herkömmlichen
Anodenzellen in Flachbauweise auftretenden starken Korrosionserscheinungen im unteren
Plattenanodenbereich sich erheblich reduzieren.
[0010] Des weiteren sind an den seitlichen Rahmenholmen 11 unmittelbar oberhalb des Querholms
12 mit Stopfen 14 verschließbare Entleerungsöffnungen vorgesehen, die es ermöglichen,
die Anodenzelle zu entleeren und etwaige Schlammansammlungen im unteren Bereich einfach
auszuspülen. Da die Anodenzellenkammer unten durch die glatte obere Wand des unteren
Querholms 12 abgeschlossen ist und dort im Gegensatz zu den herkömmlichen Flachbau-Anodenzellen
keine Anolytenrohre über dem Boden verlaufen, sind keine Ecken und Toträume vorhanden,
in denen sich Schlammablagerungen ansammeln und festsetzen können.
[0011] Die Aufteilung der bei herkömmlichen Anodenzellen einteiligen großen Plattenanode
in zwei nebeneinander angeordnete Plattenanoden halbiert deren Gewicht und macht es
möglich, daß die Plattenanoden 8 ohne Zuhilfenahme irgendwelcher Hebezeuge und ohne
Überanstrengung von Hand ausgezogen und eingesetzt werden können. Sie sind also wesentlich
leichter und einfacher zu handhaben als die große Plattenanode herkömmlicher Anodenzellen.
Zugleich bieten sie die Möglichkeit, den Aufbau des Zellenkastens dadurch zu verfestigen
und zu verstärken, daß, wie aus den Zeichnungen hervorgeht, die Verstärkungsbügel
6 jeweils mittig über eine Zug- und Stützverbindung 9 mit der Rückwand 2 verbunden
sind. Dadurch sind sowohl die Rückwand als auch die Verstärkungsbügel 6 und über diese
das Stützgitter 4 mittig, also in der halben Breite der Anodenzelle, sowohl gegen
Zusammendrücken von außen als auch gegen Ausbauchung von innen abgestützt, ohne daß
die beiden Plattenanoden 8, die beiderseits dieser Zug- und Stützverbindungen 9 angeordnet
sind, in ihrer freien Handhabbarkeit beim Herausziehen oder Einschieben behindert
werden. Diese zusätzliche Verstärkung bedeutet aber auch, daß die Bauteile der Anodenzelle
wegen der mittigen Abstützung und der daraus resultierenden geringeren Belastungen
auch schwächer dimensioniert sein können und dadurch das Gesamtgewicht der Anodenzelle
ganz erheblich gegenüber herkömmlichen Anodenzellen gesenkt werden kann. Denn zum
einen ist auf diese Weise ein Gesamtaufbau aus Kunststoff bzw. Kunststoffmaterialien
möglich, der sonst aus Festigkeitsgründen nicht möglich wäre, und zum anderen brauchen
die Bauteile nicht durch übermäßig starke Dimensionierung mit entsprechend hohem Eigengewicht
versehen sein.
[0012] Die Ausbildung des Stützgitters 4 als Diagonalgitter bringt ebenfalls eine Reihe
von Vorteilen mit sich. Zum einen ist die Anordnung statisch günstiger als ein mit
senkrechten und waagrechten Stäben ausgebildetes Gitter, weil die diagonal zwischen
den Verstärkungsbügeln 6 verlaufenden Gitterstäbe eine Verbesserung der Abstützwirkung
durch die Verstärkungsbügel 6 bedingen. Aber auch die Schmutzablagerungen auf dem
konstruktionsnotwendigen Stützgitter werden deutlich verringert. Während bei einem
Stützgitter mit vertikalen und horizontalen Gitterstäben die Verschmutzungen sich
überall auf den horizontalen Gitterstäben absetzen würden, sammeln sich Verschmutzungen
allenfalls in den unteren Ecken der einzelnen Gitteröffnungen an, wo sie zu dem durch
die im Beschichtungsbad herrschenden Badflüssigkeitsbewegungen leichter weggespült
werden.
1. Anodenzelle in Flachbauweise zur Verwendung in kataphoretischen Beschichtungsbädern,
bestehend aus einem in Form eines flachen Kastens ausgebildeten Gehäuse mit einem
Rahmen (1), einer Rückwand (2), einer die Frontwand bildenden, mittels eines Stützgitters
(4) abgestützten Ionenaustauschermembran (3), einer plattenförmigen Anode (8), Anolytenzu-
und -ableitungsanschlüssen und mit vom Anolytenzuleitungsanschluß in den unteren Endbereich
der Anodenzelle verlaufenden Anolytenleitungen (7),
dadurch gekennzeichnet, daß
- die untere Begrenzung des Anodenzelleninnenraums durch eine im wesentlichen glatte
Wand eines mit den Anolytenleitungen (7) verbundenen Anolytenkanals gebildet ist,
in welcher eine Mehrzahl von Austrittsöffnungen (13) für den Anolyten gebildet sind,
und
- die plattenförmige Anode (8) hängend im Anodenzelleninneren angeordnet ist und mit
ihrer Unterkante mit gewissem Abstand oberhalb der genannten Wand und der darin gebildeten
Austrittsöffnungen (13) endigt.
2. Anodenzelle nach Anspruch 1, wobei ein unterer Querholm (12) des Rahmens (1) als Anolytenkanal
ausgebildet ist, in welchen die Anolytenleitungen (7) einmünden, und dessen obere
Wand die genannte Wand (13) bildet.
3. Anodenzelle nach Anspruch 1 oder 2, wobei alle Kanten der plattenförmigen Anode (8)
gerundet sind.
4. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die plattenförmige Anode ihrer
Breite nach in zwei separate und etwa flächenbündig nebeneinander angeordnete Halbanoden
unterteilt ist, die jeweils gesondert aus der Anodenzelle nach oben herausziehbar
bzw. in die Anodenzelle einschiebbar sind.
5. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Anolytenleitungen (7) in den
seitlichen vertikalen Rahmenholmen (11) verlaufen.
6. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei unmittelbar über der genannten
Wand (13) eine durch einen Stopfen (14) verschließbare Anolytenablaßöffnung vorgesehen
ist.
7. Anodenzelle nach Anspruch 6, wobei zwei Ablaßöffnungen jeweils an den beiden seitlichen
Rahmenlängsholmen (11) vorgesehen sind.
8. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei vorderhalb des Stützgitters (4)
eine Mehrzahl von mit gegenseitigen vertikalen Abständen angeordneten Verstärkungsbügeln
(6) angeordnet ist, die beiderseits an den seitlichen Rahmenholmen (11) befestigt
sind.
9. Anodenzelle nach Anspruch 4 oder Anspruch 8 in der Rückbeziehung auf Anspruch 4, wobei
die beiden Halbanoden einen geringen seitlichen Abstand voneinander haben und in dem
Zwischenraum zwischen den beiden Halbanoden Zug- und Stützverbindungen zwischen der
Rückwand (2) und dem Stützgitter (4) bzw. den Verstärkungsbügeln (6) vorgesehen sind.
10. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei das Stützgitter (4) als Diagonalgitter
ausgeführt ist.
11. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 bis 10, wobei das Stützgitter aus glasfaserverstärktem
Kunststoff hergestellt ist.
12. Anodenzelle nach einem der Ansprüche 1 - 11, wobei die Ionenaustauschermembran (3)
und das Stützgitter (4) auf der Frontseite des Rahmens (1) mittels Winkelprofilen
(5) aus Kunststoff befestigt sind, auf welche die gegebenenfalls vorhandenen Verstärkungsbügel
(6) aufgesetzt sind.