[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Mittel zum Reinigen bzw. Waschen von Leder.
[0002] Die Reinigung von Leder bzw. Lederwaren unter Verwendung von Lösungsmitteln, wie
z.B. Tri-Perchloräthylen oder Waschbenzin ist bekannt. Diese Art der Reinigung ist
zwar heute allgemein üblich, aber äußerst problematisch. Dies steht u.a. im Zusammenhang
mit der Vielzahl der möglichen Verfahren beim Gerben bzw. der Vielzahl der hierbei
eingesetzten Hilfsmittel. Hierdurch können auch die Eigenschaften von Leder und das
Verhalten beim Reinigen mit den herkömmlichen Reinigungs- bzw. Lösungsmitteln sehr
unterschiedlich sein. In den meisten Fällen läßt sich daher nicht sagen, wie sich
ein Leder oder eine bestimmte Lederware beim Reinigen verhält, so daß auch Reinigungsbetriebe
üblicherweise bei der Lederreinigung keine Garantie übernehmen.
[0003] Die bekannten Mittel zum Reinigen von Leder haben darüber hinaus den Nachteil, daß
ihre Anwendung aufwendige Maschinen bzw. Anlagen erfordert, die insbesondere auch
schon aus Gründen des Umweltschutzes eine Rückgewinnung des jeweiligen Reinigungs-
bzw. Lösungsmittels ermöglicht. Zur Vermeidung dieser Nachteile wurde bereits ein
Mittel zum Reinigen von Leder mit den Merkmalen des Oberbegriffs des Anspruchs 1 vorgeschlagen.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Mittel zum Reinigen von Leder mit verbesserten
Eigenschaften aufzuzeigen. Zur Lösung dieser Aufgabe sind ein Mittel zum Reinigen
von Leder entsprechend dem Patentanspruch 1 und ein Verfahren zum Reinigen von Leder
oder Lederprodukten entsprechend dem Patentanspruch 9 ausgebildet.
[0005] Bei dem erfindungsgemäßen Mittel wird als
"Lösungsmittel" ebenfalls Wasser verwendet und das Reinigen von Leder erfolgt in der
wässerigen Phase. Das erfindungsgemäße Mittel kann daher auch als
"Leder-Waschmittel" bzw.
"Leder-Waschkonzentrat" bezeichnet werden.
[0006] Die Besonderheit des erfindungsgemäßen Mittels zum Reinigen von Leder besteht darin,
daß dieses als wässrige Lösung hergestellte Mittel einen PH-Wert im Bereich zwischen
3,5 und 6,8 aufweist. Zur Einstellung des PH-Wertes enthält die wässerige Lösung wenigstens
eine Säure, vorzugsweise eine organische Säure, beispielsweise eine flüchtige organische
Säure, wie z.B. Ameisensäure, Essigsäure, Zitronensäure und/oder Phtalsäure.
[0007] Es hat sich gezeigt, daß in dem sauren Klima des Mittels zum Reinigen von Leder insbesondere
Fett, Farbstoffe und Gerbstoffe beim Reinigen im Leder verbleiben, d.h. die Bindung
an das Lederkollagen nicht beeinträchtigt wird und es nicht zu einem Lösen oder Ausbluten
dieser Stoffe aus dem Leder kommt. Der isoelektrische Punkt des Leders wird durch
den angegebenen PH-Wert vorteilhaft beeinflußt.
[0008] Neben Wasser und Säure enthält das erfindungsgemäße Waschmittel eine geeignete Waschsubstanz,
die vorzugsweise keine Anteile an Bleichmittel und Enzyme enthält und bevorzugt wenigstens
ein geeignetes Fettalkylsulfat und/oder Fettethersulfat ist. Anstelle hiervon oder
zusätzlich hierzu kann auch ein Alkylethersulfat verwendet sein. Weiterhin enthält
das erfindungsgemäße Mittel zumindest ein wasserunlösliches Öl oder Fett in Emulsion.
Für dieses Öl bzw. Fett ist ein geeigneter Emulgator vorgesehen, der beispielsweise
bereits von dem vorstehend erwähnten Fettalkylsulfat oder Fettethersulfat oder Alkylethersulfat
gebildet ist.
[0009] Die Fettalkylsulfate bzw. Fettethersulfate wirken bei dem erfindungsgemäßen Mittel
reinigend bzw. waschend (insbesondere im alkalischen Bereich). Gleichzeitig wirken
diese Sulfate aber auch gerbend (im sauren Bereich), was ebenfalls zu einem optimalen
Waschergebnis beiträgt, d.h. mit dem erfindungsgemäßen Mittel ist ein problemloses
Reinigen bzw. Waschen von Leder möglich, wobei die Qualität bzw. Geschmeidigkeit des
Leders sowie auch die jeweilige Farbgebung voll erhalten bleiben, und zwar unabhängig
von den beim Herstellen des jeweiligen Leders verwendeten Verfahren und Hilfsmitteln.
[0010] Bei der Anwendung des erfindungsgemäßen Mittels ergeben sich keine Umweltprobleme.
Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Mittels besteht auch darin, daß es eine
außerordentliche Hartwasserbeständigkeit aufweist, so daß auf Wasserenthärter bei
der Anwendung des Mittels verzichtet werden kann.
[0011] Das unsulfonierte wasserunlösliche Öl bzw. Fett (rückfettender Bestandteil) ist beispielsweise
ein chlorierter Fettsäuremethylester aus Kokosöl. Anstelle hiervon kommen auch andere
natürliche (pflanzliche oder tierische Öle) in Betracht, d.h. gesättigte Fettsäuren
(C
4-C
30) bzw. ungesättigte Fettsäuren (C
11-C
22). Als rückfettender Zusatz können auch Chlorparaffine der Kettenlänge C
10-C
27 verwendet werden.
[0012] Als Bestandteil enthält das erfindungsgemäße Mittel bevorzugt noch ein Ethylenoxidaddukt
und/oder Alkensulfat und/oder Propanol-2. Dieser Bestandteil wirkt schmutzlösend.
[0013] Zur Optimierung der Emulgierbarkeit der natürlichen, wasserunlöslichen Öle ist bevorzugt
als weiterer Bestandteil ein anionisches oder amphoteres Lederfettungsmittel zugesetzt.
Diese Lederfettungsmittel, die im Fachgebrauch nochmals als
"Lederfettlicker" bezeichnet werden, sind wasserlösliche, natürliche oder synthetische
Öle oder Fette, die sulfatiert, sulfitiert oder emulgiert sind.
[0014] Als weiterer Bestandteil ist schließlich vorzugsweise ein geringer Anteil an einem
nichtiogenen, oberflächenaktiven Netzmittel vorgesehen. Dieses Netzmittel dient dazu,
die Oberflächenspannung des Wassers herabzusetzen und somit den Wascheffekt zu erhöhen.
[0015] Als weiterer Bestandteil enthält das Mittel beispielsweise auch noch einen geringen
Anteil an Parfümöl und/oder Farbstoff. Das Parfümöl sorgt für den typischen Ledergeruch
insbes. auch beim gereinigten Leder. Der Farbstoff dient speziell dazu, dem Waschmittel
eine entsprechende Eigenfarbe zu verleihen.
[0016] Das erfindungsgemäße Mittel ist vorzugsweise als Konzentrat bzw. Waschkonzentrat
hergestellt, welches vom Verwender dann mit einer geeigneten Menge Wasser verdünnt
wird.
[0017] Die Erfindung bezieht sich weiterhin auch auf ein Verfahren zum Reinigen von Leder
oder Lederprodukten. Dieses Verfahren zeichnet sich insbesondere dadurch aus, daß
der eigentlichen Reinigung beispielsweise mit einem Reinigungsmittel der vorgenannten
Art eine Vorbehandlung des Leders oder Lederproduktes in einem sauren Vorbehandlungsbad,
vorzugsweise in einem wässerigen, sauren Vorbehandlungsbad vorausgeht, dessen PH-Wert
auf einem Bereich zwischen 3,5 und 5,5 eingestellt ist, und zwar unter Verwendung
von entsprechenden Säuren, vorzugsweise der vorstehend erwähnten organischen Säuren.
Es hat sich gezeigt, daß durch diese Vorbehandlung ein Auswaschen eines in kräftigen
Farben, wie Schwarz, Blau, Bordaux oder Rot eingefärbten Leders, welches in der Regel
mit diesen Farben überfärbt ist, nicht erfolgt. Diese Vorbehandlung in dem sauren
Bad oder Fixierbad ist insbesondere bei sogenannten Mix-Teilen von besonderer Bedeutung,
d.h. bei Artikeln, beispielsweise Bekleidungsstücken, die teilweise aus Leder und
teilweise aus Textilmaterial bestehen. Durch die Vorbehandlung wird auch bei intensiven
Farben ein unerwünschtes Wandern der Farbe bzw. Farbpigmente aus dem Leder in das
Textilmaterial wirksam verhindert.
[0018] Eine typische Zusammensetzung des erfingungsgemäßen Mittels ist in der nachfolgenden
Tabelle angegeben:
Tabelle
| 30 - 60 |
Teile Fettalkylsulfat und/oder -ethersulfat |
| 0 - 30 |
Teile Ethylenoxidaddukt, Alkansulfat und/oder Propanol-2 |
| 0 - 30 |
Teile pflanzliches oder tierisches Fett, wasserunlöslich |
| 0 - 30 |
Teile anionischer oder amphoterer Lederfettlicker |
| 0 - 5 |
Teile nicht ionogenes Netzungsmittel |
| 0 - 5 |
Teile Parfümöl |
| 0 - 0,05 |
Teile Farbstoff |
| Rest |
Wasser und Säure |
[0019] Als Säure eignet sich eine oder mehrere organische Säuren und dabei vorzugsweise
flüchtige organische Säuren, wie Ameisensäure, Essigsäure, Zitronensäure und Phtalsäure.
Selbstverständlich können auch Mischungen verschiedener Säuren eingesetzt werden.
Der Anteil an Säure wird so gewählt, daß sich für das Mittel bzw. für die das Mittel
bildende wässrige Lösung insgesamt eine PH-Wert im Bereich zwischen 3,5 und 6,8 aufweist.
[0020] Speziell bei sogenannten Mixteilen, d.h. Leder, Textil-Mischprodukten, wie z.B. Leder-Textil-Mischbekleidungsstücken
ist es sinnvoll, daß der Behandlung mit dem erfindungsgemäßem Reinigungsmittel eine
Vorbehandlung mit einem säuren Fixiermittel, d.h. mit einer sauren wässrigen vorausgeht,
die im einfachsten Fall aus Wasser und einer Säure, beispielsweise aus einer der vorgenannten
Säuren besteht und deren PH-Wert auf einen Bereich zwischen 3,5 - 5,5 eingestellt
ist.
[0021] Die Fettalkylsulfate und -ethersulfate sind jeweils solche beispielsweise aus aliphatischen
Alkoholen mit der Kettenlänge C
10-C
20 oder aus Olefinen.
[0022] Anstelle hiervon oder zusätzlich hierzu sind auch Alkylethersulfate aus alipathischen
Alkoholen möglich, jedoch vor Sulfatierung ethoxyliert.
[0023] Das pflanzliche oder tierische Öl bzw. Fett ist bevorzugt das vorstehend bereits
erwähnte chlorierte Fettsäuremethylester aus Kokosöl. Aber auch andere natürliche
Öle, d.h. gesättigte oder ungesättigte Fettsäuren können eingesetzt werden.
[0024] Bei dem Lederfettlicker handelt es sich bevorzugt um ein Paraffinsulfosäureamid der
allgemeinen Formel R-SO
2-NH-CH
2-CH
2-SO
3Na.
[0025] Als Farbstoff wird ein saurer Anilinfarbstoff verwendet.
Die Erfindung wurde voranstehend an einem Ausführungsbeispiel beschrieben. Es versteht
sich, daß Änderungen sowie Abwandlungen möglich sind, ohne daß dadurch der der Erfindung
zugrundeliegende Erfindungsgedanke verlassen wird.
1. Mittel zum Reinigen von Leder oder Lederprodukten, bestehend aus einer Lösung, die
Wasser und wenigstens eine Waschsubstanz sowie einen Anteil an einem unsulfonierten,
wasserunlöslichen Öl oder Fett in Emulsion enthält, dadurch gekennzeichnet, daß der
die PH-Wert der Lösung auf einen Bereich zwischen 3,5-6 eingestellt ist.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung zur Einstellung des
PH-Wertes organische, vorzugsweise organische flüchtige Säuren, wie z.B. Ameisensäure,
Essigsäure, Zitronensäure oder Phtalsäure enthält.
3. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Waschsubstanz ein Fettalkohol
bzw. wenigstens ein Fettalkylsulfat oder -ethersulfat und/oder Alkylsulfat ist.
4. Mittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung einen Emulgator
für das unsulforierte, wasserunlösliche Öl oder Fett enthält.
5. Mittel nach einem der Ansprüche 1 - 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung einen
anionischen oder amphoteren Lederfettlicker bzw. ein sulfatiertes oder sulfitiertes
oder emulgiertes natürliches oder synthetisches Öl oder Fett enthält.
6. Mittel nach einem der Ansprüche 1 - 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung ein
Netzungsmittel, vorzugsweise ein nicht ionogenes Netzungsmittel enthält, und/oder
daß die Lösung als weiteren Zusatz ein etherisches Öl (Parfümöl) und/oder einen Farbstoff,
vorzugsweise einen Anilinsäurefarbstoff enthält, und/oder daß die Lösung zusätzlich
Ethylenoxidaddukt, Alkansulfat und/oder Propanol-2 enthält.
7. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Lösung
folgende Zusammensetzung aufweist:
| 30-60 |
Teile Fettqalkylsulfate und -ethersulfate |
| 0-30 |
Teile Ethylenoxidaddukt, Alkansulfat und/oder Propanol-2 |
| 0-30 |
Teile pflanzliches oder tierisches Öl-Fett, wasserunlöslich |
| 0- 30 |
Teile anionischer oder amphoterer Lederfettlicker |
| 0-5 |
Teile nicht ionogenes Netzungsmittel |
| 0-5 |
Teile Parfümöl |
| 0 - 0,005 |
Teile Anilinsäurefarbstoff |
| Rest |
Wasser und Säure. |
8. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Waschsubstanz
wenigstens eine Substanz aus der Gruppe Amidethersulfat, sekundäres Alkansulfat, Sarkoside,
Methyltauride, Isethionat, Amoniumoxid, Phosphorsäureester, Quartäre Ammoniumverbindungen
ist.
9. Verfahren zum Reinigen von Leder oder Lederprodukten mit einer Lösung oder Waschsubstanz,
dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Behandeln mit der Lösung oder Waschsubstanz eine
Vorbehandlung in einem sauren Bad mit einem PH-Wert im Bereich zwischen 3,5 und 5,5
erfolgt, wobei das Vorbehandlungsbad beispielsweise eine wässerige Lösung ist, z.B.
eine wässerige Lösung, die wenigstens eine anorganische flüchtige Säure enthält.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Vorbehandlungsbad wenigstens
eine flüchtige anorganische Säure, beispielsweise der Gruppe Ameisensäure, Essigsäure,
Zitronensäure und Phtalsäure enthält.