[0001] Die Erfindung betrifft einen zylinderbetätigbaren Mehrriegelverschluss mit Panikfunktion
über einen Drücker zum Öffnen des versperrten Mehrriegelverschlusses in einem Notfall
ohne Schlüssel von der Innenseite, wobei ein von dem Schließzylinder betätigbares
Getriebe insbesondere selbsthemmend mit einer Schubstange oder einem Schubstangenanschluss-Schieber
in kinematischer Verbindung steht.
[0002] Versperrte Schlösser bieten Sicherheit gegen das unbefugte Betreten von Individualbereichen
und bedingen in weiterer Konsequenz, dass der Berechtigte auch beim Verlassen einen
Sperrvorgang ausführen muss. Ausnahmen bilden z.B. Einstemmschlösser, die außen einen
starren Handgriff und innen einen Drücker aufweisen. Wenn diese Einstemmschlösser
etwa tagsüber unversperrt sind, dann kann die Tür zwar mittels des Schlüssels von
außen geöffnet werden, von innen ist ein Öffnen ohne Schlüssel jedoch mittels des
Drückers jederzeit möglich. Im Panikfall könnte der Raum oder das Gebäude tagsüber
also ohne weiteres verlassen werden, nicht aber im obigen Beispiel nachts, wenn der
Zylinder im Einstemmschloss gesperrt ist. Die behördlichen Vorschriften verlangen
daher folgerichtig für Türen, die im Panikfall von innen zu öffnen sein müssen, dass
dieses Öffnen von innen auch bei versperrtem Schloss möglich ist. Dieses Öffnen muss
im Panikfall allein mit Hilfe des Drückers möglich sein. So genügt es beispielsweise
nicht, einen Doppelschließzylinder mit Knaufbetätigung von innen (z.B. einen so genannten
Hotelzylinder) zu verwenden. Dieser wäre zwar von innen ohne Schlüssel zu öffnen,
jedoch wären zwei Betätigungsvorgänge - die Knaufbetätigung und die Drückerbetätigung
- notwendig.
[0003] Mehrriegelverschlüsse mit Zylinderbetätigung sind meist so konstruiert, dass ein
Zurückschieben der Schubstangen etwa durch unmittelbare Krafteinwirkung auf die Schubstangen
von außen nicht zu einem Öffnen führt. Insbesondere sind Getriebe zusammen mit dem
Schließzylinder selbstsperrend gestaltet, um einer Manipulation von außen keine Chance
zu geben.
[0004] Die Erfindung zielt darauf ab, bei zylinderbetätigbaren Mehrriegelverschlüssen der
eingangs beschriebenen Art eine Notöffnung von innen mit dem Drücker allein zu ermöglichen,
gleichgültig, ob das Schloss mittels des Schließzylinders versperrt ist oder nicht.
Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass die Schubstange bzw. der Schubstangenanschluss-Schieber
von dem Getriebe abkuppelbar ist und eine Drückernuss mindestens einen Mitnehmer bzw.
Nusshebel zum Lösen der Kupplung sowie zum Verschieben der freigestellten Schubstange
bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers in die Offenstellung des Mehrriegelverschlusses
aufweist. Um ein Verschieben der Schubstange bei blockierendem Getriebe und Schließzylinder
dennoch zu ermöglichen, werden diese blockierenden Bauteile bei Drückerbetätigung
von der Innenseite (im Panikfall) somit kinematisch abgetrennt. Auf dieser Weise wird
eine Freistellung (A) der Schubstange erreicht und innerhalb dieser mit dem Drücker
die Schubstange in die Öffnungsstellung verschoben. Das Getriebe und der Zylinder
bleiben während der Notöffnung unverändert in der blockierten Stellung. Erst wenn
nach Ende der Paniksituation ein Schlüssel in den Schließzylinder eingeschoben und
dieser im Sinne eines Aufsperrens betätigt wird, bewirkt das nun aktivierte Getriebe
ein Nacheilen der bei der Panikbetätigung durch Abkuppeln vorausgeeilten Schubstange.
Diese wird eingeholt und die kinematische Verbindung zum Getriebe durch Einkuppeln
mit der Schubstange wieder hergestellt. Es ist zweckmäßig, wenn das Getriebe abtriebsseitig
in Formschlusselemente, insbesondere in eine Verzahnung der Schubstange oder des Schubstangenanschluss-Schiebers
greift, wenn diese Verzahnung auf einem Verzahnungsteil angeordnet ist, der in der
Ebene oder parallel zur Ebene der Schubstange bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
geführt ist und wenn zwischen dem Verzahnungsteil und der Schubstange bzw. dem Schubstangenanschluss-Schieber
die Kupplung als lösbare Verbindung, beispielsweise mit einem ausrückbaren Mitnehmer,
vorgesehen ist. Das Abkuppeln bzw. die Schnittstelle zwischen den blockierten Bauelementen
erfolgt also zwischen dem Verzahnungsteil der Schubstange und der Schubstange oder
dem Schubstangenanschluss-Schieber. Hier ist eine relative Verschiebungsmöglichkeit
(Freistellung) gewährleistet, sobald die Bauteile, also der Verzahnungsteil von seiner
Schubstange oder dem Schubstangenanschluss-Schieber kinematisch gelöst sind. Es bleibt
der Verzahnungsteil mit dem Getriebe und den gesperrten Schließzylinder stehen, während
die Schubstange bzw. auch der Schubstangenanschluss-Schieber im Panikfall durch den
Drücker allein in die Offenstellung gebracht wird. Eine konkrete Ausführungsform sieht
vor, dass der Verzahnungsteil in der Ebene der Schubstange bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
in einer Ausnehmung derselben als ankuppelbares Einsatzstück liegt und dass die Länge
der Ausnehmung, in Verschieberichtung gesehen, mindestens um den dem Riegelausschluss
entsprechenden Vorschub der Schubstange größer ist als die Länge des in der Ausnehmung
vorgesehenen Verzahnungsteiles, sodass die Längendifferenz eine Freistellung der Schubstange
bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers bei abgekuppeltem, stillstehendem Verzahnungsteil
für den Riegelrückzug ergibt. Es ist gewissermaßen der Verzahnungsteil aus der Schubstange
herausgeschnitten und über eine lösbare Kupplung mit dieser verbunden, wobei der Ausschnitt
eine Differenzbewegung zwischen Schubstange und stillstehendem Verzahnungsteil ermöglicht.
Eine einfache und problemlose Kupplung wird dadurch erreicht, dass diese zwischen
Schubstange bzw. Schubstangenanschluss-Schieber und Verzahnungsteil als Federzunge
ausgebildet ist, die mit einem Ende am Verzahnungsteil fixiert ist und mit dem anderen,
freien Ende z.B. mit einem Zapfen in eine Ausnehmung der Schubstange bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
greift. Diese Federzunge liegt parallel zur Ebene der Schubstange und kann in diese
einhaken. Dazu ist es zweckmäßig, wenn an der Federzunge eine Auflauffläche und an
der Drückernuss ein gegen die Auflauffläche schwenkbarer Hebel zum Wegbiegen der Federzunge
und damit zum Auskuppeln derselben vorgesehen ist. Wenn der Drücker bei Panik niedergedrückt
wird, drückt der Hebel an der Drückernuss die Federzunge weg und kuppelt aus. Alternativ
zu der oben beschriebenen Kupplung kann diese in besonders flacher und räumlich unter
den beengten Bedingungen eines Schlossgehäuses platzsparenden Bauweisen dadurch gekennzeichnet
sein, dass sie einen Haken aufweist, der an dem Verzahnungsteil angelenkt ist und
unter Federvorspannung in eine quer zur Verschieberichtung der Schubstange orientierte
Ausnehmung der Schubstange bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers eingreift, wobei
der Haken bei Betätigung des Drückers über einen Nusshebel aus seiner Eingriffsstellung
ausrückbar ist. Der Haken kann in der Ebene oder in einer Parallelebene der Schubstange
schwenkbar gelagert sein und seitlich in diese eingreifen. Zur Betätigung des Hakens
ist es zweckmäßig, wenn eine Mitnehmerfläche des Nusshebels einen um eine gehäusefeste
Achse drehbaren Auslösehebel verschwenkt, der einerseits eine Schulter zum Ausrücken
des Hakens aus der Mitnehmerstellung und anderseits eine Stirnfläche zur Anlage an
eine Gegenfläche auf der Schubstange bzw. auf dem Schubstangenanschluss-Schieber aufweist.
Der Nusshebel greift dabei mit seiner an einer Seite seines auskragenden Hebelsarmes
in den Drehbereich des frei drehbar gelagerten Auslösehebels. Dieser wird auf Grund
der Abstände und der wirksamen Hebelsarmlängen von den Drehpunkten mit entsprechender
Übersetzung und damit mit einem gegebenenfalls verstärkten Drehmoment bzw. mit vergrößertem
Drehwinkel zum Verschwenken des Hakens der Kupplung und zum nunmehr freigestellten
Verschub der Schubstange herangezogen. Es bleibt also der Verzahnungsteil stehen,
während die Schubstange über den Drücker betätigt wird. Wenn man mittels eines Schlüssels
im Schließzylinder einen Sperrvorgang ausführt, dann bewegt man den Verzahnungsteil
gegen die Schubstange. Zum Rückstellen der oben beschriebenen Notöffnung ist es zweckmäßig,
wenn der Hakenfläche, die etwa senkrecht zur Verschieberichtung der Schubstange oder
des Schubstangenanschluss-Schiebers orientiert ist, kopfseitig gegenüberliegend eine
Einlaufschräge auf den Haken angeordnet ist und der am Verzahnungsteil angelenkte
Haken bei Zylinderbetätigung der Schubstange bzw. den Schubstangenanschluss-Schieber
nacheilt, die Einlaufschräge letzterem aufgleitet und der Haken in die Ausnehmung
kuppelnd einrastet. Nach Ausführen eines Sperrvorganges mit dem Schlüssel sind Verzahnungsteil
und Schubstange bzw. Schubstangenanschluss-Schieber wieder verbunden.
[0005] Um einen Überblick über den Sperrzustand der Türen mit Panikverschlüssen zu erhalten,
ist es zweckmäßig, wenn an einer Schubstange ein Positionsindikator zur Information
über die Verriegelungs- bzw. Offenstellung vorgesehen ist, der insbesondere eine Verzahnung
auf der Schubstange und ein Zahnrad mit handbetätigbarem Knauf zur Positionsanzeige
und zur Rückstellung der Schubstange und Einkuppeln der Kupplung in den Verzahnungsteil
nach einer Paniköffnung aufweist.
[0006] Anhand zweier Ausführungsbeispiele wird eine Paniköffnung eines erfindungsgemäßen
Mehrriegelverschlusses mittels eines nur raumseitigen Drückers (außen ist beispielsweise
ein starrer Knauf vorgesehen) sowie eine nachfolgende Rückstellung durch Schlüsselbetätigung
erklärt. Fig. 1 zeigt einen versperrten zylinderbetätigbaren Mehrriegelverschluss
bei geöffneter Schlossdecke mit nur jenen Bauteilen, die für das Verständnis der Erfindung
erforderlich sind, Fig. 1a als Detail aus Fig. 1 einen Querschnitt durch einen Teil
eines Schubstangenanschluss-Schiebers sowie eines Hebels und eine Seitenansicht einer
Kupplung auf einem Verzahnungsteil, Fig. 2 den versperrten Mehrriegelverschluss am
Beginn der Drückerbetätigung, Fig. 2a die ausrückende Kupplung, Fig. 3 den Mehrriegelverschluss
am Ende der Drückerbetätigung, Fig. 3a die gelöste Kupplung und die in die Öffnungsstellung
verschobene Schubstange, Fig. 4 den Mehrriegelverschluss nach Loslassen des Drückers,
Fig. 4a die Stellung der Kupplung dazu, Fig. 5 den Mehrriegelverschluss beim Aufsperren
mit Hilfe eines Schlüssels im Schließzylinder, Fig. 5a die Stellung der Kupplung beim
Aufsperren, Fig. 6 den Mehrriegelverschluss am Ende des Aufsperrvorganges, Fig. 6a
die dann eingerastete Kupplung, Fig. 7 eine andere Ausführungsform des Mehrriegelverschlusses
gemäß der Erfindung in der Grundstellung, Fig. 8 bei Schlüsselbetätigung im Sinne
eines Versperrens, Fig. 9 im versperrten Zustand, Fig. 10 die Ausführungsform nach
Fig. 7 beim Aufsperrvorgang mittels des Schlüssels, Fig. 11 den Mehrriegelverschluss
am Ende des Aufsperrens wieder in der Grundstellung, Fig. 12 den Mehrriegelverschluss
nach Fig. 7 versperrt, Fig. 13 die Panikfunktion (Notöffnung) beim Niederdrücken des
raumseitigen Drückers, Fig. 14 den auf Grund der Panikfunktion geöffneten Mehrriegelverschluss
bei vollständig niedergedrücktem Drücker, Fig. 15 den Mehrriegelverschluss nach Fig.
14, jedoch bei losgelassenem Drücker, Fig. 16 den Sperrvorgang mit Hilfe eines Schlüssels
zum Einkuppeln und zum Zurücksetzen der Paniköffnung (Notöffnung) sowie Fig. 17 den
wieder eingekuppelten Zustand am Ende des Sperrvorganges.
[0007] Ein zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss umfasst ein Schlossgehäuse 1 mit einem
Schubstangenanschluss-Schieber 2 für eine oder mehrerer Schubstangen 3, die zu Verriegelungen
(nicht dargestellt) außerhalb des Schlossgehäuses 1 führen. Im Schlossgehäuse 1 befindet
sich eine Ausnehmung für einen Doppelschließzylinder 4, dessen Schließnase nabenseitig
in ein Zahnrad 5 greift, welches über ein Getriebe 6 mit mehreren Zahnrädern eine
Stockverzahnung 7 betätigt. Als Stockverzahnung ist hier ein abtreibendes Zahnrad
vorgesehen, welches an einer Flachseite zwei axial vorspringende Stifte mit balligem
Dreiecksquerschnitt aufweist. Diese Stifte liegen diametral zur Drehachse des Zahnrades
und greifen in eine korrespondierende Zahnstangenverzahnung eines Verzahnungsteiles
8. Dieser Verzahnungsteil 8 ist über eine Kupplung 9, nämlich eine Federzunge 10 mit
hakenförmig auskragendem Zapfen 11 (Fig. 1a), mit dem Schubstangenanschluss-Schieber
2 kinematisch verbunden ist. Bei eingerasteter Kupplung 9 entspricht die Funktion
des Mehrriegelverschlusses den Stand der Technik: Wenn der Doppelschließzylinder gesperrt
wird, betätigt das Getriebe 6 die Stockverzahnung 7, sodass der Schubstangenanschluss-Schieber
2 mit seiner Schubstange 3 in den linearen Führungen längs des Gehäusestulps im Schlossgehäuse
1 nach oben oder unten fährt.
[0008] Fig. 1 zeigt, dass mit dem Verschieben des Schubstangenanschluss-Schiebers 2 ein
Schlossriegel 12 ein- und ausfährt. Dazu ist eine Zapfen-Schlitzumlenkung 13 in bekannter
Weise vorgesehen. Eine Falle 14 wird über eine Drückernuss 15 mittels eines Drückers
betätigt. An der Drückernuss 15 ist ein Hebel 16 vorgesehen, in dessen Schwenkbereich
bei Drückerbetätigung eine durch eine Ausbiegung der Federzunge 10 gebildete Auflauffläche
17 liegt. In der Fig. 1 bzw. 1a liegt der Hebel 16 unmittelbar nächst der Auflauffläche
17.
[0009] Nachfolgend wird die Funktion des Mehrriegelverschlusses ausgehend von der vorstehenden
Beschreibung für Fig. 1 und 1a anhand der weiteren Figuren für den Fall einer Panikbetätigung
erklärt:
[0010] Wenn der Drücker, der sich nur an der Innenseite, also raumseitig befindet, niedergedrückt
wird, dann schwenkt der Hebel 16 an der Drückernuss 15 im Uhrzeigersinn gegen die
Auflauffläche 17 der an dem Verzahnungsteil 8 z.B. durch Nieten befestigten Federzunge
10. Die Federzunge 10 weicht gegen Federkraft nach unten aus (Fig. 2a - Pfeil) und
der Zapfen 11 weicht aus einer Ausnehmung im Schubstangenanschluss-Schieber 2 zurück.
Damit ist der Schubstangenanschluss-Schieber 2 frei und kann unabhängig von der Kinematik
der Verzahnung des Verzahnungsteiles 8, der Stockverzahnung 7, des Getriebes 6, Zahnrades
5 und des Doppelschließzylinders 4 verschoben werden. Die letztgenannten Bauelemente
sind selbsthemmend und können nur mittels eines Schlüssels im Doppelschließzylinder
4 aktiviert werden. Die Freistellung des Schubstangenanschluss-Schiebers 2 ist gemäß
Fig. 2 bis zu einer Weglänge A (siehe Doppelpfeil A in Fig. 2) gegeben.
[0011] Wenn der Drücker weiter niedergedrückt wird, dann läuft der Hebel 16 stirnseitig
gegen einen Mitnehmer 18 auf dem Schubstangenanschluss-Schieber 2 und verschiebt diesen
in die Offenstellung aller Verschlüsse (Fig. 3). Dabei bleiben der Verzahnungsteil
8, die Stockverzahnung 7, das Getriebe 6, das Zahnrad 5 und der Doppelschließzylinder
4 weiterhin unverändert in der unwirksam gewordenen Sperrstellung.
[0012] Somit kann die Tür von innen auch bei versperrtem Doppelschließzylinder 4 nur mit
dem raumseitig vorgesehenen Drücker allein geöffnet werden, denn - wie Fig. 3 zeigt
- wird mit dem an der Drückernuss 15 zusätzlich vorgesehenen Fallenhebel auch die
Falle 14 eingezogen und über die Zapfen-Schlitzumlenkung 13 der Riegel 12 eingefahren.
Letzteres gilt auch für alle Riegel bzw. Verriegelungen des Mehrriegelverschlusses
längs der Schubstange 3, die mittels der Schubstange 3 betätigt werden (nicht dargestellt).
Die Lage der Bauteile im Bereich der Kupplung 3 zeigt Fig. 3a.
[0013] Wenn in weiterer Folge der Drücker losgelassen wird, dann bewegt sich dieser auf
Grund seiner Federbelastung in die horizontale Grundstellung (Fig. 4) zurück. Dies
gilt auch für die Drückernuss 15 und dem Hebel 16. Die Schubstange 3, der Anschlussschieber
2 und der Riegel 12 sowie die gesamte Mehrfachverriegelung bleiben offen, lediglich
die Falle 14 erhält wieder ihre Funktion. Fig. 4a zeigt, dass der Verzahnungsteil
8 nach wie vor abgekuppelt ist.
[0014] Soll die normale Schlüsselbetätigung wieder aktiviert (also die Notöffnung zurückgestellt)
werden, dann wird mit Hilfe des Schlüssels über den Doppelschließzylinder 4 der Aufsperrvorgang
gewissermaßen nachgeholt. Dadurch bewegt sich gemäß Fig. 5 der Verzahnungsteil 8 nach
oben und die Kupplung 9 bzw. der Zapfen 11 rastet in die Ausnehmung des Schubstangenanschluss-Schiebers
2 ein (Fig. 5a).
[0015] Die Fig. 6 zeigt die Endlage der Bauteile und Fig. 6a die Position der Bauteile der
Kupplung 9. Der Mehrriegelverschluss ist unversperrt und die Tür kann ganz normal
mittels des Drückers geöffnet werden. Dabei wird nur die Falle 14 zurückgezogen. Wenn
der Mehrriegelverschluss versperrt wird, dann ergibt sich die Situation gemäß Fig.
1.
[0016] Während in den Fig. 1 bis 6 ein Mehrriegelverschluss mit einer Kupplung 9 beschrieben
ist, die senkrecht zur Zeichenebene aus- bzw. einrückbar ist, betreffen die Fig. 7
bis 17 eine Ausführungsvariante mit einer Kupplung, die in der Zeichenebene verschwenkt
wird.
[0017] In den Fig. 7 bis 11 ist der Normalbetrieb dieses Mehrriegelverschlusses beschrieben,
während die Fig. 12 bis 17 die Panikfunktion und die Rückstellung betreffen. So wie
bei Fig. 1 bis 6 wird auch bei Fig. 7 bis 17 vorausgesetzt, dass der Mehrriegelverschluss
außenseitig bloß einen starren Türgriff oder Knauf aufweist, jedoch raumseitig mit
einem Drücker ausgestattet ist, mit dessen Hilfe im Normalbetrieb bei unversperrter
Tür die Falle 14 eingezogen werden kann.
[0018] Gemäß Fig. 7 ist in einem Schlossgehäuse 1 ein Schubstangenanschlussschieber 2 vertikal
verschiebbar geführt, der die Schubstangen 3 zur Betätigung der Verriegelungen (nicht
dargestellt) mitnimmt. Über einem Schlüssel und einem Schließzylinder 4, ein Zahnrad
5, ein Getriebe 6 und ein Zahnrad mit Stockverzahnung 7 wird ein Verzahnungsteil 8
vertikal auf oder ab bewegt, je nachdem, ob der Schlüssel in Versperrrichtung (gegen
den Uhrzeigersinn) oder in Aufsperrrichtung (im Uhrzeigersinn) gedreht wird. Der Verzahnungsteil
8 ist nicht starr oder einstückig mit dem Schubstangenanschlussschieber 2 verbunden,
sondern mittels einer ausrückbare Kupplung 9, die aus mehreren Bauteilen besteht.
Unmittelbarer Kupplungsteil ist ein Haken 20, der in der Zeichenebene schwenkbar ist.
Der Haken 20 ist drehbar an dem Verzahnungsteil 8 angelenkt und wird durch Federkraft
in Richtung auf die in Fig. 7 dargestellte Einrastposition vorgespannt, in der eine
Hakenfläche 21 in eine Ausnehmung 22 im Schubstangenanschlussschieber 2 eingreift.
Damit sind Verzahnungsteil 8 und Schubstangenanschlussschieber 2 gekuppelt.
[0019] Um diese Kupplung 9 auszurücken, ist an der Drückernuss 15 ein Hebel 16 mit einer
Mitnehmerfläche 23 vorgesehen, an welcher ein einarmiger Auslösehebel 24 anliegt.
Der Auslösehebel 24 ist um eine gehäusefeste Achse 25 drehbar gelagert. Die Funktion
des Ausrückens des Hakens 20 wird später im Zusammenhang mit der Panikfunktion beschrieben.
Vorerst wird von Fig. 7 ausgehend die Normalfunktion erklärt, die sich von jener der
Ausführungsform gemäß Fig. 1 bis 6 nicht unterscheidet.
[0020] Wenn von Fig. 7 ausgehend ein Schlüssel im Schließzylinder 4 in Pfeilrichtung gegen
den Uhrzeigersinn gedreht wird, dann wird diese Drehung über das Zahnrad 5, das Getriebe
6 und die Stockverzahnung 7 auf den zahnstangenähnlichen Verzahnungsteil 8 übertragen,
sodass sich der über den Haken 20 fest angekuppelte Schubstangenanschlussschieber
2 sowie auch die Schubstange 3 nach unten bewegen (Fig. 8). Diese Bewegung bedeutet
eine Verriegelung bzw. ein Ausschieben oder Ausschwenken der längs der Schubstangen
3 vorgesehenen Riegel (nicht dargestellt) bzw. auch ein Ausschieben des Schlossriegels
12 über das Schlitz-Zapfengetriebe 13 aus dem Schlossgehäuse 1. Die Endstellung der
Bauteile beim Versperren ist in Fig. 9 dargestellt.
[0021] Ein Aufsperren bedeutet eine Schlüsseldrehung im Uhrzeigersinn und gemäß Fig. 10
ein Verschieben der Schubstangen 3 nach oben sowie ein Einziehen des Schlossriegels
12. Die Endlage der Bauteile des unversperrten Mehrriegelschlosses ist in Fig. 11
dargestellt. Über den Drücker, einen Nusshebel 30, einen gefederten Schieber 31, Winkelhebel
32 und einen linear geführten Fallenschaft 33 kann die Falle 14 eingezogen und die
Tür geöffnet werden.
[0022] Um eine Notöffnung bei der Paniksituation von der Innenseite (Raumseite) auch bei
versperrter Tür mit dem Drücker allein zu ermöglichen, sind die bereits im Zuge der
Beschreibung zu Fig. 7 erwähnten Komponenten der Kupplung 9 vorgesehen. Da die Stockverzahnung
7 zusammen mit dem Verzahnungsteil 8 selbstsperrend ist, also der Verzahnungsteil
8 nicht von sich aus verschoben werden kann, sondern nur durch Drehung des Zahnrades
mit der Stockverzahnung 7, muss der Verzahnungsteil 8 vom Schubstangenanschlussschieber
2 abgekuppelt werden. Fig. 12 zeigt die Ausgangssituation des versperrten Mehrriegelverschlusses.
Schlossriegel 12 und Falle 14 sind ausgeschlossen. Verzahnungsteil 8 und Schubstangenanschlussschieber
2 sind durch den Haken 20 miteinander gekuppelt. Wird nun im Panikfall der Drücker
betätigt, wie dies Fig. 13 zeigt, dann verdreht sich damit die Drückernuss 15. Der
Nusshebel 16 im Inneren des Schlossgehäuses schwenkt parallel zum Drücker und seine
Mitnehmerfläche 23 hebt den Auslösehebel 24 an, wobei sich infolge der wirksamen Hebelsarmlängen
eine Übersetzung zwischen Drückerwinkel und Schwenkwinkel des Auslösehebels 24 von
z.B. 1:2 ergibt. Eine Schulter 26 des Auslösehebels 24 greift an einem Teil des Hebels
20 an und drückt diesen aus seiner Eingriffsposition aus dem Schubstangenanschlussschieber
2. Sodann kommt die Stirnfläche 27 des Auslösehebels zur Wirkung. Sie legt sich an
eine Gegenfläche des Schubstangenanschlussschiebers 2 und verschiebt diesen in Pfeilrichtung
wie beim Aufsperren mittels des Schlüssels. Alle Verriegelungen einschließlich des
Schlossriegels 12 werden geöffnet. Auch die Falle 14 wird bei der Notöffnung infolge
der Drückerbetätigung gleichzeitig zurückgezogen, weil der Nusshebel 30 den gefederten
Schieber 31 entgegen Federkraft nach unten drückt und der Winkelhebel 32 im Uhrzeigersinn
gedreht wird, wobei dieser im Sinne einer Eckumlenkung auf den Fallenschaft 33 wirkt
und die Falle 14 einzieht.
[0023] Durch Niederdrücken des raumseitigen Drückers werden also bei versperrtem Mehrriegelverschluss
von Fig. 12 ausgehend sämtliche Verschlüsse und Verriegelungen geöffnet, sodass sich
die Situation gemäß Fig. 14 ergibt. Der Raum kann fluchtartig verlassen werden. Wenn
der Drücker losgelassen wird, fährt die Falle 14 wieder aus. Alle Verriegelungen bleiben
offen. Diese Funktion ist in Fig. 15 dargestellt.
[0024] Um den Mehrriegelverschluss wieder in die Normalfunktion zu bringen, wird gemäß Fig.
16 der Aufsperrvorgang mit Hilfe des Schlüssels nachgeholt. Wenn der Schlüssel im
Schließzylinder 4 im Uhrzeigersinn gedreht wird (Aufsperren), dann läuft der Verzahnungsteil
wie bei Fig. 10 nach oben und holt den Schubstangenanschlussschieber 2 ein. Der Haken
20 verfügt stirnseitig über eine Einlaufschräge und rastet gemäß Fig. 17 unter Federkraft
in der Ausnehmung 22 ein, wodurch der Kupplungsvorgang vollzogen ist. Fig. 17 stimmt
demnach mit Fig. 7 überein.
[0025] Vermerkt sei noch, dass der Auslösehebeln den Drückerwinkel übersetzt, wodurch ein
geringerer Drückerwinkel bzw. Nusswinkel ausreicht oder ein kleineres Dornmaß möglich
wird. Ferner dient die Einlaufschräge auf dem federbelasteten Haken 20 als Schubstangenbremse.
1. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss mit Panikfunktion über einen Drücker zum
Öffnen des versperrten Mehrriegelverschlusses in einem Notfall ohne Schlüssel von
der Innenseite, wobei ein von dem Schließzylinder betätigbares Getriebe insbesondere
selbsthemmend mit einer Schubstange oder einem Schubstangenanschluss-Schieber in kinematischer
Verbindung steht, dadurch gekennzeichnet, dass die Schubstange (3) bzw. der Schubstangenanschluss-Schieber (2) von dem Getriebe
(6) abkuppelbar ist und eine Drückernuss (15) mindestens einen Mitnehmer bzw. Nusshebel
(16) zum Lösen der Kupplung (9) sowie zum Verschieben der freigestellten Schubstange
(3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers (2) in die Offenstellung des Mehrriegelverschlusses
aufweist.
2. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Getriebe (6) abtriebsseitig in Formschlusselemente, insbesondere in eine
Verzahnung der Schubstange (3) oder des Schubstangenanschluss-Schiebers (2) greift,
dass diese Verzahnung auf einem Verzahnungsteil (8) angeordnet ist, der in der Ebene
oder parallel zur Ebene der Schubstange (3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
(2) geführt ist und dass zwischen dem Verzahnungsteil (8) und der Schubstange (3)
bzw. dem Schubstangenanschluss-Schieber (2) die Kupplung (9) als lösbare Verbindung,
beispielsweise mit einem ausrückbaren Mitnehmer, vorgesehen ist.
3. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach den Ansprüchen 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Verzahnungsteil (8) in der Ebene der Schubstange (3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
(2) in einer Ausnehmung derselben als ankuppelbares Einsatzstück liegt und dass die
Länge der Ausnehmung, in Verschieberichtung gesehen, mindestens um den dem Riegelausschluss
entsprechenden Vorschub der Schubstange (3) größer ist als die Länge des in der Ausnehmung
vorgesehenen Verzahnungsteiles (8), sodass die Längendifferenz eine Freistellung (A)
der Schubstange (3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers (2) bei abgekuppeltem,
stillstehendem Verzahnungsteil (8) für den Riegelrückzug ergibt.
4. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupplung (9) zwischen Schubstange (3) bzw. Schubstangenanschluss-Schieber
(2) und Verzahnungsteil (8) als Federzunge (10) ausgebildet ist, die mit einem Ende
am Verzahnungsteil (8) fixiert ist und mit dem anderen, freien Ende z.B. mit einem
Zapfen (11) in eine Ausnehmung der Schubstange (3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
(2) greift.
5. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass an der Federzunge (10) eine Auflauffläche (17) und an der Drückernuss (15) ein
gegen die Auflauffläche (17) schwenkbarer Nusshebel (16) zum Wegbiegen der Federzunge
(10) und damit zum Auskuppeln derselben vorgesehen ist.
6. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Kupplung (9) einen Haken (20) aufweist, der an dem Verzahnungsteil (8)
angelenkt ist und unter Federvorspannung in eine quer zur Verschieberichtung der Schubstange
(3) orientierte Ausnehmung (22) der Schubstange (3) bzw. des Schubstangenanschluss-Schiebers
(2) eingreift, wobei der Haken (20) bei Betätigung des Drückers über einen Nusshebel
(16) aus seiner Kupplungsstellung ausrückbar ist.
7. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass eine Mitnehmerfläche (26) des Nusshebels (16) einen um eine gehäusefeste Achse
(25) drehbaren Auslösehebel (24) verschwenkt, der einerseits eine Schulter (26) zum
Ausrücken des Hakens (20) aus der Kupplungsstellung und anderseits eine Stirnfläche
(27) zur Anlage an eine Gegenfläche auf der Schubstange (3) bzw. auf dem Schubstangenanschluss-Schieber
(2) aufweist.
8. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach den Ansprüchen 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Hakenfläche (21), die etwa senkrecht zur Verschieberichtung der Schubstange
(3) oder des Schubstangenanschluss-Schiebers (2) orientiert ist, kopfseitig gegenüberliegend
eine Einlaufschräge auf den Haken (20) angeordnet ist und der am Verzahnungsteil (8)
angelenkte Haken (20) bei Zylinderbetätigung der Schubstange (3) bzw. dem Schubstangenanschluss-Schieber
(2) nacheilt, die Einlaufschräge auf letzterem aufgleitet und der Haken (20) in die
Ausnehmung (22) kuppelnd einrastet.
9. Zylinderbetätigbarer Mehrriegelverschluss nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass an einer Schubstange (3) ein Positionsindikator zur Information über die Verriegelungs-
bzw. Offenstellung vorgesehen ist, der insbesondere eine Verzahnung auf der Schubstange
(3) und ein Zahnrad mit handbetätigbaren Knauf zur Positionsanzeige und zur Rückstellung
der Schubstange (3) und Einkuppeln der Kupplung (9) in den Verzahnungsteil (8) nach
einer Paniköffnung aufweist.