[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Oberflächenbearbeitung eines kontinuierlich
gegossenen Stahlproduktes im warmen Zustand zur Beseitigung von Oberflächenfehlern,
Oberflächenverunreinigungen und dergleichen. Zudem betrifft die Erfindung eine Einrichtung
hierzu sowie eine Anlage zur Herstellung von Bändern und Blechen mit einer in den
Prozeßablauf integrierten Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung. Im Sinne dieser
Erfindung ist das Gießprodukt nicht auf eine bestimmte Dicke oder Geometrie beschränkt.
[0002] Grundsätzlich ist die Oberflächenbearbeitung von Blechen und Bändern aus Stahl nach
dem Auswalzen im kalten Zustand beispielsweise durch Beizen bekannt. Bei der Erstarrung
von Strangguß-Erzeugnissen, insbesondere solchen aus rost- und säurebeständigen Stahllegierungen
bzw. RSH- (rost-, säure- und hitzebeständigen) Qualitäten entsteht allerdings eine
Außenhaut, die einerseits geometrische Oberflächenfehler oder -markierungen aufweisen
kann und die andererseits Verunreinigungen von Seigerungen, Oxiden und Gießpulverresten
enthält. Es ist daher wünschenswert, diese bereits vor dem Walzen abzutragen, um höchsten
Produktanforderungen der Oberflächeneigenschaften der gewalzten Bänder und Bleche
zu genügen.
[0003] Aus der EP 0 435 897 B1 ist ein Verfahren zum Schleifen von Barren, Blöcken oder
ähnlichen Werkstücken aus Metall bekannt, bei dem Oberflächenfehler oder Oberflächenverunreinigungen
im warmen Zustand entfernt werden. Vorteil dieser vorgezogenen Schleifbehandlung im
warmen Zustand, d.h. in direkter Verbindung mit dem Gießen, dem Stranggießen, dem
Walzen oder einer anderen Warmformgebung, ist, daß das Material geschliffen wird,
bevor sich aufgrund der Abkühlung auf der Oberfläche Zunder bilden kann, der im kalten
Zustand zusätzlich zu den Oberflächenfehlern entfernt werden muß. Es wird ein bestimmtes
Temperaturintervall für den Einsatz des Schleifverfahrens angegeben, dessen unterster
Grenzwert die Temperatur ist, bei der sich im wesentlichen noch keine Zunderschichten
bilden. Der obere Grenzwert ist durch die Zusammensetzung des Schleifbandes bestimmt,
d.h. durch die höchste Temperatur, bei der das Band nicht nachteilig thermisch beeinträchtigt
wird. Es wird vorgeschlagen, die Lebensdauer des Schleifbandes durch Erhöhung der
Umlaufgeschwindigkeit zu steigern. Gleichwohl ist der Einsatz des Schleifbandes beschränkt
auf das angegebene Temperaturintervall. Zudem ist trotz Erhöhung der Bandumlaufgeschwindigkeit
nicht ausgeschlossen, daß das Band aufgrund der hohen Temperaturen des zu schleifenden
Produktes und aufgrund der entstehenden Reibungsenergien schmilzt oder verbrennt.
Nachteilige Folge sind Verschmierungen oder Rückstände des beschädigten Bandes auf
der Metalloberfläche.
[0004] Aus der DE 30 37 571 A1 ist ebenfalls ein Verfahren zum mechanischen Abtragen von
Material von Stahlstrangguß-Oberflächen im heißen Zustand bekannt, wobei der heiße
Strang vor dem Querteilen mit zwischen den Strangkanten hin- und herfahrenden Schleifscheiben
gleichzeitig auf der Ober- und der Unterseite geschliffen wird. Die Schleifscheibe
erreicht allerdings keine hohen Standzeiten.
[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Einrichtung
zu schaffen, mit denen eine Oberflächenbearbeitung von kontinuierlich vergossenen
Stahlprodukten zur Beseitigung von Oberflächenfehlem im heißen Zustand bei Einsatz
von nicht notwendigerweise an hohe Temperaturen angepaßten Oberflächenbearbeitungseinrichtungen
bei langen Standzeiten erreicht wird.
[0006] Diese Aufgabe wird nach der Erfindung bei dem gattungsgemäßen Verfahren dadurch gelöst,
daß dem Schritt der Oberflächenbearbeitung eine Kühlung mindestens eines Teils von
mindestens einer Oberfläche des metallischen Produkts vorausgeht zur definierten Temperaturerniedrigung
der zu bearbeitenden Fläche. Die vorgeschlagene Einrichtung sieht entsprechende Kühlmittel
vor.
[0007] Aufgrund des erfindungsgemäßen vorbereitenden Schrittes einer partiellen Kühlung,
d. h. oberflächennahen Abkühlung, werden die Bearbeitungswerkzeuge zur Oberflächenbehandlung
thermisch weniger stark belastet als in den aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren.
Es kommen selbst temperaturempfindliche bzw. nicht extra auf hohe Temperaturen ausgelegte
Bearbeitungsverfahren zum Einsatz, da aufgrund der vorausgehenden partiellen Temperaturreduzierung
die Lebensdauer der Werkzeuge, wie zum Beispiel Schleifbänder oder Schleifscheiben,
und damit deren Standzeit erhöht wird. Nachteiliges Zersetzen des Schleifbandes mit
Verschmieren der Rückstände auf den Metalloberflächen oder Zerplatzen von Schleifscheiben
tritt nicht auf.
[0008] Die gezielte Temperaturerniedrigung ist hierbei auf die Oberfläche des metallischen
Produktes beschränkt und vorteilhafterweise so abgestimmt, daß der Bearbeitungswiderstand
des Werkstücks nicht in unerwünschter Weise beeinflußt wird. Nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren können sowohl alle Oberflächen des metallischen Produktes, beispielsweise
eines Dünnbrammenabschnittes, d.h. Unter- und Oberseite sowie die Seitenflächen, gekühlt
werden. Es ist aber ebenfalls denkbar, daß nur eine Oberfläche, beispielsweise nur
die Oberseite des metallischen Produktes gekühlt wird, oder nur definierte Abschnitte
von Oberflächen.
[0009] Nach dem vorgeschlagenen Verfahren sind Oberflächenbearbeitungen von allen Arten,
Geometrien und Dicken von Gießprodukten denkbar, das Verfahren ist nicht auf die Anwendung
von Brammen oder Dünnbrammen zur Herstellung von Blechen und Bändern beschränkt.
[0010] Nach einer bevorzugten Ausführungsform wird vorgeschlagen, daß den Schritten der
Oberflächenkühlung und Oberflächenbearbeitung eine Inspektion mindestens eines Teils
mindestens einer Oberfläche des metallischen Produktes auf Oberflächenfehler oder
-verunreinigungen vorausgeht und in Abhängigkeit des Inspektionsergebnisses eine selektive
Oberflächenbearbeitung nur der als fehlerhaft detektierten Oberflächenbereiche folgt.
Ebenso wie die partielle Kühlung kann sich die Inspektion auf alle Oberflächen beziehen
oder nur auf Bereiche. Die nachgeordnete partielle Kühlung der Oberfläche erfolgt
vorzugsweise kontinuierlich, denkbar ist auch eine auf die als fehlerhaft detektierten
Bereiche beschränkte Kühlung mit entsprechendem operativem Mehraufwand und unter nachfolgender
Berücksichtigung der innerhalb der Oberfläche vorliegenden Temperaturunterschiede.
[0011] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird vorgeschlagen, daß dem Oberflächenbearbeitungskomplex
mit der Schrittfolge Oberflächeninspektion, partielle Kühlung der Oberflächen sowie
Oberflächenbearbeitung ein Reinigungs-, vorzugsweise ein Entzunderungsvorgang, unmittelbar
vorausgeht. Durch den Entzunderungsvorgang kommt es zum einen zu einer zusätzlichen
Abkühlwirkung, zum anderen wird ein sich evtl. bereits gebildeter Zunder oder vorhandene
Oberflächenverunreinigungen beseitigt und eine geeignete Grundlage für die Inspektion
der Oberfläche geschaffen.
[0012] Insgesamt sind alle bekannten Methoden zur Oberflächenbearbeitung anwendbar, wie
beispielsweise das Schleifen, Fräsen oder Flämmen. Insbesondere ist das Schleifen
einsetzbar unter Verwendung bekannter Werkzeuge wie Schleifbänder, - scheiben oder
-steinen mit verschiedener Komart und Körnung.
[0013] Bei den genannten Ausführungsformen ist es möglich, die Unter- bzw. Oberseite und/oder
die Seitenflächen des Gießproduktes, beispielsweise in Form einer Bramme oder Dünnbramme,
sowohl gleichzeitig als auch nacheinander zu bearbeiten. Bei gleichzeitiger Bearbeitung
verringert sich die Bearbeitungszeit, und der Energieaufwand wird gering gehalten,
zumal der Oberflächenabtrag im warmen Zustand erfolgt, an dem das Abtragen mit geringerem
Energieaufwand als im kalten Zustand durchgeführt werden kann.
[0014] Gemäß der Ansprüche 6 oder 7 findet die Oberflächenbearbeitung an den partiell abgekühlten
Oberflächen zusammen mit den vorzugsweise vorgeschlagenen vorbereitenden Verfahrensschritten
bei einem kontinuierlich gegossenen Stahlprodukt bevorzugt zwischen dem Gieß- und
dem - vorzugsweise direkt folgenden - Walzprozeß statt. Die Oberflächenbearbeitung
ist entweder inline in diese Produktionslinie (X) integriert oder findet offline in
einer Seitenlinie (Y) statt.
[0015] Hinsichtlich der jeweiligen Ausführungsformen des Oberflächenbearbeitungskomplexes,
welche sich durch die unterschiedliche Zusammensetzung der einzelnen Einrichtungen
(Kühleinrichtung - Inspektionseinrichtung - Reinigungseinrichtung) sowie bei einem
direkten Gieß-Walzverfahren durch die unterschiedliche Abfolge von Puffer-, Ausgleichs-
oder Heizöfen in einer inline oder offline-Version ergeben, wird auf die Merkmale
der Ansprüche gemäß 8 bis 15 verwiesen.
[0016] Weitere Vorteile und Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus den nachfolgenden
Erläuterungen der in schematischen Figuren dargestellten Ausführungsbeispiele:
- Figur 1
- eine Seitenansicht einer Anlage zum Herstellen von Bändern und Blechen mit dem einer
Oberflächenbearbeitung vorgelagerten Schritt der partiellen Kühlung innerhalb der
Produktionslinie (X);
- Figur 2
- eine erste Ausführungsform der Anlage nach Figur 1 mit dem einer Oberflächenbearbeitung
vorgelagerten Schritt einer Oberflächeninspektion innerhalb der Produktionslinie (X);
- Figur 3
- eine zweite Ausführungsform der Anlage nach Figur 2;
- Figur 4
- eine Seitenansicht einer Anlage zum Herstellen von Bändern und Blechen mit einer Oberflächenbearbeitung
in einer Seitenlinie (Y);
- Figur 5
- eine erste Ausführungsform der Anlage nach Figur 4;
- Figur 6
- eine zweite Ausführungsform der Anlage nach Figur 4;
- Figur 7
- eine dritte Ausführungsform der Anlage nach Figur 4
- Figur 8
- eine Seitenansicht einer Anlage zum Herstellen von Bändern und Blechen mit dem einer
Oberflächenbearbeitung vorgelagerten Schritt der partiellen Kühlung innerhalb der
Produktionslinie (X), wobei die Oberflächenbearbeitungseinrichtung der Erwärmungseinrichtung
nachgeordnet ist;
- Figur 9
- eine Seitenansicht einer Anlage zum Herstellen von Bändern und Blechen mit dem einer
Oberflächenbearbeitung vorgelagerten Schritt der partiellen Kühlung innerhalb der
Produktionslinie (X), wobei die Querteileinrichtung der Oberflächenbearbeitungseinrichtung
nachgeordnet ist.
[0017] Gemäß Figur 1 besteht die Anlage zur Herstellung von Stahlblechen und - bändern,
insbesondere von rost- und säurebeständigen Stählen, im wesentlichen aus einer Stranggießanlage
1 (hier schematisch mit einer Kokille angedeutet) für einen Strang 2 von 30 bis 250
mm Dicke, vorzugsweise von 30 bis 130 - wobei diese Dickenangabe den Schutzbereich
der Erfindung nicht begrenzt -, einer Querteileinrichtung 3, einer Einrichtung 4 zum
Erwärmen bzw. Ausgleichen der Temperatur, beispielsweise einem Hubbalkenofen oder
einem Rollenherdofen, sowie einer Walzstraße 5 (hier schematisch mit zwei Walzgerüsten
5a, 5b angedeutet). Die Einzelheiten der Walzstraße (Vorgerüste, Coilbox, etc.) und
die sich an die Walzstraße 5 anschließenden Kühleinrichtungen sowie Haspelanlage sind
nicht dargestellt. Je nach Ausführungsart kann auf die Trenneinrichtung verzichtet
werden.
[0018] Der gegossene Brammenstrang 2 wird nach der Umlenkung in die Horizontale durch die
Querteileinnchtung 3, vorzugsweise in Form einer Querteilschere, in Abschnitte geteilt
und durch den Ofen 4 befördert. Die im Ofen 4 auf homogene Walztemperatur erwärmten
bzw. thermisch ausgeglichenen Brammenabschnitte werden anschließend bei dem gezeigten
Ausführungsbeispiel in der Walzstraße 5 zu Bändern ausgewalzt. Dieser Ablauf wird
nachfolgend als Produktionslinie (X) bezeichnet.
[0019] Zwischen der Querteileinrichtung 3 und dem Ofen 4 ist eine Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung
6 im warmen Zustand des jeweiligen Brammenabschnittes angeordnet. Die Art der Oberflächenbearbeitung
ist hier nicht näher konkretisiert, es handelt sich beispielsweise um bekannte Verfahren
wie Schleifen mit Schleifscheiben, -bändern bzw. -steinen oder Fräsen. Bei dieser
Ausführungsform entspricht die Brammentransportgeschwindigkeit bei der Oberflächenbehandlung
in etwa der Gießgeschwindigkeit. Vor der Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung 6
ist - in Förderrichtung gesehen - eine Einrichtung zur partiellen Kühlung 7 angeordnet.
Nach der gezeigten Ausführungsform werden sowohl die Unter- als auch Oberseite des
jeweiligen Brammenabschnittes gleichzeitig in einem definierten Teilabschnitt mittels
einer zweigeteilten Kühleinrichtung (Teile 7a, 7b) gekühlt, beispielsweise mittels
Düsen, die ein Kühlmedium auf die Oberfläche aufbringen.
[0020] Aus der Gießhitze kommend bleibt, während im gekühlten Oberflächenbereich ein schneller
Temperaturabfall stattfindet, die Kemtemperatur der Brammen durch die partielle Kühlung
im wesentlich unbeeinflußt. Es ist lediglich ein langsamer stetiger Temperaturabfall
aufgrund der thermischen Gesamtbedingungen, d.h. der Abkühlung nach dem Gießprozeß,
festzustellen. Je nach Intensität der Kühlung sinkt die Oberflächentemperatur der
Brammen auf Temperaturen unterhalb von 900°C ab, bevorzugt auf ein Temperaturintervall
zwischen 500 bis 900°C, was sich vorteilhaft auf die Standzeit der eingesetzten Werkzeuge
zur spanenden Oberflächenbearbeitung auswirkt. Nach Abschluß der Oberflächenbearbeitung
wird eine Homogenisierung der Temperaturen bzw. Gefügebereiche über den Brammenquerschnitt
im Ofen 4 gewährleistet. Bei rost- und säurebeständigen Austeniten, die bei Abkühlung
nicht umwandeln, ist eine partielle Kühlung der Oberfläche bzw. von Teilen der Oberfläche
auch auf niednge Temperaturen unproblematisch.
[0021] In den in den weiteren Figuren gezeigten Anlagen sind der Figur 1 entsprechende Bauteile
mit gleichen Bezugsziffern versehen. Im Unterschied zur Anlage nach Figur 1 ist in
der Anlage nach Figur 2 den Bearbeitungsmitteln 6 zusätzlich zu einer Einrichtung
zur Oberflächenkühlung 7 eine Einrichtung zur Oberflächeninspektion 8 vorgeordnet.
Diese setzt sich ebenfalls aus zwei Komponenten 8a, 8b zusammen, um jeweils die Ober-
und Unterseite der Brammen 2 über einen definierten Abschnitt kontinuierlich bei deren
Durchlaufen aufzunehmen und evtl. Oberflächenfehler zu detektieren. In Abhängigkeit
des Inspektionsergebnisses bzw. der gespeicherten Daten über die Menge und Lage von
Oberflächenfehlern etc, wird automatisch in der nachfolgenden Oberflächenbearbeitungseinrichtung
6 nur eine selektive Oberflächenbearbeitung durchgeführt, indem beispielsweise die
Schleifmittel nur örtlich an den Brammenoberflächen angreifen. Eine solche Inspektion
geschieht mit bekannten Arten von Oberflächenanalysegeräten, die die Oberfläche rasterartig
oder abschnittsweise abtasten.
[0022] Bei den Verfahrensvariationen mit integrierter Inspektionseinrichtung 8 bzw. Oberflächenanalyse
erweist es sich als vorteilhaft, vor der Inspektion die Oberflächen der Bramme zu
reinigen, um die Oberflächenfehler besser sichtbar zu machen. Nach Figur 3 ist eine
Ausführungsform mit einer Entzunderungseinrichtung 9 aus zwei Komponenten (9a, 9b)
zur gleichzeitigen Beeinflussung der Ober- und Unterseite der Brammen 2 gezeigt. Ebenso
ist es denkbar, die Ober- und Unterseite bzw. die Seitenflächen durch entsprechend
versetzt angeordnete Einrichtungen nacheinander zu bearbeiten. Die Entzunderungseinrichtung
ist - in Förderrichtung gesehen - vor der Inspektionseinrichtung 8 und diese wiederum
vor der Einrichtung zur partiellen Kühlung 7 angeordnet.
[0023] Neben den in den Figuren 1 bis 3 gezeigten Inline-Versionen, d.h. die Oberflächenbearbeitungseinrichtung
6 befindet sich innerhalb der Produktionslinie (X), werden in den Figuren 4 bis 7
Ausführungsformen zu sogenannten offline-Versionen dargestellt.
[0024] Gemäß der Anlage nach Figur 4 setzt sich die Produktionslinie (X) der Anlage aus
einer Brammenstranggießanlage 1, einer Querteileinrichtung 3, einer querverfahrbaren
ersten Fähre 110, einem ersten Abschnitt des Ofens 104a, einer zweiten querverfahrbaren
Fähre 111, wahlweise einem zweiten Ofenteil 104b sowie einer Walzstraße 5 zusammen.
Die Brammenfähre, die sich in der Seitenlinie (Y) befindet, ist jeweils strichpunktiert
gezeichnet. Die Querbewegung der Fähren ist mit Pfeilen dargestellt.
[0025] Bei Feststellung einer unzureichenden Oberflächenqualität wird der jeweilige Dünnbrammenabschnitt
innerhalb der ersten Brammenfähre 110 durch Querbewegung aus der Produktionslinie
(X) in die Seitenlinie (Y) verschoben. In der Seitenposition (Y) fluchtet der Ausgang
116 der ersten Fähre 110 mit einem aus der Entzunderungseinrichtung 109 - Inspektionseinrichtung
108 - Einrichtung zur partiellen Kühlung 1 07 sowie beispielsweise einer Schleifmaschine
106 zusammengesetzten Oberflächenbearbeitungskomplex sowie einem Rollgang zur Längsförderung
des Dünnbrammenabschnitts parallel zur Produktionslinie (X). Nach Beendigung der Oberflächenbearbeitung
wird der jeweilige Dünnbrammenabschnitt mittels der zweiten Querfähre 111 in die Produktionslinie
(X) zurückbefördert. Eine Homogenisierung der Temperaturen über den Brammenquerschnitt
zur Vorbereitung des Walzvorgangs erfolgt anschließend in einem zweiten Teil des Rollenherdofens
104b.
[0026] Falls nach Austritt aus der Stranggießanlage keine oder vertretbare Oberflächenfehler
festgestellt wurden, durchläuft der jeweilige Brammenabschnitt ohne Ausscherung in
die Seitenlinie die herkömmliche Abfolge von Ofen und Walzwerk, wobei die beiden Querfähren
Teile des Ofens darstellen. Dabei kann auch die durch das Herausfahren der jeweiligen
Brammenfähre entstandene Lücke zur Fortsetzung des Verfahrens von in einer gegenüberliegenden
Seitenposition Z (nicht gezeigt) wartenden Ofenabschnitte verschlossen werden.
[0027] Bei einer Weiterentwicklung der offline-Version wird der zweite Teil des Ofens aus
der Produktionslinie (X) in die Seitenlinie (Y) verlagert (Figur 5). Dann setzt sich
die Produktionslinie (X) aus einer Querteileinrichtung 3, einer ersten Querbrammenfähre
110, einem Ofen 112, einer zweiten Querbrammenfähre 111 und einer Walzstraße 5 zusammen,
während die Seitenlinie (Y) die verfahrbare erste Fähre (mit gestrichelter Linie dargestellt),
den Oberflächenbearbeitungskomplex (106 bis 109), einen nachfolgenden Ofen 113 sowie
eine zweite verfahrbare Querbrammenfähre umfaßt.
[0028] Eine weitere Ausführungsform der Anlage nach Figur 4 ist in Figur 6 dargestellt.
Hier ist dem Oberflächenbearbeitungskomplex (106 bis 109) ein Pufferofen 114 vorgeordnet,
der auf eine Oberflächenbehandlung wartende Brammen aufnimmt und gewährleistet, daß
diese im wesentlichen nicht abkühlen.
[0029] Die Anlage, wie sie in Figur 7 gezeigt ist, kombiniert die Anlagenteile Pufferofen
114 und Heizofen 115, der neben einem Ausgleich der Temperaturen auch ein Wiedererwärmen
der Brammenabschnitte ermöglicht. Es wird erreicht, daß die bearbeiteten Brammen,
die vorbereitend oberflächennah abgekühlt wurden, wieder auf die für ein Walzen notwendige
Temperatur gebracht werden bzw. eine Temperaturhomogenisierung erfahren und nach Einschleusen
des Brammenabschnitts zurück in die Produktionslinie (X) dem Walzprozeß unterworfen
werden.
[0030] Schließlich zeigt Figur 8 die Ausführungsform einer Anlage zum Herstellen von Bändern
und Blechen mit dem einer Oberflächenbearbeitung vorgelagerten Schritt der partiellen
Kühlung innerhalb der Produktionslinie (X), wobei die Oberflächenbearbeitungseinrichtung
der Erwärmungseinrichtung nachgeordnet ist. Die Produktionslinie (X) setzt sich nach
der Gießmaschine 1 nach der wahlweise vorgesehenen Trenneinrichtung 3 bei dieser Ausführungsform
aus einer Erwärmungseinrichtung 204, die vorzugsweise aus einem Rollenherdofen besteht,
einer Oberflächenbearbeitungseinrichtung 206 mit vorausgehender Kühleinrichtung 207
sowie nachfolgender Walzstraße 5 zusammen. Die Brammentransportgeschwindigkeit ist
hierbei bereits an die erforderliche Walztransportgeschwindigkeit angepaßt. Alle anderen
in den Figuren 2 bis 7 beschriebenen Ausführungsformen sind ebenfalls in entsprechender
Weise auf diese Anlage übertragbar.
[0031] Die wahlweise vorhandene Querteileinrichtung in der bevorzugten Ausführungsform einer
Schere ist entweder vor der Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung oder nachgeordnet
hierzu vorgesehen. Figur 9 zeigt eine Anlage aus den nacheinander angeordneten Komponenten
Gießmaschine 1, Einrichtung zur partiellen Kühlung 307, Oberflächenbearbeitungseinrichtung
306, Querteileinrichtung 303, Erwärmeinrichtung 304 sowie eine Walzstraße 5. Diese
Ausführungsform hat gegenüber der Anlage mit einer der Oberflächenbearbeitungseinrichtung
vorgeordneten Querteileinnchtung den Vorteil, daß die Oberflächenbearbeitung nicht
an bereits getrennten Brammenstücken stattfindet, sondern in den kontinuierlichen
Prozeß integriert ist und somit ohne Unterbrechungen und Anpassungen an das jeweilige
Brammenstück kontinuierlich arbeiten kann.
1. Verfahren zur Oberflächenbearbeitung eines kontinuierlich gegossenen Stahlproduktes
im warmen Zustand zur Beseitigung von Oberflächenfehlern, Oberflächenverunreinigungen
und dergleichen,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Schritt der Oberflächenbearbeitung eine Kühlung mindestens eines Teils von
mindestens einer Oberfläche des metallischen Produkts vorausgeht zur definierten Temperaturerniedrigung
der zu bearbeitenden Fläche.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß den Schritten der Oberflächenkühlung und Oberflächenbearbeitung eine Inspektion
mindestens eines Teils mindestens einer Oberfläche des metallischen Produktes auf
Oberflächenfehler oder -verunreinigungen vorausgeht und in Abhängigkeit des Inspektionsergebnisses
eine selektive Oberflächenbearbeitung nur der als fehlerhaft detektierten Oberflächenbereiche
folgt.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Oberflächeninspektion ein Reinigungsvorgang mindestens einer Oberfläche des
metallischen Produktes vorausgeht.
4. Verfahren nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß es sich bei dem Reinigungsvorgang um einen Entzunderungsvorgang handelt.
5. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Oberflächenbearbeitung durch Schleifen, Fräsen oder Flämmen erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch
die Oberflächenbearbeitung eines kontinuierlich gegossenen Produktes innerhalb der
Produktionslinie (X) zwischen Gieß- und Walzprozeß.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Gießprodukt nach dem Gießprozeß in Abschnitte quergetrennt wird, die Abschnitte
zur Oberflächenbearbeitung aus der Produktionslinie (X) quer in eine Seitenlinie (Y)
gebracht, unter Längsbewegung einer Oberflächenbearbeitung unterworfen und durch Querbewegung
wieder in die Produktionslinie (X) eingegliedert werden.
8. Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung von kontinuierlich gegossenen Stahlprodukten
im warmen Zustand zur Beseitigung von Oberflächenfehlem, Oberflächenverunreinigungen
und dergleichen,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung (6, 106, 206, 306) eine Einrichtung
zur Kühlung (7, 107, 207, 307) mindestens eines Teils von mindestens einer Oberfläche
des metallischen Produktes vorgeordnet ist.
9. Einrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Kühleinrichtung (7, 107) eine Inspektionseinrichtung (8, 108) zur Detektion
von fehlerhaften Oberflächenbereichen vorgeordnet ist.
10. Einrichtung nach Anspruch 9, ,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Inspektionseinrichtung (8, 108) eine Reinigungseinrichtung - vorzugsweise
eine Entzunderungseinrichtung (9, 109) - vorgeordnet ist.
11. Anlage zum Herstellen von Blechen und Bändern aus Metall, umfassend eine Stranggießanlage
(1) zum Gießen von Brammen, vorzugsweise der Dicken zwischen 30 und 250 mm, wahlweise
eine Querteileinrichtung (3, 303), eine Erwärmungseinnchtung und/oder Temperaturausgleichseinrichtung
(4, 104, 104b, 112, 204, 304), eine Warmwalzstraße (5) sowie eine Einrichtung nach
einem der Ansprüche 8 bis 10.
12. Anlage nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Einrichtung zur Oberflächenbearbeitung (6, 206) der Erwärmungseinrichtung
und/oder Temperaturausgleichseinrichtung (4, 204) innerhalb der Produktionslinie (X)
vor- oder nachgeordnet ist.
13. Anlage nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Oberflächenbearbeitungseinrichtung (106) in einer Seitenlinie (Y) parallel
zu der Erwärmungseinrichtung und/oder Temperaturausgleichseinrichtung (112) oder Abschnitten
hiervon (104a, 104b) angeordnet ist und Brammenfähren (110, 111) zur Förderung der
Brammenabschnitte in die Seitenlinie (Y) und wieder zurück vor und hinter der Erwärmungseinrichtung
oder den Abschnitten vorgesehen sind.
14. Anlage nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
daß nachfolgend zur Oberflächenbearbeitungseinrichtung (106) ein Temperaturausgleichsofen
(113) oder ein Heizofen (115) in der Seitenlinie (Y) angeordnet sind.
15. Anlage nach Anspruch 13 oder 14,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor der Oberflächenbearbeitungseinrichtung (106) ein Pufferofen (114) angeordnet
ist.
16. Verwendung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7 zur Oberflächenbearbeitung
von rost- und säurebeständigen Stahlgüten.