[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Falschdralltexturieren eines synthetischen
Fadens zu einem Kräuselgarn sowie das Kräuselgam.
[0002] Um die Eigenschaften künstlicher textiler Fäden denen von Fäden aus natürlichen Fasern
wie etwa Wolle oder Baumwolle anzugleichen, ist es bekannt, die gesponnen synthetischen
Fäden in einem Texturierprozeß zu veredeln. Dabei werden die synthetischen Filamentstränge,
die den Faden bilden, gekräuselt, so daß der Faden ein mehr textilmäßiges Aussehen
und die damit verbundenen Eigenschaften erhält. Ein derartiges Verfahren ist beispielsweise
aus der JP 05311527 A bekannt. Hierbei wird der multifile Faden in einer Streckzone
mit Hilfe eines beheizten Streckstifts verstreckt und anschließend in einer Falschdrallzone
texturiert. Zur Erzeugung der Kräuselung wird in dem Faden ein Falschdrall erzeugt,
der in der Falschdrallzone mittels einer Heizeinrichtung fixiert wird. Anschließend
wird der gekräuselte Faden zu einer Spule aufgewickelt.
[0003] Bei dem bekannten Verfahren wird ein Kräuselgam hergestellt, das eine sehr gleichmäßige
Struktur mit einem geringen Bausch aufweist. Durch das Heißverstrecken der Filamente
am Streckstift wird ein relativ geschlossener Filamentverbund geschaffen, der einen
geringen Bausch und somit eine geringe Fülligkeit des Kräuselgams zur Folge hat. Damit
erhalten die derart erzeugten Kräuselgarne ein mehr künstliches Aussehen.
[0004] Es ist nun Aufgabe der Erfindung, das eingangs genannte Verfahren zum Falschdralltexturieren
derart weiterzubilden, daß ein Kräuselgarn erzeugt wird, das an Fülligkeit, im Griff
und im Aussehen dem Charakter natürlicher Fasern möglichst nahe kommt.
[0005] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen nach Anspruch
1 sowie durch ein Kräuselgarn mit den Merkmalen nach Anspruch 8 gelöst.
[0006] Dem erfindungsgemäßen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß die Einstellung
der Fadenzugkraft in der Streckzone vor dem Streckstift einen unmittelbaren Einfluß
auf die Gleichmäßigkeit der Verstreckung ausübt. So wurde herausgefunden, daß bei
besonders niedrigen Fadenzugkräften der Faden beim Auflauf auf den Streckstift zu
Schwingungen angeregt wird, die zu einer ungleichmäßigen thermischen Beanspruchung
des Fadens am Streckstift und somit zu einer ungleichmäßigen Verstreckung des Fadens
führt. Hierbei werden die Effekte ausgenutzt, daß die verdampfenden flüchtigen Bestandteile
des Fadens beim Auflaufen des Fadens auf den heißen Streckstift Kräfte ausüben, die
im Verhältnis zu der geringen Fadenzugkraft quer zur Fadenlaufrichtung wirken und
eine Schwingbewegung des Fadens an dem Streckstift erzeugen. Die ungleichmäßige Verstrekkung
und ungleichmäßige thermische Beanspruchung des Fadens wirkt sich nach dem Falschdralltexturieren
in der Falschdrallzone derart aus, daß die synthetischen Filamente derart ungleichmäßig
miteinander verschlungen sind, daß abwechselnd Fadenstücke mit einem losen Filamentbund
und Fadenstücke mit einem geschlossenen Filamentbund vorhanden sind. Dabei bildet
der lose Filamentbund einen größeren Fadenquerschnitt als der feste Filamentbund,
so daß ein Kräuselgarn mit einem Dick-Dünn-Effekt entsteht.
[0007] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zum Falschdralltexturieren wird der synthetische
Faden mit einer Anliefergeschwindigkeit w
1.1 und einer geringen absoluten Fadenspannung F
1 von maximal 5 cN zu einem beheizten Streckstift in einer Streckzone geführt. Der
Faden wird in der Streckzone durch Umschlingen des Streckstifts mit einem Umschlingungswinkel
α<270° verstreckt und durch ein nachgeschaltetes Lieferwerk abgezogen, wobei die Fadenspannung
F
2 im Fadenlauf hinter dem Streckstift wesentlich größer ist als die Fadenspannung F
1 vor dem Streckstift. Durch das Lieferwerk wird der Faden mit einer Zuführgeschwindigkeit
w
1 in die Falschdrallzone geführt, wobei zum Verstrecken des Fadens in der Streckzone
die Zuführgeschwindigkeit w
1 größer ist als die Anliefergeschwindigkeit w
1.1. In der Falschdrallzone wird der Falschdrall bei einer Temperatur von über 180° C
fixiert. Dabei erfolgt eine geringe Nachverstreckung des Fadens in der Falschdrallzone,
wobei die Abzugsgeschwindigkeit w
2 jedoch nicht größer ist als das 1,1-fache der Zuführgeschwindigkeit w
1. Anschließend wird das gekräuselte Garn zu einer Spule aufgewickelt.
[0008] Um die Veränderung des Filamentverbundes im Kräuselgarn reproduzierbar herzustellen,
hat sich insbesondere die Verfahrensvariante gemäß Anspruch 2 bewährt. Hierbei ist
die Fadenspannung F
2 vor dem Lieferwerk zum Abziehen des Fadens aus der Streckzone im Bereich von 0,5
cN/dtex bis 1,2 cN/dtex eingestellt.
[0009] Der Streckstift ist beim Verstrecken des Fadens auf eine Temperatur im Bereich von
80° C bis 160° C, vorzugsweise über 100° C, beheizt, wobei der Faden den Streckstift
mit einem Umschlingungswinkel im Bereich von mindestens 90° teilumschlingt. Damit
ist ein Einfluß auf die Kristallinität der Filamentstränge möglich, so daß die Unterschiede
in den Filamentverbunden eine hohe Stabilität aufweisen.
[0010] Zur Vergleichmäßigung der Verstreckung wird in der Falschdrallzone eine Nachverstreckung
des Fadens durchgeführt. Hierbei ist die Einstellung der Nachverstreckung gemäß der
Verfahrensvariante nach Anspruch 5 besonders vorteilhaft.
[0011] Um zu gewährleisten, daß die Filamentstränge auch in den Fadenstücken mit einem geschlossenen
Filamentbund eine ausreichende Kräuselung erhalten, hat sich zur Erzeugung des Falschdralls
an dem Faden besonders ein Falschdrallgeber mit mehreren Friktionsscheiben bewährt.
[0012] Zur Erzeugung von weniger hochelastischen Kräuselgarnen wird die Verfahrensvariante
gemäß Anspruch 7 vorgeschlagen. Hierbei wird der Faden nach der Falschdrallerzeugung
und vor dem Aufwickeln zu der Spule durch Erwärmung nachbehandelt, so daß ein Schrumpfen
des Fadens möglich wird.
[0013] Durch das erfindungsgemäße Verfahren ist die Herstellung eines Kräuselgarns möglich,
das Eigenschaften aufweist, die ansonsten nur von Effektgarnen her bekannt sind. Der
natürliche Charakter des erfindungsgemäßen Kräuselgarns wird durch die unregelmäßig
in Folge und Größe auftretenden Veränderungen der Filamentbunde besonders verstärkt.
Der ungleichmäßige Fadenquerschnitt des erfindungsgemäßen Kräuselgarns treten insbesondere
beim Färben des Filamentgarns oder bei einem aus ihm hergestellten Flächengebilde
noch wesentlich stärker hervor. Nicht nur, daß die Fadenstücke mit dem offenen Filamentbund
eine ganz andere Farbwiedergabe aufweisen als die Fadenstücke mit geschlossenem Filamentbund,
sondern die Fadenstücke mit geschlossenem Filamentbund haben auch eine höhere Kristallinität
als die Fadenstücke mit offenem Filamentbund. Somit wird eine strukturierte Anfärbbarkeit
erreicht, die in einem Flächengebilde zu einer gleichmäßigen Farbstruktur führt. Die
unterschiedlichen Fadenstücke können dabei eine Länge von wenigen Millimetern bis
hin zu mehreren Zentimetern besitzen.
[0014] Derartige Kräuselgarne lassen sich aufgrund der Fadenstücke mit offenen Filamentbund
vorteilhaft zu einem Verbundfaden aus mehreren einzelnen Fäden aus beispielsweise
unterschiedlichen Polymeren herstellen. Hierzu wird das Verfahren nach Anspruch 11
vorgeschlagen. Zumindest einer der Fäden wird dabei vor dem Verbinden zu dem Verbundfaden
erfindungsgemäß texturiert gemäß den Verfahrensschritten nach Anspruch 1. Die so hergestellten
Verbundfäden zeichnen sich ebenfalls durch einen natürlichen Charakter aus. Das Verbinden
der Fäden erfolgt bevorzugt durch eine Luftverwirbelung mittels einer Verwirbelungsdüse.
Dabei wird ein Luftstrahl im wesentlich quer auf das Fadenbündel gerichtet, so daß
sich die Filamente der Fäden miteinander verschlingen.
[0015] Zur Herstellung des erfindungsgemäßen Kräuselgarns hat sich die Vorrichtung mit den
Merkmalen gemäß Anspruch 14 besonders bewährt. Hierzu weist die Vorrichtung ein Zulieferwerk,
einen Streckstift, ein erstes Lieferwerk, eine Heizeinrichtung, eine Kühleinrichtung,
einen Falschdrallgeber, ein zweites Lieferwerk und eine Aufwickeleinrichtung auf.
Erfindungsgemäß ist ein Fadenführer im Fadenlauf dem Streckstift nachgeordnet, welcher
zur Einstellung eines vorgegebenen Umschlingungswinkels des Fadens an dem Streckstift
verstellbar ausgebildet ist. Damit läßt sich die charakteristische ungleichmäßige
Verstreckung am Streckstift durch Veränderung der Umschlingung des Fadens in weiten
Grenzen einstellen.
[0016] Der Fadenführer wird bevorzugt auf einer Führungsbahn verstellt, die mit einem im
wesentlichen konstanten Abstand zum Umfang des Streckstifts ausgebildet ist.
[0017] Damit bleiben die in der Streckzone eingestellten Fadenzugkräfte im wesentlichen
auch bei Veränderung der Umschlingungswinkel an dem Streckstift unverändert.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren und das erfindungsgemäße Kräuselgarn werden anhand
der beigefügten Zeichnungen nachfolgend näher beschrieben.
[0019] Es stellen dar:
- Fig. 1
- ein erstes Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens;
- Fig. 2
- schematisch eine Ansicht des Kräuselgarns;
- Fig. 3
- ein Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung zur Herstellung eines Verbundfadens mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren.
[0020] In Fig. 1 ist ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Durchführung
des erfindungsgemäßen Verfahrens schematisch dargestellt. Die Vorrichtung weist ein
Zulieferwerk 17 auf, das einen multifilen Faden 4 von einer Vorlagespule 1 über einen
Kopffadenführer 15 abzieht. Das Zulieferwerk 17 wird derart angetrieben, daß der Faden
4 mit einer Anliefergeschwindigkeit w
1.1 in eine Streckzone geführt wird. Innerhalb der Streckzone, die sich zwischen dem
Zulieferwerk 17 und einem nachgeordneten Lieferwerk 2 erstreckt, ist ein beheizter
Streckstift 18 angeordnet. Der Streckstift 18 ist auf eine Oberflächentemperatur im
Bereich von 80° C bis 160° C beheizt. Der Streckstift 18 wird von dem Faden 4 mit
einem Umschlingungswinkel im Bereich von mindestens 90° umschlungen. Hierbei ist auf
der Ablaufseite des Streckstifts 18 ein Fadenführer 19 angeordnet. Der Fadenführer
19 ist in einer Führung 20 im wesentlichen parallel zum Streckstift derart verstellbar,
daß ein Umschlingungswinkel α von 90° bis 270° am Streckstift einstellbar ist. Nach
Einstellung eines Umschlingungswinkels wird der Fadenführer 19 in seiner jeweiligen
Position fixiert, so daß während des Prozesses die Fadenumschlingung am Streckstift
unverändert bleibt.
[0021] Der Faden 4 wird durch das dem Fadenführer 19 nachgeschaltete Lieferwerk 2 aus der
Streckzone abgezogen und in eine Falschdrallzone, die sich zwischen dem Lieferwerk
2 und einem Falschdrallgeber 7 erstreckt, geführt. Durch den Falschdrallgeber 7 wird
an dem Faden 4 ein Falschdrall erzeugt. Der Falschdrallgeber 7 ist hierbei als Friktionsscheibenaggregat
ausgebildet, bei welchem mehrere Scheiben an drei Achsen derart angeordnet sind, daß
die Scheiben sich in einem mittleren Bereich überlappen, der von dem Fadendurchlaufen
wird. Die Friktionsscheiben weisen eine Umfangsgeschwindigkeit auf, die ca. das 2-fache
einer Abzugsgeschwindigkeit w
2 aus der Falschdrallzone beträgt. Innerhalb der Falschdrallzone sind eine Heizeinrichtung
5 und eine Kühleinrichtung 6 angeordnet. Zwischen der Heizeinrichtung 5 und der Kühleinrichtung
6 ist ein Fadenführer 9 vorgesehen. Die Heizeinrichtung 5 ist derart ausgebildet,
daß der Faden auf eine Temperatur im Bereich von 180 bis 200° C erwärmt wird. Hierzu
kann die Heizeinrichtung eine Wärmeträgerflüssigkeit aufweisen, die eine vom Faden
kontaktierte Heizoberfläche beheizt. Es ist jedoch auch möglich, daß die Heizeinrichtung
elektrisch beheizt wird mit einer Temperatur oberhalb der Schmelzetemperatur des Fadenmaterials.
In diesem Fall wird der Faden mit Abstand zu der Heizoberfläche geführt.
[0022] Der Heizeinrichtung 5 ist die Kühleinrichtung 6 nachgeschaltet, durch welche der
Faden auf eine Temperatur von ca. 80 bis 100° C abgekühlt wird. Der abgekühlte Faden
durchläuft den Falschdrallgeber 7. Der Faden 4 wird sodann durch das zweite Lieferwerk
3 mit einer Abzugsgeschwindigkeit w
2 aus der Falschdrallzone abgezogen. Die Nachverstreckung in der Falschdrallzone ist
jedoch begrenzt und geht über das Geschwindigkeitsverhältnis zwischen der Abzugsgeschwindigkeit
und der Zuführgeschwindigkeit von w
2/w
1=1,1 nicht hinaus und liegt vorzugsweise im Bereich von w
2/w
1=1,03 bis 1,06.
[0023] Zur Herstellung eines hochelastischen Kräuselgarns könnte der Faden unmittelbar nach
dem zweiten Lieferwerk 3 zu einer Spule in einer Aufwickeleinrichtung 10 aufgewickelt
werden. Bei der in Fig. 1 dargestellten Vorrichtung ist eine Nachbehandlung des Fadens
4 vorgesehen. Hierzu ist dem zweiten Lieferwerk 3 eine zweite Heizeinrichtung 8 nachgeschaltet.
In der Heizeinrichtung 8 erhält der Faden eine Wärmenachbehandlung zum Spannungsausgleich
bzw. zur Schrumpfbehandlung. Der Faden 4 wird von dem dritten Lieferwerk 14 aus der
Heizeinrichtung 8 abgezogen und nach Präparation in einer Präparationseinrichtung
11 zu einer Spule in der Aufwickeleinrichtung 10 gewickelt. Hierzu wird die Spule
12 durch eine Treibwalze 13 mit gleichmäßiger Umfangsgeschwindigkeit angetrieben.
Die Spule 12 enthält das erfindungsgemäße Kräuselgarn.
[0024] Bei der Herstellung des Kräuselgarns wird die Fadenführung in der Streckzone zwischen
dem Zulieferwerk 17 und dem ersten Lieferwerk 2 derart eingestellt, daß in dem Fadenabschnitt
zwischen dem Zulieferwerk 17 und dem Streckstift 18 eine sehr geringe Fadenzugkraft
F
1, die im Bereich unterhalb von 5 cN liegt, eingestellt. Im Fadenstück zwischen dem
verstellbaren Fadenführer 19 und dem ersten Lieferwerk 2 wirkt dagegen die volle Fadenzugkraft,
die im Bereich von 0,5 cN/dtex bis 1,2 cN/dtex liegt. Durch diese erfindungsgemäße
Einstellung wird eine ungleichmäßige Verstreckung und thermische Beanspruchung des
Fadens 4 an dem Streckstift 18 erreicht. Die Zuliefergeschwindigkeit w
1 ist zu der Anliefergeschwindigkeit w
1.1 in dem Verhältnis w
1/w
1.1=1,5 bis 1,7 eingestellt, so daß der Faden 4 verstreckt wird. In der Falschdrallzone
erfolgt während der Fixierung der Kräuselung eine geringe Nachverstreckung. Hierzu
ist die Abzugsgeschwindigkeit w
2 des zweiten Lieferwerks 3 unwesentlich höher eingestellt als die Zuliefergeschwindigkeit
w
1 des ersten Lieferwerks. Das Geschwindigkeitsverhältnis beträgt hierbei vorzugsweise
bei w
2/w
1=1,03 bis 1,06. Das erfindungsgemäße Verfahren ist geeignet, um hochelastische Garne
oder Set-Garne aus Polyester, Polyamid oder Polypropylene herzustellen. Hierbei können
gesponnene POY-Garne im Bereich von 50 bis 200 dtex mit 1,5 bis 5 dpf vorgelegt werden.
[0025] In Fig. 2 ist eine Ansicht eines erfindungsgemäßen Kräuselgarns dargestellt. Das
Kräuselgarn wird durch eine Vielzahl von Filamenten gebildet. Die synthetischen Filamente
sind auf die Fadenlänge bezogen ungleichmäßig miteinander verschlungen, so daß abwechselnd
offene und geschlossene Fadenquerschnitte vorhanden sind, die sich aufgrund von Kristallinitätsunterschieden
in den Filamentsträngen nach dem Falschdralltexturieren ausbilden. Die Fadenquerschnitte
sind in Fig. 2 mit der Bezeichnung d
1, d
2 und d
3 gekennzeichnet. Die dazugehörigen Fadenstücke sind mit den Längen L
1, L
2 und L
3 in Fig. 2 eingetragen. Die Filamente in dem Teilstück L
1 bilden einen relativ offenen Filamentbund mit dem Fadenquerschnitt d
1. In dem angrenzenden Fadenstück L
2 sind die Filamente zu einem geschlossenen Filamentbund mit dem kleineren Fadenquerschnitt
d
2 verschlungen. Dieser Wechsel wiederholt sich, so daß das zu dem Fadenstück L
2 angrenzende Fadenstück L
3 einen relativ offenen Filamentbund mit dem Fadenquerschnitt d3 aufweist. Die Fadenstücke
L
1, L
2 und L
3 können sich in Abhängigkeit von der Einstellung der Fadenspannung, des Umschlingungswinkels
an dem Streckstift, der Fadengeschwindigkeiten und der Temperatureinstellungen am
Streckstift und in der Heizeinrichtung über eine Strecke von einigen wenigen Millimetern
bis hin zu mehreren Zentimetern erstrecken. Die Größe der Fadenquerschnitte und die
Längenverteilung sind unregelmäßig, so daß das Kräuselgarn eine ungleichmäßige Oberflächenstruktur
aufweist, die vergleichbar einem Dick-Dünn-Effekt-Garn ist. Das erfindungsgemäße Kräuselgarn
ist daher insbesondere geeignet, um Flächengebilde mit Farbstrukturen zu erzeugen.
[0026] In Figur 3 ist ein Ausführungsbeispiel einer Vorrichtung zur Herstellung eines Verbundfadens
nach dem erfindungsgemäßen Verfahren schematisch dargestellt. Die Vorrichtung ist
im wesentlichen identisch zu der in Figur 1 gezeigten Vorrichtung. Insoweit wird auf
die vorhergehende Beschreibung Bezug genommen und an dieser Stelle nur die Unterschiede
der Vorrichtung nach Figur 3 beschrieben.
[0027] Bei der in Figur 3 dargestellten Vorrichtung werden zwei Fäden 4.1 und 4.2 von jeweils
einer Vorlagespule 1.1 und 1.2 durch das Zulieferwerk 17 abgezogen. Die Fäden 4.1
und 4.2 werden parallel nebeneinander in eine Streckzone geführt. Innerhalb der Streckzone
werden die Fäden 4.1 und 4.2 mittels eines beheizten Streckstiftes 18 verstreckt.
Zur Einstellung des Umschlingungswinkels der Fäden an dem Streckstift 18 ist hinter
dem Streckstift 18 ein Fadenführer 19 angeordnet, der innerhalb einer Führung 20 im
wesentlichen parallel zum Streckstift verstellbar ist. Die Fäden 4.1 und 4.2 werden
durch ein nachgeordnetes Lieferwerk 2 aus der Streckzone abgezogen und in eine Falschdrallzone
geführt. Die Falschdrallzone enthält eine Heizeinrichtung 5 eine Kühleinrichtung 6
sowie ein Falschdrallaggregat 7. Hierbei sind die Aggregate in der Falschdrallzone
als Doppelaggregate ausgebildet, so daß die Fäden 4.1 und 4.2 parallel nebeneinander
texturiert werden. Die Fäden 4.1 und 4.2 werden sodann durch ein Lieferwerk 3.1 aus
der Falschdrallzone abgezogen. Anschließend werden die Fäden 4.1 und 4.2 miteinander
zu einem Verbundfaden 22 verbunden. Hierzu werden die Fäden 4.1 und 4.2 in eine Verwirbelungsdüse
21 geführt und mit einem im wesentlichen quer gerichteten Luftdruck beaufschlagt.
[0028] Der Verbundfaden wird durch ein der Verwirbelungsdüse 21 nachgeordneten Lieferwerk
3.2 in eine Nachbehandlungszone geführt. Dabei wird der Verbundfaden 22 innerhalb
einer Heizeinrichtung 8 erwärmt, um derart innere Spannungen auszugleichen. Der Verbundfaden
22 wird von einem weiteren Lieferwerk 14 aus der Heizeinrichtung 8 abgezogen und nach
Präparation in einer Präparationseinrichtung 11 zu einer Spule 12 in einer Aufwickeleinrichtung
10 gewickelt.
[0029] Die Fadenführung zum Verstrecken und zum Falschdralltexturieren ist hierbei identisch
zu der in Figur 1 beschriebenen Vorrichtung. Insoweit wird auf die Verfahrensschritte
und Aggregateinstellungen der Figur 3 zu der vorhergehenden Beschreibung zu Figur
1 Bezug genommen.
[0030] Im Gegensatz zu dem vorhergehenden Ausführungsbeispiel ist die Vorrichtung nach Figur
3 geeignet, um mehrere Fäden gleichzeitig zu texturieren und anschließend zu einem
Verbundfaden zusammenzuführen. Die Anzahl der Fäden in Figur 3 ist hierbei beispielhaft.
Ebenso besteht die Möglichkeit, einen Verbundfaden derart herzustellen, daß einer
der Fäden unmittelbar in die Falschdrallzone geführt wird. Diese Situation ist in
Figur 3 gestrichelt dargestellt. Hierbei wird der Faden 4.2 von der Vorlagespule 1.2
durch das Lieferwerk (2) abgezogen und in die Falschdrallzone geführt. Der zweite
Faden 4.1 wird dagegen vor dem Texturieren in der Streckzone geführt.
[0031] Ein derartig hergestellter Verbundfaden weist einen relativ geringen Dick-Dünn-Effekt
auf.
Bezugszeichenliste
[0032]
- 1
- Vorlagespule
- 2
- Lieferwerk
- 3
- Lieferwerk
- 4
- Faden
- 5
- Heizeinrichtung
- 6
- Kühleinrichtung
- 7
- Falschdrallgeber
- 8
- Heizeinrichtung
- 9
- Fadenführer
- 10
- Aufwickeleinrichtung
- 11
- Präparationseinrichtung
- 12
- Spule
- 13
- Treibwalze
- 14
- Lieferwerk
- 15
- Kopffadenführer
- 16
- Filamente
- 17
- Zulieferwerk
- 18
- Verstreckstift
- 19
- Fadenführer
- 20
- Führung
- 21
- Verwirbelungsdüse
- 22
- Verbundfaden
1. Verfahren zum Falschdralltexturieren eines synthetischen Fadens in folgenden Schritten:
1.1. Anliefern des Fadens mit einer Anliefergeschwindigkeit w1.1 und einer geringen absoluten Fadenspannung F1 von maximal 5 cN zu einem beheizten Streckstift in einer Streckzone ;
1.2. Verstrecken des Fadens durch Umschlingen des Streckstift mit einem Umschlingungswinkel
α < 270° und Abziehen des Fadens mit einer Fadenspannung F2, die deutlich größer ist als die Fadenspannung F1 vor dem Streckstift;
1.3. Zuführen des Fadens in eine Falschdrallzone mit einer Zuführgeschwindigkeit w1, die größer ist als die Anliefergeschwindigkeit w1.1 ;
1.4. Erwärmen des Fadens mit Falschdrall auf eine Temperatur T > 180°C und anschließend
Abkühlen des Fadens mit Falschdrall innerhalb der Falschdrallzone ;
1.5. Auflösen des Falschdralls an dem Faden durch ein Falschdrallgeber;
1.6. Abziehen des Fadens aus der Falschdrallzone mit einer oberhalb 400m/min liegenden
Abzugsgeschwindigkeit w2 , die zum Nachverstrekken des Fadens in der Falschdrallzone nicht größer ist als
das 1,1-fache der Zuführgeschwindigkeit w1, also 400m/min < w2 < 1,1 ∗ w1 und
1.7. Aufwickeln des Fadens zu einer Spule.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fadenspannung F2 vor dem Lieferwerk zum Abziehen des Fadens aus der Streckzone im Bereich von 0,5
cN/dtex bis 1,2 cN/dtex liegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Streckstift auf eine Temperatur in Bereich von 80°C bis 160°C, vorzugsweise über
100 °C beheizt ist, und daß der Faden den Streckstift mit einem Umschlingungswinkel
im Bereich von mindestens 90 ° teilumschlingt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß
zum Vorverstrecken des Fadens in der Streckzone ein Geschwindigkeitsverhältnis zwischen
der Zuführgeschwindigkeit w1 und der Anliefergeschwindigkeit w1.1 von w1/w1.1 > 1,4, vorzugsweise auf w1/w1.1 1, 5 - 1,7 eingestellt ist.
5. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
zum Nachverstrecken der Faden in der Falschdrallzone das Geschwindigkeitsverhältnis
zwischen der Abzugsgeschwindigkeit w2 und der Zuführgeschwindigkeit w1 in dem Bereich von w2/w1 = 1, 03 - 1,06 eingestellt ist.
6. Verfahren nach einem der vorgenannten Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Falschdrall an dem Faden durch einen Falschdrallgeber mit mehreren Friktionscheiben
erzeugt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Faden nach der Falschdrallerzeugung und vor dem Aufwickel zu der Spule eine Nachbehandlung
durch Erwärmung erhält.
8. Kräuselgarn bestehend aus einer Vielzahl synthetischer Filamente, das durch Verstrecken
, Erwärmen und Falschdralltexturieren hergestellt wird,
dadurch gekennzeichnet, daß
die synthetischen Filamente derart ungleichmäßig miteinander verschlungen sind, daß
abwechselnd Fadenstücke mit einem offenen Filamentverbund und Fadenstücke mit einem
geschlossenen Filamentverbund vorhanden sind, wobei der offene Filamentverbund einen
größeren Fadenquerschnitt aufweist als der geschlossene Filamentverbund.
9. Kräuselgarn nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Veränderung der Fadenstücke in ihrer Folge und ihrer Größe unregelmäßig auftreten,
und daß die Fadenstücke eine Länge von wenigen Millimetern bis hin zu mehreren Zentimeter
besitzen.
10. Kräuselgam nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, daß
die Filamentverbunde durch folgende Schritte herstellbar sind:
10.1.Anliefern des Fadens mit einer Anliefergeschwindigkeit w1.1 und einer geringen absoluten Fadenspannung F1 von maximal 5 cN zu einem beheizten Streckstift in einer Streckzone ;
10.2.Verstrecken des Fadens durch Umschlingen des Streckstift mit einem Umschlingungswinkel
α < 270° und Abziehen des Fadens mit einer Fadenspannung F2, die deutlich größer ist als die Fadenspannung F1 vor dem Streckstift;
10.3.Zuführen des Fadens in eine Falschdrallzone mit einer Zuführgeschwindigkeit w1 , die größer ist als die Anliefergeschwindigkeit w1.1;
10.4.Erwärmen des Fadens mit Falschdrall auf eine Temperatur T > 180°C und anschließend
Abkühlen des Fadens mit Falschdrall innerhalb der Falschdrallzone;
10.5.Auflösen des Falschdralls an dem Faden durch ein Falschdrallgeber und
10.6.Abziehen des Fadens aus der Falschdrallzone mit einer oberhalb 400m/min liegenden
Abzugsgeschwindigkeit w2 , die zum Nachverstrekken des Fadens in der Falschdrallzone nicht größer ist als
das 1,1-fache der Zuführgeschwindigkeit w1, also 400m/min < w2 < 1,1 ∗ w1.
11. Verfahren zur Herstellung eines Verbundfadens, der zumindest aus zwei vorgelegten
Fäden gebildet wird, wobei zumindest einer der Fäden vor dem Verbinden nach dem Verfahren
einer der Ansprüche 1 bis 7 falschdralltexturiert wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11
dadurch gekennzeichnet, daß
die Fäden unmittelbar nach dem Abziehen von jeweils einer Vorlagespule zusammengeführt
werden und gemeinsam vor dem Verbinden nach dem Verfahren einer der Ansprüche 1 bis
7 falschdralltexturiert werden.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet, daß
das Verbinden der Fäden durch eine Luftverwirbelung innerhalb einer Verwirblungsdüse
unmittelbar nach dem Falschdralltexturieren erfolgt.
14. Vorrichtung zum Falschdralltexturieren eines Fadens (4) mit einem Zulieferwerk (17),
das den Faden (4) von einer Vorlagespule (1) abzieht, mit einem beheizten Streckstift
(18) in einer dem Zulieferwerk (17) nachgeordneten Streckzone, mit einem ersten Lieferwerk
(2), mit einer Heizeinrichtung (5), mit einer Kühleinrichtung (6), mit einem Falschdrallgeber
(7), mit einem zweiten Lieferwerk (3) und mit einer Aufwickeleinrichtung (10),
dadurch gekennzeichnet, daß
ein Fadenführer (19) im Fadenlauf dem Streckstift (18) nachgeordnet ist, welcher zur
Einstellung eines vorgegebenen Umschlingungswinkels des Fadens (4) an dem Streckstift
(18) verstellbar ausgebildet ist.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet, daß
der Fadenführer (19) in einer Führung (20) verstellbar ist, welche eine Führungsbahn
mit einen im wesentlichen konstanten Abstand zum Umfang des Streckstiftes (18) ausbildet.