[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Steuerung des Schwungwinkels
einer mittels eines Mehrphasen-Motors, vorzugsweise Asynchronmotors, impulsförmig
angetriebenen schwingenden Kirchenglocke.
[0002] Zur Steuerung des Schwungwinkels von Kirchenglocken wird bei herkömmlichen Kirchenglockensteuerungen
eine zusätzliche Hilfseinrichtung verwendet, die dauernd die Grösse des Schwungwinkels
misst. Dabei werden verschiedene Verfahren zur Messung des aktuellen Ist-Schwungwinkels
angewendet. Die Steuerung berechnet damit fortlaufend die erforderliche Einschaltdauer
des Glockenantriebsmotors um den Soll-Schwungwinkel einzuhalten. Allen diesen bekannten
Verfahren gemeinsam ist, dass neben dem Antriebsmotor zusätzliche Abtastvorrichtungen
vorhanden bzw. montiert sein müssen.
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Schaffung eines Verfahrens welches diesen
vorangehend angeführten Nachteil der bisher bekannten Verfahren nicht aufweist, d.h.
bei welchem neben dem Antriebsmotor keine zusätzlichen Schwungwinkelabtastvorrichtungen
montiert werden müssen. Diese Aufgabe wird mittels eines Verfahrens gemäss Anspruch
1 erfindungsgemäss gelöst.
[0004] Zweckmässige Weiterausgestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche
2 bis 7.
[0005] Nachstehend wird die Erfindung anhand der Zeichnung beispielsweise beschrieben. Es
zeigt:
Fig. 1 ein Blockschema einer beispielsweisen Ausführungsform einer Schaltung zur Durchführung
des erfindungsgemässen Verfahrens;
Fig. 2 den Spannungsverlauf an der Stelle A in Figur 1;
Fig. 3 den Spannungsverlauf an der Stelle B in Figur 1;
Fig. 4 den Spannungsverlauf an der Stelle C in Figur 1 in Impulsform;
Fig. 5 den Spannungsverlauf an der Stelle D in Figur 1.
[0006] Wie aus Figur 1 ersichtlich, ist ein 3-Phasen-Asynchronantriebsmotor 1 zum schwingenden
Antrieb einer Kirchenglocke 2 über eine Motor-Trennstufe 3 mit einer 3x 400V Leistungssteuerung
4 verbunden. Die Letztere dient zur impulsförmigen Ansteuerung des Antriebsmotors
1 zur Erzielung einer schwingenden Auslenkung der an einem Glockenjoch 5 befestigten
Kirchenglocke 2.
[0007] Die Motor Trennstufe 3 dient zum Schutz des Antriebsmotors 1, in dem nach einer bestimmten
Anzahl von Fehlversuchen, bei denen der gewünschte bzw. erforderliche Schwungwinkel
α nicht erreicht wurde, der Antriebsmotor 1 von der Leistungssteuerung 4 abgekoppelt
wird.
[0008] Bei Inbetriebsetzung des Glockengeläuts wird die Kirchenglocke 2 auf bekannte Weise
durch jeweils kurzeitiges impulsförmiges Einschalten des Antriebsmotors 1 in der entsprechenden
Drehrichtung bis auf den zu einem Anschlag des Klöppels 6 an der Glocke 2 erforderlichen
Anschlag-Schwungwinkel α hochgeschaukelt, und zum weiteren Läuten der Glocke 2 über
diesen Schwungwinkel α schwingend gehalten. Die bei einem korrekten Läutevorgang benötigte
Sollzeit zwischen den beiden Umkehrpunkten der Schwungrichtung der Glocke ist physikalisch
bedingt und daher für jede Glockengeläutauslegung vorbekannt.
[0009] Zur Steuerung der kurzzeitigen, impulsförmigen Einsatzzeiten des Antriebsmotors 1
wird nun neu gemäss der vorliegenden Erfindung während den antriebslosen Zeitphasen
des Antriebsmotors 1, während denen der Letztere vom Netz abgekoppelt ist, dieser
als Generator benutzt, mit Hilfe der dabei erzeugten Messspannung jeweils die zwischen
zwei aufeinander folgenden Umkehrpunkten der Schwungrichtung benötigte Ist-Zeit berechnet,
mit der Soll-Zeit verglichen, und erforderlichenfalls die jeweils kurzzeitige Einschaltzeit
des Antriebsmotors in der Leistungssteuerung 4 entsprechend korrigiert.
[0010] Dazu wird während den antriebslosen Phasen des Antriebsmotors 1, während denen dieser
über die Leistungssteuerung 4 vom Netz abgekoppelt ist, über ein DC-DC-Wandler 7 zur
Erzielung einer 3000V-Potentialtrennung aus einer 24V-Versorgung ein auf ca. 10mA
begrenzter 12V-Gleichstrom über die Trennstufe 8 der einen Wicklung des 3-Phasen-Asynchronmotors
1 zugeführt, wodurch bei sich mitdrehendem, in antriebslosem Zustand sich befindendem
Antriebsmotor 1 über die beiden anderen Motorwicklungen zwei gegenüber Masse phasenverschobene
Wechselmessspannungen erzeugt werden. Diese beiden letzteren werden (immer noch bei
vom Netz abgekoppeltem Betriebszustand des Antriebsmotors 1) zur Grobunterdrückung
von Störungen über ein z.B. aus Drosselspulen bestehendes Filter 9 und die Trennstufe
8 zur Vermeidung von für die nachfolgende Elektronik schädlichen HF-und Überspannungsstörspitzen
einem weiteren, z.B. aus RC-Gliedern bestehenden zweiten Filter 10 und danach zur
Differenzbildung und Verstärkung der beiden Messspannungen (siehe Figur 3) einem Differenzverstärker
11 zugeführt. In diesem Differenzverstärker wird die Phasenlage der beiden Messspannungen
zueinander ausgewertet, und gleichgerichtete Sinusspannungsimpulse (siehe Figur 4)
abgegeben.
[0011] Diese Impulsfolge (siehe Figur 4) wird danach (immer noch bei vom Netz abgekoppeltem
Antriebsmotor 1) einem z.B. aus einem Standard-Komperator bestehenden Vergleicher
12 zugeführt, in welchem auf Grund eines oberen sowie eines unteren Schwellenwertes
einerseits die Maximalspannung der Impulse vereinheitlicht, und andererseits zum Erhalt
klar ausgeprägter Impulslücken m im Umkehrpunkt des vom Netz abgekoppelten, mitdrehenden
Antriebsmotors 1, unterhalb einem unteren Schwellenwert sich befindende Impulse eliminiert
werden, so dass am Ausgang des Vergleichers 12 eine annähernd rechteckförmige Impulse
aufweisende Impulsfolge gemäss Figur 5 entsteht, welche eine Auswertung mittels eines
Mikroprozessors ermöglicht.
[0012] Der Schwellenwert des Vergleichers 12 kann über einen z.B. aus einem Trimmer bestehenden
Antriebsmotorabgleich 13 an den jeweils verwendeten bzw. vorhandenen Antriebsmotor
1 angepasst werden.
[0013] Die derart erhaltene Rechteckimpulsfolge (Fig. 5) wird danach zur Potentialtrennung
und Anzeige der Motormessimpulse einem Optokoppler 14, und darauf einer mit einem
.RISC-Prozessor versehenen Auswertschaltung 15 zugeführt. In der Letzteren wird in
den Mitten der Impulslücken m der Umkehrpunkt t
o bestimmt, in welchem der Antriebsmotor 1 kurz stillsteht, zwischen zwei aufeinanderfolgenden
Umkehrpunkten die Ist-Schwungzeit bestimmt, diese mit der Soll-Schwungzeit verglichen,
und bei Über- bzw. Unterschreitung eines bestimmten Schwellwertes die Antriebsimpulsdauer
des Antriebsmotors 1 über die Steuerung 16 der Leistungsstufe 4 und der Trennstufe
8, in entsprechendem Sinn korrigiert.
[0014] Wird der Antriebsmotor 1 wieder mit dem Netz verbunden, dann wird vorgängig die Trennstufe
8 im trennenden Sinn aktiviert.
[0015] Die Anzeigeeinheit 17 dient dazu, die gemessenen Impulslückendauern m optisch darzustellen,
um damit verschiedene Motoren trotz gleicher Auswertelektronik bei der Erstinbetriebnahme
der Anlage optimal abgleichen zu können.
1. Verfahren zur Steuerung des Schwungwinkels einer mittels eines Mehrphasen-Motors,
vorzugsweise eines Asynchronmotors, impulsförmig angetriebenen schwingenden Kirchenglocke,
dadurch gekennzeichnet, dass man während der Impulspause des Antriebsmotors (1) an
mindestens eine der Motorwicklungen eine Gleichstromspeisespannung anlegt, und bei
durch die Schwungmasse der Kirchenglocke (2) sich mitdrehendem Antriebsmotor (1) an
mindestens einer weiteren Motorwicklung eine Messspannung abfühlt, wobei die Letztere
im Umkehrpunkt der Drehrichtung des Antriebsmotors (1), d.h. im Umkehrpunkt der Schwungrichtung
der Kirchenglocke (2), Null wird, dass man darauf die Ist-Zeit zwischen zwei aufeinander
folgenden Umkehrpunkten, d.h. zwischen zwei aufeinanderfolgenden Nullpunkten (to) der Messspannung, ermittelt, und mit einer Sollzeit vergleicht, und bei Über- bzw.
Unterschreitung eines bestimmten Schwellenwertes die Impulsantriebsdauer des Antriebsmotors
(1) im entsprechenden Sinn korrigiert.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man bei einem 3-Phasen-Asynchronantriebsmotor
(1) bei zwei Wicklungen während der Impulspause des Antriebsmotors 1) je eine gegenüber
Masse phasenverschobene Messspannung abfühlt, diese beiden Letzteren einem Differenzverstärker
(11) zuführt, und die beiden Messspannungen zueinander auswertet, die Rechteckausgangssignalimpulsfolge
des Differenzverstärkers (11) einem Vergleicher (12) zuführt und dort mit einem Schwellwert
vergleicht, derart, dass unterhalb einem bestimmten Schwellenwert sich befindende
Signalimpulse kein Ausgangssignal bewirken, und die übrigen Signalimpulse mindestens
annähernd rechteckförmige Ausgangssignalimpulse gleicher Amplitude bewirken, und dann
diese Ausgangssignale des Vergleichers 12 zur Bestimmung des Umkehrpunktes der Schwungrichtung
der Kirchenglocke (2) auf Impulslücken (m) überprüft, in deren Mitte der Umkehrpunkt
(t°) vorliegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man einen auf 1 bis
50 mA, vorzugsweise mindestens annähernd 10mA, begrenzten Gleichstrom der einen Wicklung
des Antriebsmotors (1) zugeführt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass man einen aus einer 24V-Versorgung
über einen DC/DC-Wandler erzeugten 12V-Gleichstrom verwendet.
5. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass man die Messspannung zur Ausfiltrierung
von HF-und Überspannungsspitzen vor dem Differenzverstärker (11) über ein Filter (10)
leitet.
6. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass als Vergleicher (12) ein digitaler
Signalprozessor verwendet wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man zur Trennung
der Mess- und Auswert- und Steuerelektronik (10 - 16) vom Netz als Trennstufe (8)
Photo-MOS-Relais oder anderweitige Halbleiterrelais verwendet.